A/N: Und wieder ein neues…

The incompetent with nothing to do can still make a mess of it. – Laurence J. Peter

Harry pfiff fröhlich vor sich hin während er sich abtrocknete.

Draco hatte geschlagene zwei Minuten auf dem Boden der heulenden Hütte gesessen und dabei ausgesehen wie ein Fisch an Land.

Der Malfoy-Sprössling konnte es einfach nicht vertragen, dass Harry Potter als Novize akzeptiert wurde und er nicht. Daher hatte er den restlichen Samstag lang

entweder nur schnippische Antworten gegeben oder aber Harry angestarrt.

Harry fand diese Mischung aus Neid und Bewunderung recht amüsant. Vor allem da es sich hier um Draco Malfoy handelte.

Heute war Sonntag und Harry dachte darüber nach wann er mit Lucard sprechen sollte. Das Arx Ritual musste ausreichend vorbereitet werden – und sie mussten es so ausführen, dass niemand etwas davon bemerkte.

Harry summte immer noch leise während er in den Schlafsaal ging und die immer noch schlafenden Jungen betrachtete. Es war erst sieben Uhr morgens.

Normalerweise würde sich Harry mit dem Anziehen beeilen damit niemand seine Priester Zeichen sah, aber inzwischen wusste ganz Hogwarts, dass Harry zumindest zwei Tätowierungen hatte. Mit etwas Glück also würden die anderen Jungen seine Zeichen bloß für eine weitere Tätowierung halten.

Harry hielt inne und fuhr mit seinen Fingern über das Bild auf seinem Arm.

Er war, was die Anzahl der Motive anging, im Irrtum gewesen. Es waren nicht drei, sondern nur zwei.

Eine Schlange die sich um einen schwarzen Phönix wand. Der Phönix war aber größer als die Schlange und so hatten die anfänglichen drei Striche zuerst wie drei verschiedene Motive ausgesehen, da sie sehr weit voneinander entfernt gelegen hatten.

Ein Murmeln aus einem der Betten lies Harry aufsehen. Ron drehte und wälzte sich im Schlaf durch sein Bett.

Harry schüttelte leicht amüsiert den Kopf und zog sich fertig an. Dann streckte er sich und verstaute seinen Zauberstab und seine Dolche an ihren gewohnten Plätzen.

Der Gemeinschaftsraum war leer,

komplett und absolut leer. Harry lies sich auf das Sofa in der

hintersten Nische fallen, das sonst immer Fred und George besetzten.

Harry streckte und räkelte sich

nochmals und kuschelte sich dann in das Sofa. Vom Gemeinschaftsraum

aus konnte er jetzt nur noch gesehen werden, wenn jemand direkt in

die Nische blickte.

Harry wusste nicht, wie lange er so

dort gelegen und nachgedacht hatte, als er etwas poltern hörte.

Ruhig blieb er sitzen und lauschte.

„Fred… ich weiß nicht,

ob das so gut ist."

Die Zwillinge. ~Wie wunderbar.~, dachte

Harry sarkastisch. ~Die zwiespältigen Zwillinge.~

„George, das ist perfekt! Sobald

die Tür aufgeht – Platsch! Und alle sind grün und

schleimig!"

~Was auch immer die da planen, ab

sofort bin ich nicht mehr der Erste der eine Tür aufmacht.~

„Das meinte ich doch gar nicht!"

Harry hörte einige Sekunden lang

nichts, dann fing George wieder an zu reden.

„Fred… was, wenn jemand es

mitkriegt? Wir sind nicht gerade als Unschuldsengel bekannt…"

„Keine Sorge, es wird alles

klappen. Wir schleichen uns in sein Büro, schnappen uns die

Kugel und sind sofort wieder draußen!"

~Diebstahl? Sie stehlen selber?

Ehrlich, dafür kann man sich doch Handlanger besorgen! …

Ich war eindeutig zu lange in Dracos und Severus Gesellschaft.~

„Aber Fred! Die Kugel ist

eindeutig hoch magisch! Da wird Lucard sie wohl gut bewacht haben!"

~Lucard? Die beiden Idioten wollen

einen magischen Gegenstand von Lucard klauen?~ Harrys Augen weiteten

sich. Waren die Zwillinge lebensmüde?

Harry schwang seine Beine über die

Rückenlehne des Sofas und zog sich mit einem Schwung hoch. Jetzt

saß er auf der Rückenlehne und sah Fred und George an, die

über sein plötzliches Erscheinen sehr verwundert waren.

„Ich habe einen guten Rat für

euch: Klaut niemals, unter keinen Umständen, ein magisches Gerät

von einem praktizierenden Schwarzmagier, ohne vorher herausgekriegt

zu haben was es macht, wie es verteidigt und verzaubert ist und wie

viel Schaden besagter Magier anrichten kann. Es könnte sonst

unangenehm werden, glaubt mir."

Fred und George waren erstarrt und

sahen Harry entgeistert an.

Harry räkelte sich noch einmal

langsam und glitt von der Rücklehne herunter. Die Zwillinge

schienen durch diese Bewegung aus ihrer Starre zu erwachen.

„Wie meinst du das?", fragten

sie beide auf einmal.

Harry schnaubte. „Ihr wollt etwas

aus Lucards Büro entwenden. Ihr wisst nicht wie es geschützt

ist und ich nehme an, dass ihr auch nicht wisst was es ist. Das ist

ein hohes Risiko."

Fred machte ein verletztes Gesicht.

„Wir wissen immer, was wir stehlen!"

Harry zog eine Augenbraue hoch. George

stupste seinen Bruder an. „Fred…!"

„Ihr beide stehlt also öfter?

Wart ihr vielleicht auch diejenigen die meine Sachen geklaut haben?"

Sofort schüttelten beide eifrig

die Köpfe. „Wir nicht!" „Das waren Ron und

Hermine!"

„Na, ich will euch einfach mal

glauben."

Harry pfiff ein wenig und machte sich

auf den Weg zum Ausgang des Gemeinschaftsraumes. Die Zwillinge sahen

sich kurz gegenseitig an und rannten Harry dann hinterher.

„Harry!" „Warte!"

„Mal!"

Harry blieb vor der Rückseite des

Bilde stehen und drehte sich um. „Ja…?"

Fred und George grinsten. „Du

würdest dir nicht zufällig überlegen mit uns

zusammenzuarbeiten?"

Harry dachte nach. „Mal sehen…

euer Bruder hat mich ziemlich genervt und angegriffen, ihr habt einen

aus meiner Sicht mehr als hinterhältigen Brief über Charlie

an eure Mutter geschrieben und ihr-"

Die Zwillinge fielen ihm ins Wort. „Wir

haben nichts dergleichen gemacht!"

Harry schnaubte. „Ach ja? Als

Charlie ankam habt ihr einen Brief geschrieben und am nächsten

Morgen schon segelte der Heuler auf Charlies Platz."

Fred schüttelte vehement den Kopf.

„Der Brief war an Oliver. Wir haben Mutter nichts geschrieben!"

George fügte leicht grinsend hinzu: „Wir sind ja

schließlich oft genug selbst in Schwierigkeiten!"

Harry musste diese Neuigkeit erst mal

verdauen. Die Zwillinge hatten keinen Brief an ihre Mutter

geschrieben der ihr von Charlie erzählte? Aber woher kam dann

der Heuler? War er überhaupt von Molly Weasley?

Nun, zur letzten Frage gab es für

Harry nur die Ja-Antwort. Wer außer Molly Weasley würde

Charlie einen Heuler schicken? Charlies Freunde vom Drachenreservat

schienen ja alle gut mit ihm auszukommen, zumindest soweit Harry

wusste.

„Wer hat dann einen Brief

geschrieben? Der Heuler kann sich jawohl kaum von selbst geschrieben

haben."


Fred und George zuckten mit den

Achseln. „Keine Ahnung.", antworteten sie gleichzeitig.

„Hm." Harry dachte wieder nach. Ron vielleicht? Das würde

passen. Aber würde Ron wirklich… Ja, würde er, dachte

Harry bei sich.

„Also, worum handelt es sich bei

eurem ominösem Diebesgut?"

„Eine magische Glaskugel."

„Durchmesser ungefähr zwanzig Zentimeter."

„Hochmagisch und mit grünlichem Nebel gefüllt."

„Er hält das Ding in seinem Büro versteckt, hinter

seiner Bücherreihe." „Wir haben McGonagall und Lucard

dabei zuhört, wie sie sich über die Kugel stritten."

„McGonagall glaubt, es sei zu gefährlich." „Es

handelt sich um eine ‚Sphaera concipit animum'. Das hat

zumindest McGonagall gesagt." „Wir dachten uns wir stehlen

und verkaufen sie – um mehr Geld für unser Geschäft zu

kriegen, verstehst du?"

Auf einmal sahen die Zwillinge Harry

verdattert an. „Harry?"

Harry war aschfahl geworden. „Oh

Gott! Lucard hat so etwas hier? Und das wollt ihr auch noch stehlen?"

Fred und George sahen ertappt aus. „Nun

ja, so genau wissen wir nicht was das ist. Wir sind nicht gut mit

solchen Artefakten…"

Harry schnaubte. „Das bemerkt man!

Sphaera heißt Kugel oder Sphäre, concipit heißt

er/sie/es beinhaltet, hält oder saugt hinein und animum ist

unter anderem das Akkusativ für Seele! Diese ‚Kugel'

ist eine Seelenschluckersphäre! Eine falsche Berührung

reicht aus und schwups, schon wird der Dementor überflüssig!"

Fred und George waren jetzt ihrerseits

aschfahl. „Uns wir schlecht.", brachten sie dann beide

heraus und ließen sich auf das nächste Sofa fallen.

„Oh oh… da hast du uns"

„gerade noch mal gerettet," „Harry!"

„Ihr solltet lieber aufpassen was

ihr wem klaut oder klauen wollt. Außerdem ist Diebstahl

strafbar, das wisst ihr, oder?"

Fred winkte ab, anscheinend schon

erholt von dem schweren Schock gerade. „Berufsrisiko."

Harry wunderte sich zwar warum das ein

‚Berufsrisiko' war, fragte aber nicht danach.

„Da habt ihr euch aber entweder

einen scheiss Beruf ausgesucht oder ihr seid nicht gerade die besten

in eurem Job, wenn ihr es schafft euch beinahe die Seele aussaugen zu

lassen."

George seufzte. „Da hast du sogar

recht, Harry. Und dabei wird Lucard das Ding schon nächsten

Sonntag spätestens weggebracht haben." „Wieso?",

fragte Harry verwirrt.

Die Zwillinge antworteten gemeinsam.

„Ultimatum von McGonagall. Lucard ist nicht gerade sehr beliebt

bei den anderen Lehrern."

Soviel hatte Harry sich schon denken

können. Die anderen Professoren würden einen Schwarzmagier

nicht gerade mit offenen Armen an ihrer Schule empfangen. Erst recht

keinen angeblich so guten wie Lucard, falls er wirklich so gut war.

Das brachte Harry auf eine bestimmte

Frage: Wieso war Lucard hier?

Harry schaute auf seine Armbanduhr.

Fast acht. „Okay. Fred, George? Ihr sagtet, ihr wollt Geld für

euren Scherzartikelladen?"

George schluckte. „Nun ja… es

soll ja etwas mehr werden als nur ein Scherzartikelladen… aber

wir brauchen Startkapital… dein Geld vom letzten Jahr hat sehr

geholfen, dafür sind wir dir auch sehr dankbar…"

Harry winkte ab „Schon gut, schon

gut. … Könnt ihr nicht nur andere Leute reinlegen und

Sachen stehlen sondern auch Informationen beschaffen?"

Fred und George wechselten einen

schnellen Blick miteinander, dann sahen sie Harry an. „Kommt

drauf an, was.", meinten sie dann wie aus einem Munde.

„Ich will wissen, wieso Lucard

überhaupt hier ist. Ihr kriegt Bezahlung dafür… und

vielleicht kann ich euch fest anstellen… als Informanten und

Erfinder trickreicher Maschinerie?"

„Erfinder trickreicher

Maschinerie?", wiederholten die Zwillinge und grinsten. „Das

gefällt uns! Du kannst dich auf uns verlassen! Betrachte dich

als Geschäftspartner der Weasley Zwillinge."

Damit reichten ihm beide die Hand.

Harry akzeptierte die ihm dargebotenen Hände und besiegelte das

Geschäft. „In Ordnung. Lasst euch ruhig Zeit. Solange es

sichere Infos sind ist die Zeit nicht wichtig."

Fred und George grinsten. „Kein

Problem!"

~*~

Der nächste Montag kam und der

Unterricht ging weiter. Es war der gleiche schwerfällige Trott

den Harry mittlerweile gewohnt war. Warum konnte er nicht nur mit

Severus Unterricht haben? Unterricht bei ihm war immer interessant,

spannend und brachte einem wirklich etwas bei – was man von den

Stunden bei Umbridge nicht gerade sagen konnte.

Diese Frau ging Harry auf die Nerven!

Und sie hatte ihn auf dem Kieker. Sie suchte regelrecht

Möglichkeiten, ihm Punkte abzuziehen. Glücklicherweise gab

Harry ihr diese nicht.

Der Montagabend nahte und die stille

Fünferrunde traf sich wieder zum geheimen Plausch im Kerker.

Zumindest sollten es fünf sein,

dachte Harry sich, als er nach Carmen Ausschau hielt.

„Hey Blaise! Wo ist Carmen?"

Blaise seufzte genervt. „Ein Stern

sprach zu ihr. Entschuldigung, aber wenn meine Schwester eine

angebliche Vision hatte kann sie unter Umständen Trelawney sehr

ähneln."

Harry zog eine Augenbraue hoch, während

er sich in einen Stuhl falle ließ. „Was für eine

Vision?"

Blaise schnaubte abermals. „Sie

hat keine wirklich großen Visionen… nur kleinere Sachen…

etwas von einem grau-silbrigen Wolf und einem schwarzen Hund. Und ein

Wald. Irgendwie so was…"

Harry horchte auf. „War der

schwarze Hund sehr groß, grim-ähnlich und der Wolf hatte

eine Narbe an der Brust?"

Draco und Blaise sahen Harry verdattert

an. „Das… ja, das stimmt.", brachte Blaise dann

schließlich heraus. „Aber woher…?" „Ich

kenne die… beiden.", meinte Harry.

Damit war das Thema für ihn erst

mal abgeschlossen und die anderen fragten nicht mehr danach.

Ginny lenkte das Thema wieder auf ihre

fertigen Zeichnungen und die Zeichnung, die sie Harrys Anhängern

geben wollten.

„Hier sind ein paar Entwürfe."

Sie schob die Blätter auf den Tisch. Draco grinste, als er ein

besonders großes Auge mit langen Augenbrauen und grüner

Augenfarbe sah. „Ein Blick und jeder Idiot weiß wer der

Stille Fürst ist." Ginny verschränkte die Arme.

„Irgendetwas musste ich ja als Vorlage nehmen."

Harry schob zwei Augen zu Blaise.

„Welches findest du besser?" Das eine war besonders weit

geöffnet als wenn es versuchen würde extra viel zu sehen

und hatte eine silbrig-grünliche Augenfarbe. Bei dem anderen war

die Augenbraue hochgezogen, was man für verschiedene Ausdrücke

halten konnte. Die Augenfarbe dieses Auges war ein schimmerndes

schwarz.

„Ich würde das grünliche

hier nehmen. Das schwarze da sieht zu sehr wie Professor Snape aus."

Ginny warf schnell einen Blick auf die besagte Zeichnung und grinste.

„Eh… das ist Professor Snapes Auge."

Draco schnaubte. „Ich will nicht

wissen, warum du Professor Snapes Augen zeichnest, Weasley."

„Neidisch weil deine nicht so künstlerisch sind, als das

man sie zeichnen könnte?", warf Ginny zurück.

Während zwischen Ginny und Draco

ein kleiner Wortkampf entbrannte, beriet sich Harry mit Blaise über

den Zauber.

„Aber Voldemort benutzt auch nur

ein Wort."

„Ja, aber der dunkle Lord bindet

seine Anhänger ja auch permanent – das wolltest du ja

nicht."

„Ich verstehe… Kann man eine

Art leichten Verfolgungszauber einbauen?"

„Rein theoretisch schon… aber

dann müsste man wissen wozu der Zauber genau dienen soll."

„Einerseits zum schnellen Finden

von Leuten die in Gefahr sind und andererseits um Spionage

einzugrenzen."

„Hm… Über den Zauber

könnte man das gesamte Ritual vielleicht abkürzen. Dann

gäbe es eine kurze Variante die weniger stark ist und eine lange

Variante des Rituals, die eine stärkere Bindung mit dir

zulässt."

„Von dem, was ich gelesen habe ist

die Verbindung eh nur minimal und auf einem primitiven Level."

„Trotzdem ist sie da und stark.

Aber da du der Herr bist, hast du die Vorteile."

„Wenn ich eine absaugende

Zeichnung nehmen würde, dann vielleicht. Aber das will und

brauche ich nicht."

„Das stimmt auch wieder. …

Gut. Jetzt brauchst du nur noch ein Wort das du zur Beschwörung

benutzen kannst. Es muss etwas über dich ausdrücken und am

besten wäre Latein, das kann man gut einbinden…"

„Aber es gehen auch andere

Sprachen?"

„Ja, natürlich. Wieso, hast

du ein Wort in einer anderen Sprache?"

„Was? Nein. So viele Sprachen kann

ich gar nicht, als das ich da eine Auswahl hätte."

„Auch wieder war. Also, hast du

ein Wort? Dann können wir heute noch die Kennzeichnung

ausarbeiten."

„Ja, ich habe eins: Sanies."

„Latein?"

„Ja. Es heißt so viel wie

verdorbenes Blut oder Gift."

„Verdorbenes Blut? Wieso gerade

das Wort?"

„Sollte ich nicht eigentlich das

Statussymbol des Dumbledore sein? Und bin ich nicht total verdorben?"

„Deine Art Arbeit mit

sarkastischem Witz zu verbinden ist beeindruckend."

„Die Bemerkung: 'Das gefällt

mir' oder 'Nettes Wortspiel' hätte mir auch gereicht."

Blaise schürzte seine Lippen und

grinste trocken. Harry grinste zurück. „Also können

wir es heute ausarbeiten?"

„Natürlich!"

„Was ausarbeiten?", kam es

auf einmal zweistimmig von Draco und Ginny. Blaise seufzte. „Träumt

weiter!" Harry rollte mit den Augen. „Wir sprachen über

die Kennzeichnung und das wir heute wahrscheinlich so weit sind, die

ersten Zeichnungen durchzuführen."

Draco schnaubte. „Oh wie toll. Das

wird Daddy aber freuen, wenn ich mit einem Tattoo nach Hause komme."

Harry winkte ab. „Das Zeichen

würde ich am Knöchel anbringen. Da bemerkt man das nicht so

schnell."

Blaise nickte zustimmend und setzte

sich an die Berechnungen für das Ritual.

Eine Stunde später war alles

vorbereitet. „Wird man das auch nicht irgendwie bemerken

können?", fragte Ginny ängstlich.

Blaise grinste hämisch. „Das

ist das gute an unserer Variante der Zeichnung: Keine erkennbaren

negativen Schwingungen, da wir weder eine komplette Bindung noch eine

Beherrschung mit hineingebaut haben."

„Und wer geht jetzt als erster?"

Harry blickte fragend in die Runde. Er konnte nicht der erste sein,

da er ja der Anführer war. Und der erste würde das Risiko

haben: Wenn es Komplikationen gab, würde er sie zu spüren

bekommen.

Eigentlich hatte Harry erwartet, dass

über diese Frage erst diskutiert werden müsse, doch Draco

und Blaise riefen fast gleichzeitig: ‚Ich!'

Harry schüttelte amüsiert den

Kopf und meinte: „Also… Blaise war einen Tick schneller."

Draco zuckte mit der Schulter und

Blaise öffnete seine Robe und zog seine Hose ein Stück hoch. Harry hielt

seinen Zauberstab auf Blaises Knöchel gerichtet.

Die ersten drei Wörter auf Latein

waren an sich sinnlos, sie dienten zur Herstellung einer Verbindung.

Was danach kam war einfach. Der Trick dabei war die Verbindung

herstellen zu können – und sie durch das abschließende

Wort auch wieder schließen zu können.

„Ego te domum sum. [Ich bin dein

Herr] Audite me! [Höre mich] Videte me! [Sehe mich] Tu est mei

servi! [Du bist mein Sklave/Diener]. Te locatus est gnarus. [Dein

Platz ist bekannt]. Sanies!"

Die Zeichnung war gut verlaufen. Das

Zeichen, dass Harry dabei mit seinem Stab einmal hatte antippen

müssen um das Bild in seiner Aura zu verankern, war leicht

bläulich geworden und ein Abbild des Auges war auf Blaises

Knöchel erschienen.

Leider hatte Harrys Wort etwas stärkere

Auswirkungen als erwartet.

Anstatt der harmlosen Vollendung der

Zeichnung und einem leichten Kitzeln am Knöchel leuchtete die

Zeichnung blutrot auf und Blaise sog scharf Luft ein. Der rote Schein

durchlief einmal seinen gesamten Körper und verschwand dann so

schnell wie er gekommen war.

„Blaise! Alles in Ordnung?"

Harry wollte Blaise stützen, doch bei der ersten Berührung

kamen kleine, dunkelrote Funken aus Harrys Hand. „Was zum.?"

Harry nahm seine Hand wieder weg. „Mir geht's gut…",

murmelte Blaise und setzte sich. „Irgendwie ist das Ritual

verstärkt worden."

„Verstärkt worden? Wie das?",

wollte Draco wissen. Blaise zuckte mit den Achseln. „Keine

Ahnung, aber das Gefühl von Macht gerade… kein Wunder, dass

Leute dafür töten. Als wenn Harrys Energie einmal durch

mich durchgeflossen ist und dann wieder zu ihm zurück kam."

Harry legte seinen Kopf schief. „Alles

in Ordnung mit dir?" „Ja, ja." Blaise schüttelte

einmal kräftig den Kopf. Dann grinste er blöd. „Irgendwie

schön. Schade, dass das nicht noch mal geht."

Draco und Ginny starrten den Slytherin

an und Harry schüttelte nur den Kopf.

„Na gut, Potter, jetzt bin ich

dran. Blaise geht es augenscheinlich gut, also stimmt das Ritual."

„Eh… ja." Harry

vollführte das gleiche noch mal und wieder kam der blutrote

Schein zum Vorschein.

Draco setzte sich leicht lächelnd

in einen Stuhl. „Also… da kann ich verstehen, warum mein

Vater so etwas mag."

Ginny schluckte nervös und trat

vor. Bei ihr musste Harry die lateinischen Worte auf Femininum

umstellen, aber das war keine große Arbeit.

Ginny's Zeichnung erschien in einem

komisch dunkelgrünem Licht. „Okay," scherzte Draco,

„jetzt wissen wir, dass das Ritual etwas durcheinander gebracht

hat. Blaise und ich sind die Slyths und sie ist der Gryff!"

Ginny setzte sich auch auf einen Stuhl

und Blaise schnaubte leise.

„Alles okay mit euch drein?"

„Ja~a.", antworteten drei

sehr genervte Schüler.

Harry grinste. Er war sicherlich der

erste Intrigen-schmiedende Anführer der seine Anhänger

durch Mitgefühl vergraulte.

~*~

Carmen bekam ihre Zeichnung am

Dienstag. Harrys Unterricht mit Severus am Dienstagabend fiel aus, da

Severus zu Voldemort gerufen wurde.

Harry wusste zwar nicht, was genau los

war, aber irgendetwas war da im Busch.

Hinzu kam Carmens gesteigerte

Nervosität, die sich vor allem durch ihre zeitweilige

‚Abwesenheit' zeigte. Manchmal war es, als wenn sie geistig

einfach woanders wäre.

Ron hingegen fing an, fiese Bemerkungen

gegenüber Harry zu machen, wann immer dieser im Raum war. Dean,

Seamus und dieser Tobias unterstützen ihn dabei. Die anderen

Gryffindors nahmen das hin, als wenn es sie nicht interessieren

würde. Harry vermutete, dass die meisten nicht dabei mitmachten,

weil sie Angst hatten.

Harrys Auftritt mit Ron war doch

beeindruckend gewesen, schien es. Beeindruckender sogar als Harry

zuerst gedacht hatte. Einige Schüler sprachen schon von einem

‚historischem Ereignis', von dem man sich noch in Jahren

auf Hogwarts erzählen würde.

Harry hatte nicht vor es bei diesem

einen Ereignis zu belassen. Aber jetzt musste erst mal Ruhe in

Hogwarts einkehren, damit man ihn nicht mehr so beobachtete…

Dienstagnachmittag war Harry klar

geworden, dass die Lehrer den Auftrag hatten ihn genaustes zu

beobachten. Sie musterten ihn während des Unterrichts und

meistens tauchte immer ein Lehrer in seiner Nähe auf, sobald er

den Gryffindor-Gemeinschaftsraum verließ. Nur seinen guten

Sinnen hatte er es zu verdanken, dass er diese lästigen Leute

abhängen konnte.

+~+

Der Mittwoch startete gut und Harry

beschloss nach einer Doppelstunde Zauberkunst

mit Flitwick, Blaise das Startzeichen für die ‚Fürstenkampagne'

zu geben. Das bedeutete, dass Blaise und Carmen anfangen würden

Mitglieder für den ‚stillen Fürsten' anzuwerben.

In der Pause stupste Harry Blaise an

der Schulter an. „He, es wäre Zeit, dass unsere Augen und

Ohren mal etwas tun."

Blaise Augen glitzerten kurz einmal,

dann nickte er grinsend. Dieser Erkennungssatz war eine Idee von

Harry gewesen. „Keine Sorge… sie werden ganz still

vorgehen." Harry nickte bestätigend und machte sich auf zum

Lateinunterricht während sich Blaise das erste ‚Opfer'

auswählte.

~

Harry staunte nicht schlecht, als

anstatt Professor Klingler Severus den Raum betrat. Sofort wurde der

Raum mucksmäuschenstill.

„Professor Klingler ist leider

krank und damit für heute verhindert. Ich werde euch heute

unterrichten."

Viele Gryfindors stöhnte mehr oder

minder laut auf und bejammerten ihr Pech.

Severus fing sofort mit dem Unterricht

an und erklärte die einzelnen Kasi – Nominativ, Genitiv,

Dativ, Akkusativ, Ablativ und Vokativ. Die ersten Schüler

grummelten etwas über ‚blöde Römer mit ihren

sechs Kasi.' Harry hatte vorher gewusst, dass es in der

lateinischen Sprache sechs Kasi gab und war daher wenig überrascht.

Severus bemerkte mitten in seiner

Erklärung aus seinem Augenwinkel heraus, wie Ron mit Hermine

quatschte. Das kam ihm gerade recht. Er war eh noch wütend wegen

Rons Schlägerei mit Harry und jetzt war eine gute Gelegenheit um

dem Weasley zu zeigen, was passieren konnte wenn man Severus Snape

verärgerte.

„Weasley, könntest du mir

sagen, warum man den Feensaft nur auf halber Stufe kochen soll,

solange man noch kein Wolfskraut hinzugefügt hat, aber die

Flamme voll aufdrehen könnte, sofern man Tarantula-Beine als

Substitution benutzt?"

Er wartete einige Augenblicke auf eine

Antwort, aber es kam keine. "Ich glaube, diese Frage macht dir

große Schwierigkeiten", höhnte Severus als er Rons

ausdrucksloses Gesicht sah.
Ron, der sich für ganz schlau

hielt, antwortete: "Die Frage nicht, aber die Antwort".

Die Gryffindors lachten, die Slytherins

schienen in Vorfreude praktisch aufzuglühen. Nur Harry stöhnte

laut auf und vergrub sein Gesicht in den Händen.

Da hatten sie schon Vertretung bei

Severus und dann machte Ron so etwas!

Severus Augen verengten sich. „Weasley,

fünfzig Punkte Abzug für freches Benehmen gegenüber

einem Lehrer und ich erwarte die Antwort auf diese Frage,

ausführlich, in Latein."

Rons Mund klappte auf und zu wie bei

einem Fisch auf dem Trockenem. „Aber- aber- Dazu haben sie kein

Recht! Das ist doch nur Vertretung für Klingler-"

„Weitere fünfzig Punkte.

Sollen es noch mehr werden, Weasley? Und ja, das hier ist

Vertretungsunterricht für das Fach Latein und daher erwarte ich

die Antwort in Latein. Und jetzt zurück zum Thema… Wer kann

noch einmal die Kasi in Latein wiederholen?"

Ron wurde rot und sprang auf. „Aber

das war eine Frage zu Zaubertränke und nicht zu Latein! Das war

fies und hinterhältig!"

Die Gryffindors nickten zustimmend

während die Slytherins sich in ihrem Verhalten in drei Gruppen

aufteilten: schadenfrohes Kichern, seufzendes Augenrollen und schiere

Verblüfftheit im Angesicht dieses dummen Verhaltens.

Severus fixierte Ron mit einem

durchbohrendem, vernichtendem Blick. „Mr Weasley…" Er

zog den Namen bedrohlich langsam in die Länge und bewegte sich

gemächlich auf Ron zu. Der bekam es langsam mit der Angst zu

tun, schluckte diese aber hinunter und starrte zurück.

„Potter, beantworten sie meine

Frage!", bellte Severus auf einmal.

„Feensaft ist ein besonders

komplexer Zaubertrank, da er auf hoch explosiven Komponenten beruht.

Das Wolfskraut vermindert die Explosivität und verhindert so das

Explodierend es Trankes. Deswegen kann man den Trank nur auf halber

Stufe kochen, was bis zu fünf Stunden dauern kann. Wechselt man

jedoch die Acromantula- gegen Tarantula-Beine wird der Trank schon

dadurch weniger explosiv und kann somit auf voller Stufe gekocht

werden. Allerdings verliert er dazu bis zu fünfzig Prozent

seiner Wirkung, weshalb die meisten talentierteren Braumeister keine

Substitution benutzen."

Rons Kinnlade klappte auf. Hatte Harry

gerade diese Antwort gegeben oder was das vielleicht Hermine in

Verkleidung. Die Slytherins staunten auch nicht schlecht. „Gut,

Potter. Mr. Weasley, warum waren sie nicht in der Lage, diese Frage

so zu beantworten?"

Ron überkam eine plötzliche

Wut. Wut auf Severus Snape, Wut auf Harry Potter.

„Vielleicht weil ich nicht mit

meinem Lehrern ins Bett gehe um bessere Noten zu bekommen."

Natürlich war diese Beleidigung

total unbegründet, nicht einmal ein Gerücht in diese

Richtung gab es. Aber Ron wollte Severus und Harry ja bloß auf

die Palme bringen.

Ein Raunen ging durch den Raum und

Severus Augen fingen an zu funkeln.

„Weasley, das war ein ganz großer

Fehler.", stieß Severus zwischen gepressten Zähnen

hervor. Doch bevor er irgendetwas unternehmen konnte, zischte auf

einmal ein grauer Strahl durch den Raum.

„Silentium est nunquam non!"

[Die Stille ist für immer]

Es dauerte einige Augenblicke, bis die

Klasse und Severus realisiert hatten, dass Harry diesen höchst

gefährlichen, als dunklen Zauber eingestuften Fluch gesprochen

hatte.

Harry war aufgesprungen und presste

seine Lippen hart aufeinander, als wenn er versuchen würde,

weitere Flüche zurückzuhalten.

Dieser Fluch konnte nur sehr schwer

gebrochen werden und bis zu einem Jahr anhalten. Er verhinderte, dass

der getroffene Zauberer sprechen konnte, wodurch es für den

Betroffenen unmöglich war, zu zaubern.

Harry schnaubte verächtlich.

„Vielleicht lernst du jetzt ja, deine große Klappe zu

halten."

„Potter!", kreischte auf

einmal Severus. „Sofort in mein Büro. Die Stunde ist

beendet. Granger, bringen sie Weasley von mir aus in den

Krankenflügel, aber er verliert trotzdem weitere fünfzig

Punkte für diese Bemerkung."

Severus packte Harry am Kragen und

schleifte den immer noch wütenden Jungen fast hinter sich her in

den Kerker.

In seinem Büro angekommen schmiss

Severus wütend die Tür zu.

„Harry! Gleich wird der

Schulleiter hier auftauchen und du wirst in gewaltige Schwierigkeiten

kommen. Wie kommst du nur auf die Idee wegen so einer Lappalie so

einen Fluch durch den Klassenraum zu schicken? Weasley ist doch nur

ein dummer, kleiner Gryffindor, der nicht weiß, wann er die

Klappe und seine Nase aus andrer Leute Leben heraus halten soll!"

Harry funkelte Severus wütend an.

Schließlich registrierte er den eben gesprochen Satz.

'Der seine Nase aus andrer Leute Leben

heraus halten soll'

Nicht, 'der nicht weiß, worüber

er redet oder der eh keine Ahnung hat.'

Nein, er sollte seine Nase aus andrer

Leute Leben heraushalten. Das würde bedeuten, dass Severus

hinter der Bemerkung Rons einen gewissen Wahrheitsgehalt erkannt

hatte.

Harrys Hormone meldeten sich. Severus:

groß, stark, mächtig, 1-A Körper wie Harry wusste,

witzig-sarkastische Ader, faszinierende Augen…

Bevor sich Harry klar war, was er tat,

trat er auf Severus zu und zog den Mann für einen Kuss zu sich

hinunter.

Severus Augen weiteten sich während

Harrys Zunge über seinen Mund glitt und ihn sanft liebkoste.

Anstatt den Jungen jedoch wegzustoßen entspannte sich sein

Körper und zaghaft legte er einen Arm um Harry Oberkörper.

Nach kurzer Zeit lösten sie sich

wieder. Harrys Wangen waren rot geworden. „Ich – äh –

schuldi – ich meine…"

Severus starrte ihn an. Er starrte ihn

einfach nur an. Dann hob er langsam seine linke Hand und strich Harry

mit einem Finger über die Wange.

„Darüber reden wir später!",

hauchte er dem Jungen zu. Harry schluckte und nickte.

Ein Klopfen an der Tür ließ

sie auseinander fahren.

Harry versuchte, sein rasendes Herz

wieder unter Kontrolle zu bekommen. Severus schloss kurz die Augen und

öffnete dann die Tür. „Schulleiter, McGonagall."

„Severus! Wo ist Mr. Potter? Ich

will ihn sofort in meinem Büro sehen!", kam auch schon die

wütende Stimme Dumbledores.

Harry seufzte. „Ich bin hie~er!",

rief er dann und winkte von seinem Standpunkt aus zur Tür. „Und

ich sehe keinen Grund mich hier wegzubewegen."

Dumbledore starrte Harry in einer

Mischung aus Schock und Wut an, ebenso McGonagall. Severus musste

grinsen, wandte jedoch sein Gesicht von Dumbledore und McGonagall ab,

damit diese es nicht sahen und begab sich hinter seinen Schreibtisch,

wo er sich gemütlich setzte.

„Bitte kommen sie doch herein

Schulleiter, mein Büro steht zu ihrer Verfügung."

Dumbledore betrat den Raum und

McGonagall schloss die Tür hinter sich. „Harry… Ich

würde gerne deine Version von dem, was gerade in der dritten

Stunde passiert ist, hören."

Harry nickte und fing an, zu erzählen:

„Der Unterricht fing relativ normal an, wenn man mal davon

absieht, dass wir Vertretung hatten bei Professor Snape. Irgendwann

in der Mitte der Stunde, glaube ich, ich habe nicht auf meine Uhr

gesehen, stellte Professor Snape Ronald Weasley eine Frage, da dieser

mit Hermine Granger getratscht hatte. Ron konnte dir Frage nicht

beantworten und gab einen aufmüpfigen Kommentar ab. Da zog

Professor Snape Hauspunkte ab und stellte mir die gleiche Frage noch

einmal. Ich beantwortete sie und Professor Snape fragte Ron, warum

ich die Frage beantworten könne und er nicht. Ron antwortete,

und ich zitiere: Vielleicht weil ich nicht mit meinem Lehrern ins

Bett gehe um bessere Noten zu bekommen­."

Harry sah, wie McGonagalls und

Dumbledores Augen überrascht größer wurden. Harry

fuhr fort:

„Daraufhin hat Professor Snape

wütend mit den Augen gefunkelt und ich bin sauer geworden. Da

ich wollte, dass Ron ruhig ist, habe ich ihn mit einem Fluch belegt."

„Mit welchem Fluch?" fragte

McGonagall scharf. „Siletnium est nunquam non.", gab Harry

einfach als Antwort.

McGonagall baute sich vor Harry auf.

„Mr. Potter, auf Hogwarts ist es strengstens verboten dunkle

Magie anzuwenden. Wie rechtfertigen sie ihr Verhalten?"

Harry schnaubte. „Rechtfertigung.

Muss Ron sich für seinen Kommentar rechtfertigen?

Rechtfertigung… Recht… tss… Ich wollte eben, dass er

aufhört, Bemerkungen über mich zu machen, wann immer ich

den gleichen Raum wie er betrete. Und abgesehen von Zunge

herausschneiden und drastischeren Maßnahmen fiel mir nichts

besseres ein."

McGonagall unterdrückte einen

Schluchzer und einige Tränen wallten in ihren Augen auf. „Oh

Harry… was haben wir bei dir nur falsch  gemacht? Was ist den

Sommer über passiert?"

Und damit fiel sie ihm, was Harry mit

Verwunderung bemerkte, um den Hals. Dumbledore senkte seinen Kopf,

aber Harry konnte noch einen bemitleidenden Gesichtsausdruck bei ihm

sehen. Harry sah Severus an, grinste und tat so, als würde er

den älteren Mann küssen. Severus zog eine Augenbraue hoch

und ließ seine Mundwinkel gerade so eben nach oben zeigen. Man

könnte es fast als ein Lächeln missverstehen.

„Professor McGonagall, sie haben,

meines Wissens nach, immer getan was sie für richtig hielten.

Auch wenn unsere Meinungen diesbezüglich etwas auseinandergehen

kann ich es ihnen schlecht verübeln."

McGonagall schluchzte laut auf.

Dumbledore seufzte. „Harry, wir müssen jetzt sofort wissen

wo du den Sommer über warst. Die Benutzung dieses Zaubers kann

auch nicht ohne eine Art von Strafe gerechtfertigt werden. Des

weiteren möchte ich wissen wie du diesen Spruch gelernt hast."

Harry starrte den Schulleiter eine Zeit

lang an. „Ich war nicht bei meinen Verwandten den Sommer über

und das ist alles was ich ihnen im Moment sagen kann, da ich sonst

andere Personen in Gefahr bringe." ~Wenn Dumbledore eins

versteht, dann, dass Harry Potter andere Leute beschützen will.~

„Was die Strafe eingeht sehe ich ein, dass ich nach den Regeln

der Schule hier bestraft werden muss. Ich verlange jedoch, dass

jemand Ron Weasley erklärt, dass er lieber ein paar Manieren

entwickeln soll, falls er es  nicht darauf anlegt mich aufzuregen.

Übrigens möchte ich hinzufügen, dass ich niemanden

irgendwie ernsthaft verletzen wollte." Harry stoppte einen

Augenblick. „Ich nehme den Fluch auch wieder zurück."

McGonagall ließ Harry los, holte

ein Taschentuch heraus und schnäuzte. „Oh Harry… Du

bist schon immer ein so netter Junge gewesen… Aber was ist

diesen Sommer bloß passiert?"

Harry hielt das hier nicht mehr lange

aus. Er wollte den Fluch nicht wieder aufheben, er wollte hier nicht

Frage und Antwort spielen.

Stattdessen hatte er einen gewissen

Drang, McGonagall und Dumbledore zum Mond zu hexen und dann Ron

ordentlich eins auf die Schnauze zu hauen.

~Und Severus küssen!~, brachte

sein Gehirn hervor, bevor er etwas dagegen tun konnte.

„Harry… ich verbiete dir

dieses Schuljahr jegliches Quidditch spielen.", ließ auf

einmal Dumbledore verlauten.

~Quidditch? Als Strafe? Aber ich hatte

doch eh vor, kein– stimmt! Das hatte ich noch niemandem gesagt!

Oh, das ist so lustig! Ich benutze dunkle Magie und werde nicht mal

wirklich dafür bestraft!~

Harry musste sich hart davon abhalten,

nicht zu grinsen.

„Und ich sehe mich gezwungen

Gryffindor Punkte abzuziehen. Einhundert." Als wenn Harry das

interessieren würde. Blaises Rapport nächste Woche über

die Anwerbung von neuen Mitgliedern war viel wichtiger.

Harry nickte, wie es von ihm erwartet

war und legte eine bereuende Miene auf. Er hoffte, das würde

reichen, um Dumbledore zu besänftigen.

„Nachsitzen ist wahrscheinlich

auch angesagt, aber da das in Professor Snapes Unterricht passiert

ist, sollte er das Nachsitzen bestimmen."

Wie auf ein Stichworte meldete Severus

sich zu Wort: „Jeden Dienstag und Samstagabend, Potter,

pünktlich nach dem Abendessen."

Harry nickte. McGonagall legte eine

Hand auf seine Schulter. „Harry, falls du jemals mit jemandem

Reden musst bist du in meinem Büro immer herzlich willkommen."

~Nein danke, mir reicht schon die

unterrichtliche Dosis McGonagall, da brauche ich keinen Nachschlag.~

„Danke für das Angebot,

Professor."

Dumbledore warf Harry einen langen

prüfenden Blick zu und verließ dann mit McGonagall das

Büro.

Kaum war die Tür im Schloss, stand

Severus auf und belegte sie mit einem Stillezauber.

„Der Schulleiter ist wieder dabei,

irgendetwas auszuhecken…", murmelte er.

Harry nickte. „Ja. Es würde

mich nicht wundern, wenn seine neueste Idee irgendeine Art von

Harry-Kontrolle beinhaltet."

Severus drehte sich um und sah Harry

an.

Harry schluckte und wurde nervös.

Severus Blick hatte etwas… durchdringendes und fesselndes. Er

blieb wie festgewachsen stehen, während der Zaubertrankmeister

Schritt für Schritt auf ihn zu kam.

Langsam nahm Severus sein Kinn in seine

Hand und zog Harry an sich heran.

Der Kuss war sanft und kurz, mehr wie

ein flüchtiges Berühren ihrer Lippen und trotzdem musste

Harry seine Augen schließen und leise seufzen.

„Severus…" Harry umarmte

den älteren Mann und vergrub sein Gesicht in dessen Robe.

Einige Augenblicke lang blieben beide

einfach so stehen und genossen das Gefühl zusammen zu sein. Doch

schließlich löste Severus sich. „Harry. Ich…

Warum hast du mich geküsst?"

Harry wurde leicht rot. „Weil ich…

dich attraktiv finde und als du Rons Bemerkung kommentiert hast, hat

es so geklungen als ob du…" Harry wurde unterbrochen als

Severus ihn wieder in den Arm nahm.

„Harry. Ich finde es sehr…

schön, dass du mich attraktiv findest, aber du bist 15 und

gerade im Erwachsenwerden. Vielleicht solltest du dir… einen

Partner oder eine Partnerin in deinem Alter suchen." Harry

nickte. Wieso hatte er Severus überhaupt geküsst? Das war

doch eine hirnverbrannte Idee gewesen! Severus war nicht nur älter

als er – viel älter – er war auch garantiert nicht

interessiert an einem Jungen wie ihm. Außerdem war Severus sein

Lehrer! Und zwar nicht nur von Hogwarts aus.

Severus strich Harry über den

Rücken. „Und jetzt sollten wir uns vielleicht über den

Schulleiter und seine Ideen Gedanken machen. Denn irgendwie glaube

ich nicht, dass der alte Weißbart seinen goldenen Jungen so

einfach loslassen wird."

„Da hast du wohl Recht."

~*~

Der restliche Tag verlief relativ

ereignislos. Harry löste den Fluch, den er über Ron

gesprochen hatte und verließ, ohne dem Rotschopf noch weitere

Beachtung zu schenken, den Krankenflügel. Der Unterricht war

langweilig wie immer.

Hinter Harrys Rücken wurde jetzt

noch heftiger gemurmelt und Harry konnte sich gut vorstellen, über

was die Schüler murmelten:

Harry Potter? Dunkle Magie? So ein

Fluch? Und dann auf Weasley? Gryffindor hat zweihundertfünfzig Punkte verloren? Sie stehen im Minus? Potter soll Schuld sein?

Draco grinste bis über beide Ohren

und amüsierte sich köstlich über den von Harry

geschickten Fluch.

Blaise war auch leicht amüsiert,

vertraute Harry aber an, dass er solch aufsehenerregende Stunts nicht

so sehr mochte.

Harry hingegen wurde von Stunde zu

Stunde verwirrter.

Nicht nur, dass er Dumbledore überhaupt

nicht mehr verstand – denn der alte Kauz hatte etwas ausgeheckt

da war er sich sicher und es nervte ihn, dass Dumbledore so schlecht

voraussehbar war - auch der Kuss mit Severus – oder besser

gesagt: die Küsse – ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Verwirrt und erschöpft sank er an

diesem Abend in sein Bett.

"Hallo Little One." (1)

Er war wieder in diesem dunklen Etwas

und er musste rennen, rennen, rennen, niemals stoppen, dann war es

vorbei, er musste rennen, rennen, rennen…

"Sch, Little One. Beruhige dich."

Beruhigen? Er musste rennen, rennen,

rennen, ren-

"Sch…"

Das melodische Zischen brachte ihn zum

Stillstand. Wo war er? Was tat er hier? Was war diese Stimme?

"Sch… Er versucht, dich zum

Gehen zu bewegen, ohne zu wissen, was du bist… Beruhige dich…"

Er erinnerte sich. War nicht erst vor

kurzem so etwas geschehen? Aber die Stimme war anders…

"Sch… L'ange en baisse

beschützte dich das letzte Mal…" (2)

Sein Atem legte sich wieder und sein

Pulsschlag nahm ab. Er kannte diese Stimme, er sollte sie kennen…

"Little One, der Old One weiß

noch nichts… schlaf weiter…"

Wer wusste noch nichts? Und warum war

er Little One? Die Fragen entglitten ihm als er wieder einschlief…

Die schlafende Form des

fünfzehnjährigen seufzte und vergrub sich weiter in die

Kissen.

~*~

„Ich fürchte, um Harry steht

es schlimmer, als wir befürchtet hatten." Mit diesem Satz

eröffnete Dumbledore dieses abendliche Treffen des Orden des

Phönix.

Nur die engsten Mitglieder des Ordens

nahmen an diesem Treffen teil:

Arthur und Molly Weasley; Minerva

McGonagall; Xiomara Hooch; Mundungus Fletcher; Arabella Figg; Filius

Flitwick und natürlich Albus Dumbledore selbst.

„Albus, sicherlich hat der Junge

dunkle Magie angewandt, aber ich bin davon überzeugt, dass man

ihn noch auf den rechten Weg zurückbringen kann.", warf

Flitwick ein.

Dumbledore schüttelte traurig den

Kopf. „Ich habe eine Ahnung wo er den Sommer über war und

wenn diese Ahnung stimmt, dann wird Harry schon so weit verändert

worden sein, dass wir nicht mehr helfen können."

Die Anwesenden starrten Dumbledore

geschockt an. „Ja aber, wo denkst du denn, dass er war, Albus?",

fragte Molly Weasley, vom Kummer zerfressen. Harry war doch immer so

ein netter, mutiger Junge gewesen. Es musste doch möglich sein

diesen Jungen zurück zu bekommen und durch die komische

Persönlichkeit zu brechen, die sich bei Harry entwickelt hatte.

Dumbledore seufzte und faltete seine

Hände ineinander. „Ich vermute, dass Harry den Sommer über

in Kvirasim war, bei Severus."

Die anderen Erwachsenen brachen in

lautes Gerede aus. Sicherlich konnte Harry doch nicht dort gewesen

sein? Oder man musste doch etwas tun können, um Severus Snape

von seinen Spielchen abhalten zu können?

Denn, so sahen das die Mitglieder des

Ordens: Severus Snape musste Harry irgendwie manipuliert haben.

Niemals wäre Harry von sich aus zu dem Vampirssohn gegangen. Man

musste doch etwas tun können?

„Ruhe! Bitte beruhigt euch!"

Dumbledore hob die Hand. „Sicherlich ist das eine sehr

wagemutige Vermutung, allerdings bin ich davon überzeugt, dass

sie stimmt. Severus behandelt Harry anders als sonst, auch wenn es

auf den ersten Blick nicht so sehr auffällt. Außerdem

scheint Draco Malfoy einen plötzlichen Respekt vor Harry

entwickelt zu haben, und das würde der Junge sicherlich nur aus

speziellen Gründen tun.

Und eines der Bilder hat mir erzählt,

dass Lucard Harry eine Ausbildung als Novize angeboten hat. Das

Portrait hatte genug Glück, um das Gespräch im Klassenraum

mitanhören zu können und danach wieder ungesehen aus der

dort aufgehängten Waldlandschaft zu verschwinden."

Die Mitglieder des Ordens war

erschrocken.

Mussten sie mit Harry jetzt als

gefährlichem Feind rechnen?

Hatte Severus Snape sich endlich für

eine Seite des Gefechts entschieden?

~*~

Severus Snape befand sich gerade dabei

einen Kopfschmerztrank gegen seine Migräne zu brauen. Der…

Vorfall mit Harry diesen Morgen hatte ihm mehr zu schaffen gemacht

als er gedacht hätte.

Vorher hatte er nie irgendwelche

Gedanken dieser Richtung über Harry gehabt. Aber jetzt schien

sein Gehirn ihn mit der Nachricht: Attraktiver junger Mann mit

mächtiger Magie und Herrscher-Potenzial – und er ist

willig! zu überfluten.

Severus hatte sich nie von körperlichen

Äußerlichkeiten anziehen lassen. Für ihn zählten

vor allem Charakter und die Art der Person. Harry war humorvoll und

wissbegierig, er konnte sehr trickreich sein, wenn er wollte . Er war

mächtig und hatte viel Potenzial, es im Leben weit zu bringen...

also die typische Art Mensch, von der Severus sich angezogen fühlte.

Ein stechender Schmerz in seinem linken

Arm ließ ihn auffahren.

Irgendwie war es typisch, dass

ausgerechnet jetzt Voldemort nach ihm rufen würde.

Leise fluchend löschte Severus das

Feuer unter dem Kessel und machte sich auf den Weg zum Waldrand, von

wo aus er apparieren konnte.

Durch die Verbindung des dunklen Mals

geleitet apparierte er direkt in die wiederaufgebaute Festung des

dunklen Lords.

Wie Severus schnell erkannte war er

nicht im großen Saal gelandet, wo bei großen Treffen alle

oder viele Todesser erschienen, sondern in einem der abgelegenerem

Salons. Das hieß Voldemort wollte mit ihm alleine reden.

Jetzt fragte er sich nur ob das gut

oder schlecht war.

(1)Little One: Englisch für

Kleiner

(2)L'ange en baisse: Französisch

für Der gefallene Engel (keine sichere Übersetzung....)

A/N: Das war's. Hier die Review-Antworten:

Ralna: Ron ist mein absoluter Hass-Charakter. Ich finde ihn einfach nur flach und dumm. Und ich fürchte, Draco wird mit Ginny zusammen kommen… aber vielleicht lasse ich mich ja zu einem Dreierpairing erweichen ;)

JE: McGonagall und Dumbledore geben Harry extra keine richtigen Strafen, zumindest im letzten Kap… das hier sollte schon eine richtige Strafe sein, doch nützt es ja nichts. *hehe* Bitte sehr, Oliver wurde schon einmal erwähnt in diesem Kapitel! Eigentlich sollten die Zwillinge ja zu Lee schreiben, aber die Sache kann ich auch anders einbauen…

Elena: Voldemort und die ganzen anderen werden bald wieder vorkommen. Und Sirius und Remus schon im nächsten Kapitel.

Matjes: Die Sache im turm war auch sehr interessant zu schreiben. Ich habe eine halbe Stunde gebraucht um einen Mittelweg zwischen hinterrücks und harmlos zu finden. *grins*

Isumi: Dir brauche ich ja wohl am wenigsten über die Fic zu erzählen. *g* Du bist ja meine aller-aller-beste Betaleserin.

LionSnape: Du durftest dir die Haare färben? Oder tönen? Hört sich auf alle Fälle toll an! Und ich hoffe, meine späteren Kampfszenen werden so gut wie die im letzten Kap… es soll ja schließlich noch mehr Kämpfe geben…

Tinkita: Richtig getippt! Und das Blut abwaschen war wichtig! Weil Sevvie (als Vampirssohn) jetzt Harrys Blut fest im Geruchsinn hat – was in späteren Kaps noch etwas kompliziert werden wird…

Ich habe mich bei der Anzahl der Anhänger vertan! Ich wird's auch bald korrigieren – auf meiner Hp sollte es schon korrigiert sein.

Und Severus hat Harry extra im Glauben gelassen, er seie James Potters Sohn.

Chibi-Kyoko: Hoffentlich mache ich Ron nicht zu fies, als dass er unglaubwürdig wird… er soll nämlich immer noch als der Vertreter der ‚typischen Gryffindoridee' rüberkommen.

Kiina: Tschuldigung, aber das Kap hier war schon verschickt, als ich deine Review las. Das nächste Kap geht dann auch mit an dich, versprochen! Aber, hoffentlich hat dir das Kap gefallen!

Susi: Ich habe wegen deiner Frage mal die Länge des ersten Kapitels festgestellt… Teil 1 von Heaven and Hell ist satte 114 Seiten lang, in Word, Schriftgröße 10. Mann oh Mann!

White Silver Black: Sollte jemand Ratschläge für gute dark!Fics brauchen, die lese ich am liebsten und kenne daher viele! Leider sind die zu neunzig Prozent auf Englisch und zu jeweils fünf Prozent Deutsch und Französisch…

MalinBlack: Die zweite Idee ist toll, darf ich die für einen Fic verbuchen? Aber leider treffen beide nicht zu, aber das wird alles noch geklärt. Nur etwas langsamer (weil harry zuerst viele, viele andere Sachen entdecken muss)

Yvymaus: Danke! Ich hoffe, ich kann die Spannung auch schön ansteigen und abflauen lassen. Normalerweise gibt's ja nu einen Höhepunkt, aber da das hier so lang wird…

Original-kp: ich bin immer wieder froh, jemandem zum Lesen von dark!Fics zu bewegen J Besonders dark!Harry fics. Die sind nämlich die besten! (In meiner Meinung…)

P-Amidala: Harry wird im nächsten Kap noch undurchsichtiger… auch wenn seine Kleidung durchsichtiger wird… hehe

Erien: Eine schlaflose Nacht wegen meiner Fanfiction? Ich bin geehrt! Der Humor war übrigens teilweise gar nicht gewollt. Irgendwie schmuggelt er sich bloß immer mit rein *g*

Detlef: ich habe nicht vor, dass in eine Er sucht ihn und sie finden sich Story zu machen. HGTG mach ich nicht! Okay, Hero gets the girl ist noch was anderes, aber ich sehe in solchen Fics immer solche Beziehungs-soap-operas. Keine Sorge was meine Fic angeht, ich stehe auf ein gutes Plot *eg* was sogar dazu führt, dass ich sogar in so eine Soap-Opera meiner eigenen Feder Plot mit herein quetschen muss *auf ihre Yu-Gi-Oh Fanfiction schielt*