12Michi12: China? - Ich glaube, ich hatte noch nie einen Leser in China. Das dürfte Entfernungsrekord für mich sein. Immerhin erklärt das die Uhrzeit, zu der das Review gekommen ist :-) Dass dich die Szene an Band 1 JKR erinnert, ist nicht ganz unbeabsichtigt. Überhaupt ist der ganze Schreibstil in der Chronik sehr an JKR angelegt. Es war eine ziemliche Umstellung von der Jagd zurück zu dem doch eher kindlichen Stil dieser Geschichte. Ich hoffe, dass ich nicht übertrieben habe. Du kannst dich übrigens freuen – mit Sirius geht es noch ein bisschen weiter.

Disclaimer: Nichts von dieser Geschichte gehört mir, außer einigen unbedeutenden Nebencharakteren. Alle Rechte bei J.K.Rowling.

Die Chronik der Rumtreiber

Band I

Das Schwert Gryffindors

Kapitel 3

Schwarz und Weiß

Da die Gruppe schon an ihnen vorbei war, musste sich James umdrehen, um sie genauer zu betrachten. Es waren vier, zwei Jungen und zwei Mädchen, die einem Großen Zauberer in dunkler Kleidung mit Smaragdgrünem Umhang folgten. Der Mann war augenscheinlich ein Mitarbeiter des Zaubereiministeriums. Ganz kurz hatte James das silberne Abzeichen am Kragen des Mannes aufblitzen sehen. Er kannte dieses Abzeichen, denn sein Vater trug ebenfalls so eines, wenn er unterwegs war zu offiziellen Anlässen. Es war aus Silber und bildete die Buchstaben Z und M – Zaubereiministerium.

Die vier Kinder, die dem Zauberer folgten waren abgesehen von ihrer etwas ungewöhnlichen Kleidung ganz normal. James fiel auf, dass eines der beiden Mädchen langes, leuchtend rotes Haar hatte. Aber das war auch schon alles, was ihm auf den ersten Blick auffiel.

„Woran erkennst du denn, dass sie muggelgeboren sind?" fragte er Sirius. James kannte Muggelkinder aus Godrics Hollow und bei einigen hatten sich auch magische Fähigkeiten entwickelt, aber dadurch, dass sie von Geburt an Seite an Seite mit dem magischen Teil des Dorfes lebten, gab es eigentlich keinen Unterschied zwischen den magischen und nichtmagischen Kindern.

„Abgesehen von ihrer Kleidung, meinst du?" antwortete Sirius. „Man muss ihnen nur in die Augen schauen. Wenn Muggelgeborene in der Winkelgasse sind, machen sie immer ein Gesicht, als hätten sie gerade einen Pottwal bei seiner ersten Flugstunde gesehen."

Bei dem Vergleich musste James grinsen. „Ich schätze mal, das ist verständlich, oder? Ich meine, schon für uns ist die Winkelgasse doch etwas Besonderes. Überleg mal, wie es sein muss, wenn du noch nie mit Magie zu tun hattest."

Sirius ächzte bei dem Gedanken. „Keine Magie? Mann, das muss ja vielleicht anstrengend sein. Wie halten die Muggel das bloß ihr Leben lang aus? Man möchte ja beinahe so etwas wie Hochachtung empfinden. Ich würde das bestimmt keine Woche lang aushalten."

„Wenn du es nicht anders kennst. Außerdem tu bloß nicht so, als ob du schon sonderlich viel gezaubert hättest. Absichtlich meine ich."

Die Kellnerin kehrte zurück und stellte einen einladend aussehenden Eisbecher vor James auf den Tisch ab. „So -einmal Schoko mit kandierten Früchten. Lass es dir schmecken, mein Junge." James nickte ihr dankend zu, doch sie war schon wieder auf und davon. Er schnappte sich seinen Löffel und rückte dem Eisbecher begeistert zu Leibe. Bei diesem Wetter war Eis essen wirklich die sinnvollste Beschäftigung, die er sich vorstellen konnte.

„Wo die wohl hinwolle?" brachte er das Thema wieder auf die Gruppe der Muggelgeborenen.

„Wahrscheinlich zu Gringotts." lautete die Antwort.

„Was wollen sie da denn? Ich meine, als Muggelgeborene haben sie doch bestimmt keine Verliese dort."

Sirius kicherte. „Nein, das nicht gerade. Aber wenn sie in der Winkelgasse einkaufen wollen, müssen sie sich zunächst einmal ihr Muggelgeld eintauschen. Ich schätze mal, dass das auch Erstklässler waren. Deshalb auch der Ministeriumsaufpasser bei ihnen."

James hatte seinen Löffel sinken lassen. „Die Muggel haben anderes Geld?"

Sirius verdrehte die Augen. „Du kommst wohl nicht viel rum, was?"

James straffte sich. Er mochte es gar nicht, wenn er von oben herab behandelt wurde. „Na hör mal, ich komme aus Godrics Hollow. Ich habe schon jede Menge Muggel in meinem Leben gesehen. Aber woher soll ich wissen, dass sie anderes Geld haben. Bei mir haben sie schließlich noch nichts gekauft!"

„Ich schätze", sagte Sirius „,dass dich jemand ganz gehörig unter die Fittiche nehmen muss. Nur werde ich das wohl nicht sein."

„Ach, und wieso bitteschön?"

Der schwarzhaarige Junge sah ihn merkwürdig ernst an. „Als ein Potter", sagte er, nachdem er einen Moment einfach nur still dagesessen hatte, „Wirst du wohl nach Gryffindor kommen. Von einem guten Black aber wird erwartet, dass er ein Slytherin wird. Allerhöchstens vielleicht noch ein Ravenclaw, aber etwas anders kommt auf gar keinen Fall in Frage."

James wusste natürlich von seinen Eltern, dass Hogwarts in vier Häuser unterteilt war. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter waren in Gryffindor gewesen. Und auch seine Großeltern waren Gryffindors zu ihrer Schulzeit. Also war es für ihn immer selbstverständlich gewesen, dass dies auch sein Haus werden würde. Er hatte, wenn er ehrlich war, noch nie auch nur einen Gedanken an die anderen Häuser verschwendet. Sie schienen für ihn ja doch nicht in Frage zu kommen. Aber warum eigentlich? Wenn dieser Sirius in ein anderes Haus kam, konnten sie wohl so schlecht nicht sein.

„Wir werden sehen." sagte er, doch es war mehr an sich selbst, als an Sirius gerichtet. Eine Weile löffelten die beiden Jungen schweigend an ihren Eisbechern (wobei der von James noch bedeutend gefüllter war) und beobachteten das geschäftige Treiben in der Winkelgasse. Von seinem Platz aus konnte James den Anfang der Straße gut sehen, wo sich alle paar Minuten der Bogen in der Mauer öffnete um weiter Personen auszuspucken oder schwer beladene Hexen und Zauberer aus der Winkelgasse hinauszulassen.

„Aber du hast mir noch immer nicht gesagt", begann James nach einiger Zeit, „Wer der Junge war, den du so unfein aber gekonnt auf´s Pflaster geschickt hast."

Sirius machte ein Gesicht, als habe sich sein Schokoladeneis spontan in Zitrone verwandelt. „Du meinst wohl Snape – diese Penetranz in Person."

„Auch ein Muggelgeborener?"

Sirius schnaubte. „Der? Nein – so schlimm kann ein Muggel gar nicht sein. Obwohl, ich glaube, sein Vater ist ein Muggel. Weiß ich aber nicht so genau. Seine Mutter arbeitet in der Apotheke da hinten." Er wies mit dem Daumen über die Schulter zu dem ersten Gebäude an der Straße. „Sie hat öfters mit meinen Eltern zu tun. Das sagt alles. Wir wohnen hier in London, musst du wissen. Zwar nicht hier in der Winkelgasse, aber es ist nicht sonderlich weit entfernt. Ich verstehe gar nicht, wie meine ach so reinblütigen Eltern sich überhaupt mit ihr abgeben können, wenn sie tatsächlich einen Muggel geheiratet hat. Aber vielleicht ist das ja auch nur ein Gerücht." Sirius seufzte. Seinem Gesicht war sehr deutlich anzusehen, was er von den Snapes hielt. „Also wenn du mich fragst, dann könnte der ganze Haufen auch gern nach Australien auswandern."

In diesem Moment kehrten Mrs Potter und James´Großvater von ihren Erledigungen bei Gringotts zurück. James hörte die gemütliche Bassstimme von George Potter und drehte sich um.

„Na, mein Junge – hast du dich gut unterhalten?"

James strahlte ihn an. „Habe ich, Grandpa." Er wies hinter sich. „Das ist Sirius. Er kommt auch dieses Jahr nach Hogwarts.

Der Genannte grinste spitzbübisch. James´Großvater ließ den Blick über das eingestickte Wappen auf Sirius´ Brust schweifen und ein seltsamer Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. Doch schon nach einem kurzen Moment hatte er sich wieder im Griff und lächelnd streckte er Sirius die Hand entgegen.

„George Potter. Freut mich sehr – Mr Black?"

Von James´ Mutter kam ein leiser Ausruf der Überraschung, doch Sirius zuckte mit keinem Muskel. Stattdessen ergriff er beherzt die ihm dargebotene Hand. „Völlig richtig, Sir. Sirius Black. Und sie müssen Mrs Potter sein."

James´ Mutter hatte sich wieder gefangen, nickte und gab ihm nun ihrerseits die Hand. „Angenehm." War jedoch alles, was sie dabei hervorbrachte. In ihrem Inneren fragte sie sich, ob ein Black wirklich der richtige Umgang für ihren Sohn sein konnte. Aber sie wollte kein vorschnelles Urteil abgeben.

George Potter hatte einen Stuhl herangezogen und ließ sich ächzend neben seinen Enkel niedersinken. „Bei diesem Wetter herumzulaufen ist nichts mehr für Männer in meinem Alter." sagte er und stibitze mit langen Fingern ein Stück Orange aus James´ nun schon merklich leererem Eisbecher, was ihm einen Protestruf einbrachte. James beeilte sich, den Becher leerzubekommen. Jetzt wollte er endlich mit dem Einkauf beginnen. Als er fertig war, rief seine Mutter die Kellnerin herbei und bezahlte sie mit silbernen und kupfernen Geldstücken.

„Sehen wir uns am Ersten beim Zug?" fragte James Sirius. Der nickte und die beiden Jungen verabschiedeten sich. „Und wie geht es jetzt weiter?" wandte sich James an seine Mutter, nachdem er aufgestanden war. Er war jetzt bereit, den Tag in Angriff zu nehmen.

„Lass mich einen Vorschlag machen." sagte sein Großvater. „Wenn du mir deine Liste gibst, dann besorge ich schon einmal deine Bücher, während du mit deiner Mutter zu Mr Malkins gehst, um deine Schulroben zu besorgen. Da solltest du dabei sein – wegen der Größe."

James dachte einen Moment lang nach, dann nickte er. Der große Buchladen Florish & Blotts lag dem Café gegenüber auf der anderen Straßenseite. Durch das Fenster konnte James ins Innere des Ladens schauen. Nichts als Bücherregale und sich drängende Menschenmassen. James hatte nicht viel für Bücher übrig. Zuhause im Potter-Anwesen hatten sie eine große Bibliothek. Sie lag direkt neben James´ Zimmer, aber er betrat sie nur selten. Und eigentlich nie, um zu lesen. Der Bücherkauf war also durchaus etwas, dass er getrost seinem Großvater überlassen konnte. Er kramte den Hogwartsbrief aus der Tasche, nahm die Bücherliste heraus und gab sie ihm. Dann wandte er sich an seine Mutter.

„Können wir dann?"

Sie nickte, die drei trennten sich und gingen in unterschiedlicher Richtung auseinander. Das Bekleidungsgeschäft von Mr Malkins lag ein Stück die Straße hinauf Richtung Gringotts, da wo rechts die Obergasse von der Winkelgasse abzweigte. Es lag an der Ecke und hieß eigentlich Mr Malkins & Son, doch inzwischen leitete der Sohn mit seiner Frau die Geschäfte fast ausschließlich allein. Die Augen des alten Mr Malkins hatten in den letzten Jahren stark nachgelassen und infolgedessen konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Irgendwann versagten selbst magische Heilmethoden. Doch man sagte noch immer, dass man zu Mr Malkins ging.

Mrs Potter betrat mit James den Laden, der aufgrund seiner großen Fenster sonnendurchflutet war. Mrs Malkins eilte direkt auf sie zu.

„Ah – Mrs Potter. Wie schön, sie zu sehen. Und der junge Mr Potter. Dieses Jahr geht es nach Hogwarts, nicht war?" Mrs Malkins war dafür bekannt, dass sie ihre Kundschaft kannte. Zwar war ihr Mann der eigentliche Erbe des Ladens, doch schon jetzt zeichnete sich ab, dass sie die Seele des Geschäfts werden würde. Wenn sie es nicht sogar schon war. Nach fünf Minuten hatte sie Mrs Potter einen Tee serviert und James auf ein niedriges Podest gestellt, wo er mit ausgebreiteten Armen stand, während Mrs Malkins mit Maßband, Zauberstab und Nadeln und einem wahren Feuereifer an ihm herumwerkelte. Zunächst fand James das Ganze ja noch spannend, aber nach einer halben Stunde begann es doch ermüdend zu werden. Und nachdem eine Stunde komplett vergangen war, wollte er nichts lieber, als aus dieser unbequemen Position herauszukommen.

„Wofür gibt es eigentlich Magie?" begann er zu maulen. „Können sie die Roben nicht einfach anhexen?"

Mrs Malkins sah ihn scharf an. „Wenn sie eine Robe vom Zauberstab tragen wollen – bitte." sagte sie etwas schnippisch. „Aber dann dürfen sie sich auch nicht beschweren, wenn man ihnen das auf den ersten Blick ansieht." James hätte ihr nur zu gern gesagt, wie egal ihm das war, aber er sah ihr an, dass sie sich in ihrer Berufsehre gekränkt sah, also hielt er besser den Mund. „Wenn sie jedoch wollen, dass ihnen die Robe wie einen zweite Haut passt und keine unliebsamen Falten wirft, dann lässt sich gute alte Handarbeit nicht vermeiden." Und mit etwas versöhnlicherem Ton fügte sie hinzu. „Aber ich denke, ich bin jetzt hier soweit. Diese Maße kann ich so übernehmen. Wie viele hätten sie denn gern?" Die letzten Worte hatte sie an Mrs Potter gerichtet, die inzwischen ihre zweite Tasse Tee geleert hatte und jetzt kurz nachdachte bevor sie antwortete.

„Ich denke drei leichte und zwei dickere für den Winter." begann sie. „Und dann noch einige Hemden, Hosen und Westen. Und außerdem noch einen Umhang. Ich denke, das wäre für den Anfang alles."

Mrs Malkins nickte nachdem sie alles mit einer Adlerfeder auf ein Stück Pergament niedergeschrieben hatte. „Nächsten Donnerstag müsste alles fertig sein" sagte sie mit einem Blick auf die Bestellung.

Mrs Potter erhob sich. „Sehr gut. Ich werde unseren Hauself vorbei schicken, um alles abzuholen und die Rechnung zu begleichen."

Mrs Malkins verneigte sich leicht. „Sehr wohl." Mit einem Wink ihres Zauberstabs verschwanden alle Nadeln und Stoffe von James und er konnte endlich von dem Podest heruntersteigen, was er auch augenblicklich tat. „Beehren sie uns möglichst bald wieder." dann wandte sie sich einer Frau zu, die den Laden vor einigen Minuten betreten hatte und darauf wartete, bedient zu werden. „Mrs Lestrange, wie schön sie zu sehen. Ich schätze, sie sind wegen ihrer Bestellung hier?"

Doch dann hatten Mrs Potter und James den Laden auch schon verlassen. Draußen trafen sie auf George, der allerdings nicht aus Richtung des Buchladens kam, sondern in diesem Moment aus der Obergasse in die Hauptstraße einbog. Er trug mehrere Taschen in der einen, und ein nur wenige Zentimeter großes Päckchen, von dem ein seltsames rotes Glühen ausging, in der anderen Hand. James sah es mit unverhohlener Neugier an.

„Was ist das denn?" fragte er.

Sein Großvater machte ein geheimnisvolles Gesicht. „Das, mein Junge, ist für dich. Sozusagen als kleines Geschenk zum Schulanfang. Willst du es sehen?" James nickte begeistert und nahm ihm das Päckchen ab. George hob warnend den Zeigefinger. „Du kannst es öffnen und hineinsehen. Aber nur ganz kurz, damit der Wärmezauber nicht verfliegt."

Jetzt, da James es in den Händen hielt, spürte er, dass neben dem Glühen auch eine recht intensive Wärme von dem kleinen Paket ausging. Vorsichtig hob er den Deckel an. In einem kleinen Nest aus Watte lag – ein Ei. Ein kleines braunes besprenkeltes Ei, etwa halb so groß wie ein Hühnerei. James schloss das Päckchen wieder und sah den alten Potter fragend an.

„Ein Ei?"

„Jawohl, ein Ei. Und zwar ein ganz besonderes Ei. Ein Eulenei nämlich. Man hat mir versichert, dass es in den nächsten Tagen schlüpfen wird. Ich denke, dass du sie", er zwinkerte, „oder ihn, nach den Weihnachtsferien mit zur Schule nehmen kannst. Dann müsste sie soweit sein, dass sie Post transportieren kann."

James starrte ihn mit offenem Mund an. Eine Eule – er würde seine eigene Posteule haben. Das war nach seinem Besen das tollste Geschenk, das er jemals bekommen hatte. Ganz vorsichtig hielt er das kleine Paket, damit es nicht herunterfiel. „Ob Merkurio es wohl ausbrütet?" fragte er, doch seine Mutter gab einen zweifelnden Ton von sich.

„Merkurio ist ja schließlich nicht mehr der jüngste." sagte sie. „Er hat inzwischen ganz andere Interessen. Aber ich bin mir sicher, dass wir das kleine Ding schon aufgepäppelt kriegen."

Auch der restliche Einkauf verlief wenig spektakulär. In einem Geschäft für magische Gerätschaften erstanden sie einen neuen Kessel sowie eine kleine Waage zum Abwiegen von Zaubertrankzutaten. Außerdem gab es hier noch ein kleines silbernes Messerchen mit höllisch scharfer Klinge, ein Paar Handschuhe aus Drachenhaut und eine Schutzbrille. Als sie wieder ins Freie traten, war James´ Liste beinahe abgearbeitet, da sein Großvater nicht nur seine Bücher besorgt hatte, sondern auch in der Apotheke gewesen war, um alle benötigten Zutaten für den Zaubertrankunterricht zu besorgen. James war das ganz recht so, denn nach Sirius´ Erzählungen war er nicht sonderlich scharf darauf, Snapes Mutter kennen zulernen. So war er dem geschickt aus dem Wege gegangen. Und Snape selbst würde er frühestens im Schulzug wieder über den Weg laufen.

Eigentlich blieb jetzt nur noch eins zu tun. Und das war ausgerechnet das Spannendste. Das, worauf sich James schon solange freute – sein Zauberstab. Auf dem Weg zu Ollivander, dem Zauberstabmacher, kamen sie noch an einem anderen Geschäft vorbei, das James´ Aufmerksamkeit zumindest für kurze Zeit ziemlich heftig auf sich zog. Es war ein Geschäft für Quidditchzubehör. Quidditch war der mit Abstand beliebteste Sport in der magischen Welt. Er wurde auf fliegenden Besen und mit drei unterschiedlichen Sorten Bällen gleichzeitig gespielt. Es war ziemlich rasant und beeindruckend. Nur wenige Hexen und Zauberer ließen sich nicht von der Begeisterung während eines Quidditchspiels mitreißen. Und so stand auch James mit einer ganzen Traube von Kindern und Jugendlichen vor dem großen Schaufenster und bewunderte die Auslage. Vom Treiberschlagholz über komplette Ballsets und Ersatzschnatze bis hin zu den neuesten und besten Rennbesen gab es hier alles, was das Quidditchherz höher schlagen ließ. Auch ein Trikot der englischen Quidditchnationalmannschaft war hier ausgestellt. Im nächsten Sommer würde in Nigeria die Quidditchweltmeisterschaft ausgetragen werden. Und da dieses Land England bei der letzten Meisterschaft vor drei Jahren im Halbfinale mit Pauken und Trompeten besiegt und damit aus dem Turnier befördert hatte, fieberte ganz England einem neuerlichen Schlagabtausch dieser beiden Mannschaften entgegen. Das englische Team war von Grund auf neu zusammengestellt worden, und diesmal würde das Ergebnis sicherlich ganz anders aussehen.

Doch James blieb nicht allzu lange am Schaufenster stehen. Er war zwar begeisterter Quidditchfan (seine favorisierte Mannschaft waren die Kensington Kolibris) aber erstens hatte er schon einen eigenen Besen, und zweitens durften Erstklässler in Hogwarts diesen nicht mit zur Schule nehmen. Herumträumen brachte ihn also nicht weiter. Und auch wenn die hier ausgestellten Rennbesen natürlich viel besser waren als sein zugegebenermaßen schon etwas altmodischer Wüstenblitz fünfhundert, das auch gar nicht mehr dem internationalem Standard mehr entsprach, so hatte er jetzt doch wichtigeres zu tun, als hier zu stehen und zu träumen.

Direkt nebenan befand sich das Geschäft von Mr Ollivander, dem Zauberstabmacher. Seine Familie verstand sich schon seit unzähligen Generationen auf dieses Fach, und es hieß allgemein, dass von Ollivander die besten Zauberstäbe in ganz England kämen. Darüber hinaus besaß Mr Ollivander ein phänomenales Gedächtnis und niemals vergaß er einen Zauberstab, den er gefertigt und verkauft hatte.

Gerade als sich James der Eingangstür näherte, öffnete sich diese und die Gruppe der Muggelgeborenen trat gefolgt von dem Ministeriumszauberer aus dem Laden. Sie sahen alle bestens gelaunt aus. Wie auch anders, immerhin hatten sie gerade ihre Zauberstäbe bekommen. James Mutter schien den Angestellten des Ministeriums zu kennen, sie begrüßte ihn und nannte ich Mr Tantalus, doch James hatte kein Interesse an längeren Gesprächen und schob seine Mutter und seinen Großvater kurzerhand in den Zauberstabladen hinein.

Im Innern herrschte ein Chaos, als ob hier noch vor kurzem ein heftiger Kampf stattgefunden hätte. In der Mitte der Raumes, der aufgrund der kleinen Fenster nur sehr schummerig beleuchtet war, stand Mr Ollivander und schwang mit Elan seinen eigenen Zauberstab. Schachtel flogen an ihren Platz auf den bis zur Decke reichenden Regalen, Öllampen setzten sich von selbst wieder zusammen und einige kleine Bilder an den Wänden, reparierten sich in Sekundenschnelle. Nach einer Minute war der Verkaufsraum aufgeräumt. Anscheinend hatte Mr Ollivander darin ziemlich viel Übung. Erst jetzt sah sich James etwas genauer um. Der Raum war größer, als es von außen ausgesehen hatte, doch bis zum letzten Winkel war er mit Regalen gefüllt. Tausende und Abertausende von langen schmalen Kartons lagen in den Regalen. Keiner von ihnen war beschriftet und James fragte sich, wie man etwas bestimmtes hier finden wollte.

Mit einem letzten Wink seines Zauberstabs, ließ Mr Ollivander die soeben reparierten Öllampen aufflammen, so dass etwas mehr Licht in dem Raum herrschte, dann drehte er sich zu seiner neu angekommenen Kundschaft um.

„Ah George, schöne sie einmal wieder zusehen. Mrs Potter – ich hoffe, der Gemahl befindet sich wohl? Und das muss der junge Master James sein – willkommen." Mr Ollivander war nicht sonderlich groß, aber auch nicht allzu klein zu nennen. Er war nicht mehr der jüngste, aber auch noch nicht wirklich alt. Seine Stimme klang flüsternd, und doch war sie sehr deutlich zu verstehen. Er musterte James von oben bis unten, dann begann er ihn mit einem augenscheinlich verzauberten Maßband genau zu vermessen. James fühlte sich einen Moment zu Mrs Malkins zurückversetzt. Doch schon nach zwei kurzen Minuten nickte Mr Ollivander.

„Dann ist es also soweit. Eine neue Generation der Potters ist bereit, nach Hogwarts zu gehen. Bitte strecken sie ihren Zauberstabarm aus."

James dachte nicht lange darüber nach, und streckte ihm den rechten Arm entgegen. Noch einmal ging das Vermessen los. Hier war Mr Ollivander äußerst gründlich, bis er endlich das Maßband wegsteckte und erneut nickte. Er verschwand in den Tiefen seiner Regale und kramte eine ganze Weile in den unergründliche Massen der Schachtel herum. Dann kehrte er mit zweien in der Hand zur Ladentheke zurück, wo er sie ablegte und die erste öffnete. Er blickte nachdenklich zwischen dem darin liegenden Stab und James hin und her, dann schüttelte er den kopf und schob die Schachtel wortlos beiseite. Er nahm die zweite Schachtel zu Hand, doch in diesem Moment schien ihm ein Gedanke zu kommen. Er legte auch diese Schachtel zur Seite und verschwand wieder in einer Regalreihe, um kurz darauf mit einer dritten Schachtel in der Hand wieder zu erscheinen. Er öffnete sie und zog einen dunkelbrauen Zauberstab hervor.

„Polierte Eiche, zehn einhalb Zoll, Einhornschweifhaar – probieren sie ihn." Er hielt ihn James hin, der sogleich danach griff. Es geschah nichts und Mr Ollivander entriss ihn ihm sogleich wieder. „Ein Irrtum – nun gut."

Was jetzt geschah, war ein langwieriger Prozess, den James nicht so recht verstand. Ollivander gab ihn einem Zauberstab nach dem anderen. Manchmal forderte er ihn auf, ihn zu schwingen. Manchmal geschah nichts, manchmal richtete James einiges an Schaden in dem Geschäft an. Jetzt war ihm klar, warum der Laden, als er ihn betreten hatte, so unordentlich gewesen war. Immerhin hatte er da gerade vier Zauberstäbe verkauft. Es schien kein ganz ungefährlicher Beruf zu sein.

Nach einiger Zeit kam Mr Ollivander mit einer Schachtel, die breiter war, als die vorangegangenen. Als er sie öffnete, konnte James sehen, das sie wohl ursprünglich für zwei Stäbe gedacht war, doch jetzt lag nur einer darin. Nachdenklich griff er danach und gab in James. Kaum hatte er ihn berührt, fuhr ein roter Strahl herauf und ließ den Thekentisch in der Mitte zerbersten.

Mr Ollivander nahm ihn den Stab weg und ließ ihn schnell wieder in seiner Schachtel verschwinden. „Stechpalme und Phönixfeder, elf Zoll. Ich hatte einen Moment gedacht... Aber es ist wohl noch nicht an der Zeit." Ohne zu erklären, was er damit gemeint hatte, zog er eine weiter Schachtel hervor.

„Mahagoni, elf Zoll, elastisch und im Kern Drachenherzfaser. Ein Stab für Kämpfer."

Es war, als ob James schon vorher wusste, dass dies der Stab war, der ihn von nun an durch sein Leben begleiten würde. Fast noch bevor er den Griff berührte, konnte er spüren, wie eine unheimliche Wärme von ihm ausging. Als er ihn dann in der Hand hielt war es wie ein leichter Stromschlag, jedoch nicht unangenehm. Es war vielmehr das Gefühl, das erste Mal im Leben wirklich vollständig zu sein. Als ob ihm ein Teil wiedergegeben worden wäre, den er bisher gar nicht vermisst hatte, da er nicht gewusst hatte, dass er fehlte.

Am Lächeln in Mr Ollivanders Gesicht konnte man sehen, dass auch er es bemerkt hatte. „Ich schätze, wir haben es geschafft. Dieser Zauberstab ist für sie bereit. Das macht sechs Galeonen und fünf Sickel."

Fünf Minuten später standen die drei Potters wieder auf der Straße. Mrs Potter hatte den Zauberstab bezahlt, dann hatten sie sich verabschiedet und den Laden von Mr Ollivander verlassen. James hatte die Schachtel mit dem Zauberstab in seiner Tasche verschwinden lassen. Den würde er jetzt nicht mehr aus der Hand geben. Das ärgerliche war nur, dass er mit dem zaubern warten musste, bis er in der Schule war. Minderjährigen Hexen und Zauberern war es streng verboten, außerhalb von Hogwarts zu zaubern. Aber er hatte jetzt auch genug anderes zu tun. Da war ja noch sein Eulenei. Wie er die Eule wohl nennen sollte? Und er könnte ja vielleicht schon einmal einen Blick in das eine oder andere Schulbuch riskieren. Es würde ihm ja nicht schaden.

Dieser und andere Gedanken kamen ihm in den Sinn während sie zurück in Richtung Tropfender Kessel´ gingen. Sein Großvater öffnete die Mauer (seltsamerweise wusste James schon vorher, an welchen Stein er klopfen würde), dann verließen sie die Winkelgasse.

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So – Kapitel drei abgeschlossen. Ich weiß ja, dass Winkelgassenkapitel am Anfang von FF´s zumeist obligatorisch und oft auch etwas langweilig sind, da man in den meisten Fällen schon vorher weiß, was alles passiert. Ich hoffe, es war trotzdem etwas unterhaltend.

Ich stelle fest, dass es immer komplizierter wird. Ich sitze an meinem Schreibtisch, umgeben von sieben Harry Potter Büchern und einem ganzen Haufen meiner eigenen Notizen und Konzeptblätter meiner alten Geschichten und weiß manchmal nicht, was zusammenpasst und was nicht. Ich hoffe, dass mir kleinere Fehler verziehen werden.

Wie immer hoffe ich natürlich auf Zuschriften. Zwar war ich in der Vergangenheit etwas Reviewverwöhnt, aber schließlich sind Rückmeldungen das, was einen Autor hier am Ball bleiben lässt!

Federwisch

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