Heaven & Hell Teil 2 Kapitel 9: Soziales Verhalten & Dessen Auswirkungen

"Words without actions are the assassins of idealism."
"Worte ohne Taten sind die Mörder des Idealismus."

- Herbert Hoover

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Nach nur zwei weiteren Tagen von „Therapie" war Harry davon überzeugt, dass Umbridge 2 keinen Deut besser war als Umbridge 1.
Sein Test der ersten Stunde hatte ein „aggressives Verhalten mit Hang zur Neurose oder Paranoia" ergeben und nun schien die Dame des Watt-Lächelns damit beschäftigt zu sein, ihn zu „heilen".
Natürlich fragte ihn mal wieder niemand, ob er geheilt werden wollte.
Und ehrlich – aggressiv, Neurose, Paranoia? Hörte sich eher an wie Voldemort anstatt er.

Was jedoch weitaus störender war als diese Therapeutin – deren Verwandtschaft mit Umbridge 2 Harry noch klären musste – war, war Draco.
Nur weil Harry einmal etwas… unverantwortungsbewusst mit Tränken umging, ließ der junge Malfoy gleich sämtliche Tränke im Slytherinkerker „Harry-sicher" wegsperren. Als wenn Harry den gleichen dummen Fehler zwei Mal begehen würde!
Und Blaise war keinen Deut besser, abgesehen davon, dass er nicht so offensichtlich war. Allerdings reichten drei strategisch günstig platzierte Broschüren über „sicheres Trankverhalten", damit Harry den Wink mit dem Zaunpfahl mitbekam.

Deshalb saß er jetzt auf einem Querbalken im Astronomieturm und versuchte, ein wenig von der Ruhe zu kriegen, die Pomfrey ihm verordnet hatte. Im Kerker war davon ja nichts zu erwarten.

Das einzig praktische an der ganzen Sache war wohl, dass Harry in der ersten Schulwoche nach den Ferien vom praktischen Unterricht befreit war, da dieser seine magischen Kräfte noch zu sehr angreifen könnte, wie Pomfrey gemeint hatte. Also würde er die erste Wochen nur die Notizen der Stunden von Draco, Blaise oder sonst wem kriegen und gar nicht erst erscheinen. Der Großteil des Unterrichts war doch eh sinnlos, wenn man nichts Praktisches machen konnte.
Mit Ausnahme von Umbridge 1 Unterricht vielleicht, aber den konnte Harry sich getrost sparen, da er eh immer sinnlos war.

Zufrieden seufzend streckte Harry sich auf dem Balken aus und ließ einen seiner Arme herunter baumeln.

Die Querbalken des Astronomieturms verliefen gut 3 Meter über dem Turmboden quer durch den Raum und waren eine zusätzliche Stütze zu den Strebebalken, die schräg nach oben zur Spitze verliefen und das Dach stützten. Auf seiner Suche nach einem ruhigen Ort hatte Harry diese Balken entdeckt und da Menschen, sogar wenn sie etwas gezielt suchten, nur selten nach oben schauten, war er kurzerhand hinauf geklettert. Seine Arme beschwerten sich jetzt zwar über die Kletterpartie, aber das war es wert gewesen.

Er wusste nicht, wie lange er dösend auf dem Balken gelegen hatte, als laute Stimmen ihn aus seinem Halbschlaf aufschrecken ließen.
Das Kichern eines Mädchens und die selbstsichere Stimme eines Jungen.

'Salazar bewahre, ausgerechnet wenn ich meine Ruhe haben will taucht hier ein Pärchen auf…', stöhnte Harry innerlich und zog seinen Arm hoch, damit er nicht gesehen werden konnte.

Zu seiner Überraschung betrat Tobias McLough den Raum mit einem etwas älteren Mädchen aus Ravenclaw, Harry schätzte sie auf Sechst- oder Siebtklässlerin ein.
Das Mädchen war offensichtlich von Tobias angetan und schmiegte sich an seine Seite während er besitzergreifend einen Arm um ihre Taille geschlungen hatte.
Harrys grüne Augen beobachteten die beiden aus der Höhe, während Tobias das Mädchen in eine Ecke des Turms führte und anfing sie zu küssen.

Das Mädchen lächelte und erwiderte den Kuss und Harry schaute blinzelnd zu.
Die beiden wollten doch wohl nicht etwa…?

Doch, sie wollten.

Tobias presste das Mädchen gegen die Turmwand und ließ eine seiner Hände ihren Körper hinab wandern. Sie legte ihre Arme um ihn und zog ihn noch näher zu sich.
„Hoffentlich ist dein Bruder uns diesmal nicht gefolgt…", kommentierte Tobias zwischen zwei Küssen.
„Keine Sorge. Wir haben Zeit.", antwortete das Mädchen und ließ eine ihrer Hände in Tobias Hose gleiten.
Tobias stöhnte und das Mädchen öffnete mit ihrer anderen Hand ihre Bluse wonach Tobias sofort anfing, ihre Brüste zu küssen und liebkosen.

Harrys Kopf verfärbte sich langsam rot und verzweifelt suchte er nach einem Ausweg aus dem Turm. Tobias McLough wollte er nicht beim Sex beobachten.

Sein Retter kam in Gestalt eines Ravenclaws.
„Sonya!"

Der aufgebrachte Schrei ließ die beiden Turteltäubchen auseinander springen und innerlich dankte Harry seinem Retter.
„M-M-Marcel.", stammelte die ausgerufene Sonya und versuchte vergeblich, ihre Bluse zu zuknöpfen.
Marcel Romanov marschierte mit einer kalten Wut in seinen Augen in den Astronomieturm. „Ich hatte dich doch gebeten, dich von ihm fernzuhalten!"
„Ja und? Soweit ich weiß ist es immer noch meine Angelegenheit, mit wem ich ausgehe oder nicht."

Als sie sich gegenüber standen, wurde Harry sofort klar, das sie Geschwister waren. Sie hatten beide das selbe braune Haar und die gleichen Augen. Selbst von der Statur her sahen sie sich sehr ähnlich.
„Du solltest deine Schwester lieber in Ruhe lassen, Romanov. Sie kann für sich selbst entscheiden", mischte sich Tobias in den Streit ein und stellte sich schützend vor seine Freundin. Harry begann, langsam über den Balken in Marcels Richtung zu kriechen.

„Sofern meine Schwester nicht in der Lage ist, vernünftige Entscheidungen zu treffen werde ich sie für sie treffen!", konterte Marcel.
„Marcel! So langsam reicht mir das! Ich beschwer mich doch auch nicht wenn du dich mit diesen… Schlangen unterhältst."
Bruder und Schwester starrten sich wütend an und Tobias Hand wanderte zu seinem Zauberstab. „Ich warne dich, Romanov…"

Harry verharrte auf dem Balken. Marcel konnte gut auf sich selbst aufpassen… außerdem… das könnte ja noch mal nützlich werden.
„Wovor warnst du mich? Vor deiner grenzenlosen Dummheit? Danke, die habe ich schon vorher bemerkt." Marcel schnaubte abfällig. „Na gut, wenn meine Schwester sich mit etwas wie dir anstecken will, kann ich wohl oder übel wirklich nichts tun. Aber erwarte keine Hilfe von mir, Sonya, wenn du wegen dem da in die Klemme gerätst!"
Marcel gab Tobias noch einen niederträchtigen Blick, drehte sich um und entschwand aus dem Turm.

Einige Sekunden lang standen Tobias und Sonya nur da, dann legte Tobias seinen Arm um Sonya und zog sie zu sich. „Dein Bruder ist ein Arschloch, tut mir Leid dass ich das so sage aber…"
Sonya nickte nur. „Du hast ja recht. Kannst du dir vorstellen, dass er tatsächlich diesem Potterjungen helfen will? Wie schrecklich ist das?"
„Schrecklich genug. Aber weißt du was, wir gehen in den Gryffindorgemeinschaftsraum. Ron wird das sicherlich gut heißen, wenn ich ihm von deinem Bruder erzähle."
Langsam setzten sich die beiden in Bewegung, Tobias mit dem Arm um Sonya gelegt und den anderen auf seinem Zauberstab.

Harry wartete, bis er sich sicher war, dass sie weit genug weg waren, bevor er vorsichtig vom Balken kletterte und seine Kleidung vom Staub frei klopfte.

Draco würde diese kleine Episode sicherlich interessieren.

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Und wie sie ihn interessierte. Allerdings nicht auf die Art und Weise, wie Harry zuerst vermutet hatte.

„Harry! Bist du verrückt! Was, wenn sie dich gesehen hätten. Was, wenn du vom Balken gefallen wärst. Warum bist du da überhaupt drauf geklettert? Du bist erst vor kurzem aus dem Krankenflügel gekommen!"

Das war die Predigt, die der Blonde seinem Freund und ‚Grauem Lord' gab, als dieser mit den Neuigkeiten in die Slytherinkerker zurückkehrte.

Harry rollte mit seinen Augen. „Draco, bitte reg dich nicht so auf. Es ist nichts passiert und es wäre auch nichts passiert."

Der Blondschopf aber kreuzte nur seine Arme auf seiner Brust und setzte sich neben Harry auf eine Couch im Gemeinschaftsraum.

„Jetzt ist es auch egal. Was viel wichtiger ist – wir müssen bei diesem Romanov aufpassen. Wenn seine Schwester schon mit McLough ausgeht, dann kann alles mögliche mit ihm los sein.", kommentierte der Malfoy schließlich.

Harry runzelte seine Stirn. „Ich glaube nicht, dass er mir was will, Draco. Er schien wirklich wütend über die Beziehung zwischen seiner Schwester und dem zu sein."

Draco winkte ab. „Das heißt gar nichts."

Harry seufzte und gab dem Blonden keine Antwort darauf. Sein Freund war nun mal etwas übervorsichtig, damit konnte man leben.

„Scheiße. Meine Therapie fängt in fünf Minuten an.", murmelte Harry plötzlich, als er einen Blick auf seine Uhr warf.

Draco, der schon wieder in seinen Überlegungen versunken war, sah auf. „Wir könnten diese zweite Umbridge ja ein wenig… beschäftigen, wenn du etwas freie Zeit willst, Harry." Zwei nahestehende Siebtklässler, die ein Magazin lasen, hörten Dracos Kommentar und signalisierten Draco sofort, dass sie bereit wären für eine mögliche… Aufgabe.

Harry winkte grinsend ab. „Danke, das ist zwar nett von euch, aber das nützt auf die lange Zeit gesehen ja doch nichts. Je eher ich diese Frau davon überzeuge, dass ich gesund oder unheilbar bin, desto eher bin ich sie los."

Sein Freund seufzte und nickte, die beiden Siebtklässler widmeten sich wieder ihrem Magazin.

Und Harry machte sich auf den Weg in den sogenannten Plüsch-Raum.

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Mit einer leichten Verspätung kam er in dem selbigen an. Umbridge 2 wartete bereits auf ihn und lächelte von ihrem Stuhl aus, als er den Raum betrat.

„Ah, da bist du ja, Harry."

Harry zuckte mit den Schultern. „Wurde kurz von einem Freund aufgehalten."

Etwas müde von den Geschehnissen des Tages setzte er sich mit einem kleinen Plumps hin.

„Und worüber reden wir heute?", wollte er dann gelangweilt wissen.

Umbridge 2 seufzte. „Harry, ich denke heute sollten wir langsam anfangen mit der richtigen Therapie. Das heißt nichts schlimmes," sie lächelte wieder, „aber so langsam müssen wir über ernstere Themen sprechen. Fangen wir doch mal an mit deinem Unterricht."

Harry sah sie an und runzelte die Stirn. „Äh… ja?"

„Zuerst… ich denke, du solltest mich Therese nennen. Schließlich nenne ich dich ja auch Harry. In Ordnung?"

Der Schwarzhaarige nickte stumm.

„Na dann… also, Harry. Hast du irgend ein Fach, dass du am allerliebsten hast?"

Harry dachte kurz nach. Verteidigung? Latein? Ritualmagie?

„Zaubertränke.", war es schließlich, was er sagte. Harry blinzelte. Das war tatsächlich sein Lieblingsfach, aber warum war ihm das nicht früher aufgefallen…?

„Zaubertränke also. Professor Snape unterrichtet das, nicht wahr? Was magst du denn besonders an dem Unterricht?"

„Die erholsame Ruhe beim Tränkerühren. Das ist sehr entspannend." Umbridge lächelte. „Dann hast du wohl keine Probleme im Unterricht?"

„Nein, eigentlich nicht. Die meisten meiner Tränke kriege ich so halb gut hin." Und jetzt wo die Slytherins ihn nicht mehr sabotierten ging war der Unterricht ja wirklich gut auszuhalten...

Therese nickte und fing an, Notizen zu machen, während sie ihm weitere Fragen stellte.

Eine Stunde später verließ Harry den Plüsch-Raum. Sie hatten die ganze Zeit lang nur über Unterricht und Harrys Mitschüler geredet und Harry konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was sie daraus machen würde.

Etwas müde schlurfte er langsam durch die Korridore auf seinem Weg in den Kerker. Angst vor Gryffindors oder ‚Scherzen' hatte er keine, er wusste, dass Draco ihm immer drei Slytherins als ‚geheime Eskorte' mitschickte. Nur für den Fall, dass einige Harry-Gegner seine jetzige Schwäche ausnutzen würden.

Natürlich zeigten die drei sich nicht, da jedem Slytherin bekannt war, dass Harry seine Freiheit schätzte. Aber sie waren da und manchmal, in Augenblicken wie diesen, wenn Harry sich darüber freuen konnte, unachtsam zu sein, waren sie praktisch.

Doch wahrscheinlich trauten sich eh nur einige ‚furchtlose' Schüler an Harry heran. Zumindest glaubte Harry dass, da ihn noch nie jemand großartig behelligt hatte, wenn er ‚alleine' unterwegs war.

Als er wieder im Gemeinschaftsraum ankam, suchte er sich eine freie Couch und machte es sich auf dieser bequem.

Draco und Blaise kümmerten sich um die Schatten, Ginny und die Zwillinge um Nevilles kleine Gryffindorgruppe gegen Ron. Die neueste Post von Lucard war bereits beantwortet und ein Treffen in der zweiten Schulwoche nach den Ferien ausgemacht.

Kurzum: Harry hatte Auszeit.

Er zog seine Schuhe aus, drehte sich so lange bis er gemütlich lag und schloss die Augen.

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„Sch, leise, sonst weckt ihr ihn."

„Ja aber sollten wir ihn nicht wecken? Er kann doch nicht hier durch schlafen!"

„Warum nicht? Wenn es gemütlich ist und er schläft, dann wecken wir ihn nicht auf, sag ich!"

„Aber Draco wird das nicht sehr mögen, wenn er nicht bei ihm und Blaise im Raum schläft."

Diese lebhafte, wenn auch geflüsterte, Diskussion war es, was Harry aus seinem kleinen Nickerchen weckte. Blinzelnd gähnte er und setzte sich auf.

Drei Slytherins, Millicent Bulstrode mit eingeschlossen, standen vor ihm und lächelten etwas verlegen.

„Ähm… tut uns Leid, wenn wir dich geweckt haben."

Harry gähnte noch einmal. „Egal. Wenn ihr es nicht getan hättet, hätte Draco es getan um mich ins Bett zu kriegen." Und mit diesen Worten zog Harry seine Schuhe an und schlurfte in den Raum, den er sich mit eben besagtem Slytherin teilte.

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Der Rest der Ferien ging auf diese Weise weiter: Harry erschien zur Therapie, lernte soweit er konnte fleißig weiter und übernahm nach und nach Stückchenweise wieder seine Aufgaben als stiller Fürst – was nicht wirklich viel war, abgesehen von den regelmäßigen Lernanweisungen an die Jungschatten.

Therese entwickelte sich erstaunlicherweise zu einer angenehm aushaltbaren Person, ganz anders als ihre Schwester. Sie blieb immer höflich gegenüber Harry und als Dumbledore nach einer Stunde bei ihr auftauchte, verweigerte sie ihm jede Aussage über Harrys Zustand, da dass ihrer Meinung nach gegen die Diskretion eines Therapeuten wäre.

Harry erfuhr außerdem, dass sie für die Zeit der Behandlung in Hogsmeade wohnte und die jüngere Schwester von Umbridge 1 war.

Die Therapie bei ihr war zwar nicht Harrys Lieblingszeit, aber angenehm genug.

Das erstaunlichste war, dass sie tatsächlich half.

Therese war schon nach kurzer Zeit der Meinung, dass Harry viele aufgestaute Gefühle hatte, und diese viel zu selten zeigte. Daher seine hin und wieder passierenden ‚Wutanfälle', wenn denn nun doch etwas kam, was das Fass zum Überlaufen brachte.

Er sollte seinen Gefühlen ‚freien Lauf' lassen.

Harry musste innerlich immer grinsen, wenn er daran dachte. Das würde nämlich bedeuten, dass er immer dann jemanden verletzen müsste, wenn er Lust dazu hatte. Und so sehr ihn diese Sache erfreuen würde – ein toter Tobias McLough zum Beispiel wäre wirklich entspannend – war es leider nicht wirklich praktikabel.

Obwohl Draco schon hatte anklingen lassen, dass man sicherlich ein Alibi und anderes arrangieren könnte. Der Blonde schien Tobias und Ron genauso wenig zu mögen wie Harry.

Doch das war nun mal unmöglich und so begann die erste Schulwoche nach den Ferien auf Hogwarts, ohne den Jungen-der-lebte.

Es war Montag und Harry hatte heute schon um 10 seine Therapiestunde.

Ausgeschlafen und gesättigt erschien er im Plüsch-Raum und setzte sich Therese gegenüber hin. „Morgen!"

Therese lachte. „Na, da hat aber jemand gute Laune heute!"

Harry grinste und zuckte mit den Schultern. „Jeder grummelt über die wieder beginnende Schule, nur ich nicht. Ist mal was feines."

„Ich hätte nicht gedacht, dass du dich sonst über die Schule beschweren würdest, Harry. Du scheinst doch den Unterricht zu mögen."

Harrys Lächeln starb. „Das sind zwei verschiedene Dinge."

Das war auch etwas, was er in letzter Zeit öfters machte. Er brach Gespräche mit komischen Bemerkungen ab.

Therese lächelte und zog ein Blatt Pergament hervor. „Heute spielen wir ein Assoziationsspiel, Harry. Ich werde hier gleich eine Reihe von Wörtern vorlesen und du sagst mir bitte jedes Mal das, was dir zuerst dazu in den Sinn kommt."

Harry nickte. Das war etwas neues. Assoziationsfragen hatte er vorher nur in diesem komischen Test gehabt.

„Also gut… Bett."

„Schlaf."

„Federkiel."

„Schrift."

„Netz."

„Spinne."

„Vollmond."

„Remus." Hier kritzelte sie angestrengt etwas in ihr Notizbuch.

„Mädchen."

Harry stockte kurz. „Weiblich?" Wieder folgte angestrengtes Gekritzel.

„Junge."

„Onkel." Das erzeugte auch eine Menge Gekritzel und Harry musste fast grinsen, als ihm einfiel, dass sie daraus wahrscheinlich keinen Sinn machen konnte – von den Dursleys hatte Harry ihr nicht das geringste erzählt.

„Licht."

„Schatten." Erneut viele neue Notizen.

„Dunkelheit."

„Finsternis."

„Unterricht."

„Lehrer."

„Freunde."

„Slytherins."

„Schlaf."

„Erholung."

„Feinde."

„Wiesel." Das erzeugte eine wirkliche Flut von Gekritzelei, und Harry konnte sich nur sehr schwer das Grinsen verkneifen.

„Liebe."

„Schwer."

„Hass."

„Dursleys." Und einige andere tausend Wesen mehr, aber Harry wollte Therese nicht so lange aufhalten.

„Familie."

„Schlange." Diese Antwort überraschte selbst Harry, aber irgendwie machte es Sinn. Die Slytherins, bzw. Draco und Blaise, waren irgendwie seine Familie.

Inzwischen fiel es ihm immer leichter, auf die Wörter assoziierend zu antworten, weshalb er seine letzte Antwort auf ihre allerletzte Frage zu spät mitbekam…

„Sex."

„Severus."

Es entstand eine kurze Pause im Raum. Harry öffnete seinen Mund, schloss ihn wieder und wurde langsam rot.

Therese schaute von ihren Notizen auf und starrte Harry an.

Einige Sekunden verstrichen. Dann räusperte sich Therese. „Kein schlechter Geschmack, Harry."

Harry stöhnte und ließ seinen Kopf in seine Hände gleiten. Das war nun etwas, was ruhig in seinem Unterbewusstsein hätte bleiben können!

„Nun, ich denk damit ist unsere Stunde beendet. Viel… Spaß noch, Harry."

Und dann unterstand diese Therapeutin es sich doch, ihm zu zwinkern!

Harry stapfte missmutig aus dem Raum.

Na schön, er fand Severus irgendwie… attraktiv und hatte ihn einmal geküsst, aber deswegen musste sein Unterbewusstsein ihn doch nicht gleich mit ‚Sex' assoziieren.

Aber anscheinend tat es das.

Und jetzt musste Harry an Severus in seinen engen Reithosen denken.

Oder die Art wie er sich über seinen Kessel beugte, wenn er sich wirklich tief konzentrierte und wie dann sein Hintern…

Stopp! Das war Territorium, das Harry nicht betreten wollte. Severus war älter, stinkreich, und ganz sicher nicht an ihm interessiert.

Oder vielleicht doch? Bei dem Kuss damals war er ja nicht sehr abweisend gewesen…

Die Kollision mit einem lebendigem Körper ließ Harry abrupt seine Überlegungen beenden.

„Hey, Pass doch auf wo du…" Die Stimme des wütenden Sechstklässler-Hufflepuff erstarb, als er sah in wen er da gerannt war.

Harry hingegen sah einen verängstigten Jungen, an dem er gut etwas von seiner angestauten Frustration auslassen konnte. Hey, seine Therapeutin sagte doch, er solle mehr Gefühle zeigen, oder?

„Darf man fragen, was das werden sollte?", murmelte Harry mit einer leisen, aber bedrohlichen Stimme und trat auf den Hufflepuff hinzu.

„Äh, also, Potter, das, ehrlich…"

Harrys Mund verformte sich zu einem finsteren Grinsen und langsam ließ der inoffizielle Slytherin seine Hand zu einem seiner Dolche gleiten. „Ich mag es nicht, wenn man mich so abrupt… stört."

Der Hufflepuff schluckte schwer und wich vor Harry zurück. Dieser setzte ihm mit ruhigen Schritten nach, bis er den Hufflepuff an die nächste Wand gepresst hatte.

Er lehnte sich nah an den Jungen heran, während er den Griff seines Dolches hervor holte.

„Du wirst ab sofort gut aufpassen, wo du hinläufst, nicht wahr?"

Der Hufflepuff nickte panisch.

Harry lachte kalt. „Sehr schön. Dann kann es sein, dass wir weitere Unannehmlichkeiten vermeiden, ja?"

Wieder nickte der Hufflepuff.

„Gut… Dann mach das du weg kommst!", zischte der schwarzhaarige Zauberer schließlich und sah zu, wie der Hufflepuff so schnell es ging das Weite suchte.

Harry wartete noch einige Sekunden, um sich zu überzeugen, dass der Schüler tatsächlich weg war, bevor er seine Finger knacken ließ. „Umbridge 2 hatte recht… sehr entspannend.", gab er schließlich von sich und nahm seinen Weg wieder auf.

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Das Mittagessen an diesem Tag war wunderbar. Wie fast jede Mahlzeit in Hogwarts, aber diesmal erschienen die Slytherins in einem erstaunlich fröhlichen Gemüt.

Harry kaute nachdenklich auf einem Stück Fleisch und versuchte sein bestes, nicht in die Nähe des Lehrertisches zu schielen oder zu denken. Seine momentane Parole war: Severus Snape gibt es nicht. Zumindest nicht für sein Unterbewusstsein.

Stattdessen schaute der Adoptiv-Slytherin Draco schief an, da dieser seit Anfang des Essens verhohlen zu ihm schielte.

„Was ist nun schon wieder?", wollte der Schwarzhaarige letztendlich wissen.

„Wirst du schon noch rauskriegen.", gab Draco grinsend zurück und führte seine Gabel zum Mund.

Argwöhnisch betrachtete Harry seinen Freund während des Essens weiter, aber das einzige, was ihm auffiel, war das seltsame Glitzern in seinen und Blaises Augen.

Kopfschüttelnd wandte Harry seine Gedanken wichtigeren Dingen zu… und damit war nicht Severus gemeint!

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Es war Abend geworden und immer noch grinsten Blaise und Draco sporadisch vor sich hin. Inzwischen hatte sich in Harry ein mulmiges Gefühl breit gemacht. Die führten nicht nur etwas im Schilde, sie waren in der Annahme, dass sie etwas Großartiges im Schilde führten. Und Harry hatte nun mal ein Problem damit, wenn andere Leute etwas Großartiges für ihn ohne sein Mitwissen planten.

Aufgrund vergangener Erfahrungen konnte er guten Gewissens sagen, dass bei solchen Plänen meistens nichts Gutes herausgekommen war. Er vertrat fest die Meinung, dass er über absolut alles, was mit ihm zu tun hatte, informiert werden musste. Ansonsten endete alles sehr wahrscheinlich nur in einem Desaster.

Abgelenkt wurde er erst von seinen düsteren Gedankengängen über mögliche Überraschungen als der Eingang zum Gemeinschaftsraum sich öffnete und ein sehr verwirrter Dominik mit einer beleidigt aussehenden Hedwig hereinkam.

„Hey… Harry? Die… Eule hier wollte zu dir."

‚Die Eule hier' ließ bei dieser Bezeichnung einen eindeutig abschätzigen Schrei ertönen und flatterte herüber auf Harrys Schoß.

Der Schwarzhaarige lachte. „Hedwig! Sag bloß dich hat keiner herein gelassen?"

Die Eule schuhte ein paar mal, fast schmollend, und streckte dann Harry ihr Bein hin, an das ein dicker Brief gebunden war.

„Nanu?"

Verwirrt öffnete Harry das Briefsiegel, dass einen Raben mit einer Schreibfeder zeigte.

Harry!

Hedwig ist hier bei uns aufgetaucht und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh wir darüber sind. Nachdem wir in den letzten Tagen so wenig über dich gehört haben und dieser Flederwurm nicht imstande war, adäquate Nachrichten weiterzuleiten, waren wir außer uns vor Sorge!

Geht es dir wieder gut? Du hast doch keine… länger anhaltenden Nebenwirkungen, oder?

Natürlich hast du das nicht.

Harry… wir machen uns Sorgen um dich. Große Sorgen. Du… falls du irgendwelche Probleme hast, kannst du uns das sagen, das weißt du, nicht wahr? Bitte… du musst uns solche Sachen sagen…

Nein, du musst natürlich nicht, aber ich meine, du solltest in der Lage sein… ach verdammt. Ich bin bei solchen Sachen nicht gut. Motorrad fahren und andere Leute schnell unschädlich machen ist meine Stärke. Warte, ich gebe mal lieber Remus den Federkiel.

Harry.

Erst mal, lass mich dir gute Besserung wünschen!

Und jetzt zu etwas ernsterem:

Wie bist du auf die idiotische Idee gekommen, dich so mit Tränken voll zu stopfen?

Ich bin mir sicher, dass du einen Grund hattest, den du in diesem Augenblick als absolut einleuchtend und prima empfunden hast – aber, Harry, waren dir denn die Nebenwirkungen nicht aus dem Unterricht heraus bekannt? (Wenn nicht muss ich dringend mit Severus über seine Lehrpläne sprechen.)

Du hast uns allen hier große Sorgen gemacht. Auch Percy. Vielleicht sogar gerade Percy. Er schien seit damals große Stücke von dir zu halten.

Was Sirius oben geschrieben hat…

Wir wollen dir wirklich helfen Harry. Auf deinem weiteren Lebensweg, so gut wir können. Wirklich. Bitte… rede mit uns. Deine Briefe sind immer weniger geworden und der letzte liegt jetzt schon… längere Zeit zurück. Bedrückt dich irgendetwas? Wenn ja, dann würden Sirius und ich gerne helfen. Wir versuchen, dich in Hogwarts besuchen zu können. Severus sucht nach einer Möglichkeit uns hinein zu kriegen, aber wie schnell das geht, wissen wir nicht. Lass den Kopf nicht hängen. Und bitte lass in Zukunft die Finger von den Zaubertränken, ja? Ich weiß, dass wir dir vertrauen können, keine wirkliche Sucht zu entwickeln.

Hallo Harry!

Ich musste Mr. Lupin einfach darum bitten, mir auch mal den Federkiel zu geben.

Wie geht es dir? Wahrscheinlich ist das eine dumme Frage in Anbetracht der jüngeren Ereignisse, aber trotzdem frage ich sie mal.

Falls es Mr. Lupin und Mr. Black möglich sein sollte, nach Hogwarts zu kommen, werde ich sie vielleicht begleiten. Meine… Animagus-Verwandlung ist noch etwas… fehlerhaft. Aber wir arbeiten daran. (Und ich bin inzwischen viel besser als anfangs).

Ich würde gerne einmal wieder ausführlich mit dir reden. Bis demnächst, hoffentlich.

Paddy, Remus & Percy

Harry musste lächeln, als er den Brief komplett durchgelesen hatte.

„Gute Idee, Hedwig.", lobte er seine Eule dafür, dass sie wohl kurz nach seiner Genesung losgeflogen war um seine adoptierte Verwandtschaft zu erreichen.

Dominik indessen hatten einen verwirrten Gesichtsausdruck und Draco betrachtete die Eule kritisch, die wegen dem Lob ihres Herrn ihre Brust heraus streckte und zu sagen versuchte: Wer ist die Meister Eule? Ich bin es!

Harry belächelte seine treue Eule und sah Dominik dann fragend an. „Danke. Gibt's sonst noch etwas?"

„Äh… nein, nein!", murmelte der Junge sofort und entfernte sich vorsichtig.

Der Zurückgebliebene runzelte seine Stirn. Hatte sich die Sache mit dem Hufflepuff schon herumgesprochen oder warum war der Slytherin so nervös?

Na, eigentlich war es egal.

„Ich gehe aufs Zimmer, Draco. Komm mit, Hedwig." Der Blonde nickte ihm als Antwort zu und sah mit an, wie er in die Richtung ihres Schlafzimmers entschwand.

Dort angekommen verfasste der Grünäugige zunächst einen Antwortbrief. Wenn es ging, würde Hedwig ihn noch diesen Abend überbringen. Draco würde die Eule schon aus dem Gemeinschaftsraum rauslassen.

Hallo an euch alle!

Also… Ich würde mich hier wohl an erster Stelle für die Sache mit den Tränken entschuldigen… Ich hatte nicht vor, mich selbst in ein Koma zu befördern oder mich von den Dingern abhängig zu machen! Es war lediglich so, dass ich so viel zu tun hatte und so wenig Zeit. Da schien es irgendwie praktisch, mit den Tränken am Ball zu bleiben.

Ihr habt mein festes Versprechen, dass ich so etwas nicht noch einmal machen werde.

Paddy: Nein, ich bin nicht dauerhaft geschädigt oder (meines Wissens nach) abhängig. Ich vermisse die Tränke zumindest bis jetzt noch nicht, abgesehen davon, dass ich plötzlich viel schneller müde bin als vorher! (Ich werde es aber nicht noch mal machen, versprochen.)

Remus: Ja, Professor Snape hat in seinem Unterricht immer wieder auf die Gefahren von falschem Gebrauch von Tränken hingewiesen. Aber das bekommt man gar nicht mit, wenn man die Dinger so benutzt. Ich schwör's!

Percy: Ich will deine Form sehen, sei drauf gefasst!

Und an euch alle: Ich wollte euch keine Sorgen bereiten. Und meine Briefe wurden auch nur weniger, weil ich wirklich eine Menge um die Ohren hatte (Schule, die Sache mit Ron... ich hatte doch ein wenig erzählt, oder? Und aus dem Tagespropheten habt ihr sicherlich auch etwas erfahren. Es war hier wirklich hektisch.)

Ich hoffe wirklich, dass wir uns bald hier sehen können!

Grüße

Harry

Zufrieden las Harry sich den Brief noch einmal durch, aber es schien alles in Ordnung zu sein. Die drei mussten einfach nach Hogwarts kommen können! Er freute sich richtig auf ein Wiedersehen mit ihnen… und er wollte unbedingt wissen, was es jetzt mit Percys Animagusform auf sich hatte.

„Hier, Hedwig. Denkst du, du kannst sofort wieder zurück fliegen?"

Die Eule schuhte bejahend. „Wunderbar. Flieg runter zu Draco, er wird dich schon rauslassen. Falls er's nicht versteht, zerzaus ihm sein Haar ein wenig. Dann wird er bestimmt auf dich hören!" Hedwig gurrte nochmals und flog dann aus der Tür, die Harry für sie öffnete.

Der Schwarzhaarige stoppte kurz, aber einer der Slytherins würde seine Eule schon hinaus lassen.

Und Draco konnte es wirklich nicht leiden, wenn jemand mit seinem Haar Schabernack trieb.

Harry grinste. Falls Hedwig an seiner blonden Pracht herumzupfte hatte er es verdient, allein schon dafür, dass er ihm nichts von seinem anscheinend tollen, großartigen Plan erzählte.

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Der nächste Morgen schien ein wichtiger Morgen zu sein.

Unter den Slytherins hatte sich eine erwartungsfreudige, spannende Haltung entwickelt und selbst die jüngsten Mitglieder des Hauses sprachen nur in leisen Tönen und ließen ihre Blicke immer wieder durch die große Halle huschen, als wenn jederzeit etwas passieren konnte.

Die Spannung am Slytherintisch war so groß, das selbst die anderen Häuser und die Lehrer es bemerkten.

Während der Großteil der Lehrer und Gryffindors besorgt war, reagierten die anderen Häuser geteilt auf die Spannung. Natürlich, einige von ihnen waren auch besorgt, aber andere wurden von der Spannung angesteckt und neugierig darauf, was passieren würde, während andere wiederum mehr so aussahen, als wenn sie die Halle lieber vorsorglich schnell wieder verlassen wollten.

Harry war ebenfalls angespannt, aber eher auf die ‚Wann kann ich hier weg!' Art und Weise. Solche Überraschungen hatten für ihn noch nie etwas Gutes bedeutet und eine gewisse Ahnung sagte ihm, dass sich das nicht so bald ändern würde.

Als das Ereignis dann wirklich eintrat, bemerkten viele gar nicht erst, was passiert war, da alle immer wieder zu den Slytherins schielten.

Und bei denen tat sich gar nichts.

Stattdessen war es das Kreischen vom Gryffindortisch, das die Aufmerksamkeit der Halle von der einen zur anderen Seite umschwenken ließ.

Der gesamte Tisch – oder vielmehr, die Schüler, die an ihm saßen – hatte sich in eine Ansammlung von bunten Mischwesen verwandelt. Es gab pinke Katzenmenschen mit Papageienflügeln, rot-gelb gestreifte Hundewesen mit Elephantenrüsseln und viele andere komische Wesen in verschiedenen Farben. Ron hatte sich in einen giftgrünen kleinen Zwerg mit lila Bart und einem Tomatenhut verwandelt.

Die Slytherins – und viele andere mit ihnen – grölten los vor lachen. Harry blinzelte zuerst und stimmte dann mit ein, während am Gryffindortisch das Chaos herrschte.

Vor lauter Lachen, Aufregung und Erleichterung darüber, dass diese eine Überraschung nicht ihn betraf, bekam Harry zuerst gar nicht mit, dass zwei Gryffindors sich nicht verwandelt hatten.

„FRED UND GEORGE WEASLEY!", kreischte dann plötzlich die schrille Stimme von Minerva McGonagall und abrupt verstummte die Halle während die Gryffindors ihre hektischen Schreie und Hampeleien unterbrachen um mit großen Augen auf ihre unverwandelten Hauskameraden zu starren.

Die Zwillinge für ihren Teil waren während des Durcheinander einige Schritte von ihrem Haustisch zurück gewichen und waren in eine leichte Deckung hinter ihren zwei Stühlen gegangen, die sie vor sich aufgestellt hatten. Sie grinsten zwar, aber ihre Augen waren Seltenerweise einmal ernst.

Niemand in der gesamten Halle zweifelte daran, dass diese beiden den Gryffindortisch mit irgendeiner ihrer Erfindungen verseucht hatten.

Gemurmel brach aus, allerdings nur zwischen den Gryffindors, während McGonagall vom Lehrertisch zu den beiden Gryffindors marschiert kam. Die übrigen Häuser verfolgten das Spektakel mit angehaltenem Atem.

Mit einer kleinen Ausnahme: Harry ahnte bereits, dass dieser kleine Auftritt von den Zwillingen im Voraus mit Draco abgeklärt worden war und mehr sein sollte als ein einfacher Scherz. Seine Hand wanderte zu seinem Zauberstab und aus dem Augenwinkel heraus behielt er Ron im Auge, der auch in grüner Zwergenform rot anlief und bald den gleichen Farbton erreicht hatte wie sein Tomatenhut.

„Das ist einer der geschmacklosesten praktischen Scherze, den ich je miterleben musste!", brüllte die Professorin, während sie marschierte. „Was sollte das, Fred, George!", brüllte auch Ron, der auf seinem Sitz auf und ab sprang und somit ein sehr amüsantes Bild abgab.

„Das war kein Scherz.", antworteten beide Weasleys gleichzeitig und stoppten somit McGonagall wenige Schritte vor ihnen.

„Wie bitte!", entfuhr es der wütenden Frau, die ihre Hände auf ihre Hüften stemmte. Ron lief noch röter an und glich nun einer überreifen Tomate, die jederzeit platzen konnte. Die Slytherins kicherten ob seins Anblicks, was den Zwerg nur noch wütender machte und ihn dazu brachte, zusätzlich zum Hüpfen auch noch mit den Armen zu wedeln. Das ganze sah jetzt wirklich aus wie der Ausschnitt eines Zwergenaufstandes mit Ron als dem obersten Aufständischem, der verzweifelt versuchte von einem Riesen bemerkt zu werden.

„Das war eine Konsequenz des nicht aushaltbarem Verhaltens unserer Mitschüler!", rief einer der Zwillinge und der andere fügte hinzu: „Weil sie sich nämlich in der letzten Zeit alle wie Paradebeispiele eines Idiotenkollektivs verhalten!"

Wieder war die Halle in aufgeregtes Gemurmel getaucht, dass sich auf allen Tischen ausbreitete wie ein Strohfeuer. Einige der Gryffindors saßen verdattert auf ihren Stühlen, noch immer in ihrer Mischwesengestalt, während andere wutentbrannt aufschrieen und auf die Zwillinge losstürzten. Unter diesen war auch Ron, der sich jedoch seines derzeitigen Körpers nicht erinnerte, vom Stuhl fiel und unter den Tisch kullerte.

Andere Gryffindors hatten jedoch nicht dieses Problem und die bunte Auswahl von verwandelten Schülern stürmte auf die Zwillinge zu – gut und gerne fünfzehn der verärgerten Schüler.

Das hatte Harry erwartet. Sein Stuhl fiel mit einem lautem Klappern zu Boden, als er über den Tisch hopste und den Zwillingen zu Hilfe eilen wollte. Die Aufschreie seiner Slytherin-Kollegen, die ihn zur Ruhe aufriefen und zurückhalten wollten wegen seiner noch angeschlagenen Gesundheit, missachtete er. Diese Idioten hätten sich doch auch denken können, dass diese Reaktion kommen würde!

Er sprang zwischen zwei Mädchen über den Ravenclawtisch und während er noch auf den Hufflepufftisch zu sprintete, stand Marcel von seinem Platz auf und hechtete ihm hinterher. Die Zwillinge zauberten schnell einige rutschige Eis- und Schleimflächen zwischen sich und ihre Verfolger und liefen Harry und dem Ravenclaw entgegen.

Einige der Verfolger rutschten auf den Flächen aus, andere schlitterten nur darüber hinweg. Die Zwillinge hopsten über den Hufflepufftisch und ihren Freunden entgegen, wo Marcel und Harry eine defensive Haltung neben ihnen einnahmen.

Dumpf hörte Harry hinter sich Draco rufen: „Mensch, bist du verrückt Potter? Blaise, beweg dich!"

Aber es gab wichtigeres zu tun.

Die Zwillinge wären doch nicht weit gekommen, mit diesen Rüpeln an ihren Fersen.

Die Schlitterpartie der Gryffindors war jäh beendet als der Scherzzauber seine Wirkung verlor und sie auf ihren normalen Beinen schnell ihre Balance wiederfanden.
Ron, der unter dem Tisch weiter wütend hoch und runter gesprungen war knallte mit einem lauten Geräusch und einem Schmerzensruf an die Tischdecke als er abrupt wieder wuchs, worauf er angeschlagen unter dem Tisch hervor kroch.

„Wir sollten uns vielleicht weiter nach hinten verziehen.", schlug Fred vor und gemeinsam kletterten die vier hinter den Hufflepufftisch zurück, wo sie von Draco, Blaise und Dominik angetroffen wurden, die gerade über den Ravenclawtisch angehechtet kamen.

„He, Tischespringen als die neustee Mode! Das ist doch mal was!", grinste George seinen Zwilling an und Draco stöhnte laut, als er diesen Kommentar hörte. „Könnt ihr beide eigentlich nie ernst sein?"

„Waren wir doch gerade schon," antwortete einer der Zwillinge, „damit ist das Monatspensum an ernstem Verhalten aufgebraucht."

Weitere Unterhaltungen wurden unterbrochen, weil eine weitere Gruppe Gryffindors sich aufgerappelt hatte und der gemischten Gruppe vor dem Ravenclawtisch zu Leibe rückte. Einige der Ravenclaws erhoben sich nun ebenfalls von ihren Plätzen und weitere Slytherins trafen zu der Gruppe um die Zwillinge. Es sah so aus, als wenn die ganze Angelegenheit einem direkten Kampf zwiscen den beiden Gruppen entgegen gehen würde und auch die in das Wirrwarr hinein rufenden Lehrer konnten nichts daran ändern, da schlicht und einfach niemand auf sie hörte.

Um es kurz zu sagen: In der großen Halle herrschte der Ausnahmezustand.

Gerade als McGonagall und einige andere Lehrer einige Paralyse-Zauber aussprechen wollten, und die Gruppe um Harry einige Schutzzauber ausgesprochen hatte, war der Kampf jäh beendet.

Ein Grollen, gefolgt von einem lauten animalischen Schrei fuhr durch die Halle und ließ die Schüler zurückschrecken. Eine Stichflamme zischte zwischen den beiden Gruppen und über die Köpfe einiger Hufflepuffs hinweg. Die Gryffindors, die teilweise mitten auf dem Hufflepufftisch standen, hasteten einige Schritte nach hinten, knallten in Stühle oder purzelten vom Tisch herunter, während die Gruppe um Harry ihre Köpfe zur Seite riss.

In der Tür der großen Halle stand der augenscheinlich braungebrannte und mit grünem Haar ausgestattete Wandeldrache Charlies. Eine seiner Hände war erhoben und eine kleine Restflamme flackerte noch aus der dicht beschuppten und leicht glänzenden Handfläche heraus.

„Das," hallte die grollende Stimme des Drachen durch die Halle, „war eine der dümmsten Aktionen, die ich je gesehen habe."