21. Kapitel Adler und Schwan
Anm. der Autorin: Endlich ist sie daaaa … oder zumindest gleich/bald/sofort/weiter unten =)
Herzlich Willkommen zu jenem Kapitel, das nun endgültig die Sache ins Rollen bringt – das Kap vorher war ja nur so ein kleiner Vorgeschmack!
Von nun an verspricht Calypso unter Eidesschwüren, dass alle K/O –Fans voll auf ihre Kosten kommen – und zwar gewaltig!
Aber lasst uns ‚klein' beginnen … Endlich ist Olivers heiß ersehnter Tag da, und wie die erste gemeinsame Zeit wohl so aussieht, das erfahrt ihr hier ^^
Ich danke meinen lieben Reviewern, vor allem thoughtless! Du bist toll
Zur Abwechslung heute mal zwei Liedtexte – einen für den Adler, den anderen für den Schwan. Ihr werdet noch rauskriegen, wieso ;)
Viel Spaß!
Eure Calypso
And I dream I'm an eagle
And I dream I can spread my wings
Flyin' high, I'm a bird in the sky
High, high – what a feeling to fly …
~ ABBA – Eagle~
I feel a force I've never felt before
Feelings so strong, can't be ignored
I burst out, I am transformed
I burst right out – into a swan …
~ Siouxsie Sioux – Into a swan~
Liebe Katie,
wie versprochen beschreib ich dir auf diesem Weg, wie du mich und meine Wohnung finden wirst. Eigentlich ist es ganz einfach – allerdings gibt es zwei Varianten, die ich dir sicherheitshalber beide schildere, nur um der Gefahr vorzubeugen, dass du nicht kommen kannst.
Ich weiß, dass du noch nicht gelernt hast zu apparieren – die erste Variante ist deswegen die etwas kompliziertere.
Wenn du aber jemanden hast, mit dem du Seit-an-Seit-Apparieren kannst, dann ist dieser Weg der leichtere. Gegenüber meiner Wohnung (Adresse weiter unten) ist eine kleine Bushaltestelle (wie bei mir zuhause), die für Muggel kurz vor dem Verfall steht, für die Zauberer hier aber ein Apparierpunkt ist. Wenn ihr dort drin seid, musst du nur noch die Straße überqueren und du bist da!
Die zweite Variante funktioniert mit dem Flohnetzwerk. Nicht weit von mir entfernt liegt ein kleines Pub, das einem Zauberer gehört und – ähnlich wie in London der Tropfende Kessel – Anlaufpunkt für die magische Gemeinschaft hier ist. Dort gibt es auch einen Kamin, der jederzeit zur Verfügung steht. Das Pub heißt ‚The Drunken Scotsman' (Ja, ich weiß dass du jetzt lachst!). Von dort aus musst du einfach die Straße grade hinuntergehen, bis du ein großes, helles Wohngebäude siehst.
Hier noch meine Adresse, damit auch alles gut geht:
Ayr Road 21/2
Prestwick
Hoffentlich hab ich alles verständlich erklärt und dich nicht zu sehr abgeschreckt. Ein wenig kompliziert, ich weiß – und trotzdem hoffe ich, dass du den Weg hierher findest, Katie. Wie wär's so gegen halb fünf?
Ich freue mich auf dich!
Oliver
Mit klopfendem Herzen trat Katie blinzelnd hinaus in das gleißende Sonnenlicht und spähte die Straße hinauf und hinunter, Olivers Brief wie einen Schatz fest an die Brust gedrückt und den Rucksack mit Kleidung und allem Nötigen geschultert. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie ziemlich pünktlich war.
Noch konnte sie es kaum glauben, dass sie wirklich hier stand – hier, mitten in Prestwick, weit weg von ihrem Zuhause, und doch dem so nah, bei dem sie dieselbe heimatliche Geborgenheit fühlte. Oft genug hatte sie seine Zeilen gelesen, um sich ja zu vergewissern, dass sie alles richtig machte – und oft genug hatte sie eine Art Sehnsucht zwischen seinen Worten gefühlt, die ihresgleichen nur in ihrem eigenen Herzen suchen konnte. Seit ihrem letzten Treffen vor den Weihnachtsferien fühlte sich die Jägerin wie in einen Traum versetzt – heute sollte er endlich weitergehen.
„Und hier wohnt deine Freundin also?", kam es plötzlich von ihrer Rechten und ein schlanker, blasser junger Mann mit verstrubbeltem Blondhaar trat neben ihr aus der verfallenen Bushaltestelle. Seine hellen Augen suchten die Umgebung ab und Katie beeilte sich, zu nicken.
Sollte ihr Cousin Harvey doch glauben, sie besuche eine Freundin. Sollten ihre Eltern dass doch auch glauben. Harvey eine Geschichte über eine Schulfreundin aufzutischen, die sie in den Ferien zu sich eingeladen hatte und empfohlen hatte, zu apparieren, war bei weitem einfacher als ihm lang und breit die Wahrheit zu erzählen – mochte sie ihm auch noch so blind seit Kindertagen vertrauen.
„Ja, gleich dort drüben", erwiderte die Jägerin deshalb mit unschuldigem Lächeln und wies auf das helle Wohngebäude auf der anderen Straßenseite, das sie bereits entdeckt hatte. „Danke, dass du mich hergebracht hast. Zurück komme ich dann mit … mit ihren Eltern. Nach Hogsmeade … und so. Du weißt ja."
Harvey Bell nickte verständnisvoll und umarmte seine kleine Cousine zum Abschied. „Pass auf dich auf, und stell ja nichts an, Kates."
„Ich? Wie kommst du denn darauf?", lachte Katie, als sie die Umarmung erwiderte und mit immer lauter klopfendem Herzen hinter Harveys Rücken die Finger verkreuzte. „Hast was gut bei mir, okay?"
„Werd's mir merken. Bis dann, Kates."
„Bis dann, Harvey."
Und mit einer raschen Drehung um sich selbst war der junge Mann auch schon im Schatten der verfallenen Haltestelle verschwunden und Katie atmete einmal tief durch. Jetzt war es soweit – sie war auf sich allein gestellt.
Nein, nicht ganz. Ihr Herz und ihre Gefühle waren noch da und würden sie schon den rechten Weg leiten, da war sie sich ganz sicher.
Selbstbewusst zog sie die Träger ihres Rucksackes zurecht, spähte die Straße hinauf und hinunter und überquerte schließlich die Straße, mit laut gegen die Brust pochendem Herzen und weichen Knien, die ihr die Schritte schwerer machten als sonst.
Jetzt reiß dich zusammen, Katie … nur die Ruhe … endlich läuft alles gut für dich, also bleib ruhig …
Das hellgestrichene dreistöckige Haus wirkte neben all den anderen grauen Bauten der Straße sehr einladend und beruhigend auf sie, und als sie das Foyer betrat, von wo aus man zu den einzelnen Wohnungen gelangen konnte, fühlte sie sich sofort wohl und erfreute sich an der gemütlichen Ausstattung.
Der Portier in seiner Kabine, ein greiser, faltenreicher Mann, lugte misstrauisch über den Rand seiner Zeitung, sagte jedoch nichts und folgte der jungen Frau nur mit seinem Blick, als sie vor den Briefkästen neben der Treppe stehen blieb und die verschiedenen Namensschilder darauf studierte. Da sie weder wie eine Obdachlose noch wie eine Terroristin aussah und er auch sonst nichts an ihr finden konnte, was ihn gestört hätte, vertiefte er sich wieder in den Leitartikel. Eine fremde Person, die sich seltsam aufführte mehr war auch schon egal. In dieser Stadt ging seiner Meinung nach sowieso etwas nicht mit rechten Dingen zu. Viel zu viele komische Leute überall, und der überaus junge Mieter im ersten Stock kam und ging ja auch, wenn es ihm passte … und wie viel bunte Post der immer bekommen hatte … Kopfschüttelnd begann der Portier wieder zu lesen. Es war wohl besser, wenn man die Dinge einfach geschehen ließ, so wie sie es ohnehin taten.
Inzwischen hatte Katie die Namensschilder abgesucht und festgestellt, dass die Nummer der Wohnung direkt daneben verzeichnet war. Neben dem Wort Wood zierte eine geschwungene Zwei das Etikett. Wie er es in seinem Brief beschrieben hatte.
Die Jägerin beschloss, die Wohnung auf eigene Faust zu finden und nicht den griesgrämigen Portier zu fragen, der ihr Ankommen wohl mit reichlich Misstrauen zur Kenntnis genommen hatte. Mit noch immer weichen Knien und dem Gefühl, als wolle ihr Herz aus ihrer Brust springen, nahm sie die ersten Treppenstufen in Angriff. In den letzten Tagen hatte sie so manches Mal schwache Zweifel gehabt, Zweifel, ob sie diesen Weg gehen sollte – doch nicht, weil ihre Gefühle nicht stark genug waren, nein. Sie fürchtete einfach, dass er deswegen zu Schaden kommen konnte, im Falle des Falles dafür bezahlen musste – er, der bereits voll verantwortlich dafür war, was er tat. Und doch: War es nicht der Weg seines Herzens, dem er folgte? Dem auch sie folgte?
Diese Überlegung bereinigte am Ende der Treppe alle Zweifel, die noch in ihrer Brust genistet hatten, und mit einem weitaus besseren Gefühl las sie auf gut Glück das erste Türschild, das ihr unter die Augen kam.
J.J. Astor
Nein, definitiv nicht. Und auch das Paar schrulliger Hausschuhe, das vor der Tür vor sich hin gammelte, war Beweis genug, dass hier kein Mensch wie Oliver wohnte.
Katie wagte sich den dämmrig werdenden Gang entlang und musste noch bei zwei weiteren Türen passen, bis sie am Ende des Korridors endlich die letzte Wohnung erreichte. Die kleine Zwei, die ihr von der Tür aus ins Auge stach, ließ ihre Hände kribblig werden, genauso wie das kleine Schild, das über der Klingel angebracht war.
Oliver C. Wood
Schmunzelnd legte Katie den Kopf schief und betrachtete das kleine C, das sich so zwischen Vor- und Nachnamen drängte. Sie hatte nicht gewusst, dass Oliver einen zweiten Vornamen hatte, denn weder er noch ein anderer aus dem Team hatte ihn je erwähnt. Angelina kannte ihn bestimmt, doch vielleicht war es ein so peinlicher Name, dass Wood sie gebeten hatte, ihn für sich zu behalten? Eventuell genauso peinlich wie sein Patronus?
Die Erinnerung an ihr Gespräch vor den Ferien erfüllte sie mit Wärme und sie musste unwillkürlich grinsen. Nein, bestimmt war sein Patronus nicht peinlich und sie beschloss, sich die größte Mühe dabei zu geben, ihn zu erraten. Immerhin hatte Oliver ihr bereits sehr verlockend in Aussicht gestellt, was als Belohnung auf sie wartete.
Das Lächeln verschwand nicht von ihren Lippen, als sie ein letztes Mal tief durchatmete, allen Mut zusammennahm und auf den Klingelknopf drückte.
Lautes Schellen, dann …
Ein dumpfes Geräusch war zu hören, gefolgt von eiligen Schritten in der Wohnung, dann tat sich einige Sekunden lang nichts. Katie überlegte schon nochmal zu klingeln, als plötzlich die Tür ziemlich schwungvoll geöffnet wurde.
Die junge Gryffindor hatte das Gefühl, als würde ihr Herz stehen bleiben.
Er war es wirklich. Sie befand sich wirklich in der Realität und stand ihm gegenüber. Wie er dastand, das Haar wie immer leicht verwuschelt, dieser Blick in seinen sanften, dunklen Augen, das geliebte Lächeln auf den Lippen, in einem grauen, langärmeligen Sweatshirt und Bluejeans … aber etwas war nicht wie immer. Seine Augen strahlten, wie Katie es selten in ihrem Leben an ihm gesehen hatte, und sie wagte sogar zu glauben, dass nicht einmal der Quidditchpokal dazu gereicht hatte.
„Hi Oliver", war schließlich alles, was sie bei diesem Anblick hervorbrachte, einschließlich eines aufrichtigen, glücklichen Lächelns, was von ihrem Gegenüber erwidert wurde. Er schien komplett sprachlos und keiner Worte mächtig zu sein; mit diesem niedlichen Gesichtsausdruck stand er in der Tür und wirkte plötzlich wieder wie der siebzehn Jahre alte Quidditchkapitän. Zum Anbeißen.
„Hi Katie", brachte er schließlich mit heiserer Stimme hervor und räusperte sich gleich darauf, was sie noch breiter grinsen ließ. Sie erkannte ihn gar nicht wieder, von seiner taktischen Ruhe und Gelassenheit war nicht viel zu spüren. War er so dermaßen nervös?
„Tja", lächelte sie verschmitzt und sah sich um. „Da bin ich."
„Ja, da bist du … schön, dass du gekommen bist … ich meine – komm doch rein, Katie!"
Plötzlich kam Leben in Oliver. Er schien aus seiner Trance erwacht zu sein und beeilte sich nun, seinen Gast in die Wohnung zu bitten und ihr den Rucksack abzunehmen.
„Was hast du denn alles eingepackt? Du weißt schon, dass die Verpflegung hier inklusive ist, oder?", scherzte er und lockerte somit die verlegene Stimmung, die noch anfangs zwischen ihnen geherrscht hatte. Katie fühlte sich gut, um nicht zu sagen ausgezeichnet, und ging auf seine Scherze ein.
„Ach, bei dir kann man ja nie sicher sein. Wer weiß, vielleicht rettet mir mein Proviant das Leben, solltest du einmal meine Fünf-Gänge-Menüs dreimal täglich vergessen", erwiderte sie keck, während sie ihren Umhang und die Schuhe auszog und feinsäuberlich in der Garderobe verstaute.
„Ich bestell den Haubenkoch gleich wieder ab, wenn du schon so eine voreingenommene Meinung von meiner Gastfreundschaft hast", lachte Oliver mit gespielt tadelndem Blick, stellte den Rucksack wieder ab und trat einen Schritt auf sie zu. Seine Miene veränderte sich mit einem Mal, genauso wie sein Blick, der nun sanft dem ihren begegnete.
„Wir haben uns noch gar nicht richtig begrüßt", murmelte er mit rauer Stimme und nahm langsam eine Hand Katies in die seine, bevor er mit klopfendem Herzen näher kam und seine Schülerin erst auf die linke, dann auf die rechte Wange küsste. Ein frischer, blumiger Duft stieg ihm in die Nase, und er verspürte das Verlangen, sein Gesicht in Katies langer, blonder Haarpracht zu vergraben, sie in den Arm zu nehmen und nie wieder loszulassen.
Währenddessen glaubte Katie, noch nie eine so schöne Begrüßung erlebt zu haben und genoss den Augenblick der Zweisamkeit, der behutsam an ihr letztes Treffen anzuknüpfen schien und nun eine Zeit einleitete, in der ihre Schritte nicht überwacht sein würden und sie tun und lassen konnten, was sie wollten. Sie bemerkte den altbekannten und geliebten Duft nach Wald und Wind und wäre am liebsten ewig in dieser Position verharrt – wäre da nicht der laute Schrei aus dem Wohnzimmer gewesen, gefolgt von dem Geräusch gegen Käfigstangen schlagender Flügel.
Mit einem entschuldigenden Lächeln löste Oliver sich von Katie, ihre Hand behielt er jedoch in seiner.
„Komm, ich zeig dir alles. Eine gewisse Eule ist anscheinend schon sehr ärgerlich darüber, dass sie den Besuch als letztes zu sehen bekommt."
Mit staunendem Blick folgte Katie ihrem Gastgeber aus dem hellen Flur in die geschmackvoll eingerichtete Wohnküche, deren hellgelb gestrichene Wände ihr auf Anhieb gefielen, genauso wie die Bilder an den Wänden, die sowohl einen Schnatz als auch verschiedenste Mannschaftsfotos zeigten. Eines davon kam ihr mehr als bekannt vor …
„Hey, das sind ja wir!", rief sie aus und nahm das Bild sofort genauer in Augenschein. „Wieso hast du so eins? Wir wollten auch einen Abzug davon haben!"
„Tja, weil ich der Chef bin … oder war", grinste Oliver und handelte sich dafür einen nicht recht ernst gemeinten Knuff in die Seite ein. „Autsch! Früher wart ihr Jägerinnen nicht so frech."
„Scheint wohl so, als ob sich die Zeiten ändern", erwiderte Katie zwinkernd und beide lachten. Insgeheim erfreuten sich beide an der Unbeschwertheit, mit der sie nun miteinander umgehen konnten und wären sich am liebsten um den Hals gefallen – doch noch schien der Moment nicht passend dafür zu sein.
Erneutes Eulengeschrei riss sie aus ihrer trauten Zweisamkeit und endlich bekam Olivers Haustier die gewünschte Aufmerksamkeit.
„Oh, ist die schön", seufzte Katie und strich Sayuri durch die Gitterstäbe hindurch sanft übers Gefieder. „Wie heißt sie denn?"
„Darf ich vorstellen? Katie – Sayuri, Sayuri – Katie. Sie mag dich."
Dies war wirklich offensichtlich, denn die Eule schmiegte sich zärtlich in Katies Hand und gab wohlige Geräusche von sich.
„Sie ist ein wundervolles Tier", wiederholte die Jägerin lächelnd. „So stolz und erhaben … sie erinnert mich an Atty."
„Atty?"
„Aeternitas, mein Uhu. Lach nicht über den Namen, den hat sich mein Vater ausgesucht. Er steht auf römische Mythologie und so Zeug."
„Ah, das erklärt vieles", schmunzelte Oliver und hatte das Gefühl, dass die Zuneigung für sein Gegenüber von Minute zu Minute wuchs wie eine Blume, die besonders viel Sonnenlicht bekam. Schon jetzt war es für ihn unvorstellbar geworden, dass die Zeit, da sie wieder getrennte Wege gehen mussten, schnell wiederkommen würde. „Komm, ich zeig dir, wo du schläfst."
Das Schlafzimmer erschien Katie geräumig und schön gestaltet; an der Längsseite des Raumes dominierte ein Schrank mit gläsernen Schiebetüren, ein Schrankkoffer, der vermutlich am Ende der Ferien wieder mit nach Hogwarts reisen würde, lehnte ordentlich in der Ecke und gleich neben dem Fenster, durch das man nachts bestimmt die Sterne sehen konnte, stand ein schlichtes aber großes Bett aus dunklem Holz mit einer dunkelroten Tagesdecke.
„Das Bad ist gleich rechts, die Toilette links – und den Rest hast du ja schon gesehen", erklärte Oliver den Aufbau seiner Wohnung, während er den Rucksack neben dem Bett abstellte und Katie einen Blick aus dem Fenster warf. „Fühl dich wie zuhause … und wenn du was brauchst – zögere nicht, danach zu fragen, okay? Wenn du in der Nacht was brauchst - du findest mich auf dem Sofa."
„Ist gut", grinste Katie und ließ sich auf der Bettkante nieder. „Du musst aber nicht auf dem Sofa schlafen – ich meine … ich kann auch –"
Doch Oliver unterbrach sie, indem er sich flugs neben sie setzte und ihr tief in die Augen sah.
„Glaub mir, Kleines … Mein Sofa ist um einiges bequemer, als du es dir vorstellen kannst. Du brauchst also kein schlechtes Gewissen zu haben."
„Dann kann doch auch ich dort schlafen, damit du nicht das Bett räumen musst."
Oliver schüttelte mit eiserner Miene den Kopf und schenkte ihr ein Lächeln. „Nein, meine liebe Katie. Du bist mein Gast, und für Gäste gibt es nur das Beste. Mein Bett gehört da definitiv dazu, denn das schlägt mein Sofa um Längen."
„Oh, dann sollte ich mich wohl geehrt fühlen", witzelte die Jägerin und legte in einem Anflug von Wagemut ihre Hand auf die seine. „Danke, Oliver." Sie spürte, wie sein Daumen zärtlich über ihren Handrücken strich.
„Schön, dass du da bist, Katie."
Sie sahen einander glücklich an und in diesem Moment fühlten beide, dass diese Zeit, die ihnen nun bevorstand, eine ganz besondere sein würde. Eine Zeit, in der vieles, was lange verborgen gewesen war, endlich sein durfte.
„Du kannst dich jetzt etwas ausbreiten, wenn du möchtest", meinte Oliver schließlich, drückte ihre Hand ein letztes Mal und erhob sich. „Hast du später Lust auf Pizza? Ich kenne einen tollen Muggel-Italiener, direkt um die Ecke."
„Das wäre toll", grinste Katie und zog den Rucksack zu sich heran, um ein wenig auszupacken. „Ich werd erst mal deine Wohnung mit meinen Sachen vollstellen, okay?"
„Solange du hier und da einen Gang frei lässt", meinte Oliver zwinkernd und war schon fast aus der Tür, als er beschloss, noch einen draufzulegen. „Und morgen hab ich eine Überraschung für dich."
Die junge Gryffindor hielt in ihrer Bewegung inne. „Eine Überraschung?"
Wood nickte grinsend und Katie setzte ihren Dackelblick auf. „Noch etwas, worüber ich mir den Kopf zerbrechen werde! Bitte sag's mir, ich bin doch so neugierig!"
„Oh nein, ganz bestimmt nicht, Kleines. Sonst wäre es ja keine Überraschung mehr."
„Also deinen Sturkopf hast du ganz bestimmt behalten, scheint mir", erwiderte sie keck und zog einen kleinen Stapel Kleidung aus dem Rucksack.
„Tja, es wäre doch langweilig, wenn ich mich zu hundert Prozent verändert hätte, oder?"
„Da hast du Recht. Du warst mir schon fast unheimlich."
Oliver lachte und Katies Bauch kribbelte. „Wir sehen uns nachher, okay?"
„Okay."
Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, als Oliver und Katie abends das Wohngebäude verließen und sich sofort fester in ihre Mäntel mummelten, als der eisige Wind Schneeflocken um ihre Köpfe trieb und ihnen unter die Haut fuhr. Es war bereits sehr dunkel und nur das künstliche Licht der Straßenlaternen beleuchtete ihren Weg und ermöglichte es ihnen, sich gegenseitig zu erkennen.
„Gott sei Dank ist es nicht sehr weit", grinste Oliver und schloss den obersten Knopf seines langen, schwarzen Mantels, während Katie ihre dunkelrote Haube fest über die Ohren zog und sein Lächeln erwiderte.
„Ach, das macht doch nichts … wenn ich da an so manches vergangenes Training denke …"
„Hat das denn niemals Ruhe? Erst Angelina, dann die Zwillinge, jetzt du", erwiderte der junge Professor mit einer solch schuldbewusster Miene, dass sie nicht anders konnte als zu lachen. „Besser, wir machen uns endlich auf den Weg. Komm!"
Und mit diesen Worten ergriff er ihre kalten Hände und barg sie zärtlich in der seinen. Ein wohliger Schauer durchflutete sie und trotz der eisigen Kälte fühlte sie sich warm und geborgen, als sie gemeinsam die Straße hinunterschlenderten. Schneeflocken flogen ihr ins Gesicht und schmolzen auf ihren rosigen Wangen; sie lachte, blinzelte und wischte sich die nassen Tropfen von den Wimpern – sie wirkte so glücklich, dass Oliver das Gefühl hatte, in seinem Inneren schwelle ein riesiger Ballon des Glücks an.
Dieser schien sich noch um ein gutes Stück weiter aufzublasen, als durch das Schneeflockengestöber das beleuchtete Schild des Italieners in seinem Sichtfeld auftauchte.
Sanft drückte er ihre Hand. „Sieh mal, wir sind schon da. Ich hoffe, du hast Hunger?"
„Und wie", lächelte sie und vollführte einen Knicks als er ihr wenig später die Tür der
Casa Cigno aufhielt und ihr in das Lokal folgte.
Angenehme Wärme empfing die beiden, und vor Katies Augen erstreckte sich eine gemütliche Gaststube im mediterranen Stil, mit kleinen, verträumten Sitzecken und Tischen, um die sich Kunstefeu rankte.
Galant half Oliver ihr aus dem Mantel und führte sie zu einem Tisch etwas weiter hinten im Lokal, wo sie sich einander gegenüber niederließen. Außer ihnen befanden sich nur einige wenige weitere Gäste im Lokal; es schien wohl eher ein Geheimtipp zu sein, doch wenn Oliver, der schon immer eine Schwäche für gutes Essen gehabt hatte, es für gut befand, dann konnte es nichts Verkehrtes sein.
„Schöne Kette hast du da", bemerkte Katie, als sich Wood aus seinem Mantel schälte und ihn neben sich auf den Stuhl legte. „Ist das ein Quaffel?"
„Ja, in der Tat. Weihnachtsgeschenk von Angelina. Sie dachte wohl, ich könne einen Glücksbringer gut gebrauchen."
„Gute Idee von ihr. Ich glaube, ich bräuchte auch so einen, wenn ich Slytherins unterrichten müsste", meinte die Jägerin und erwiderte sein Lächeln.
„Oliver, compagno! Was verschafft mir die Ehre?"
Ein korpulenter, braungebrannter Mann mit freundlichem Gesicht, fürchterlichem Akzent und einem kleinen Spitzbart über dem bereits anwachsenden Doppelkinn kam plötzlich mit ausgebreiteten Armen hinter der von Säulen und Efeu umrahmten Schank hervor und strahlte über das ganze Gesicht. Unter dem dicken Bauch lugte eine rot-weiß-grüne Schürze hervor.
„Gianluigi", erwiderte Wood lächelnd und schlug in die dargebotene Hand ein. „Wie geht's dir?"
„Ach, du weißt ja, die Geschäfte laufen oder sie laufen nicht", seufzte der Italiener glückselig und klatschte in die Hände, so dass ein älteres Ehepaar nicht weit entfernt erschrocken zusammenfuhr. „Und was macht dein Studium? Noch immer so langweilig?"
„Oh ja", machte Oliver mit leidender Miene und warf Katie einen kurzen Blick zu, der sie breit grinsen ließ. „Viel zu langweilig …"
„Aber wieso hörst du dann nicht auf, du unvernünftiger bambino", schalt Gianluigi tadelnd. „Ist nicht gut für deine Leben, immer gelangweilt zu sein … Aber in solch einer Begleitung wäre mir ganz bestimmt nicht langweilig, mamma mia!"
„Das ist Katie, eine Schulfreundin von früher", stellte Wood die junge Jägerin vor, jedoch bedachte er sie dabei mit einem Blick, bei dem Gianluigi hätte auffallen müssen, dass mehr dahintersteckte. Katie lächelte und schüttelte die Hand des überschwänglichen Italieners, der sogleich unter eifrigem Gebrabbel davoneilte, um nach Speisekarten zu suchen.
„So so, Mr Wood", meinte Katie schließlich, die Augen vor Schalk blitzend, „was studieren Sie denn, wenn ich fragen darf, was ja soooo langweilig ist?"
Oliver grinste. „Rechtswissenschaften. Jura."
Es war an Katie, nicht laut vor Lachen loszuprusten. „Rechtswissenschaften? Ausgerechnet DU?", brachte dennoch unter leisem Kichern hervor und wischte sich eine Lachträne aus den Augen, die sich dort festgesetzt hatte. „Mit all dem Muggel-Anwaltszeug und so? Wie bist du denn darauf gekommen, bitteschön?"
„Nun ja, ganz einfach", erwiderte Wood mit leiser Stimme und setzte eine schlaumeierische Miene auf, die stark an die Weasley-Zwillinge erinnerte. „Wenn du erzählst, dass du etwas machst, das dich zu Tode langweilt und dir dein Leben allem Anschein schon genug versaut, weil dich deine Eltern oder sonst irgendjemand dazu zwingen, dann fragt dich sonst keiner danach. Ergo entgehe ich so unangenehmen Fragen, bei denen ich mir nur andere komplizierte Lügen ausdenken müsste, um zu verbergen wer oder was ich wirklich bin."
„Leuchtet ein", stimmte Katie zu und nickte anerkennend. „Also, du Rechtswissenschaftler: Wie wäre es, wenn du Gnade vor Recht ergehen lässt und mir endlich die Überraschung verrätst, hm?"
Der Ton, in dem sie das sagte, der flehende Dackelblick, den sie dabei aufsetzte – all das ließ Olivers Knie weich werden und er war fast schon froh, zu sitzen und nicht stehen zu müssen. Dennoch beschloss er, sie noch ein wenig warten zu lassen. Wenigstens bis nach dem Essen.
„Kommt schon noch, Kates. Ich verspreche dir aber, dass es dich für all die unliebsamen Minuten entschädigen wird, die du dir deswegen den Kopf zerbrichst."
„Wehe, wenn nicht", grummelte Katie mit gespielt bösem Blick und erhob mahnend den Zeigefinger, als auch schon Gianluigi zurückkam, schwungvoll die Kerze am Tisch entzündete, die Speisekarten ablegte und bereit für ihre Getränkewünsche war.
Nachdem sie alles bestellt hatten, zog der Italiener fröhlich pfeifend wieder ab und verschwand hinter der Schank. Katie lugte zaghaft über den Rand ihrer Speisekarte und beobachtete Oliver, der mit konzentrierter Miene seine eigene Karte studierte und den Blick prüfend über die Pasta-Seite schweifen ließ. Unwillkürlich musste sie lächeln und es war ihr, als hätte sie noch gar nicht richtig realisiert, was gerade geschah. Wo sie gerade war, mit wem sie hier war. Es war wie in einem Traum, dessen Erfüllung sie schon fast aufgegeben hatte zu hoffen.
Und dennoch gab es eine Frage, die sie beschäftigte, seit er sie gefragt hatte … nicht, dass sie nicht an ihr unverhofftes neues Glück glaubte … und doch ließ es ihr wenig Ruhe. Sie ließ die Karte sinken.
„Oliver?"
„Hm?"
„Wieso hast du mich eingeladen?"
Der junge Schotte hob mit erstauntem Gesichtsausdruck den Kopf, sein Blick traf den ihren. Dann trat ein schwaches Lächeln auf seine Lippen.
„Weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mit jemand anderem diese Zeit verbringen möchte", antwortete er mit solch einer Aufrichtigkeit in der Stimme, dass sie schauderte.
„Wieso hast du meine Einladung angenommen?", stellte er schließlich die Gegenfrage, und noch während er die Worte sprach, wanderte seine rechte Hand näher an die ihre und ihre Finger verschlangen sich ineinander. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals, doch sie wagte nicht, auf ihre Hände hinunterzusehen. Es fühlte sich so selbstverständlich an, dies zu tun – und doch war es das nicht. Noch nicht. Noch gab es etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen, etwas, das – wie sie glaubte – noch in diesen Tagen zum Ausbruch kommen würde.
„Weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ich einer Einladung lieber nachgekommen wäre als dieser", flüsterte sie mit heiserer Stimme und drückte seine Hand. In diesem Moment spürte Oliver, dass in ihren Worten ebensoviel Aufrichtigkeit lag wie er in die seinen gelegt hatte.
Sie lächelten einander an, wurden jedoch in ihrer trauten Zweisamkeit von Gianluigi gestört, der die Getränke brachte und ihre Essensbestellung aufnahm, während er wie ein Wasserfall redete und Oliver am Ende recht verschwörerisch zuzwinkerte.
„Er mag dich", stellte Wood grinsend fest, als sie wieder alleine waren und Katie tat so, als fiele ihr ein Stein vom Herzen.
„Woher kennst du ihn eigentlich?"
„Adrien und ich waren öfters mal hier, manchmal auch die ganze Mannschaft, wenn es was zu feiern gab … Kommilitonenfeiern, versteht sich. Es war zwar nicht immer einfach, die besonders hartnäckigen Fans auf eine falsche Spur zu locken, aber naja …" Er zwinkerte schelmisch.
„Ah ja", machte Katie mit wissendem Ausdruck in den Augen und lächelte. Dann plötzlich schien ihr etwas eingefallen zu sein, denn ihre Miene veränderte sich und wurde herausfordernd, sie stützte sich auf der Tischplatte ab und beugte sich etwas näher zu ihm hinüber.
„Löwe."
„Was?"
„Ein Löwe. Dein Patronus."
Oliver verstand, worauf sie hinauswollte und lachte herzlich. Dieses Mädchen war wirklich unverwechselbar. Dies war eine Sache, die ihm so an ihr gefiel: Sie gab niemals auf.
„Daneben. Eiskalt."
„Hmmm … ein Pferd."
„Brrr, noch kälter."
„Eeeein … Panther vielleicht?"
„Wie kommst du denn darauf?", grinste Oliver und sah sie über den Tisch hinweg an, wobei das Kerzenlicht gefährlich in seinen dunklen Augen aufflackerte.
„Der Verdacht ist naheliegend", erwiderte Katie und erwiderte das Lächeln mit schelmischem Blick. „Also kein Panther?"
„Kein Panther." Olivers Augen blitzten.
„Du machst es mir echt schwer, weißt du das?", jammerte die Jägerin mit gespielt leidendem Gesichtsausdruck und verdrehte die Augen. „Wie soll ich denn nun jemals zu meiner Belohnung kommen?"
„Naja, meine geistreichen Heiß-Kalt-Einwürfe müssten dir doch grundlegend weiterhelfen", grinste Wood mit spitzbübischer Miene und drehte den Stiel seines Rotweinglases zwischen den Fingern.
„Dankeschön, wie nett von dir", lachte Katie und erhob ihr Glas. „Wir sollten auf diesen Abend anstoßen, findest du nicht?" Ihr Herz pochte bei diesen Worten laut gegen ihren Brustkorb, doch sie fühlte sich so glücklich wie lange nicht.
„Ja, das finde ich auch", antwortete Wood mit seltsam heiserer Stimme und ließ sein Glas mit einem melodischen Klirren gegen ihres prallen. „Auf diesen Abend …"
„… auf die nächsten Tage", fügte Katie lächelnd hinzu.
„Auf uns", schloss Oliver mit einem Gesichtsausdruck, den sie beim besten Willen nicht deuten konnte. Und dennoch spürte sie, wie sein Blick auf ihr brannte, während sie einen großen Schluck Tonic Water nahm. In ihr begann es zu kribbeln und sie stellte das Glas wieder ab, wobei sie bemerkte, dass ihre Hände zitterten. Es war lange her, seit ihre Hände das letzte Mal gezittert hatten. Jedenfalls auf solch eine Art und Weise.
„Das Essen kommt", bemerkte Oliver schließlich und strich sich über den flachen Bauch. „Darum mag ich dieses Lokal so. Wenn du einen Bärenhunger hast, bist du hier richtig; denn ich kenne kein Lokal, in dem das Essen schneller fertig ist."
„Grenzt fast an Magie", meinte die Gryffindor leise und zwinkerte; nur Sekunden später stellte Gianluigi riesige Teller mit den bestellten Speisen vor seinen Gästen ab.
„Willst du eine ganze Armee verköstigen?", lachte Oliver und drehte seinen Pizzateller einmal um sich selbst. „Wer soll das denn essen?"
„Compagno, ich bin mir sicher, das Studentenfutter tut dir nicht gut!", erklärte der Italiener mit beinahe schon väterlicher Miene und betrachtete sein Werk. „Ab und zu eine richtige Mahlzeit … was sagen Sie, signorina?"
„Oh, er sollte wirklich mehr essen, ja", meinte Katie und musste sich das Lachen verkneifen als sie Olivers Blick sah. „Immer diese Launen und das laute Gegrummel aus seinem Magen … ist schon störend."
„Na siehst du?!", dröhnte Gianluigi und patschte Oliver seine fleischige Hand auf die Schulter. „Die bambina ist meiner Meinung, eh? Und nun esst, ihr zwei Turteltäubchen!"
Mit watschelnden Schritten entschwand der Italiener auch schon wieder, während Katie krampfhaft versuchte, ihr Lachen in einer Gabel voll Spagetti zu ersticken und Oliver so aussah, als hätte er plötzlich große Lust, eine Pizzaschlacht zu veranstalten.
„Pass nur auf Bell, nicht dass du meine ‚Launen' noch zu spüren kriegst", grummelte er und widmete sich seiner Pizza, doch seine Augen straften den Tonfall Lügen.
„Muss ich denn jetzt Angst haben, Käpt'n?", grinste Katie und zwirbelte Nudeln um ihre Gabel.
„Nein, vorausgesetzt es macht dir nichts aus, im finsteren Keller zu schlafen", gab Wood so trocken zurück, dass beide schlussendlich in lautes Gelächter ausbrachen und sich die anderen Gäste allmählich nach ihnen umdrehten.
So verging der Abend, und je mehr Zeit die beiden miteinander verbrachten, desto gelöster und glücklicher fühlten sie sich. Noch einige Male versuchte Katie mit teilweise äußerst gewitzten Vorschlägen, das Rätsel um den Patronus zu lösen, doch Oliver schüttelte ein jedes Mal den Kopf und sprach ihr lachend seine Bewunderung für ihre Kreativität aus.
„Aber wenigstens etwas kann ich dir verraten", meinte er schließlich, als die junge Jägerin gerade mit ihrem Puma-Vorschlag gescheitert war. „Die Überraschung, weißt du noch?"
„Ich vergesse nichts, worüber ich mir den Kopf zerbrechen muss", erwiderte Katie lächelnd und nippte an ihrem Glas. Man konnte die Neugier in ihren Augen blitzen sehen. „Wie könnte ich also das vergessen?"
„Ich hab's mir fast gedacht", grinste Oliver und strich sanft mit dem Daumen über ihre Hand, die – seit sie mit dem Essen fertig waren – wieder in seiner lag. Noch immer fühlte er sich wie in einer Traumwelt gefangen; und für einen Augenblick dachte er an den vergangenen Herbst, in dem sich noch nichts von dem abgezeichnet hatte, was jetzt mit ihnen geschah.
„Also?", riss ihn Katie aus seinen Gedanken und blickte ihn mit einem solch dackelhaften Blick an, dass er lachen musste.
„Von deiner Neugier hast du nichts verloren", lachte er und stupste sanft mit dem Finger gegen ihre Nase, als sie einen nicht ganz ernstgemeinten Schmollmund zog. „Aber das mag ich. Dass du nicht locker und dich nicht unterkriegen lässt."
„So, tust du das?", meinte Katie mit spitzbübischem Blick und erwiderte den Druck seiner Hand. „Dann ist ja gut, dass dich die Löcher in deinem Bauch nicht stören werden."
„Naja, ich denke das würde das Fliegen morgen etwas erschweren. Der Luftzug und so …"
„Fliegen? Morgen?"
„Hm … ja. Genauergesagt trainieren."
Katies Blick war so verwirrt, dass es ihm ein weiteres Grinsen entlockte. „Morgen findet das Abschlusstraining von Puddlemere statt; das ist so Brauch, bevor das neue Jahr beginnt. Es ist nicht wirklich das, was du dir jetzt unter einem Ligamannschaft-Training vorstellst; eher lustiger und lockerer. Einfach Quidditch. Wenn du willst – und ich denke das ist der Fall – gehen wir hin und fliegen mit ihnen. Adrien würde sich freuen, wenn er … naja, wenn er dich kennenlernen könnte."
Einen Moment lang schwieg die Jägerin und starrte Oliver mit so großen Augen an, dass er befürchtete, sie würden jeden Moment herausploppen; dann jedoch holte sie tief Luft und wiederholte mit ungläubiger Stimme: „Wir? Ich? Fliegen mit Puddlemere?"
„Ja, ich denke nicht dass Adrien jemand anderen meinte, als er mich gefragt hat."
Dieses Argument musste Katie erst einmal verdauen, doch als sie endlich realisiert hatte, dass sie am nächsten Tag mit ihren Idolen würde trainieren können, zeichnete sich die Freude so deutlich auf ihrem Gesicht ab, dass Wood glaubte, sie hätte am liebsten losgejauchzt.
„Die Überraschung ist dir gelungen", meinte sie schließlich mit fast schon zitternder Stimme und drückte Olivers Hand in ihrer. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll."
„Ja Oliver, tolle Idee!", witzelte er gespielt euphorisch und zwinkerte. „So was vielleicht?"
„Danke für den Denkanstoß", grinste Katie und boxte ihn halbherzig in die Schulter. „Nein, mal im Ernst. Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll … Das ist so … so toll von dir." Sie strahlte ihn an und wiederum war Oliver froh, dass er sitzen konnte und ihm so nicht die weichen Knie den Dienst versagten.
Als sie wenig später bezahlten (natürlich hatte er sie eingeladen, was sie erst vehement abgelehnt und dann dankend zugelassen hatte), das Restaurant verließen und sie gemeinsam – Katie mit Olivers Arm um ihre Schultern – zur Wohnung zurückschlenderten, spürten beide eine Art freudige Erwartung in sich, die sie selten zuvor erfüllt hatte.
Die ersten kalten Wintersonnenstrahlen fielen durch die fast zugezogenen Vorhänge in das Schlafzimmer und kitzelten die schon immer etwas morgenmuffelige Katie an der Nase, so dass sie ihr Gesicht tiefer in das Kissen vergrub und die Augen im Halbschlaf fester zudrückte, um weiterschlafen zu können. Oliver hatte ihr am Vorabend noch gesagt, dass sie sich beruhigt ausschlafen konnte und dieses Angebot nahm sie nur zu gern an; auch wenn es etwas ‚ungewohnt' war, dass sie in seiner Anwesenheit ausschlafen konnte. Früher hatte er sie immer in aller Herrgottsfrühe auf das Quidditchfeld zum Training gescheucht, jeder Uhrzeit zum Trotz, doch jetzt …
Er war wirklich erwachsen geworden, dachte sie dösig und ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lippen, als sie wie schon am Abend ihre Nase in das Kissen vergrub und trotz der Tatsache, dass das Bett frisch bezogen war, der geliebte Duft nach Wald ihre Gedanken dahinschmelzen ließ.
Oliver …
Wohlige Wärme durchflutete bei dem Gedanken an ihn ihren Körper und sie kuschelte sich tiefer in die Bettdecke. Er war so unglaublich lieb zu ihr … erst die Einladung, dann das Training mit einer ihrer Lieblingsmannschaften … auch wenn er diese Spieler kannte und selbst einer von ihnen gewesen war, so bedeutete es ihr doch viel, dass er auf diese Idee gekommen war.
Mit der Zeit jedoch wurde es unter der Bettdecke ziemlich warm und die Jägerin wühlte sich notgedrungen wieder an die Oberfläche, wo sie blinzelnd die Augen öffnete, sich streckte, sich auf die andere Seite drehte – und einem silbern glitzernden Etwas in die Augen blickte.
Mit heftig pochendem Herzen unterdrückte Katie den erstaunten Ausruf, der ihr in der Kehle stecken blieb, blinzelte erneut und richtete sich ein Stück weit auf, um wirklich glauben zu können, was sie da sah.
Ein Adler. Ein silbrig schimmernder, fast durchsichtiger Adler saß auf ihrer Bettkante, breitete die riesigen Schwingen von sich und öffnete den Schnabel zu einem Schrei, der sich anhörte, als käme er aus vielen Metern Entfernung. Es war ein wunderschönes Tier, von dessen silbrigem Gefieder ein weiches schimmerndes Licht ausging.
Der Adler bewegte sich langsam auf sie zu, bis sein edler Kopf nur mehr Zentimeter von ihrem entfernt war, und plötzlich verstand die noch etwas schlaftrunkene Katie, warum dieser Adler hier war.
Es war ein Patronus. Es war sein Patronus.
„Ein Adler", flüsterte sie staunend und richtete sich zur Gänze auf, was der Patronus mit einem kurzen würdevollen Neigen des Kopfes kommentierte. „Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen …" Im Nachhinein kam es ihr ziemlich dumm vor, nicht an dieses Tier gedacht zu haben. An ein Tier, das den Himmel und das Fliegen ebensosehr liebte wie Oliver es tat.
Der Adler flatterte mit seinen Schwingen und hüpfte von der Bettkante. In sanftem Flug glitt er durch den Raum und wandte ein letztes Mal seinen Kopf mit einer Art aufforderndem Blick Katie zu, dann stieß er mit dem Kopf durch die geschlossene Tür und war verschwunden.
Verwundert schwang die junge Gryffindor die Beine über die Bettkante und rieb sich die Augen. Wollte der Patronus ihr etwa sagen, dass es Frühstück gab? War Oliver etwa schon wach? Ein Blick auf die Uhr sagte ihr jedoch, dass dies gar nicht so abwegig war. Halb elf.
Tatsächlich werkelte Oliver schon fleißig in seiner Küche, als Katie das Wohnzimmer betrat und mit großem Erstaunen einen reich gedeckten Frühstückstisch vorfand. Das reichhaltige Essen in Hogwarts und der damit verbundene All-Inclusive-Service hatte sie noch nie daran denken lassen, dass Oliver selbst kochen konnte, geschweige denn irgendwelche Talente in der Küche besaß. Ihre noch immer etwas schlaftrunkenen Schritte mussten sie wohl verraten haben, denn ihr Gastgeber wandte sich mit seinem – wie sie fand – schönsten Lächeln um und kam auf sie zu, während er sich die Hände an einem Geschirrtuch abtrocknete.
„Guten Morgen, Kates", begrüßte er sie fröhlich und gab ihr einen Kuss auf die Wange, den sie sofort erwiderte, indem ihre Lippen hauchzart die seine streiften. „Gut geschlafen?"
„Sehr gut, danke", grinste sie und lenkte Olivers Blick auf den Adler, der mittlerweile auf einer Sessellehne hockte und sie aus starren Augen anblickte. „Ich hatte schon Besuch heute … und ich weiß beim besten Willen nicht, warum ich nicht gleich darauf gekommen bin. Ein Adler!"
Wood lachte und wie sie so nahe bei ihm stand, fiel ihr auf, dass sich um seine Lippen kleine und äußerst niedliche Lachfalten bildeten, wenn er gut gelaunt war.
„Ja, ich wollte dich doch nicht ewig im Dunkeln tappen lassen."
„Pah, ich hätte es schon noch rausgefunden", erwiderte Katie gespielt trotzig und ließ sich ihm gegenüber am Frühstückstisch nieder. „Genau genommen hast du mich jetzt nämlich um meine Belohnung gebracht, das weißt du hoffentlich!"
Oliver tat, als wäre ihm dieser Umstand gerade wieder in den Sinn gekommen. „Das tut mir Leid, Katie … Dann sieh es als eine Art Wiedergutmachung an …" Mit sanftem Blick beugte er sich über die Tischplatte und Katie konnte nicht anders, als sich ein Stück weit in ihrem Stuhl aufzurichten und ihm entgegenzukommen; es war wie eine unsichtbare Macht, die die beiden aufeinander zubewegte, bis ihre Lippen wie schon einmal nur mehr einen Fingerbreit voneinander entfernt waren – doch auch dieses Mal hatten sie keine Gelegenheit, dass so sehr Herbeigesehnte endlich tun zu können. Laute Klopfgeräusche aus der Richtung des Wohnzimmerfensters ließen sie auseinanderfahren und wiederum raufte Oliver sich ärgerlich die Haare, als er den Störenfried – Adriens Uhu Skiron – draußen auf dem Fensterbrett sitzen sah.
Katie kicherte leise ob Olivers ärgerlicher Miene und strich ihm besänftigend über den Arm, als sein Blick nur zu deutlich verriet, was er im Moment am liebsten mit Adrien anstellen wollte.
„Vielleicht sollten wir nächstes Mal in einen total isolierten Raum gehen, was meinst du?", schlug sie lächelnd vor und hauchte dem jungen Professor im Vorbeigehen einen Kuss auf die Wange. „Keine Mitschüler, keine Eulen …"
„Dafür wäre ich Merlin nur zu dankbar", grummelte Wood, der sehnsüchtig der verstrichenen Gelegenheit hinterher trauerte und öffnete das Fenster. „Ich hoffe, dass Adrien einen sehr, sehr guten Grund für das hier hat. Sonst könnte es sein, dass ich mich heute Nachmittag vergesse."
Skiron hockte sich flügelschlagend auf die innere Fensterbank und warf einen misstrauischen Blick zu dem silbrigen Adler hinüber, der noch immer starr auf der Sessellehne saß, jedoch schon leicht blässlicher wirkte. Bald würde es für ihn an der Zeit sein, zu gehen.
„Na Skiron, was hast du da Schönes?", murmelte Oliver und befreite das kleine Stück Pergament vom Bein des Uhus, was dieser mit zufriedenen Geräuschen quittierte. „Ich hoffe für deinen Herrn, dass das etwas Wichtiges ist … ist es das, mein Guter?"
Der Blick des Uhus war eher skeptisch und Wood seufzte. Adrien konnte sich schon mal warm anziehen. Wortlos entfaltete er das Pergamentstück und überflog die Zeilen darauf.
„Na toll", meinte er einige Augenblicke später und tippte sich gegen die Stirn. „Und deswegen versaut er mir einfach –"
„Was schreibt er denn?", kam es in diesem Moment von Katie, die sich munter ein Brötchen schmierte und herzhaft hineinbiss.
„Ich zitiere: Hey Oliver, ich wollt dich nur noch mal an das Training heute erinnern! 16 Uhr 30, vergiss es nicht! Und denk ja nicht daran, Katie zuhause zu lassen. Adrien. Zitat Ende. Ich fass es nicht."
„Er will nur auf Nummer sicher gehen", lachte die Jägerin und munterte dadurch den jungen Schotten etwas auf, der drauf und dran war, Adrien schriftlich vor der Abreibung zu warnen, die ihm noch bevorstand. „Und wehe, du überlegst es dir anders und lässt mich hier! Wo ich doch schon die Ehre habe, mit deinem Besen fliegen zu dürfen!" Sie zwinkerte, streckte sich und schaffte es so, Oliver an seinem Shirt vom Fenster weg und zurück auf seinen Stuhl zu ziehen.
„Als ob ich so etwas vergessen würde", brummte Wood mit finsterem Blick und rührte in seinem Kaffee. Nun sah er mehr denn je wie der Kapitän aus, der er einmal gewesen war, was Katie erneut zum Lachen brachte.
„Komm schon, sei kein Griesgram! Sag mir lieber, was wir am Vormittag machen. Zumindest in der Zeit, die noch vom Vormittag übrig ist."
Augenblicklich hellte sich Olivers Gesicht auf und sein Blick wurde geheimnisvoll. Kurz aber doch auffällig spähte er zu seinem Patronus hinüber, der fast nicht mehr zu sehen war, und lächelte, worauf Katie seinem Wink folgte und schnell verstand, worauf ihr Gegenüber aus war.
„Patronus?"
„Jep. Probieren geht über studieren, findest du nicht?"
„Ja schon …"
„Na also", meinte Oliver gut gelaunt und berührte wie beiläufig ihre Hand, als er das Marmeladenglas auf seine Tischseite holte. „Wenn du Lust hast …"
„Natürlich!", entwischte es Katie und sie grinste verlegen. „Ich meine … ich wollte das schon ewig lernen …"
In Anbetracht dieser Tatsachen beendeten sie ihr Frühstück schneller als geplant, so gespannt waren beide auf die darauffolgende „Übungsstunde". Olivers Adler war in der Zwischenzeit verschwunden und auch Skiron hatte sich wieder auf den Weg zu seinem Herrn gemacht.
Wenig später standen die beiden mit ihren Zauberstäben ausgestattet in der Mitte des Wohnzimmers; Tisch und Sessel hatten sie beiseite gerückt.
„Wenn du erst einmal einen richtigen Patronus heraufbeschwören kannst, so wird er wie eine gute Kraft sein, ein Abbild dessen, was Dementoren aus uns herauszusaugen versuchen. Hoffnung, Glück, Wünsche, Träume … Nur erliegt der Patronus nicht dem Gefühl der Verzweiflung, das in uns zurückbleibt, wenn wir einem der Dementoren begegnen. Also kann er diesen grausamen Kreaturen standhalten. Verstehst du?"
Aufmerksam lauschend nickte Katie und brachte sich selbst und ihren Zauberstab in Position. „Du hast einmal gesagt, man benötigt eine glückliche Erinnerung für die Beschwörung, oder?"
„Stimmt", erwiderte Oliver und lächelte schwach. „Sie muss wirklich stark sein, um einen Patronus erzeugen zu können, der groß genug ist, um die Dementoren in Schach zu halten. Du musst dich so sehr auf dieses Erlebnis konzentrieren, dass du das Gefühl hast, es würde deinen ganzen Körper erfüllen. Und dann sprichst du die Beschwörungsformel. Expecto Patronum."
„Expecto Patronum", wiederholte die Jägerin und wühlte in ihren Gedanken fieberhaft nach einem glücklichen Erlebnis, das den hohen Ansprüchen gerecht würde.
„In der Praxis sieht das dann in etwa so aus", holte Olivers Stimme sie aus ihren Gedanken und sie beobachtete ihn ganz genau; wie er kurz die Stirn runzelte, als denke er über etwas nach und anschließend seinen Zauberstab hob.
„Expecto Patronum!"
Aus der Spitze seines Zauberstabs brach ein großer, silbriger Schatten hervor, der sich als wunderschöner Adler entpuppte, der mit seinen riesigen Schwingen schlagend hoch zur Decke flog und dort mit großen Flügelschlägen über ihnen kreiste. Staunend richtete die Jägerin ihren Blick nach oben und bewunderte Oliver für diese Art der Magie, die sehr wohl zeigte, wie weit seine Fähigkeiten entwickelt waren. Diese Beschwörung sah so einfach aus, und doch wusste sie, dass ein gewaltiges Stück Arbeit dazu gehörte, um sie zu beherrschen.
„Und jetzt du!", forderte Oliver sie auf und betrachtete sie aufmerksam. „Versuch es einfach!"
Katie räusperte sich und versuchte sich zu konzentrieren. Gerade im letzten Augenblick fiel ihr ein, dass sie noch eine glückliche Erinnerung benötigte; eine, die stark genug war, um einen Patronus hervorzubringen. Aber welche sollte sie nehmen?
Der Quidditchpokal kam ihr in den Sinn, das Gefühl, das sie durchströmt hatte, als Harry vor zwei Jahren im Endspiel den Schnatz gefangen hatte und Wood auf sie zugerast gekommen war, um sie vor Glück zu umarmen. Ja, diese Erinnerung war durchaus sehr positiv.
„Okay, ich bin soweit", meinte sie schließlich an Oliver gewandt, schloss die Finger fest um ihren Zauberstab und konzentrierte sich mit aller Kraft auf das kribbelnde Gefühl in ihrem Bauch, als Wood sie fast vom Besen gezerrt hatte, so aufgeregt war er gewesen.
„Expecto Patronum!"
Sie öffnete die Augen, die sie vor Anstrengung geschlossen gehalten hatte, und sah gerade noch einen weichen, silbrigen, aber formlosen Schatten, der aus der Spitze ihres Zauberstabs gewichen war.
„Das war toll!", ermutigte Oliver sie und schenkte ihr ein Lächeln. „Nicht alle kriegen beim ersten Mal sowas auf die Reihe."
Katie erwiderte zaghaft sein Lächeln und strich sich eine Haarsträhne aus den Augen. Dieses Konzentrieren und Beschwören war – wie sie merkte – ziemlich anstrengend. „Denkst du?"
„Ja, natürlich! War deine Erinnerung stark genug? Konntest du es in deinem ganzen Körper fühlen, dass du glücklich bist?"
Nun ja, eigentlich nicht … eigentlich hatte sie es nur in ihrer Magengegend gefühlt und sie überlegte so fieberhaft, woher sie eine neue Erinnerung nehmen sollte, dass sie nicht bemerkte, wie Oliver hinter sie trat. Eine Hand legte sich sanft auf ihre Hüfte, die andere glitt ihren halb ausgestreckten Arm entlang, bis sie über ihrer Hand auf dem Schaft des Zauberstabes lag.
Ein leichter Schauer rieselte Katies Rücken hinab und sie konnte nichts gegen das fast unmerkliche Zittern unternehmen, das sich in ihren Gliedmaßen ausbreitete – zu sehr brachte sie seine Nähe aus dem Konzept. Noch nie waren sie sich so nahe gewesen wie jetzt, noch nie hatte sie sein Atem an ihrem Ohr gekitzelt, noch nie hatten seine Hände brennende Spuren auf ihrem Körper hinterlassen. Der Duft nach Wald und Wind war in diesem Moment besonders präsent und sie atmete tief durch, getraute sich jedoch nicht, sich mehr zu bewegen.
Oliver biss sich auf die Lippen und umschloss Katies Hand sanft mit der seinen. Am liebsten hätte er die Jägerin jetzt umgedreht, sie fest in die Arme genommen und geküsst, wie er noch nie jemanden geküsste hatte – doch er wollte nichts überstürzen, das hatte er sich fest vorgenommen; und während sein Herz beinahe aus seiner Brust zu springen drohte und er Katie unter seiner Berührung zittern fühlte, betete er, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren.
War dies das Gefühl der echten Verliebtheit? Das musste es sein, denn noch nie hatte er so etwas gefühlt.
„Katie …", entwischte es seiner Kehle und er schluckte. Seine Stimme war rau und heiser, so wie er es von sich gar nicht gewohnt war. „Du musst glücklich sein …"
Und in diesem Moment erkannte Katie, was sie zu tun hatte. Sie konzentrierte sich auf eine ganz bestimmte Erinnerung; sie sah sie vor sich, so klar und scharf, als sähe sie einen Muggelfilm. Die Wohnungstür, die Türglocke – Oliver, der auf der Schwelle stand, mit dem Ausdruck unbändiger Freude in den Augen, weil sie gekommen war … dass sie endlich zusammen sein konnten … Eine Welle des Glücks überschwemmte sie und sie fühlte, dass dies die richtige Erinnerung war.
„Expecto Patronum!", rief Katie, bestärkt durch Olivers Hand auf ihrer, und aus ihrem Zauberstab brach ein Schleier hervor, der um vieles größer war als noch vorhin; sie konnte Flügel erkennen und Freude erfüllte sie, denn auch Olivers Patronus war ein Tier, das fliegen konnte … doch welches Tier war es, das sich nun auf dem Boden niederließ und mit den Flügeln schlug?
Wood zog sie näher zu sich heran und beobachtete den Patronus, der nun den Kopf hob und zum Adler an der Decke hochsah. Seine Umrisse waren klar zu erkennen, und der silbrige Schimmer der beiden Patroni erfüllte den Raum mit weichem Licht.
„Ein Schwan!", kam es unisono von ihren Lippen und sie lächelten einander an, als der Adler in leichten Sinkflug ging und neben dem anderen Patronus landete. Vorsichtig beäugten sie einander flügelschlagend und schienen eine Art Konversation mit den Augen zu führen; und Oliver drückte Katies Hand.
„Toll gemacht, Kleines", flüsterte er ihr ins Ohr und sie spürte, wie seine Lippen ihre Ohrmuschel streiften. „Jetzt weiß ich nicht, was ich sagen soll."
Katie war noch immer so entzückt von ihrem Patronus, der auf dem Boden herumwatschelte, dass sie nur nicken konnte. Sie hatte es geschafft … sie war stark genug gewesen … und sie dankte Oliver im Stillen dafür, dass er ihr indirekt mit seiner Erinnerung geholfen hatte.
„Wenn man erst einmal darin geübt ist", meinte der junge Schotte schließlich und ließ ihre Hand los, um seinen Zauberstab vom Wohnzimmertisch aufzulesen, „dann kann einem fast nichts mehr passieren. Also ich würde sagen, du bist für das Training und die Feier bestens gerüstet."
Anm. der Autorin: Hach, endlich ist sie da ^^ ich hoffe, der erste Teil hat euch gefallen und ihr lasst mir ein paar Reviews da ;)
Immerhin beschleunigt das den Schreibprozess – und Katie möchte doch schon so gerne zum Training xD
Doch dazu beim nächsten Mal!
Reviews? ^^
Eure Lala
