Heaven & Hell Teil 2 Kapitel 10: Unterkunft & Pläne
"The
first duty of a revolutionary is to get away with it."
- Abbie Hoffman
„Die oberste Aufgabe
eines Revolutionärs ist es, damit durchzukommen."
A/N: Ein großer Dank geht ein Nightwish, die das hier auf sehr kurze Notiz hin gebetat hat!
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Eine bedrückende Stille hatte sich in der Halle breit gemacht. Allerdings war es keine komplette Stille, denn während Charlie durch die Schülermassen hastete, um zu seinem Drachen zu gelangen, stapfte besagter Drache mit einem genervten Gesichtsausdruck auf die Schüler zu. Irgendwo im Hintergrund glaubte Harry verärgertes Gemurmel von Umbridge zu hören und so subtil wie möglich schaute er sich nach der Lehrerin um. Die sauer dreinblickende Frau hielt sich am Rande des Geschehens auf, aber von der Art und Weise, wie sie dabei war, sich aufzuplustern, würde sich das bald ändern.
Andere Lehrer setzten sich in Bewegung. McGonagall fing zuerst damit an, die am Hufflepufftisch liegenden Gryffindors zu belehren.
„Eine Schande ist das! Rohe Gewalt ist kein…"
Harry beachtete sie
nicht weiter. Snape eilte unterdessen zu seinen Slytherins und
musterte sie finstren Blickes. Ungewollt ging ein kleines Zittern
durch Harrys Körper, als der Trankmeister ihn durchdringend
musterte und nach Verletzungen absuchte. Der intensive Blick des
Mannes… Nein! Harry zwang sich, den Worten Snapes Beachtung zu
schenken, und nicht seinen Augen.
„Wenn einer von euch verletzt
ist, könnt ihr selber zusehen, wie ihr das wieder gerade biegt -
das war wirklich eine der dümmsten Aktionen, die ich je gesehen
habe. Das gilt insbesondere für dich, Po-"
Der schwarzhaarige Professor kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden, weil eine muskulöse Hand Harry jäh herum riss.
Plötzlich fand der Junge sich Angesicht zu Angesicht mit dem Wandeldrachen. So nah konnte er die vielen kleinen Schuppen, welche die Haut des Drachen bildeten, gut erkennen. Innerlich fragte er sich, ob die Verwandlung des Drachen so ähnlich war wie die Animagus-Verwandlung für Menschen - aber, dass er Schuppen hatte sprach eigentlich dagegen. Doch wie verwandelte der Drache sich in menschliche Gestalt?
Die Augen des Drachens gingen Harrys Form ab, während Snape sich vorsichtig, aber mit bösem Blick näherte und den Drachen misstrauisch ansah. Eine seiner Hände streckte sich nach Harry aus und verharrte kurz vor der Seite des Jungen. Dieser bekam diese schützende Bewegung seines Lehrers nur zu akut mit und fühlte ein warmes Gefühl in sich aufsteigen.
„Du bist unverletzt", grollte der Drache, „und dein Herzschlag hört sich nicht zu sehr beschleunigt an. Deine Atmung normalisiert sich bereits wieder." Ein Glitzern ging durch die Augen des Wesens. „Das ist ein gutes Zeichen."
Fragend sah Harry ihn an, doch die Hand wurde von seiner Schulter entfernt und der Drache wandte sich ab.
„Thakatr?" Charlie war bei ihnen angekommen und starrte seinen Freund entsetzt an. „Wir hatten doch ausgemacht, dass du dich ruhig verhalten solltest! Ruhig! Und jetzt jagst du eine Flamme quer durch die große Halle!"
Charlie schrie nicht, aber seine Stimme hielt eine ruhige Stärke, die erstaunlich war. Dennoch schien der Drache nicht von ihr beeindruckt zu sein. „Wäre es besser gewesen, sie aufeinander losgehen zu lassen? So wurde keiner verletzt."
„Es hätte aber jemand verletzt werden können.", meldete sich da die piepsige Stimme Umbridges.
Charlie, dessen Gesicht zwar von ihr abgewandt, aber in guter Sicht zu Harry war, schnitt eine entnervte Grimasse, bevor er sich umdrehte. „Mr. Weasley, ich nehme das ist ihr Haustier?"
Ein neues Glitzern trat in die Augen des Drachen, doch dieses war eher ein inneres Lodern und versprach nichts Gutes für Umbridge. So unbemerkt wie möglich schob Harry sich aus der Sichtlinie der beiden und positionierte sich hinter Severus und Draco, was die beiden Slytherin nervös bemerkten.
„Ich würde es bevorzugen, wenn sie den Ausdruck Wandeldrache benutzen würden."
Umbridge überhörte den Drachen geflissentlich und wandte sich stattdessen weiter an Charlie: „Wie Sie sicherlich wissen, müssen hochmagische Haustiere und Mitglieder der Klasse von sensiblen magischen Wesen sich im Ministerium melden, bevor sie sich in Großbritannien aufhalten dürfen. Also, ich glaube Ihnen gerne, dass Sie einen Drachen als Vertrauten gemeldet haben, allerdings denke ich nicht, dass die Tatsache, dass er ein Wandeldrache ist, schon beim Ministerium angekommen ist."
„Und ich denke, dass es das Ministerium nichts anzugehen hat, ob er ein Wandeldrache ist oder nicht. Was Vertraute angeht herrschen eh andere Regelungen."
Irgendetwas sagte Harry, dass dieses Gespräch keinen guten Ausgang nehmen würde.
„Mr. Weasley, ich möchte Sie daran erinnern, dass Drachen an sich schon gefährliche Bestien sind und nur unter strengen Auflagen nach Großbritannien eingeführt werden dürfen. Einen unregistrierten Wandeldrachen zu besitzen ist eine äußerst schwerwiegende Gesetzesverletzung. Diese besonders gefährlichen Wesen müssen unter konstanter Beobachtung gehalten werden."
Auf diesen Monolog Umbridges hin ließ der Drache ein lautes Schnauben hören und grollte eine für Harry unverständliche Abfolge von Lauten und Tönen, die Charlie jedoch grinsend rot werden ließen, bevor er sich mit ernstem Gesicht wieder Umbridge zuwandte.
Harry runzelte unterdessen seine Stirn. Dieser ganze Streit war nicht nur unsinnig, er ging ihm auch gewaltig auf die Nerven. Außerdem mochte er Umbridge 1 sowieso nicht. Schnell suchte er nach einer Möglichkeit, um das Gespräch der beiden zu unterbrechen.
„Und ich möchte Sie daran erinnern, Miss Umbridge, dass- Harry?"
Charlies Antwort fiel kurz als der Schwarzhaarige plötzlich anfing zu schwanken und sich an Draco festklammerte. Der Blonde stützte seinen Freund und sah ihn besorgt an. „Was ist? Alles in Ordnung?"
„Mir geht's nicht so gut…", murmelte der Angesprochene und gab sein Bestes, möglichst schlapp und mitgenommen auszusehen. Sehr zum Bedauern Umbridges, die sich aufplusterte wie ein von den Hühnern übersehener Hahn, lenkte Charlie daraufhin seine Aufmerksamkeit auf den Jugendlichen. „Wahrscheinlich wäre es am Besten, wenn dich jemand in den Krankenflügel begeleitet… die Anstrengung war vielleicht nicht gut für dich.", erklärte der Rothaarige sanft und sah Snape an. „Natürlich. Draco, Blaise, ihr bringt ihn rauf in den Krankenflügel. Professor Weasley und ich werden uns darum kümmern, dass die Halle aufgeräumt wird. Professor… Umbridge kann derweil überprüfen, ob die Rückverwandlungen der Betroffenen problemlos geblieben sind."
"Wie bitte?", plusterte Umbrdige, „Nun hören Sie, ich bin-"
„Eine Professorin dieser Schule, was bedeutet, dass Sie sich um die Schüler kümmern müssen." Also los sagte Snape zwar nicht, aber sein Blick versprach lange Folterabende im Kerker, falls Umbridge nicht sofort tun würde, was er gesagt hatte. Der Effekt ging nicht an der Frau verloren und mit einem säuerlichem Blick wandte sie sich ab, um McGonagall zu helfen.
Draco und Blaise stützten den immer noch einen auf schlapp machenden Harry und eskortierten ihn aus der Halle, was viele der Slytherins mit besorgten Mienen wahrnahmen. Marcel brachte in der Zwischenzeit einige Ravenclaws dazu, ihm beim Aufräumen einiger umgekippter Stühle und heruntergefallenen Essenswaren aufzuräumen, was Professor Flitwick positiv kommentierte. Den letzten Blick, den Harry von der Halle hatte, zeigte einen großen Raum, in dessen Mitte Stühle, Teile des Essens und diverse Bücher, Zettel und anderes wild herum lagen. Die Zwillinge sowie die Gryffindors mussten das veranstaltete Chaos aufräumen und Harry war sich sicher, dass für die beiden Weasleys noch weitere Konsequenzen folgen würden.
Am Rande des Geschehens stand der Drache mit überkreuzten Armen und einem nachdenklichem Gesichtsausdruck. Seine Augen waren auf Umbridge gerichtet und verhießen nichts Gutes.
„Der Drache ist komisch.", murmelte Blaise, während sie unterwegs zum Krankenflügel waren. „Aber niemand, den ich gerne verärgern würde.", kommentierte Draco bevor er wieder Harry ansah. „Wie geht es dir?"
„Gut, ihr könnt mich loslassen." Verdutzt sahen die beiden Slytherins zu, wie der gerade eben noch schlaff durch die Gegend Schwankende sich aufrappelte und normal weiter lief. Grinsend meinte er: „Oh, ich hab nichts. Aber Umbridge hat mich genervt. Eine Minute länger und ich schwöre ich hätte einen Migräneanfall gekriegt."
„Ich dachte Migräne kriegen nur Frauen.", meinte Blaise schmunzelnd, verlor diesen Gesichtsausdruck jedoch sofort, als Harry ihm einen finsteren Blick sandte. „Dann wünsche ich dir auch mal richtig heftige Kopfschmerzen. Darüber kann man nicht lachen, sage ich euch!"
Draco nickte bekräftigend. „Ja, natürlich Harry… Gehen wir trotzdem zum Krankenflügel?" Seufzend bejahte der Schwarzhaarige die Frage. Snape würde sich sicherlich bei Pomfrey erkundigen, ob er da gewesen war, daher musste er musste er sich wenigstens einmal blicken lassen. Die Krankenschwester würde ihn hoffentlich nicht lange da behalten wollen. Aber eigentlich hatte er ja nichts - er musste nur überzeugend schlapp aussehen.
Plötzlich fiel ihm noch etwas ein, dass er in all der Aufregung fast vergessen hatte. „Und ich weiß sehr wohl, dass ihr das Ganze mit geplant hattet. Glaubt bloß nicht, dass ich das so einfach übersehen werde."
Draco und Blaise wechselten einen besorgten Blick und schwiegen den Rest des Weges.
Pomfrey stellte Harry nur ein paar oberflächliche Fragen bevor sie ihm für den restlichen Tag Ruhe und keine Anstrengung verordnete. Einen Trank konnte sie ihm verständlicherweise nicht verschreiben. „Das war sehr dumm von ihnen, Mr. Potter.", kommentierte sie jedoch, als sie erfuhr, warum Harry in diesem ‚Zustand' war, „Sie sind noch nicht richtig wieder auf den Beinen und müssen dann schon wieder so etwas machen!"
Augenrollend versprach Harry, das nächste Mal besser auf sich aufzupassen und verließ den Krankenflügel wieder, Blaise und Draco an seinen Fersen.
Auf dem Weg in den Kerker fing Harrys Wut langsam wieder an zu kochen. Was hatten die sich dabei gedacht? Ein Scherz mag ja ganz gut und schön sein, aber das war gefährlich für Fred und George! Außerdem brachte es sie in weitere Probleme, die Gryffindors würden den Zwillingen das Leben zur Hölle machen und was taten sie dann? Die Zwillinge auch im Kerker einquartieren? Ganz zu schweigen davon würden die Lehrer - vor allem McGonagall - über den ‚Scherz' erbost sein. Ziemlich erbost. Verdammt erbost. Hätten sie sich nicht einen anderen Scherz einfallen lassen können! Einen vielleicht nicht ganz so außergewöhnlichen? Oder sie hätten nicht alle Gryffindors damit erwischen können…
Aber jetzt war es so geschehen und er würde sich wieder darum kümmern müssen, das Problem zu beseitigen. Dabei war Draco doch nicht doof! Die Zwillinge mochten ja in ihrem Eifer die Konsequenzen übersehen haben aber Draco hätte sich derer eigentlich bewusst sein sollen!
Als die drei im Slytheringemeinschaftsraum ankamen, hielt nur Harrys wütender Gesichtsausdruck die anderen anwesenden Slytherins davon ab, ihn zu fragen, ob alles in Ordnung war. Kaum war die Tür hinter ihnen zu fuhr er auch sofort seine beiden Begleiter an. „Wer von euch beiden ist auf die idiotische Idee gekommen die Zwillinge das durchführen zu lassen?"
Entsetzt starrten Draco und Blaise ihn an. „Harry,…", begann Draco, aber er hatte keine Chance zu Wort zu kommen. „Habt ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, was das alles mit sich bringt? Erst einmal kriegen die Zwillinge jetzt massig Ärger von der Seite der Lehrer - aber das geschieht ihnen fast schon recht wenn sie so eine blöde Sache planen, egal wie berechtigt sie ist. Und dann sind da noch die anderen Gryffindors! Was habt ihr vor, die Zwillinge auch hier unten zu verstecken?"
„Wir verstecken dich doch nicht!", wandte Blaise ein, aber angesichts Harrys Wut verstummte er wieder.
„Die beiden haben jetzt mehr als nur ein paar Probleme und das nur wegen so einer idiotischen Sache! Es ist mir egal wie komisch die anderen Gryffindors aussahen, den Ärger, den wir wegen dem Scherz haben werden ist diesen kurzen Humor-Effekt nicht wert gewesen! Hat euer Verstand kurz ausgesetzt während ihr das geplant habt oder wolltet ihr den Zwillingen Ärger bereiten? Die beiden hatten schon Probleme, weil sie Ron ihre Meinung gesagt hatten und jetzt so was! Verdammt noch mal!"
Bei seinen letzten Worten platzten einige der grünen Kissen im Raum. Die weißen Federn zerstoben und schwebten sanft durch das Zimmer, während um Harrys Körper kleine grüne Fünkchen sprühten. Blaise sah aus, als ob er lieber im gegenüberliegendem Teil der Burg sein würde und Draco hatte einen Gesichtsausdruck, der eine Mischung aus Nervosität und Spekulation war. Die anderen Slytherins beeilten sich um die Szene möglichst schnell zu verlassen.
Harry schloss seine Augen und atmete mehrmals hörbar ein und aus. Die kleinen Fünkchen wurden weniger, bis sie schließlich gänzlich versiegten. Blaise und Draco entspannten sich wieder etwas, als klar war, dass Harrys Wutanfall zumindest vorläufig ausgestanden war.
„Damit eins klar ist: Ihr werdet nie wieder so etwas durchführen, ohne es vorher mit mir abgesprochen zu haben, ist das klar?"
„Ja Harry.", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Der Schwarzhaarige musterte seine Slytherin Freunde und nickte dann, anscheinend zu sich selbst. „Gut. Und was machen wir jetzt mit den Zwillingen? Wollt ihr sie etwa auch hier unten aufnehmen oder was habt ihr vor, um sie vor den anderen Gryffindors zu schützen?"
Blaise räusperte sich. „Um ehrlich zu sein… wir waren uns nicht ganz sicher."
Harrys Gesichtsausdruck verfinsterte sich wieder und schnell fuhr Draco seinem Freund ins Wort: „Was wir damit meinen ist, Dumbledore und die anderen Professoren sind schon etwas… verstimmt darüber, dass ein Gryffindor hier unten haust. Sie würden wahrscheinlich nicht erlauben, dass die Zwillinge auch noch herunter kämen… und die Zwillinge haben uns selbst gesagt, dass sie schon einen Weg finden werden, um mit den anderen Gryffindors fertig zu werden."
Harry öffnete seinen Mund, um den beiden zu sagen, wie äußerst bescheuert diese Vorgehensweise war, als eine andere Stimme dies bereits tat.
„Ich hatte wirklich mehr Voraussicht und logisches Denkvermögen von euch beiden erwartet. Eine solch gefährliche Situation regelt man nicht ‚einfach so' oder ‚nebenbei'. Ich würde euch ja Strafaufgaben geben, aber mir scheint, als wenn Harry das durchaus auch tun kann."
Die drei Jungen drehten ihre Köpfe und bemerkten jetzt erst, dass Severus den Raum betreten hatte, während die anderen Slytherins geflohen waren.
„Wir… wollten dich nur etwas aufheitern.", murmelte Blaise schließlich leise und wandte sein Gesicht ab. Draco zeigte keine so offensichtliche Reue, aber es lag ein beschämter Ausdruck auf seinem Gesicht, der Harry und Severus beruhigte.
„Da das dann geklärt wäre… Der Schulleiter wünscht die Anwesenheit von euch dreien bei einem Gespräch mit den Weasley Zwillingen, Ronald und einigen anderen… und zwar jetzt."
Harry nickte und gab den beiden anderen mit einer Geste die Anweisung, ihm zu folgen. Severus drehte sich um und ging vor und die drei jüngeren folgten ihm stillschweigend.
Was wollte der Schulleiter? Hatte er endlich seinen Kopf aus dem Sand gezogen und wollte die Lage in Hogwarts beruhigen? Das wäre etwas Gutes… Harry mochte den Hogwarts Kleinkrieg nicht wirklich, er behinderte ihn zu sehr und verbrauchte Energie und Nerven. Ein klein wenig Hilfe seitens des Schulleiters wäre ungemein praktisch… auch wenn es den alten Kauz nicht unbedingt sympathischer machen würde.
Der Weg zum Büro des Schulleiters schien unendlich lang und erst als sie am Gargoyle vorbei liefen wurde Harry klar, dass es gar nicht ihr Ziel war. Ein seltsames Gefühl überkam ihm und diskret sah er die neben sich laufenden Slytherins an und signalisierte seinen Unmut. Blaise runzelte seine Stirn und nickte leicht, während Dracos Augen sich verengten und seine Hände verkrampften. Falls ihr Professor etwas von all dem mitbekam, so ließ er es sich nicht anmerken.
Kurz nachdem sie den Gargoyle dann passiert hatten, öffnete Severus eine Tür an der rechten Korridorseite und führte die drei in einen größeren Raum, gefüllt mit einigen Tischen, Stühlen, zwei Sofas und einem Kamin. Harry erkannte schnell, dass sie im Lehrerzimmer sein mussten.
Die Tische und Stühle waren an die Seite geschoben und eine kleine Menge Leute war im Raum versammelt. Die meisten der Hauptlehrer waren da, Flitwick, Sprout, Vectra, Sinistra, McGonagall, Umbridge, etc. und natürlich Dumbledore als Schulleiter. Von den Schülern waren Hermine und Ron, die Zwillinge, Marcel, eine Hufflepuff namens Susan Bones und die drei gerade angekommenen anwesend. Die Lehrer waren in einer Art Halbkreis versammelt, mit den Schülern ihnen gegenüber. Kaum, dass Harry sich die Versammelten einmal angesehen hatte gab er den beiden Slytherins neben sich auch schon ein - für alle - deutliches Handzeichen und stellte sich ebenfalls den Lehrern gegenüber. Draco nahm seine rechte, Blaise seine linke Flanke. Beide standen einen Schritt hinter ihm und verschränkten ihre Arme. Severus gesellte sich zu den Lehrern und stellte sich neben Professor Sinistra.
Die Zwillinge hatten nicht ihr übliches Grinsen auf dem Gesicht, schienen aber auch nicht besonders nervös oder ängstlich zu sein, was Harry als gutes Zeichen auffasste. Es dauerte nicht lange, bis Dumbledore zu sprechen anfing:
„Das hat jetzt lange genug angedauert. Und ich meine mit diesen Worten nicht den vorhin stattgefundenen Streich - auch wenn dieser ebenfalls mehr als unpassend war. Ich spreche von den Prügeleien, Verhexungen und Flüchen, die in letzter Zeit zwischen den Schülern dieser Schule ausgetauscht wurden."
Harry musste zugeben, dass es doch interessant war, dass Dumbledore jetzt etwas wegen dem 'Hogwartskrieg' unternahm. Bis jetzt schienen die Lehrer - bis auf wenige Ausnahmen - die sich steigernde Spannung mehr oder weniger ignoriert zu haben.
Nacheinander musterte Dumbledore die anwesenden Schüler. „Diese Streiterein werden aufhören. Mir ist wohl bewusst, dass die treibenden Kräfte dahinter sowohl Mr. Potter als auch Mr. Weasley sind. Und ich verlange von euch, dass ihr hier und jetzt zu einer Einigung kommt."
Harry spürte eine schwache Bewegung neben ihm und hielt sofort seine Hand vor Dracos Brust, als der Malfoy nach vorne springen und etwas sagen wollte.
„Keiner von uns wollte eine Reihe von Prügeleien starten, Professoren. Wie ich Ron bereits vor Monaten gesagt habe: Solange er uns in Ruhe lässt, tun wir gar nichts. Das war überhaupt der Grund, warum ich den Turm verlassen habe - es war unmöglich dort oben zu schlafen, ohne das mir etwas gestohlen oder ich angegriffen wurde!"
Ron sah so aus, als wenn er mit einigen bestimmten Worten antworten wollte, aber Hermine hielt ihn zurück.
Draco nahm indessen seinen Platz an Harrys Seite wieder ein und der Schwarzhaarige konnte seine Hand zurück nehmen. Es war Hermine, die zögerlich auf Harrys Ausspruch antwortete: „Schulleiter, Harry hat… ein bisschen recht. Die Gryffindors haben in letzter Zeit die Slytherins wirklich… besonders provoziert."
Dumbledore fuhr sich mit der Hand einmal durch den Bart. „Dann sollten sie das vielleicht unterlassen, Ms. Granger. Mr. Weasley, ich bin mir sicher, dass sie in Zukunft davon ablassen werden, unnötige Schlägerein anzufangen?"
Der Rothaarige nickte gezwungen, auch wenn er sehr angestrengt dabei aussah.
Der alte Zauberer fuhr fort: „Und natürlich können wir die jahrhunderte alten Regeln von Hogwarts nicht weiterhin brechen - das heißt, sobald sich die Lage beruhigt hat, erwarte ich, dass Mr. Potter wieder in den Turm zieht."
Sechs Stimmen antworteten gleichzeitig mit einem lauten ‚Nein': Die Zwillinge, die ‚drei' Slytherins und Ron selbst. Dumbledore trat tatsächlich einen Schritt zurück, als er die aufgebrachten Stimmen hörte und mehrere andere Professoren schauten die Jugendlichen ungläubig an.
Es war Marcel, der sich räusperte und höflich einwand: „Schulleiter Dumbledore, so wie es aussieht war das Verlassen des Turms eigentlich eine gute Idee von Harry. Die Gryffindors würden nur noch unruhiger werden, wenn er wieder zurückkehre."
Es entbrannte eine heftige Diskussion zwischen den Professoren, ob und inwieweit Harry im Kerker leben durfte. 'War das nicht schon längst geregelt?', fragte der adoptierte Slytherin sich indessen und verschränkte seine Arme.
Draco schien der Diskussion zu Folgen und anhand seines Gesichtsausdruckes erkannte Harry bereits, dass der Blonde für alle möglichen Eventualitäten Argumente bereit legte. Blaise hatte unterdessen die anderen anwesenden Schüler ins Auge gefasst und musterte sie misstrauisch.
Marcel fing mit den Zwillingen ein leises Gespräch an, dessen Inhalt Fred und George wohl schockte, denn sie starrten sich entgeistert an.
Ron funkelte Harry böse an, während Hermine beruhigend auf ihn einzureden schien - und Susan Bones stand einfach nur verloren da und sah so aus, als wenn sie am liebsten wo anders sein wollte.
Harry für seinen Anteil fühlte sich relativ unbeteiligt. Dumbledores Entscheidung würde er, falls sie negativ ausfiel, sowieso nicht beachten und was konnte der alte Mann schon tun? Ihm Strafaufgaben geben, sicherlich, aber von der Schule würde er keinesfalls verwiesen werden, das stand fest. Und um die Strafaufgaben würde man sich dann kümmern können, wenn und falls sie kamen...
Die Konferenz der Lehrer schien dann endlich beendet zu sein und von Severus zufriedenem Gesichtsausdruck her, dachte Harry, dass es gut ausgegangen war.
Dumbledore räusperte sich noch einmal und sprach dann die wieder still gewordenen Schüler an: „Da hier eine besondere Situation vorliegt, werden wir in diesem Fall einige Ausnahmen von den eigentlichen Regeln machen... Mr. Potter wird im Kerker bleiben können. Alle von ihm verdienten oder verlorenen Hauspunkte werden jedoch weiterhin für Gryffindor gelten. Aufgrund von Fragen der Bevorzugung wird er jedoch an keinerlei Wettstreit der Häuser teilnehmen können, wie Quidditch."
Der Schwarzhaarige Ex-Gryffindor nickte. Das waren für ihn akzeptable Regeln. Als wenn er Quidditch spielen wollte- oder Zeit dafür hatte! Mit einem Besen zu fliegen war eine Sache und sehr entpsannend, aber ein so zeitraubender Sport...?
„Nun kommen wir zu ihnen, Mr. und Mr. Weasley.", fuhr Dumbledore, an die Zwillinge gewandt, fort, „Ihre heutige Aktion zeigt deutlich, dass in ihrem Haus einige Probleme herrschen. Teilweise sind diese mit den anderen bereits angesprochenen verbunden, aber mir scheint, als wenn es auch individuelle Probleme gibt. Von nun an wird es keine Streiche wie den heutigen mehr geben. Verwandlung und Transformation von Körper, vorallem von komplexen Lebewesen wie einem Menschen, sind äußerst gefährlich und sollten in so einem Ausmaß keinesfalls Mittels eines Streiches werden. Haben Sie das verstanden?"
Die Zwillinge nickten und bejahten. Sie versprachen sogar, nie wieder so einen Streich auszuführen, weder jetzt noch im späteren Leben. Harry kam nicht umhin, zu denken, dass die Zwillinge gerade gehörig am Flunkern waren.
„Und nun…" Dumbledore schien noch nicht fertig zu sein. „Einige der Professoren haben Bedenken darüber geäußert, inwiefern der Streit innerhalb des Gryffindorhauses sich auf die Hausmitglieder auswirken wird."
Harry verstand sofort, was Sache war: Dumbledore wollte wissen, was mit Fred und George passieren würde.
„Professor?" Alle Blicke ruhten auf Marcel Romanov, der ruhig und gelassen neben den Zwillingen stand. Vom Tonfall seiner Stimme und der Körperhaltung her machte er sich keine Sorgen darüber, Dumbledore unterbrochen zu haben, im Gegenteil, er wirkte wie immer ruhig und gefasst.
Überhaupt fiel Harry in diesem Moment auf, dass er Marcel nur selten besonders emotional gesehen hatte. Selbst vorhin, in der großen Halle, war er mit kaltem Kalkül vorgegangen und hatte seine Schutzzauber strategisch um Harry herum errichtet.
„Ja, Mr. Romanov?"
Marcels Stimme war ruhig und eben, wenn auch fast schon etwas zu emotions- und tonlos.
„Ich würde vorschlagen, dass, um etwas Ruhe in die Angelgenheit zu bringen und um neue Einigkeit zwischen den Häusern hervorzurufen, einige Schüler aus Gryffindor ausquartiert werden. Die Zwillinge könnten beispielsweise bei uns im Ravenclaw-Turm unterkommen."
Die Zwillinge nickten bekräftigend und fügten in einigen schnellen, abwechselnd gesprochenen Sätzen hinzu, dass sie ihr bestes Verhalten an den Tag legen und niemanden stören würde. Das Ganze sollte wohl beruhigend und ernst wirken, mutete aber durch die Angewohnheit der beiden, ihre Sätze gegenseitig zu vervollständigen und ihre Gestik untereinander aufzuteilen, eher komisch an.
So unterbrach Dumbledore sie dann schließlich auch, als sich auf den Gesichtern einiger Professoren bereits leicht genervte Linien abzeichneten. Den Zwillingen zu folgen, wenn sie so sprachen, war mehr als anstrengend.
„Also gut. Ich sehe, hier werden unkonventionelle Methoden von Nöten sein, um die Lage zu bereinigen.", brummte der alte Zauberer in seinen Bart. Professor Flitwick meldete sich zögerlich zu Wort. „Die beiden Jungen könnten durchaus im Turm unterkommen, Albus. Sofern sie sich ordentlich benehmen, sehe ich keinen Grund, das abzulehnen."
Der alte mann nickte langsam. „Nun gut. Die Herren Weasley werden ab heute Abend vorerst im Ravenclawturm untergebracht. Die Hauselfen werden ihr Gepäck herüber bringen und sie beide den Rest ihrer Schulsachen selbst. Sollte jedoch auch nur eine einzige Beschwerde bei einem Professor eingereicht werden, oder ein Streich gespielt werden von euch beiden, werden Sofortmaßnahmen erfolgen."
Grinsend nickten die Zwillinge und willigten ein.
Harry erfasste ein... erleichtertes Gefühl. Marcel, davon war er überzeugt, würde dafür sorgen, dass Rons Truppe nicht an die Zwillinge herankam. Der Ravenclaw indess strich sich mit einer Hand kurz durch sein Haar und ordnete eine Falte in seiner Schulrobe. Danach legte er seine Hände hinter seinem Rücken zusammen.
In diesem Moment versuchte Harry etwas. Es war länger her, dass er eine seiner... besonderen Fähigkeiten eingesetzt hatte. Seine 'Empathie'.
Vorsichtig streckte er das aus, was er seine Fühler nannte. Er hatte noch immer keine absolute Kontrolle über diese Fähigkeit und musste aufpassen, nicht zu viel aufzunehmen.
Als erstes spürte er Draco und Blaise und 'las' sie nur oberflächlich. Draco strahlte ein zufriedenes Gefühl aus, gepaart mit einer gewissen Spannung, die Harry vermuten ließ, dass er wieder etwas plante. Blaise hingegen hatte ein zwiespältiges Gefühl von Zufriedenheit und Besorgnis in ihm.
Langsam erstreckte Harry den Fühler bis zu Marcel. Eine Tat, die er im Nachhinein nicht hätte tun sollen.
Zuerst kam die Kälte. Dann eine allesfressende Schwärze und schließlich erschien vor Harrys Augen, die auf Marcel gerichtet waren, eine rotpulsierende Aura, die den jungen Zauberer umgab. Die Aura war in ihrer Farbe noch angenehm, aber was von ihr ausging, war nichts dergleichen. Sie war nicht böse, sondern vielmehr einfach gefährlich. Tödlich.
Und sie wob sich um Marcel wie eine Art Kokon. Der Ravenclaw war von ihr eingehüllt und schien gleichzeitig an ihr zu ersticken als auch in ihr aufzugehen.
Außerdem machte es die Aura fast unmöglich für Harrys Sinne, den Braunhaarigen 'lesen' zu können. Ein dumpfes Spannungs- und Glücksgefühl war wahrnehmbar, aber alles wurde gedrosselt durch diese Aura.
Schwindelgefühl und ein flauer Magen signalisierten Harryy, dass er seine Fühler schnellstens wieder einziehen sollte. Sobald die Aura von seinen Augen verschwunden war, besserte sich sein zustand wieder, aber ein leichtes Brechgefühl blieb.
Stirnrunzelnd versuchte er noch, mit einem Ohr zu zuhören, wie Dumbledore irgendwelchen Mist über besseres Verständnis zwischen den Häusern von sich gab und die Schüler dann auf ihren Weg schickte. Während Hermine, Ron und Susan Bones ihrer Wege gingen, machten die anderen Schüler sich auf in den Kerker, weil Harry ihnen signalisiert hatte, mit ihnen reden zu müssen.
Es herrschte Schweigen, bis sie den eigentlichen Kerker betreten und den Schulleiter weit hinter sich gelassen hatten. In einem der vielen Räume im Kerker, dann wandte sich Harry erst an die anderen:
„Als aller erstes: Das war zwar sehr amüsant, Fred-George, aber auch genauso riskant und gefährlich! Das nächste Mal, wenn ihr so was plant, sorgt dafür, dass ihr auch heil wieder raus kommt, alles klar? Ihr könnt von Glück sagen, dass Marcel euch zu Hilfe gekommen ist!"
Die Zwillinge waren von Harrys Schelte mehr getroffen als von der, der Professoren. „Harry... das sollte doch nur ein Denkzettel sein.", murmelte einer von ihnen und der andere: „Aber wir versprechen, so etwas von jetzt an besser durch zu denken."
Zufrieden nickte der Schwarzhaarige. „Hoffentlich tut ihr das." An Marcel gerichtet sprach er weiter: „Vielen Dank, dass du den Zwillingen geholfen hast. Die Lehrer hätten es wahrscheinlich nicht erlaubt, sie auch noch in den Kerker zu holen."
Der Braunhaarige lächelte leicht. „Kein Problem. Wir haben auch noch etwas Platz bei uns im Turm, das sollte funktionieren."
Draco musterte den ruhigen Ravenclaw. „Du hast uns jetzt schon öfters geholfen, Romanov."
Das Lächeln des Braunhaarigen wurde etwas größer. „In der Tat. Ich hege keine große Sympathie Ronald Weasley gegenüber. Er ist ein selbstgefälliger Idiot."
„Wahre Worte.", nickte Draco.
Harry stand dem Ravenclaw jetzt skeptischer gegenüber. Was auch immer diese Aura war, es gefiel ihm nicht - er wusste zu wenig darüber und was es über Marcel aussagte. Doch war es eine Tatsache, dass der Braunhaarige ihnen half. Und letztendlich war die Aura sowieso egal, wenn er schlussendlich dafür einen starken Helfer bekam. Denn das die Aura auch von Macht zeugte, war Harry bereits klar.
„Auf alle Fälle vielen Dank, Marcel. Wir-" Harry blieben die Worte abrupt im Hals stecken, als Marcel eine Hand austreckte und seine Wange berührte. Die drei Finger, die direkten Kontakt mit seiner Haut hatten, fühlten sich kalt an. Ein komischer Ausdruck überkam das Gesicht des Ravenclaws und Draco sowie Blaise nahmen eine drohende Haltung ein, während die Zwillinge vorsorglich einen Schritt zurück traten.
„Falls du mich gebrauchen kannst, sag mir bescheid. Ich schwöre dir meine Treue." Mit diesen ominösen Worten ließ Marcel wieder ab von Harrys Wange und verließ den Raum in wenigen Schritten. Zurück blieben fünf sehr verwirrte junge Männer.
„Irgendwie sind nicht mehr ganz so froh, dass wir bei ihm im Turm wohnen werden," murmelte Fred, während George einen Arm um ihn schlang. Draco überkreuzte seine Arme und runzelte seine Stirn, während Blaise vorsichtig Harry untersuchte und sicher stellte, dass dem Schwarzhaarigen auch nichts fehlte.
Harry sah ihn böse an und der Slytherin stoppte mit seiner Untersuchung.
„Mir fehlt nichts. Er hat nur meine Wange angefasst."
„Für manches kann das ausreichen.", war Blaises Antwort, „Und der Blick..."
Harry nickte geistesabwesend. „Seine Finger waren kalt." „Kalt?"
Er nickte Draco zu. „Sehr kalt."
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„Du hast WAS?"
„Hör auf mit deinem Kreischen du undankbares Etwas!"
„Undankbar? UNDANKBAR? Weil du dich diesem... diesem... Biest anbietest!"
„Nenn ihn nie wieder Biest! Und ich erinnere dich daran, dass du nur hier bist, weil per Gesetz Zwillinge, wenn möglich, auf eine Schule sollen! Du hättest die Aufnahme in Hogwarts niemals durch deine eigenen Fähigkeiten geschafft!"
„Fähigkeiten, nennst du das also, deine Abnormalitäten? Fähigkeiten? Das ich nicht lache! Ich dachte immer, du wärest nur etwas anders deswegen aber jetzt sehe ich es ja - du bist genauso eine BESTIE, wie man deinesgleichen immer nennt!"
„Zügel deine Zunge! Du bist vielleicht meine Schwester, aber das wird mich nicht davon abhalten, dir Einhalt zu gebieten!"
„Einhalt! DIR muss Einhalt geboten werden! Reicht es nicht aus, dass du für dein Leben lang etwas Minderwärtiges in dir trägst, musst du dich jetzt auch noch an das Böse verkaufen?"
„Jetzt wirst du dramatisch. Er ist nicht das Böse und verkaufen tue ich mich schon gar nicht. Aber wenn DU mir - ihm! - noch einmal in die Quere kommst, dann werde ich dir zeigen, dass meine 'Abnormalität' nicht das einzige ist, was mich anders als deine kleinhirnigen Freunde macht!"
„Du...
du drohst mir? Nicht nur so, sondern wirklich? Du meinst das
ernst, nicht wahr? Du tust es! Man sollte dich... aber warte. Was
meinst du, was dich sonst noch anders macht? WAS hast du noch
getan?"
„Nichts, dass dich etwas angehen würde,
Schwester. Stell dich nicht in den Weg, sonst wird dich jemand zur
Seite räumen müssen."
Blinzelnd setzte sich Carmen Zabini in ihrem Bett auf und schaute verwirrt durch den Raum. Das war schon der dritte derartige Traum, den sie gehabt hatte. Ihre Augen reibend stieg sie aus dem Mett und sah auf ihre magische Uhr.
Drei Uhr morgens. Was für eine unangenehme Zeit. Und das wo sie doch erst um Mitternacht im Bett war, weil Harry noch eine Besprechung der älteren Slytherins anberaumt hatte, als Konsequenz auf den Streich der Zwillinge und deren Verlegung.
Warum mussten diese Träume sie aber immer auch zur falschen Zeit stören? Den Sinn hinter ihrer zugegebenermaßen schwachen seherischen Gabe verstand sie eh nicht, doch noch nie vorher hatte sie so zusammenhängende Träume. Normalerweise sah sie nur vereinzelt Visionen über Vergangenes und Dinge aus der Zukunft, dann jedoch ohne Zusammenhang und große Bedeutung.
Diese Träume aber tauchten immer wieder auf und immer wieder ging es um einen Bruder und eine Schwester, auch wenn sie deren Gesichter nie sehen konnte. Vielmehr schien sie hinter einer verschlossenen Tür zu stehen und deren Gespräche zu belauschen.
Und in jedem Traum war dieses Gefühl... das Gefühl der Wichtigkeit. Diese Träume hatten tatsächlich Bedeutung, eine große sogar. Doch wie konnte sie die verstehen? Sie wusste nicht einmal, um wen es sich handelte und was gemeint war!
Nur eins wusste sie: Diese Träume waren weder aus der Vergangenheit noch aus der Zukunft. Sie waren aus dem Jetzt, der Gegenwart. Allein das war untypisch.
Seufzend kramte sie ein Buch aus ihrem Nachhtisch hervor und zauberte ein kleines Leselicht herbei. Es würde eh dauern, bis sie wieder einschlafen konnte.
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Der Einzug von Fred und George ins Territorium der Ravenclaws verlief ohne große Hindernisse. Einige Mitlgieder des Hauses sahen die bekannten Streichespieler und Unruhestifter misstrauisch an, doch die meisten ließen sie einfach in Ruhe. Die Zwillinge ihrerseits hielten ihr Versprechen und versuchten, den Ravenclaws möglichst nicht im Weg zu sein.
Die gespannte Stimmung im Unterricht blieb bestehen, auch wenn die Kämpfe und Pöbeleien in den Gängen und Klassenzimmern zurück gingen. Harry besuchte den Unterricht natürlich noch nicht und beschäftigte sich stattdessen mit seinem anderen Training.
Die schwerste Woche hatte jedoch wohl Carmen Zabini. Die Slytherin wurde nun schon nächtlich mit Visionen über Gespräche traktiert, nicht nur von denen der beiden Geschwister. In ihren Träumen lauschte sie auch einer Art Schwindler, der wohl kein großes Glück im Leben hatte und einer Art Elitekämpfergruppe half. So jedenfalls hörte es sich an. Der Name des Schwindlers schin Gus zu sein, allerdings war sie sich da nicht sicher.
Eine andere Person, die sie belauschte, war eine Squib, die in einer Muggelgegend wohnte. Sie schien aus einem gewissen Grund dort gewesen zu sein und wollte den Ort jetzt verlassen, um einen neuen 'Auftrag' auszuführen.
Es war frustrierend, die Sache mit diesen Träumen. Nach zwei Tagen war sich Carmen sicher, dass diese Träume nicht ihre eigenen Visionen waren. Sie war einfach keine so gute Seherin und allein die Häufigkeit der Träume ließ sie fast verrückt werden. Sie konnte es sich gar nicht vorstellen, wie man sich fühlen musste, wenn man jede Nacht solche Visionen hatte.
Aber wenn es nicht ihre eigenen waren, blieben nur noch zwei andere Möglichkeiten übrig: Entweder sie spürte aus Versehen die Visionen eines anderen, mächtigen Sehers - was sie bezweifelte, da sie selbst dafür zu schwach war - oder ein mächtiger Seher schickte ihr die Visionen.
Wieso? Zu welchem Zweck?
Was wollte der Seher damit erreichen?
Und wer war dieser Seher!
Es war bereits halb fünf, als Carmen endlich wieder in den Schlaf sank. Trotz ihrer Besorgnis hatte sie Harry noch nicht Bericht erstattet über die seltsamen Visionen. Das lag nicht daran, dass sie Angst hatte oder verunsichert war - sie wollte nur erst Informationen haben, bevor sie den jungen Grauen Lord damit störte. Außerdem hatte Draco selbst explizit verlangt, dass niemand Harry behelligen sollte, sofern nicht ein triftiger Grund vorlag. Und das war hier ja nun nicht der Fall, es ging ja schließlich um wildfremde Personen.
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Carmen war nicht die einzige Person, die Probleme mit ihrem Schlaf hatte. Auch Harry fühlte sich in den letzten Tagen wieder komisch, wenn er erwachte, als wenn sein Schlaf nicht so erholsam gewesen wäre, wie er hätte sein sollen. Er erinnerte sich jedoch nie an Alpträume oder ähnliches und auch sonst entdeckte er nichts Komisches an sich. Letztendlich tat er es einfach als eine vorübergehende Phase ab.
Die Stimmung von Umbridge 1, oder, wie Therese sie nannte, Kröti, hatte sich ebenfalls dramatisch verschlechtert. Charlie schien ihr neues Lieblingsziel zu sein, was Schikanen und unbegründete Fehler anging. Keine Minute ließ sie von ihm ab. Es schien fast, als wenn sie fanatisch war, was Wesen wie den Wandeldrachen anging, der Charlies Vertrauten darstellte. Fanatisch in einem ungemein lästigen und schlechtem Sinne.
Sie war nichs wie ihre Schwester.
Therese war höflich und nett, wenn Harry auch ihren Geschmack was Einrichtung anging nicht teilen konnte. Sie hatte Harry bereits erklärt, dass sie ihn keineswegs für verrückt halte, und es völlig normal sei, wenn ein Heranwachsender sich während seines Lebens in dumme Situationen brachte und neue Wege suchte. Seine Kleidungs- und Freundeswahl war für sie kein alarmierendes Anzeichen.
„Ach Merlin, ich habe doch damals auch verschiedene gute Freunde gehabt. Manchmal passiert so etwas eben."; hatte sie lachend gesagt.
Therese erklärte ihm während der Gespräche jedoch auch, dass er ein gewisses „Potenzial" besaß, eine Psychose zu entwickeln. „In gewissem Sinne hat das jeder Mensch.", hatte sie gesagt, „Mit dem richtigen ‚Antrieb' oder ‚Auslöser' kann aus jedem Menschen ein Wahnsinniger werden."
Dumbledore würde sich wundern, wenn Therese ihm ihre Ergebnisse vorlegen würde. Momentan jedoch hatte er immer noch „Therapie" und würde auch in der kommenden Woche bei ihr erscheinen müssen. Dann jedoch abends, da er tagsüber wieder am normalen Unterricht teilnehmen würde. Nur schonen würde er sich noch müssen, wie Pomfrey gesagt hatte. Das bedeutete, dass er wenig Zauber aussprechen durfte und besonders mächtige lieber erst später zu probieren hatte.
Severus Snape wurde von Harry mit höchster Konzentration ignoriert und er war froh, nicht in den Unterricht zu müssen diese Woche. Mehrmals hatte er sich jetzt schon dabei erwischt, dem Mann hinterher zu starren, wenn er ihn in den Gängen oder im Gemeinschaftsraum sah. Das war nicht gut, gar nicht gut. Der Trankmeister war älter, reicher und einfach nicht auf Harrys Level. Warum konnte er jetzt nicht aufhören, ihn zu bemerken? Ab nächster Woche würde auch sein Extra-Unterricht bei Severus wieder anfangen! Was sollte er denn da tun!
Spät am Montagabend der zweiten Schulwoche nach den Weihnachtsferien saß Harry gemütlich im Slytheringemeinschaftsraum. In einer Stunde war ein Treffen der kleinen Gruppe von Anhängern des Grauen Lords und er musste diesen Brief vorher noch beantworten.
Harry,
ich hoffe, du hast
dich inzwischen ausreichend von den hektischen Erlebnissen der
letzten Wochen erholt. Erneut möchte ich dir Nachricht wegen
einem Treffen zwischen uns beiden schicken.
Ich habe keinen
Zweifel daran, dass du dich in die Ritualmagie vertieft hast, doch
kann ein Schüler wie du an einer schulischen Einrichtung wie
dieser natürlich nur bedingt praktische Erfahrung sammeln. Ich
wollte dir eine Gelegenheit bieten, dein Können zu verbessern
und erste wirkliche Erfahrung mit magischen Ritualen zu
machen
Diese Gelegenheit hat sich zufällig ergeben und es
würde mich immens freuen, wenn du mir Gesellschaft leisten
würdest. Ich spreche vom Mittwochabend, ungefähr gegen zehn
Uhr abends. Den genauen Treffpunkt würde ich dir mitteilen,
sobald du eingewilligt hast.
Da wir uns für die Übung in
den Wald begeben werden, kann ich Bedenken deinerseits aufgrund
deiner Verfassung durchaus verstehen. Natürlich werde ich keinen
Groll hegen, solltest du ausschlagen, ich versichere dir jedoch, dass
deine Sicherheit gewährleistet ist.
Mit besten
Grüßen,
Visal Vadal Lucard
Draco würde Harry in Grund und Boden diskutieren, wenn er jetzt in den verbotenen Wald marschieren würde, um ein schwarzmagisches Ritual durchzuführen. Mit einer Person, die er nicht mal richtig kannte, nur aus dem Unterricht und Briefen heraus! Selbst Severus mochte Lucard nicht, das sollte schon etwas heißen.
‚Allerdings', sagte Harry geistig sich selbst, ‚mag Severus auch nicht Sirius und Sirius ist ein guter Freund.'
Was also sollte er tun?
Sie brauchten die Ritualmagie, um ihren Stützpunkt zu schützen… ihre weiteren Stützpunkte, wenn es nach Harry ging und der Stille Fürst mehr Einfluss gewann. Außerdem juckte es ihm in den Fingern, endlich eines der vielen Rituale, von denen er gelesen hatte, auszuprobieren. Teile der Rituale, wie bestimmte Teilzauber oder Gesänge zu üben war eine Sache… aber ein ganzes Ritual? Wo man jederzeit die schwarze Magie in ihm feststellen konnte? Er hatte schon vor seinem Zusammenbruch das Problem gehabt, dass er nur schleppend praktische Übung in allen schwarzmagischen Bereichen machen konnte! Wenn Lucard einen Weg kannte, unbemerkt ein Ritual durchzuführen, dann sollte er die Chance ergreifen!
Überzeugt griff er nach seinem Federkiel und schrieb die Antwort.
Professor Lucard,
es würde mich freuen, Sie auf einen Ausflug in
den Wald zu begleiten. Ich versichere Ihnen, dass mein derzeitig
leicht geschwächter Zustand keine Behinderung darstellt und
erwarte die praktische Übung bereits mit großer
Vorfreude.
Falls bestimmte Dinge für das Ritual benötigt
werden, die ich mitbringen soll, müssten Sie mir dies jedoch
bereits so früh wie möglich, am besten Morgen am Dienstag,
schon sagen, da ich Mittwoch bis spät abends Unterricht
habe.
Ich freue mich auf Mittwochabend,
Mit den besten
Grüßen,
Harry Potter
Zufrieden mit dem Ergebnis versiegelte Harry den Brief und brachte ihn noch vor dem Treffen seiner kleinen Gruppe hinauf in den Eulenturm. Dafür blieb gerade noch genug Zeit.
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Als Harry - als letzter - in ihrem Konferenzraum ankam, stellte er überrascht fest, dass ihre Gruppe sich um eine Person erweitert hatte.
Neben Charlie stand, an die Wand gelehnt, der Viperzahn mit den grünen Haaren. Seine Augen waren geschlossen und er schien von seiner Umgebung kaum Notiz zu nehmen. Die Zwillinge unterhielten sich mit ihrer Schwester, die jetzt ‚alleine' als Weasley im Turm hauste und neben ihnen saß der schüchterne Neville, welcher dem Drachen hin und wieder einen nervösen Blick zuwarf.
Draco und Blaise diskutierten angeregt etwas mit Carmen und Charlie, wobei der Weasley seine Worte mit ausladenden Gesten unterstrich und den armen Blaise ein paar Mal fast am Kopf traf.
Alles in allem hätte dies hier das Treffen einer kleinen Schülergruppe mit ihrem Lehrer zu außerschulischem Zwecke sein können und nicht das einer ungesetzlichen Aufstandsgruppe.
„Na endlich, Harry!", riefen die Zwillinge und grinsten den sogenannten Fürsten an. Der Schwarzhaarige lächelte kurz und setzte sich dann an den Tisch.
Sofort sprach Charlie ihn an: „Harry, ich hoffe es geht in Ordnung, dass ich meinen Vertrauten mitgebracht habe. Du brauchst dir keine Sorgen darüber zu machen, dass er jemals etwas verraten wird… Drachen sind schweigsamer als Menschen und er wird dich ebenso wie ich unterstützen."
Die anderen hatten ihre Gespräche unterbrochen und der Drache seine Augen geöffnet. Sie blickten Harry ruhig entgegen und erstaunt stellte dieser fest, dass sie ihre Farbe geändert hatten. Jetzt leuchteten sie in einem sanften Orange-Rot.
„Ich vertraue deiner Meinung in diesem Punkt, Charlie und freue mich, deinen Vertrauten auf meiner Seite zu haben.", war Harrys Antwort. Der Drache lächelte leicht und nickte ihm kurz zu, sagte sonst jedoch nichts.
„Allerdings," fügte Harry an, „würde ich demnächst lieber vorher über neue Mitglieder informiert werden und sie nicht erst bei einem Treffen sehen." Entschuldigend nickte Charlie.
„Da wollten wir gleich vorschlagen," meinte Fred, „dass wir auch Bill dazu holen.", beendete George den Satz.
Anscheinend hatten sie das Thema bereits vorher angesprochen, den Draco rollte wissend mit seinen Augen. „Wie es aussieht möchte fast der ganze Weasley Clan sich dir anschließen.", kommentierte er trocken.
„Hey, Bill ist ein Fluchbrecher," verteidigte Charlie seinen älteren Bruder, „seine Fähigkeiten sind sehr nützlich. Er ist gut bei dem, was er tut und würde Harry garantiert unterstützen. Natürlich hat er vom Stillen Fürst gehört, ich habe ihn mal dazu ausgefragt. Grundsätzlich wäre er auch für mehr Rechte von Werwölfen und anderen unterdrückten Rassen. Weder das Ministerium noch Voldemort sind eine attraktive Gruppe für ihn. Am ehesten hätte er sich wohl Dumbledore angeschlossen, aber wenn wir ihn mit dieser vierten Möglichkeit konfrontieren, wird er sich dir garantiert anschließen."
So wie es aussah hatte Charlie wirklich lange darüber nachgedacht, ob man Bill dazuholen konnte.
Im Grunde war Harry dafür. Bill war ein Erwachsener, wenn auch ein junger Erwachsener und sie brauchten zwingend mehr Mitglieder als nur Schüler.
„Ich würde gerne Bill einmal aushorchen, wenn ihr nichts dagegen habt, und danach die Entscheidung fällen."
Damit waren die Zwillinge und Charlie einverstanden. „Außerdem," fuhr Harry fort, „möchte ich ebenfalls jemanden gerne an Bord holen sozusagen. Natürlich werde ich auch diese Personen erst aushorchen…"
„Wer ist es?", wollte Neville sofort wissen.
„Sirius Black, Remus Lupin und Percy Weasley."
Draco stöhnte. "Noch ein Weasley. Nur Weasleys. Warum gibt es so viele Weasleys?"
Die Zwillinge lachten und Ginny musste schmunzeln. Charlie verzog sein Gesicht. „Um ehrlich zu sein gibt es so viele von uns, weil unsere Mutter nicht mitkriegte, dass ihr damaliger Lieblingstee starke, fruchtbarkeitsanregende Eigenschaften hatte. Nachdem sie aufhörte, ihn zu trinken, gab es auch keine Überraschungsschwangerschaften mehr."
Draco blinzelte. „Danke. Das waren mehr Informationen als ich eigentlich haben wollte. Obwohl es irgendwie amüsant ist…" Der Blonde grinste.
„Ähm, Harry… Ist das denn sicher? Ich meine… Sirius Black, Percy?" Neville brachte die Namen der jeweiligen Personen nur stotternd heraus, weil die anwesenden Weasleys im kalte Blicke zusandten. „Percy ist immer noch ein ganz normaler Mensch, Neville. Nun gut, vielleicht nicht ganz normal… aber er ist nicht plötzlich das Böse in Person geworden. Und ich bin mir sicher, dass er uns gut helfen kann. Und Sirius und Remus sind die letzten lebenden Freunde meiner Eltern… allein deshalb hätte sich lieber auf meiner Seite des Schlachtfeldes."
Das verstand jeder der Anwesenden und auch der Drache nickte bekräftigend.
„Diese Organisation braucht mehr Mitglieder, auch ältere.", brummte der Drache von seiner Stelle an der Wand, „Ich finde es erstaunlich, wie viel ihr bereits geschafft habt, wenn man euer Alter bedenkt - jetzt seht mich nicht so finster an, das entspricht den Tatsachen. Es ist nicht normal, dass Jugendliche eures Alters ein Familienhaus ungesehen überfallen und einem angesehenem Mitglied der Gesellschaft unerkannt Schaden zufügen können."
„Was wollt ihr damit sagen?", hakte Draco nach.
Sich von der Wand abstoßend nahm der Drache neben Charlie Platz.
„Was ihr bisher geleistet habt, ist gut. Sehr gut. Aber es reicht nicht aus, um eure Partei wirklich kriegsfähig zu machen. Ein Kleinkrieg hier in Hogwarts ist eine Sache - aber eine kindische, die anders zu bewältigen ist als ‚die große weite Welt'. Ihr braucht Informationen, einen festen Plan, der mehr als nur ein bloßes Ziel ist sondern auch den Weg dorthin beinhaltet und vor allem braucht ihr massig Anhänger - ohne werdet ihr nichts erreichen."
Harry nickte. Der Drache sprach die Wahrheit, sie waren keineswegs in der Lage, wirklich in das Geschehen des Krieges einzugreifen. Auf sich aufmerksam machen… das konnten sie, aber es steckte keine wirkliche Macht dahinter.
Der Drache hatte noch mehr zu sagen:
„Euer erster Angriff
war sowohl schlecht als auch gut. Schlecht, weil ihr damit auf euch
aufmerksam gemacht habt, ohne die nötige Rückendeckung für
die möglichen Konsequenzen zu haben. Glücklicherweise
konnte der Angriff nicht zurückverfolgt werden.
Gut war es
jedoch deswegen, weil ihr so auch ins Interesse und Licht der
Öffentlichkeit gerückt sein. Mögliche Anhänger
können jetzt nicht nur von vagen Gerüchten angelockt
werden, sondern von Tatsachen. Das ist ein immenser Vorteil. Ihr seid
noch nicht mächtig, aber es entstand der Schein, dass ihr eine
gewisse Macht besitzt. Damit müsst ihr jetzt arbeiten."
Stille hatte sich im Raum ausgebreitet und Charlie sah seinen Vertrauten mit einem Lächeln an. Der Drache hatte seien Arme überkreuzt und sich nach hinten gelehnt. Seine Körperhaltung war ruhig, fast starr und Harry musste mit Erstaunen dieses einmalige Wesen mustern. Er war schlau und intelligent - ein formidabler Berater.
„Was schlagt ihr vor?"
„Zunächst… ich denke es wäre einfacher, wenn ich für euch einen Namen hätte. Ich werde euch nicht meinen wahren geborenen Namen geben, ich hoffe ihr versteht das." Fragend sah der Grünhaarige den Stillen Fürst an.
Dieser nickte. „Natürlich. Der Name ist etwas sehr wichtiges für einen Drachen, fast heilig und sehr persönlich."
Der Kopf des Drachen neigte sich leicht und das Wesen fuhr fort: „Nennt mich Arkandor, wenn wir alleine sind. Und gebt den Namen auf keinen Fall weiter." Nachdem die Anwesenden genickt hatten, sprach Arkandor weiter.
„Von hier aus
Hogwarts aus bekommt ihr nur wenige neue Mitglieder. Andere Schüler
sind gut und fein, sie können zu äußerst loyalen
Anhängern heranwachsen. Kinder sind leicht zu beeinflussen und
genau das tut ihr ja, auch wenn ihr es nicht so aggressiv macht wie
einige andere Leute.
Aber für ältere Mitglieder habt ihr
nicht viele Möglichkeiten. Bill wird andere für euch
ausfindig machen können in seinem Bekanntenkreis, vielleicht
sogar eine Verhandelsbrücke zu den Goblins aufbauen können.
Charlie hat bereits angefangen, seine Freunde in Romänien
auszufragen. Doch das ist ein anderes Land, auch wenn es dort viele
englische Auswanderer gibt und inwiefern jemand von dort hier in
einen Kampf verwickelt werden will ist noch ungewiss.
Sollte sich
Remus Lupin euch wirklich anschließen, habt ihr einen Trumpf in
der Hand. Lupin hat schon immer einen gewissen Einfluss bei den
Werwolfgemeinden und einigen anderen magischen Wesen gehabt. Er wird
gut als Botschafter arbeiten können und sicherlich viele von
eurer Seite überzeugen können. Ihr seid die ersten, die
wirklich etwas für diese Völker tun wollen und nicht nur
leere Worte fabrizieren. Euer erster Angriff zeugt bereits davon.
Von diesen Leuten ausgehend solltet ihr das Netzwerk immer weiter verbreiten. Ihr hättet gute Startpunkte, um Spezialisten zu bekommen, ein Plus im Krieg."
Arkandor stockte und schien über etwas nachzudenken. Zögerlich fügte er dann hinzu: „Ich besitze auch noch ein paar Kontakte in der Zaubererwelt, doch ist zweifelhaft, wie viel sie uns helfen können… es sind keine Menschen und die meisten von ihnen besitzen keine große Macht. Sie wären jedoch als Verbündete nichtsdestotrotz wertvoll, allein schon als Anhänger."
Sein Plan war gut, das stimmte. Harry nickte dem Drachen zu und war, ebenso wie die anderen, ins Schweigen geschockt. Natürlich hatten sie mehr Mitglieder kriegen wollen… aber Arkandor ließ alles viel klarer und logischer erscheinen. Harry hatte plötzlich das Gefühl, als wenn sie vorher vor sich her gedümpelt waren und erst jetzt durch den Beitritt dieses Drachens wirklich von der Stelle kämen.
Arkandor musste eines der besten Dinge sein, das ihnen hätte passieren können.
A/N:
Der Name „Arkandor" stammt aus einem Rollenspiel der DSA Welt. Er gehörte einem Drachen, der zugleich der Endgegner war.
