Teil 2, Kapitel 7 B: "Ein Drache reicht mir - zwei sind zu viel!"

Zweiter Tag von Harrys Koma, 27. Dezember

"Jetzt sei endlich RUHIG!", schrie ein endlos genervter Blaise und stoppte somit eine der vielen, langen Tiraden seines blonden Freundes über Gryffindors, ihre Dummheit, stupide Krankenschwestern und die Dummheit Harry Potters im Allgemeinen.
"Draco, Harry liegt im Koma. Wir wissen das und wir mögen es nicht. Und wir sind uns im Klaren darüber, dass etwas geschehen muss, aber dein pausenloses Herumgenerve hilft absolut NICHT!"

Die versammelten Mitglieder des ,Hauptgefolges', mit Ausnahme von Charlie, nickten mit ernsten Mienen. Dracos Verhalten zeugte zwar von ehrlichem Mitgefühl - aber es war einfach nur nervraubend.
Die kleine Gruppe befand sich in ihrem Besprechungsraum im Kerker. Die Zwillinge hockten aneinander gelehnt und miesgelaunt in einer Ecke des Zimmers, ihre Schwester Ginny lief vor ihnen kleine Kreise. Neville saß am Tisch und versuchte sein bestes, sich durch verschiedene Bücher über magisches Koma hindurch zu lesen, Carmen an seiner Seite. Blaise hatte seine Nase bis vor wenigen Sekunden auch noch in einem solchem Buch gehabt, bevor er Draco angeschrieen hatte.

Eben jener Malfoy starrte Blaisekurz an und setzte sich dann mit einem Seufzer ihm gegenüber an den Tisch.
"Du hast ja recht Blaise. Das ist nicht produktiv."
Ginny schnaubte. "Nicht produktiv. Was können wir denn schon produktives machen? Wir sind keine ausgebildeten Ärzte, das Lesematerial über Komas hier ist spärlich weil es weder im Unterrichtsplan vorkommt noch in der Bibliothek großartig vertreten ist und wir kennen nicht einmal Harrys Krankenakte!"
Die wütende Rothaarige stampfte einmal kurz auf und fing dann wieder mit ihrem Kreislaufen an.
Neville schob sein Buch von sich. "Ich muss Ginny zustimmen. Wir- Ich meine... Wir wissen einfach zu wenig. Wir wissen nicht warum Harry in diesem Koma liegt, nicht mal ansatzweise. Es gab nichts, was auf ein Koma hingewiesen hätte, oder?"

Die Zwillinge, Blaise und Carmen schüttelten kollektiv ihre Köpfe.
Nur Draco verengte plötzlich seine Augen. "Doch. Doch, doch das hatten wir! Und Pomfrey auch!"
"Wie bitte?", meinte Blaise verwirrt.
"Erinnere dich, Blaise! Was hatte Professor Snape zu Pomfrey gesagt?" Der Blonde sah Blaise erwartungsvoll an.
"Er hatte gesagt, dass... dass sie Harry keinen Schlaftrank verabreichen dürfe!", rief dieser dann endlich aus.

Fünf Köpfe wirbelten in seine Richtung und Ginny schrie laut: "Was?"
Draco nickte. "Professor Snape hatte zu Pomfrey gesagt, ein Schlaftrank könnte Komplikationen hervorrufen wegen der hohen Drogenanteile in Harrys Blut."
Fred rutschte an der Schulter von George ab, an der er gelehnt hatte, und fiel somit in den Schoß seines Zwillings.
"Was?", rief eine aufgeregte Carmen, "Und dann tut sie es trotzdem? Professor Snape ist ein voll lizenzierter Zaubertrankmeister! Wenn er sagt, dass zwei Tränke zusammen Probleme machen könnten, dann wird das auch einen Grund haben!"
Neville nickte sachte. Snape war zwar nicht gerade sein Lieblingslehrer, aber er wusste zumindest, das er für sein Können mit Zaubertränken berühmt war.

Blaise runzelte seine Stirn. Das warf ein ganz neues Licht auf die Sache. "Warum sollte Pomfrey eine Anweisung von Professor Snape missachten?"

T.T.T.T.T.T.T.T.T.T

Diese Frage war es, die Draco größtenteils beschäftigte.
Poppy Pomfrey war nicht dumm. Warum also handelte sie entgegensetzt einer von einem Meister gegebenem Anweisung?
Und half ihnen das überhaupt weiter!

Sie wussten also, dass das Koma von einem Schlaftrank ausgelöst worden sein konnte. Fein. Konnten sie damit etwas anfangen? Wohl kaum. Professor Snape konnte damit nichts anfangen und der Mann war ein Zaubertrankmeister.
Vielleicht würde tagelanges Bücherwälzen über Schlaftränke etwas bewirken - aber hatte Harry diese Zeit? Und war es dann nicht effizienter Professor Snape das ganze zu überlassen?

Seufzend hörte Draco auf mit dem Rundendrehen. Vor gut einer Stunde hatten sie sich in ihrem Konferenzraum verabschiedet und weitere Recherche auf Morgen verschoben. Blaise hatte sich in den Gemeinschaftsraum begeben um sich mit den anderen Slytherins zu unterhalten und Draco war brütend auf ihr Zimmer gegangen.

Aber er war mit einer unlösbaren Situation konfrontiert, das sah er nun ein.
Ein fast sechzehnjähriger besaß eben nicht alles Wissen auf der Welt, so gern er es auch hätte.
Aber halt... Ein Grinsens stahl ich über das Gesicht des Blonden. All das Wissen der Welt habe ich zwar nicht... aber mein Vater so ziemlich das ganze Geld. Und Macht.

"Hehe." Dracos Laune hatte sich signifikant verbessert.

Professor Snape suchte bereits nach einer Lösung für Harrys Koma. Wer sonst konnte noch etwas wissen? Pomfrey. Und Draco wusste dank einem Vater sehr gut, wie man Leute dazu brachte ihr Wissen mitzuteilen.

Morgen würden Blaise und er der Krankenschwester einen Besuch abstatten.

3ter Tag von Harrys Koma, 28ter Dezember

Poppy Pomfrey hatte viele angsteinflößende Sachen in ihrem Leben gesehen.
Auroren, die auf dem Schlachtfeld verletzt und übel zugerichtet worden waren.
Kinder, die im Kreuzfeuer eines überraschend startenden Kampfes getötet worden waren.
Von Vampiren angefallene Schüler, Kinder und Erwachsene.
Todesser in voller Aktion.

Trotz allem beschlich sie ein ungutes Gefühl in ihrer Magengegend, als sie ihren Blick auf die beiden Slytherins vor sich richtete, die sie um ein privates Gespräch gebeten hatten und nun vor ihrem Tisch in ihrem Büro standen.

Draco Malfoy und Blaise Zabini.
"Nun, Mr. Malfoy, Mr. Zabini. Was wollten Sie?"

Der Wechsel in den beiden Jungen ist bei weitem nicht so sanft wie er in älteren Slytherins wäre, aber Poppy hätte ihn auch dann bemerkt, wenn er sanfter gewesen wäre. Sie hatte genug Menschen dieses Schlages kennen gelernt in ihrem Leben.

Ihre Schulter spannten sich an und ein leicht nervöser Blick lag in den Augen der beiden. Außerdem schien Blaise fast instinktiv näher an Draco zu rücken und sich dabei so nach hinten zu bewegen, dass sein Kopf hinter Dracos Schulterlinie lag.

"Madame Pomfrey," begann Draco, "wir möchten noch einmal wegen Harry mit ih-"
Mit einem Seufzen unterbrach Poppy den Jungen. "Mr. Malfoy, ich habe ihnen nun schon oft genug gesagt, dass ich nicht weiß, warum Mr. Potter in diesem Koma liegt. Und sobald ich etwas wissen werde, werde ich - da können sie versichert sein - alles erdenkliche tun, um Mr. Potter zu helfen."
Das leichte Halblächeln, dass sich auf Dracos Gesicht ausbreitete, gefiel Poppy aus irgendeinem Grunde überhaupt nicht.
"Madame Pomfrey... das wissen wir doch. Aber wir wollen ihnen natürlich helfen, weil Harry ja ein guter Freund von uns ist."
Draco legte eine kurze Pause ein und warf der Krankenschwester ein strahlendes und eindeutig falsches Lächeln zu.
"Und deswegen dachten wir uns, dass wir ihnen etwas Wichtiges mitteilen, dass ihnen vielleicht entgangen sein könnte. Es fiel uns selbst erst wieder gestern Abend ein."

Poppys Stirn runzelte sich und sie überlegte krampfhaft, was diese beiden wussten und sie nicht. Sie war die Krankenschwester! Sie kannte Harrys Krankenakte in- und auswendig. Und laut den Dursleys gab es keine Muggelkrankenakte, daher schien es sehr ungewöhnlich, dass die Jungs von dort etwas wussten.
Und überhaupt, was sollte ihr entgangen sein?

Draco nahm ihr Schweigen als Aufforderung dafür auf, dass er fortfahren sollte.
"Sehen sie, uns fiel ein, dass Professor Snape noch explizit erwähnt hatte, dass lieber kein Schlaftrank verabreicht werden sollte."
Das Gesicht des Blonden strahlte erneut mit einem falschen Lächeln. "Und da dachten wir, dass sie das vielleicht vergessen hätten und wollten sie daran erinnern."

Poppys Herz setzte für einen kurzen Augenblick aus, bevor sie sich wieder fing.
Worauf spielten die Jungen hier an? Ja, Severus hatte das gesagt aber Severus war manchmal übervorsichtig, außerdem kannte Poppy ihre Schlaftränke und sie hatte extra die leichteste Variante genommen, die keine Nebenwirkungen hatte.
Außerdem hatte Dumbeldore selbst ja ihr dazu geraten den Schlaftrank zu verabreichen um Harry eine möglichst schnelle Genesung zu ermöglichen.

"Mr. Malfoy. Ich versichere ihnen, dass mir diese Tatsache nicht entfallen ist und ich kann ihnen ebenfalls versichern, dass der Schlaftrank nichts mit Herrn Potters jetzigem Zustand zu tun hat."

Die linke Augenbraue Dracos zog sich in die Höhe. "Wirklich?"

So langsam wurde Poppy wütend. Erlaubte es sich dieser Bengel etwa ihr vorzuschreiben wie sie ihre Patienten zu behandeln hatte? Hatte sie nicht immer danach gehandelt, was das beste für den Patienten war?

"Mr. Malfoy! Ich möchte sie daran erinnern, dass ich hier die Krankenschwester bin und nicht sie. Und während Professor Snape durchaus eine Kompetenz auf seinem Gebiet ist, wage ich doch zu behaupten mehr Erfahrung in dem Bereich der Heilung zu haben als er."

Die beiden Jungen zeigten sich erstaunlicherweise von ihrer aufkommenden Wut wenig beeindruckt.

"Madame Pomfrey, daran zweifelt doch niemand.", erklärte Draco mit einer zuckersüßen Stimme. "Wir dachten uns ja auch nur, dass man vielleicht noch eine dritte Meinung hinzuziehen sollte. Mein Vater kennt einige sehr gute Heiler, alle renommiert auf ihrem Gebiet. Vielleicht bringt eine neue Meinung mehr Licht in die Angelegenheit...?"

Der Mund der Krankenschwester klappte auf.
Wagte es dieser kleine Bengel etwa...?

"MR. MALFOY! So eine Unerhörtheit! Wie kommen sie eigentlich darauf, dass sie hier hereinplatzen dürfen und mir vorschreiben können was ich zu tun habe! Auch wenn der junge, der dort im Koma liegt, ihr Freund ist, gibt ihnen das noch lange kein Recht einer zertifizierten Krankenschwester in die Arbeit pfuschen zu wollen! RAUS MIT IHNEN!"

Mit energischen Handbewegungen scheuchte die aufgebrachte Krankenschwester die beiden Slytherins erst in den Krankenflügel und von da aus hinaus auf den Flur.
Dies gelang ihr trotz lautstarker Proteste der beiden, sehr zur Verwunderung der auf dem Flur stehenden anderen Schüler.
"UND ABSOFORT WILL ICH KEINEN VON EUCH MEHR IN MEINEM KRANKENFLÜGEL SEHEN!"
Mit diesen Wort schloss Poppy die Tür zum Krankenflügel hinter sich mit mehr Kraft als eigentlich nötig gewesen wäre und ließ einige verdutzte Jugendliche im Flur zurück.

Immer noch ärgerlich vor sich hin murmelnd marschierte Poppy zurück zu ihrem Büro und ließ sich in ihren Stuhl fallen.
"So eine Frechheit!", fauchte sie erneut und ordnete einige der vorhin durcheinander gewirbelten Pergamentrollen auf ihrem Schreibtisch.
Doch ein anderes Gefühl als Wut beschlich sie langsam, kroch durch ihren Geist wie eine sich langsam ausbreitende Krankheit.

Angst.

Ja, sie hatte den Einwand eines Zaubertrankmeisters nicht beachtet. Aber stattdessen hatte sie auf ihre Erfahrung und den Schulleiter gehört.
War das eine Fehlentscheidung gewesen?
Hatte sie falsch gehandelt? Hätte sie lieber auf Severus hören sollen? Aber der Schlaftrank hatte keine Nebenwirkungen...

Doch sie sehr sie auch versuchte sich selbst zu beruhigen, sie wurde das leichte Angstgefühl nicht los. Wenn sie ein Koma verursacht hätte durch einen Fehler, das würde sie sich nie verzeihen können.

Vielleicht wäre es doch keine so schlechte Idee einen anderen Experten zu Rate zu ziehen? Von Sankt Mungos vielleicht? Malfoy meinte es vielleicht wirklich nur gut, schließlich war der Junge sehr besorgt gewesen um Harry...

Poppy erstarrte.
Langsam hörte sie den letzten Vorschlag des Jungen noch einmal.
"Mein Vater..."
Sein Vater.
Lucius Malfoy.

Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen.
Das war kein gutgemeinter Ratschlag gewesen sondern eine Drohung!
Und sie, Poppy Pomfrey, eine 59 Jahre alte Frau, hatte das nicht erkannt!

Hektisch sprang sie auf, die Pergamentrollen erneut wieder in Unordnung bringend und lief zu ihrem Kamin im Büro. In Windeseile hatte sie einen Feuerruf zu Dumbledore getätigt.
"Albus, ich muss sehr dringend mit dir sprechen..."

Vor dem Krankenflügel, auf dem Flur indessen starrten Blaise und Draco sich mit finsteren Mienen an.
Blaise hob seinen rechten Zeigefinger.
"Nur fürs Protokoll - ich war dagegen!"

4ter Tag von Harrys Koma, 29ter Dezember

Der Slytheringemeinschaftsraum war relativ voll. Draco und Blaise lungerten im hinteren Teil des Raumes auf einem weichen Sofa.
Während Blaises Blick hin und wieder durch den Raum schweifte, als wenn er sich beruhigen wolle, dass nichts im Argen war, war Dracos Blick stur und nichtssehend vor ihn auf den Tisch gerichtet und das Grübchen an seiner Stirn verriet, dass er erneut einen Plan ausheckte.
Ob dieser Plan irgendwelchen Erfolg haben würde, war ein anderes Thema.

Draco wusste selbst, dass seine fixe Idee mit Pomfrey ein absoluter Reinfall war. Nicht nur das, nein, jetzt erhielten sie keinen Zutritt zum Krankenflügel mehr.
Und nicht nur das, nein, sie waren immer noch keinen Schritt weiter.

Sobald Harry wieder auf den Beinen war würde Draco ihn eigenhändig wieder ins Koma befördern.
Der Schwarzhaarige war schuld an seiner jetzigen Migräne.

"Draco.", kam ein Wispern von Blaise, dass Draco aus seinem Grübeln holte. Genervt schaute der Blonde auf und folgte Blaises Blick zum Eingang des Gemeinschaftsraumes.
Dort kam Dominik in den Raum hineingestolpert, einen gehetzten Ausdruck in den Augen und mit einem unschönen Kratzer auf dem Gesicht.

Einige der Slytherins blickten auf und musterten ihn, der Geräuschpegel, der bis gerade relativ laut gewesen war, schrumpfte plötzlich auf eine Fast-Stille zusammen.
"Dominik!", rief Draco und stand auf, während Blaise seine Füße vom Tisch vor sich nahm und sich gerade aufsetzte. "Was ist passiert!"

Der kleine Slytherin bahnte sich's einen Weg durch den Gemeinschaftsraum bis hin zu Draco und holte einige Sekunden lang erst mal Luft.
"Ich war... oben in der Nähe vom Gryffindorturm um..."
"Alleine!", fuhr ihm Draco dazwischen.
Dominik nickte betreten und Blaise vergrub stöhnend sein Gesicht in seinen Händen.
Nicht nur, dass Harry im Koma lag, nein, Dominik musste ausgerechnet jetzt anfangen sich in der Löwengrube umherzutreiben! Und das wo Draco ausdrücklich festgelegt hatte, dass die Slytherins sich - wenn überhaupt - nur in größeren Gruppen ,oben' aufhalten sollten!

Draco seufzte. Das Jahr ging diesmal beschissen zu Ende. "Na los, erzähl weiter."
Dominik holte tief Luft und gab das Geschehen so kurz wie möglich wieder.
"Ich war vorhin mit ein par anderen in der Bibliothek und hab dabei so nen Sechstklässler Huffelpuff überhört.
Etwas von wegen Weasleys hecken was aus oder so, richtig verstanden hab ich's nicht aber es hörte sich so an, als hätten die Weasleys was großes geplant, weil Harry doch im Koma liegt. Deshalb bin ich rauf zum Turm, geschlichen natürlich, um zu schauen ob ich irgendwas aufschnapp, das nützlich wäre.
Na ja, es trieben sich kaum welche draußen auf den Fluren rum und nach etwas Warten wurd's mir zu gefährlich in der Gegend, also wollt ich wieder runter, dabei hab ich McGonagall überhört, die sich mit Flitwick unterhielt.
So wie's aussieht kommen die Weasleys mit dem vorletzten Ferienzug am 1ten schon wieder zurück."

Gemurmel erfüllte den Gemeinschaftsraum. Erst fiel Harry ins Koma und jetzt wollten die Gryffindors die Offensive eröffnen?
Unzufriedenheit und zunehmende Angst stieg in den Slytherins auf. Ein halbes Schuljahr war rum, das zweite erst noch vor ihnen. Die Häuser lagen in einer Art Mini-Krieg miteinander und außerhalb von Hogwarts tobte ein noch ganz anderer Krieg.
Zum ersten mal schwappte eine Welle der Resignation durch die Schüler des Schlangenhauses.

Draco setzte sich brütend wieder neben Blaise hin. "Das ist schlecht. Sehr schlecht." Er schloss seine Augen für einen Augenblick und verstand auf einmal, warum Harry sich mit Aufputschtränken über Wasser gehalten hatte.
Er war nervlich am Ende und ausgelaugt. Und neben all diesem würde er sich auch noch um die Jungschatten kümmern müssen.
Nein, irgendwie konnte er es Harry nicht mehr wirklich verübeln, dass er die Drogen genommen hatte.

"Und was ist mit deiner Backe?"
Dominik winkte ab. "Nichts, das heile ich gleich. So ne Hufflepuff hatte mich dann doch entdeckt, da bin ich gespurtet bevor sie das ganze Stockwerk zusammenschreit. Bin dummerweise gestolpert und hab mir die Backe geschrammt."
"Na wenigstens etwas." Draco grinste trocken und ohne Humor. "Besser als wenn ein paar von denen dich erwischt hätten."
Dominik nickte ernst. "Ich verzieh mich auf mein Zimmer." Draco nickte und rief dem entschwindendem Jungen noch hinterher: "Und das nächste Mal sag bescheid bevor du so was versuchst!"

Die Slytherins machten wieder mit dem weiter was sie vor Dominiks Eintritt gemacht hatten.
Nur Draco fing an, sich in leisen Tönen mit Blaise zu beraten.

"Jetzt haben wir noch mehr Probleme."
Blaise nickte sanft und zupfte mit einer Hand nervös an seinem Robenärmel herum. "Nicht, das wir nicht schon vorher genug hatten," fügte Draco sarkastisch hinzu. Dann ließ er sich nach hinten auf die Polster des Sofas fallen.
"Blaise... wenn ich anfange irgendwelche komischen Tränke zu schlucken, halt mich auf, ja?"
Ein Schnauben war seine einzigste Antwort, dann: "Was machen wir jetzt? Wenn die Gryffindors wirklich was planen können wir nicht nur einfach hier herum sitzen."
Draco sah seinen Freund an. "Ja, das weiß ich auch. Nur erst einmal müssen wir herausbekommen, worum es geht..."

Die beiden sahen sich an und dachten dasselbe: Neville.
Nur wie sollten sie eine Nachricht zu ihm schicken? Bei ihrem letzten Treffen vor zwei Tagen hatten sie ausgemacht das nächste erst wieder am zweiten Januar zu haben, sollte nicht irgendein Durchbruch mit Harry erfolgen.

Wie also sollte er Bescheid bekommen? Ginny besaß zwar ein gewisses Talent, wenn es darum ging ungesehen von anderen Gryffindors zu ihnen zu kommen aber auch sie hatte sich etwas ,ruhiger' verhalten wollen um nicht aufzufallen.
Fred und George? Nein, das gleiche Problem wie bei Ginny.

Das war zum Haare ausreißen, dachte Draco bei sich. Da kannte er schon einige der Weasleys persönlich und konnte keinen aufsuchen um Neuigkeiten zu erfahren!

"Professor Weasley.", murmelte Blaise da auf einmal neben ihm. Draco setzte sich ruckartig gerade hin.
Natürlich! Warum war er da selbst nicht draufgekommen! Charlie hatte doch eine Wohnung im Kerker!
"Blaise..." Draco grinste ihn an. "hast du die gleiche Idee wie ich?"
Auf das Nickens eines Freundes hin stand Draco auf. "Na dann los."

Gemeinsam verließen die beiden den Gemeinschafstraum und machten sich auf zu Charlies Räumen.

Charlies Räume lagen in einem sehr abgeschiedenem teil des Kerkers. Die Tür war eine wirklich normale Steintür, neben der zwei Drachenstatuen standen.
Nervös klopfte Blaise an der Tür und hoffte, das grad kein anderer Lehrer bei Charlie war.
Zu ihrem Erstaunen öffnete nicht Charlie, sondern Bill Weasley die Tür.
"Oh. Ihr wollt wohl zu meinem Bruder?"
Die beiden verdutzten Slytherins nickten knapp.
"Einen Moment." Der rothaarige Fluchbrecher drehte sich um und rief in die Wohnung hinein: "Charlie, zwei Schüler für dich!"

In dieser Zeit konnte Draco den Weasley eingehend studieren.
Sein schulterlanges, rotes Haar war zu einer Art Halbzopf so zusammengebunden, dass es nur nach hinten fiel und nicht sein Sichtfeld behinderte. Außerdem waren seine Ohrläppchen zu sehen, wobei in seinem linken ein Vampirzahn als Ohrring baumelte.
Er trug ein rotes Hemd, dass geöffnet war und den Blick auf einen muskulösen Oberkörper freigab, dazu eine schwarze Drachenlederhose und schwere schwarze Drachenlederstiefel.

Als er sich wieder zu den Slytherins drehte hatte er ein breites Lächeln auf seinem Gesicht. "Kommt doch schon mal rein, Charlie hat sicher Zeit für euch."
Leicht verunsichert huschten Draco und Blaise in den gut beleuchteten Vorraum.

Charlies Räume waren groß, dass hatte er ihnen auch erzählt. Im Kerker war immer viel Platz - wer wollte da schon leben? - und so hatte er ein angenehm großes ,Appartement' bekommen.
Der Vorraum war im Prinzip leer und nur ausgestattet mit zwei Landschaftsbildern und einem warmen, flauschigem Teppich.
Durch die einzige, offenstehende Tür konnte Draco ein ebenso gut beleuchtetes und gemütliches Wohnzimmer erkennen, in dem anscheinend ein großer Teppich der gleichen Art lag. Die Farbe der Teppiche war ein rötliches braun, das angenehm für die Augen war und nicht zu auffällig.

Charlie kam durch die Tür und sah Blaise und Draco. "Ah, Draco, Blaise. Alles klar, das sind Freunde." Der letzte Satz war an Bill gewandt. Der ältere Weasley schaute seinen Bruder fragend an, zuckte dann aber mit den Schultern.
"Na, wenn's so ist. Ich bin Bill Weasley. Nett euch kennen zulernen." Mit diesen Worten reichte Bill ihnen die Hand. "D... Draco Malfoy.", brachte ein mehr als nur leicht verwirrter Draco hervor und schüttelte Bills Hand. "Blaise Zabini.", tat Blaise es ihm gleich.

"Ich habe Bill schon berichtet was unser jüngerer Bruder für Unsinn hier auf Hogwarts anstellt.", berichtete Charlie und führte die beiden Junge in sein Wohnzimmer.
Auch im Wohnzimmer hingen Landschaftsbilder, größtenteils bergige Gegenden und weite, ödlandartige Gegenden die aber in surrealen Farben gemalt waren.
Ein solider Holztisch stand in einigem Abstand zum Kamin und um ihn herum zwei gemütliche Sessel und ein flauschiges Sofa, beides im gleichen rot-braun Ton wie die Teppiche.
Einige Regale waren an den Wänden befestigt und mit Büchern und Krimskrams gefüllt. Drei Türen gingen von dem Raum ab, jedoch waren alle geschlossen.

"Das... ist praktisch, weil wir deswegen auch hier sind.", meinte Draco und setzte sich langsam auf das Sofa. Bill ließ sich in den einen Sessel fallen, während Charlie im anderen Platz nahm.
Wie sein Bruder trug auch er eine Drachenlederhose und ein Hemd, jedoch beides in einem kupferfarbenem Rotton. Erstaunlicherweise passte es einigermaßen gut zu seinen Haaren.
"Was ist passiert?", fragte Charlie sofort.
"Wir haben gehört," fing Draco an, "dass Weasley, also euer Bruder, am 1ten Januar wieder nach Hogwarts kommt und dass die Gryffindors etwas geplant haben sollen."
Draco lächelte leicht. "Und ehrlich gesagt haben wir gehofft, ihr wüsstet mehr darüber, was er geplant hat."

Bill grinste. "Also ich kann nicht behaupten viel von zu Hause zu wissen. Ich verbringe meine Ferien mit Absicht hier und nicht im Fuchsbau."
Blaise und Draco zogen synchron eine Augenbraue hoch und Bill musste loslachen. "Diese Augenbraue muss erblich in Slytherin weitergegeben werden."
Charlie schmunzelte. "Oder ihre Eltern trainieren sie von Kleinauf, damit sie es später können."

Blaise räusperte sich. "So amüsant dass auch sein mag - wir haben hier ein echtes Problem. Wer weiß was sich euer Bruder in den Kopf gesetzt hat und wie gefährlich es wird."
Charlie nickte mit einer ernsten Miene
"Leider weiß ich auch nicht viel darüber. Fred und George oder Ginny könnten mehr wissen."
"Natürlich und die können wir ja ach so gut und einfach fragen.", kommentierte Draco trocken.

"Charlie wird sie für euch ja fragen können.", tönte es da auf einmal hinter den beiden Jungs und hastig drehten sie sich um zu sehen wer noch im Raum war.
Wie auch Bill zuvor starrten sie beide einige Zeit lang auf den augenscheinlich gebräunten Mann mit den grünen Haaren, bevor es Blaise langsam dämmerte was da vor ihm stand.
"Guten Abend, sir.", begrüßte Draco indes den Neuankömmling. Er erkannte in ihm nichts als einen gebräunten Mann mit grünen Haaren und schwarzen Augen.

Der Drache lehnte im Türrahmen zu Charlies und seinem Schlafzimmer und musterte die beiden Jungen auf dem Sofa. "Guten Abend."
Draco, der zu guten Manieren erzogen worden war, fuhr sofort fort: "Ich bin Draco Malfoy sir. Darf man erfahren, wer sie sind?"
Blaise gab seinem Freund einen Stups in die Seite. "Draco! Man fragt einen Drachen nicht nach seinen Namen."
"Drachen?"

Dem Viperzahn entfuhr ein grollender, lachähnlicher Laut. "Es ist schön zu wissen, dass nicht jeder Mensch mich sofort erkennt. Und ich dachte schon meine menschliche Form wäre als Tarnung nicht zu gebrauchen."
Charlie schmunzelte. "Deine menschliche Form ist sehr menschlich."
"Wenn du es sagst, thakatr." Lächelnd ging der Drache zu Charlie, hob den Weasley problemlos in die Luft, setzte sich auf den Sessel und Charlie in seinen Schoß.

Draco starrte den Drachen während seiner gesamten Aktion unentwegt an, so das dieser ihn schließlich zurück anstarrte.
"Das ist unhöflich, junger Mensch. Ich hoffe du weißt das."
"Hey, man sieht nicht jeden Tag einen Drachen in Menschengestalt.", wehrte Draco sich während er sich wieder ordentlich aufs Sofa setzte. Blaise neben ihm rollte die Augen und Bill grinste.
Erstaunlicherweise fing der Drache an zu lachen. "Dabei bist du ja selbst einer.", kommentierte er dann amüsiert.
Zuerst schaute Draco etwas unverständlich drein, während Bill anfing zu lachen. "Das," brachte er zwischen zwei Lachern heraus, "ist mal eine ganz neue Interpretation des Namens Draco Malfoy."
Den Witz endlich verstehend musste auch Draco leicht schmunzeln. "Irgendwie glaube ich nicht, dass mein Vater so etwas im Sinn hatte als er mir den Namen gab."
Charlie schmunzelte ebenfalls, nur Blaise saß mit einer Todesmiene auf dem Sofa und rührte sich nicht.

"Das war jetzt aber nur ein Wortspiel, oder?"
Die drei Menschen hörten auf zu lachen oder amüsiert dreinzuschauen und sahen Blaise an. Draco rollte mit den Augen. "Natürlich, Blaise. Ich bin kein echter Drache!"

Blaise atmete aus. "Merlin sei Dank. Denn wenn ihr beide Drachen gewesen wärt, wärt ihr euch vom Verhalten her wahrscheinlich ähnlich gewesen. Und was das angeht - Ein Drache reicht mir - zwei sind eindeutig zu viel!"

Während Charlie und Bill in erneutes Lachen ausbrachen sah Draco seinen Freund finster an.

Der Viperzahn jedoch wünschte sch in diesem Augenblick nur, dass diese störenden Menschen endlich verschwinden würden, damit er sich um Ruhe um seinen menschlichen Partner kümmern konnte.