DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.
WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoilers! Seid gewarnt!
ORIGINAL BETA: SnarkyRoxy – vielen Dank!
GERMAN TRANSLATION: primax
GERMAN BETA: Haley
A/N: Kapitel zwölf. :0) Ein Portrait hat etwas zu sagen. Und ratet, was noch? Mehr Nachsitzen. :0)
Kapitel 12: Weisheit
An diesem Samstag erwachte Hermine spät durch das Pochen einer Eule an ihrem Schlafzimmerfenster. Sie öffnete das Fenster für den Vogel, welcher einen Brief an seinem Bein befestigt hatte. Es war ein Brief von Nathan.
Sie hatte unruhig auf eine Nachricht von ihm gewartet, seitdem sie Hogwarts, nach ihrer gemeinsamen Nacht im Krankenflügel, verlassen hatte. Sie nahm die Pergamentrolle, setzte sich auf den Rand ihres Bettes und begann zu lesen:
Liebe Mum,
es geht mir wirklich gut! Ich weiß, dass du sicher immer an mich denkst, seitdem du wieder nach Hause gereist bist. Ich fühle mich ganz gesund und ich esse auch all das Gemüse, ich schwöre es.
Das war eine Erleichterung. Sie hatte sich Sorgen um Nathans Genesung gemacht und zu hören, dass es ihm gut ging, war das, was sie brauchte.
Ich habe einen Monat Nachsitzen bei Professor Snape, dafür dass ich den Verbotenen Wald betreten habe. Er hat mir auch fünfzig Punkte abgezogen, aber ich glaube, das ist nur fair.
„Einen Monat allein mit Snape!", sagte sie zu sich selbst und bedeckte mit einer Hand ihren offenen Mund, während die andere Hand den Brief hielt. „Oh Gott!"
Sie stand von ihrem Bett auf und begann daneben auf und ab zu laufen. Den Brief in ihrer Hand hatte sie vollkommen vergessen. Es war höchst unwahrscheinlich, dass ihr Geheimnis einen Monat mit täglichen, so intensiven Zusammentreffen überleben würde, da war sie sich sicher. Was mache ich?, dachte sie. Er wird es herausfinden, und er wird mich umbringen!
Sie ging in die Küche, denn sie brauchte ein wenig Wasser, um sich zu beruhigen. Ihre Hände zitterten, als sie das Glas zu ihrem Mund führte. Er wird es niemals verstehen, gestand sie sich ein.Sie setzte sich auf einen Stuhl neben dem Küchentisch, stützte sich auf den Ellenbogen und legte die Stirn in ihre Hand. Sie seufzte. Was mache ich?, dachte sie erneut und hatte keine Antwort. Was wird Severus machen?, dachte sie dann.
Der Gedanke daran, was er tun konnte, wenn er es herausfand, machte ihr Sorgen. Würde er sie gleich aufsuchen? Würde er es Nathan sagen? Sie wusste es nicht. Wenn er es Nathan sagt, bevor er mit mir spricht, wird ihm das leid tun!, schwor sie sich.
Sie atmete ein paar Mal ein, um sich zu beruhigen. Es half jedoch nichts. Alles was sie wusste, war, dass die Beiden einen Monat gemeinsam beim Nachsitzen verbringen würden. Dieser Monat konnte auch enden, ohne dass die beiden irgendetwas entdeckten. Noch ein weiterer, tiefer Atemzug und dann ging sie zurück in ihr Zimmer, wo sie den Brief zurückgelassen hatte.
Wie war Halloween? Hast du viele Zuckerl verteilt? Dieses Jahr habe ich, wie du weißt, keine bekommen. Es gab ein Fest in der Großen Halle und es war genauso, wie du, Onkel Ron und Onkel Harry es immer erzählt habt. Die vielen, lebenden Fledermäuse waren wirklich cool!
Darüber musste sie lachen.
Dann war da auch noch das Duell von Onkel Harry mit Professor Snape…
„Was?", rief sie und fuhr mit dem Lesen fort, um mehr über das Duell herauszufinden.
…Ich habe gar nicht gewusst, dass es so viele Flüche gibt. Wusstest du, dass Onkel Harry noch nie gewonnen hat? Ja, das hat mich auch überrascht, als er es mir erzählte. Aber er hat gesagt, dass er nächstes Jahr gewinnen wird, wenn sie sich wieder duellieren. Das machen sie jedes Jahr.
„Harry duelliert sich jedes Jahr mit Severus?", sagte sie erstaunt und schüttelte ungläubig ihren Kopf. Das ist unglaublich. Wann werden sie jemals erwachsen?, dachte sie dann und versuchte nicht böse auf Harry zu sein, weil er ihr niemals davon erzählt hatte.
Nächstes Wochenende findet das erste Quidditch-Spiel in diesem Jahr statt. Gryffindor wird gegen Slytherin spielen und alle Leute reden seit gestern nach dem Fest nur noch über dieses Thema. Andy sagt, dass unser Team viel besser als ihres ist, aber ich weiß noch nicht genug über Quidditch, um mir da sicher zu sein.
Ich vermisse dich so sehr, ich kann die Weihnachtsferien kaum erwarten, wenn wir wieder zusammen sein werden.
In Liebe,
Nathan
Mit einem Seufzer beendete sie das Lesen des Briefs. Auch sie freute sich schon auf Weihnachten. Würde ihr Geheimnis bis dahin überleben? Da war nichts, was sie jetzt tun konnte, außer zu warten. Na ja, vielleicht konnte sie mehr machen. Sie verließ ihr Zimmer und begann in ihrem Arbeitsraum einen Brief an ihren Sohn zu schreiben.
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Das letzte Nachsitzen hatte Nathan eine Menge zum Nachdenken gelassen. Er war sich jetzt sicher, dass Professor Snape mehr über seinen Vater wusste, als er vorgab, und seitdem er gestern die Kerker verlassen hatte, versuchte er eine Möglichkeit zu finden, an dieses Wissen zu gelangen. Er hatte das Frühstück verpasst, da er lieber im stillen Zimmer liegen geblieben war, um nachzudenken. Er hatte seine Freunde abgewiesen, die ihn einige Male gerufen hatten, bevor sie es aufgaben.
Als es Zeit zum Abendessen war, hatte Nathan einen Plan ausgearbeitet. Er würde bei Professor Snapes kleinem Spiel mitmachen. Er würde sich an alles halten, was der ältere Zauberer sagte, egal wie wenig Sinn es machte. Wenn sein Gedankengang richtig war, dann würde es irgendwann einen Sinn ergeben und er würde herausfinden, was auch immer Professor Snape wusste.
Mit diesen Gedanken, betrat Nathan an diesem Abend den Zaubertrankklassenraum und ging direkt zum Tisch von Professor Snape, wo der Zauberer saß. „Guten Abend, Professor Snape", sagte er und wartete auf keine Antwort, denn er wusste, dass keine kommen würde. „Ich habe die Antwort auf ihre Frage."
Diese Aussage lenkte die Aufmerksamkeit des Zaubertrankmeisters von dem Buch ab, das er vorgab zu lesen. Er verengte seinen Blick und schaute seinen Sohn grüblerisch an. Der Junge konnte sich nicht auf das beziehen, was er am Tag zuvor gefragt hatte, oder? Severus hatte sich für den verbliebenen vorigen Abend für seine Schwäche gescholten, das Thema während ihres letzten Nachsitzens überhaupt angesprochen zu haben – zu fragen, ob es Nathan gefallen würde, Potter zum Vater zu haben.
Jetzt war Severus von seinem Fehler überzeugt. Hat er gesagt, dass er eine Antwort hat?, dachte er und versuchte den Zweifel zu schüren, von dem er wusste, dass er unbegründet war. Das war tatsächlich, was der Junge gesagt hatte; dass er eine Antwort auf seine Frage hatte. Seine Gedanken wurden von Nathan unterbrochen.
„Ich hätte Onkel Harry gerne als meinen Vater, aber wir beide wissen, dass er es nicht ist", sagte Nathan ruhig. „Ich glaube also, dass ihre Frage eher war, ob ich gerne hätte, dass mein Vater so ähnlich wäre wie Harry Potter." Er unterbrach sich und suchte in den schwarzen Augen seines Gegenübers nach einer Bestätigung. Er nahm die fehlende Reaktion des Zaubertrankmeisters als Bejahung und fuhr fort: „Dann ist meine Antwort ein Ja."
„Wer würde nicht einen Vater haben wollen, der ein so ehrenhafter und mächtiger Zauberer wie er ist? Er ist mutig und intelligent", sagte er. Mit ein wenig Humor, fügte er dann hinzu, „obwohl ich das manchmal bezweifle."
Auf die letzte Aussage hin entspannte Severus seinen verengten Blick.
„Beantwortet das Ihre Frage, Sir?", fragte Nathan.
Der Zaubertrankmeister nickte kurz als Antwort, da er nichts sicheres hatte, das er hätte erwidern können. Er ging auf ein sichereres Thema über und sagte, „Ich habe einige Frösche, die für den Unterricht vorbereitet werden müssen. Sie sind in der Kiste." Als er sprach, zeigte er auf die Box und sah, wie Nathan seiner Bewegung mit seinen Augen folgte. „Sie werden jedes einzelne, verwendbare Stück auf die unterschiedlichen Abnehmer aufteilen; Beine, Augen Gehirn und Haut", wies er an.
Nathan sah ihn an und lächelte ein wenig. Ist er... glücklich über diese Aufgabe?, fragte sich Snape und versuchte zu verstehen, was diese eigenartige Reaktion auf das Sezieren von Fröschen war. Seine Gedanken wurden durch die nächsten Worte des Jungen geklärt.
„Wie mache ich das genau? Ich würde gerne lernen, wie man all die Inhalte aus einem einzigen Frosch gewinnen kann!", sagte Nathan enthusiastisch.
Severus rollte mit seinen Augen. Der Junge war wie seine Mutter, wenn es darum ging, Neues zu lernen und wie ich, fügte er im Geiste hinzu. Er stand von seinem Tisch auf und ging zu einem Arbeitsplatz. Nathan folgte ihm gleich auf dem Fuß. Er nahm ein scharfes Messer und einen der toten Frösche aus der Kiste. Dann zeigte er es dem Jungen, der jede einzelne seiner Bewegungen aufmerksam beobachtete. „Zuerst müssen Sie die Beine am Ansatz abschneiden, so wie hier", sagte er und führte es vor. „Der nächste Schritt ist, den Frosch aufzuschneiden und die Innereinen zu entfernen. Nur der Kopf bleibt unberührt. Da muss die Haut intakt bleiben." Er zeigte jeden seiner Schritte ganz genau vor. Nathan schaute ihm fasziniert zu. „Dann müssen sie die Augen entfernen, ohne sie zu perforieren, und erst dann dürfen sie das Gehirn entfernen", fügte er hinzu und beendete die Extraktion des ersten Frosches vorsichtig.
„Jetzt versuche ich es", sagte Nathan enthusiastisch und streckte die Hand aus, um das Messer von Professor Snape zu nehmen, der seine Augen auf die Hände des Jungen richtete und eine Augenbraue hochzog. Er brauchte nur einen Augenblick, um seine Erheiterung zu verbergen, und übergab das scharfe Werkzeug. Er drehte sich um, um wieder zu seinem Tisch zurückzukehren und den Jungen seiner Aufgabe zu überlassen, als er hörte, „Schauen Sie, ob ich es richtig mache, Sir."
Er drehte sich wieder zurück und beobachtete, wie sein Sohn so mit dem Messer umging, wie er es gerade selbst gemacht hatte, und die Beine des Frosches mit erstaunlicher Genauigkeit abtrennte. Nathan hatte bereits den Amphibienkörper von den Innereien befreit und begann, das erste Auge des Frosches zu entfernen, doch hier zögerte er das erste Mal, als er versuchte, die richtige Ansatzstelle für das Messer zu finden. Als er sich schließlich für die falsche Stelle entschied, sagte Severus: „Sie werden das Auge zerstören. Winkeln Sie das Messer mehr ab." Nathan tat, was ihm gesagt wurde, und sah zur Bestätigung den Professor an. Severus legte seine rechte Hand über die von Nathan und setzte sie auf den rechten Winkel. Nathan beendete den ersten Frosch ohne weitere Schwierigkeiten.
„Wie war das?", fragte Nathan und seine Augen leuchteten erwartungsvoll.
„Akzeptabel", antwortete Severus. „Machen sie dasselbe mit den restlichen Fröschen."
Nathan nickte und strahlte noch immer über das ganze Gesicht.
Mehr als eine Stunde verging, während Nathan arbeitete. Severus las an seinem Tisch ein Buch, aber nach jedem zweiten Absatz verlor sich sein Geist in einem Tumult von Gedanken. Er hatte es genossen seinem Sohn zu zeigen, wie die Aufgabe exakt durchzuführen war; er war... stolz auf die Fähigkeiten des Jungen und auf seine rasche Auffassungsgabe. Er war überrascht von dem Verhalten des Jungen, als er ihm am heutigen Abend zuerst gegenübergetreten war. Er hatte überhaupt keine Antwort auf die Frage, die ihm herausgerutscht war, erwartet. Er hatte einen nachdenklichen Jungen erwartet, dem sein Hass auf ihn ins Gesicht geschrieben war, und nicht diese enthusiastisch lächelnde Ausführung, die nun Zutaten vorbereitete.
Verdammter Junge!, fluchte er still. Nathan war schwer einzuschätzen und das war nicht gut. Er wusste nicht, was in dem Jungen vor sich ging, und das setzte ihm schwer zu. Der mentalen Qualen müde, schloss er das Buch und wandte sich an seinen Sohn: „Die Aufgabe können Sie morgen beenden. Sie können gehen."
Nathan, durch Professor Snapes Stimme erschreckt, hielt in seiner Bewegung inne. „Ich mache den hier noch fertig, bevor ich gehe", sagte er.
„Ich sagte, Sie können es morgen beenden. Gehen sie, jetzt!", sagte der Zaubertrankmeister, und dieses Mal sagte er es mit mehr Nachdruck.
Nathan zog seine Augenbrauen hoch und legte das Messer langsam neben den halb bearbeiteten Frosch auf seiner Arbeitsblatte. Es war unmöglich, das Verhalten von Professor Snape zu verstehen. In einem Augenblick zeigte er ihm, wie man die Augen eines Frosches entfernte, und im nächsten Moment verscheuchte er ihn aus dem Klassenzimmer, ohne Platz für Fragen zu lassen.
Nathan erinnerte sich an seinen Plan, Snapes Spiel mitzuspielen, und daher beschwerte er sich nicht. Er verließ das Klassenzimmer und murmelte, „Gute Nacht."
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Am nächsten Tag, der ein Sonntag war, ließ eine Eule einen Brief auf Nathans Teller mit Eiern fallen. Er lächelte, da er sofort sah, dass er von seiner Mutter war.
Lieber Nathan!
Ich bin sehr froh zu hören, dass du dich vollkommen erholt hast. Iss weiterhin Dein Gemüse und gehe nicht zu spät schlafen, denn du brauchst eine volle Nacht Schlaf.
Du hast den Punktabzug verdient und auch das Nachsitzen. Warum überwacht Professor Snape diese Stunden? Er ist Hauslehrer von Slytherin, nicht von Gryffindor. Du solltest zur Schulleiterin gehen und fragen, ob nicht Professor Lupin das Nachsitzen übernehmen könnte, jetzt da er wieder zurück ist.
Warum versuchen alle Professor Snape davon abzubringen, mein Nachsitzen zu beaufsichtigen?, dachte Nathan. Er erinnerte sich, was Andy gesagt hatte, als er es herausgefunden hatte. Sogar Professor Snape selbst, hatte versucht ihn los zu werden. Aber Nathan war nicht daran interessiert, dass seine Aufsichtsperson geändert wurde, nicht jetzt, da er wusste, dass Professor Snape wichtige Informationen über seinen Vater hatte.
Halloween war nicht dasselbe ohne dich. Ich war bei einer Party, aber es gab nicht einmal echte Fledermäuse dort, nur falsche Skelette und Kessel und es wäre ja nicht richtig, welche herbeizuzaubern, oder?
Nein, dachte Nathan und lächelte.
Ich hätte wissen sollen, dass Harry etwas so Dummes machen würde, wie sich mit Professor Snape zu duellieren; die beiden sind noch nie gut miteinander ausgekommen. Es überrascht mich auch nicht, dass Harry noch nie gewonnen hat. Professor Snape ist ein sehr starker Zauberer, und ich glaube nicht, dass er in naher Zukunft verlieren wird. Und überhaupt, wenn es nach mir geht, wird es kein nächstes Mal geben.
„Ups!", brachte Nathan hervor.
„Was ist los?", fragte Kevin.
„Ich glaube, Onkel Harry ist in Schwierigkeiten. Ich habe meiner Mutter über die jährlichen Duelle erzählt und sie sagt, dass sie sie stoppen wird. Ich kenne meine Mutter und sie wird nicht ruhen, bis Onkel Harry verspricht, dass er sich niemals wieder mit Professor Snape duellieren wird", sagte Nathan.
„Und du glaubst, er wird auf sie hören?", fragte Kevin ihn dann.
„Ich weiß nicht. Normalerweise macht er es, aber er schien sehr entschlossen, das nächste Duell zu gewinnen."
„Ich hoffe er hört nicht auf deine Mutter. Ich möchte noch ein solches Duell sehen", sagte Andy.
Nathan las seinen Brief weiter, nachdem er einen Schluck von seinem Kürbissaft genommen hatte.
Bist du wegen des Quidditch-Spiels aufgeregt? Das würde Ron stolz machen. Ich vermisse dich so sehr. Ich freue mich auch schon auf die Weihnachtsferien. Ich werde beginnen, ein paar Vorbereitungen dafür zu treffen, sodass es großartige Ferien werden.
In Liebe,
Mum
Nathan lächelte. Die Weihnachtsferien waren seine liebsten Ferien, und er freute sich darauf zu sehen, was seine Mutter dieses Jahr vorbereiten würde.
Der Tag ging ohne außergewöhnliche Vorkommnisse vorüber. Nathan arbeitete an seiner Hausarbeit und spielte ein wenig mit seinen Freunden im Gemeinschaftsraum, da ein Regenguss die Schüler nicht zu irgendeiner Art von Außenaktivität anspornte.
Als der Abend hereinbrach, ging das Nachsitzen weiter, als wäre zuvor nichts gewesen. Nathan widmete sich wieder der Kiste mit den Fröschen und Professor Snape las in einem seiner Zaubertranktexte. Nathan arbeitete wie am Vortag in vollkommener Stille und das, obwohl er viele Fragen an den Mann vor ihm im Raum hatte, der einfach nur an seinem Tisch saß und sein Buch las. Er kniff seine Augen zusammen und versuchte den Titel von Professor Snapes Buch zu lesen, aber er konnte ihn aus dieser Distanz nicht entziffern.
Nathan bearbeite weiter die Frösche, die Tätigkeit wurde ihm jedoch bereits langweilig. Sobald die Neuheit des erlernten Wissens nachgelassen hatte, war auch das Sezieren der Tiere nicht mehr so interessant. Da waren jedoch noch einige übrig. Er seufzte.
Nathan machte eine kurze Pause von seiner Arbeit und dachte, dass dies ein guter Moment war, um ein Gespräch mit dem Zaubertrankmeister zu beginnen. Ein weiterer Teil seines Planes war es, Professor Snape zum Sprechen zu bringen, ganz egal um welches Thema es dabei ging. Er hatte sich eingestanden, dass er niemals etwas von dem Professor erfahren würde, wenn er den Mann nicht dazu brachte mit ihm zu sprechen.
„Was lesen Sie, Sir?", fragte Nathan.
Snape sah über den Rand seines Buches und beobachtete den Jungen aufmerksam. „Gehen Sie wieder zurück an Ihre Arbeit, Mr. Granger."
„Ja, Sir", sagte Nathan und war enttäuscht darüber, dass es ihm nicht gelungen war seinen Professor zu einem Gespräch zu animieren.
Jetzt wollte er jedoch noch nicht aufgeben und Nathan fragte, ein paar zerlegte Frösche später, erneut: „Lesen Sie auch andere Bücher, Sir? Ich meine solche, die nicht mit Zaubertränken zu tun haben?"
„Warum, Mr. Granger? Sind die Frösche nicht mehr interessant?", fragte Snape und zeigte durch diese Frage seine Verärgerung.
Nathan konnte den Ärger am Ton des Zaubertrankmeisters erkennen, aber er kümmerte sich nicht darum. Er hatte erreicht, was er erreichen wollte; Professor Snape redete. „Nicht wirklich", antwortete er dann und folgte weiter seinem Plan.
Professor Snape senkte sein Buch, markierte mit einem Finger die Seite, die er gerade gelesen hatte, und sah Nathan an. „Darum ist diese Aufgabe auch Teil des Nachsitzens, Mr. Granger", sagte er einfach und blickte den Jungen weiterhin an, forderte ihn heraus, noch etwas zu sagen.
„Richtig", sagte Nathan.
„Wir können auch wieder zurück zu Strafsätzen gehen, wenn es das ist, was sie wollen?", bot ihm Snape an und grinste hämisch.
„Nein, ich finde die Frösche okay, Sir", antwortete Nathan schnell. „Ich war nur darauf gespannt, was sie da immer lesen, Sir, das ist alles."
„Behalten sie ihre Neugierde für sich, Mr. Granger, und arbeiten sie weiter", knurrte Snape.
Nathan war aber noch nicht bereit, die Konversation jetzt schon aufzugeben. „Ich lese gerne alle möglichen Bücher", sagte er nach einem Moment der Stille.
Snape gab bereits wieder vor zu lesen und reagierte nicht auf Nathans Worte.
Der Junge ließ nicht locker. „Die Zaubertrankbücher gehören zu meinen liebsten. Es gibt so viele in der Bibliothek... Ich möchte sie alle lesen", sagte Nathan mit verträumter Stimme.
Der Ton in der Stimme seines Sohnes erregte Severus Aufmerksamkeit und er sah erneut von seinem Buch auf. Der Junge hatte einen sehnsüchtigen Ausdruck im Gesicht, der jedoch nur für einen Moment anhielt, bis er wieder einem Ausdruck der Konzentration wich, als Nathan mit der Arbeit fortfuhr. Severus fühlte, wie sich bei dieser Demonstration von Bücherleidenschaft seine Lippen sich zu einem leichten Lächeln formten; der Moment war jedoch sehr kurz, denn er verzog seinen Mund voller Abneigung vor sich selbst, als er bemerkte, was gerade geschah.
Es kümmerte ihn nicht, ob der Junge intelligent war. Es kümmerte ihn nicht, ob der Junge talentiert in Zaubertränke war. Es kümmerte ihn nicht, ob der Junge faszinierend war. Es kümmerte ihn nicht, ob dieser Junge sein Sohn war. Er wollte nicht, dass es ihn kümmerte. Es konnte ihn nicht weniger interessieren, oder?
Falsch.
Es interessierte ihn und er wusste es. Es kümmerte ihn und das schmerzte ihn. Es kümmerte ihn, doch er wollte nicht, dass es ihn kümmerte und er würde sich auch nicht kümmern. Das war es! Diese Nachsitz-Stunden mussten ein Ende haben. Er würde sie beenden!
Er stand plötzlich auf und schreckte Nathan auf. Er ging auf die Stelle zu, wo der Junge stand und redete ihn an: „Das reicht für heute, Mr. Granger."
Nathan war überrascht von Professor Snapes Reaktion. Er konnte nicht verstehen, was jetzt falsch war, und er hatte auch noch einige Frösche zu bearbeiten. „Aber da sind noch ein paar -"
„Die Zutaten, die sie vorbereitet haben, reichen für den Bedarf der Schule. Sie können jetzt gehen", kam Snape ihm zuvor.
Nathan sah Professor Snape einfach nur an und suchte nach einem Motiv für solch eine Handlung; er konnte jedoch nichts entdecken. Seinem Plan folgend, behielt er seine Fragen für sich und bereitete sich darauf vor den Raum zu verlassen, während der Zaubertrankmeister ihn vom anderen Ende der Arbeitsplatte aus beobachtete.
Er nahm seine Sachen und schritt zur Tür. Professor Snape folgte ihm dicht auf den Fersen. Das erschien ihm eigenartig, aber er versuchte sich daran zu erinnern, dass er es bestimmt früher oder später verstehen würde. Der Zaubertrankmeister verließ hinter ihm den Klassenraum, aber er ging ihm nicht hinterher, sondern ließ Nathan mit großen Schritten hinter sich zurück. Der Junge verengte seinen Blick voller Verwirrung, dann zuckte er mit den Achseln und ging in Richtung des Gryffindorturms.
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Severus ging schnellen Schrittes durch die Korridore von Hogwarts und ignorierte dabei die Schüler, die sich rasch aus seinem Weg entfernten. Er ging direkt zum Büro der Schulleiterin, um dort das störende Nachsitzen zu beenden.
Er nannte dem Wasserspeier das Passwort und bestieg die Wendeltreppe. An der Türe klopfte er und wartete darauf von Minerva eingelassen zu werden. Sobald sie seine Anwesenheit bemerkt hatte, betrat Severus den runden Raum und schritt soweit hinein, dass er direkt vor dem Tisch der Schulleiterin stehen blieb, an dem sie saß.
Professor McGonagall legte ihre Schreibfeder beiseite, verhakte ihre Finger, legte ihre Hände auf ihren Schreibtisch und sah den Mann an, der sich vor ihr erhob. „Setz dich, Severus", sagte sie. „Möchtest du einen Tee?"
Severus platzierte seine dünne Gestalt in einen der Armsessel, die vor dem Tisch standen. „Minerva, ich bin hier um über das Nachsitz-Arrangement von Mr. Granger zu reden. Ich kann es nicht länger überwachen, und da Lupin jetzt wieder zurück ist, bin ich mir sicher, dass er seinen Pflichten nachkommen und seine Gryffindors disziplinieren wird."
Professor McGonagall seufzte. „Ich verstehe dich nicht, Severus. Ich kann mich an kein einziges Nachsitzen erinnern, dass du abgelehnt hast zu überwachen, und jetzt ist es bereits das zweite Mal, dass du versuchst das Nachsitzen von Mr. Granger abzulehnen", sagte sie und beobachtete den Zaubertrankmeister mit verengtem Blick. „Was geht da zwischen euch beiden vor?"
„Da ist Nichts, was zwischen mir und irgendeinem Schüler geschieht", antwortete er ärgerlich. „Ich habe andere Dinge, die ich lieber tun würde, als das Nachsitzen einen Gryffindors zu beaufsichtigen. Das ist Lupins Job", erklärte er.
McGonagall war nicht überzeugt. „Gib mir einen guten Grund dafür, sein Nachsitzen einem anderen Professor zu übertragen."
Er hatte viele Gründe, warum er diese Nachsitzstunden vom Hals haben wollte. Die nervige Anwesenheit des Jungen war einer davon; seine frechen Fragen und seine Kommentare ein weiterer; Nathans Ähnlichkeit mit seiner Mutter war auch ein guter Grund; aber größtenteils war es deshalb, weil sein Sohn ungewöhnliche Gefühle in ihm hervorrief, mit denen sich Severus nicht auseinandersetzen wolle. Doch nichts davon konnte er jetzt vorbringen. „Ich habe meine Gründe", sagte er stattdessen.
„Ich bin mir sicher, dass du sie hast", sagte Minerva verärgert. „Ich möchte wissen, welche das sein können."
„Minerva, ich –", begann er ihr zu antworten, als die Türe aufgerissen wurde und einen Siebentklässler einließ – es war die Schulsprecherin.
„Direktorin", sagte das Mädchen und atmete dabei so schwer, als wäre sie den ganzen Weg in das Büro herauf gelaufen. „Peeves hat den sechsten Flur schon wieder mit der bläulichen Flüssigkeit überschwemmt und er schwebte mit einem weiteren Eimer in Richtung der Treppen, als ich mich zu Ihnen auf den Weg machte!"
„Oh, ich würde ihn umbringen, wenn er nicht schon tot wäre", murmelte McGonagall. Sie durchquerte den Raum und verließ ihn gemeinsam mit der Schülerin. Sie hatte den Zaubertrankprofessor für diesen Augenblick vollkommen vergessen.
Severus folgte der Schulleiterin nicht. Er war Peeves Scherze leid und er konnte die Zeit nutzen, um sich einen Grund zu überlegen, um sein Leiden zu beenden; einen Grund, den er Minerva sagen konnte, ohne dass er sich als den Vater des Jungen offenbarte.
Zehn Minuten waren in der Stille des runden Büros vergangen und McGonagall war noch nicht zurückgekehrt; zehn weitere Minuten und noch immer kein Anzeichen, dass die Schulleiterin zurückkommen würde. Snape wurde des Wartens und Überlegens müde. Ihm war noch keine einzige, plausible Rechtfertigung eingefallen, um das Nachsitzen zu beenden. Außerdem irritierte ihn das Schnarchen der dösenden Portraits. Er stand aus seinem Stuhl auf und ging zur Türe, als er hinter sich eine Stimme hörte.
„Severus."
Snape zögerte nur für einen Moment, um dann den Ruf zu ignorieren und seinen Weg zur Tür fortzusetzen. Doch dann hörte er die ihm so bekannte Stimme erneut.
„Stoße Deinen Sohn nicht weg."
Auf der Stelle erstarrt schloss Severus die Augen. Er drehte sich um und blickte in die blauen Augen der Gestalt in einem der Bilder – Albus Dumbledore. „Ich weiß nicht, worüber du redest. Ich habe keinen Sohn und ich höre auch nicht auf Portraits", sagte Severus leise.
„Er erinnert mich auffällig an dich, als du in seinem Alter warst", sagte der frühere Schulleiter und ignorierte Severus Bemerkung. „Aber ich habe bemerkt, dass er ein Gryffindor ist, nicht so wie du. Das muss er dann wohl von seiner Mutter haben", fügte das Portrait amüsiert hinzu und zwinkerte mit seinen Augen.
„Ich muss nicht auf ein verwirrtes, altes Gemälde hören", murmelte Snape, aber er konnte sich nicht dazu überwinden, das Zimmer zu verlassen.
„Wenn er nur irgendetwas von seinen Eltern hat, dann muss er ein außergewöhnlicher Junge sein. Die Kombination aus seinen Eltern kann nur zu einem großen Zauberer führen, da bin ich mir sicher", sprach das Bild hinter dem Schreibtisch weiter. „Er muss ein sehr guter Schüler sein. Ist er in Zaubertränke talentiert?"
Severus seufzte. „Er ist sehr talentiert und intelligent", gab er zu, seine Stimme kaum stärker als ein leises Wispern, als er seinen Blick von der Figur abwandte, die von einem goldenen Rahmen eingefasst wurde.
Das Portrait lächelte über das scheue Eingeständnis seines Freundes und meinte dann ernüchternd: „Warum stößt du ihn von dir fort, Severus?"
Im Büro herrschte wieder absolute Stille. Severus fühlte sich in diesem Gespräch sehr unwohl. Er sprach nur selten mit Albus Portrait und dieses Thema war nicht eines derjenigen, die er für ein Gespräch wählen würde.
„Ich glaube nicht, dass dies ein Portrait irgendetwas angeht", sagte Severus.
„Es ist das zweite Mal, dass du versuchst, sein Nachsitzen abzugeben. Wenn ich auf Grund meiner Beobachtungen richtig liege, dann weiß er nicht, dass du sein Vater bist... ist das richtig?", sagte Albus und ignorierte ein weiteres Mal Severus unhöfliche Bemerkungen.
„Ich bin nicht sein Vater!", knurrte Severus.
„Severus, du kannst es nicht für immer leugnen. Du hast einen Sohn und du solltest die Zeit während des Nachsitzens nutzen, um ihn besser kennen zu lernen", sagte Dumbledores Bild. „Hast du darüber mit Hermine geredet?"
Severus kehrte wieder zu dem Stuhl zurück, auf dem er zuvor gesessen war, während er mit der Schulleiterin gesprochen hatte. „Ich möchte sie nicht umbringen, nach all den Schwierigkeiten, die ich hatte, um sie am Leben zu erhalten", sagte er mit sarkastischer Stimme, die jedoch seinen wahren Ärger nicht überdecken konnte, den seine zusammengeballten Hände zeigten.
„Dann mach es nicht."
Severus sah zu dem Gemälde. „Ich kann nicht ignorieren, was sie getan hat. Sie hat mich betrogen und ihn vor mir versteckt. Das hätte sie nicht machen sollen!", knurrte er.
„Ah, das ist also das Problem", sagte Albus. „Hermine muss damals ihre Gründe gehabt haben, um so zu handeln, wie sie gehandelt hat, und du wirst diese Gründe nur herausfinden, wenn du mit ihr sprichst. Aber das erklärt noch immer nicht, weshalb du deinen Jungen wegstößt, Severus."
„Er ist nicht mein Junge!", rief Severus empört. „Ich will keinen Sohn, ich wollte nie einen. Wenn sie gedacht hat, dass sie ohne meine Zustimmung einen haben könnte, dann ist es ihr Problem. ICH. WILL. KEINEN. SOHN.", betonte er, Wort für Wort.
„Du verlierst den Kampf, oder?", sagte das Bild und zwinkerte dabei mit den Augen. Severus erwiderte diese Worte mit einem Blick der Verachtung. „Das ist der Grund dafür, dass du versuchst, ihn wegzustoßen."
„Lass mich dir etwas sagen, Severus. Das wird nicht funktionieren. Du wirst noch immer wissen möchten, wie er ist, wer seine Freunde sind, was er macht, wenn er nicht im Unterricht ist, welche Bücher er ließt, auch wenn du sein Nachsitzen nicht überwachen wirst."
„Es wird funktionieren. Es muss funktionieren, denn ich möchte nichts mit ihm zu tun haben. Ich will keinen Sohn."
„Das kommt nicht mehr in Frage, mein Junge. Du hast bereits einen Sohn", sagte Albus und lächelte.
Severus zeigte deutlich seine Verachtung für die Worte des Portraits. Das verdammte Gemälde hatte recht und bewies, dass es eine getreue Kopie seines lange verlorenen Mentors war. Er seufzte. „Ich kann nicht der Vater sein, den er sich verdient hat, Albus", sagte er und schüttelte verneinend seinen Kopf. „Er träumt von einem anderen Vater."
„Wie kannst du wissen, welche Art von Vater er haben möchte?"
„Weil er es mir gesagt hat", betonte Severus.
„Was genau hat er gesagt?", fragte Dumbledore.
„Dass es ihm gefallen würde, wenn Potter sein Vater wäre." Severus spie den Namen des Patenonkels seines Sohnes hervor. „Er träumt von einem Helden, Albus, nicht von einem kriminellen Mörder, wie ich es bin. Ich weiß, was ich bin, und er ist ohne mich besser dran."
„Du bist kein krimineller Mörder, Severus", sagte Albus tadelnd.
„Das ist der Grund dafür, dass ich nicht mit dir spreche", sagte Severus verärgert. „Du bist nur ein Schatten von jenem Mann, den darzustellen du erschaffen wurdest. Der echte Albus wusste, wer ich wirklich bin – ein Mann, der zu viel getan hat und nicht mehr zu retten ist. So stelle ich mir keinen Vater vor!"
Die Figur in dem Gemälde schüttelte ihren Kopf. „Es sind so viele Jahre vergangen, mein Junge, und du glaubst noch immer nicht daran, dass du es wert bist respektiert und geliebt zu werden."
„Ich weiß nichts von der Art deiner Beziehung zu Hermine, aber ich glaube, dass sie einen guten Grund haben muss, einen Sohn von dir zu haben."
„Da ist keine Beziehung", knurrte Severus, „und sie ist die Einzige, die für ihre falschen Entscheidungen zu tadeln ist. Sie hat ihr Leben ruiniert und jetzt zerstört sie auch meines. Dumme Hexe!", fluchte er.
„Na, na, Severus, es kann nicht so schlimm sein", schalt Albus. „Ich bin mir sicher, dass Hermine die richtige Entscheidung getroffen hat. Dein Sohn Nathan scheint mir kein Fehler zu sein."
„Du weißt nicht, worüber du da sprichst. Du bist nur ein sich dauernd einmischendes, altes Portrait, das seine Meinung für sich behalten sollte", sagte Severus, stand von dem Stuhl auf und ging zur Türe. Dieses Mal sah er nicht zurück, als er das Zimmer verließ und beinahe eine überraschte Minerva umwarf, die gerade dabei war, die Türe von der Außenseite zu öffnen.
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Nachdem er aus dem Nachsitzen geworfen worden war, ging Nathan auf den Tisch zu, an dem seine Freunde im Gemeinschaftsraum saßen. Als sie seine Anwesenheit bemerkten, hörten sie plötzlich zu reden auf. Dies entging Nathan nicht, er sagte jedoch nichts.
Er setzte sich auf einen freien Fauteuil. Für einen unangenehm langen Moment herrschte Stille, bevor er sich entschloss etwas zu sagen und das Eis zu brechen. „Worüber habt ihr geredet?", fragte er.
Die beiden Jungen sahen einander an. Andy sagte: „Wir haben über das Quidditch-Spiel gesprochen."
Nathan sah von Andy zu Kevin. Irgendetwas stimmte nicht, aber er konnte nicht sagen, was es war. „Was ist damit?", fragte er dann.
„Oh, wir haben über die selben Sachen geredet, die wir schon vorher besprochen haben, weißt du", sagte Andy und machte eine abwinkende Bewegung mit seiner Hand. „Ich glaube nicht, dass die Slytherins eine Chance gegen uns haben!"
„Genau!", stimmte Kevin zu.
Nathan sah die beiden noch einmal an, bevor er es darauf beruhen ließ. „Ich hoffe, wir gewinnen", sagte er. Er war sich nicht sicher, aber er hätte schwören können, dass er Kevin seufzen hörte.
Sie redeten weiter über Quidditch und ein bisschen über ihre Hausarbeiten, was nach Meinung von Andy ein sehr lästiges Thema war. Trotz der lebhaften Konversation wurde Nathan langsam müde. Nachdem er zum dritten Mal hintereinander gegähnt hatte, sagte er: „Ich bin ein wenig müde. Ich glaube, ich gehe schlafen." Mit einem „Gute Nacht", stand er auf.
Seine Freunde erwiderten sein ‚Gute Nacht' und Nathan erklomm die Stiegen. Von der obersten Stufe drehte er sich um und sah zurück in den Aufenthaltsraum. Dort sah er Andy und Kevin, die miteinander flüsterten. Er verengte seinen Blick. Eigenartig, dachte er. Seine Freunde verheimlichten ihm etwas; er konnte es fühlen. Aber im Moment würde er nichts herausfinden, dafür war er schon zu müde. Morgen würde er es herausbekommen. Er würde ein Auge auf die Beiden haben.
Am nächsten Morgen verhielten sie sich so, als wäre nichts gewesen. Sie gingen gemeinsam zum Frühstück und dann in die Kerker zu ihrem Zaubertrankunterricht. Die Hälfte der Schüler war bereits im Klassenraum, als sie dort eintrafen. Sie gingen zu ihren üblichen Plätzen und warten auf Professor Snape.
Sie mussten nicht lange warten. Der Zaubertrankmeister stürmte in die Klasse und zog Gryffindor sofort Punkte ab, weil Josie nicht gleich auf ihrem Platz saß. Diese Reaktion veranlasste jeden für den Rest des Unterrichts still zu sein.
Nathan war über Professor Snapes Verhalten verwundert. Was ist los mit ihm?, dachte er und beobachte den grüblerischen Mann, der an seinem Tisch vorne im Raum saß und Aufsätze verbesserte. Nathan hatte seinen Zaubertrank wie immer früher beendet als seine Mitschüler. Die restliche Zeit des Unterrichts nutzte er jetzt, um den Zaubertrankmeister zu beobachten.
Andy sah von seinem Kessel auf und bemerkte, wie Nathan Snape ansah. Er stieß Kevin an, der neben ihm arbeitete und der dadurch beinahe ein ganzes Stück Gänseblümchenwurzel an Stelle der verlangten Scheibe in seinen Kessel fallen ließ. „Was ist los mit dir?", fragte Kevin ganz leise und verärgert über die Störung. Andy zeigte einfach durch ein kurzes Nicken seines Kopfes auf Nathan. Kevin folgte seinen Blick und nickte.
Die Unterrichtsstunde endete mit einem Gesamtverlust von zwanzig Punkten für Gryffindor. Nathan sprach mit seinen Freunden darüber, als sie in die nächste Unterrichtseinheit von Verteidigung gegen die dunklen Künste gingen. „Worüber war Professor Snape so verärgert?"
Kevin und Andy sahen einander wieder mit dem eigenartigen Ausdruck an.
„Ich weiß nicht", antwortete Andy.
„Wenn du es nicht weißt, warum sollten wir es dann wissen?", sagte Kevin mit einem Achselzucken.
Was soll das bedeuten?, fragte sich Nathan. Seine Freunde wurden immer eigenartiger und eigenartiger, und er wusste immer noch nicht, weshalb. Er ignorierte die komischen Antworten und betrat Professor Lupins Klassenzimmer.
Der Unterricht verlief reibungslos. Jetzt, da Professor Lupin wieder unterrichtete, war auch die Klasse wieder zurück auf ihrem normalen Tempo. Am Ende der Stunde hörte Nathan seinen Professor sagen: „Einen Moment noch bitte, Nathan."
Nathan sah zu seinen Freunden. Die bestätigten mit einem Nicken, dass sie auf dem Gang auf ihn warten würden. Anschließend verließen sie mit den anderen Schülern den Klassenraum. Nathan ging zu Professor Lupins Tisch. „Ja, Sir?"
„Ich habe gehört, dass Sie sich in Schwierigkeiten gebracht haben, während ich weg war", sagte Lupin.
Nathan senkte seinen Kopf. „Ich bin in den Wald gegangen, obwohl ich nicht dazu berechtigt war. Ich habe Nachsitzen bei Professor Snape, Sir."
„Das habe ich gehört", sagte der Werwolf. „Ich habe auch gehört, dass Sie in den Wald gegangen sind, um Einhörner zu suchen und dass Sie dies gemacht haben, um Professor Snape zu beeindrucken und Hauspunkte von ihm zu bekommen. Ist das richtig?"
„Ja, Sir. So in etwa", gestand Nathan. „Sind Sie böse auf mich?"
„Nein, ich bin nicht böse auf Sie. Ein wenig enttäuscht vielleicht, aber nicht böse. Wir haben zuvor schon über Professor Snape gesprochen und ich dachte, Sie verstehen, dass er hartes Arbeiten nicht in der gleichen Weise anerkennt, wie andere Lehrer es machen."
„Ich habe es verstanden. Ich habe meine Lektion gelernt, Sir", sagte Nathan. „Ich werde nie mehr so etwas dummes machen."
„Es freut mich das zu hören." Lupin nickte zufrieden. „Das ist alles, was ich von ihnen wissen wollte. Ich glaube Ihre Freunde warten draußen auf Sie." Er drückte Nathans Schulter und zeigte dadurch kurz seine Zuneigung, dann begleitete er ihn zur Türe. „Wenn sie irgendetwas quält, dann möchte ich, dass sie zu mir kommen. Und versuchen sie sich aus Schwierigkeiten raus zu halten, wenn Vollmond ist", fügte er lächelnd hinzu.
Nathan nickte und verließ den Unterrichtsraum. Am Ende des Korridors traf er auf seine Freunde. Sie flüsterten schon wieder miteinander und hörten sofort damit auf, als sie sahen das Nathan kam. Sie gingen zum Mittagessen und Nathan sprach das Thema nicht an.
Während des Nachmittagsunterrichts waren die drei Schüler sehr mit ihrer praktischen Arbeit in Kräuterkunde beschäftigt, doch diese Ablenkung war vorüber, als sie das Zimmer für Zaubereigeschichte betraten. Es war unmöglich, in diesem Unterricht nicht gelangweilt zu werden, und während die Mehrheit der Schüler einschlief, dachte Nathan über alle Geschehnisse nach, im Speziellen grübelte er über das eigenartige Verhalten seiner Freunde und von Professor Snape.
Der Unterricht war für diesen Tag anschließend beendet. Das Abendessen war köstlich und am Ende des Mahles trennte sich das Trio an der Eingangshalle. Kevin und Andy gingen in die Bibliothek, während Nathan die Treppen hinab stieg, die zu den Kerkern und einem weiteren Nachsitzen führten.
„Putzen sie diese Kessel", sagte Professor Snape, sobald Nathan sein Klassenzimmer betreten hatte.
Nathan seufzte über diese Zurücksetzung seiner Nachsitzarbeit. Er hatte sich darauf gefreut, weitere Zutaten vorzubereiten oder etwas Ähnliches zu machen, aber anstelle dessen musste er jetzt wieder schmutzige Kessel schrubben.
Er versuchte Professor Snape in ein Gespräch zu verwickeln, aber entschloss sich doch gegen diese Versuche, nachdem er einige äußerst gemeine Antworten von seinem Lehrer bekommen hatte. Der Zaubertrankmeister war nicht gerade in einer seiner besten Stimmungen, wie Nathan bereits während des Zaubertrankunterrichts am Vormittag angenommen hatte.
Nach ein paar Stunden harter Arbeit verließ er die Kerker und ging zurück zum Turm der Gryffindors, wo er seine Freunde traf. Sie fragten ihn nichts über sein Nachsitzen, doch vielleicht auch nur deshalb nicht, weil sie eine Menge Hausaufgaben hatten, die am nächsten Morgen fällig waren.
Am nächsten Tag erschien alles normal. Frühstück, Unterricht in Zauberkunst, Flugstunden - was sich als ein wirklich lustiger Unterricht herausstellte -, Mittagessen, Unterricht in Verwandlung, Hausaufgaben, Abendessen und Nachsitzen bei Professor Snape.
Diesen Abend hatte Professor Snape ihm aufgetragen im Lager zu arbeiten. Er hatte nur so viel Zeit aufgewendet, um ihm seine Aufgabe zu erklären, und hatte dann den Raum in Richtung Klassenzimmer verlassen.
Nathan hatte bereits eine Inventarliste von der Hälfte der Zaubertrankzutaten angefertigt, als er Professor Snapes Stimme, von seinem Platz am Lehrertisch im Zaubertrankraum, hörte, die ihm sagte, dass sein Nachsitzen für diesen Abend beendet sei.
Mit einigen Rollen Pergament mit seinen Notizen ging er zurück in das Klassenzimmer. „Ich bin bei der Hälfte der Inventur. Ich schätze, dass ich morgen fertig werde", sagte er und übergab dem Professor seine Notizen.
Professor Snape überflog kurz die einzelnen Bemerkungen und war beeindruckt von den genauen Informationen, die sie beinhalteten. Sein Gesicht zeigte jedoch keinerlei Emotionen. „Ja", sagte er einfach.
Nathan drehte sich zum Gehen um, hielt dann jedoch inne. „Darf ich Sie etwas fragen, Sir?"
„Haben sie nicht bereits gefragt?", antwortete Professor Snape.
Nathan grinste. „Ich glaube, das habe ich", gab er zu. „Was ist die grüne, unbeschriftete Flüssigkeit, in dem kleinen Holzkistchen, das auf dem obersten Regal im Lager steht?", fragte er dann.
Der Gesichtsaudruck des Zaubertrankmeisters verfinsterte sich, als er aufstand, um den Tisch ging und vor Nathan stehen blieb. „Haben sie es berührt?", fragte er.
Die Dringlichkeit seines Professors erschreckte Nathan. „Ich habe den Flakon berührt. Er war klebrig", antwortete Nathan.
„Gib mir deine Hände", befahl Snape drängend. Als Nathan dem Professor seine Hände entgegenhielt, nahm dieser sie und untersuchte seine Handflächen.
Diese Aktion überraschte Nathan nur noch mehr. „Was ist in der Phiole?", fragte er.
„Haben Sie sie geöffnet?", fragte Professor Snape und ignorierte Nathans Frage.
„Ja", antwortete der Junge nur.
Snape sah in jenem Moment auf, als er die positive Antwort hörte. Er ließ die Hand in seiner rechten los, und hielt das Kinn seines Sohnes zwischen zwei Fingern und drehte Nathans Kopf nach oben, um seine Augen zu untersuchen. „Haben Sie es eingeatmet?"
„Nicht direkt", sagte Nathan.
Professor Snape verengte seinen Blick. Er ließ auch die zweite Hand los, die er noch festhielt, und mit seinen nun freien Fingern rieb er über die Haut unter den Augen des Jungen und suchte nach einem Anzeichen von Hautreizung. Er fand jedoch keines. „Sie sollten keine Gefäße öffnen, bei denen sie nicht wissen, was sie beinhalten!", knurrte er, entließ Nathan ziemlich unwirsch aus seinem Griff und drehte sich sichtbar verärgert von dem Jungen weg.
Dieser Wechsel von Besorgnis zu stürmischem Ärger, ließ Nathan verwirrt nach Worten ringen. „Ich... ich habe nicht…", stotterte er.
„Fünf Punkte Abzug von Gryffindor, Mr. Granger, für ihren Mangel an gesundem Menschenverstand und Vorsicht beim Umgang mit unbekannten Substanzen!", fuhr Severus ihn an. „Sie hätten sich selbst vergiften können!"
Nathan starrte Professor Snape an. Was zum... dachte er nachdenklich. „Es war nicht mein Fehler! Es war unbeschriftet und ich habe eine Inventarliste angefertigt. Was hätte ich denn sonst machen sollen?", fragte er entrüstet, verärgert über seinen Professor wegen des Verlusts der Hauspunkte.
„Lassen Sie es stehen, zeigen Sie es mir oder fragen Sie mich", sagte Snape und wandte sich seinem Sohn zu, „aber öffnen Sie es niemals! Öffnen Sie niemals eine Phiole mit einem Zaubertrank, bei der Sie nicht wissen, was sie beinhaltet! Haben Sie mich verstanden?"
Die Heftigkeit von Professor Snapes Augen war beunruhigend. „Ja, Sir", antwortete Nathan leise und wendete seinen Blick von dem des Professors ab.
Severus drehte Nathan den Rücken zu. „Gehen Sie zurück in den Gryffindor Turm, Mr. Granger", sagte er leise. Als er hörte, wie die Türe ins Schloss fiel, schloss er seine Augen und rieb mit den Fingern seine Schläfen.
A/N: Ich hoffe dieses lange Kapitel hat die wenigen Updates kompensiert. :0) Lasst mich wissen, was ihr darüber denkt und hinterlasst mir ein Review. :0) Die Antworten können auch auf meinem LJ gefunden werden (ein Link ist in meinem Profil).
B/N: Die Sommerferien waren ganz schön lange, aber da sie jetzt vorbei sind, kann ich auch mehr übersetzen. Damit entschuldige ich mich auch gleich einmal für die lange Wartezeit auf dieses Kapitel.
Primax
Im nächsten Kapitel… Das Quidditch-Tunier und… Nachsitzen?
