A/N:

Sorry für die lange Wartezeit. Der Mittelteil saß etwas lange beim Beta und ohne die Mitte konnte ich das Kap nicht online stellen

An alle Jungschatten

Heute abend, an Heiligabend, wird unser Fürst zum ersten Male an die Öffentlichkeit treten.

Das ausgesuchte Zielobjekt ist kein Feind mit herausragender Bedeutung, sondern ein Exempel, ein Beispiel um der Welt von uns und unserem Fürsten zu berichten.

Unser Fürst will mit diesem Zielobjekt zeigen, gegen was er eintritt und – ansatzweise – wozu er fähig ist. Die Zeitungen werden seine Tat wahrscheinlich verdrehen, also lest aufmerksam.

Dieser Brief ist ein Zeichen unseres Aufschwunges, Jungschatten, und markiert einen Tag der Freude.

Möget ihr im Dunkeln wandern,

General Viperzahn

Sie waren bis zum Äußersten angespannt. Ihre Nerven lagen sozusagen blank.

Vorsichtig schlichen sie durch Hogsmeade, schwarze Gestalten, die sich an Hauswänden vorbei pressten.

Eine schwarze Kapuze prunkte auf jedem ihrer Köpfe und ein daran befestigter Schleier ließ nichts von ihrem Gesicht mehr erkennbar sein. Sie trugen enganliegende, matt schimmernde, schwarze Roben. Um jede Robe war noch ein Gürtel gezogen, an dem mehrere kleine Beutel befestigt waren. Ansonsten waren überhaupt viele Beutel, Taschen und Säckchen an den Roben befestigt. Was auffiel war, dass die Roben ab der unteren Gürtellinie nicht mehr zugeknöpft werden konnten und so die Beine frei blieben.

Allen voran schlich eine dunkle Gestalt durch Hogsmeade, die zusätzlich zu der Robe noch einen schwarzen, weit ausfallenden und wehenden Umhang trug.

Es waren insgesamt 8 Personen, die da durch die Dunkelheit huschten. Leise betraten sie den großen, runden Platz, der Hogsmeades öffentliche Flohstelle war. An allen vier Ecken des Platzes waren große Feuerstellen aufgestellt, in denen permanent Feuer brannte.

Die Gestalt mit dem Umhang stoppte.

„In Ordnung, die Zauber, los!", befahl sie.

Sofort hoben die Gestalten ihre Zauberstäbe und vollführten eine Kreisbewegung über ihren Köpfen.

„Clepo!" [Lat. ‚clepere' = sich verbergen]

Ein grauer Schleier legte sich über die dunklen Gestalten und lies sie mit ihrer Umgebung verschmelzen.

Harry grinste. Bis jetzt lief alles wie am Schnürchen. Er holte den Ring aus seiner Robentasche, eine nette kleine Erfindung der Zwillinge. Er drückte den grünen Stein auf dem Ring in die Silberfassung hinein und hob den Ring an seine Lippen. „Versteht mich jeder?"

Eine Reihe von „Klar"s schallte ihm entgegen vermischt mit zwei fröhlich klingenden „Jepps!" – die Zwillinge – und einem zackigen „Jawohl" – Blaise.

Diese Kommunikationsringe – kurz KommRinge oder KRs – waren einfach praktisch. „In Ordnung. Dann los. Wir wissen alle, wo das Haus ist und wir können uns verständigen. Also los!"

Harry trat vor, schmiss etwas von dem Flohpulver, dass neben dem Feuer stand, in das Feuer und rief: „Winkelgasse!"

Etwas genaueres brauchte er nicht, die öffentlichen Zentralen waren nur mit anderen öffentlichen Zentralen vernetzt.

Harry spürte ein Rauschen, als wenn etwas sein Gehör verstopfte, dann stand er auch schon in London und es war vorbei. Eilig hastete er an eine nahe gelegene Hauswand und sah sich die Gegend an.

Vereinzelt liefen Leute durch Diagon Alley, aber es war kaum noch etwas los. Keiner hatte auf das plötzlich grün lodernde Feuer in der Mitte des Flohplatzes geachtet.

Harry sackte gegen die Wand als erneut eine Kopfschmerzwelle über ihn herein brach. In letzter Zeit hatte er sie öfter, aber sie verschwanden meistens wieder nach kurzer Zeit.

Er biss die Zähne zusammen und starrte auf die acht Feuerstellen auf dem Flohplatz. Nach und nach loderte einige auf, ohne das Harry jemanden sah.

Er steckte den Ring an seinen Finger und hob die Hand zum Mund. „Alle da?"

„Wir sind hier.", verkündete Fred.

„Anwesend.", murmelte Blaises ruhige Stimme.

„Hehe. Hier… und weich gelandet."

„MALFOY! Runter von mir, sofort!" Ginny und Draco.

„Ich bin gut angekommen." Neville.

„Bin da." Carmen.

Harry grinste. „Okay. Felsington wohnt Lions' Way 43. Wir treffen uns da. Nächste Wortmeldung gibt's von mir erst wieder, wenn ich angekommen bin."

Damit setzte Harry sich in Bewegung. Er lief an der Hauswand entlang, drückte dabei auf die Unterseite des Ringes und lies so den grünen Stein wieder nach oben fahren.

Lions' Way, Lions' Way… Ah, da vorne!

Grinsend bog Harry in die Straße ein und suchte nach der Nummer 43. Glücklicherweise lag sie am Ende der Straße und durch einige Bäume im Vorgarten des eindeutig reichen Hauses gab es eine Menge Schatten.

Schnell huschte Harry unter eben so einen Schatten und lehnte sich an den Baum.

Keine Minute zu früh. Wieder bekam er Kopfschmerzen, aber diesmal heftiger, viel heftiger als zuvor. Sein Kopf pochte, sein Körper verkrampfte sich.

Durchhalten Harry! Das ist garantiert nur der Zauber, der geht an die Ausdauer!

„Fi…" Harry keuchte. „Finite…" Dieser Schmerz… sein Kopf fühlte sich an als würde er jeden Augenblick explodieren… „… Incantatem." Der Zauber löste sich auf, der graue Schleier verschwand von Harry und er sackte gegen den Baum.

„Harry!?"

Zwei Arme umschlossen ihn von vorne und zogen ihn hoch. Dann strich eine Hand eine Strähne Haar aus seinem Gesicht.

„Harry?"

Er lächelte schwach. „Mir geht's gut Blaise. Ich hab nur Kopfschmerzen gehabt…"

Die Hand an seiner Stirn verschwand wieder aber Blaise hielt Harry immer noch mit einem Arm fest umschlungen.

„Finite Incantatem." Vor Harrys Augen ‚materialisierte' sich Blaise.

Kurz darauf hörte man noch mehr Murmeln und die anderen wurden ebenfalls sichtbar.

Draco schlich zu den beiden herüber und grinste.

„Hey ihr, verschiebt euer Schäferstündchen auf später, ja?" Dann zwinkerte der Blonde mit den Augen.

„Ha ha, sehr lustig Draco." Harry hievte sich hoch und schob sanft Blaises Arm von sich. „Danke Blaise." Der Slytherin lächelte und nickte.

Die anderen versammelten sich um Harry.

„In Ordnung. Jeder weiß, was zu tun ist?" Die anderen nickten. „Also, noch einmal alles im Schnelldurchlauf: Die Schlafzimmer sind oben. Die Kinder schlafen auf der linken, Felsington und Frau auf der rechten Seite. Fred, George, ihr kümmert euch darum, dass die Kinder fest schlafen. Ginny, du stehst mit Blaise hier unten Schmiere. Neville und Draco kommen mit mir mit ins Schlafzimmer von Felsington. Carmen schreibt die Nachrichten an die Wände Alles klar?"

Die anderen nickten.

„Also los!"

Harry und die anderen huschten zum Eingang. Fred zückte einen Dietrich und fuchtelte am Schloss kurz herum, bis es nachgab und aufging. Ginny und Blaise postierten sich am Eingang und sprachen erneut ‚Clepo' während der Rest hinein huschte.

„Los, wir müssen schnell sein!", scheuchte Harry die anderen an. Der Clepo Zauber verbrauchte viel Kraft und Ginny und Blaise würden ihn sicherlich nicht stundenlang aufrecht erhalten können.

Ein Chor von ‚Lumos' war zu hören und dann huschte die kleine Gruppe auch schon die Treppe in den zweiten Stock hinauf. Nur Carmen blieb im ersten und fing an, Schrift an die Wand zu zaubern.

Die Zwillinge bogen direkt ab in das erste Zimmer auf der linken Seite. Harry grinste und öffnete leise die Tür auf der rechten Seite.

Felsington war ein langer, hagerer Mann mit langsam ergrauendem Haar. Neben ihm lag seine Frau, eine Brünette. Zwischen den beiden lag das gerade aufgetauchte Problem.

Ein Mädchen, wahrscheinlich Felsingtons Tochter, schlummerte zwischen ihren Eltern.

Harry winkte Neville und Draco zu und die beiden betraten den Raum.

Harry deutete auf die Frau und auf Neville. Mit seinem Mund formte er das Wort ‚schlafen'. Neville nickte, schlich zur Seite der Frau und flüsterte: „Consopio" [Lat. ‚consopire' = in den Schlaf wiegen, einschläfern, betäuben]

Die Atmung der Frau wurde kurz schneller und flachte dann wieder ab. Harry nickte. Neville zögerte und deutete auf das Kind. Harry schüttelte den Kopf. Der Zauber konnte bei Kleinkindern und Kindern unter 13 Jahren zu Herzrhythmusstörungen und Atemnot führen, das Risiko wollte er nicht eingehen.

Draco und Harry sahen sich an und berieten sich leise mit Blicken darüber, was sie jetzt tun sollten. Ihr Problem wurde gelöst als Fred und George in den Raum kamen. Sie sahen das Mädchen und nickten sich gegenseitig zu. Dann zog George ein Fläschchen aus einer der Robentaschen und näherte sich dem Bett.

Die Zwillinge hatten einen Schlaftrank dabei, der viel sicherer war für die Kinder.

George war gerade dabei, den Trank dem Mädchen einzuflößen, als das Kind aufwachte.

Sie sah George und wollte schreien, doch dieser hielt ihr schnell den Mund zu.

Felsington bewegte sich auch plötzlich und Harry zauberte schnell ein ‚Stupor' auf ihn. Dann wandte er den Stimmenzauber wieder auf sich selbst an, doch diesmal verwandelte er seine Stimme so ähnlich wie Draco und Ginny bei der ersten Initiierung: Windhauch ähnlich und doch klar, mächtig und befehlsstark.

„Sei vorsichtig mit der Kleinen.", befahl er George und der Weasley nickte. Langsam hob er sie vom Bett herunter und stellte sie vor Harry. Draco legte schnell einen Stillezauber auf den Raum und erst dann nahm George seine Hand vom Mund des Mädchens weg.

„W… W… Wer sind sie? Was machen sie mit Mama und Papa?", schluchzte die Kleine auch schon los.

„Ich bin der Fürst der Stille, Kleines. Und das hier sind meine Schatten." Harry deutete auf die Vermummten um ihn herum. Das Mädchen wirkte noch verängstigter als zuvor. „Mama, Papa…", heulte die Kleine.

Harry lachte leise. Durch die Stimmenverzerrung des Zaubers wirkte das äußerst bizarr.

„Keine Sorge. Wir sind nicht hierher gekommen, um deine Eltern zu verletzen."

Das Mädchen presste sich ans Bett und starrte die Schatten angsterfüllt an.

„Was… Was…", schluchze sie.

Harry lächelte, was durch seine Verkleidung hindurch natürlich nicht zu sehen war.

„Dein Vater hat ein paar sehr schlimme Dinge getan. Wir sind nur hier, um zu verhindern das er noch mehr schlimme Sachen tut."

Die Kleine schüttelte ihren Kopf. „Mein Papi tut keine schlimmen Sachen."

Harry seufzte. „Doch, das tut er, auch wenn er es dir nicht sagt. Viperzahn, nimm die Kleine und halt sie fest."

Draco nickte und hielt das Mädchen fest.

Harry beugte sich über Felsington.

„Mister Felsington…" Harry stupste den Mann mit seinem Zauberstab an. „Aufwachen Mister Felsington. Enervate"

„WAS? Wer wagt es mich-"

Er wurde blass als er die vermummten Gestalten in seinem Haus sah und wie sie seine Tochter festhielten.

„Wer sind sie? Was wollen sie?"

Harry grinste. „Endlich wach, Mister Felsington?"

Felsington schnaubte und wollte nach seinem Zauberstab greifen, der auf dem Nachttisch neben dem Bett stand.

Harry nahm den Zauberstab schnell an sich und visierte mit seinem Felsington an.

„Ich bin der Fürst der Stille, Felsington."

„Was? Wie?" Der Ministeriumsangestellte schien sehr verängstigt zu sein.

Harry lächelte. Ein Teil von ihm mochte das hier… sehr. Oh ja, ein Teil von ihm schrie ihm zu: Bring ihn um! Cruciatus! Töte ihn! … Aber Harry hatte diesen Teil von sich unter Kontrolle. Er würde nicht einfach sinnlose Morde hinterlassen, so wie Voldemort. Er war anders.

„Ich bin die neue Macht in dem aufkommenden Krieg, Felsington. Und du bist mein erstes Opfer." Jetzt sah Felsington erst recht verängstigt aus, fast schon panisch.

„Du bringst Menschen dazu, unschuldige Werwölfe zu töten, Felsington. Dein Hass auf eben diese hat dich zum Ziel gemacht. Du bist, um es klar zu sagen…" Harry brachte einen stark abfälligen Ton in seine Stimme, „ein ignorantes, rassistisches Arschloch. Und solche Arschlöcher mag ich überhaupt nicht." Das letzte Wort zischte Harry, fast als würde er Parsel sprechen.

„W- w- wollt ihr mich töten? Das Ministerium würde euch verfolgen, ihr würdet nicht sehr weit kommen, i- ich…"

Bah. Was für ein schwaches Wesen… Es bettelt um sein kleines, geringes Leben, das man ihm mit einem Hauch ausblasen könnte. Warum beschäftige ich mich überhaupt mit-

Harry rief sich selbst zu einem geistigem Stopp. Das war nicht normal für ihn!

#-#-#

Voldemort schmiss das Weinglas durch den Raum. So sehr er sich auch bemühte, jedes Mal, wenn er Harrys Geist ein wenig beeinflussen konnte, wurde er rausgeschmissen.

Und anscheinend jetzt sogar schon von dem Jungen selbst.

Das war so… frustrierend.

Nicht einmal mehr die vollen Gefühle und Gedanken konnte er von ihm spüren. Momentan wusste er nur, dass Harry aus irgendeinem Grunde sehr wütend war… und das er etwas geplant hatte. Die geistige Anspannung seines Geistes hatte Voldemort schon seit Wochen gespürt. Eine... Mordlust in den Gedanken des goldenen Jungen, eine Mordlust die Voldemort versuchte zu unterstützen.

Der dunkle Lord stoppte, als ein neuer, viel schlimmerer Gedanke zu ihm kam.

Was, wenn Harry ihn beeinflussen konnte? Da die geistige Verbindung ja anscheinend zweiseitig verlief…

Voldemort setzte sich wieder in seinen Sessel vor dem Kamin und starrte ins Feuer. Er würde all das erst einmal überdenken müssen…

#-#-#

„Keiner hier wird dich töten, Felsington. Ich bin nicht der Fürst des Mordens, sondern der Fürst der Stille."

Ein Grinsen stahl sich auf Harrys Gesicht. Diesen Teil des Plans hatte er schon vor langer Zeit fertig ausgeheckt, als er einige von Severus Büchern gelesen hatte… Wenn er schon ‚Der stille Fürst' hieß, warum dann nicht auch so handeln?

„Ich… ich… verstehe nicht… was wollt ihr? Geld…ich habe genug, ich…"

Harry seufzte. „Felsington… Dein Gebrabbel ist sinnlos. Du stachelst andere auf mit deinen… Reden und… Finanzierungen. Als Fürst der Stille werde ich dich… schweigen lassen."

Harry grinste und visierte mit seinem Zauberstab Felsingtons Kopf an. Der Zauber war schwer und erforderte viel Kraft, aber es sollte funktionieren… Es war ein Stillezauber, aber noch schlimmer als ‚Silentium est nunquam non'. Dieser Zauber verhinderte das Sprechen nicht auf magische Weise…

„Mutus!" [Lat: mutus, muta, mutum – stumm]

Der grellweiße Strahl traf den panischen Felsington. Der Mann packte sich mit schmerzerfülltem Gesicht an den Hals – doch er machte keinen Laut. Er würde nie wieder sprechen.

Der Zauber hatte ihm die Stimmbänder durchtrennt.

Der Fürst der Stille hat sein erstes Opfer zu ewiger Stille verdammt. Wären die Stimmbänder durch normale Waffen beschädigt worden, wäre nicht s geschehen. Aber da es ein Zauber, ein mächtiger Zauber war, gab es keine Heilung für Felsington.

Harry atmete schwer, versuchte aber, dass vor den anderen zu verbergen. Der Zauber hatte ihn sehr angestrengt – und die Kopfschmerzen trafen ihn wieder mit voller Kraft. Er zwang sich dazu, standhaft zu bleiben und entspannt auszusehen.

„Das war alles, Felsington. Meine Schatten und ich werden jetzt gehen – und keine Sorge, deiner Tochter und Familie haben wir nichts getan."

Draco ließ das Mädchen los, das sofort zu ihrem Vater stürzte und ihm in die Arme sprang. Harry und sein Trupp verschwanden aus dem Zimmer und liefen die Treppe hinunter. Carmen hatte derweil den Flur und das Wohnzimmer des Hauses mit blutroter Tinte bemalt. An einigen Stellen hatte sie das Auge – Harrys Zeichen – an die Wände gemalt, und mitten im Wohnzimmer prangte an der Wand: Schweigt vor dem Fürsten.

Harry fand das ganze etwas… pompös, aber seine Kopfschmerzen wollten nicht verschwinden und sie mussten schnellstens hier weg.

„Alle weg, sofort. Wir treffen uns in Hogwarts."

Blaise und Ginny materialisierten sich kurz, nickten dann jedoch schnell und zauberten sich wieder ‚unsichtbar'. Eigentlich verhinderte der Zauber lediglich, dass das Licht zurückgeworfen wurde, wodurch sie für das Auge ‚unsichtbar' wurden.

Ein ziemlich kaputter Harry kam frühmorgens wieder in Hogwarts an, ‚wankte' hinunter in die Slytherin Schlafräume und fiel in sein Bett. Seine Zimmergenossen – Draco und Blaise – warfen beide ein besorgtes Auge auf ihn.

„Etwas stimmt mit ihm nicht.", flüsterte Blaise.

„Das seh ich auch! Nur was?"

„Ich weiß es nicht. Er hat oft Kopfschmerzen. Er fängt plötzlich an, sein Gleichgewicht zu verlieren. Seine Balance und seine Sinne spielen teilweise verrückt… er murmelt auch ständig deswegen vor sich hin."

Draco grummelte leise etwas. „Schalt seinen verdammten Wecker aus. Er kann heut ausschlafen. Es ist der 25te." Blaise nickte und tat wie ihm geheißen. Dann ließen sich beide ins Bett fallen.

Der nächste Morgen begann langsam – es war der Tag nach Heiligabend, der Tag, an dem in England die Geschenke verteilt wurden.

In den einzelnen Quartieren wachten die Schüler nach und nach auf und kümmerten sch so schnell es ging um ihre Geschenke. Zum Frühstück erschienen die Schüler nach und nach, nur die Slytherins feierten Weihnachten bei sich in ihrem Kerker.

Draco stapfte um 11 Uhr gemütlich in den Slytherin Gemeinschaftsraum und setzte sich neben einen buchlesenden Blaise.

„Morgen," grüßte der Frühaufsteher auch schon. Draco grummelte eine Antwort und griff sich ein paar der im Gemeinschaftsraum verteilten Kekse. So wie es aussah hatten einige der Slytherins Essen aus der Küche geholt. Viele Tische standen an der Wand des Raumes und waren mit Leckereien bedeckt.

Draco seufzte. Es waren fast alle Slytherins dageblieben dieses Weihnachten. Die Slytherins stellten jetzt einen Großteil der anwesenden Hogwartsschüler dar. Aber natürlich wünschten sich viele, Weihnachten lieber mit ihrer Familie verbringen zu können…

Draco sah Blaise an. Der ruhige Junge grinste komisch und starrte Draco an. „Was ist?!", fauchte Draco. Blaise fing an, leise zu lachen. „Hinter dir.", brachte er heraus.

Verwirrt drehte Draco sich auf dem Sofa um – und blickte direkt dem Schlangenkopf vom Stab seines Vaters entgegen.

Dracos Blick wanderte weiter nach oben. Lucius Malfoy blickte amüsiert auf seinen Sohn hinunter. „Aufgewacht, Draco?"

„Vater!"

Blaise konnte sich nicht mehr halten und hielt sich den Bauch vor Lachen – zusammen mit einigen anderen Slytherins im Raum.

„Ah, Draco mein Junge." Draco blinzelte, noch verwirrter. „Mutter."

Blaise schnappte nach Luft und setzte sich wieder gerade auf das Sofa.

Lucius stützte seinen Stock wieder au den Boden. „Draco, deine Mutter und ich wollten dich besuchen kommen und dir unsere Geschenke persönlich übergeben."

Draco nickte. Sein Vater war hier! Sein Vater, der zwar kein verrückter Massenmörder war, wie alle immer gerne dachten, der aber trotzdem Probleme mit Dracos neuesten ‚Aktivitäten' hätte…

„Das… ist eine große Überraschung Vater."

Narzissa winkte ab. „Aber Draco, wir sind deine Eltern! Ich würde vorschlagen, wir gehen auf dein Zimmer und du packst da deine Geschenke aus, hm?"

Draco öffnete seinen Mund um ja zu sagen, als ihm einfiel, dass in eben diesem Zimmer ein noch schlafender Harry Potter lag. Sein Vater wusste zwar, dass Harry seit einiger Zeit bei den Slytherins untergebracht war und er schien auch nicht mehr so feindselig gegenüber Harry zu sein aber dennoch…

Was sollte er sagen?

Das Problem wurde von Lucius gelöst. Da er ja wusste, in welchem Zimmer sein Sohn untergebracht war, ging er einfach los. Draco folgte ihm, mit einem Ohr dem Geschnatter seiner Mutter lauschend.

Hoffentlich nahm das kein böses Ende.

Die drei Malfoys betraten das Zimmer und Lucius Augenmerk fiel sofort auf das dritte Bett im Raum.

„Du hast einen neuen Zimmergenossen bekommen?" Lucius näherte sich dem Bett und hob seinen Stab, um damit auf die Bettkante zu tocken.

Draco durchlebte innerhalb einer Sekunde mehrere Krisen.

Einerseits würde sein Vater Harry sicherlich sehen und erkennen und Draco wollte lieber nicht wissen, was passierte wenn sein Vater das tat.

Außerdem war Harry seit Wochen schon in einer sehr schlechten Verfassung, als wenn er krank wäre und brauchte daher jeglichen Schlaf, den er kriegen konnte.

Anderseits hatte er seinem Vater schon mehrmals von Harry geschrieben und immer mehr anklingen lassen, dass er ihn in Ordnung fand, aber ob sein Vater so offen wäre…

Zu seiner Überraschung schaute sein Vater nur einmal in das Bett und drehte sich dann wieder zu seinem Sohn um. Lucius lächelte. „Und wie geht es meinem kleinen Drachen?"

Draco entspannte sich wieder und lächelte.

War Harry schon aufgestanden? Das musste wohl so sein…

Egal.

Seine Eltern waren hier und er würde die Zeit mit ihnen voll ausnutzen.

Er musste sowieso dringend mit ihnen reden…

„Vater? Mutter? Ich… müsste mit euch wegen Harry reden… Harry Potter…"

Harry stand unterdessen unter der Dusche. Im Kerker schliefen die Jungs zu zweit oder zu dritt in einzelnen Räumen und jeder Gang hatte einen Duschraum.

Harry lies sich gegen die Wand sacken während das lauwarme Wasser über ihn hinweglief. Seine Kopfschmerzen waren wieder da, pochend und schmerzend, ein ständiger Hammer in seinem Hinter- und Vorderschädel. Außerdem zitterten seine Beine und er hatte schon fast Angst, dass er umkippen würde.

Schleppend wusch er sich, trocknete sich ab und zog seine mitgebrachten Klamotten an. Den Schlafanzug packte er unter seinen Arm und lief zurück zu seinem Zimmer.

Blaise kam ihm entgegen und hielt ihn gerade noch davon ab, die Tür zu öffnen.

„Dracos Eltern sind hier. Da drin.", wisperte er.

Harry seufzte und nickte. „Alles klar. Lucius sollte ich lieber nicht begegnen, was?"

Blaise lächelte. „Ich bring das Zeug für dich rein, geh du in den Gemeinschaftsraum und iss was."

„Danke, Blaise."

Harry schleppte sich den Gang entlang und in den Gemeinschaftsraum während Blaise in ihrem Zimmer verschwand.

Harry fühlte sich definitiv nicht gut, aber er wollte nicht Madame Pomfrey aufsuchen. Was das letzte Mal im Krankenflügel passiert war, brachte ihn immer noch auf die Palme.

Severus fragen konnte er auch nicht. Sein Mentor war sowieso schon argwöhnisch, da Harry seit Wochen sporadisch Kopfschmerztränke von ihm erbat. Ein paar Aufputschtränke hatte Harry sich auch hin und wieder genommen, aber er hoffte inständig, dass Severus davon nichts bemerkt hatte.

Endlich im Gemeinschaftsraum angekommen griff Harry sich zwei belegte Brote und ließ sich in eins der Sofas fallen.

Dann schmiss er sein Brot schon fast durch die Luft, als er von einem ‚Wirbelwind' attackiert wurde.

„Fröhliche Weihnachten, Harry!" Millicent Bulstrode warf sich ihm um den Hals und drückte ihm ein kleines Geschenk in die Hand. Kurz darauf bekam er noch andere Geschenke von verschiedenen Slytherins aus allen Jahrgängen.

Er grinste. „He! Ich muss noch atmen können Leute."

Die Slytherins lachten und ließen ihm etwas Platz.

Harry starrte auf die Geschenke und schüttelte verwundert den Kopf. „Welches soll ich denn da zuerst aufmachen?"

„Das hier natürlich!" Dominik, der kleine aus Harrys Jahrgang, hielt ein in silbernes Papier verpacktes Päckchen hoch. „Das ist von Draco. Unser Blondschopf ist zwar nicht hier aber wenn er hört, dass du seins nicht als erstes ausgepackt hast ist er wieder drei Wochen lang stinkig."

Harry lachte. „Na gut, dann gib mal her."

Harry öffnete das Päckchen langsam und holte eine smaragdgrüne, lange Festrobe heraus.

Typisch Draco. Schenkt mir Kleidung.

„Merlin!", quietschte Millicent. „Ist die schön!"

„Aber ich trag doch gar nicht traditionell!", war alles, was Harry dazu einfiel.

Die Slytherins brachen in schallendes Gelächter aus.

Harry drehte die Robe mehrmals. Ja, sie war sehr schön aber… absolut traditionell. Na ja, was sollte man von einem Malfoy auch anderes erwarten.

Vorsichtig legte er die Robe so gut es ging wieder zusammen und packte die nächsten Geschenke aus…

…Von Blaise ein Buch über Illusionen, von Millicent einen selbstgemachten Schokoladenkuchen, von Dominik einen Gürtel für seine Dolche, jede Menge Süßigkeiten, einige andere Bücher und ein Foto, das wahrscheinlich mehr wert war als alles andere.

Ein recht wütend aussehender Draco saß mitten auf dem Kerkerboden und starrte tobend in die Kamera. Hinter ihm kugelte Blaise sich vor lachen. Was kein Wunder war, da der tobende Draco pinke Haare und Hasenohren hatte.

„Oh Mann, das Foto ist gut!" Harry schüttelte lachend seinen Kopf.

Während er sich noch mit den anderen amüsierte ging die Tür zum Gemeinschaftsraum auf und Severus kam herein. „Alle mal herhören!" Sofort kehrte Ruhe ein. „Einige eurer Eltern sind gekommen um euch zu besuchen. Sie warten oben in der Halle." Blaise, der schon wieder zurück war von ihrem Zimmer, sprang auf und zerrte Harry mit sich. „Meine Eltern sind auch da, sie haben mir vorher eine Eule geschickt. Na los, komm schon."

Harry ließ sich verdutzt von Blaise mitziehen und folgte dem Schülerdrang, der sich nach oben in die große Halle begab.

Blaise wollte Harry seinen Eltern vorstellen?

Na hoffentlich lief das gut…

Die große Halle war reich dekoriert, so wie jedes Jahr. Doch im Gegensatz zu den vorigen Jahren tummelten sich jetzt jede Menge Eltern in der Halle.

Einige der gebliebenen Gryffindors rauschten ab, als sie sahen, dass es die Slytherins waren, die ihre Eltern empfingen. Harry folgte Blaise gehorsam bis er zu einem Pärchen mittleren Alters kam.

Er hatte kurzes, schwarzes Haar und tiefbraune Augen und war dünn, fast schon hager, aber dabei sehr groß. Sie hatte langes, hellbraunes Haar und warme, blau-grüne Augen. Sie war normal groß und etwas kräftiger gebaut – aber nicht wirklich dick.

„Mum, Dad, das ist Harry."

Der Mann reichte Harry die Hand. „Hallo junger Mann. Ich bin Cameron Zabini, Blaises Vater." Harry nickte und lächelte den freundlich schauenden Mann an. „Und ich bin seine Mutter, Brigitte."

Jegliche weitere Unterhaltung wurde jäh vom Aufschrei eines Gryffindors unterbrochen. Besagter Gryffindor hatte gerade seinen abonnierten Tagespropheten erhalten und fuchtelte jetzt wild mit seinen Armen durch die Gegend.

Innerhalb weniger Sekunden hatte er nicht nur die Aufmerksamkeit seiner Freunde sondern auch jedes anderen. So schnell wie möglich wurde überall da, wo ein Tagesprophet war, besagte Zeitung aufgerissen.

Auch Blaise grabschte schnell eine Zeitung vom Tisch. Auf der Titelseite stand es nicht – dafür waren Seite 2 und 3 aber voll damit.

IST EIN ZWEITER DUNKLER LORD UNTER UNS?

Gestern Nacht wurde der angesehene Ministeriumsangestellte Mr. Felsington in seinem eigenen Haus in Diagon Alley von mehreren Leuten überfallen und auf schreckliche Weise verstümmelt. Hinter der Tat werden Anhänger eines neuen dunklen Lords vermutet.

- Rita Skeeter

Im Verlaufe der gestrigen Nacht geschah eine Gräueltat in London: Der Ministeriumsangestellte Felsington wurde im Schlaf von Unbekannten angegriffen, überwältigt und auf brutalste Weise verstümmelt. Der wegen seinen aufklärenden Kampagne über Werwölfe bekannte Mann verbrachte Heiligabend bei seiner Frau und seinen drei Kindern, zwei Söhne und eine Tochter. Ungeahnt von ihm bahnte sich das Unheil in der Nacht an:

Unbekannte gelangten unerkannt in sein Haus, versetzten seine Kinder und seine Frau in Tiefschlaf und griffen ihn an. Zur Zeit ist nur sehr wenig über die Angreifer bekannt, als Augenzeugen können nur Felsington selbst und seine Tochter Christina genommen werden, wobei das Kind stark traumatisiert ist.

„Sie berichtete uns von mehreren Personen in komischen schwarzen Roben mit einer Art Gesichtsverkleidung,", berichtete uns der ermittelnde A.I. [Anm. der Autorin: Auroren Inspektor ]. „Eine von diesen habe sich als Fürst der Stille bezeichnet."

Die Auroren versuchten, Felsingtons Aussage zur Bestätigung aufzunehmen, jedoch traf sie ein Schock: Obwohl äußerlich keine Verletzungen zu sehen waren, war der Familienvater aufs schwerste verletzte worden: Seine Stimmbänder wurden unter Einsatz des 1876 verbotenen ‚Zaubers des Schweigens' zertrennt. Mr. Felsington wird nie wieder in der Lage sein, Zauber auszusprechen.

„Wir können nichts für ihn tun," meinte ein Sprecher von Sankt Mungos, „bei diesem Zauber ließ sich bis jetzt kein Gegenmittel finden."

Felsington war – verständlicherweise – am Boden zerstört und schwer traumatisiert, doch er konnte die Aussage seiner Tochter bestätigen und sogar erweitern.

„Er nannte sich Fürst der Stille und die neue Macht und mich sein erstes Opfer.", schrieb der Schwerverletzte auf ein Stück Pergament.

Diese Nachricht versetzte das Ministerium in zeitweise Panik.

„Unvorstellbar," meinte Fudge, „noch ein dunkler Lord? Sie-wissen-schon-wer ist Gefahr genug und jetzt auch noch so etwas!"

Laut den öffentlichen Stellungsnahmen arbeitet das Ministerum daran, diesen neuen, aus dem Nichts auftauchenden Fürsten zu finden und dingfest zu machen.

„Den kriegen wir schnell," so A.K. Smithers [Auroren Kommissar], „dieser komische Fürst ist doch nur eine Art machthungriger Trittbettfahrer, der ist in zwei Monaten spätestens geschnappt."

So sicher wie Smithers sind die verschiedensten Experten sich nicht.

„Eine sehr gute Aktion, sehr sauber durchgeführt.", kommentierte der Topausbilder an der Londoner Aurorenschule, „Wer auch immer diese Jungs waren, sie waren präzise, kannten das Ziel und die Umgebung und wussten, was sie zu tun hatten. Keine leichten Brocken also."

Erfahren sie mehr über die Geschehnisse und die Spekulationen der Experten in den folgenden Artikeln.

Das Chaos in der Halle war natürlich perfekt. Es war ein hoher Feiertag und da stand so gut wie niemand früh auf um die Zeitung zu lesen und so hatten die anwesenden Elternpaare und Schüler bis jetzt noch nichts hiervon gehört… abgesehen von einigen besonderen Ausnahmen natürlich.

Die Slytherineltern lasen und grübelten in relativer Stille darüber, zusammen mit ihren Kindern. Während Blaise mit seiner Mutter sprach nahm Harry eine Bewegung am Rande seines Blickfeldes wahr…

Ärger kam auf sie zu.

Ärger in Form von Tobias McLough, diesem einen speziellem Gryffindor mit dem Todeswunsch… Nun gut, der zweite spezielle Gryffindor mit dem Todeswunsch, der erste war Ronald.

„Blaise!", zischte Harry. „McLough auf zehn Uhr, aufpassen."

Blaise horchte auf, ebenso wie seine verwunderten Eltern. „Scheiße.", fluchte der sonst so ruhige Slytherin dann leise und zückte seinen Zauberstab.

Der verärgerte Gryffindor mit seinem drei Mann Gryffindor Gefolge entging nicht der Aufmerksamkeit der anderen Slytherins – aber vor allem auch nicht der Aufmerksamkeit ihrer Eltern.

„Der ist doch nicht ehrlich so doof und versucht jetzt was, oder?", flüsterte Blaise zu Harry.

Harry knirschte mit seinen Zähnen und zog einen seiner Dolche aus dem Hosenbund. „Doch, ist er. So wie es aussieht hat er's auf mi- RUNTER BLAISE!"

Tobias hatte aus noch gut zehn Schritt Entfernung einen Petrificus gefeuert und leider daneben gezielt. Anstatt auf Harry zu zurasen steuerte der Zauber direkt Blaise an, der Nahe bei Harry stand.

Harry schubste Blaise zur Seite, rollte sich über den Boden und sprang wieder auf seine Füße. Leider waren seine Reflexe und seine Geschwindigkeit nicht so gut wie er es gerne gehabt hätte und der nächste Zauber flog direkt au ihn zu.

Er sprang zur Seite, zückte seinen Zauberstab, behielt seinen Dolch aber in der Hand. Den nächsten Zauber blockte er mit einem ‚Protego' leicht ab.

Harry hatte vorgehabt, mit Tobias zu reden, aber der wütende Gryffindor feuerte einen Zauber nach dem anderen ab und Harry musste Notgedrungenerweise sein Schutzschild dauerhaft aufrechterhalten.

„Stupefy!", schrie Blaise auf einmal. Die Endlosattacke von Tobias hörte auf, als der Gryffindor den Zauber blocken wollte und Harry nutzte seine Chance. Er tat das praktischste, was ihm in den Sinn kam, ohne dass er auf zu harte Brutalität zurückgreifen musste.

„SERPENSORTIA!"

Er legte all seine Kraft und Konzentration in den Zauber. Wie aus dem Nichts zischte ein kleiner weißer Strahl aus seinem Zauberstab und verwandelte sich in eine riesige, schwarze Kobra.

„Greif ihn an und umschling ihn, drohe, aber beiß ihn nicht!", zischte Harry der Schlange zu. Glücklicherweise verstand keiner der Anwesenden Parsel, denn sonst wäre sein ‚Bluff' schnell aufgefallen.

Tobias visierte die Schlange an. „Finite Incantatem!" Der Zauber traf die Schlange aber sie schlängelte unbeirrt weiter auf Tobias zu.

Die aufgeregten Erwachsenen, die vorher bereit gewesen waren um einzuschreiten, falls der Kampf außer Hand geraten sollte, entspannten sich wieder etwas. Harry hatte gute Gewinnchancen und dass er einen Schüler wirklich verletzte war… ungewöhnlich und daher nicht zu erwarten. Ein Ravenclaw war sowieso schon losgerannt um die Lehrer zu holen.

Da passierte es.

Kopfschmerzen packten Harry erneut und seine Knie wurden weich.

Nein… nicht jetzt… das… Ah, mein Kopf!

Harry bemerkte gar nicht, wie er den letzten Satz herausschrie und sich vor Schmerz den Schädel hielt. Seine Schlange verschwamm und verpuffte schließlich in einer kleinen Rauchwolke.

Blaise war innerhalb einer Sekunde bei ihm, aber er konnte nicht mehr verhindern, was mit Harry passierte.

Harry, der seit einiger Zeit sowieso aschfahl wahr, erbleichte noch mehr, fing an zu zittern und fiel dann schließlich zu Boden.

Tobias sah einen Augenblick sehr verdutzt und dann sehr erfreut aus. „Das verdient der Bastard! Der ist doch sicherlich ein Helfer von einem der dunklen Lords! Pah!"

Ein wütendes Petrificus von Blaise schickte den Gryffindor zu Boden. Das letzte, was Harry mitkriegte bevor er gänzlich ohnmächtig wurde, war eine besorgte Präsenz ins einem Geist… fast als wenn jemand, mit dem er verbunden wäre, sich ernsthaft Sorgen um ihn machte…

Unten im Kerker fand eine ganz andere Unterhaltung statt. Lucius Malfoy hatte die Zeitung schon gelesen und löcherte seinen Sohn jetzt mit Fragen über Harry Potter und den Stillen Fürsten. Draco war klar, das sein Vater nur das Beste für seine Familie wollte – das hatte er selbst so gesagt – aber trotzdem war ihm doch schon etwas ungemütlich dabei.

„Lucius, jetzt lass unseren armen Jungen doch in Ruhe." Narzissa lächelte. „Wir sollten hoch zu den anderen gehen und uns ein wenig unterhalten… heute ist Weihnachten!"

Lucius sah seinen Sohn noch einmal ernst an und umarmte ihn dann. „Du hast Recht Zissa." Lucius hatte Draco gerade wieder losgelassen als ein keuchender Dominik die Tür aufriss.

„Dra- … Draco… Harry… zusammen geklappt… Krankenflügel… Kampf mit McLough…"

„WAS?", schrie der Blonde.

Dominik holte einmal tief Luft und legte noch mal los. „McLough hat Harry in der Halle angegriffen und er ist dann zusammengeklappt, keiner weiß wieso. Er ist im Krankenflügel bei Pomfrey."

Draco raste an Dominik vorbei und zum Krankenflügel, seine Eltern ihm dicht auf den Fersen.

„Er wacht auf!", war das erste, was Harry registrierte. Müde öffnete er seine Augen einen Spalt breit und blinzelte als ihm grelles Licht entgegenstrahlte.

Er lag in einem Krankenflügelbett, so viel konnte er spüren. Außerdem war etwas an seinem Mund und seiner Nase befestigt… und in seinem Arm piekste etwas.

„DU VERDAMMTER IDIOT!"

Harry zuckte zusammen als ein fuchsteufelswilder Draco Malfoy sich auf ihn stürzen wollte. Glücklicherweise wurde der Blonde von seinem Vater zurückgehalten.

„Ruhe, Draco!", hörte Harry plötzlich die Stimme von Severus und tatsächlich gab der Blondschopf ruhe.

Severus Gesicht tauchte in Harrys Blickfeld auf. Momentan konnte er nur starr nach oben schauen.

„Harry, erkennst du mich?" Harry nickte. Severus war glasklar.

„Gut. Ich werde jetzt das Atmungsglas abnehmen… sobald du Kopfschmerzen kriegst oder dich schwach fühlst, muss es wieder drauf, verstanden?"

Harry nickte und Severus hob ein Schüsselähnliches Ding von Harrys Mund und Nase.

„Was ist passiert?", krächzte der Schwarzhaarige.

„Was passiert ist? Du bist zusammengeklappt nachdem du dich wochenlang zu sehr angestrengt, gestresst und mit Drogen vollgepumpt hast!", fauchte Draco auch schon von seiner Seite her.

„Drogen?"

Draco wollte wieder etwas fauchen, wurde diesmal aber von Lucius und Blaise zurückgehalten. Severus, der sich noch immer über Harry beugte, schnaubte. „Allerdings. Wie mir scheint weiß ich jetzt wo meine fehlenden Muntermacher, Durchhalte, Ausdauer und Stärketränke hin sind."

Harry lächelte schwach „Oh, ich hab wohl vergessen zu fragen ob ich sie haben darf."

„Wie bitte! Das gibt's doch nicht! Pumpt sich selbst voll mit Aufputschtränken und-" Dracos Tirade wurde wieder jäh von seinen beiden Eltern und Blaise unterbrochen.

Severus seufzte und entfernte sich aus Harrys Sichtfeld. „Nun, Mr. Potter, sie haben's mal wieder geschafft. Ihr Körper ist gestern unter den zu großen Anstrengungen eines Serpensortia Zaubers zusammengebrochen. Abgesehen davon, dass ihre Adrenalin-, Cholesterin-, Zucker- und Vitaminwerte miserabel waren, war ihr Körper außerdem mit Aufputschwirkstoffen der Klasse 3 und höher vollgepumpt. Als Zusatz dazu kommt noch längerer Schlafentzug, ein sehr erhöhtes Stresslevel und eine starke Überstrapazierung der magischen Fähigkeiten, die ja durch die Aufputschmittel geschwächt wurden. Um es kurz zu sagen: Sie hatten einen totalen Kreislaufkollaps, sowohl magisch als auch körperlich."

Harry ließ die Informationen kurz einsinken, dann grinste er schwach. „Das ist der Beweis dafür, dass Schule doch tödlich ist."

Draco fauchte wiederum los, wurde aber vorsorglich schon von Blaise, Carmen, Narzissa und Lucius bewacht.

Severus wütende Stimme klang durch den Raum: „Nein, Mr. Potter, das ist der Beweis für ihre Dummheit. Sie haben sich selbst nicht überarbeitet sondern auch mit Drogen noch zusätzlich belastet. Ich glaube in der Muggelwelt würde so etwas wie XTC oder Speed als Bezeichnung nahe herankommen. Ihre körperlichen Werte erholen sich glücklicherweise rasch, aber ihre magischen Fähigkeiten werden sie vorerst schonen müssen. Eine Woche Bettruhe, danach zwei Wochen lang so wenig zaubern wie möglich und dann sollte es langsam aber sicher besser werden."

Harry seufzte. „Die Tränke waren vor einer Woche noch ne gute Lösung…"

Severus schnaubte. „Sei lieber froh, dass dein Körper keine Suchtanzeichen entwickelt hat und das Pomfrey für Missbrauch von Tränken nicht qualifiziert ist."

Eine Tür fiel ins Schloss und Harry realisierte, dass er wohl in einem Extraraum lag. Einem Extraraum, in dem Draco Malfoy war und den Severus Snape gerade verlassen hatte…

Ich habe so große Probl…

Seine Probleme lösten sich auf, als Harrys jetzt endgültig erschöpfter Körper mehr Schlaf verlangte und er einschlief.

In einem anderen Teil Hogwarts hatte ein gewisser Weasley ebenfalls Angst wegen Harrys Zustand.

Charlie lief ohne Pausen Runden in seinem gemütlichen Wohnzimmer im Kerker. Seine Quartiere waren wie mit Dumbledore abgemacht sowohl mit dem Kerker als auch mit den Länderein verbunden.

„Du sorgst dich zu viel.", kam eine tiefe, harte Stimme von dem Sessel her, der vor dem Kamin stand. Der Besitzer der Stimme sah auf den ersten Blick aus wie ein normaler Mann mittleren Alters, abgesehen von den grünen Haaren. Mit seinen schwarzen Augen beobachtete er Charlie ständig während er ein Buch auf seinen Knien liegen hatten. Nur beim genaueren Hinsehen konnte man die wie leicht gebräunte Haut aussehenden Schuppen auf seinem Körper erkennen.

„Von dem, was ich gehört habe muss ich mir Sorgen machen."

Der Drache in Menschenform winkte ab. „Nein… der Junge ist sehr stark, äußerst stark. Er wird das heil überstehen."

Charlie stoppte. „Sicher?" Der Drache nickte und stand auf. Lächelnd legte er seine Arme um Charlie und küsste den Menschen zärtlich. „Ja, Charlie. Du brauchst dir nicht so viele Sorgen machen…"

Charlie seufzte und lehnte sich gegen seinen nicht ganz so menschlichen Geliebten. „Da vertraue ich dir jetzt mal…"

Der Drache lachte leise und fing an, Küsse auf Charlies Halsbeuge zu platzieren. Der Rothaarige schnurrte fast vor Zufriedenheit und umschlang den Drachen ebenfalls mit seinen Armen.

Leider wurde sie in diesem Augenblick jäh unterbrochen als eine zweite rothaarige Person aus dem Kamin gestolpert kam.

Verdutzt starrte der Weasley seinen kleinen Bruder an.

„Charlie! Du hast mir gar nicht erzählt, dass du einen Freund hast!", brachte der verwirrte Bill auch schon hervor.

Charlie erschrak und sprang von dem Drachen hinweg, während sein grünhaariger Geliebter unbeeindruckt stehen blieb und sich umdrehte.

Bill stutzte noch mehr.

„Oh Mann. Ein Wandeldrache. Das wäre was, um Mutter und Vater zu schocken…" Bill brach in schalendes Gelächter aus.

Widerrum anderorts hatten drei weitere Zauberer ganz andere Probleme.

„Nein, Percy, nicht so du musst…!"

Mit einem dumpfen Platsch landete Sirius wieder ohnmächtig auf dem Boden.

„So wird das nie was Percy.", jammerte ein bedrückter Werwolf während Percy sich langsam

zurückverwandelte.

Und weit von allem entfernt saß noch eine Person…

„Der Fürst der Stille? Stiller Fürst…? Harry, Harry, du überraschst mich..."

Ein hämisches Grinsen breitete sich auf Voldemorts Gesicht aus.

Vielleicht würde der Junge ja von ganz alleine mit ihm zusammen arbeiten?


A/N:

Ich entschuldige mich dafür, dass ich diesmal keine Reviews beantworte aber nach der langen Wartezeit wollte ich das Kap hochkriegen. Außerdem bin ich schon bald in Urlaub und wollte einige Kaps meiner Storys noch vorher rausbringen