16. KapitelEin Professor auf Revolutionskurs

Anm. der Autorin: Herzlich willkommen zu einem neuen Kapitel, in dem dem Gespräch im Eberkopf endlich Taten folgen *hähä*

Während Oliver und Katie endlich einen gemeinsamen Moment erlebt haben, Cassandra in die Offensive geht und Oliver langsam Klarheit in sein Gefühlschaos bringt, findet so ganz nebenbei das erste Treffen der DA statt – freut euch auf die Reaktion der Schüler und ganz besonders auf die von Katie ;)

Aber lest selbst!

Wieder einmal ein Disclaimer, da Inhalte aus dem Buch übernommen: Danke JKR =)

Reviews? *schild hochhalt*

Psaum – DANKE =)

Eure Caly

And I pray, oh my god

Do I pray, I pray every single day

For a revolution …

~ 4 non Blondes – What's up?~

Mit kühlen, regnerischen Tagen ging der Oktober langsam seinen Gang. Das Wetter wurde zunehmend rauer und unangenehmer, und wäre Oliver noch Kapitän seiner Mannschaft gewesen, hätten ihm diese Umstände eher weniger bis gar nichts ausgemacht. So aber, da er unter anderem die Verantwortung für eine Horde Erst- und Zweitklässler trug (war sein Jahrgang damals auch so klein gewesen?), musste er manchmal zu seinem eigenen und dem Unwillen der Schüler in die von McGonagall bereitgestellte Klasse ausweichen, wo sie die Stunden mit dem selbstständigen Entwickeln von „Schlachtplänen" zubrachten, wie die Schüler sie getauft hatten.

Nicht selten waren dabei, besonders in Harrys und Angelinas Jahrgang, abenteuerliche Manöver zustande gekommen, die sie ausprobierten, sobald das Wetter wieder besser wurde. Das Zusammenspiel zwischen Lehrer und Schüler hätte dabei besser nicht sein können, und das Hochgefühl, das Oliver bei dieser Erfahrung empfand, wurde nur noch von Umbridges Inspektionsergebnis übertroffen, das zehn Tage später auf seinem Schreibtisch lag. Es war besser ausgefallen, als er es gedacht hatte, und er hatte die leise Vermutung, dass es Umbridge mächtig gewurmt hatte, ihn seine Sache so gut machen zu sehen.

Seit jenem Erlebnis im Schuppen hatte Oliver zu seinem größten Missfallen keine Gelegenheit mehr gehabt, alleine und ausführlich mit Katie zu sprechen, und doch behielt er sie in seinen Stunden mit ihr verstohlen im Blick und suchte des Öfteren auch die Große Halle nach ihr ab, nur um sie mit Angelina und Alicia scherzend oder in ein Lehrbuch vertieft am Gryffindortisch vorzufinden. Der Drang, einfach aufzustehen, seinen alten Schulumhang anzuziehen und sich ebenfalls an den Haustisch neben sie zu setzen und eine unbeschwerte Zeit mit ihr zu verbringen, rumorte dabei besonders stark in seinem Bauch.

Angelina hatte allem Anschein nach ihr Versprechen gehalten, Katie nichts von ihrem Gespräch mit Oliver zu erzählen; denn die blonde Jägerin verhielt sich weder überbetont anhänglich noch zurückhaltend, erfreute Wood aber jedes Mal, wenn sie oder ihre Blicke sich begegneten, mit einem freudigen Lächeln oder einem kurzen Wink.

Trotz der zunehmend schärferen Kontrolle, die Umbridge mehr und mehr über das Schloss zu erlangen schien, war es Oliver außerdem gelungen, sich drei Mal heimlich aus der Schule zu stehlen und den Gryffindors beim Training zuzusehen, dabei natürlich wie immer Katie zu beobachten und auch Ron ein paar nützliche Tipps zu geben, der jedes Mal aussah, als wolle er vor Dankbarkeit auf die Knie fallen.

Wenn er aber seine freie Zeit nicht gerade mit dem Entwickeln von neuen Flugstrategien, einem netten Gespräch mit Professor McGonagall (dem er es auch mit ziemlicher Sicherheit zu verdanken hatte, dass Angelina wenige Tage nach dem Inkrafttreten des Erlasses freudestrahlend zu ihm gekommen war und ihm berichtet hatte, dass die Mannschaft wieder zusammenkommen durfte), einem Brief an Adrien oder einem abendlichen Abstecher ins Quidditchstadion (er hatte wieder angefangen zu trainieren, um seine Form nicht ganz zu verlieren) verbrachte, schien es als wäre Cassandra plötzlich sehr erpicht darauf, ihn immer in ihrer Nähe zu wissen. Beständig bat sie ihn um Hilfe bei ihren Unterrichtsvorbereitungen oder schlug einen Spaziergang oder einen Drink im Dorf vor, jedes Mal mit einem so entwaffnenden Lächeln, dass Oliver nicht anders konnte, als ihr zuzusagen, obwohl er viele Male lieber allein gewesen und über sich und Katie nachgedacht hätte.

Tatsächlich hielt ihn das Leben in Hogwarts ziemlich in Atem; denn neben all den bereits genannten Dingen war er vor allem damit beschäftigt, dass Umbridge, die dieser Tage ein wenig missgestimmt schien, von alledem nichts mitbekam.

Über all dem Trubel hatte der junge Professor auch fast vergessen, was an jenem Samstagvormittag im Eberkopf beschlossen worden war – erst an einem ziemlich regnerischen Tag Mitte Oktober, als er gerade von seiner letzten Stunde mit dem Umhang über dem Kopf zurück zum Schloss eilte, wurde er wieder an Harrys Verteidigungsgruppe erinnert. Auslöser dafür war Angelina, die offenbar neben dem Schlossportal auf ihn wartete und von einem Bein aufs andere trat, was den Eindruck vermittelte, dass sie unbedingt etwas loswerden wollte.

Oliver blickte sich nach etwaigen Zusehern um, kam aber zu dem Schluss, dass man durch die grauen Regenschnüre ohnehin nichts erkennen konnte; dann trat er auf seine beste Freundin zu.

„Hey Angelina. Was machst du hier draußen?"

„Auf unbarmherzige Professoren warten, die es wagen, ihre Schüler bei diesem Wetter auch noch in der Luft herumzuscheuchen", erwiderte die Angesprochene frech grinsend. „Aber ich hatte mir auch nichts anderes erwartet …"

„Ist das alles, was du mir sagen wolltest? Wenn ja, dann entschuldige mich bitte. Über mich herziehen kann ich auch alleine", grummelte Oliver mit einem ziemlich gekonnten Schmollmund, der Angelina zum Lachen brachte.

„Jetzt lass dich doch nicht von mir ärgern. In Wirklichkeit geht es um etwas völlig anderes … obwohl ich das mit dem Regen eigentlich ernst gemeint hab … nun ja, auf alle Fälle gibt es Neuigkeiten!"

„Neuigkeiten?", wiederholte Oliver und strich sich die nassen Haare aus der Stirn. Er hätte seinen Umhang vielleicht doch mit einem Wasserabwehrzauber belegen sollen. „Welche Neuigkeiten?"

Angelina machte ein geheimnisvolles Gesicht und suchte die Umgebung nach eventuellen Zuhörern ab, bevor sie zu sprechen begann.

„Du weißt schon … Harrys Ding", flüsterte sie mit leuchtenden Augen. „Die Gruppe. Er hat ein Treffen angesetzt."

„Im Ernst?" Wood, der sich etwas ärgerlich fragte, wie er so etwas hatte vergessen können, war mit einem Mal wieder Feuer und Flamme für die Aktion. „Wann? Wo?"

„Ich war eben bei Harry, um ihm zu sagen, dass das Training heute ausfällt –"

„Ihr seid wirklich zu Weicheiern mutiert. Ich bitte dich – das bisschen Regen!"

„Mund halten, du Tyrann. Ich war noch nicht fertig. Also, als ich bei ihm war, hat er es mir gesagt. Heute Abend, acht Uhr. Es findet im siebten Stock statt, gegenüber von dem Wandbehang mit Barnabas dem Bekloppten … den kennst du sicher, er wird übelst von Trollen verdroschen …"

„Ja, ich weiß wo das ist", überlegte Oliver nachdenklich, konnte sich jedoch nicht entsinnen, dort ein freies Klassenzimmer oder andere Räumlichkeiten zu kennen. Wenn Harry es aber so anordnete, dann würde es schon seine Richtigkeit und vor allem Sicherheit haben – immerhin war Hermine Granger seine beste Freundin.

Angelina war es schließlich, die ihn wieder aus seinen Gedanken riss. „Ich muss los, Oliver … hab noch eine Stunde Zaubertränke …" Sie verzog das hübsche Gesicht zu einer Grimasse, zwinkerte dann jedoch verschwörerisch. „Wir sehen uns später!"

„Ja, bis später."

Und während Angelina hinunter in die Kerker spurtete, um Snape keinen Anlass zu geben, ihr für diesen Abend Nachsitzen aufzubrummen, schlenderte Oliver nachdenklich zurück in sein Zimmer, um zu duschen und die Kleidung zu wechseln. Immer wieder surrten ihm zweierlei Gedanken durch den Kopf, die ihn nicht in Ruhe lassen wollten. Zum einen waren es die Aufregung und Anspannung vor dem bevorstehenden Treffen mit Harrys Gruppe und die Gewissheit, etwas zu tun, das Umbridge niemals dulden würde; zum anderen war es eine gewisse Art von Vorfreude, denn Katie würde ebenfalls anwesend sein und nun erkennen, dass die Gruppe ein weiteres Mitglied bekommen hatte…

~*~

Die Dunkelheit brach unaufhaltsam über die Ländereien und das Schloss herein und die zusätzlichen Fackeln, die man aufgrund der immer undurchdringlicher werdenden Düsternis in den Korridoren angebracht hatte, wurden entzündet.

In seinem Zimmer stand Oliver in seinem Bad vor dem Spiegel und betrachtete prüfend sein Spiegelbild. Er legte den Kopf schief, zog einen Schmollmund, richtete den Kopf wieder grade, zwinkerte und lächelte, bis er schließlich entschied, mit seinem Aussehen zufrieden zu sein. Nachdenklich zupfte er seinen frisch gewaschenen, dunkelroten Pullover zurecht und prüfte, ob seine Jeans auch richtig saß.

Für einen Moment musste er über sein Verhalten schmunzeln. Wenn Angelina dich jetzt so sehen könnte … sie würde sich totlachen …

Normalerweise war er wirklich nicht dermaßen eitel und auf sein Aussehen fixiert, obwohl er schon einen gewissen Wert auf seine Erscheinung legte. Heute aber erforderten die gegebenen Umstände eben andere Maßnahmen …

Erneut grinste er seinem Spiegelbild zu und das in den letzten Tagen so oft gefühlte Kribbeln in seiner Magengegend verstärkte sich, als er auf seine Armbanduhr blickte. Es war dreiviertel acht. Die Spannung und das Adrenalin in seinem Blutkreislauf stieg und er verließ aufgeregt wie schon lange nicht mehr das Badezimmer, sah sich nach seinem Zauberstab um und steckte ihn vorsorglich in die weiten Taschen seiner Hose.

Mit einem letzten Blick in den Raum löschte er das Licht, öffnete die Tür – und rannte fast in Cassandra, die auf der Schwelle stand und wohl gerade die Absicht gehabt hatte, zu klopfen.

„Obacht!", rief sie lachend aus und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen gegen den Türrahmen. „Na, wo willst du denn so eilig hin?"

Oh nein, nicht schon wieder …

Entschuldigend lächelnd schloss Oliver die Tür und zwängte sich an seiner Kollegin vorbei hinaus auf den Korridor.

„Tut mir Leid, Cassandra. Ich habe im Moment ein kleines zeitliches Problem. Wenn du mich bitte entschuldigst …"

Es tat ihm wirklich Leid, seine wohl einzige „legale" Freundin so abfertigen zu müssen, doch der Zeiger der Uhr wanderte unablässig weiter und es war bereits zehn vor acht. Cassandras fragender und ein klein wenig enttäuschter Blick besserte sein leicht schlechtes Gewissen auch nicht gerade.

Seufzend blieb er stehen und suchte ihren Blick. „Hör mal, Cassandra. Ich habe jetzt nicht wirklich die Zeit, um mich zu erklären, aber ich hab dich schon einmal darum gebeten, mir zu vertrauen und ich tue es jetzt wieder. Bitte."

Die junge Griechin nagte an ihrer Unterlippe und verschränkte die Arme vor der Brust, sagte jedoch nichts und nickte nur knapp. Ein schwaches Lächeln huschte über ihre Lippen.

„Danke. Du bist ein Engel." Oliver wirkte äußerst erleichtert und tatsächlich – wie Cassandra erst Sekunden später mit starkem Herzklopfen realisieren konnte – war er noch einmal zu ihr gekommen und hatte sie kurz umarmt, bevor er um die Ecke verschwunden war.

Mit einem warmen Kribbeln im Bauch blickte sie ihm nach, und obwohl eine kleine Stimme in ihrem Kopf misstrauisch nachgrübelte, was Oliver um Merlins Willen nur heimlich trieb, so war die Freude über diese kleine Umarmung übermächtiger.

Wenn das mal kein Zeichen war …

Oliver spurtete durch die zwielichtigen und fackelbeleuchteten Korridore hinauf in den siebten Stock, nicht jedoch ohne zuerst um jede Ecke zu spähen, ob nicht Snape, Umbridge oder irgendjemand anderer zu dieser Zeit noch gedachte, eine Patrouille durchs Schloss zu machen.

Der Korridor lag verlassen und fackelbeschienen da, nur am Ende des Ganges – genau dort, wo nach Olivers Ermessen der Wandbehang von Barnabas dem Bekloppten hing, bewegte sich etwas. Mit eiligen, jedoch vorsichtigen Schritten näherte er sich der von Angelina beschriebenen Stelle und sein Herzschlag beruhigte sich wieder etwas, als er Harry, Ron und Hermine erkannte, die ebenfalls ziemlich erschreckt wirkten.

„Oliver!", schnaufte Hermine und legte eine Hand aufs Herz. „Du hast uns erschreckt!"

„Entschuldige, das habe ich wohl so an mir", erwiderte der Angesprochene zwinkernd, dann erst bemerkte er die glänzende, polierte Tür, die in der Wand eingelassen war und die er in ihrer Form so noch nie gesehen hatte. „Ist das der Raum?"

„Jep", erwiderte Harry, offenbar selbst noch vom Erscheinen des Raumes überrascht. „Ein … Bekannter hat mir davon erzählt. Man nennt ihn auch den Raum der Wünsche."

„Ah, ich hab davon gehört", grinste Wood. „Er erscheint, wenn man daran vorbeigeht und sich sehnlich etwas wünscht. Fred und George haben sich da drin mal vor Filch versteckt …"

Ron, der die Tür mit zunehmendem Argwohn betrachtete, stupste leicht mit dem Zauberstab gegen das Holz, als wolle er es auf seine Echtheit prüfen, was Hermine aufseufzen ließ.

„Oh Ron, jetzt stell dich nicht so an", wies sie den Rothaarigen zurecht und gab Harry unauffällig einen Schubs Richtung Tür. „Kommt schon, lass uns reingehen."

Wood bemerkte, dass Harry ebenfalls etwas argwöhnisch wirkte, doch er hatte die Neugier seines Suchers nicht unterschätzt. Der Gryffindor packte mutig die Messingklinke, zog die Tür (die offensichtlich ziemlich schwer war) auf und ging den anderen voran in den auf den ersten Blick weitläufigen Raum.

Staunend betrat Oliver den Raum der Wünsche und ließ den Blick interessiert umherschweifen. Schwach fühlte er sich an die Kerker erinnert, allzu ähnlich waren die Fackeln denen aus dem verhassten Klassenzimmer Snapes. Erst dann wurde er sich dessen bewusst, wie passend der Raum eigentlich ausgestattet war: Hölzerne, schwere Bücherschränke zogen sich die Wände entlang, Seidenkissen (die wohl als Sitzgelegenheiten dienen sollten) lagen verstreut auf dem Boden und an der gegenüberliegenden Wand reihten sich allerlei interessante Dinge wie Spickoskope, Geheimnisdetektoren und etwas, das aussah wie ein großer, kaputter Spiegel.

Fasziniert nahm Oliver diese Gerätschaften näher in Augenschein, während Hermine ihr Paradies beim Bücherregal gefunden zu haben schien und sich sofort mit einem dicken Schinken auf einem der bequemen Kissen niederließ, die von Harry schon vorsorglich für das Üben von Schockzaubern „eingeteilt" worden waren.

Plötzlich klopfte es sachte an die Tür, die Anwesenden fuhren herum und Oliver trat instinktiv einen Schritt hinter den zerbrochenen Spiegel, wo das flackernde Licht der Fackeln nicht wirklich hinreichte. Ron bemerkte es und warf ihm einen fragenden Blick zu, und auch er selbst fragte sich, warum er sich noch versteckte – immerhin würden über zwanzig Schüler dieser Schule in der nächsten Viertelstunde von seiner Anwesenheit erfahren.

Katie … auf ihre Reaktion war er am meisten gespannt.

Rons kleine Schwester Ginny und vier Klassenkameraden Harrys hatten soeben den Raum der Wünsche betreten und sahen sich beeindruckt um.

„Wow!", entfuhr es einem schwarzen Jungen mit dunklem gelocktem Haar, der – soweit Wood sich nicht irrte – Dean Thomas hieß. „Was ist das für ein Zimmer, Harry?" Deans Blick schweifte im Raum umher und blieb plötzlich genau an Oliver hängen, dessen Herz just in diesem Moment laut zu pochen begann. Man hatte ihn entdeckt. Als Deans Augen immer größer wurden und er unverständliche Laute von sich gab, waren auch die anderen seinem Blick gefolgt.

„Professor Wood?", fragte Ginny Weasley verwirrt blinzelnd, während die beiden anderen Mädchen, Parvati Patil und Lavender Brown, in leises Kichern ausbrachen. „Was machen Sie denn hier?"

Es hatte keinen Zweck mehr, sich zu verstecken und mit einem leisen Räuspern trat Oliver aus den Schatten, die ihn – mehr oder weniger gut – vor den anderen verborgen hatten. Neville Longbottom quiekte erschrocken und Dean Thomas entfuhr ein leises „Krass!".

Harry hatte bereits den Mund geöffnet, um die Umstände zu erklären, während Oliver noch immer Ziel aller erstaunten Blicke war, da klopfte es erneut und die nächste Menschentraube schneite herein: Parvati Patils Zwillingsschwester Padma, Cho Chang, ihre Ravenclawfreundin und Luna Lovegood, die eher hereinzuschweben als zu –gehen schien.

Auch sie registrierten mit Getuschel Olivers Anwesenheit und Harry wollte gerade erneut zu einem Erklärungsversuch ansetzen als mit Zacharias Smith, Ernie Macmillian, Michael Corner, Justin Finch-Fletchley, den Creevey-Brüdern, Hannah Abbott samt Freundin und noch drei weiteren Ravenclaws der nächste Schwung hereingeschneit kam.

Wood wich zunehmend nervös den musternden Blicken seiner Schüler aus, fuhr sich durchs Haar und spähte über ihre Köpfe hinweg zur Tür. Wo blieb bloß seine ehemalige Mannschaft? Wo blieb Katie? Kamen sie womöglich nicht?

Nein, du Dummkopf … sonst hätte Angelina nicht mit dir gesprochen …

Gerade hatte er den Gedanken zu Ende gebracht, als die Tür mit einem Mal erneut aufging und sein Herzschlag sich beschleunigte.

Fred und George rauschten herein, winkten den bereits Angekommenen gut gelaunt zu und suchten sich wie die anderen einen freien Sitzplatz auf einem Kissen; direkt hinter ihnen betraten Angelina (die Oliver verschmitzt zuzwinkerte) und Alicia (die beim Anblick ihres ehemaligen Kapitäns ein klein wenig verdutzt wirkte und sofort ihre Kapitänin am Ärmel zupfte und heftig mit ihr zu flüstern begann) den Raum, dicht gefolgt von Katie.

Es war, als hätte jemand den Ton in Woods Ohren um ein ganzes Stück leiser gedreht. Sein Blick traf den ihren mit einer wie es ihm vorkam ungeheuren Wucht und er konnte förmlich sehen, wie sie erstarrte und ihre Augen sich weiteten. Sein Herz schlug mittlerweile so heftig gegen seinen Brustkorb, dass er fürchtete, jemand könnte es hören.

Du?", formten ihre Lippen schließlich in tonloser Ungläubigkeit und er nickte leicht, brachte sogar ein schwaches Lächeln zustande, das sie sogleich erwiderte. Den Blick nicht von ihm abwendend durchquerte sie den Raum und ließ sich neben Angelina und Alicia nieder, wo sie sofort Angelina zur Seite nahm.

„Oliver ist hier!", flüsterte sie aufgeregt und beobachtete den jungen Professor, der sich jetzt neben Harry ebenfalls auf eines der Kissen sinken ließ, wie immer – oder heute sogar besonders – anziehend und gutaussehend; seine dunklen Augen huschten in regelmäßigen Abständen zu den drei Jägerinnen herüber.

„Ich weiß", erwiderte Angelina ebenso leise und schelmisch zwinkernd zurück und Katie fiel buchstäblich die Kinnlade herunter. Auch Alicia schien ziemlich überrumpelt.

„Du hast es gewusst?", hakte Katie nach, als sie die Nachricht verdaut hatte und fixierte die Kapitänin mit ihrem Blick. „Seit wann …?"

„Er war im Eberkopf auch schon dabei, wenn ihr es genau wissen wollt", kam Angelinas lakonische Antwort. „Sagen wir es mal so, er war gut versteckt, darum konnte ihn damals noch niemand sehen. Harry hat nämlich vor dem Treffen mit Fred gesprochen und der hielt es für eine grandiose Idee, wenn Oliver auch mitmachen würde, wie er mir später erzählt hat." Sie grinste und ließ ihren Zauberstab zwischen ihren Fingern kreiseln.

„Aber was ist, wenn Umbridge das rausfindet?", flüsterte Alicia besorgt und Katie schluckte. Daran hatte sie auch schon gedacht. Was, wenn man Oliver dabei erwischen würde, wie er – eigentlich als Professor angestellt – mit einer verbotenen Schülergruppe defensive Zauber übte, die in den Augen des Ministeriums nicht nötig waren? In gewisser Weise verboten waren?

„Wird sie schon nicht", versicherte ihnen Angelina mit beruhigender Stimme. „Oliver hat gesagt, dass Hermine Granger alles unter Kontrolle hat. Das reicht mir als Absicherung."

„Wo du Recht hast, hast du Recht", musste Alicia zugeben, und auch Katie schien etwas erleichtert zu sein. Verstohlen warf sie noch einen Blick auf Oliver, der sich mittlerweile mit den Weasleyzwillingen unterhielt, die sich hinter ihn gesetzt und ihn lautstark begrüßt hatten.

Mit einem Mal fiel ihr die Begegnung mit Professor Theano wieder ein und der wohlbekannte Hauch von Eifersucht machte sich erneut in ihrem Herzen breit. Wenn sie es recht bedachte, hatte sie die beiden in letzter Zeit ziemlich oft zusammen gesehen, und merkwürdigerweise schien es immer die Professorin gewesen zu sein, die den Anstoß dazu geliefert hatte. Mittlerweile war es für Katie so offensichtlich, dass Cassandra Theano hinter Oliver (ihrem Oliver!) her war wie die Tatsache, dass Lord Voldemort böse war. Zweifelnde Stimmen in ihrem Hinterkopf überlegten immer wieder, was wohl geschehen würde, wenn Oliver Cassandras Werben eines Tages nachgab … daran wollte sie gar nicht denken. Nein! Sie würde stark bleiben und um ihre Liebe kämpfen – auch wenn es noch so aussichtslos schien …

Ihre Gefühle mussten sich ziemlich deutlich auf ihrem Gesicht abgespielt haben, denn Angelina berührte sie sachte am Unterarm und beugte sich zu ihr herüber.

„Alles in Ordnung, Kates?", flüsterte sie so leise, dass Alicia, die gerade mit einem Schüler aus Ravenclaw, der in ihrem Jahrgang war, plauderte, es nicht hören konnte.

Katie, den Bruchteil einer Sekunde wieder einmal über Angelinas dermaßen gut ausgeprägte Einfühlsamkeit erstaunt, wollte erst nicken – doch sie brachte es nicht über sich, zu sehr saß die Wut über Professor Theano in ihrer Brust. Genauso leise flüsternd erzählte sie ihrer Freundin von der Begegnung mit der Okklumentikprofessorin und von ihrer – wie sie fand nicht unbegründeten – Eifersucht, schließlich hatten sie schon einmal die Vermutung gehabt, dass Cassandra mehr als freundschaftliches Interesse für Oliver hegte.

Angelina versuchte flüsternd, ihre Freundin zu beruhigen, wobei sie sich wie versprochen an die Abmachung mit Oliver hielt. Das seltsame Gefühl in ihrem Bauch ignorierte sie dabei, denn es fühlte sich mehr als merkwürdig an, Katie eine eventuelle Zuneigung Olivers zu Cassandra auszureden, wenn man die Realität – die noch dazu mehr als positiv war – kannte. Wood würde Professor Theanos Werben ebenso wenig nachgeben wie Professor Snape es tat, wenn man ihm Nachsitzen ausreden wollte – seit ihrem ausführlichen Gespräch im Kapitänsbüro wusste Angelina sehr wohl, wie es um das Herz ihres besten Freundes bestellt war.

Da sie ihm aber versprochen hatte, Katie nichts davon zu erzählen, beließ sie es nach fünf Minuten Beruhigungsgespräch dabei und konzentrierte sich auf Harry, der hinüber zur Tür ging und den Schlüssel im Schloss umdrehte, so dass sie niemand stören konnte. Noch immer waren die fragenden Flüstereien rund um Oliver Woods Anwesendheit nicht verstummt, und der junge Sucher fand, dass dies ein Ende haben musste. Besonders Zacharias Smith äugte des Öfteren misstrauisch zu seinem Flugkampfprofessor hinüber.

„Also", begann er mit nervöser Stimme (was ihn ungeheuer wurmte, denn eigentlich wollte er entschlossen klingen) und blickte um sich. „Bevor ich euch jetzt zeige, wie wir das Ganze angehen werden, sollte ich euch vielleicht noch darüber aufklären, warum heute noch jemand hier ist, er es eigentlich nicht sein dürfte."

Er ruckte mit dem Kopf in Richtung Oliver und alle Blicke folgten ihm, was dem jungen Professor, nun da er so plötzlich im Mittelpunkt stand, sichtlich nicht behagte. Katie sah, wie Olivers Augen versuchten, ja mit niemandem Blickkontakt aufzunehmen und konnte sich vorstellen, was es für ihn bedeuten musste, hier zu sein und dafür alle Regeln zu brechen, die ihm auferlegt worden waren.

Harry indes fuhr mit seiner Erklärung fort. „Wie ihr wisst, ist unser höchstes Ziel, dass wir uns gegen Ihn, dessen Name nicht genannt werden darf, verteidigen können. Wir alle sind nicht damit zufrieden, wie Umbridge und das Ministerium die Situation handhabt und uns einfach die Wahrheit verbietet! Und Oliver hier ist damit genauso wenig einverstanden. Er hat sich sogar dazu bereiterklärt, auch ein wenig von seinem Wissen an uns weiterzugeben, immerhin hat er bereits seinen Abschluss und ist viel herumgekommen. Ich bin mir sicher, zusammen können wir noch effizienter arbeiten." Zustimmendes Gemurmel von allen Seiten, die Gesichter der Schüler nahmen einen zunehmend anerkennenden Ausdruck an und sowohl Harry als auch Oliver verspürten Erleichterung in ihrer Magengegend.

„Und er wird uns auch nicht verpfeifen, ja?", hakte ein junger Gryffindor nach und Zacharias Smith beeilte sich, dem heftig nickend zuzustimmen. Oliver hätte ihm am liebsten eine geknallt.

Harry bedachte seinen Hauskameraden mit einem tadelnden Blick. „Michael, ich bitte dich. Nur, weil er jetzt kein Schüler mehr, sondern Lehrer ist, heißt es nicht, dass er vergessen hat, wer seine Freunde und wer seine Feinde sind. Jeder von euch ist sich bestimmt des Risikos bewusst, dem Oliver in dieser Position ausgesetzt ist – dem wir alle ausgesetzt sind." Harrys Stimme wurde nun zunehmend kräftiger. „Und deshalb bitte ich euch darum, Olivers Anwesenheit genauso hinzunehmen und zu akzeptieren, wie ihr die Anwesenheit eines jeden von uns hinnehmt. Ihr habt euch dazu verpflichtet, über diese Gruppe zu schweigen, somit auch über jedes Mitglied. Jedes. Seid ihr damit noch immer einverstanden? Derjenige, der ein Problem mit unserem Neuzuwachs hat, kann sich jetzt melden."

Stille breitete sich im Raum der Wünsche aus; Ron und Hermine starrten sich mit großen Augen an, denn so hatten sie Harry noch nie reden gehört. Die Schüler schwiegen, ihre Blicke lagen noch immer auf Oliver, der mittlerweile im Schneidersitz auf seinem Kissen saß und ein klein wenig unsicher in die Runde blickte. Wie würden sie reagieren? Würde jemand dagegen sein, dass ein Lehrer in ihrer Gruppe mitmachte? Zacharias Smith linste schon die ganze Zeit so seltsam in seine Richtung …

Dann aber fing er Katies Blick auf, sah ihr aufmunterndes Lächeln – und er fasste wieder neuen Mut; registrierte, dass niemand sich auf Harrys Frage hin meldete und sein Herz machte einen Hüpfer. Die erste Hürde war geschafft; und sogar der Gryffindor namens Michael schien zufriedengestellt.

„Ich find's gut, dass er dabei ist", meldet sich plötzlich George Weasley zu Wort. „Harry hat Recht, Oliver hat mehr Erfahrung als wir alle. Außerdem geht es ihm ebenso gegen den Strich, wie wir vom Ministerium behandelt werden, nicht wahr?"

Wood nickte zustimmend und erneut brachen anerkennende Tuscheleien aus, andere – wie zum Beispiel der Ravenclawschüler aus Angelinas und Alicias Jahrgang und Ginny Weasley – stimmten Georges Worten zu und gratulierten Oliver dazu, dass er ‚es der alten Kröte samt ihrem Spinner von Chef endlich zeigen wolle'.

Es dauerte einige Momente, bis Harry sich wieder Gehör verschafft hatte. „Also, wie ihr alle bereits bemerkt haben werdet, ist dies der Raum, den wir für unsere Übungsstunden aufgetrieben haben, und ihr findet ihn offensichtlich ja ganz brauchbar …"

„Er ist phantastisch!", unterbrach ihn Cho Chang, die Sucherin der Ravenclaws, und die anderen murmelten zustimmend.

„Ziemlich irre", kam es von Fred Weasley, der seinen Bruder in die Seite boxte. „Wir haben uns mal vor Filch hier drin versteckt, weißt du noch, George? Aber damals war es nur ein Besenschrank."

„Hey Harry, was sind das für Sachen?", meldete sich Dean wieder zu Wort und deutete auf die Gerätschaften an der Wand. Harry, der davon ziemlich unbeeindruckt schien und sich einen Weg zurück durch die besetzten Kissen bahnte, antwortete: „Antiobskuranten. Im Grunde zeigen sie alle, wenn schwarze Magier oder Feinde in der Nähe sind, aber man kann sich nicht so recht drauf verlassen, sie können ausgetrickst werden …"

Nachdenklich betrachtete er den zerbrochenen Spiegel und Oliver staunte über Harrys Wissen, was solche Gerätschaften anbelangte. Natürlich, schalt er sich sofort darauf, Potter hat ja auch schon einiges mitgemacht.

„Nun", fuhr der Gryffindor fort, als er sich wieder umgewandt hatte, „ich hab darüber nachgedacht, was wir als Erstes tun sollten und – ja, Hermine?"

Hermine hatte die Hand demonstrativ nach oben gestreckt und wollte offensichtlich etwas loswerden. „Ich finde, wir sollten einen Anführer wählen", meinte sie mit ernster Miene, wurde jedoch von Cho unterbrochen (die wohl einen Tick dafür zu haben schien. „Harry ist der Anführer!"

Einmal mehr hatte Oliver das Gefühl, dass zwischen Harry und Cho Chang mehr lief, als nur Freundschaft, doch er hatte keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wenn doch sein eigenes Gefühlsleben so ihm Chaos versank. Deshalb lauschte er aufmerksam Hermines nächsten Worten.

„Ja, aber ich denke, wir sollten richtig darüber abstimmen", fuhr sie unbeirrt ob Chos Kommentar fort. „Das macht das Ganze offiziell und verleiht ihm Autorität. Also – wer ist dafür, dass Harry unser Anführer sein soll?"

Oliver war der Erste, der seine Hand hob, ihm folgen alle anderen Schüler – sogar Zacharias Smith, wenn auch – wie Oliver zornig bemerkte – recht halbherzig.

Harry schien aufs Äußerste verlegen zu sein; sein Gesicht glühte und seine Stimme klang etwas holprig, als er erneut das Wort ergriff. „Ähm … gut, danke … Und – was noch, Hermine?"

Die Fünftklässlerin hatte die Hand noch immer erhoben und rückte sogleich strahlend mit dem nächsten Einfall heraus.

„Ich finde, dass wir uns einen Namen geben sollten. Das würde den Teamgeist und den Zusammenhalt unter uns fördern, meint ihr nicht?"

Die Schüler schienen begeistert von der Idee zu sein. Angelina war die Erste, die tapfer einen Vorschlag machte.

„Wie wär's mit Anti-Umbridge-Liga?"

„Sehr kreativ, Lina", entfuhr es Oliver grinsend und seine beste Freundin streckte ihm frech die Zunge heraus (was im Übrigen nun, da sie akzeptiert hatten, das ein Professor fester Bestandteil ihrer Gruppe war, keinen mehr verwunderte – wussten doch alle, dass Oliver Wood und Angelina Johnson schon zu Schulzeiten so miteinander umgegangen waren).

„Oder die Ministerium-macht-Murks-Gruppe?", kam es von Fred, doch dafür wurde er sogar von seinem eigenen Zwillingsbruder ausgelacht.

„Ich würde meinen", sagte Hermine und warf Fred einen tadelnden Blick zu, „dass wir uns einen Namen geben sollten, der nicht allen verrät, was wir vorhaben, damit wir ihn auch außerhalb unserer Treffen gefahrlos verwenden können."

„Die Defensiv-Allianz?", schlug Cho Chang vor. „Abgekürzt mit DA, so dass niemand weiß, wovon wir reden?"

Just in diesem Moment überkam auch Oliver ein Einfall – er erinnerte sich an das Treffen im Eberkopf … und an die größte Angst des Ministeriums …

„Ich finde", begann er und schlagartig wurde es mucksmäuschenstill, „dass DA schon mal gut klingt. Aber es sollte besser für etwas anderes stehen …" Kurz dachte er nach, bevor er mit einem triumphierenden Ausdruck in den dunklen Augen fortfuhr: „Dumbledores Armee! Schließlich ist das doch die größte Angst des Ministeriums, oder? Dass Dumbledore die Macht an sich nimmt und Fudge vom Thron stößt!"

Sein Vorschlag erntete viel zustimmendes Murmeln und Hermine schlug sofort vor, darüber abzustimmen. Mit gebieterischer Miene zählte sie die erhobenen Hände und verkündete schließlich stolz: „Das ist die Mehrheit – Vorschlag angenommen!"

Vorsichtig zog sie das Pergament mit all den Unterschriften aus ihrer Tasche, pinnte es an die Wand, wo alle es lesen konnten und schrieb in großen Lettern DUMBLEDORES ARMEE darüber.

„Gut!", rief Harry, als Hermine sich wieder hingesetzt hatte und nun erwartungsvoll wie alle anderen zu ihm aufsah. „Wollen wir dann mit den Übungen anfangen? Ich hab mir überlegt, dass wir als Erstes den Expelliarmus üben sollten, ihr wisst ja, den Entwaffnungszauber. Der gehört zwar zu den simplen Grundlagen, aber ich fand ihn recht nützlich –"

„Also bitte", fiel ihm Zacharias Smith spöttisch ins Wort und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich glaub nicht, dass ausgerechnet Expelliarmus uns gegen Du-weißt-schon-wen nützen wird."

Oliver wurde in diesem Moment so unglaublich wütend auf diesen Hufflepuff, der genauso gut nach Slytherin hätte gehören können, dass er einfach etwas sagen musste.

„Ach ja? Und woher weißt du das so genau, du Schlaumeier? Soweit ich mich erinnere, hast du nicht den Mut dazu gehabt, dich gegen Umbridge aufzulehnen und so etwas wie das hier auf die Beine zu stellen, also hör endlich auf, herumzunörgeln und nimm an, was man dir sagt!"

Stille trat ein, in der Zacharias Smith viele verständnislose und Oliver viele anerkennende Blicke bekam (besonders aus der Ecke, in der die drei Jägerinnen saßen). Smith schien kleinlaut geworden zu sein, denn er hob die Schultern und blickte mit vor Scham geröteten Wangen zu Boden.

„Ich hab ihn gegen ihn eingesetzt", kam es plötzlich mit ruhiger Stimme von Harry. „Er hat mir im Juni das Leben gerettet. Aber wenn du meinst, du musst dich nicht damit abgeben, dann kannst du ja gehen, Zacharias."

Weder Smith noch sonst jemand anderes rührte sich, und Oliver schüttelte den Kopf über eine so große Klappe, hinter der sich allem Anschein nach nichts versteckte.

„Okay …", fuhr Harry langsam fort, als er die Stille und die Blicke seiner Mitschüler registrierte, er schien zunehmend nervöser zu werden. „Ich schlage vor, wir stellen uns immer zu zweit zusammen und üben."

Wie auf Befehl erhoben sich die Schüler und Oliver hielt nach Katie Ausschau, mit dem insgeheimen Wunsch, mit ihr zu üben, doch die Jägerin war schon von Alicia zu ihrer Partnerin gemacht worden und Angelina kam mit einem wagemutigen Glitzern in den Augen zu ihm herüber.

„Na, Käpt'n? Lust, dich von deiner Nachfolgerin platt machen zu lassen?"

Oliver warf Katie, die Alicia bereits deren Zauberstab aus der Hand jagte, einen letzten kurzen Blick zu und widmete sich dann seiner besten Freundin.

„Das werden wir schon sehen, Kleine."

„Hey! Nenn mich nicht so, Mister!" Angriffslustig lächelnd krempelte Angelina die Ärmel ihres Umhangs hoch und brachte sich in Position, während rund um sie herum die Luft bereits mit Expelliarmus-Rufen und dem Geräusch von auf dem Boden aufschlagenden Zauberstäben erfüllt war.

Neville Longbottom, der als Einziger ohne Partner geblieben war und nun mit Harry übte, schien am schlechtesten mit dem Zauber klarzukommen. Harry gelang es immer wieder, seinen Mitschüler zu entwaffnen, während dieser nicht mehr als einen kleinen, verirrten Zauber zustande brachte.

Mitleidig beobachtete Wood für einen Moment Nevilles klägliche Versuche, Harrys Zauber zuvorzukommen und spürte plötzlich, wie es ihm den bereits erhobenen Zauberstab aus den Händen riss und er mit einem dumpfen Klackern auf dem Boden aufschlug.

„He!", beschwerte er sich lautstark und Angelina grinste triumphierend. „Tja, was kann ich dafür, wenn du nicht auf dich aufpassen kannst?"

Grummelnd las Oliver seinen Zauberstab vom Boden auf und schnellte dann so rasch in die Höhe, dass die noch immer feixende Angelina keine Zeit mehr hatte, zu reagieren.

Expelliarmus!"

Angelinas Gesichtsausdruck hätte erschrockener nicht sein können, als ihr der Zauberstab in hohem Bogen aus den Händen zischte und gegen Cho Changs Schulter prallte, die in ihrer Nähe stand.

„Sorry, Cho", entschuldigte sich die Kapitänin mit missmutiger Miene, als Cho ihr lächelnd den Zauberstab hinhielt. „Da musste mal wieder jemand angeben …"

„Das hab ich gehört", kam es von Oliver, der seine Schultern kreisen ließ und seine Freundin mit einem amüsierten Blick erwartete. „Bist du jetzt sauer, Kleine?"

„Ooooh ja …"

Gerade in dem Moment, als die beiden sich wieder in Position brachten und erneut zu üben beginnen wollten, verschaffte sich Harry, der in den letzten Minuten einen Rundgang durch die Übenden gemacht hatte, mithilfe einer Trillerpfeife lautstark Gehör.

„Stopp! STOPP! … Das war nicht schlecht, aber es gibt einiges zu verbessern."

Wieder begannen seine Schützlinge zu üben und wieder schaffte Oliver es, Angelina als erstes dranzukriegen, wofür sie sich ‚netterweise' mit einem ebenso gut gezielten Fluch revanchierte.

Kurz wurden sie noch von einem leisen Aufschrei abgelenkt, dessen Urheber Alicia war – ein Zauberstab hatte sie hart an der Nase getroffen und Katie war die nächsten Minuten vollauf damit beschäftigt, ihrer Freundin Taschentücher zu reichen, damit das Nasenbluten wieder aufhörte.

„Kommt ihr klar?", rief Oliver hinüber, doch Katie schenkte ihm nur ein kurzes, dankbares Lächeln und winkte ab. „Keine Sorge, es geht schon wieder … wie fühlst du dich, Leesh?"

Alicia, sich gerade dem letzten Taschentuch die Nase abwischte, streckte zur Bekräftigung einen Daumen nach oben.

Am Ende der Stunde, als Harry alle Paare umrundet und ihnen Ratschläge erteilt hatte, waren sowohl Oliver als auch Angelina leicht verschwitzt und außer Atem, hatten sie sich doch gegenseitig ziemlich gefordert. Obwohl sie nur den Entwaffnungszauber geübt hatten, hatte Olivers bei weitem stärker entwickelte Zauberkraft Angelina des Öfteren nach hinten gegen jemand andern prallen lassen, was sie ihm mit einem saftigen Kitzelfluch nach Harrys Pfiff mit der Trillerpfeife gedankt hatte.

Heftig kichernd ging Oliver in die Knie und beruhigte sich erst wieder, als er durch Zufall einen Blick auf die Uhr warf. War es wirklich schon so spät? Erschrocken und das Lachen unterdrückend rappelte er sich wieder auf und sammelte sich gemeinsam mit Angelina (die ihm ein süffisantes Grinsen zuwarf), Alicia und Katie um Harry. Es war höchste Zeit zu verschwinden – nicht alle durften bis neun auf den Gängen bleiben und wenn Filch einen von ihnen erwischte, würden sie eine saftige Strafe kassieren.

„Nun, das war schon mal ganz gut", lobte Harry die Gruppe. „Aber wir haben überzogen und sollten jetzt besser aufhören. Nächste Woche, selbe Zeit, selber Ort?"

Die Gruppe war davon hellauf begeistert und hatte die Zeit offensichtlich genossen, die sie miteinander und gegen Umbridge verbracht hatten.

„Lieber schon früher!", rief Dean Thomas schließlich und die anderen nickten zustimmend. Angelina jedoch, der das Wohl ihrer Mannschaft – oder besser gesagt der Pokal und das dafür obligate Training – sehr am Herzen lagen, wandte ein: „Die Quidditch-Saison fängt aber bald an, und unsere Mannschaft muss auch noch trainieren!"

Anwesende Quidditchspieler anderer Häuser stimmten der Kapitänin von Gryffindor zu und Harry fuhr sich nachdenklich durchs Haar.

„Hm … na gut, dann sagen wir nächsten Mittwochabend, okay? Dann können wir noch zusätzliche Treffen beschließen. Kommt jetzt, wir müssen uns wirklich beeilen."

Die Schüler strömten eifrig miteinander schnatternd zur Tür und Oliver kämpfte sich gemeinsam mit Angelina zu Alicia und Katie durch, die von anderen Schülern von ihnen weggedrängt worden waren.

„Tolles Treffen, was?", meinte Oliver mit anerkennender Miene zu Angelina, die seinen Kommentar kopfnickend erwiderte. „Stimmt … Harry macht das gut. Es ist das Wichtigste, erst einmal klein anzufangen, so dass alle mitkommen. Fast so ein guter Lehrer wie du."

„Du Schleimerin!", rief Oliver lachend aus und boxte sie in die Seite, als sie bei den anderen beiden Jägerinnen ankamen, die vor der Tür auf sie gewartet hatten. Mittlerweile verließen schon die ersten Schüler den Raum.

„Tschau!", „Macht's gut!" und sogar ein „Bis nächstes Mal, Oliver!" erfüllte den Raum und gab Oliver seit Schulbeginn zum ersten Mal wieder das Gefühl der wirklichen Zugehörigkeit – auch wenn diese Zugehörigkeit etwas abstrakt wirkte.

„Hey! Na, habt ihr euch hübsch gegenseitig fertig gemacht?", grinste Katie und nahm die beiden in Empfang. „Ein Glück, das wir heute nur den Zauber geübt haben, wer weiß was sonst geschehen wäre?"

Oliver lachte und hielt sich den Mund zu, wobei er Angelina einen finsteren Blick zuwarf.

„Oh, ein Kitzelfluch", diagnostizierte Alicia breit grinsend und schlug mit Angelina ein. „Strike, Kapitänin!"

„Haha, gut, dass ihr wenigstens zusammenhaltet", grummelte Oliver mit einem Hauch Sarkasmus in der Stimme und reihte sich mit den drei Jägerinnen in der Schlange vor der Tür ein, wo Harry die Schüler in Dreier- und Vierergruppen hinausließ.

„Nimm's nicht so schwer, Oliver", seufzte Katie gespielt und hängte sich bei ihm ein (was angenehmes Prickeln in seinem Körper ausbreitete). „Manchmal brennt bei den beiden einfach etwas durch …"

„Gar nicht wahr!!"

„Katie!"

Doch Angelina lächelte und zwinkerte ihrer blonden Freundin zu, die Olivers Arm noch nicht losgelassen hatte und die Situation sichtlich zu genießen schien, besonders da Wood keine Anstalten machte, sich von ihr zu lösen.

„Hey Harry, das war prima!", verabschiedete Oliver sich schließlich von seinem ehemaligen Sucher, als sie ihn und seine Freunde erreicht hatten. „Mach weiter so, das hilft ihnen wirklich."

„Danke", erwiderte Harry verlegen. „Noch ist es ja ziemlich einfach für alle, die Zauber auszuführen … nun ja, für fast alle … wie dem auch sei, wir sehen uns nächsten Mittwoch!"

„Bis dann, Harry!"

Die drei Jägerinnen verabschiedeten sich ebenfalls von Harry und verließen gemeinsam mit ihrem ehemaligen Kapitän den Raum der Wünsche.

„Also dann …", meinte Oliver, als Katie seinen Arm, den sie noch leicht umfasste, losgelassen hatte. „Wir sehen uns dann … in euren Stunden."

„Geht klar!"

„Bis dann, Oliver!"

Angelina und Alicia blickten noch einmal um sich, ob auch niemand im Korridor war und schlenderten dann davon, sich lachend und scherzend über den vergangenen Abend unterhaltend. Nur Katie … sie war geblieben.

„Hm … na dann", murmelte sie mit leiser Stimme und hob vorsichtig den Blick, ihre blauen Augen trafen die seinen erneut. „Ich werde auch mal gehen … bevor noch jemand kommt …"

Oliver schluckte und versuchte tapfer, ihrem Blick standzuhalten. Wieso war ihm früher so selten aufgefallen, wie unglaublich schön Katies Augen waren? So tiefgründig, dass man sich darin verlieren konnte?

„J-ja", flüsterte er mit heiserer Stimme und ohne dass er etwas gegen das leichte Zittern darin unternehmen konnte. „Ist gut …" Er räusperte sich und ein Lächeln erschien auf Katies fein geschwungenen Lippen.

„Gute Nacht, Oliver." Und bevor er sich noch recht versah, hatte sie ihm bereits einen Kuss auf die Wange gehaucht; so leicht und zart, dass er glaubte, er wäre nicht real gewesen. Noch immer lächelnd zog die Jägerin sich zurück, hob noch kurz die Hand zum Abschied und folgte dann ihren beiden Freundinnen, die bei der Korridorecke auf sie gewartet hatten, sie nun in die Mitte nahmen und heftig mit ihr tuschelnd in Richtung Gryffindorturm verschwanden.

Es kam Oliver so vor, als wäre der dunkle Korridor zurück zum Lehrerflügel noch nie so schön gewesen.

Der Abend verschönerte sich sogar noch, als er beim Betreten seines Zimmers den großen Uhu bemerkte, der mit den Flügeln schlagend auf seinem Schreibtisch hockte, ein Stück Pergament im Schnabel.

„Hey Skiron!", rief Wood erfreut aus, durchquerte den Raum, nahm Adriens Flugboten seine Last ab und fütterte ihn mit einem Eulenkeks; dann plusterte Skiron sich stolz auf, wandte sich um und rauschte zum offenen Fenster hinaus.

„Skiron, hey! Warte doch!" Doch es war zu spät, der Uhu war bereits verschwunden.

Verwundert entfaltete Oliver Adriens Nachricht, und als er die Zeilen überflog, wurde das Glücksgefühl in seiner Brust noch größer und intensiver.

Hey Oliver,

DANKE für deine Hilfe.

Alles läuft gut. Sache mit Lee ist bereinigt. Fühle mich besser und hab das Gefühl, endlich den richtigen Weg gefunden zu haben.

Adrien

~*~

Anm. der Autorin: Huiui, die Lage spitzt sich zu ^^ Katie traut sich mehr zu und Oliver ist hormonell leicht verstört ^^

Nun ja, wenigstens war das erste Treffen der DA ein voller Erfolg …

Und deshalb werd ich mich mal fleißig an das nächste, ziemlich spektakuläre Pitelchen setzen …

Eure Caly