Teil 2, Kapitel 7 A: Vampir unterwegs

# Harry Potter #

"... kommt zu sich glaube ich..."
"...-äft noch, schau do-..."
"...cht normal..."
Dumpfe Gesprächsfetzen erreichten sein Gehör aber er konnte beim besten Willen nicht verstehen, was gesagt wurde. Alles um ihn herum war ein grauer Schleier und er fühlte sich schrecklich müde...

# SS #

Was machte der Junge immer für Sachen? Brummig rührte der Meister der Tränke in seinem Kessel. Ein totaler Kollaps... was dachte Harry eigentlich, was er da tat? Aufputschtränke nehmen und sich total überarbeiten... Er würde sich noch umbringen.

Der Kessel vor ihm zischte bedrohlich und schnell schmiss Severus die nächsten Zutaten hinein. Beruhige dich, riet er sich innerlich,. Du regst dich nur selbst auf und sabotierst deine eigene Arbeit.
Die Brühe im Kessel beruhigte sich wieder und Severus rührte stur weiter.

Drei Tage. Drei Tage lag Harry jetzt schon in diesem seltsamen Koma.
Und egal, was Severus machte, der Junge schien sich beharrlich zu weigern, aufzuwachen.

Die Schule war in Aufruhr. Einige Schüler dachten wohl, ein Zauberspruch von diesem... Tobias... wäre für Harrys Zustand verantwortlich.
Tobias McLough.
Severus Haare sträubten sich bei diesem Namen. Dieser jähzornige, miese kleine Gryffindor hatte es gewagt seinen Harry anzugreifen, ihn zu-
Severus rief seine Gedanken zu einem Stopp. Es war nicht sein Harry.Es war sein Weg zu einer großen Machtposition. Aber auch nur das. Jegliche Gefühle für den Gryffindor würden -

Fluchend schmiss Severus den Kessel um als der Zaubertrank mit einem prägnanten ,Blubb' verkündete, dass er unbrauchbar geworden war. Er vergrub sein Gesicht in seinen den Händen und atmete langsam aus, um sich zu beruhigen.

Drei. Verdammte. Lange. Tage.
Harrys Testresultate von den stündlich durchgeführten Überprüfungszaubern zeigten nicht eine einzige Verbesserung seiner Werte. Sein Adrenalinspiegel war zu hoch, seine Magie ausgeschöpft und sein Kreislauf immer noch so durcheinander wie ein Wirbelsturm in Florida. Zusätzlich dazu schien er zu schlafen und zu schlafen ohne das eine Besserung eintrat.

Das war nicht normal. Das konnte nicht normal sein.
Was, wenn Harry nie wieder aufwachen würde? Wenn er bleibenden Schaden durch die Zaubertränke genommen hatte? Severus hatte Pomfrey gesagt, sie solle keinen Schlaftrank nehmen, dass könne Nebenwirkungen haben. Aber hörte diese aufgeplusterte Teeplauschärztin auf ihn? Nein! Und jetzt lag Harry da oben und-

Abrupt verkrampfte sich Severus gesamter Körper.
Es war das eingetreten, was er nie für möglich gehalten hatte.
Was seine Pläne bis aufs Tiefste behindern könnte.
Er, Severus Snape... sorgte sich um Harry.

# 4ter Tag von Harrys Koma, der 29te Dezember#

Harry zeigte noch immer keine Veränderung.
Er lag bloß in oben in diesem Extraraum und... schlief.

Severus war genervt. Genervt, gestresst und auf sich selbst wütend.
Er hatte Pläne. Vorstellungen. Wünsche. Machtansprüche.
Und Harry war sein verdammter Schlüssel dazu gewesen! Jung, mächtig, bekannt und vor allem leicht beeinflussbar. Und jetzt? Seine ganzen Pläne waren zum Erliegen gekommen, nur weil er irgendwie unterwegs irgendwie angefangen hatte, sich tatsächlich emotional um Harry zu sorgen.

Vor sich hingrübelnd braute Severus wieder einen Trank. Er musste mit sich selbst ins Reine kommen.
Was wollte er?
Macht. Einfluss. Reichtum. Das, was wohl jeder anständige Slytherin wollte.
Wie wollte er es erreichen?
Seine bisherige Planung war einfach gewesen: Harry fest an sich binden, ihn beeinflussen. Und ihn dann Stückchen für Stückchen mächtiger werden lassen, ihm Kontrolle über die Zauberergesellschaft verschaffen - mit ihm, Severus im Hintergrund als er der wahre Meister. Harry hätte von Severus Ausnutzung nicht einmal etwas erfahren, er hätte es gar nicht bemerkt. Severus war ein Meister der Täuschung und Illusion.
Und nun?
Severus wollte noch immer all das erreichen, ja. Aber? Er konnte Harry nicht mehr so... ausnutzen. Es... es ging nicht... oder...?

Severus saß gebeugt über seinem Schreibtisch und brütete darüber, wie er einen Weg finden konnte, Harry aufzuwecken. Irgendetwas übersah er, etwas, dass auch Dumbledore und Pomfrey übersahen, irgendetwas, dass der Schlüssel zu Harrys Erwachen war... Etwas, dass er wissen sollte und das er übersehen hatte.

Während er so da saß, bemerkte er den magisch erscheinenden Brief zuerst nicht. Da ihn unten im Kerker nur selten eine Eule erreichte, war er auf solche Post eingerichtet. Meist waren es die Hauselfen, die seine Briefe hier hereinzauberten.
Fast hätte er den roten, markanten Heuler nicht mehr rechtzeitig entdeckt. Erst als das rote Papier sich schon zu einem Mund formte nahm er die Bewegung in seinem Augenwinkel war und hatte gerade noch genug Zeit, den Raum schalldicht zu machen.

"SNAPE DU ELENDIGER ABKLATSCH EINES FUßABTRETERS!"
Severus zuckte.
Sirius Black. Natürlich. Der Köter musste ja so einen Radau veranstalten.
"WAS ZUM HENKER FÄÄLLT DIR EIN, ZUZULASSEN, DASS HARRY SICH SO ETWAS ANTUT! ICH WEIß GANZ GENAU, DASS ER DIE TRÄNKE NUR VON EINER EINZIGEN PERSON BEKOMMEN HABEN KANN UND DIESES VERANTWORTUNGSLOSE GIFTMISCHER-ARSCHLOCH BIST DU, DU ÜBERGROßE FELDERMAUS! DENK JA NICHT ICH WÜRDE NICHT--"
"SIRIUS! RUHE!"
Lupins Stimme. Der Werwolf schien Black zu beruhigen. Kurz war der rote verzauberte Brief ruhig, dann war wieder die Stimme des Werwolfs zu hören.
"Severus, ich bin fest davon überzeugt, dass du alles tust, um Harry zu helfen. Und der Tagesprophet wird alles sicherlich anders darstellen als es wirklich ist. Sirius, Percy und ich sind natürlich besorgt und aufgeregt..."
Der Werwolf klang, als wenn er sich nur mühsam beherrschen konnte und das Schreien unterdrückte.
"Severus. Du wirst uns regelmäßig Briefe mit Harrys Zustand schicken." Jetzt hatte seine Stimme einen eindeutig befehlenden Klang. "Kopien der medizinischen Berichte ebenfalls. Wenn wir hier etwas entdecken, werden wir dir natürlich sofort Bescheid geben. Und Severus..." Ein animalisches Grollen war zu hören. "Wehe dir, wenn ich herauskriege, dass Harry sich wegen dir so etwas angetan hat oder du aktiv geholfen hast!"

Dann löste der rote Brief sich in viele kleine Fetzen auf und ließ einen zerknirschten, gestressten Severus zurück.

Das hatte er jetzt absolut nicht gebrauchen können.

Nachdem die Überreste des Black-Heulers beseitigt worden waren, machte Severus sich auf zu Dumbledore. Miessgelaunt stapfte er durch die Korridore von Hogwarts und die Schüler gingen ihn schon zur ihrer eigenen Sicherheit aus dem Weg.
Severus hatte eine Idee. Einen Plan. Und um diesen zu verwirklichen brauchte er wohl oder übel die Zustimmung des Schulleiters.

Innerlich seufzend kam Severus schließlich vor der Gargoylestatue des Schulleiters an und murmelte das letzte ihm bekannte Passwort Dumbledores.
"Orangenkuchen."
Zu seinem Erstaunen bewegte der Gargoyle sich keinen Meter sondern öffnete nur den Mund um einen Zettel mit der Aufschrift ,Wichtige Besprechung' auszuspucken.
Wichtige Besprechung? Ich les wohl nicht richtig! Der Narr wird wohl fünf Minuten Zeit haben, um Harrys Zustand zu besprechen! Das gibt es doch nicht!

Wütend starrte Severus den Gargoyle an und überkreuzte die Arme vor seiner Brust. Er musste zu Dumbledore und zwar jetzt. Es war wichtig. Wie konnte er den alten Zausel also jetzt dort herauskriegen...?

Während er so vor sich hin sinnierte, bewegte der Gargoyle sich langsam und schon bald konnte Severus einige Stimmen vernehmen, deren Besitzer wohl gerade die Treppe herunter kamen.
Schnell sah Severus sich um. Gerade war kein Schüler hier zu sehen... Leise huschte er in den Schatten einer Ritterrüstung und presste sich an die Wand. Durch seine schwarze Robe war er so im Kerzenlicht und im Schatten fast nicht mehr zu sehen.

Endlich waren die Personen am Fuß der Treppe angelangt.
"Es freut mich, dass zu hören Minister."
Dumbledore. Mit Fudge.
Grässlich.
Vorsichtig beobachtete Severus die beiden Männer aus dem Schatten heraus.
"Nun, wenn sie sicher sind, dass keine Gefahr besteht, Schulleiter..." Fudge schien etwas nervös und angespannt zu sein.
Dumbledore lächelte leicht. "Aber, Minister, ich bitte sie. Ich habe hier alles unter Kontrolle, seien sie sich dessen sicher."
Die beiden Zauberer verabschiedeten sich voneinander und Fudge ging einen der Korridore in Richtung große Halle hinab.
Der Direktor sah dem Mann noch kurz hinterher, drehte sich wieder um und verschwand wieder in sein Büro.

Erst als der Gargoyle wieder fest in seiner Position stand, wagte Severus sich aus seinem Versteck heraus.

Fudge bei Dumbledore... irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Der alte Graubart hat irgendetwas ausgeheckt und irgendwie habe ich die Vorahnung, dass es nichts Gutes ist...

Severus murmelte an den Gargoyle gewand wieder ,"Orangenkuchen'" und eilte dann in das Büro des Schulleiters hinauf.
Er betrat den Raum gerade als Dumbledore sich wieder gesetzt hatte.
"Ah, Severus." Der alte Mann lächelte und nickte Severus fröhlich zu. Zu fröhlich.
"Professor Dumbledore, ich wollte mit ihnen über Potter sprechen." Langsam ließ der Zaubertrankmeister sich in den Stuhl vor Dumbledores Tisch sinken, als dieser darauf deutete.
"Ja, darüber muss geredet werden." Dumbledore seufzte. "Poppy erzählte mir, der von ihr verabreichte Schlaftrank hätte nach deinen Anweisungen nicht gegeben werden dürfen?"
Severus nickte. "Die Auswirkungen der Sedative im Trank auf Potters bereits stark chemisch beeinflussten Körper waren nicht abzusehen."
Dumbledore ,hmte' und blickte die Wand hinter Severus an. Nach einiger Zeit fixierte er wieder den Zauberer mit seinen Augen. "Severus, Harrys Koma... Poppy versicherte mir, es könne keine Nebenwirkung des Schlaftranks sein."
Severus nickte. "Komatöse Schlafphasen treten nur in sehr seltenen Fällen auf, wie einer körperbedingten Unverträglichkeit, Allergien oder Komplikationen mit anderen magischen Bestandteilen im Blut bei beispielsweise Werwölfen in stark geschwächtem Zustand."
Dumbledore nickte zögerlich. "Ich wollte es noch einmal aus deinem Munde hören, Severus. Poppy befürchtete, man könne ihr fahrlässiges Verhalten vorwerfen. Ich bin mir jedoch sicher, sie handelte nur mit den besten Absichten."

Darum ging es also. Pomfrey befürchtete eine Klage. Aber von wem? Wer würde in Harrys Namen Pomfrey verklagen? Black und Lupin sicherlich nicht. Oder wollte Dumbledore Pomfrey nur beruhigen? Vielleicht. Die Frau schien Harry ja ebenfalls zu mögen.

Severus räusperte sich. "Schulleiter, ich hatte eine Idee was Potters Zustand betrifft."
"Ja, Severus? Welche?"
"Ich würde gerne einen kompletten Bluttest durchführen. Möglicherweise hat der Junge Etwas genommen, das schwerer nachzuweisen ist und diese Nebenwirkungen verursacht. Ich erwähnte das bereits Pomfrey gegenüber, aber sie war strikt dagegen."
Dumbledore seufzte. "Das ist doch wohl verständlich, Severus. Ein kompletter Bluttest ist äußerst kompliziert durchzuführen. Außerdem müssen die Ergebnisse nach dem allgemeinem Gesetz zur Gewährleistung der magischen Sicherheit notiert werden, falls nicht-menschliche Bestandteile auftreten."
Severus schnaubte. "Schulleiter, ein Bluttest würde uns sehr wahrscheinlich weiteren Aufschluss über Potters Lage geben. Im jetzigen Moment wissen wir nicht einmal, was sein Koma ausgelöst hat und noch weniger, was wir dagegen tun sollten."
Dumbledores Stimme wurde kompromisslos. "Nein. Einen Bluttest kann ich nicht genehmigen."
Severus nickte mit säuerlicher Miene und verließ das Büro wieder.

Dumbledore war dagegen. Dieser Trottel war dagegen, obwohl es sehr wahrscheinlich die einzige Möglichkeit war, genaueres herauszufinden.
Mies gelaunt schlich Severus sich durch die Hogwartsgänge zurück in den Kerker.
Dann würde er den Test eben ohne Dumbledores Zustimmung machen.
Wozu war er ein Slytherin?

#5. Tag von Harrys Koma, 30. Dezember#
Gryffindors, dachte Severus wieder einmal zu sich, waren allgemein eher Probleme als hilfreich.
Besonders dann, wenn sie im Koma liegend gewisse Slytherins zu illegalen Arbeiten, welche sehr leicht aufgedeckt werden konnten, verleiteten.

Kopfschüttelnd brachte Severus Ordnung in sein privates Labor. Er räumte den Großteil des in der Mitte stehenden Tisches frei und holte Alles, was er brauchte und da hatte, hervor. In einer Reihe stellte er die verschiedenen Fläschchen und Boxen auf. Dann baute er seinen nur selten benutzten Trankdestillatohr auf - ein Wirrwarr von Röhrchen, Schläuchen und Gasleitungen mit drei Feuerstellen für kleinere Kessel.
Die Bedienung so eines Destillatohrs war nicht einfach und Severus würde eher Dumbledore küssen als irgendjemand anderenen als sich selbst an seinen ihn heran zu lassen.

Mit einem letzten Rundblick durch sein Labor entschloss Severus sich nun, den schwierigsten Teil seines Plans in die Tat umzusetzen.
Destillatohr, Zutaten und magische Extraktoren waren nur der kleinste Teil eines Bluttests. Das wichtigste war, natürlich, das Blut der Person selbst.

Severus verlies seine Räume im Kerker und machte sich langsam auf den Weg nach oben zu Harrys Zimmer. Es lag neben dem Krankenflügel und war direkt mit Pomfreys Büro verbunden.
Nur wenige Schüler begegneten Severus, die meisten waren Slytherins mit einigen wenigen Ravenclaws dazwischen. Obwohl schon viele Schüler wieder nach Hogwarts zurück gekehrt waren, war das Schloss immer noch größtenteils leer.
Die Stimmung unter den Slytherins war bedrückend. Sie wisperten in leisen Tönen untereinander und vermieden es, den Kerker zu verlassen. Besucher ließ Pomfrey bei Harry nicht mehr zu, nachdem es einen Zwischenfall mit Draco und Blaise gegeben hatte. Severus wusste bis jetzt zwar noch nicht genau worum es ging, aber die beiden Jungsen verbrachten ihre Zeit außerhalb des Kerkers, sprich die Mahlzeiten in der Halle, damit Pomfrey zu Tode zu starren.
Die Gryffindors, die auf Hogwarts waren, waren hingegen ungewöhnlich gut gelaunt und betrachteten die niedergeschlagenen Slytherins mit Genugtuung. Severus beschlich immer mehr das leise Gefühl, dass die Gryffindors bald etwas definitiv nicht gutes unternehmen würden. Er hatte gestern McGonagall gehört, wie sie davon sprach, dass die Weasleys am 1ten Januar mit dem vorletzten Ferienzug wieder eintreffen würden. Er ahnte Fürchterliches, sollte Harry bis dahin nicht aufgewacht sein.

Gedankenversunken stieg Severus die letzte Treppe vor dem Krankenflügel hoch und wollte gerade um die Ecke gehen, als er Stimmen wahrnahm.
"Eure Ärzte arbeiten doch sicherlich an einer Lösung für den Schlaf des Jungen."
Severus stoppte automatisch und sank in den Schatten. Es ging offensichtlich um Harry, weswegen er das Gespräch belauschen wollte. Komischerweise kannte er die Männerstimme, die gesprochen hatte, nicht. Aber sie wirkte unnatürlich hart und kantig.
"Es ist kein Schlaf, sondern ein Koma und ich mache mir Sorgen. Man weiß nicht wieso er in diesem Koma ist, geschweige denn, wie man ihn wieder herausholen könnte!"
Charles Weasley. Der Weasley machte sich Sorgen um Harry? Gut, Charlie war während seiner Zeit hier recht unparteiisch, was die Häuser anging, gewesen und trotzdem... Weasley war sein Nachname und auf Weasleys war Severus nicht gut zu sprechen.
Und wer war der Mann bei ihm? Ein Besucher vielleicht? Aber hätte Severus dann nicht schon etwas von ihm gehört? Wenn jemand Besuch bekam sprach es sich das immer schnell herum auf Hogwarts...
Severus erschrak als plötzliches ein dumpfes, animalisches Knurren zu ihm durchdrang.
"Beruhige dich, math-o-thak'r (1)"
Severus Stirn runzelte sichdie Stirn. Was dieser Mann da als Letztes gesagt hatte, war unverständlich gewesen, eine Art grollendes Grunzen vielleicht? Deutsch war das jedenfalls nicht und Severus fragte sich, welche Sprache dieser Gast von Weasley da gesprochen haben könnte.
Besagter Weasley Rotschopf seufzte tief. "Ich wünschte nur sie würden endlich herausfinden, was mit ihm los ist."
Wieder schwappte ein dumpfes Grollen zu Severus herüber. "Durch hier Stehen und dich Sorgen wirst du nichts erreichen können, thakatr (1). Wir sollten uns wieder hinunter zu deinem Bruder begeben."
"Du hast recht. Außerdem, vielleicht kann Snape etwas herausfinden. Der Mann ist ein wahres Genie was Zaubertränke angeht, heißt es. Vielleicht kann er in seinem Labor im Kerker etwas bewerkstelligen."
Severus musste kurz grinsen als der Weasley sein Talent lobte und lauschte dann, wie Schritte sich von ihm entfernten. Er bekam noch den letzten Satz von Weasleys Begleiter mit und war sich fast hundertprozentig sicher, dass das kein Mensch sein konnte.
"Dieser Snape ist nicht zufällig ein Zweiblut? Denn einem Schüler wird der Geruch, den ich unten in eurem Kellergewölbe rieche, wohl kaum gehören..."

Dieser Snape ist nicht zufällig ein Zweiblut?
Egal wer oder was dieser Mann gewesen war, Severus würde es rauskriegen.
Vampirssohn war eine Sache. Aber niemand nannte ihn ein Zweiblut. Mit einem Mal verstand Severus es, warum Muggelgeborene es nicht mochten, Schlammblut genannt zu werden.
Für magische Wesen war der Ausdruck ,Zweiblut' fast das gleiche wie Schlammblut für Zauberer und Hexen.
Ich kriege schon noch raus was du bist. Pah, Zweiblut!

Severus schloss kurz die Augen und beruhigte sich. Aufregen stand jetzt nicht auf seinem Terminplan. Er musste Blut von Harry besorgen.

Er stieß sich von der Wand ab und marschierte um die Ecke, auf Pomfreys Büro zu. Er musste da wohl oder übel durch, aber er konnte es als einfachen Routinebesuch abtun. In den letzten Tagen war er mehrmals täglich da gewesen um Harrys Werte zu überprüfen.

Ohne anzuklopfen trat Severus in das Büro und ging direkt zur Tür, die in den Raum für ,Spezialfälle' führte.
"Severus, Stopp!", kam es auf einmal von Pomfrey und die Krankenschwester baute sich vor dem verdutzten Zaubertrankmeister auf.
"Was ist, Pomfrey?" Er hielt sich zurück und seine Stimme so neutral wie möglich.
"Severus, Albus sprach bereits mit mir. Es tut mir leid, aber der Schulleiter glaubt du könntest in einem... nun ja, Anflug von Experimentierwahn Harrys Zustand etwas... ausnutzen."
Severus Hände ballten sich zu Fäusten und seine Augen glänzten gefährlich. Fast hätte er seinen Mund geöffnet und Pomfrey angefaucht, bevor er sich wieder beruhigte. Er wollte zu Harry und der beste Weg dafür war nicht der diensthabenden Krankenschwester seine Fangzähne unter die Nase zu halten.
"Pomfrey, ich versuche lediglich dem Potterjungen zu helfen. Natürlich interessiert mich seine Kondition im wissenschaftlichemn Sinne her. Als Wissenschaftler unterliege ich aber auch einem gewissen ethischen Kodex."
Er funkelte die Krankenschwester böse an. Diese sah etwas unsicher aus, trat von einem Fuß auf den anderen und nickte schließlich zaghaft. "Na gut, Severus. Du kannst rein zu Harry. Albus meinte nur, du würdest vielleicht versuchen einen Bluttest durchzuführen..."

Severus biss die Zähne kurz auf einander. "Madame Pomfrey. Diese Sache habe ich bereits mit dem Schulleiter besprochen und ein Entschluss steht bereits fest. Wenn ich jetzt also vorbei könnte."
Die Krankenschwester nickte. "Natürlich.", und gab den Weg frei.

Sachte schloss Severus die Tür zu Harrys Raum hinter sich, sich den wachsamen Augen und Ohren der Hexe im anderen Raum wohl bewusst.
Er näherte sich Harrys Bett und lehnte sich über ihn. Der Schwarzhaarige schien zu schlafen und sein Brustkorb hob und senkte sich in einem langsamen, regelmäßigem Takt.

Severus kniete sich neben den komatösen Jungen und holte eine Phiole hervor. Vorsichtig strich er mit einer seiner Hände über die Stirn des Jungen.
So friedlich wenn er schläft
Der Gedanke kam ungebeten in Severus Geist, doch es stimmte. Wann immer Harry wach war und Severus ihn gesehen hatte, sah er ,aufgeschreckt' aus. Wachsam. Alarmiert. Nur jetzt, wo er schlief ohne aufzuwachen schien er wirklich Ruhe gefunden zu haben.
Warum bist du immer so angespannt?
Harry war viel zu jung um schon so... gezeichnet, so ausgebrannt zu sein. Er sollte seine Jugend genießen, lernen und Kraft ansammeln für sein späteres Leben... nicht ausgelaugt auf einem Krankenbett liegen. Entkräftet durch magische Drogen, die er sich aus irgendeinem Grund eingeflößt hatte.

Severus Hände strichen weiter über das Gesicht des Jungen, ihr Besitzer tief in Gedanken versunken. Sanft liebkoste er die blassen Wangen des Jungen vor ihm und strich dann mit einem Finger über seinen Mund.

Als wenn du zu wenig Zeit hättest, um alles zu tun, was du tun willst...
Ein langer, krallenartiger Finger strich an der Halsbeuge des Jungen entlang. Sanft zog Severus den Ausschnitt des weißen Krankenhemds zur Seite.
Die Haut darunter war viel zu blass, gebleicht von der mangelhaften Ernährung hier und den Strapazen, die der Körper zu ertagen hatte. Gut sichtbar hingegen war die blaue, dicke Ader, die an Harrys Halsbeuge entlang lief...
Ja... etwas Blut von dir, mein Lieber, das brauche ich, nicht mehr...
Severus Eckzähne wuchsen, wurden spitzer noch während er seinen Kopf zu Harry hinunterbeugte. Die Phiole entglitt seiner Hand, während die andere Hand Harrys Kopf zur Seite bog.
Langsam leckte Severus über die dünne, blasse Haut und spürte den Pulsschlag darunter. Nur ein einziger Biss und dieses warme Lebenselixier würde in seinen Mund laufen... Er beugte sich weiter vor, öffnete seinen Mund...

...und schreckte von Harry weg als die Phiole mit einem Klirren auf den Boden fiel, dank des Sicherheitszaubers jedoch nicht zersprang.

Seine Eckzähne, eben noch denen eines Vampirs gleichend, schrumpften wieder auf ihre normale Größe zurück. Seine krallenartigen Hände schrumpften ebenfalls und aus den Pranken wurden wieder menschliche Hände, aus den Krallen Fingernägel.

Heftig atmend starrte Severus Harrys schlafenden Körper an.
Was hatte er hier tun wollen...?
Harry beißen...?
Für Blut...?

Hastig sammelte Severus die Phiole wieder auf und starrte Harry an. Fast traute er sich selbst nicht mehr genug, um das dringend benötigte Blut zu nehmen.
Er hatte ihn ,beißen' wollen. Wirklich beißen.
Vampirsbiss...

"Severus?", hallte die Stimme von Pomfrey herüber.
Schnell schob Severus seine Verwirrung und Verunsichertheitung zur Seite und legte einen Arm von Harrys frei.
Innerhalb von Sekunden transformierte sich seine Hand wieder zu einer Vampirspranke und vorsichtig ritzte er die Pulsader des Jungen an. Behutsam fing er das Blut in der Phiole auf und sprach danach einen Heilzauber über den Kratzer.
Viel Blut brauchte er nicht für den Test.

Hastig verlies er Harrys Zimmer, nachdem er alle Spuren seiner Arbeit beseitigt hatte. "Ich bin fertig. Von mir aus kann man den Potterjungen jetzt auf ,unsachgemäße Behandlung' hin untersuchen." Er warf der Krankenschwester noch einen fiesen Blick zu und ging dann so schnell er konnte, ohne zu rennen oder hastig zu wirken, aus ihrem Büro und hinunter in den Kerker.

Wieder in seinem Labor angekommen, wo er sich sicher fühlte, sank Severus zuerst gegen die geschlossene Tür.
War er verrückt geworden? Harry den Vampirsbiss geben zu wollen? Wo er es noch nicht einmal kontrollieren konnte, dank seines Daseins als Halbvampir?
Er schüttelte seinen Kopf. Jetzt war nicht die Zeit darüber nachzudenken, vor allem wo er ein hartes Stück Arbeit vor sich hatte.
Also tat Severus Snape das, was er am besten konnte und schob ein ihm unangenehmes Thema zur Seite.

Er machte das Feuer unter den zwei der drei kleinen Kessel am Destillatohr an und holte seine Zutaten. Innerhalb von wenigen Minuten hatte er den ersten Kessel mit dem benötigten Zaubertrank gefüllt. Vorsichtig kippte er dann Harrys Blut in den zweiten Kessel und setzte eine luftdichte Glashaube auf ihn.
Letztendlich öffnete er ein paar Ventile und das Gas des Zaubertranks fing an aufzusteigen. Das Blut würde bald anfangen zu kochen, der gasförmige Zaubertrank füllte bereits die Glaskuppel über dem Blut aus... In wenigen Stunden würde er das destillierte Blut im dritten Kessel haben. Dann müsste er nur noch ein Testpapier mit dem destillierten Blut bestreichen um die Ergebnisse auswerten zu können.

#6. Tag von Harrys Koma, 1. Januar#

0:13 Uhr
Severus lief in Kreisen in seinem Labor auf und ab. Sein Destillatohr blubberte noch vor sich hin, obwohl er eigentlich schon fertig sein sollte. Hatte er etwas falsch gemacht? Nein, er war sich sicher, alles perfekt ausgeführt zu haben. Er kannte jeden Schritt des Vorgangs in- und auswendig.

1:27 Uhr

Endlich hatte sein Apparatus aufgehört zu blubbern und zu zischen. Eine schwärzlich-rötliche Substanz hatte sich im dritten Kessel gesammelt und endlich konnte Severus das ersehnte Resultat begutachten.

Er löschte das Feuer, schloss die Ventile wieder und fasste vorsichtig den Kessel an. Sanft hob er ihn von der Feuerstelle und stellte ihn auf den soliden Steintisch. Steintisch, da Holz für einige Tränke einfach nicht sicher genug war.
Er holte einen langen Bogen Pergament hervor. In regelmäßigen Abständen waren Kästchen auf dem Bogen und Beschriftungen daneben. In den Kästchen waren bestimmte Flüssigkeiten auf das Pergament gesprüht worden und aufgrund einer bestimmten Verfärbung konnte man erkennen, was im Blut der Testperson alles enthalten war.

Mit einer schnellen Handbewegung tauchte Severus das Pergament einfach in den Kessel und wartete die vorgeschriebenen fünf Minuten, damit das destillierte Blut in das Pergament ziehen konnte. Dann zog er es behutsam wieder aus dem Kessel.

Anteile im Blut, Konrad'sches Verfahren nach Schopenstein

Halluzinide: Dieses Kästchen war leuchtend grün geworden, was Severus nicht überraschte. Harry hatte sich ja schließlich auch mit Drogen voll gepumpt.

Sedative: Auch hier ein dick grünes Kästchen.

Einen Großteil der Liste überflog Severus einfach. Einige Sachen waren aufgrund der Aufputschtränke in Harrys Blut zu finden. Andere Sachen erklärten sich durch die Unterstützungstränke, die Pomfrey Harry zu führte. Aber alle diese Tränke waren narrensicher, ohne Nebenwirkungen.

B-Krystallanteil: Ah ja, B-Krystalle. Ein eher seltenes Phänomen in der Zaubererwelt. B-Krystalle waren Bestandteile im Blut, die von reiner schwarzer Magie ,betroffen' waren. Durch diese Blutbestandteile entstanden solche körperlichen Verformungen wie die roten Augen von Voldemort.
Das Kästchen für Harrys Blut war in einem leichten Grün ausgemalt. Severus überraschte es nicht. Der Junge benutzte zwar selbst nur hin und wieder schwarze Magie - wenn überhaupt noch hier auf Hogwarts - aber sein Vater hatte wohl bei Harrys Zeugung schon viele B-Kryistalle im Blut gehabt. Natürlich vererbte sich so etwas, obwohl es innerhalb von wenigen Generationen normalerweise wieder ,verschwand'.

Die Gegenteile zu den B-Krystallen waren die A-Krystalle, die jeder Magieanwender besaß. Harrys Kästchen zeigte mit einem leichten Blauton an, dass er etwas zu wenig davon hatte, das war aber auch nicht verwunderlich.

Alles in allem sagte der Test Severus also nichts Neues.
Bei Harrys ausgelaugtem Zustand hätte der Schlaftrank nur bei besonderen Blutinhalten anders wirken können. Und Harry war kein Werwolf, kein Vampir oder ähnliches. Es gab in seinem Blut nichts, was diese Reaktion hätte hervorrufen können.
Außerdem war der Junge Voldemorts Sohn und somit gut gefeit gegen -

Die plötzliche Erkenntnis traf Severus mit der Wucht eines Cruciatius.
Wie hatte er das nicht eher sehen können? Er hätte den Test gar nicht machen müssen! Er hatte schon die ganze Zeit gewusst was los war!

"Ich,", stellte Severus zerknirscht fest, "bin der dümmste Halbvampir den es gibt."

(1)
math-o-thak'r - Drakonisch, die Sprache habe ich selbst entwickelt, kommt eigentlich aus meinem Original aber ich leihe es mir mal für die Sprache der Drachen in dieser FF ÜÜbersetzt heißt es ,mein Geliebter': math-o heißt ,mein' und thak'r ist eine verkürzte Sprechweise von thakatr was da heißt ,Geliebte/r'.
Severus versteht davon im Prinzip nichts weil es eine sehr harte Sprache ist und von den Drachen sehr ,grollentd' ausgesprochen wird. Ich denke man könnte es gut mit Russisch vergleichen vom Klang her, nur noch härter und mit mehr a- und k-/t-/r- Lauten. Die Drachen sind auch (wie die Zwerge von Tolkien) sehr beschützend ihrer Sprache gegenüber. Chance, dass ein Mensch sie lernt ist fast gleich Null. Der gute Sevvie ist hier also leider richtig überfordert