Teil 2 Kapitel 8: Nicht therapierbar

"Ordinarily he was insane, but he had lucid moments when he was merely stupid."
- Heinrich Heine
"Normalerweise war er verrückt, aber er hatte seine hellen Momente in denen er lediglich dumm war."

Wie lange er schon hier war, konnte er nicht sagen. Weder wo genau, noch wieso er dort war.
Inzwischen hatte er sich einfach damit abgefunden, dass er halt hier war.

Hier war ein großer, leerer Raum, umgeben von Steinwänden. Zuerst hatte er sich gewundert, warum er etwas sehen konnte, obwohl keine Fackeln an den Wänden waren und auch keine Fenster oder dergleichen, doch auch damit hatte er sich inzwischen abgefunden.
Stattdessen war er sich ziemlich sicher, dass er träumte. Nur dass sein Traum weder Sinn noch Inhalt zu haben schien.

"Typisch. Wer hat idiotische Träume? Harry Potter.", murrte er bereits zum dritten Male.
Dieses Mal jedoch folgte diesem Satz das Gefühl eines tiefen Falls...

1ter Januar

"Er wacht auf!"
Dumpf registrierte Harry diesen Ausspruch in seinem immer noch vernebeltem Gehirn.
"Ich hab' Kopfschmerzen", krächzte der Junge der immer noch lebte und öffnete, vorsichtig blinzelnd, seine Augen.
Irgendwo neben ihm war ein Schnauben zu hören. "Und er ist immer noch der gleiche Klugscheißer."
"Hab dich auch lieb, Draco.", krächzte Harry erneut.

Während irgendjemand ihm einen Becher mit einer undefinierbaren Flüssigkeit reichte, versuchte Harry krampfhaft, seine Sicht zu fokussieren.
Leider passierte jedoch nichts.
"Jetzt trink schon.", grummelte die bekannte Stimme von Severus an seiner linken Seite und Harry tat wie ihm geheißen.

Die Kopfschmerzen ließen auch tatsächlich auf ein aushaltbares Minimum nach und so brachte er es endlich zu Stande, wieder klar zu sehen.
Leicht grinsend betrachtete er die um ihn herum Versammelten.
Draco, Blaise und Severus standen links von ihm und zu seiner Rechten waren Dumbledore, McGonagall und Pomfrey.

"Hab ich was verpasst?"

Draco schnaubte. "Ich schwöre dir Harry, wenn du nicht bettlägerig wärst..."
"Würdest du mich bettlägerig machen, was?", grinste der Schwarzhaarige.
Dumbledore wählte diesen Moment um dezent zu husten. Harry schaute zu ihm herüber.
"Mr. Potter, wie geht es ihnen?"
Das war eine gute Frage. Wie ging es ihm?
Stirnrunzelnd versuchte Harry,Bestandsaufnahme' zu machen.

Sein Körper fühlte sich allgemein etwas schwach an und an einigen Stellen brannten seine Muskeln leicht. Seine restlichen Kopfschmerzen waren zu einem dumpfen Pochen hinter seiner Schläfe geworden. Ansonsten beunruhigte ihn nur das unschöne gluckrige Gefühl, das aus seiner Magengegend kam.

"Ich habe noch leichte Kopfschmerzen, mehr ein Pochen. Meine Muskeln brennen leicht und fühlen sich schwach an und mein Magen fühlt sich an, als ob er mir sagen wollte: Wenn du aufstehst öffne ich die Vordertür! Ansonsten," Harry grinste den Schulleiter an, "geht's mir wunderbar."
"Harry...", hallte drohend Dracos Stimme durch den Raum, was den Schwarzhaarigen dazu veranlasste, seine Augen zu rollen.
"Nun, Mr. Potter.", setzte Pomfrey zu einer Erklärung an, "Sie haben uns ganz schön erschreckt. Die Kopf- und Muskelschmerzen sind zu erwarten, da sie die letzten Tage im Koma gelegen haben. Und ihr Magen dürfte sich noch etwas über Professor Snapes Trank aufregen, aber wenn ihnen ansonsten nichts fehlt , sind sie außerhalb der Gefahrenzone."

Harry schloss seine Augen wieder und lehnte sich weiter zurück ins Kissen. "Koma?"

"Tja, so wie es aussieht, Mr. Potter, leiden sie an einer sehr seltenen Allergie gegen Feenstaubwurzeln. Normalerweise ist so etwas kein Problem, da diese Allergie einerseits erblich ist und so die meisten Betroffenen davon wissen und andererseits Feenstaubwurzeln nur sehr selten benutzt werden. Aber so wie es aussieht muss ihre Mutter wohl diese Allergie gehabt und an sie weiter gereicht haben.
Da ich jedoch nichts von ihrer Allergie wusste und sie an einer akuten Trankvergiftung litten, habe ich ihnen den sichersten Schlaftrank verabreicht, den es eigentlich gibt - Feenstaubwurzelsud.", beendete Pomfrey ihre langgewundene Erklärung.
Harry hingegen musste innerlich aufstöhnen. Das passt mal wieder perfekt! Jeder andere Mensch hätte absolut keine Probleme mit diesem doofen Schlaftrank, nein, nur er musste eine dumme Allergie dagegen haben.
Seufzend öffnete er wieder seine Augen und traf die Dumbledores, der ihn mit einem... seltsamen Blick ansah. Etwas spekulierend, aber auch etwas besorgt, fast... verängstigt?

Sofort machte sich Harry die geistige Notiz, diese Allergie noch mal nachzuschlagen sobald er wieder hier raus war.

"Okay. Allergie, Koma, Feenstaubwurzeln schlecht." Harry schnitt eine Grimasse. Soeben hatten sich seine Kopfschmerzen noch einmal verschlechtert. "Kopfschmerzen auch."
"Geschieht dir recht.", kam der schneidende Kommentar Dracos von der Seite her.
Dumbledore räusperte sich. "Nun, Mr. Potter, damit werden sie wohl vorläufig leben müssen. Aber da sie ja anscheinend ansprechbar genug sind, könnten wir jetzt ja über ihre Therapie reden."
"Therapie!", krächzte ein nunmehr verängstigter Harry Potter.
Blaise legte eine Hand auf Harrys Arm und versuchte, aufmunternd zu lächeln. Severus runzelte seine Stirn und warf Dumbledore einen nicht sehr netten Blick zu.
Draco schnaubte und grummelte etwas unverständliches in sich hinein.

McGonagall beteiligte sich zum ersten mal am Gespräch. "Mr. Potter. Es ist wohl kein normales Verhalten eines Jungen in ihrem Alter sich mit Tränken voll zu pumpen bis man in der großen Halle kollabiert.
Daher haben wir uns entschlossen, dass sie einen Therapeuten aufsuchen werden."
Harry sah die um sich stehenden geschockt an. "Das ist ein Scherz, oder?"
Dumbeldore schüttelte seinen Kopf. "Ich fürchte nicht, Mr. Potter."

XTXTXTXTXTXTXTXTXTXTXTXTX

Draco Malfoy hatte ernsthaft geglaubt, es gäbe kaum noch etwas, dass ihn schocken könnte..

Harry Potter war praktisch ein Slytherin.
Draco verstand sich mit einigen Weasleys.
Sein Vater schien Harry gegenüber tatsächlich anständig sein zu wollen.
Er kannte einen gestaltwandelnden Drachen , der eine Beziehung mit einem Menschen hatte.

Aber den Wutanfall, den Harry hatte als er endlich wieder im Slytheringemeinschaftsraum war, toppte alles.
Im Krankenzimmer hatte er nicht mehr gemacht , als sich zu beschweren und leicht wütend auszusehen.
Nachdem Pomfrey ihn hatte aufstehen und gehen lassen und Dumbledore erklärte, der Therapeut käme diesen Abend diskret nach Hogwarts, war er sichtlich angespannt gewesen.
Als wenn er versuchen würde, seine Wut zurückzuhalten.

Und eben diese Wut konnte Draco jetzt sehen.
Die meisten Slytherins waren aus dem Gemeinschaftsraum geflohen als klar wurde, dass Harry ,durchdrehte'. Lediglich Draco, Blaise und Dominik standen noch, so weit abseits wie möglich und mit einem Schutzschildzauber, in dem Raum.

Harry tobte.
Die Tische waren längst zerstört, entweder hatte Harry sie mit einem Zerstörungszauber in Einzelteile verarbeitet oder sie gegen die Wände geschleudert. Mit den verschiedenen Kissen und Kleinigkeiten im Raum sah es nicht anders aus. Alles, was zerstört werden konnte, war zerstört.
Kleine grüne Funken flogen um Harry herum, während dieser zu sich murmelnd durch den Raum stapfte.
Die Luft war geladen mit aufgestauter Magie und, um ehrlich zu sein, war Draco weniger erschrocken über Harrys Wutanfall sondern mehr verwundert über die Menge an Magie, die Harry durch den Raum fliegen ließ.
Er hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich wäre, vor allem da Harry erst vor weniger als zwei Stunden aus einem Koma erwacht war.

Die einzigste Person, von der Draco jemals gehört hätte, dass sie zu solchen Wutanfällen fähig war, war...
"Uh oh."
Blaise und Dominik sahen Draco entgeistert an. "Uh oh? Was heißt ,uh oh'? Ist das Malfoy-isch für ,Raus hier Jungs' oder so was in der Art?", piepste Dominik dann schon los.
"Was? Nein, mir ist nur..." Draco schloss seinen Mund. "Gar nichts. Vergesst es."

Dominik zuckte mit den Schultern und Blaise sah ihn noch kurz durchdringend an, beließ es dann jedoch dabei.
Und Draco schlug geistige Purzelbäume.
Die einzige andere Person mit solchen Wutanfällen war Voldemort. Zumindest hatte Draco Gespräche seines Vaters überhört und wenn er diesen Glauben schenkte regte Voldemort sich oft auf. Sehr oft.

Verhielten sich alle Quasi-Dunkle-Lords so? Oder nur Voldemort und Harry? Und wenn ja, wieso dann nur Voldemort und Harry? Oder tobte Dumbledore auch ab und zu so in seinem Büro?

oOOo

Harry ahnte nichts von den Ideen und Fragen, die sich in Dracos Kopf formten.

Er war damit beschäftigt Dumbledore und seine idiotischen Ideen in alle Himmelsrichtungen zu verfluchen, zusammen mit sich selbst.

Na schön, es war idiotisch von ihm gewesen, sich mit den Tränken zu helfen. Aber deswegen musste man ihm doch nicht gleich einen Therapeuten auf den Hals hetzen. Harry mochte und brauchte seine Privatsphäre, danke sehr, und sah nicht ein, warum er etwas davon aufgeben sollte.

Abgesehen davon... wie zum Teufel sollte er sich um alles kümmern, wenn er jeden Tag eine Stunde seines Lebens einem Therapeuten opfern sollte?

Und genau das hatte Dumbledore gesagt: Jeden Tag eine Stunde mit dem ,tollen' Therapeuten.

"HARRY JAMES POTTER!"

Die scharfe Stimme durchschnitt Harrys Rage wie ein Messer. Die grünen Funken in der Luft verschwanden, ein paar Holzsplitter und kaputte Tischteile, die gerade eben noch dank Harrys wildgewordener Magie durch die Luft geschwebt waren, fielen krachend zu Boden.

Im Eingang des Gemeinschaftsraumes stand ein sehr wütender Severus Snape.

Schneller als der aufgebrachte Lehrer es registrieren konnte waren Draco, Dominik und Blaise hinauf in die Schlafräume geflitzt.

"Es regen sich ständig Leute auf, das ist bekannt, aber, Potter, Schuleigentum zu zerstören ist nicht gestattet!"

Einige Sekunden lag starrte Harry Severus nur an, sprachlos. Seine Wut war momentan verflogen und er spürte eine tiefe Müdigkeit in seinen Knochen - plötzlich bemerkte er, dass er im Koma gelegen hatte.

Er schwankte leicht, hielt sich aber auf den Beinen und funkelte Snape wütend an. "Ich will keinen Therapeuten."

"Potter, ich fürchte was das angeht hast du nichts zu sagen.", kommentierte Severus trocken bevor er sich im Gemeinschaftsraum noch einmal umsah. "Allerdings hast du hier ja ganze Arbeit geleistet."

"Und ich bedauere das nicht, Professor. Soll Dumbledore sich doch runter bequemen und das Zeug wieder aufräumen. Tsk."

Severus schnaubte und schüttelte seinen Kopf. "Potter, du gehst jetzt ins Bett. Sofort. Es ist zwar noch früh, aber nach diesem Desaster hier wirst du den Schlaf brauchen. Morgen um 17 Uhr hast du deine erste Sitzung mit deinem Therapeuten und dafür solltest du ausgeschlafen sein. Je eher der Therapeut der Meinung ist, es geht dir gut, desto eher bist du ihn los."

Das klang logisch, beschloss Harry und nickte. "Den Gemeinschaftsraum räume ich trotzdem nicht auf.", rief er noch seinem Professor zu, bevor er in die Richtung seines Raumes verschwand.

Dieser stand nun inmitten des verwüsteten Zimmers und besah sich das Chaos.

Der Kleine kommt wirklich nach seinem Vater... Draco, Blaise und Dominik hatten Glück, dass Harry nicht menschliche Opfer zum Abreagieren benutzt. Ah, da fällt mir ein...

Mit einem selbstherrlichen Grinsen trommelte Severus die genannten Slytherins und einige andere zusammen und führte sie in den Raum.

"Mr. Potter ist, wie es sicherlich schon jeder weiß, wieder unter den Lebenden und wohlauf. Wofür dieses Chaos das beste Beispiel ist."

Severus ließ seine schwarzen Augen über die versammelten Slytherins gleiten. "Bis morgen früh ist das hier aufgeräumt und sauber."

Wenn Harry auch nur halb so gut ist wie sein Vater, wenn es darum geht loyale Anhänger auszusuchen dann werden sie es innerhalb einer halben Stunde aufgeräumt haben und es ihm gegenüber nicht mal erwähnen.

2ter Januar

Seit langer Zeit waren die Slytherins zum ersten Mal guter Laune.

Schon in den frühen Morgenstunden huschten sie durch den Kerker, summend, sich grinsend unterhaltend und nicht einmal der Gedanke an Ronald Weasley trübte ihre gute Stimmung.

Harry Potter war aus dem Koma aufgewacht und bei bester, temperamentvoller Gesundheit.

Der Gemeinschaftsraum war inzwischen schon wieder Tipp-Topp aufgeräumt: Die Sofas, Tische, Kissen und sonstige Dekoration standen repariert da, wo sie hingehörten und es gab nicht ein einziges Indiz, das an Harrys Wutausbruch erinnerte.

Natürlich wussten jedoch bereits alle Slytherins genauestens bescheid, was los war, genauso wie sie wussten, warum Harry im Koma gelegen hatte.

Und so geschah es, dass Harry, als er an diesem Morgen und nach seinem längsten Dauerschlaf, den er seit mehreren Monaten hatte, von Millicent Bulstrode mit einem magischen Allergietest konfrontiert wurde.

"Harry! Hier. Das ist ein Allergietest." Harry starrte entgeistert auf das Pergamentstück vor ihm. Oben rechts gab es ein Kästchen neben dem ,Blutprobe' stand und darunter eine lange Liste von Allergien.

Er war gerade erst in den Gemeinschaftsraum gekommen und noch etwas schläfrig, weswegen Millicents Worte erst einige Sekunden später registriert wurden.

"Bitte was?"

Die leicht dickliche Slytherin rollte bloß ihre Augen und holte eine kleine Nadel hervor.

"So. Damit stichst du dir jetzt in den Zeigefinger und dann lässt du einen Tropfen Blut hier in das Kästchen tropfen. Dann haben wir in fünf Minuten alle deine Allergien auf dem Zettel hier."

Sie lächelte. "Dann brauchen wir uns keine Sorgen darüber machen, dass du noch mal eine so schlimme allergische Reaktion zeigst."

Mehrere der umherstehenden Slytherins nickten bekräftigend und Harry sah ein, dass er das wohl oder übel machen musste.

Fünf Minuten später war er stolzer Besitzer eines abgeschlossenen Allergietests.

"So. Was sagt mir das jetzt?"

"Die Kästchen neben den Allergien zeigen an, ob du eine Allergie hast und wenn ja, wie stark sie ist.", erklärte Millicent. "Leeres Kästchen heißt keine Allergie, grünes Kästchen leichte Allergie. Orangenes Kästchen mittelschwere Allergie und rotes Kästchen heißt Allergie mit möglicherweise schweren Allergieschocks oder ähnlichem."

Harry nickte langsam. "Dann bin ich leicht allergisch gegen Farn, Mandeln, Zwieback, Wolfskraut,", hier hatte Harry den unschönen Gedanken eines Werwolfes mit allergischem Schnupfen und musste sich ein Grinsen verkneifen, "Sonnenblumenkerne und Pistazien. Eine mittlere Allergie gegen Silberfarn, Mondsichel und Krampfschneckenschleim sowie eine akute Feenstaubwurzelallergie."

Harry sah Millicent trocken grinsend an. "Heißa."

"Sei nett zu der Lady, das war eine sehr praktische Idee.", kommentierte Draco von Harrys linker Seite, während er auf den Zettel schielte. Nur um sicherzugehen, dass der sturköpfige Gryffindor-Slytherin keine Allergie verschwieg. Und tatsächlich - Harry hatte eine leichte Allergie gegen Honig.

"Allergisch gegen Honig bist du auch."

"Wenn du glaubst mir damit mein morgendliches Honigbrötchen nehmen zu können, werde ich dich an den nächstbesten Basilisken verfüttern, den ich finde.", gab Harry als trockene Antwort.

"Pass auf Draco,", piepste Dominik, "er würde tatsächlich einen finden."

Die Slytherins lachten.

T-T-T

Das Frühstück startete relativ harmlos. Harrys Anwesenheit war keine Neuigkeit mehr, obwohl mehrere der Schüler ihn neugierig anstarrten.

"Das Gerücht, dass du ne Überdosis hattest ist irgendwie durchgesickert, tut mir Leid.", wisperte Blaise Harry diskret zu.

Der störte sich nicht großartig daran. Sollten die anderen Schüler doch denken, was sie wollten.

Ron saß bereits selbstgefällig grinsend am Gryffindortisch, aber Harry schenkte dem Rothaarigen nicht einmal einen Blick. Tobias saß neben ihm - wie hätte es auch anders sein können? - und kurzzeitig war Harry versucht, eine Schlange zu beschwören, aber der Gryffindor konnte nun wirklich nichts für Harrys Missgeschick.

Dieses eine Mal hatte er sich wohl wirklich selbst reingeritten.

Später als sonst erschien endlich die morgendliche Post. Von ein paar Gesprächsfetzen, die Harry überhörte, hatte es in der Nacht ziemlich heftig geschneit und auch jetzt noch tobte eine Art leichter Schneesturm draußen. Daher die Verspätung der Eulen.

Draco bekam seinen morgendlichen Tagespropheten, den er gemächlich entrollte und aufschlug.

Dann blinzelte er mehrmals, gab Harry zwei, drei diskrete Blicke bevor er versuchte so auszusehen als wenn ihn nichts beunruhigen würde.

Dummerweise hatte Harry alles mitgekriegt.

"Was ist es jetzt schon wieder?", seufzte er.

"Nun ja..."

"Ließ doch einfach vor."

Draco räusperte sich und las mit einer ruhigen Stimme die Überschrift des heutigen Leitartikels vor.

"Der Junge der lebt... drogenabhängig?"

Harry stöhnte.

"Aus gut informierten Quellen gelang es einigen Reportern des Tagespropheten zu erfahren, dass Harry Potter nicht nur die letzten Wintertage in einem Koma verbrachte, nein. Der junge Zauberer hatte dieses Koma mit einer Überdosis von Drogen-Tränken selbst verursacht."

Draco stoppte kurz und las den Artikel weiter. "Geht im Prinzip so weiter... wieder Skeeter..." Er sah Harry an. "Vergiss das."

Harry schnaubte. "Mir kann's eh egal sein. Ich habe im Moment wirklich wichtigeres zu tun als mich um Rita Skeeter zu kümmern."

Blaise und Draco atmeten aus, als der von ihnen erwartete Wutanfall ausblieb.

Harry lehnte sich zurück und beobachte die Schüler in der Halle. Einige sahen ihn neugierig, andere bemitleidend und wieder andere unverhohlen wütend oder abfällig an.

Ja, wie tief man doch sinken konnte. Letztes Jahr noch ihr großer Held, dieses Jahr der leicht verrückte, drogenabhängige, gewalttätige Außenseiter.

Insgesamt war Harry amüsiert. Er machte sich eine mentale Notiz, neue Klamotten zu besorgen - am besten noch ausgefallenere - und genoss die ihm geschenkte Aufmerksamkeit. Er hätte es nicht für möglich gehalten, wie viel Spaß es doch machen konnte, Mittelpunkt seiner Mitmenschen zu sein. Vorher, als Held hatte er es gehasst - jetzt war es unterhaltsam.

Bewegung am Ravenclawtisch ließ Harry aus seiner Gedankenwelt zurückkehren.

Marcel Romanov, der Siebtklässler, der bereits mehreren Slytherins in Prügeleien gegen Gryffindors geholfen hatte, bahnte sich einen Weg zu Harrys Sitzplatz.

Erstaunlicherweise blieb er gut fünf Sitzplätze von Harry entfernt stehen und fragte den vor ihm sitzenden Dominik höflich: "Darf ich vorbei?"

Dominik sah Draco an, der kurz einen Blick mit Blaise austauschte und dann zu Dominik nickte. "Klar doch.", erwiderte der dann auf Marcels Frage.

Harry schnaubte und sah Draco mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

Waren er und Blaise jetzt also seine selbsternannten Bewacher?

Der Blonde lächelte leicht entschuldigend und sah dann zu Marcel.

Der Ravenclaw war groß, hatte kurzes, dickes, braunes Haar und dunkelbraune Augen. Seine Kleidung war dunkelblau, abgesehen von der schwarzen Schulrobe. Ob er die Farbe wegen seinem Haus oder aus Vorliebe trug, wusste Harry nicht , aber es stand ihm.

"Guten Morgen, Potter." Sein Ton war freundlich und höflich.

"Morgen Romanov."

Der Ravenclaw deutete eine leichte Verneigung mit seinem Kopf an.

"Ich wollte dir bloß eine schnelle und gute Erholung wünschen. Und dir etwas Mut zusprechen - das Gerede der Kleingeister ist eh uninteressant, aber ich denke, das weißt du." Der Ravenclaw lächelte leicht.

Harry antwortete mit einem Lächeln seinerseits. "Danke, das ist sehr nett von dir."

Marcel winkte ab. "Das ist blanke Höflichkeit." Wiederum verneigte er sich leicht. "Einen schönen Tag noch."

Mit diesen Worten nickte der Braunhaarige Blaise und Draco noch einmal zu und kehrte zurück an seinen Platz, wo er von seinen Freunden auch schon mit gewisperten Fragen bombardiert wurde.

"Ich mag den Typ.", kommentierte Blaise plötzlich.

Neben ihm fing Millicent an zu kichern und wisperte der ihr gegenüber sitzenden Pansy zu. Kurz darauf kicherten beide Mädchen wie verrückt.

Draco trank ungerührt seinen Kürbissaft und Harry beschloss, dass er erst lieber gar nicht wissen wollte, worum es da ging.

Am Gryffindortisch murrte Ron Tobias irgendetwas zu.

HR-HR-HR

Weit entfernt von all diesen Geschehnissen saß Percy Weasley in seinem Zimmer auf Burg Snape grübelnd über einem Stück Pergament.

Jeglicher Unterricht oder Übungen waren am heutigen Tag abgesagt worden, als Sirius die morgendliche Zeitung gesehen hatte und als Resultat daraus dazwischen hin- und hergerissen war, entweder die Reporterin, Snape oder seinen Patensohn ernsthaft zu verletzen.

Obwohl Percy bezweifelte, dass Sirius Harry wirklich etwas getan hätte.

Remus sah das ganze aber wohl anders und verbrachte den Großteil des Morgens damit, Sirius zu beruhigen.

Das gab Percy genügend Zeit, einen Brief zu überdenken, der schon lange überfällig war.

Im Moment hatte er bereits den wunderbaren und äußerst tollen Anfang:

Hallo Oliver

Danach prangte ein großer Tintenklecks auf dem Pergament.

Oliver Wood war eigentlich Percys einziger Freund.

Gewesen.

Oder war er sein einziger Freund?

Percy seufzte und schmiss den Federkiel durchs Zimmer. Er hatte nicht die geringste Lust sich heute mit so einem heiklen Thema zu befassen.

Sein Blick wanderte zu dem großen Fenster mit dem dahinterliegendem Balkon. Seitdem Harry in Hogwarts war, bewohnte Percy sein Zimmer. Aus einem unerklärlichem Grund gab es ihm ein gutes Gefühl, in einem Zimmer zu schlafen, in dem ein anderer Priester gewesen war. Das nahm ihm etwas von dem Gefühl der Isolation und Einsamkeit, das auch Sirius und Remus nicht ganz besiegen konnten.

Seinen Kopf auf seine Arme legend starrte Percy einfach aus dem Fenster.

Er brauchte irgendetwas konstruktives, dass er tun konnte... Er hatte noch nie gut mit zu viel freier Zeit umgehen können.

Auf einmal hallte ein ,Puck' durch den Raum und Percy sah, wie eine ältliche Eule an der Fensterscheibe hinunterglitt.

Er blinzelte.

War das etwa...?

Hastig stand er auf und öffnete die Tür zum Balkon. Und tatsächlich, dort auf dem Boden, leicht verwirrt und angeschlagen aber nichtsdestotrotz da, lag Errol.

"Errol!" Mit einem Handgriff hatte Percy die alte Eule aufgehoben und ins Zimmer gebracht. Behutsam legte er ihn aufs Bett und löste den Brief aus seinen Klauen.

Percy, mein liebes Luderbein!

Da macht man sich Sorgen um deine Wenigkeit und erfährt erst Monate nach dem Verschwinden seines Bruders vom drakonischen Geliebten des anderen Bruders, wo ungefähr du dich versteckt hältst! Ich bin enttäuscht!
Ach ja, wie gerade schon angedeutet: Unser lieber Charlie hat einen nicht-menschlichen Liebhaber. Er und ich sind neugierig, was Mutter und Vater DAZU sagen werden, ha.

Aber zu wichtigeren Themen: Wie geht es dir? Charlie und Ginny versichern mir dein Wohlbefinden, aber ich würde es doch lieber aus erster Hand hören bzw. lesen.
Falls dein jetziges Versteck zu brenzlig wird - was ich bezweifle, wenn du wirklich in dem Miniaturkönigreich von unserem lieben ehemaligen Lehrer untergekommen bist - bist du jederzeit bei mir willkommen!

Beste Grüße,
Bill

Ungebotenerweise musste Percy über Bills alten Scherz, die Anrede Luderbein, grinsen. Früher hatte Percy die Angewohnheit gehabt, Anfangsbuchstaben und Silben von aufeinanderfolgenden Wörtern zu verdrehen. So war aus Brüderlein Luderbein geworden und Bill hatte ihn mit dem Spitznamen ,gesegnet'.

Der Brief seines Bruders hob Percys Stimmung. Seinen Zauberstab aufnehmend rief er "Accio Federkiel!" und fing an, eine Antwort zu schreiben.

Bill, du Weltenbummler!

Wenn ich dir verraten hätte, wo ich wäre, dann wäre es kein Versteck mehr gewesen, nicht wahr?

Die Nachrichten von Charlies Liebhaber sind nicht wirklich Neuigkeiten für mich. Ginny deutete so etwas in dem letzten Brief an, den sie losschicken konnte.
Wie bist du eigentlich an Errol gekommen? Er vollführte eine Platsch-Landung an der Fensterscheibe meines Zimmers.

Mir geht es gut, wenn man die Umstände bedenkt. Wie du sicherlich schon weißt bzw. dir denken kannst genieße ich die Gesellschaft von Mr. Lupin und Mr. Black.

Ich schwöre dir, ich werde die Zwillinge nie wieder ein "Paar unverantwortliche Streichspieler" nennen. Wie es aussieht scheinen bei diesen beiden Streiche als eine Form der Kommunikation zu gelten. Glücklicherweise haben sie wohl verstanden, dass ich diese Art der Sprache nicht beherrsche und begnügen sich damit, sich gegenseitig die Haare und Kleidungsstücke einzufärben.

Wie geht es Harry? Remus musste Sirius zurückhalten nach dem heutigen Tagespropheten. Ihr... Informant in Hogwarts, unser generöser Gastgeber, muss ihnen wohl nicht die versprochenen Berichte pünktlich genug gesandt haben.

Richte ihm auf alle Fälle Genesungswünsche von mir aus.

Dein Bruder,

Percy

HR-HR-HR

Hogwarts war vor allen Dingen eins: Nie langweilig.

Da immer noch Ferien waren, tropften die Tage langsam vor sich hin. Die meisten Schüler waren gemütlich mit ihren verschiedenen Tätigkeiten beschäftigt.

Für Harry Potter bedeutete das, den neuesten Bericht über die Stille-Fürst Kampagne von Draco und Blaise abzuholen, seine verschiedenen Studien nachzuholen und Lucards Briefe mit Instruktionen über Ritualmagie nachzuholen sowie dem Lehrer eine Antwort auf den letzten zu schreiben.

In eben diesem bat der Professor um ein Treffen in persona - in Hogsmeade, sobald das Wetter etwas besser war und Harry sich erholt hatte.

Um ,den Fortschritt eines so vielversprechenden Schülers richtig einzuschätzen' und ,weitere Maßnamen festzulegen'.

Alles in allem hörte sich das sehr vielversprechend an.

Harry hatte es sogar geschafft, für mehrere Stunden den bevorstehenden Therapietermin zu vergessen - wo der Therapeut untergebracht war, wusste er gar nicht, nur, dass er sich um Punkt 17 Uhr im vierten Flur im Westflügel einzufinden hatte, wo ein leerstehender Klassenraum benutzt werden würde.

Aber auch dieses bevorstehende Ereignis regte Harry inzwischen kaum noch auf.

Was ihn dafür ärgerte, waren Blaise und Draco.

Die beiden hatten ihm keine ruhige Minute gelassen.

Oder besser gesagt: Wollten ihm zu viele ruhige Minuten lassen.

,Leg das Buch weg, Harry.'

,Du sollst dich nicht so anstrengen, Harry.'

,Das kann ich auch für dich tun, Harry.'

,Das kann doch bis morgen warten, Harry.'

Wenn das so weiterging würde er sich sogar über seine Therapiestunde freuen.

"Draco, ich schwöre dir, noch ein Wort und ich gehe und suche diesen Basilisk!"

Der Gemeinschaftsraum wurde kurz etwas ruhiger, die Gespräche der anderen sanken auf ein Hintergrundmurmeln, bevor die Lautstärke wieder anschwoll.

"Harry, wir wollen dich ja nicht bevormunden, nur etwas... entlasten.", versuchte der Blonde seinen Freund zu beschwichtigen.

"Na, dann entlaste mich mal von eurer Anwesenheit." Abrupt stand der Schwarzhaarige auf und wieder murmelten die anderen Slytherins nur noch.

"Ich gehe jetzt hoch in die Bibliothek - allein!" Der Blick in seinen Augen sagte klipp und klar, dass ein Basilisk noch das geringste Problem desjenigen ein würde, der sich ihm in den Weg stellte.

Auf dem Weg zur Bibliothek und in der Bibliothek selber begegneten Harry kaum Schüler. Das war nicht erstaunlich. Wer verbrachte schon seine Ferien in der Bibliothek?

Marcel Romanov anscheinend.

Der Ravenclaw saß, seine Nase tief über ein Buch gebeugt, an einem der Fenster der Bibliothek und murmelte anscheinend leise vor sich hin.

Das ist besser als gar keine Gesellschaft... außerdem, vielleicht kann man ihn zu einem Schatten machen. Schlau ist er und anscheinend ist er gegen Ronald. Einen Versuch ist's wert.

Sich ein Buch über Werwölfe grabschend setzte Harry sich gegenüber von Marcel hin.

"Du hast doch nichts dagegen, wenn ich hier sitze?"

Der Braunhaarige sah auf und lächelte. "Nein, überhaupt nicht."

Die ersten Minuten lang war nur das Geräusch vom Umblättern der Buchseiten und Marcels stetes, sehr leises Gemurmel zu hören.

Ein diskreter Blick über seinen Buchrand verriet Harry, dass der Ravenclaw irgendein Buch Arithmetik las.

Harry las ein paar Abschnitte seines Buches und fragte sich, wie mein freiwillig ein Buch über Mathematik lesen konnte.

"Das Buch ist kompletter Mist."

Harry blinzelte. "Wie bitte?"

Marcel grinste und deutete auf das Buch über Werwölfe. "Totaler Mist. Der Autor hat keine Ahnung."

Harry klappte das Buch zu. "Ich gebe zu - ich hab's sowieso nicht wirklich gelesen."

"Lass mich raten - deine Freunde lassen dich nicht aus ihren Augen?"

Harry blinzelte erneut. "Ja, genau. War das so offensichtlich?"

Marcel lachte leise. "Nein, eher ein Glückstreffer meinerseits." Der Braunhaarige hob beide Augenbrauen. "Und ich kam natürlich nicht umhin, den kleinen Slytherin da hinten zu bemerken, der mich anstarrt als würde ich dir Zyanid verabreichen wollen."

Harry drehte seinen Kopf in die von Marcel angedeutete Richtung und sah Dominik mit einem Buch in der Hand nahe der Tür sitzen.

Der Kleine wurde leicht rot und hatte genügend Taktgefühl, beschämt auszusehen.

Harry stöhnte. "Sehe ich denn aus als wenn ich eine Puppe wäre?"

Marcel studierte ihn einen Augenblick lang und meinte dann: "Nein. Du siehst aus, wie eine Puppe, die sehr hart versucht, nicht wie eine Puppe auszusehen."

Harry blinzelte. Zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten.

Der Typ war interessant.

Marcel lächelte noch einmal und schloss dann sein Buch. "Ich würde mich gerne noch weiter unterhalten, aber ich ende nur ungern als Schlangenfutter - und meine Schwester wartet im Ravenclawturm auf mich."

"Auf bald.", verabschiedete Harry sich.

Wieder verneigte Marcel leicht seinen Kopf, stellte das Buch zurück ins Regal und verließ die Bibliothek.

Harry schüttelte seinen Kopf.

Der Typ war wirklich komisch.

T-TT-TT-T

"Und? Wie war dein erster ,echter' Eindruck von ihm?"

"Da gab es nicht sehr viel, was einen Eindruck hinterlassen konnte. Die bewachen ihn mit Adleraugen."

"Soll das heißen, du hast gar keinen Eindruck? Das glaub ich dir nicht."

"Hm... Intelligent ist er auf jeden Fall. Und ich behaupte, es steckt mehr in ihm als auf den ersten Blick auffällt."

"Du magst ihn."

"Er bekennt sich öffentlich als Werwolf-Unterstützer. Natürlich mag ich ihn."

"Er trägt ja auch Knockturn Alley Straßenkleidung, schmeißt mit Messern um sich und zaubert sich selbst ins Koma, wenn man den Gerüchten glaubt. Der Kerl ist verrückt."

"Umso besser. Wirklich großer Wahnsinn kann nicht erreicht werden ohne signifikante Intelligenz."

XTXTXTXTXTX

Der Zeitpunkt war da.

17 Uhr Nachmittags.

Vierter Flur im Westflügel.

Harry stand in der Mitte des Steinflurs.

Und es war kein Schwein zu sehen.

Ja glauben die denn, ich mache das hier zum Spaß oder was? Verpassen mir einen Therapeuten und niemand kommt?

Missmutig lehnte er sich an die Steinwand und schloss die Augen. Wenige Minuten fing die ihm gegenüber auf einem kleinen Podest stehende Ziervase an, leicht zu schweben.

Schweben... schweben...

"Ah, Harry!"

Die Vase fiel plötzlich mit einem lauten 'Klong' auf ihren Platz zurück und ein leichter Riss zeichnete sich an ihr ab.

Harry öffnete überrascht die Augen, und sah, dass Dumbledore gerade um die Ecke gekommen war.

Scheiße. Wie viel hat er gesehen?

Der alte Zauberer kam lächelnd näher. "Wie ich sehe warst du pünktlich. Sehr schön. Nun, dein Therapeut ist bereits in eurem Therapiezimmer für die nächste Zeit. Ich hoffe, du hast nicht zu lange gewartet - Professor McGonnagal brauchte kurzzeitig meine dringende Unterstützung."

Harry zwang sich zu einem Lächeln. "Aber das ist doch kein Problem, Professor. Ich soll mich ja eh noch schonen."

Der Schulleiter nickte, immer noch freundlich lächelnd. "Na dann, folge mir bitte."

Innerlich seufzend folgte Harry Dumbledore in einen Klassenraum unweit von ihnen entfernt.

Das erste, was ihm beim Betreten des Raumes auffiel, war die Ausstattung.

Offensichtlich sollte er sich hier ,entspannt' fühlen.

Alle Tische und Stühle waren herausgeräumt worden. Der Boden war überzogen mit einem weichen, flauschigen, hellroten Teppich. Überall im Raum standen verschiedene Pflanzen und Gewächse, das Licht war angenehm und leicht gedämpft.

In der Mitte des Raumes war eine Art Liege, wie Harry sie sich schon immer für einen Muggel-Therapeuten vorgestellt hatte und daneben ein Schreibtisch mit einem weichen Plüschsessel.

An der Wand gegenüber des Schreibtisches hing ein großes Bild von einer Waldlandschaft, in dem zwei Rehe grasten.

Harry hatte das ungute Gefühl, dass in diesem Bild midnestens eine Person für Dumbledore spionieren würde.

Erst nach dieser Inspektion der Umgebung fiel Harrys Blick auf seinen am Schreibtisch stehenden Therapeuten. Sein Atem stockte.

"Mr. Potter, darf ich vorstellen: Ihre Therapeutin Miss Therese Umbridge."

Die Frau wirkte in ihrer unscheinbaren, dunkelbraunen Robe und mit ihrer zierlichen Gestalt fast harmlos, doch der Name sagte Harry vorerst genug.

Oh NEIN!

Therese Umbridge zeigte mit einem blendenden Lächeln einen Reihe blitzender Zähne.

"Guten Tag, Harry." Wie aus einer Pistole geschossen streckte sie ihm die Hand entgegen.

"Ich hoffe, dass wir uns gut verstehen werden."

Sein Temperament im Zaum haltend schüttelte Harry ihr vorsichtig die Hand.

"Da bin ich ganz ihrer Meinung, Miss Umbridge."

Denn Draco und Blaise reißen mir den Kopf ab, wenn ich mich über sie aufregen werde., fügte der Nicht-so-ganz Gryffindor hinzu.

Dumbledore ,hmmte' fröhlich in seinen Bart. "Nun, dann werde ich euch beide mal allein lassen und wünsche euch frohes Gelingen." Mit diesen Worten machte der Zauberer kehrt und verließ den Plüsch-Raum.

Umbridge sah Harry an, immer noch ihr Lumos-Lächeln auf den Lippen.

"Warum setzt du dich nicht auf die Liege? Du brauchst dich nicht hinlegen, Harry, sitzen reicht."

Mit seinen gesamten Sinnen ,En Garde' tat Harry wie ihm geheißen.

Die Liege war erstaunlich weich und plüschig, was seinen Eindruck von dem Plüsch-Raum nur noch erweiterte.

Umbridge setze sich ihm gegenüber hinter ihren mit Pergament, Federkiel und kleinen Büchern bestückten Schreibtisch und lächelte ihn erneut an.

Das Lächeln ging Harry langsam auf die Nerven.

"So... warum du hier bist, brauche ich wohl nicht zu wiederholen. Na... fangen wir einfach mal ganz entspannt an, hm? Erzähl mir doch mal was über dich."

Harrys Augenbraue zuckte nervös. "Was soll ich denn erzählen?"

Umbridge vollführte eine lässige Handgeste. "Einfach das, was dir in den Sinn kommt. Einfach was über dich."

Harry lehnte sich etwas zurück. Es war ihm kurz in den Sinn gekommen, gar nichts zu sagen aber wenn er nicht kooperierte würde er Umbridge 2 nie los werden.

"Egal was? Na schön...
Mein Name ist Harry James Potter, aber das dürfte ihnen bekannt sein. Ich bin 15. Am liebsten esse ich zum Frühstück Honigbrötchen, obwohl ich eine leichte Allergie dagegen habe. Ich mag fast alle Fächer, die ich habe obwohl ich nicht alle Lehrer mag."

Harry kratze sich am Kinn.

"Ich habe viele Freunde und bin Frühaufsteher. Ich lerne gerne, sofern mich das Thema interessiert. Meine Lieblingstiere sind Spinnen, Schlangen, Raben, Hunde und Wölfe..."

"In Ordnung, in Ordnung, du kannst stoppen." Das Watt-Lächeln war zurück, diesmal lediglich etwas gequälter.

"Das ist alles sehr informativ, aber kommen wir doch wieder etwas näher an deine Probleme."

Umbridge 2 las kurz etwas auf einem kleinen Stück Pergament vor sich und schaute dann wieder zu Harry.

"So. Ich habe nur kurz mit Schulleiter Dumbledore und deiner Hauslehrerin gesprochen. Erste Eindrücke hole ich mir meistens vom Patienten selbst."

Sollte das Harry beruhigen?

"Fangen wir mal an mit deinem Frühaufstehen und deiner Lernwut."

Watt-Lächeln.

"Einer der Gründe, warum du hier bei mir bist ist wohl, dass du dich selbst bis zu einem Zusammenbruch gearbeitet hast."

Harry nickte. Das war tatsächlich sehr dumm von ihm gewesen und er würde es in Zukunft vermeiden.

Sofern möglich.

"Ich hab' mich einfach etwas übernommen." Begleitet wurde dieser unschuldige Ausdruck mit einem Schulterzucken.

"Das liegt auf der Hand, Harry. Wir wollen die Ursachen dafür ergründen."

Nein, das wollen sie.

Anstatt dies zur Antwort zu geben zuckte Harry bloß erneut mit den Schultern.

"Ich wollte halt zuviel auf einmal. Ich hätte wohl nicht gleich für alle Fächer gleichzeitig lernen sollen und mir stattdessen zwischen durch Pausen gönnen sollen."

Umbridge 2 seufzte leicht und wühlte in ihre Notizen.

"Harry, ich habe eine Kopie deines medizinischen Berichts. Du hattest eine sehr hohe Menge Aufputschtränke im Blut und warst magisch total erschöpft.

Das erscheint mir mehr als nur intensives Lernen für die Schule zu sein."

Harrys Augenbrauen zuckten nervös. Wenn das so weiter ging würde er am Ende seiner Therapie-Behandlung einen Augenbrauen-Tick haben.

Er versuchte es mit einem hoffentlich charmanten Lächeln seinerseits.

"Ich bin eben etwas... ehrgeizig."

"Hm..." Erneut wurden die Notizen durchwühlt.

"Das sieht man. Deine Noten in deinen Fächern sind fast alle ,Außergewöhnlich'... selbst in so schwierigen Fächern wie Rituale, Verteidigung gegen die dunklen Künste oder Zaubertränke...

Trotzdem scheinst du noch andere... sagen wir, interessantere Verhaltensweisen zu haben. Ich habe mir schon gedacht, dass unser erstes Gespräch recht locker bleiben wird, daher bitte ich dich, diesen Fragebogen einfach auszufüllen."

Mit diesen Worten reichte Umbridge 2 ihm ein Stück Pergament und einen Federkiel.

"Setz dich einfach hier hin, kreuz deine Antworten an und gib mir dann den Bogen. Lass bitte keine Frage aus. Und dann sind wir für heute schon fertig."

Harry stutzte. Ein Fragebogen? Wo war er hier? Therapeuten, die Umfragen veranstalteten? Was kam als nächstes? Dumbledore ohne Bart?

Aber er wollte die Therapeutin weder verärgern noch diese zeitverschwendende Untersuchung weiter herauszögern, daher tat Harry, wie ihm geheißen.

Trotzdem hatte er dieses mulmige Gefühl, dass seine Therapie noch interessant werden würde - und nicht unbedingt in einem guten Sinne.

A/N:

"Wirklich großer Wahnsinn kann nicht erreicht werden ohne signifikante Intelligenz."
"Truly great madness cannot be achieved without significant intelligence."

• Henrik Tikkanen

Den Fragebogen, den Harry ausfüllt, werde ich (sobald ich das mit dem Code-Schreiben hinkriege) als Test, den man nehmen kann, auf meiner Homepage anbieten. Inklusive Ergebnisse g Man verzeihe mir diese kleine Un-Therapeutische Methode. Mir ist noch kein echter Therapeut untergekommen, der Fragebögen benutzt.