Es war Michael, der als erster seine Stimme wieder fand. „Ich hab' dich so vermisst", presste er flüsternd hervor. Seine Lippen bebten.

Lincolns eigenes Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, ob dieser Eindringlichkeit. Nicht nur Verzweiflung sprach aus diesen hellen Augen, die er schon sein ganzes Leben lang kannte. Ebenso war es Verlangen, lodernde Hitze. Und etwas, das er in den letzten Jahren fast vergessen hatte. Liebe. Nicht mehr, nicht weniger. Der wahre Grund, der einzige Grund für alles. Und es brauchte nicht viel, ein Aufflackern nur in Michaels Blick, um Lincoln wieder daran zu erinnern. Die Welt um sie herum war nichts, verblasste und verlor sich in einem einzigen Strudel von Grau und einem undeutlichen Rauschen. Es war besänftigend und aufwühlend zugleich. Nichts zählte mehr, wenn sie nur beisammen waren. Wie hatte er das all die Jahre vergessen können?

Plötzlich konnte Lincoln sich nicht länger zurückhalten. Atemlos schüttelte er seine Starre ab, drehte Michael herum, fasste ihn fest an den Schultern und küsste ihn auf den Mund. Hart und ungestüm, aber Michael beschwerte sich nicht. Im Gegenteil. Er klammerte sich an die starken Arme seines Bruders und öffnete seinen Mund bereitwillig. Gewährte der fordernden Zunge Einlass, ergab sich ihr widerstandslos, und entfachte so in Lincoln ein Feuer, das lange Zeit nur geschwelt hatte.

Irgendwie kollidierte Michaels Kehrseite unangenehm mit dem Waschbecken. Er gab einen indignierten Laut von sich, ohne jedoch seine Lippen von Lincolns zu lösen, und manövrierte sie beide zur Seite, bis er mit dem Rücken gegen die Wand stieß. Lincoln ließ sich widerstandslos mitreißen. Das Feuer in seinem Inneren breitete sich rasend schnell aus. Michael auf seiner Zunge zu schmecken, diese süßen Lippen weit zu öffnen und für sich ganz allein zu beanspruchen, erfüllte ihn mit einer lange verdrängten Ekstase. Seine Lippen verließen Michaels Mund und wanderten über das leicht stoppelige Kinn hinunter zur Kehle und zu der zarten Haut von Michael Hals, den er ihm bereitwillig darbot. Hier ein Kuss, da ein Knabbern am Ohrläppchen, dort eine lange, feuchte Spur mit der Zunge.

„Lincoln... mmh… Linc, oh Gott, Linc!"

Lincoln grinste gegen Michaels Haut. Das war definitiv ein anderer Michael als dieser snobistische kleine Klugscheißer, der ihn manchmal mit seiner Pingeligkeit zur Weißglut treiben konnte. Genüsslich biss er in die Rundung zwischen Hals und Schultern, was ein tiefes Grollen aus Michaels Kehle lockte, packte dabei Michaels Handgelenke und drückte sie weit von ihren Körpern weg gegen die Kacheln.

„Ups. Jetzt hast du mich wohl, was?", fragte Michael dann mit einem so koketten Augenaufschlag, dass Lincoln lachen musste. Ließ den Kopf gegen Michaels Hals fallen und lachte. Kein Wunder, dass er die Ärztin, Pope, Abruzzi, ja selbst T-Bag um seinen kleinen Finger wickeln konnte. Diese Mischung aus süßer Unschuld und Verschlagenheit war unwiderstehlich!

Lange hatte Lincoln nicht mehr so herzhaft gelacht, aber dieses Lachen blieb ihm förmlich im Hals stecken, als Michael ganz plötzlich seine Hüften vorschob und Lincoln seine Erregung spüren ließ. Lincoln keuchte, riss den Kopf zurück und -- Und sah dieses kleine, schiefe Lächeln auf dem Gesicht seines Bruders, das so typisch für ihn war, aber in letzter Zeit viel zu selten. Wer ihn nicht kannte, mochte es für arrogant halten. Aber Lincoln nahm es als das, was es wirklich war.

Er wusste, wie sehr Michael die Herausforderung brauchte, um seine Grenzen zu definieren. Also gab Lincoln ihm, was er wollte. In einer schnellen Bewegung presste er seinen Körper der Länge nach fest gegen den von Michael. Jetzt war es an Michael, aufzukeuchen. Die Arme nach wie vor weit von sich gestreckt, war er gefangen zwischen Lincolns warmem Körper und den kalten Kacheln.

Jetzt hab' ich dich, Mikey". grinste Lincoln und nahm sich einen Augenblick, den Mann vor sich anzusehen. Die Lippen rot und geschwollen von den wilden Küssen, in der Halsbeuge erblühte gerade der Abdruck von Lincolns Zähnen. Er war wunderschön, seine Augen und sein glühender Körper schrieen nach mehr. Lincoln lehnte sich vor, rieb Kinn und Nase an Michaels Wange, atmete den vertrauten Geruch ein.

„Was willst du nun tun?", fragte er gegen Michaels Haut

„Ich bin gut im Ausbrechen, oder nicht?"

„Versuch's", brummte Lincoln, während er an der Linie des Kiefers entlang knabberte. Nur den Bruchteil einer Sekunde später stöhnte er laut auf, als eine heiße Zunge in sein Ohr tauchte. Fast gleichzeitig schob sich ein Oberschenkel in seinen Schritt und presste sich hart gegen sein erregtes Fleisch.

„Aaah…"

„Was sagst du dazu?", hauchte Michael zwischen feuchten Küssen um das Ohr herum.

„Du entkommst mir nicht. Selbst wenn ich deine Arme loslasse."

Tatsache war, dass Lincoln selbst seine Hände nicht länger dort lassen wollte, wo sie waren. Er war immer schon ein taktiler Mensch gewesen, und jetzt wollte er mehr von Michael anfassen. Es war als knisterten Funken an seinen Handflächen. Seine Arme kribbelten, sein Inneres stand in Flammen. Er konnte nicht anders, als mit beiden Händen Michaels Kopf zu fassen, um ihn zu küssen. Langsam, sinnlich und erotisch. Er nahm die volle, weiche Unterlippe zwischen seine Lippen, sog sanft daran, was Michael ein leichtes Wimmern entlockte. Er küsste beide Mundwinkel, leckte mit der Zungenspitze über die senkrechte Narbe über Michaels Oberlippe

Rhythmisch schob Michael seine Hüften vor und zurück, rieb sich an Lincolns Schenkel, und machte dabei so bezaubernde kleine Geräusche, dass Lincoln nicht anders konnte, als in den Rhythmus einzufallen. Sein beinahe schmerzhaft harter Schwanz jubelte, als er mehr Aufmerksamkeit bekam, mehr Reibung. Lincoln dachte einen Moment lang, seine Knie würden versagen. Er spürte das Kribbeln bis in die kleinen Zehen und keuchte in Michaels Mund hinein. Es passierte zu viel. Er konnte sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren. Küssen und Reiben. Festhalten. Berühren. Küssen. Riechen. Schmecken. Und Reiben und Küssen und... Sein Kopf schwirrte, trunken von dem Überangebot süßester Empfindungen. Er musste von den wunderschönen Lippen ablassen, wenn er nicht den Halt verlieren wollte. Sein Kopf fiel vornüber. Michael gefiel das offensichtlich gar nicht, packte ihn im Nacken, wollte zurück zu Lincolns Lippen. Als der jedoch nur unartikuliert grunzte und den Kopf auf Michaels Schulter ließ, gab Michael sich damit zufrieden, die Wange, das Ohr, das stoppelige Kinn zu küssen.

Lincolns Hände wanderten wie im Fieber über Michaels Oberkörper. Strichen über seinen Rücken - Michael lehnte jetzt nur noch mit den Schultern an der Wand -, strichen über seine nackten Arme, die Schultern, streiften seitlich die Rippen und griffen letztlich in Michaels Taille, wo sie vorübergehend Halt fanden. Jedoch nicht für lange. Rastlos wie sie waren, glitten seine Hände tiefer, trafen auf Stoff. Warum zum Teufel trug Michael immer noch diese verdammten Shorts? Heiße Finger glitten unter den Bund, schoben ihn ein Stück hinunter. Schon wollte er das überflüssige Kleidungsstück herunterziehen, als Michael ein Bein anhob und es um Lincolns schlang. Ihre Lenden kamen so in noch himmlischeren Kontakt. Die eben noch störende Unterhose war vollkommen vergessen. Lincolns rechte Hand war darin und knetete Michaels Hintern, dessen Muskeln sich bei jeder Vorwärtsbewegung herrlich anspannten. Seine Linke hielt Michaels Oberschenkel, unterstützte ihrer beider Bewegungen

Michael krallte sich in Lincolns T-Shirt, zerrte daran, hielt sich fest. Warum bin ich selbst noch angezogen? fragte Lincoln sich in einem winzigen Winkel seines Gehirns, der nicht sexgeflutet war. Aber es war egal. Er spürte Michaels Hitze auch so. Er spürte den harten Penis, der sich immer schneller und härter an seinem rieb. Jetzt war keine Zeit mehr, sich auszuziehen. Keine Zeit. Nicht für den Bruchteil eine Sekunde konnte er jetzt den engen Kontakt zwischen ihren Körpern unterbrechen.

Die Geräusche, die Michael mit jedem Atemzug machte, spornten Lincoln nur noch mehr an. Trieben ihn in einer enger werdenden Spirale immer höher, immer weiter ins Delirium hinein. Bis Michael, der beide Hände um seinen Nacken geschlungen hatte, irgendwann in seinen Armen erbebte. Das ekstatische Keuchen wurde mit einem Schluchzer beendet und Michael erstarrte. Sekundenlang regte er nicht einen Muskel. Dann atmete er zitternd aus und entspannte, schmolz förmlich in sich zusammen. Mit offenem Mund hatte Lincoln die Widerspiegelung des Orgasmus auf Michaels Gesicht beobachtet und war hingerissen. So wunderschön, engelsgleich und sexy. Es war der erhabenste Anblick, den er kannte. Aber als Lincoln plötzlich Hände auf seinem Hinterteil spürte, die seinen Schwanz hart gegen einen muskulösen Oberschenkel pressten, war das ehrfürchtige Staunen wie weggeblasen. Er stöhnte laut und stieß seine Hüften noch zwei-, dreimal vor, und dann fühlte auch er den Höhepunkt über sich hereinbrechen, wie eine riesige Welle, die ihn umzuwerfen drohte. Er kämpfte darum, den Blick nicht von Michaels Augen zu lösen, als er kam. Blaue Augen, die ihn liebevoll und ohne zu blinzeln ansahen. Es mag sein, dass er laut Michael rief, vielleicht explodierte der Name auch bloß in seinem Kopf in abertausende Sternchen, die in alle Richtungen stoben.

tbc.