DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.

WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoilers! Seid gewarnt!

ORIGINAL BETA: SnarkyRoxy – vielen Dank!

GERMAN TRANSLATION: primax

GERMAN BETA: Sabine und Haley

A/N: Kapitel 8 ist fertig! Während des Vollmonds übernimmt jemand den Unterricht für Professor Lupin und etwas geschieht im Verbotenen Wald. Was? Lasst es uns herausfinden…


Kapitel 8: Der Verbotene Wald

Am späten Vormittag apparierte Hermine aus ihrer Wohnung. Sie machte einen kurzen Abstecher in ihr Büro, bevor sie sich mit Harry und Ginny zum Lunch treffen würde. Hermine musste an der Muggel-Universität, an der sie als Professorin und Forscherin arbeitete, einige Daten abrufen. Sogar an einem Samstag waren die Grünflächen rund um die Universität mit jungen Leuten bevölkert, die den schönen Tag genossen, lasen, spielten oder einfach mit ihren Freunden herum hingen.

Von dem versteckten Platz aus, von dem sie apparierte, überquerte sie die Grünfläche und ging auf das Chemiegebäude zu, in dem sich ihr Labor befand. Die Bilder der Studenten, die unter den Bäumen saßen, erinnerten sie an die Wochenenden in Hogwarts. Sie mochte die Atmosphäre im Schloss immer sehr, besonders die Ländereien des Schlosses – der See, die Bäume und die Gärten.

Sie ging durch die Korridore der Universität, doch in Gedanken war sie in den Korridoren des Schlosses, wo sie beinahe sieben Jahre gelebt hatte, und auch bei Nathan. Am frühen Morgen hatte sie einen Brief von ihm bekommen und wie schon beim letzten Mal, war auch diesmal das Hauptthema Severus Snape gewesen. Sie begann sich langsam Sorgen über Nathans Interesse an Severus zu machen. Natürlich war es ihre Absicht, dass Nathan seinen Vater nicht hasste, aber sie hätte nicht gedacht, dass Nathan so... so besessen von ihm sein würde. Das war das Wort: besessen.

Nathan ging immer völlig auf in allem, dem er einmal sein Herz geschenkt hatte. Sein Lieblingsfach an der Muggelschule war immer Chemie gewesen, es war also ganz logisch, dass er Zaubertränke so gerne mochte. Früher hatte er Hermine geholfen einfache Zaubertränke zu Hause herzustellen, und schon damals hatte sie sehen können, dass Nathan Talent für diese Kunst besaß. Vielleicht war das auch schon alles, eine Begabung für Zaubertränke.

Als sie das Labor erreichte wandten sich ihre Gedanken wieder der Datensammlung zu. Sie machte sich noch einige Notizen, erhöhte den Wasserstoffdruck der komplexen Apparatur auf ihrer Arbeitsplatte, und als sie sich sicher war, dass alles in Ordnung war, verließ sie das Gebäude und apparierte wieder. Es war nun Zeit ihre Freunde zu treffen.

Als sie im Hinterhof vom Grimmauld Platz, Nummer 12 ankam, traf Hermine die junge Lily, die ihren Besen flog. „Hallo Lily. Ich sehe, dass du deine Quidditch Manöver trainierst. Sehr gut!", lobte sie.

„Danke, Tante Hermine", rief das Mädchen aus der Luft.

Hermine betrat das Haus durch die Küchentür und stieß auf Ginny, welche sie mit einer innigen Umarmung begrüßte. „Hermine! Du bist aber früh dran!"

„Hi, Ginny. Ich weiß, dass ich ein wenig zu früh bin. Ich musste noch kurz in der Universität vorbeischauen und ich glaube, ich habe die Zeit überschätzt, die ich dort verbringen würde. Ist Harry schon zu Hause?", fragte Hermine.

„Ja, er ist gerade gekommen. Er ist gemeinsam mit Ron im Wohnzimmer", antwortete Ginny, und nachdem sie Dobby einige Anweisungen gegeben hatte führte sie Hermine aus der Küche, um Harry und ihren Bruder zu treffen.

Die Frauen betraten das Zimmer und wurden sogleich voller Enthusiasmus von den anwesenden Männern begrüßt. „Oh, Hermine! Ich dachte schon, ich würde den Tag nie erleben, an dem du uns wieder einmal besuchst", sagte Ron und umarmte sie dabei.

Harry kam als nächster an die Reihe. „Sie wird bestimmt öfters kommen, jetzt wo Nathan in der Zaubererwelt ist, nicht wahr, Hermine?", sagte er und umarmte sie ebenfalls.

Sie setzten sich auf die Couch und die Sessel, die um den Kamin standen, und Hermine antwortete, „Ich glaube, dass du damit richtig liegst, Harry. Jetzt wo Nathan in Hogwarts ist, denke ich, ich sollte wieder mehr mit der Zaubererwelt in Kontakt treten."

„Gut, ich habe nämlich gerade unseren guten Harry hier überzeugt, dass er zu meinem nächsten Quidditch-Spiel kommt", sagte Ron und angeregte Unterhaltung erfüllte den Raum, bis Dobby verkündete, dass der Lunch fertig sei.

Hermine half Ginny mit den Kindern und bald darauf aßen alle in der Küche im Untergeschoss. Sie unterhielten sich über die vielen Dinge, die sie gerade machten, bis Harry auf einen kontaminierten Zaubertrank zu sprechen kam, mit dem er letzte Woche zu tun gehabt hatte. Dies brachte das Thema auf den verhassten Zaubertrankprofessor. „Bist du sicher, dass Snape damit nichts zu tun hatte?", ärgerte Ron Harry, der ihn daraufhin anstarrte.

„Er war auch unter meinen Verdächtigten", antwortete Harry mit einem Grinsen, welches alle, mit Ausnahme von Hermine, zum Lachen brachte.

„Wenn wir schon über Snape reden; wie war eigentlich Nathans Nachsitzen bei ihm?", fragte Ron Hermine.

„Welches Nachsitzen?", fragte sie zurück.

„Ups! Ron, ich glaube, dass du Nathan gerade in Schwierigkeiten gebracht hast", sagte Harry.

„Welches Nachsitzen?", fragte Hermine noch einmal und sah dabei beide Männer abwechselnd an.

„Naja…", zögerte Ron und fügte dann unter Hermines bösen Blick hinzu, "Nathan musste bei Snape nachsitzen. Ich dachte, du wüsstest das."

„Wann? Weshalb?", fragte Hermine. Sie war jetzt ungeheuer verärgert über Nathan, den Zaubertrankprofessor und die zwei Männer, die ihr gegenüber am Tisch saßen. „Weshalb wisst ihr darüber und ich nicht?", fragte sie, nun mit einem schmerzvollen Gesichtsausdruck. Warum verheimlicht mir Nathan so etwas? Was verheimlicht er noch? Innerlich wurde sie von Zweifeln gepackt.

„Nimm es leicht, Hermine. Es ist nichts, wofür wir sonst immer Nachsitzen mussten, da bin ich mir sicher. Wir wissen nur davon, weil Nathan uns geschrieben hat und wissen wollte, wie das Nachsitzen bei Snape abläuft. Es ist schon eine Weile her, also beruhige dich", versicherte ihr Harry.

„Wann?", fragte Hermine erneut, diesmal in einem etwas kontrollierteren Tonfall.

„Zweite Woche", antwortete Ron ohne lange zu überlegen.

„Was?", rief Hermine aus und verlor erneut die Kontrolle über sich. „Er ist schon nach einer Woche in Schwierigkeiten gekommen! Was in aller Welt hat er getan?" Sie schrie nun beinahe in ihrer Empörung und Rage.

„Beruhige dich, Hermine!", versuchte es Harry erneut und warf Ron einen verärgerten Blick zu.

„Du überreagierst, Hermine. Harry und ich haben in einem Jahr bereits in unserer ersten Woche nachsitzen müssen - wenn du dich an den Vorfall mit dem fliegenden Auto erinnerst. Wir wurden auch nicht rausgeworfen", sagte Ron zwischen zwei Bissen und ignorierte Hermines Reaktion auf seine Worte. Dann fügte er hinzu: „Es war wahrscheinlich Snape, der versucht hat, das Leben eines weiteren Gryffindors zur Hölle zu machen. Und dieses Mal war es halt einfach Nathan."

„Ich glaube, dass Ron wahrscheinlich Recht hat, Hermine", bestätigte Ginny.

„Warum würde mir Nathan das dann verheimlichen?", fragte Hermine mit einem traurigen Gesichtsausdruck. „Was hat er überhaupt gemacht? Es muss etwas sehr schwerwiegendes sein, wenn er es vor mir verheimlicht. Ich bin schließlich seine Mutter!", fügte sie hinzu.

„Es ist nichts dergleichen, Hermine. Er muss etwas gesagt haben, das Snape nicht gefallen hat und du weißt doch, wie gemein dieser Bastard ist", sagte Harry.

„Ich weiß nicht so recht, Harry", sagte Hermine und schüttelte dabei ihren Kopf um ihre Aussage zu bestätigen. „Ich dachte, dass Nathan gut mit Professor Snape auskommen würde. Er scheint sogar seinen Unterricht gern zu haben", bemerkte sie und fügte im Nachhinein hinzu, „Vielleicht mag er es ja zu sehr. Nathan schreibt mir immer über den Unterricht von Professor Snape und seine Aufgaben. Ich habe eigentlich gedacht, dass er nur Zaubertränke so gern mag, aber jetzt...", sie brach ihren Gedankengang ab und schüttelte erneut den Kopf.

Sie war sich über nichts mehr im Klaren. Nathan sagte ihr nicht alles und das war für sie eine beunruhigende Offenbarung. Was ist, wenn Severus die Wahrheit über Nathan herausgefunden hat und er mich nicht kontaktiert hat? Und was ist, wenn er Nathan alles darüber erzählt hat und Nathan es vor mir verheimlicht? Was ist, wenn Nathan irgendwie herausgefunden hat, dass Severus sein Vater ist? Ihre Gedanken füllten ihr Herz mit Ungewissheit. Plötzlich hatte sie den Wunsch alle hier zu verlassen und so schnell wie möglich nach Hogwarts zu kommen. Sie musste wissen, was dort vor sich ging!

Das Essen ging seinem Ende zu und jedermann ging wieder ins Wohnzimmer zurück. Hermine hatte aber immer noch ihre Gedanken auf die zwei Männer in ihrem Leben gerichtet, welche in Hogwarts waren: Nathan und Severus. Harry, der bemerkte, dass sie ihrem Gespräch nicht folgte, holte sie wieder in die Realität zurück. „Hermine, du solltest nicht so besorgt wegen dem Nachsitzen sein."

„Es ist nicht das Nachsitzen, worüber ich mir Sorgen mache, Harry", sagte sie mit einem Seufzen. „Es ist eher die Tatsache, dass mein Sohn Dinge vor mir verbirgt, die mir Sorgen macht. Er weiß, dass er mir vertrauen kann. Wir hatten immer eine offene Beziehung, zumindest glaubte ich das, aber jetzt...", sagte sie und brach den Satz ab.

„Wahrscheinlich hat er dir deshalb nichts gesagt, weil er wusste, wie enttäuscht du von ihm sein würdest. Ich glaube nicht, dass er etwas vor dir verbergen würde, wenn es wichtig wäre, Hermine", sagte Harry und drückte dabei ihre Schulter zur Aufmunterung.

„Du hast Recht, Harry. Ich überreagiere nur. Wir haben noch nie getrennt von einander gelebt. Und es ist hart für mich, nicht jedes einzelne Detail seines Lebens zu wissen", bestätigte sie und gab damit einen Teil ihrer Gefühle frei. Sie würde aber kein Wort über Severus verlieren.

„Das ist schon in Ordnung, Hermine. Ich glaube, dass ich verstehe, was du gerade fühlst. Ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, wenn Lily und Sirius ebenfalls nach Hogwarts gehen werden", sagte Harry voller Sympathie und fügte hinzu, „Lass mich dir eines sagen: Ich werde sowieso bald in Hogwarts sein, um den Unterricht von Remus zu übernehmen, und ich verspreche dir, dass ich die ganze Geschichte um das Nachsitzen aufklären werde und dir anschließend alles erzähle. Was sagst du dazu?"

„Danke, Harry, das würde ich sehr schätzen", antwortete Hermine mit einem traurigen Lächeln und dann fügte sie hinzu, „Bitte sag Nathan, dass er mir für diese Unterschlagung noch eine Antwort schuldet, ja?"

„Das werde ich!", versicherte ihr Harry.

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Bald war Vollmond und es war Zeit, dass ein anderer Vertretungslehrer für Verteidigung in Hogwarts erschien. Wie es einige Schüler vorhergesagt hatten, stand die Schulleiterin McGonagall während des Abendessens von ihrem Stuhl auf und verkündete: „Wie ihr alle sehen könnt, ist Professor Lupin zur Zeit unpässlich. Er wird nach dem Vollmond zurück sein, aber währenddessen können die Gryffindors zu mir kommen, wenn sie etwas von ihrem Hauslehrer brauchen, und die Stunden in Verteidigung gegen die dunklen Künste werden von Mr. Harry Potter übernommen."

Diese Information brachte einigen Lärm in die Große Halle. An jedem der Tische sprachen die Schüler aufgeregt mit ihren Sitznachbarn über den berühmten Zauberer. Nathan war natürlich froh über die Nachricht, dass sein Patenonkel in Hogwarts sein würde aber seine Reaktion ließ sich aber bei weitem nicht mit den Reaktionen der Jungen und Mädchen um ihn herum vergleichen. Die Gryffindors jubelten unbändig.

Professor Snape rollte nur mit seinen Augen, als er die aufgeregten Reaktionen der Schüler sah. Es war jedes Jahr dasselbe. Es war nur eine Ankündigung nötig, dass Harry-verdammter-Potter nach Hogwarts kommen würde, und die Schüler zeigten das volle Potential ihrer Hormone. Sogar seine Slytherins waren keine Ausnahme. Die schlimmsten waren aber immer noch die Gryffindors.

Während des Lunchs am nächsten Tag betrat Harry Potter, in Begleitung der Schulleiterin McGonagall, die große Halle durch eine Seitentür. Die beiden unterhielten sich angeregt. Er nahm den Sitzplatz auf der linken Seite der Direktorin ein und versuchte die Erregung der Schüler wegen seines Auftritts zu ignorieren. Als sie beim Lehrertisch ankamen, saß Severus bereits an seinem Platz, der rechts neben dem von Professor McGonagall lag.

„Wollen Sie Ihre Fans nicht begrüßen, Potter?", sagte Snape sarkastisch. „Ich bin mir sicher, dass sie schon mit einem Winken ihres Helden zufrieden wären."

„Wenn Sie die Schüler jubeln sehen wollen, dann sollte ich sie vielleicht mit mir zum Ministerium nehmen, um dort deren Meinung zu ändern und sie doch noch nach Azkaban zu schicken. Ich bin mir sicher, dass die Schüler mindestens eine Woche feiern würden", antwortete Harry.

„Das reicht! Hören sie endlich mit diesem Unsinn auf!", sagte McGonagall, die zwischen ihnen saß. „Ich werde die Gehässigkeiten, die sie sich gegenseitig zuwerfen, während Mr. Potters Aufenthalt hier nicht mehr tolerieren."

Sie warfen sich immer noch böse Blicke zu, sagten aber nichts mehr. Harry wendete seine Augen vom Zaubertrankprofessor ab und blickte sich in der Großen Halle um. Wie immer sahen ihn die Studenten voller Bewunderung an und nach seinem Wortwechsel mit Snape, lag auch ein wenig Neugierde in den Blicken. Harry entdeckte Nathan unter den Gryffindors und lächelte ihn an. Nathan lächelte ebenfalls und beide begannen mit dem Essen.

Obwohl der Lunch schon beendet war, war die Große Halle noch immer voller Schüler. Trotz des schönen Sonntags, wollten die Schüler nicht gehen, bevor nicht auch Harry Potter gegangen war. Immer wieder blickten sie in Richtung des Auserwählten, bis Harry schließlich von seinem Platz aufstand und sich zum Gehen bereit machte. Er ging jedoch nicht durch die Seitentür, durch die er gekommen war. Er stieg von dem Podium, auf dem der Lehrertisch stand, herab und ging quer durch den Raum auf den Tisch der Gryffindors zu.

Er blieb neben Nathan stehen und legte seinem Patensohn eine Hand auf die Schulter. „Wie geht's dir Nathan? Ist alles in Ordnung?", fragte er.

„Alles ist Bestens, Onkel Harry. Ich freue mich, dass du da bist", antworte Nathan mit einem Lächeln.

Nathan zuckte zusammen, als ihn ein Ellbogen in der linken Seite seiner Rippen traf. Es war Kevin und Harry musste lächeln.

„Onkel Harry, das hier sind meine Freunde Kevin Brown und Andy Wood. Seitdem du gekommen bist, haben sie nur noch über ihr Essen gesabbert", sagte Nathan und blickte seine Freunde vielsagend an. Harry lachte.

„Freut mich euch kennen zu lernen, Jungs", sagte Harry und lächelte noch immer. „Bist du mit Oliver Wood verwandt, Andy?"

„Kennen Sie meinen Vater?", fragte Andy voller Erfurcht.

„Natürlich kenne ich ihn. Er war Kapitän des Quidditch Teams, als ich beitrat", sagte Harry.

„Ich weiß! Mein Vater hat mir alles darüber erzählt", sagte Andy.

„Grüß ihn bitte von mir!", sagte Harry und widmete seine Aufmerksamkeit wieder Nathan. „Ich habe mir gedacht, dass du vielleicht mit mir und Hagrid später Tee trinken möchtest."

„Natürlich! Wann denn?", fragte Nathan.

„Sagen wir um drei, in der Eingangshalle?", fragte Harry.

„Okay", stimmte Nathan zu.

„Ich sehe dich dann später", sagte Harry und drückte Nathans Schulter voller Zuneigung. „Euch sehe ich morgen beim Unterricht", fügte er zu den anderen gewandt hinzu und ging anschließend.

„Harry Potter kann sich an meinen Vater erinnern. Wie cool ist das?", sagte Andy. Nathan musste beim Anblick seiner aufgekratzten Freunde mit den Augen rollen. Kurze Zeit nachdem Harry gegangen war, verließen sie gemeinsam die Große Halle und gingen zurück in Richtung des Gryffindor-Turmes.

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Zur vereinbarten Zeit traf Nathan Hagrid in der Eingangshalle. Harry war noch nicht da. Er grüßte den Lehrer für Pflege magischer Geschöpfe mit einem kurzen, „Hallo Hagrid."

„Hallo, Nathan. Du kommst also auch zum Tee?", fragte der Halbriese mit einem Lächeln.

„Ja, Onkel Harry hat mich eingeladen", antwortete Nathan.

Zur gleichen Zeit betrat Professor Snape die Halle. Er kam aus den Kerkern und schritt auf sie zu, dort wo sie auf Harry warteten.

„Guten Tag, Hagrid", grüßte Snape. „Ich benötige Ihre Dienste. Mein Vorrat an Einhornhaar geht dem Ende entgegen und er muss für den Unterricht in dieser Woche wieder aufgestockt sein", sagte Snape. Nathans Anwesenheit ignorierte er vollständig.

„Natürlich, Professor Snape. Ich werde morgen Abend etwas für sie besorgen", antwortete Hagrid.

„Für den Unterricht morgen Früh wird das zu spät sein. Können Sie es nicht heute Nacht holen?", verlangte Professor Snape.

„Das tut mir Leid, Professor, aber ich habe einige schulische Angelegenheiten in London zu erledigen", sagte Hagrid.

„Nun gut, dann muss ich wohl die Unterrichtspläne für morgen ändern", sagte Snape und ging nach einem leichten Kopfnicken wieder zurück in die Kerker. Zur selben Zeit erschien Harry.

„Hey, Nathan, Hagrid", grüßte er. „Meine Verspätung tut mir Leid, aber Minerva hat mich länger aufgehalten, als ich gedacht habe", fügte er hinzu.

„Kein Problem, Harry", versicherte ihm der Halbriese. Gemeinsam verließen sie das Schloss und gingen in Richtung von Hagrids Hütte.

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„Wie war der Tee mit Harry Potter?", fragte Josephina, sobald Nathan den Gemeinschaftsraum betrat. Alle Anwesenden richteten ihre Aufmerksamkeit auf ihn.

Nathan hielt kurz inne und antwortete dann mit gerunzelter Stirn, „Es war okay, nicht dass es jemanden von euch irgendetwas angehen würde." Sein Blick veranlasste die starrenden Gryffindors dazu, sich wieder ihren Aufgaben zu widmen. Obwohl er nur ein Erstklässler war, wurde Nathan von allen anderen Gryffindors respektiert, da er eine Verbindung zum goldenen Trio aufweisen konnte; immerhin war er der Sohn der berühmten Hermine Granger. Nathan entdeckte seine Freunde in einer Ecke des Raumes und ging zu ihnen.

„Hey, Nathan. Du erzählst uns doch alles, oder?", fragte Andy.

„Natürlich wird er es, Andy. Wir sind seine besten Freunde, oder Nathan?", bestätigte Kevin.

„Okay", seufzte Nathan und fand sich mit seinem Schicksal ab. „Was wollt ihr wissen?"

„Worüber habt ihr euch unterhalten?", fragte Andy und rückte seinen Stuhl näher, damit er besser hören konnte.

„Zuerst haben Onkel Harry und Hagrid sich über Ministeriumssachen unterhalten. Das war wirklich langweilig", sagte Nathan und versuchte das Interesse seiner Freunde damit zu schwächen.

„Und danach?", fragte Kevin neugierig.

Es hatte nicht funktioniert.

„Naja, er wollte mit mir über mein Nachsitzen reden. Meine Mutter hat es herausgefunden und war wirklich böse mit mir", sagte Nathan und konnte sich immer noch an die Worte seines Patenonkels erinnern. Er hatte seine Mutter enttäuscht.

„Das ist alles?", fragte Kevin enttäuscht.

„Ja, eigentlich schon", antwortete Nathan.

Die Jungen widmeten sich wieder ihren Hausaufgaben, die Nathan bereits abgeschlossen hatte. Er hatte daher Zeit an das zu denken, was sein Patenonkel gesagt hatte. Er musste mit seiner Mutter wieder ins Reine kommen. Er hatte sie enttäuscht und jetzt musste er etwas finden, das sie wieder stolz auf ihn machen würde. Seine Gedanken rasten. Schließlich fiel ihm ein Gespräch ein, das er früher am heutigen Tag verfolgt hatte. Er sah aus dem Fenster, die Sonne geht unter, das ist perfekt! Er stand abrupt von seinem Platz auf und das brachte die Aufmerksamkeit seiner Freunde wieder zu ihm zurück.

„Wohin gehst du?", fragte Andy.

„Ich brauche einige Zutaten für einen Zaubertrank. Ich sehe euch später", antwortete er und erreichte bereits die dicke Dame, um den Gemeinschaftsraum zu verlassen

Auf dem Weg zur Eingangshalle, traf er nur auf wenige andere Schüler. Niemand schien jedoch daran interessiert zu sein, wohin der Junge ging, der an ihnen vorbei eilte; nicht einmal dann als er die große Eingangstür öffnete, welche nach draußen führte. Er verließ die Geborgenheit des Schlosses und ging direkt auf den Verbotenen Wald zu.

Nathan hatte seine Freunde im Gemeinschaftsraum nicht belogen. Er war hier, um einige Zaubertrankzutaten zu holen. Was er ihnen nicht gesagt hatte, war, dass die Zutaten nicht für ihn selbst, sondern für Professor Snape waren. Er würde eine Einhornherde finden und einige Haare von ihnen besorgen. Das ist eine fantastische Idee! Dafür muss mir Professor Snape Hauspunkte geben und meine Mutter wird sehr stolz auf mich sein, weil ich Punkte von Professor Snape bekommen habe. Daran besteht kein Zweifel! Mit diesen Gedanken betrat er den Wald.

Die Einhörner zu finden, würde sich nicht als schwer erweisen. Man konnte sie auf Waldlichtungen finden, lebten in Herden und ihr weißes Haar glänzte im Mondlicht. Nathan hatte alles über sie gelesen. Durch den Wald zu gehen, war allerdings etwas schwerer, als er es sich erwartet hatte. Die Bäume wurden dichter und dichter als er tiefer in den Wald hineinging. Die niedrigen Äste kratzten ihn auf seiner Haut und die Schatten der hohen Bäume ließen das Licht des Vollmonds dieses frühen Abends beinahe nicht durch.

Er blieb jedoch nicht stehen. Er ging weiter, bis er auf die erste Lichtung traf. Dort sah er jedoch keine Einhörner. Er ließ sich aber nicht entmutigen und ging auf der Suche nach einer Herde immer weiter in den Wald hinein. Auf der dritten Waldlichtung fand er sie schließlich.

Nathan war von den Einhörnern wie hypnotisiert. Niemals zuvor hatte er eine solche Schönheit gesehen. Er hatte darüber gelesen, ja, aber sie noch nie gesehen. Er blieb für einige Augenblicke stehen, bewunderte die Wesen, bis eine plötzliche Bewegung die Einhörner von der Waldlichtung vertrieb. Nathan wurde aus seiner Benommenheit herausgerissen und blickte sich um, um den Grund zu entdecken, welcher die Einhörner erschreckt hatte. Er sah jedoch nichts. Er betrat nun vollständig die Lichtung und wollte den Tieren folgen. Da sah er es! Drei riesige Spinnen erschienen und kamen von der anderen Seite des Waldes auf die Lichtung.

Nathan hatte keine Zeit mehr zu schreien. Er rannte in dieselbe Richtung, in die auch die Einhörner gelaufen waren. Er lief so schnell er konnte durch die dicken, eng beisammen stehenden Bäume. Die Spinnen waren hinter ihm und er lief weiter, ohne zu schauen, wohin er rannte, ohne sich um die Schnitte der Äste zu kümmern, die er auf seiner Haut spürte. Plötzlich traf ihn ein Ast, schnitt tief in sein Bein, und er fiel zu Boden. Er konnte die Spinnen noch immer in seine Richtung kommen hören. Er stand auf und begann wieder zu laufen, obwohl er hinkte und blutete.

Nathan schaffte es vor den Riesenspinnen zu bleiben, bis er erneut über eine hervorstehende Wurzel stolperte und seinen linken Knöchel verletzte. Er schrie vor Schmerzen auf, fiel hin und lag in einem Bett von sich zersetzenden Blättern. All seine Stärke war vergangen und er atmete schwer. Das war es, dachte er, als einige Tränen über seine Wangen rollten. Er versuchte bei Bewusstsein zu bleiben, als ihm auf Grund des vielen Blutes, was er verloren hatte, schwarz vor Augen wurde.

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Kevin und Andy waren in der Großen Halle und beendeten ihr Abendessen. Sie hatten auf Nathan gewartet, aber hatten dann doch den Gemeinschaftsraum verlassen, da sie glaubten, ihn vielleicht in der Bibliothek zu finden. Dort war er jedoch nicht gewesen. Sie hatten die Große Halle betreten und hofften, dass er bereits da sein würde, doch auch hier war er nicht. Nun war das Abendessen bereits beendet und es war noch immer nichts von Nathan zu sehen.

„Was glaubst du, wo er ist?", fragte Andy.

„Ich weiß nicht. Er sagte etwas über Zaubertrankzutaten. Ich dachte, er würde in die Kerker gehen oder so, aber jetzt...", antwortete Kevin.

„Vielleicht hat ihn Snape getötet. Ich glaube nicht, dass er Nathan sehr gerne mag", grübelte Andy mit einem entsetzten Blick.

„Sei nicht blöd, Andy!", war Kevins Antwort, obwohl seine Stimme nicht sehr überzeugend klang.

Sie entschlossen sich zum Lehrertisch zu gehen und Professor McGonagall zu sagen, dass sie nicht wussten, wo Nathan war.

„Hallo, Jungs, braucht ihr etwas?", fragte die Schuldirektorin die sich nähernden Gryffindors.

„Ja. Nathan ist nicht zum Essen erschienen und wir können ihn auch nirgendwo finden", teilte Kevin ihr mit.

Diese Aussage interessierte auch den Mann, der zu McGonagalls Linken saß.

„Habt ihr ihn schon in der Bibliothek gesucht?", fragte Harry.

„Ja, das haben wir, Mr. Potter", antwortete Andy.

„Ich war gemeinsam mit ihm am Nachmittag unterwegs, aber ich habe ihn das Schloss wieder betreten sehen", sagte Harry jetzt zur Schulleiterin.

„Gut, haben sie ihn heute am Nachmittag gesehen, Mr. Wood, Mr. Brown?", fragte diese die Jungen.

„Ja, er kam vom Treffen mit Mr. Potter zurück. Aber dann ging er wieder und sagte, dass er einige Zaubertrankzutaten benötige. Danach haben wir ihn nicht mehr gesehen", sagte Kevin.

Diese Information brachte nun auch den Mann zu McGonagalls Rechten direkt ins Gespräch ein. Zuerst hatte er nur zugehört und Desinteresse vorgespielt.

„Ich habe ihn heute nicht in den Kerkern gesehen", sagte Snape.

„Wo ist er dann hingegangen?", fragte Harry eher etwas rhetorisch.

In diesem Moment stand Professor Snape auf und blickte die Schulleiterin an. „Wir müssen die Gärten und den Wald nach ihm durchsuchen."

„Was meinen Sie damit?", fragte Harry. „Wissen Sie wo er ist?"

„Ich glaube, der dumme Junge wurde von seinem idiotischen Gryffindor Mut gepackt und ist in den Verbotenen Wald gegangen um Einhornhaar zu holen", sagte Snape und fluchte innerlich.

„Wie können Sie sich da so sicher sein?", fragte McGonagall, die jetzt nervös wurde.

„Er hat heute ein Gespräch zwischen mir und Hagrid mitangehört. Ich habe nicht gewusst, dass der dumme Junge das verdammte Zeug selber holen wollte", antwortete der Zaubertranklehrer und verließ bereits die Große Halle. Direkt hinter ihm war Harry Potter, der auch keine weitere Zeit mehr mit dem Wie und Warum verschwenden wollte. Dafür würden sie später Zeit haben.

In einem Augenblick waren sie bereits vor dem Schloss und im nächsten am Rande des Verbotenen Waldes. „Ich nehme den Weg, der nach rechts geht und Sie können den nach links nehmen!", sagte Harry und war bereits weg, bevor Snape etwas erwidern konnte.

Snape knurrte wegen Potters Befehl, aber er gehorchte und nahm den Weg, den er ihm gezeigt hatte. Er beleuchtete den Pfad mit dem Licht der Spitze seines Zauberstabs. Mit einigen gewisperten Worten führte Snape einen Lokalisierungszauber aus, der tief in den Wald hineinführte. „Na, da bin ich ja nicht überrascht", murmelte er verärgert zu sich selbst und folgte dem Pfad. Bald darauf traf er auf die Lichtung, auf der Nathan die Einhörner gesehen hatte. Er erstarrte. Der Lokalisierungszauber führte ihn nicht auf einen Pfad, sondern zu einem dicken Dickicht aus Bäumen. Irgendetwas stimmt nicht, dachte er und ging in größerer Eile weiter.

Der Junge musste in diese Richtung gegangen sein. Die abgebrochenen Äste waren Beweis genug. Snape hielt in seiner Bewegung inne, als er etwas am Boden entdeckte. Blut, erkannte er und das verdeutlichte ihm, dass der Granger Junge wirklich in Schwierigkeiten war. Snape setzte seinen Weg beinahe im Laufschritt fort.

Er folgte der Blutspur, welche länger war, als er erwartet hatte. Als die Blutmenge immer mehr zunahm, hörte Snape einen Schrei. Granger, bemerkte er und lief voller Kraft in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Bald darauf entdeckte er, wonach er gesucht hatte und er sah auch den Grund für den Schrei des Jungen. Drei riesige Spinnen versuchten den Jungen zu überwältigen. Snape hob seinen Zauberstab und zielte ihn auf die Spinne, die am nächsten bei dem gefallenen Körper war. Seinem Mund entkamen jedoch keine Worte. Ein rotes Licht erfüllte die Dunkelheit und traf eine der Spinnen, welche sofort hilflos zuckte. Die anderen beiden Spinnen wurden von demselben stummen Zauberspruch getroffen, welcher aus Severus Zauberstab kam.

Nachdem die Spinnen jetzt entkräftet und harmlos waren, ging Snape an ihnen vorbei und kniete sich zu dem Jungen, der am Boden lag. Er verfluchte die Dummheit des Jungen ein weiteres Mal, bevor er damit begann Nathans Verletzungen zu untersuchen. Außer einer hässlichen, großen Wunde an seinem rechten Bein, die stark blutete, hatte der Junge größtenteils nur leichte Schrammen und Schnitte. „Mr. Granger!", sagte Snape mit starker Stimme. Er erhielt keine Antwort und versuchte es erneut. Diesmal rüttelte er an der Schulter des Jungen. „Mr. Granger!" Nathan öffnete ganz leicht seine Augen, aber schloss sie sofort wieder. „Verdammter Gryffindor!", fluchte Snape leise vor sich hin und rief den Jungen erneut, dieses Mal benützte er jedoch den Vornamen, „Nathan!"

Nathan öffnete seine Augen noch einmal und war genug bei Bewusstsein um mit schwacher Stimme zu antworten, „Professor Snape," und fügte nach einem hörbaren Einatmen hinzu, „Ich wusste... Sie würden kommen."

Nathans Worte gingen an Snape nicht unbemerkt vorbei. Er hat erwartet, dass ich ihn holen kommen würde, realisierte er und verspürte ein leichtes Ziehen im Magen. Seine Emotionen zurückhaltend, fragte er, „Können Sie aufstehen?" Der scharfe Klang seiner Stimme war praktisch nicht vorhanden. Er bemerkte es und runzelte darüber missbilligend die Stirnmissbilligte es.

„Nein", war Nathans leise gejammerte Antwort. „Mein Knöchel..."

Snape legte seine Arme um den Körper des Jungen und hob ihn vom Boden auf, als er sich von seiner knienden Position erhob. Bei dieser plötzlichen Bewegung ließ Nathan einen Schmerzlaut vernehmen. Snape begann in Richtung des Waldrandes des Verbotenen Waldes zu gehen und trug Nathan. Der Junge hatte seine Arme um Snapes Nacken gelegt und seine Stirn ruhte auf Snapes Schulter. „Bleiben Sie wach, Granger! Sie haben zu viel Blut verloren", sagte Severus, als er bemerkte, dass der Junge in seinem Armen begann, seine Augen zu schließen. Er erhöhte sein Tempo und ging schneller.

Auf halbem Weg zum Waldrand traf er auf einen sehr besorgten Harry Potter. „Ich habe den Schrei gehört. Ist er in Ordnung?", fragte dieser und atmete schwer.

„Er hat ein verletztes Bein und sehr viel Blut verloren", antworte Snape ohne dabei stehen zu bleiben, um mit dem anderen Mann zu sprechen.

„Lassen Sie mich ihn nehmen", sagte Harry.

„Das ist nicht notwendig, Potter. Ich habe ihn bereits", antwortete Snape.

„Ich werde ihn von hier an tragen", bestand Harry und wollte Nathan aus Snapes Armen nehmen.

„Ist schon in Ordnung… Onkel Harry", hörte er eine schwache Stimme sagen. „Professor Snape… hat mich gerettet", fügte Nathan hinzu und schloss erneut seine Augen.

„Bleib wach, Junge!", bellte Snape ein weiteres Mal. Nathan öffnete seine Augen und verstärkte seinen Griff an Snapes Schultern.

Die Drei gingen weiter in Richtung der Schule. Als sie den Waldrand erreichten, wandte sich Snape an Harry. „Potter, informieren Sie die anderen, dass ich ihn gefunden habe. Ich werde ihn in den Krankensaal bringen."

Harry zögerte einen Augenblick, aber fügte sich dann. Snape erreichte die Eingangstür und ging auf direktem Weg zum Krankensaal. Madam Pomfrey erwartete sie schon. „Legen Sie ihn auf dieses Bett, Severus", wies sie ihn an.

Snape tat wie ihm gesagt wurde – er war unheimlich behutsam dabei – und trat beiseite. „Er hat eine Menge Blut verloren. Er fällt in einen Unterkühlungszustand", informierte er die Heilerin.

„Danke, Severus. Jetzt lassen Sie mir ein wenig Platz damit ich arbeiten kann!", rief Poppy.

Er trat zurück, verließ aber den Saal nicht. Seine Gedanken waren bei dem Jungen, der auf dem Bett vor ihm lag. Er hat mich Potter vorgezogen. Warum? Ja, ich habe ihn gerettet. Aber trotzdem… Er konnte sich keinen Grund für das Handeln des Jungen ausmalen. Er war sprachlos und scheinbar auch ohne einen richtigen Gedanken. Er ging noch weiter von dem Bett zurück, als Harry mit McGonagall eintrat. Snape stand jetzt im Schatten in einer Ecke der Station und beobachtete die Arbeit der Heilerin.

„Wie geht es ihm?", fragte Harry.

„Es wird ihm wieder gut gehen, Mr. Potter", versicherte ihm Madam Pomfrey. „Er hat eine Menge Blut verloren und seinen Knöchel gebrochen. Ich habe ihn bereits wieder geheilt", fügte sie hinzu und führte eine mit einem Zaubertrank gefüllte Phiole an Nathans Mund.

„Wofür ist das?", fragte Harry.

„Das ist ein Blutwiederherstellender-Zaubertrank. Jetzt lassen Sie mich aber meine Arbeit machen!", schimpfte die Heilerin.

In diesem Augenblick leuchtete das Feuer im Kamin grün auf und eine Frau trat heraus. „Wo ist mein Sohn?", fragte Hermine und brauchte keine Antwort. „Nathan!" Sie sah ihn auf dem einzig belegten Bett der Station liegen und ging auf ihn zu. Nicht einmal Madam Pomfrey konnte sie aufhalten. „Was fehlt ihm?", fragte sie mit Tränen in den Augen und strich Nathans schwarzes Haar aus seiner Stirn.

„Es wird ihm bald wieder gut gehen", sagte Harry, legte einen Arm um sie und führte sie aus dem Arbeitsbereich von Madam Pomfrey.

„Was ist passiert? Ich habe eine Nachricht erhalten, dass mein Sohn verletzt wurde. Wie ist das passiert?", fragte sie und sah, wie die Heilerin Nathan behandelte.

„Er wurde im Verbotenen Wald gefunden", sagte McGonagall nun. „Wir wissen noch gar nicht, was er dort gemacht hat."

„Wer hat ihn gefunden?", fragte Hermine und sah Harry an.

„Snape", antwortete Harry und wendete seinen Blick von Hermine ab.

Stille senkte sich über den Raum.

Die große Gestalt, mit blutbeflecktem, schwarzem Umhang, welche unbemerkt in einer dunklen Ecke des Raumes stehen blieb, sagte auch nichts. Snape beobachtete die Frau, die aus dem Kamin gestürmt gekommen war, voller Neugier. Er bemerkte, dass sie sich physisch geändert hatte, dass sie eine erwachsene Frau geworden war. Besorgt um ihren Sohn und ihn immer entschlossen beschützend. Natürlich, sie ist schließlich eine Gryffindor, fügte er hinzu.

„Wo ist er?", brach Hermine die unangenehme Stille.

„Ich weiß nicht. Vielleicht wieder zurück in den Kerkern", sagte Harry.

„Ich möchte ihn sehen", sagte Hermine.

Diese Aussage ließ Snapes Körper zusammenzucken. Er wollte sie nicht treffen. Er konnte ihr nicht ins Gesicht blicken.

„Warum?", fragte Harry.

„Natürlich um ihm zu danken", war ihre Antwort.

Snapes Herz schmerzte. Das Letzte was er wollte, war, dass Hermine Granger ihm für irgendetwas dankte. Ich verdiene Ihre Güte nicht, Miss Granger, dachte er, noch die Freundlichkeit von irgendjemandem, was das betrifft, aber auf alle Fälle nicht ihre, dachte Snape. Er schloss seine Augen und versuchte seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen.

„Ich könnte ihn rufen lassen", bot McGonagall an.

„Das wäre sehr freundlich", sagte Hermine. Madam Pomfrey war mit der Heilung von Nathans oberflächlichen Verletzungen fertig, und Hermine stellte sich erneut an sein Bett. „Er hat dich jetzt mehr als einmal gerettet", sagte sie mit leiser Stimme zu dem bewusstlosen Jungen und streichelte mit der Rückseite ihrer Hand Nathans Gesicht.

Es war jedoch nicht leise genug gewesen. Snape hatte sie gehört und überlegte jetzt stirnrunzelnd. Wann habe ich den Jungen zuvor schon einmal gerettet? Er konnte sich nicht daran erinnern. Ich habe vor Beginn des Schuljahres nicht einmal gewusst, dass sie einen Sohn hat, grübelte er.

Professor McGonagall ging auf den Kamin zu und warf eine Hand voll Flohpulver hinein, als sie den Zaubertränkeklassenraum aufrief. Sie erhielt jedoch keine Antwort und versuchte es mit Severus Büro, wo sie ebenfalls scheiterte. Zuletzt rief sie in seine Unterkunft, bekam aber auch von dort keine Reaktion. Die Schulleiterin blickte in Hermines Richtung und sagte, „Ich kann Professor Snape nicht finden, vielleicht kontrolliert er die Korridore."

Hermine nickte. Severus ließ seinen Atem entweichen, den er, ohne es zu bemerken, angehalten hatte.

„Die Besuchszeit ist zu Ende", sagte Madam Pomfrey. „Mr. Granger benötigt Ruhe und er wird vor morgen früh sowieso nicht aufwachen, denn da wird die Dosis des Schlaftrunks beendet sein", fügte sie hinzu.

„Ich gehe nirgendwo hin", sagte Hermine. Poppy blickte sie finster an.

Harry kannte den Blick der Heilerin nur allzu gut. „Komm mit, Hermine. Morgen in der Früh können wir sofort wieder kommen. Du hast Madam Pomfrey gehört, Nathan wird die ganze Nacht schlafen", sagte er und nahm seine Freundin an den Schultern.

„Sie können heute Nacht ein Zimmer im Schloss haben, Hermine", meinte McGonagall und verließ mit den anderen beiden den Raum. Madam Pomfrey ging in ihr Büro zurück und die Einzigen, die ihm Raum zurückblieben, waren Snape und der schlafende Junge.

Severus ging an das Bett des Jungen und stand dort für einen Moment. „Was hat deine Mutter gemeint?", fragte er die schlafende Gestalt. "Ich habe dich noch nie zuvor gerettet."

Er stand für eine Weile so da und beobachtete, wie sich Nathans Brust beim Atmen hob und senkte. Dann verließ auch er den Krankenflügel.

Da er jedoch nicht gefunden werden wollte, ging er nicht den direkten Weg in die Kerker. Er entschloss sich daher, wirklich die Korridore zu patrouillieren. Er hatte zu viele Gedanken im Kopf, um in dieser Nacht überhaupt an Schlaf denken zu können. Seine Füße trugen ihn zu jenem Platz, den er seit seiner Rückkehr nach Hogwarts nach dem Krieg nicht mehr betreten hatte: den Astronomieturm.


A/N: Ok, ich weiß! Mir ist schon gesagt worden, dass es ein Cliffhanger ist, aber ich bin mir sicher, dass ihr bis zum nächsten Update warten könnt! Oder:0)

Ich wüsste gerne, was ihr bis jetzt von der Geschichte haltet, also hinterlasst mir bitte ein Review. FerPotter :0)

Ich möchte gemeinsam mit den Übersetzern eure Reviews beantworten. Also schickt recht viele!

Im nächsten Kapitel… Snape hat einen Tag mit einigen unerfreulichen Zusammenkünften vor sich und irgendjemand entdeckt Hermines Geheimnis.