DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.

WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoilers! Seid gewarnt!

ORIGINAL BETA: SnarkyRoxy – vielen Dank!

GERMAN TRANSLATION: primax

GERMAN BETA: Sabine und Haley

A/N: Okay, hier kommt das 9. Kapitel! Snape hat einen Tag mit vielen unangenehmen Treffen vor sich und jemand kommt schließlich hinter Hermines Geheimnis. Wer? Wie? Ich verrate es euch…


Kapitel 9: Treffen

Am nächsten Morgen fielen die ersten Lichtstrahlen durch eines der Fenster im Krankenflügel auf Hermine, die in einem Stuhl neben Nathans Bett saß. Man konnte doch nicht von ihr erwarten ihr Baby alleine zu lassen, wenn er ans Krankenbett gefesselt war. Den Großteil der Nacht hatte sie damit verbracht ihren schlafenden Sohn zu beobachten und darüber nachzudenken, was Nathan dazu veranlasst haben könnte, in den Verbotenen Wald zu gehen. War er von jemandem herausgefordert worden? War er einsam? War er vor jemandem davongelaufen, der ihn verletzten wollte? Auf Grund ihrer Erschöpfung war sie schließlich irgendwann im Morgengrauen eingeschlafen.

Nathan öffnete seine Augen, aber erkannte seine Umgebung nicht. Er blickte sich im Raum um, bis er schließlich die Frau neben dem Bett sitzen sah – es war seine Mutter. Sie schlief, der Haltung ihres Kopfes nach, sehr unbequem. Nathan versuchte sie zu rufen, doch hustete stattdessen, doch auch dies weckte sie sofort auf.

„Du bist wach! Gott sei Dank!", sagte sie und stand von ihrem Stuhl auf, um ihren Sohn zu umarmen. „Du hast mir Angst gemacht, Nathan. Mach das nie wieder!"

„Es tut mir Leid, Mum", antwortete er. Seine Stimme war wegen der engen Umarmung seiner Mutter gedämpft.

„Wie fühlst du dich?", fragte Hermine, löste die Umarmung und untersuchte jeden Zentimeter von Nathans Körper.

„Hör auf zu nerven, Mum. Es geht mir gut", protestierte Nathan.

„Ja, und du kannst froh sein, dass es so ist!", sagte sie energisch. „Was hast du dir dabei gedacht, Nathan? In der Nacht in den Verbotenen Wald? Alleine?", fragte sie und jetzt da sie wusste, dass es ihm gut ging, konnte sie all ihren Ärger zeigen. „Hast du Todessehnsucht oder so etwas ähnliches? Du hast es damit beinahe geschafft ums Leben zu kommen!"

„Es tut mir wirklich, wirklich leid, Mum! Ich habe nur…", Nathan konnte ihr nicht erzählen, was er im Wald gemacht hatte. Jetzt, wo er ernst darüber nachdachte, schien es so dumm zu sein. Wie blöd von ihm, dass er alleine gegangen war; er hätte es besser wissen müssen. „Es tut mir leid", wiederholte er noch einmal leise.

„Was hast du im Verbotenen Wald gemacht?", fragte Hermine.

„Ich habe..." Wie konnte er es ihr sagen? „Ich -"

„Komm jetzt, Nathan, erzähle. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit", beharrte sie.

Nathan seufzte. „Ich habe Einhörner gesucht", sagte er.

„Warum, Nathan? Warum warst du auf der Suche nach Einhörnern und das mitten in der Nacht? Im Verbotenen Wald? Alleine?", fragte Hermine noch einmal und zeigte, wie gering im Moment ihre Geduld war.

Nathan wusste, dass es besser war, dass er ihr jetzt die Wahrheit sagte. „Ich habe die Einhörner gesucht, weil ich Einhornhaar von ihnen holen wollte. Ich wusste, dass Professor Snape -"

„Snape! Warum ist es immer Professor Snape, Nathan?", unterbrach ihn seine Mutter verärgert.

Er biss sich auf die Unterlippe. „Ich weiß jetzt, dass es dumm war! Aber es hat vorher nach einem perfekten Plan ausgesehen. Es tut mir wirklich leid!", gab er zu.

„Ja, das war wirklich dumm von dir, Nathan", sagte Hermine und begann mit einer ihrer Hände ihre Augen zu reiben. Sie seufzte.

„Er hat mich gerettet", sagte Nathan mit leiser Stimme, als die Stille sich länger hinzog und er begann sich unwohl zu fühlen. „Professor Snape hat die Riesenspinnen verhext und hat mich hierher getragen, als ich nicht gehen konnte", fuhr er fort und starrte dabei auf seine Hände, die auf dem weißen Bettlaken lagen.

„Er ist ein außergewöhnlicher Mann", fügte Hermine mit leiser, sanfter Stimme hinzu. „Es waren wirklich Riesenspinnen? Acromantulas? Oh, Nathan, weißt du, wie nah du deinem Tod warst? Bitte versprich mir, dass du dich von dem Wald fernhalten wirst, ganz egal was für eine faszinierende Idee du hast!", sagte Hermine und umarmte Nathan noch einmal heftigst. „Ich bitte dich", flehte sie ihn an und sah ihm dabei tief in die Augen, ohne ihn loszulassen.

„Ich werde nicht mehr hingehen, Mum. Ich habe doch schon gesagt, dass es eine dumme Idee war. Ich werde bestimmt nicht zwei Mal so dumm sein und es noch einmal tun", versicherte ihr Nathan.

„Gut!" Sie küsste ihn auf die Stirn und löste ihre Umarmung. „Dummheit steht dir nämlich nicht."

„Nein, das tut sie nicht", pflichtete ihr Nathan bei und grinste seine Mutter an. Er wusste, dass sie noch immer böse auf ihn war, aber erkannte, dass die Erleichterung ihren Ärger überstieg. Auch er war erleichtert, denn seine Mutter hatte Recht damit, dass er nur auf Grund eines Wunders dem Tod entkommen war und der Name seines Wunders war Snape. Er war froh über sein Glück.

Der Lärm, der von der Tür zur Krankenstation kam, lenkte die Aufmerksamkeit der Mutter und ihres Sohnes voneinander ab.

„Du bist wach!", sagte Harry und ging ans Bett seines Patensohns. „Also, bist du jetzt bereit mir zu erzählen, was um alles in der Welt du alleine im Verbotenen Wald gemacht hast?"

„Nein, nicht wirklich", antwortete Nathan. Er wollte nicht, dass sonst noch irgendjemand ihn darauf hinwies, wie dumm sein Verhalten gewesen war.

„Er war auf der Suche nach Einhörnern, Harry. Er wollte einige Haare von ihnen für Zaubertränke sammeln", erklärte ihm Hermine.

„Das wusste ich bereits. So sind wir nämlich zu ihm gekommen. Snape hatte sich an ein Gespräch erinnert, das er gestern mit Hagrid geführt hatte und verdächtigte Nathan, dass er, nachdem er es gehört hatte, in den Wald gegangen war", sagte Harry.

„Also wusste Professor Snape, dass ich wegen dem Einhornhaar dort war?", sagte Nathan, als ihm die ganze Tatsache bewusst wurde. Professor Snape glaubte also, dass er so dumm war, die Zutaten selbst zu suchen. „Gott, ist das peinlich. Ich hab einen kompletten Idioten aus mir gemacht!", fügte er hinzu und vergrub sein Gesicht in den Händen.

„Ja, das hast du gemacht", bestätigte Harry. „Warum warst du alleine im Wald? Das ist etwas, was ich nicht verstehe. Weißt du denn nicht, wie gefährlich der Verbotene Wald ist? Du hättest jemanden als Unterstützung mitnehmen sollen, vielleicht einen deiner Freunde."

Hermine blickte Harry ungläubig an. „Das ist der beste Rat, den du ihm geben kannst, Harry? Er soll jemanden mitnehmen? Du solltest sein Patenonkel sein, nicht sein bester Freund!", ermahnte sie ihn.

„Okay, geh nie wieder in den Verbotenen Wald. Nicht einmal mit deinen besten Freunden!", sagte Harry zu Nathan und der Junge verdrehte die Augen über seinen Patenonkel.

„Ich habe bereits gesagt, dass ich nicht beabsichtige es noch einmal zu tun! Okay? Ich werde es nicht mehr machen!", versicherte ihnen Nathan noch einmal. Die Tatsache, dass Professor Snape weiß, wie dumm ich war, ist Strafe genug und dient dazu, dass ich es nicht mehr in Erwägung ziehe, dachte er. Dann erkannte er, dass er noch keine Bestrafung, für das Brechen der Schulregeln, erhalten hatte. „Ich glaube, dass ich die Gartenanlangen für den Rest des Schuljahres sowieso nicht mehr sehen werde. Ich werde wahrscheinlich bis zum Sommer beim Nachsitzen sein", sagte er sarkastisch.

„Damit hast du wahrscheinlich Recht", sagte Harry und Nathan seufzte.

Als man begann in der Großen Halle das Frühstück zu servieren, begann sich das Schloss wieder überall mit Leben und Schülern zu füllen. Die drei Personen im Krankenflügel hatten die Jungen nicht bemerkt, die bereits eine Weile an der Tür des Krankensaales standen und sich gegenseitig etwas zuflüsterten. Hermine war die Erste, die die beiden bemerkte.

„Sucht ihr Madam Pomfrey?", fragte sie von ihrem Platz bei Nathans Bett aus.

„Äh... nein", sagte ein sehr nervöser Kevin. „Wir sind hier um Nathan zu besuchen, Ms. Granger."

Hermine lächelte die Jungen an. „Dann müsst ihr Andy und Kevin sein. Kommt herein", ermutigte sie die beiden.

„Hey Jungs", grüßte Nathan seine scheuen Freunde, welche sich ganz langsam seinem Bett näherten.

„Hallo Nathan, wir wollten vor dem Unterricht nur sehen, wie es dir geht", sagte Andy.

„Mum, das ist Andy und das ist Kevin", stellte Nathan seine Freunde vor. „Das ist meine Mutter, Hermine Granger", fügte er unnötiger Weise hinzu.

„Das wissen wir, Nathan", versicherte ihm Kevin. Er streckte seine Hand aus und sagte, „Nett, Sie kennen zu lernen, Ms. Granger." Andy folgte dann sogleich seinem Beispiel.

„Wir haben gehört, dass du letzte Nacht im Verbotenen Wald warst", sagte Andy und die Neugierde stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben.

„Ja, das war ich. Aber ich möchte jetzt nicht darüber reden", antwortete Nathan und zeigte mit einer, seiner Meinung nach sehr diskreten Bewegung seines Kopfes, auf seine Mutter.

„Aber, was... ah!" Andy wurde mit einem Schlag von Kevins Ellbogen in seine Rippen unterbrochen.

„Wir verstehen, dass du jetzt müde bist", sagte Kevin schnell, während Andy seine Rippen massierte.

Madam Pomfrey betrat den Krankenflügel durch die kleine Tür, welche in ihr Büro führte. „Guten Morgen, Mr. Granger. Ich sehe, dass es ihnen schon viel besser geht", sagte sie und begann Untersuchungszauber über Nathan auszusprechen. „Sehr viel besser!"

„Ich muss zum Frühstück in die Große Halle gehen", sagte Harry zu Hermine und fügte an die drei Jungen gewandt hinzu, „Ich hoffe, dass ich euch später in meinem Unterricht sehe."

„Wenn er sein Frühstück isst und sich danach noch immer gut fühlt", antwortete Poppy für Nathan, der daraufhin seine Augen verdrehte.

„Warum kommt ihr nicht mit mir mit, Jungs?", fragte Harry und die beiden grinsten ihn zur Antwort enthusiastisch an. Harry lächelte auch und gab Hermine einen schnellen Kuss auf die Wange. Mit den zwei jungen Gryffindors verließ er anschließend den Krankenflügel.

Mutter und Sohn aßen gemeinsam ihr Frühstück. Sie unterhielten sich, während sie darauf warteten, dass Madam Pomfrey Nathan entlassen würde, was erst nach einigen Stunden passierte. Hermine begleitete ihren Sohn durch die Korridore des Schlosses und verspürte einen Anflug von Nostalgie. Sie vermisste Hogwarts sehr, ihr zweites Zuhause. Vor dem Portrait der dicken Dame umarmte Hermine Nathan und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

„Ich vermisse dich so sehr. Sei ein guter Junge und hör auf, dich in Schwierigkeiten zu bringen, ja?", sagte sie und spielte dabei mit Nathans Haar.

Nathan lächelte. „Danke Mum", sagte er, gab dem Portrait das Passwort und verschwand dahinter in den Gryffindor-Turm.

Hermine hatte noch eine Sache in Hogwarts zu erledigen, bevor sie nach London zurückreisen konnte. Sie musste Severus Snape finden.

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Die Anwesenheit von Miss Granger in der Schule hatte Severus mehr durcheinander gebracht, als er zugeben wollte. Sie brachte die schlechten Erinnerungen an das schlimmste Jahr seines Lebens wieder. Er hatte letzte Nacht viele Stunden im Astronomieturm verbracht, bevor er in sein Quartier in den Kerkern zurückgekehrt war. Er war er nicht mehr in diesem Teil des Schlosses gewesen, seitdem Dumbledore gestorben war. Seit jenem Tag, an dem er ihn getötet hatte. Letzte Nacht aber war er wieder an diesen Platz zurückgekehrt, hatte den Vollmond und die Sterne ringsum beobachtet und hatte sich mit Dingen gequält, die lange geschehen, lange passiert und lange vorbei waren.

Hätte er etwas anders machen können? Natürlich hätte er. Er war auf mehr als ein Dutzend Möglichkeiten für die Geschehnisse jener Nacht gekommen und alle hatten sie mit seinem Tod geendet. Nicht dem Tod Dumbledores, nicht dem von Potter oder Malfoy, nur mit seinem eigenen Tod. Und dennoch hatte er überlebt, hatte sich Albus Bitte gefügt. Er hatte den Mann getötet, der ihm bedingungslos vertraut hatte, und hatte in dem weißen Grab gemeinsam mit seinem einzigen Freund auch seine Ehre begraben.

Etwas mehr als ein Jahr danach, wurde Severus durch den Zaubergamot von seinen kriminellen Handlungen freigesprochen. Potter hatte Recht, er sollte genauso wie die anderen Todesser in Askaban sein. Dort war sein Platz, neben all den kaltblütigen Mördern, nicht hier in der Schule, unschuldige Kinder unterrichtend.

Dann war da noch Hermine Granger gewesen, diejenige, die für alles verantwortlich war. Sie hatte ihm vertraut, als es niemand anderes getan hatte. Sie hatte Kontakt mit ihm aufgenommen, nachdem er in jener Nacht das Schloss verlassen hatte. Sie hatte ihn zurück zu den Treffen des Orden gebracht, hatte seine Loyalität gegenüber Dumbledore erklärt und bewiesen, und das obwohl der alte Zauberer schon tot war.

Trotz allem hatte er noch einmal bewiesen, dass seine Ehre in jener Nacht begraben worden war, in der er Dumbledore ermordet hatte. Sie hatte ihm genauso vertraut, wie es schon Albus getan hatte, und er hatte ihr Vertrauen gebrochen. Er hatte sie verletzt. Er hatte ihr wehgetan, um sie zu retten. Oh, wie er sich und seine verdammten Entscheidungen hasste. Er hasste sie sogar noch mehr, weil Hermine Granger ihn nie dafür verurteilt hatte; im Gegenteil, sie hatte seine Verteidigung für die Verhandlung vorbereitet. Es war sie, Hermine Granger, gewesen, die ihn vor Askaban gerettet hatte, wo er hingehörte.

Und jetzt war da der Junge, Nathan Granger. Sie erzählte ihrem Sohn, wie ehrenhaft er, Severus Snape, war, was für ein Held er war und all diesen Schwachsinn. Der Junge sollte Angst vor ihm haben – dem kaltblütigen Mörder aus den Kerkern – und sollte sich in seinem Unterricht nicht wohlfühlen, bei seinem Nachsitzen... in seinen Armen. Der Junge war so sehr an einer Annerkennung von ihm interessiert, dass er sogar bereit war sein Leben zu riskieren, um Lob von ihm zu erhalten. Für ihn, den schmierigen Idioten! Und daran war nur sie Schuld!

Er war am Krankenflügel vorbei gegangen, nachdem er den Astronomieturm verlassen hatte. Dort hatte er sie gefunden, sie schlief neben dem Bett ihres Sohnes. Er hatte den Raum nicht betreten, nicht wenn sie dort war. Er hatte sie nur durch das kleine Fenster in der Tür beobachtet. Sie hatte in Hogwarts geschlafen, um bei ihrem Sohn zu sein und dieser Gedanke hatte für ihn die restliche Nacht zur Hölle gemacht.

Am nächsten Morgen ging er ihr noch immer aus dem Weg. Er war mitten in einer Doppelstunde, jene, die auch ihr Sohn besuchen sollte, wenn er nicht noch an sein Krankenbett gefesselt wäre... und das wegen ihr, fügte er im Geist hinzu. Ja, denn es ist alles ihre Schuld. Es ist alles Hermine Grangers Schuld!

Snape wurde durch einen auf den Boden fallenden Stößel aus seinen Gedanken gerissen. Er stand von seinem Stuhl auf und knurrte den bedauernswerten Schüler an: „Ja, es muss schon verdammt schwer sein das Arbeitsgerät in der Hand zu halten, während man es verwendet, Mr. Bucknall. Fünf Punkte Abzug von Slytherin für Ihre Unfähigkeit!"

Absolute Verblüffung stand jedem einzelnen Schüler im Klassenzimmer ins Gesicht geschrieben. „Was ist denn mit dem los?", fragte Andy mit der leisesten Stimme, die er zusammenbrachte, Kevin, der hinter ihm saß.

„Ich weiß es nicht und möchte es auch nicht herausfinden, wenn er sogar von Slytherin einfach so Punkte abzieht!", antwortete Kevin in einem Flüsterton.

Die Stunde verging in absoluter Stille und ohne weitere Unterbrechungen. Selbst zu seinen besten Momenten wollte sich niemand mit dem Zaubertrankprofessor anlegen, geschweige denn wenn er so schlecht gelaunt war.

„Sie haben zehn Minuten um ihre Proben abzugeben, ihre Sauerei aufzuräumen und aus meinem Sichtfeld zu verschwinden!", sagte Snape zu ihnen als die Stunde zu Ende ging.

Die Schüler machten so schnell wie möglich, was ihnen gesagt wurde. Niemand wollte der letzte sein, der den Klassenraum verließ, und alleine mit Snape zurückbleiben, der zur Zeit in der schlechtesten Stimmung war, die sie je bei ihm gesehen hatten. Als die letzten beiden Schüler hastig die Klasse verließen, erschien Hermine Granger in der Tür.

„So, Sie sind also immer noch da", sagte Snape, in Anerkennung ihrer Anwesenheit.

„Ich habe nach Ihnen gesucht, bevor ich wieder nach London reise", sagte Hermine, betrat den Klassenraum und ging auf den Tisch zu, an dem er saß.

Er stand auf und begann die Phiolen einzusammeln, die die Schüler auf seinem Tisch zurückgelassen hatten. „Sie haben mich gefunden", sagte er trocken.

Hermine beobachtete den Mann vor ihr. Sie hatte ihn seit der Anhörung im Ministerium vor mehr als elf Jahren nicht mehr gesehen, den Vater ihres Sohnes. „Ja, das habe ich", sagte sie und wusste nun nicht mehr so richtig was sie sagen sollte, da sie jetzt im gleichen Zimmer stand wie er.

Ihr Zögern irritierte ihn nur noch mehr. Sie kann diese Tortur hier und jetzt beenden, dachte er, aber fuhr fort sie zu ignorieren.

„Ich möchte Ihnen für das, was Sie gestern getan haben, danken", sagte Hermine und beobachtete seine Hände bei der Arbeit, als sie die Phiolen in die Kiste stellten, die sich nun auf dem Tisch befand.

Obwohl er sich so etwas schon erwartet hatte, fühlte sich Snape, als hätte ihm jemand einen Schlag versetzt. Ihre Worte machten ihn krank. Er hörte damit auf, vorzugeben, dass er beschäftigt sei. „Sie müssen mir nicht danken. Es ist meine Pflicht, die Schüler zu beschützen", sagte er, ohne seinen Blick von seinem Tisch abzuwenden.

„Ich weiß, aber ich möchte Ihnen trotzdem danken!", bestand sie und ging einen Schritt auf ihn zu.

Snape hob seinen Blick und sah sie an. Sie hatte sich verändert seitdem er sie das letzte Mal gesehen hatte, das hatte er schon gestern Nacht bemerkt. Er fühlte sich unwohl unter der Art ihres Blickes, schlug seine Augen nieder und nahm seine Arbeit wieder auf. „Wenn Sie gesagt haben, wofür sie gekommen sind, dann können Sie jetzt gehen. Ich bin sehr beschäftigt", sagte er und entließ sie damit.

Hermine senkte ihren Kopf ebenfalls. Auch sie fühlte sich unwohl in der Gegenwart des Mannes vor ihr, hatte dafür jedoch ganz andere Gründe. „Ich werde Sie dann Ihrer Arbeit überlassen. Guten Morgen, Professor Snape", sagte sie sanft und ging hinaus.

Er antwortete nicht darauf, hob nur seinen Kopf und beobachtete ihren Abgang. Als er sie nicht mehr sehen konnte, seufzte er und löste die Umklammerung der Phiole, die er unbemerkt zusammengedrückt hatte. Sie ist gegangen.

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Im dritten Stockwerk wartete Nathan vor dem Klassenzimmer für Verteidigung auf seine Freunde. Er erblickte sie am Ende des Korridors. Als sie ihn sahen, lächelten sie und erhöhten ihr Tempo, um zu ihm zu kommen.

„Da bist du ja wieder", grüßte ihn Andy fröhlich.

„Ja, Madam Pomfrey hat gesagt, dass ich wieder in den Unterricht zurück kann", sagte Nathan.

„Das ist gut, aber du kannst froh sein, dass du Zaubertränke auslassen konntest. Professor Snape war heute wirklich unheimlich", sagte Kevin.

Diese Information ließ Nathan nicht unberührt. „Bist du derselben Meinung, Andy?", fragte er.

„Aber, ja! Du hättest sehen sollen wie er Bucknall behandelt hat, nur weil er den Stößel fallen gelassen hat. Er hat Punkte von Slytherin abgezogen und ihn als unfähig bezeichnet. Einen Slytherin!", sagte Andy außer sich.

Na also, das ist ja gar nicht gut, dachte Nathan. Er hatte seiner Mutter versprechen müssen, dass er Professor Snape aufsuchen und sich für seine Dummheit entschuldigen würde. Dazu hatte er ja gesagt. Er selbst wollte sich ja auch entschuldigen, obwohl er wusste, dass er bestraft werden würde. Verdammt, er hatte diese Bestrafung sogar verdient. „Das ist nicht sehr gut, ich muss nachher noch zu ihm", sagte er.

„Warum das?", fragte Andy.

„Ich muss ihm dafür danken, dass er mich gestern gerettet hat", erklärte Nathan.

„Er hat dich gerettet? Ich dachte, das hätte Harry Potter getan!", sagte Kevin, der ganz überrascht von dieser Neuigkeit war.

„Nein, Professor Snape hat mich gefunden und vor den Riesenspinnen gerettet. Er hat mich auch in den Krankenflügel getragen, weil ich nicht laufen konnte. Ihr hättet sehen sollen, wie er diese Spinnen verhext hat!" Nathan konnte seine Bewunderung nicht verbergen.

„Moment mal! Du sagst, dass Snape – derselbe Snape, der Zaubertränke unterrichtet, der Slytherin Bastard – dich gerettet hat? Einen Gryffindor! Das macht überhaupt keinen Sinn!", rief Kevin ganz verwirrt aus.

Nathan verdrehte seine Augen. „Das ist der einzige Snape, den ich kenne", sagte er nüchtern.

In diesem Moment betrat Harry Potter das Klassenzimmer durch die Seitentür, die zu Lupins Büro führte. Als er Nathan mit seinen Freunden sah, lächelte er und sagte: „Ich bin froh, dass du es zu meinem Unterricht geschafft hast, Nathan." Sein Patensohn antwortete ihm nur mit einem Lächeln.

„Also gut, ich glaube nicht, dass eine Vorstellrunde notwendig ist. Beginnen wir also einfach mit dem Unterricht. Heute werden wir einige Abwehrzauber lernen. Nehmt eure Zauberstäbe heraus", wies Harry die Schüler an. Die ganze Klasse war still und sah ihn aufmerksam an. Er seufzte. „Okay, schießt los. Was wollt ihr wissen?", fragte er resigniert. Jedes Mal wenn er nach Hogwarts kam, um für Lupin den Lehrauftrag zu übernehmen, war es dasselbe. Alles was die Schüler wissen wollten, waren seine heldenhaften Taten.

„Wie war es Sie-wissen-schon-Wem gegenüberzutreten?", fragte ein Mädchen aus der ersten Reihe und jedermann wartete gespannt auf eine Antwort.

„Das war etwas, was ich tun musste, also habe ich es gemacht. Voldemort hätte mich niemals in Frieden weiterleben lassen, also musste ich ihn vernichten", erklärte er.

„Haben Sie wirklich den Todesfluch verwendet?", fragte ein Slytherin.

„Ja, das habe ich", war Harrys kurze Antwort auf diese Frage.

Nathan wusste, dass sein Patenonkel nicht gerne über den Krieg sprach, also hob auch er seine Hand für eine Frage. „Ja, Nathan?", fragte Harry ein wenig überrascht.

„Warum hast du aufgehört Quidditch zu spielen und wurdest Auror?", fragte Nathan.

Harry schenkte seinem Patensohn ein dankbares Lächeln. „Ich dachte es wäre Zeit, meine Kenntnisse der Verteidigung gegen die dunklen Künste anzuwenden. Und das werden wir auch jetzt tun. Also, nehmt eure Zauberstäbe heraus!" Damit ging der Unterricht mit den Verteidigungszaubern weiter.

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Snape war zu den Mahlzeiten in der Großen Halle nicht erschienen. Er wollte an diesem Tag keinen mehr sehen. In diesem Moment saß er in seinem spärlich beleuchteten Büro und wartete auf die abendliche Ausgangssperre, damit er mit seinen Runden durch das Schloss beginnen konnte. Danach wollte er einfach nur noch zurück in sein Quartier, um dort so schnell wie möglich diesen verdammten Tag zu vergessen.

Die Stimme von Hermine, als sie ihm dankte, ging ihm immer noch im Kopf herum, genauso wie die Dinge, die er gestern im Krankenflügel gehört hatte. Natürlich würde er sie nie selbst fragen, aber es erschien ihm sehr rätselhaft, dass sie gesagt hatte, dass er den Jungen vorher schon mindestens einmal gerettet hatte. Er versuchte sich an jeden einzelnen Jungen zu erinnern, dem er in den letzten Jahren geholfen hatte. Es waren nicht allzu viele, und trotzdem kam er nicht dahinter. Er schüttelte seinen Kopf und vertrieb diese Gedanken aus seinem Geist. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken und versuchte sich noch einmal auf die Hausübungen der Drittklässler zu konzentrieren, die er gerade benotete.

Er hatte bereits einige korrigiert, als er ein Klopfen an der Tür hörte. Er hob seinen Kopf von dem Pergament vor ihm und verfluchte die Unterbrechung. „Herein", knurrte er.

Die Tür öffnete sich und die Gestalt eines Jungen wurde durch die Fackeln im Gang umrissen. Als die Person weiter in den Raum kam, konnte Snape ihn erkennen. „Granger!", fauchte er. Das war alles was ihm zum Ende dieses höllischen Tages noch gefehlt hatte, noch ein Treffen, mit einem weiteren Granger.

„Guten Abend, Professor Snape", grüßte ihn Nathan.

Alles was Snape wollte war, ihn so schnell wie möglich wieder loszuwerden. „Was wollen Sie?", fragte er ungeduldig.

„Ich möchte mich entschuldigen", sagte Nathan mit leiser Stimme. Nur zögerlich ging er weiter, vermied dabei Snapes Blick und seine ungewöhnliche Schüchternheit spiegelte einige seiner Gefühle wieder.

Snape seufzte. Was ist nur mit diesen Grangers los, dachte er, aber dann bemerkte er das Verhalten des Jungen, oder besser gesagt die untypische Haltung des Jungen. Schämt er sich? Er grinste darauf. „Sie sollten sich für ihr törichtes Verhalten schämen. Ich dachte, Sie seien mehr als ein dummer, unbesonnener Gryffindor, aber es sieht so aus, als hätte ich mich geirrt. Sie sind nicht mehr als ein weiterer Hohlkopf!" Zum ersten Mal sah er, dass der Junge richtiggehend zusammenzuckte. Dies bereitete ihm jedoch nicht die Freude, die er erwartet hatte und er runzelte finster die Stirn.

„Es tut mir Leid", sagte Nathan mit gesenktem Kopf. „Ich war ein echter Troll und ich bin wegen meiner Bestrafung hier, Sir."

Er ist hier, um sich bestrafen zu lassen? Das war wirklich ein sehr verwirrender Gedanke. Noch nie ist jemand in mein Büro gekommen, um sich bestrafen zu lassen, ohne dass nach ihnen geschickt wurde... oder sie hierher geschleppt worden sind. „Wer hat Sie geschickt?", fragte er dann.

Nathan riss den Kopf hoch und sah den Zaubertranklehrer verwirrt an. „Niemand, Sir", sagte er.

„Warum sind Sie dann gekommen? Wollen Sie, dass ich Sie bestrafe?", fragte Snape mit mehr als nur einem Hauch von Sarkasmus in seiner Stimme.

„Niemand sonst hat mehr Recht dazu, Sir", antwortete Nathan fest. „Sie sind derjenige, der mich vor den Spinnen gerettet und mich in den Krankenflügel gebracht hat. Es ist also nur logisch, dass Sie auch derjenige sind, der mich bestraft", fügte er hinzu.

Diese Aussage ließ bei Snape eine Augenbraue hochfahren. „Fünfzig Punkte Abzug von Gryffindor und einen Monat Nachsitzen", bestimmte er. Nathan äußerte kein einziges Wort des Widerspruchs. „Denken Sie, dass wird reichen?", fügte Snape sarkastisch hinzu.

„Wenn Sie mich fragen, ob es mich vom Verbotenen Wald fernhält, so ist meine Antwort ein Ja. Aber wenn Sie mich fragen, ob es meine Dummheit wettmacht, dann sollte ich ebenso gut für den Rest des Jahres nachsitzen müssen, Sir", sagte Nathan. Seine Augen glitzerten im Lichtschein des Kamins.

Snape erkannte den Zorn in den Augen des Jungen und konnte nicht aufhören Nathans Schlagfertigkeit zu bewundern. „Ich glaube, dann kann ich die Predigt weglassen", sagte er leicht amüsiert.

„Meine Mutter hat das bereits übernommen", versicherte Nathan dem Zaubertrankmeister.

„Ja, vielleicht. Aber sie ist nur ein Elternteil von ihnen. Was ist mit ihrem Vater?", fragte Snape.

Nathan zögerte für einen Moment und wendete seinen Blick von dem Professor ab. Snape bemerkte dies und zog daraus seine eigenen Schlussfolgerungen. „Er ist also ein Muggel. Ich verstehe."

„Nein, Sir. Ich...", Nathan brach ab, weil er nicht wusste, wie er es erklären sollte. Vielleicht war es besser, einfach die Wahrheit zu sagen. „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist", sagte er mit sehr leiser Stimme und hoffte, dass Snape ihn nicht hörte.

Snape hatte ihn jedoch gehört und runzelte seine Stirn. „Sie wissen es nicht?", sagte Snape, fast reflexartig nach dieser Enthüllung. Er weiß nicht, wer sein Vater ist? Seine Gedanken rasten, als er versuchte, diese Information zu verarbeiten. Miss Granger weiß nicht, wer der Vater ihres Sohnes ist? Das erschien ihm unmöglich. Natürlich weiß sie es, rügte er sich innerlich selbst. Die Alleswisserin würde wissen, wer der Vater ist, oder?

Seine umherschweifenden Gedanken wurden von Nathan unterbrochen. „Es ist jedoch immer jemand da, der seine Rolle übernimmt, wenn es um Disziplin geht. Dieses Mal war es Onkel Harry."

Snape saß einfach nur da und sah den Jungen an, sein Unglaube kaum verborgen.

Nathan begann ein leichtes Unbehagen zu spüren. Obwohl er diese Situation gewöhnt war, fühlte er sich immer zu Anfang unwohl, wenn die Leute herausfanden, dass er seinen eigenen Vater nicht kannte. Es war beinahe so, als würde Nathan Snapes Gedanken lesen, als er sagte: „Meine Mutter weiß natürlich, wer mein Vater ist. Sie will es mir aber nicht sagen."

Als er seine Gelegenheit erkannte, zögerte er nur kurz, bevor er den Zaubertranklehrer fragte: „Sie kannten meine Mutter, als sie noch eine Schülerin hier war, Sir. Können Sie sich daran erinnern, ob sie im siebten Schuljahr mit jemandem zusammen war?" Um seine Nervosität zu überspielen, fügte er dann noch mit einem gewissen Sarkasmus hinzu: „Ich weiß, sie war damals mit Onkel Ron zusammen, aber ich bin definitiv kein Weasley."

Snape musterte Nathan jetzt ganz genau. Der Junge sagte nichts mehr und stand einfach nur da. Dies war jene Art von Rätsel, welche der Zaubertranklehrer so gerne löste. Nein, der Junge war definitiv kein Weasley.

Er sah Nathan an, als würde er ihn zum ersten Mal sehen. Er besah seinen schlanken Körper und seine langen Finger. Für einen elfjährigen war er groß gewachsen. Er wanderte mit seinem Blick von den Händen des Jungen zu seinem Gesicht und sah ein eckiges Kinn, volle Lippen, eine nett geformte Nase und rabenschwarzes Haar. Dann trafen seine Augen die schwarzen Augen des Jungen. Es sah aus, als würde er in einen Spiegel blicken und Snape konfrontierte sich schlussendlich selbst mit den Erinnerungen aus jenem Jahr und mit allem was er in dem Jungen, der vor ihm stand, sah. Seine Augen weiteten sich. „Nein!", sagte er, nur etwas lauter als ein Wispern.

Nathan hatte den eigenartigen Blick der über das Gesicht des Lehrers geglitten war, nicht übersehen, und sagte daher: „Es ist Ordnung, Professor. Niemand, mit Ausnahme meiner Mutter, scheint es zu wissen." Jetzt fühlte er sich den Blicken des Zaubertrankmeisters ausgesetzt und wollte nicht noch länger bleiben. Er ging zur Türe und ließ einen ihn düster anstarrenden Snape hinter sich zurück. „Ich sehe Sie morgen, Sir. Gute Nacht", sagte er, bevor er die Türe hinter sich schloss.

Snape starrte immer noch auf die Stelle, an welcher der Junge noch wenige Augenblicke zuvor gestanden war. Es war, als ob er ihn noch immer dort stehen sah. Er schloss seine Augen und jede Ähnlichkeit zwischen Nathan Granger und ihm selbst spielte sich in seinen Gedanken ab, als würde er durch ein Denkarium sehen. Nathan, der in seinem Unterricht arbeitete; Nathan, der während des Essens seine Augenbrauen hochzog und ihn ansah; Nathans Augen und sein Haar und seine schlanken Hände... „Nein! Nein! Nein!", brüllte er, als er gezwungen war zuzugeben, was jetzt wirklich offensichtlich war – er war Nathans Vater! Er vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

Wie konnte sie so etwas machen? Warum sollte sie so etwas machen? Sie behielt ein Kind von einem... auf einmal fiel es ihm schwer zu atmen. Sein Brustkorb schmerzte, seine Augen schlossen sich fest. Er stand so abrupt von seinem Tisch auf, dass er den Stuhl hinter sich umwarf. Er packte das Tintenfass, welches auf seinem Tisch stand. „Wie kann sie mir so etwas antun!", schrie er und rote Tinte lief an der Tür seines Büros hinunter, nachdem das Tintenfass daran zerborsten war.

Er legte seine Handflächen auf die Kanten des Tisches und versuchte die Beherrschung wieder zu erlangen. Er senkte seinen Kopf. Ihm war schlecht. Er versuchte erneut zu atmen, aber es schmerzte. Er hatte bei jedem Atemzug, bei jedem Gedanken, Schmerzen. Ich habe ihr Leben zerstört. Dann gaben seine Beine plötzlich nach, er fiel auf seine Knie und mit weiß hervortretenden Knöcheln hielt er sich noch immer am Tisch fest.

In seinem Geist tauchten Bilder der Nacht auf, in der Hermine von einer Gruppe von Todessern gefangen genommen worden war. Er konnte es sehen, als wäre er selbst wieder dort. Eine Gruppe von vier maskierten Männern, von denen zwei sie bei beiden Armen gepackt hatten, während sie vergebens darum kämpfte losgelassen zu werden, betraten die Versammlung der Todesser, welche sich um den Dunklen Lord eingefunden hatten. Er konnte nur schwer seine Angst um das Mädchen verbergen, als sie kräftig auf den Boden geworfen wurde. Auf Voldemorts entstelltem Gesicht konnte er Zufriedenheit sehen. „Potters Groupie Nummer Eins, was für eine angenehme Überraschung", sagte er in seiner reptilienartig klingenden Stimme.

Snape hatte fieberhaft überlegt, wie er sie retten konnte, ohne seine Position als Spion zu enttarnen, nach allem das er hatte tun müssen, um sie zu behalten. Es fiel ihm aber nichts ein. Mit verstecktem Entsetzen musste er beobachten, wie der Dunkle Lord den Cruciatus-Fluch über sie sprach. Als ihre lauten Schreie seinen Geist trafen, wusste er, dass er sich etwas ausdenken musste, um sie zu retten.

Voldemort hatte bald darauf festgestellt, dass sie keinen Wert mehr für ihn hatte, nachdem er ihren Geist nach wertvollen Informationen durchwühlt hatte. Snape hatte seine Gelegenheit dann erkannt, als ein Todesser auf die am Boden liegende junge Frau zuging und bereits seine Hose aufknöpfte. Er musste es tun, wenn er sie am Leben erhalten wollte. Also tat er es.

Er entfernte sich aus dem Kreis, der sich um sie gebildet hatte und rief aus: „Sie gehört mir!" Er musste sich selbst daran erinnern, dass dies die einzige Möglichkeit war. Er löste seinen Gürtel, öffnete seine Hose und kniete sich neben sie. Ihre von Tränen verwässerten Augen trafen seinen angespannten Blick. Er wendete ihn von ihr ab, damit er sich auf die bevorstehende Handlung konzentrieren konnte. Er musste es tun, wenn er ihr Leben retten wollte.

Mit Gewalt zog er sie näher an sich heran und sein Körper traf ihren. Er drang in sie ein und mit jeder Bewegung fühlte er einen weiteren Teil seiner Seele von seinem Selbst abfallen. Sie vergoss leise Tränen, während er sie vergewaltigte. Die umherstehenden Todesser genossen die Show, die sich ihnen darbot und als es vorbei war, hungerten sie nach noch mehr.

Als Snape dies sah, packte er Hermines Arm hart und riss sie mit ihm auf die Beine. Sie gingen auf den Dunklen Lord zu und Snape sagte: „Ich will das Schlammblut für mich alleine, mein Lord."

Die Kreatur mit dem schlangenähnlichen Gesicht schien seine Bitte einen Moment lang zu überdenken. Die Anderen standen in voller Erwartung und warteten. „Warum willst du sie, Snape?", fragte er dann.

„Sie hat mich sechs Jahre lang gepeinigt, mein Lord. Ich will sie als meine persönliche Sklavin. Ich will Rache, mein Lord", antwortete er und verstärkte den Griff um Hermines Arm, um zu zeigen, wie ernst es ihm war.

Voldemort schien dieses besitzergreifende Verhalten zu gefallen. „Du kannst sie haben, Snape, aber du bist für sie verantwortlich. Wenn sie entkommt, stirbst du."

„Ja, natürlich, mein Lord", sagte Snape und sank mit Hermine herab, um den Saum von Voldemorts Umhang zu küssen. „Ich bitte um Erlaubnis zu gehen, mein Lord."

Dann hatte er die Versammlung verlassen und apparierte gemeinsam mit Hermine zu seinem heruntergekommen Haus in Spinners End. Er brachte sie in eines der kleinen Zimmer im zweiten Stock und untersuchte sie nach ernsten Verletzungen. Sie hatte nichts gesagt, seitdem er sie das erste Mal berührt hatte. Er hatte ihre oberflächlichen Wunden und Schnitte so gut er konnte geheilt und versucht, sie nicht mehr als nötig zu berühren. Er legte eine abgenützte Decke über sie und war dabei den Raum zu verlassen. Er hatte seine rechte Hand bereits am Türknauf, als sie sich entschloss ihr Schweigen zu brechen. „Danke."

Er war sofort erstarrt, als er dieses unverdiente Wort aus ihrem Mund hörte. Er hatte für einen Moment seine Augen geschlossen und dann den Raum verlassen, war nur zurückgekommen, um ihr Essen und einige Bücher für ihren restlichen Aufenthalt zu bringen. Er konnte ihr nicht in die Augen sehen.

Und doch hatten heute die Konsequenzen dieser seiner Handlungen gerade sein Büro verlassen; ein Kind, sein Kind, ein Kind aus einer Vergewaltigung. Abgrundtiefer Zorn stieg in ihm auf, stand deutlich in seinen Augen, als sie erneut aufsprangen, im Licht des Feuers glühend. Er stand wieder auf. Im Versuch seine Frustration zu mildern ließ er seine Wut an seinem Schreibtisch aus. Wenn er vorher gedacht hatte, er könne sich seine Taten nicht verzeihen, so wollte er jetzt einfach nur sich selbst gemeinsam mit seiner Ehre und Albus Dumbledore begraben, dort in dem weißen Grab am See.

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Hermine saß Zuhause an ihrem Tisch in ihrem Arbeitszimmer und war sich des Zorns des Mannes in seinem Büro in Hogwarts nicht bewusst. Nachdem sie am Morgen mit Snape gesprochen hatte, hatte sie das Schloss bald verlassen. Ihre Arbeit für die Universität hatte sie voll beansprucht und ihre Gedanken von den Geschehnissen des Tages ferngehalten. Jetzt hatte sie jedoch keine Ablenkung mehr und konnte es nicht vermeiden, darüber nachzudenken.

Severus hatte Nathan gerettet, ohne zu wissen, dass es sein eigener Sohn war. Eine Fügung des Schicksals, dachte sie. Snape zu sehen, brachte Gefühle wieder, die sie nicht mehr zu haben geglaubt hatte. Sie hatte sich in seiner Anwesenheit unbehaglich gefühlt. Die Tatsache, dass sie ein Geheimnis katastrophalen Ausmaßes herumtrug, half da auch keines Falls weiter.

Er hatte sich nicht sehr geändert, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Nicht körperlich und, nach dem zu schließen was sie von Nathan erfahren hatte, auch nicht in seinem Benehmen. Die Art und Weise wie er sie im Klassenzimmer behandelt hatte, war noch ein größerer Beweis dafür gewesen. Warum kann er keine Dankbarkeit annehmen, überlegte sie. Er kommt immer wieder auf seine "ich-habe-nur-meine-Pflicht-getan Rede" zu sprechen. Sie schüttelte den Kopf.

Im Geist sah sie seine Hände vor sich, wie sie mit den Zaubertrankphiolen hantierten. Er ist noch immer geschickt bei jeder Bewegung, dachte sie. Es erinnerte sie an den Moment, als sie Snape das erste Mal gesehen hatte. Das war in dieser ersten Zaubertrankstunde in ihrem ersten Jahr in Hogwarts gewesen. Seine leidenschaftliche Rede, die Art wie er Zutaten und Arbeitsgeräte verwendete... Es erinnerte sie an Nathan. Sie seufzte, ihr Geheimnis hatte sie wieder einmal eingeholt.

Die Tatsache, dass sie Snape nach so einer langen Zeit wieder getroffen hatte, brachte auch die Erinnerungen an jene Nacht wieder, in der sie von den Todessern gefangen genommen worden war. Für sie war es eine schmerzhafte Erinnerung, welche sie in ihren Träumen verfolgte und sie immer wieder mit Tränen in den Augen aufwachen ließ. Sobald sie wach war, hatte Hermine jedoch keine Furcht mehr vor diesen Erinnerungen. Sie war dankbar für Snapes Anwesenheit bei dieser Versammlung, denn ohne ihn, wäre sie tot. Er war der tapferste Mann, den sie kannte.

In jener Nacht hatte sein Mut all ihre Erwartungen übertroffen. Sie hatte sich mit ihrem Schicksal bereits abgefunden, vergewaltigt und getötet zu werden, als sie seine Stimme vernahm, die sagte, dass sie ihm gehöre. Als er sich zu ihr niedergekniet hatte, wusste sie, was er machen würde und obwohl sie Angst hatte, vertraute sie ihm auch. Sie wusste, dass er es genauso wenig gemocht hatte wie sie, aber er hatte getan, was zu tun war, um sie zu retten und dafür dankte sie ihm.

Aus seinem darauffolgenden Verhalten ihr gegenüber, wusste sie, dass er bedauerte, wozu er gezwungen gewesen war. Die neun Tage, die sie als sein Gast bei ihm verbracht hatte, hatte er kaum ein Wort mit ihr gewechselt. Er schaute ihr nicht in die Augen, noch verbrachte er einen Moment länger als nötig in dem Raum, den er ihr zur Verfügung gestellt hatte. Er hatte ihr Zugang zu seiner beträchtlichen Bibliothek gewährt, aber sie hatte ihn dort niemals angetroffen.

Sogar als der Krieg zu Ende war und er seine Verhandlung hatte, hatten sie nur sehr wenige Worte gewechselt. Damals hatte sie schon gewusst, dass sie schwanger war, hatte sich jedoch entschlossen, es ihm nicht zu sagen. Er hätte ihr niemals erlaubt, das ungeborene Kind auszutragen, doch sie wollte dieses Kind. Sie hatte sich selbst versprochen, dass sie ihm davon erzählen würde, wenn die Schwangerschaft so weit fortgeschritten war, dass ein Abbruch nicht mehr möglich gewesen wäre, aber sie hatte dann nicht den Mut dazu aufgebracht. Das Gleiche war geschehen, nachdem Nathan geboren worden war, und noch heute verfolgte sie ihr Geheimnis.

Doch während alledem, war ihr immer noch Nathan geblieben, das wertvollste Geschenk, das ihr das Leben jemals hatte geben können. Sie sehnte sich nach dem Tag, an dem sie ihm alles über seinen Vater sagen konnte, aber gleichzeitig fürchtete sie, dass dieser Tag niemals kommen würde. Was sie heute in Hogwarts gesehen hatte, war nicht sehr ermutigend. Snape schien sich nicht im Geringsten geändert zu haben, wie also konnte sie ihm dann gegenübertreten? Darauf wusste sie keine Antwort.

Die Nacht, die sie neben Nathans Bett verbracht hatte, begann sich bemerkbar zu machen. Sie war müde und ihr Rücken schmerzte. Hermine stand auf, verließ ihr Arbeitszimmer und nahm ein entspannendes Bad. Sie musste die Arbeit wieder aufholen, die sie wegen des Rufes der Schuldirektorin vernachlässigt hatte. Morgen ist ein anstrengender Tag, dachte sie.


A/N: Beängstigend, ich weiß! Aber es hat so sein müssen. Ich hoffe, ich habe niemanden mit dieser Szene abgeschreckt. Zumindest wisst ihr jetzt, was geschehen ist. Lasst mich wissen, was ihr davon haltet – hinterlasst mir einfach eine Review. Ich werde gemeinsam mit den Übersetzern eine Antwort auf meinem LifeJournal (zu finden auf der Profilseite unter „Homepage") geben.

FerPotter :0)

Im nächsten Kapitel… Ein unwissender Nathan bereit sich auf einen Monat Nachsitzen bei seinem jetzt sehr wissenden Vater vor.