Disclaimer und A/N: Siehe erstes Kapitel.


Offenbarungen

Von Thea Potter

Kapitel 10

Hermine musste bis nach Mitternacht warten, bevor sie unbemerkt den Schlafraum verlassen konnte.

Lavender konnte nicht einschlafen, Hermine hörte sie unregelmäßig atmen, und ab und zu seufzte sie leise in ihr Kissen. Liebeskummer, dachte Hermine ohne jedes Mitgefühl, sie hatte es vorgestern bemerkt – Lavender war in Sean Fletcher verliebt, einen Hufflepuff. Das war also der Grund für Lavenders unglückliche Miene der letzten Monate. Sie war unglücklich, ja, und Hermine hatte an jenem unseligen Montag auch bemerkt, woran das lag. Sean verbrachte zwar viel Zeit mit Lavender, aber es gab eine andere Person, die seinen Herzschlag beschleunigte, wenn er in ihrer Nähe war.

Und das war – Draco Malfoy.

Ach, das konnte ihr doch alles egal sein. War es aber nicht. Inzwischen war der erste Schock, den die Folgen des Hellsichtigkeits-Tranks verursacht hatte, halbwegs überwunden, und nach und nach fiel es Hermine leichter, im Rückblick die Empfindungen zu sortieren, die sie wahrgenommen hatte. Und oh jaah – es waren äußerst interessante Empfindungen gewesen ... es würde sich schon lohnen, eingehender darüber nachzudenken. Demnächst mal, wenn sie wieder klar denken konnte.

Schließlich schlief Lavender ein; Hermine schälte sich kurz darauf aus dem Bett und verließ lautlos den Saal. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie noch einen Umweg machen musste, und so lief sie zunächst in den Gebäudeteil von Hogwarts, in dem genügend Räume leer standen, um einen kleinen Kessel zu verstecken.

Sie hatte ein bisschen Angst gehabt, dass der Kessel entdeckt werden könnte, aber nun stellte sie fest, dass alles an Ort und Stelle war. Der Trank schimmerte inzwischen golden und schien ein Eigenleben zu führen, er bewegte sich unablässig, als würde jemand darin herumrühren. „Gut so", murmelte Hermine, so sollte es laut Herstellungsanordnung auch sein, und sie musste jetzt den Trank in ein gereinigtes Gefäß umfüllen, bevor diese Bewegung stoppte.

Sie sah einen Moment lang gedankenverloren in den Kessel und beschloss dann, den Trank mitzunehmen. Die Herstellung war beendet, es machte keinen Sinn, das alles hier noch länger aufzubewahren. Also füllte sie den Trank in ein Fläschchen, das sie verkorkte und in ihren Umhang steckte. Sie nahm sich vor, den Trank später in ihrer Schreibtischschublade zu verwahren.

Und dann, endlich, machte sie sich auf ihrem Weg in die Kerker. Während sie durch die Gänge lief, fühlte sie sich plötzlich leicht und frei ... ein gutes Gefühl, das ihr in den letzten Tagen so vollständig abhanden gekommen war. Oh, sie liebte dieses nächtliche Umherstreifen im Schloss, und zweifellos stand sie damit in einer ehrwürdigen Tradition. Und mit diesem unerlaubten Herumstreunen im Dunkeln hatte alles begonnen, dachte sie jetzt – sie lief sogar an der Stelle vorbei, an der sie letzte Woche gesessen und das Tagebuch liegen gelassen hatte.

Wenn das nicht passiert wäre, wüsste ich immer noch nicht, wie die anderen zu mir stehen.

Sie schob den Gedanken schnell beseite. Das lief womöglich noch darauf hinaus, dem ganzen Desaster etwas Gutes abzugewinnen! Ha! Oh nein, Snape würde dafür büßen. Vielleicht würde sie das später bereuen – (oh ja, murmelte eine leise Stimme in ihr, das wirst du!) ... aber erst einmal würde sie ihren Spaß haben. Und er hatte es verdient, jawohl. Mehr als genug.

Während sie weiter lief, beschloss sie, sich ein neues Tagebuch zuzulegen. Sie würde sich jetzt ihr altes Tagebuch von Snape zurückholen – schon aus Prinzip -, aber danach würde sie es entweder wegwerfen oder es mit einem Verschlusszauber belegen, den nicht einmal sie selbst knacken könnte. Dieses Tagebuch war – entweiht, sie wollte dort nichts mehr hineinschreiben.

Entweiht ...

Sie dachte darüber nach und fand das Wort unangemessen. Immerhin lag das Buch bei Snape im Büro ... vielleicht zwischen anderen Büchern von ihm. Der Gedanke daran war – oh, sie versuchte nicht darüber nachzudenken. Jedenfalls war der Gedanke nicht unangenehm. Nein, irgendwie nicht. Sie hatte ihn wegen seines Wissens immer bewundert, und nun –--

Und da waren sie wieder ... die Gefühle vom Montag, seine Gefühle. Sie schienen durch sie hindurchzufließen, und ihr wurde ganz warm. Aber das war nicht angebracht, fand sie, und es passte auch nicht zu dem, was sie mit ihm vorhatte.

Ich kann mich immer noch später damit beschäftigen.

Endlich, endlich erreichte sie die Kerker. In ihrem Magen machte sich ein unangenehmes Gefühl breit, das sie ignorierte, so gut es möglich war. Als sie schließlich vor Snapes Bürotür stand, konnte sie einen Moment lang nicht glauben, was sie da sah.

Die Tür stand offen.

Das konnte nicht sein, sie musste sich täuschen. Sie schloss fest die Augen und öffnete sie wieder. Doch. Die Tür war offen. Nur einen Spalt, aber ... was war da los?

Sie schluckte und drückte die Tür mit der Hand weiter auf. Die Tür knarrte; Hermine zuckte zusammen und realisierte erst in diesem Moment, wie sicher sie davon ausging, dass jemand in Snapes Büro war. Ihre Hand zitterte, als sie sie zur Faust ballte und zaghaft gegen den Türrahmen klopfte.

„Hallo?"

Im nächsten Moment verfluchte sie sich selbst. Wie konnte sie nur so blöd sein? Was, wenn hier jemand war, der bei Snape gar nichts zu suchen hatte?

Dann hörte sie ein Geräusch. Ein Schlurfen vielleicht, ein Rascheln – sie konnte es nicht genau sagen und trat einen Schritt in das Büro hinein.

Und da war er.

Snape.

Aber in diesem Moment sah nicht ihre Professor, sondern nur einen dünnen, blassen Mann mit einer Unmenge von schwarzer Kleidung um sich herum. Er kauerte in der Ecke des Raumes auf dem Boden. Die Knie zum Kinn hochgezogen und die Arme darum geschlungen. Und er zitterte. Er zitterte so stark, dass Hermine seine Zähne klappern hörte.

Voldemort, dachte sie panisch. Todesser. Wer auch immer – irgend jemand hatte ihm etwas angetan.

Oh, diese Monster! Diese Schweine, diese ... wie können sie es wagen!

Zum ungezählten Mal in diesen Tagen gerieten ihre Gedanken durcheinander. Panik stieg in ihr hoch, ihre Handflächen wurden nass – in ihrer Brust baute sich ein schmerzhafter Druck auf, es war so offensichtlich, dass Snape Schmerzen hatte. Wahrscheinlich war er gerade erst eingetroffen. Die offene Tür ...

Und dann kniete sie auch schon neben ihm, sie wusste gar nicht, wie sie den Weg von der Tür in diese Ecke des Büros zurückgelegt hatte. Da war sie, ihre Hände auf seinen Händen, und der Mann vor ihr zuckte nicht einmal zurück, er schien sie gar nicht wahrzunehmen, selbst als sie ihn berührte. Er atmete stoßweise, seine Hände krampften sich um seine Beine.

„Professor ... Professor Snape, was –"

Snape stöhnte leise und antwortete nicht, stattdessen begann er langsam seitlich wegzukippen. Hermine legte ihre Hände auf seine Schultern und hielt ihn mühsam aufrecht, während das Zittern immer stärker wurde.

Er hat Krämpfe, verdammter Mist, was soll ich denn jetzt machen!

Madam Pomfrey, schoss es ihr durch den Kopf. Ich muss Madam Pompfrey holen. Aber das ging nicht, verdammt, sie stand hier völlig ungebeten mitten in der Nacht in Snapes Büro! - Und wenn schon, rief ihre gryffindorsche Stimme in ihrem Kopf, das ist doch jetzt unwichtig! Er braucht Hilfe!

Mach schon!

Ihr Griff um seine Schultern wurde fester.

„Professor, ich hole jetzt Hilfe! Es wird gleich jemand kommen!"

Sie sprang auf, rannte zum leeren Kamin und entfachte mit einem Wink ihres Zauberstabes ein Feuer; dann streute sie ein wenig Flohpulver hinein. „Madam Pomfrey", sagte sie laut und deutlich, und kurz darauf erschien der Kopf von Hogwarts´ Heilerin in den Flammen.

„Was gibt es", murmelte Madam Pomfrey unwirsch und offensichtlich verschlafen, „wissen Sie überhaupt, wie spät –"

„Professor Snape", unterbrach Hermine sie atemlos, „bitte! Kommen Sie schnell in sein Büro, er hat Krämpfe, er ist verletzt!"

Das Gesicht der Heilerin veränderte sich, und sie verschwand ohne ein weiteres Wort aus den Flammen.

Hermine sank in sich zusammen. Dies war garantiert die schlimmste Woche, die sie jemals erlebt hatte. Wieso reihte sich nur eine Katastrophe an die nächste? Was war Snape nur passiert? Fast auf allen Vieren kehrte sie zu ihrem Zaubertranklehrer zurück – er lag mit verzerrtem Gesicht da, seiner ganzer Körper schien sich zu verkrampfen. Was war das nur, Nachwirkungen vom Cruciatus-Fluch? Hermine spürte, wie einzelne Tränen über ihr Gesicht liefen, aber es war ihr egal; Snape sah es ja nicht, er hatte die Augen geschlossen.

Sie setzte sich zu ihm, ganz nahe; sie hörte ihn stoßweise atmen und keuchen und wusste einfach nicht, was sie tun sollte. Das Gefühl der Hilflosigkeit war unerträglich. „Ich kann nichts machen", flüsterte sie und berührte wieder seine Hände, „bitte verzeihen Sie ... ich weiß nicht was ... es kommt gleich Hilfe, ganz sicher."

Sie spürte, wie er nach ihren Händen tastete. Ganz zaghaft, unsicher. Halb tränenblind drehte sie ihm den Kopf zu; er sah sie immer noch nicht an, aber offenbar hatte er bemerkt, dass sie da war. Oder dass irgendwer da war. Er hielt ihre Hand fest, ganz vorsichtig.

Ganz zaghaft meldete sich eine Stimme in ihr, um sie zu warnen –

... du bist ungefragt hier, und es ist mitten in der Nacht! Das hier ist nicht irgendwer, das ist Snape, also verschwinde jetzt, auf der Stelle!

Aber diese Stimme war sehr zaghaft, ganz leise, kaum zu hören. Und Hermine blieb, wo sie war. Sanft erwiderte sie den Druck seiner Hand, während er weiterhin zitternd und verkrampft dalag, und schließlich strich sie über seinen Handrücken, immer wieder. Nach einer Weile ließ sie den Kopf in den Nacken fallen, wodurch ihr Blick auf den Schreibtisch vor ihnen gelenkt wurde.

Und dann sah sie es.

Ihr Tagebuch.

Es lag dort, direkt vor ihrer Nase, nur etwa anderthalb Meter von ihr entfernt – es war von mehreren anderen Büchern verdeckt, aber Hermine konnte den Einband erkennen. Sie dachte nicht nach - automatisch ließ sie Snapes Hand los, stand auf und ging zum Schreibtisch hinüber.

Als sie später über all diese Ereignisse im Rückblick nachdachte, wusste sie, dass sie in diesem Moment Snape nicht einfach vergessen hatte. Natürlich nicht, jede Faser ihres Körpers wehrte sich gegen ihre Entscheidung, den Mann da auf dem Fußboden liegen zu lassen und zum Schreibtisch zu gehen – aber sie musste, sie musste.

Ich wusste, dass du Hilfe brauchst, sagte sie später zu ihm, aber ich konnte konnte dir doch nicht helfen, und ich musste einfach das Tagebuch haben, verstehst du das?

Und oh ja, er verstand das. Er war Slytherin. Für eine Schülerin aus Gryffindor jedoch war diese Nacht und dieses Verhalten mehr als außergewöhnlich, und Hermine brauchte eine Weile, bis sie sich mit diesem Teil ihres Wesens abgefunden hatte.

Und dieser Moment am Schreibtisch war nur der Anfang.

Sie legte die anderen Bücher beiseite und nahm das Tagebuch in die Hand. Ihr Tagebuch. Sie spürte ein wirres Gefühl des Triumphes, es war so leicht ... es war zu leicht. Und ganz und gar unwirklich.

Dann ging alles sehr schnell – die Tür sprang auf, und Madam Pomfrey hechtete in Snapes Büro und auf den liegenden Zaubertranklehrer zu. Hermine öffnete den Mund, aber die Heilerin würdigte sie keines Blickes und begann sofort mit der Behandlung ihres Patienten. Atemlos sah Hermine zu, wie Madam Pomfrey murmelnd vor Snape hockte, mit beiden Händen seine Schläfen berührte und Zaubersprüche aufsagte, von denen Hermine noch nie etwas gehört hatte.

Ihr fiel ein Stein vom Herzen, als sie sah, dass seine Krämpfe allmählich nachließen. Wie in Trance stand sie da, mit dem Tagebuch unter ihrem Arm, und antwortete auf die knappen Fragen der Heilerin. Sie teilte ihr mit, dass die Tür offen gestanden hatte. „Ich bin erst vor einigen Minuten hier herein gekommen", sagte sie, „Professor Snape saß auf dem Boden und zitterte. Sein Zustand hat sich schnell verschlechtert. Ich habe Sie sofort gerufen, Madam Pomfrey, ich habe keine Zeit verloren."

„Gutes Kind", murmelte die Heilerin. Sie wirkte müde, erschöpft und gestresst. Hermine wartete darauf, dass sie nach dem Grund für ihre Anwesenheit fragte, aber die Frage kam nicht - und Hermine dankte es ihr, indem sie keine weiteren Fragen zu Snape stellte. Sie hätte ohnehin keine Antwort bekommen.

„Tu mir einen Gefallen", hörte sie Madam Pomfrey plötzlich wie aus der Ferne sagen, „bitte vermisch diese beiden Zutaten miteinander, sie ergeben einen schnell wirkenden krampflösenden Trank, der sofort eingenommen werden muss. Einfach nur zusammenkippen, geht ganz einfach."

Verwirrt sah sie, wie Madam Pomfrey zwei Fläschchen aus ihrer Tasche holte und auf dem Schreibtisch abstellte, um sich dann wieder kommentarlos ihrem Patienten zuzuwenden. Offenbar ist sie ziemlich erschöpft, dachte Hermine kurz.

Na los doch. Stehst du auf deinen Ohren?

Aber sie konnte den Blick nicht von Madam Pomfreys Patienten abwenden. Sie sah ihn an, den Mann in Schwarz, und schluckte. Seine Augen waren offen. Schwarze Augen voller Erschöpfung und Schmerz – und doch hellwach und auf sie gerichtet. Dann hörte sie seine Stimme, rau und belegt.

„Miss Granger."

Während die Heilerin Snape mit sicheren Bewegungen auf eine herbeigezauberte Trage hievte, näherte Hermine sich Snape mit langsamen Schritten. Madam Pomfrey unterbrach für einen Augenblick ihre Arbeit und sah von ihr zu Snape und dann wieder zurück zu ihr. Und seltsam – Hermine hatte das Gefühl zu wissen, was als nächstes kam.

Und ja. Es kam.

„Das Buch. Geben Sie es mir."

Und in diesem Moment war in Snapes Stimme keine Verletzlichkeit, und da war auch kein Mann mehr, der Schmerzen hatte, der ihr überhaupt Leid tun musste. Da war nur der mächtige Zaubertrankmeister, der mit leiser Stimme einen Befehl gab; ein Slytherin durch und durch, der instinktiv die Anwesenheit von Madam Pomfrey zu seinem Vorteil nutzte, obwohl er nur mit Mühe und Not bei Bewusstsein war. Da sprach ein Lehrer zu seiner Schülerin, in Anwesenheit von Hogwarts' Heilerin – und es gab nichts zu diskutieren. Gar nichts.

Während das Blut in Hermines Wangen schoss, hob sie unter den Augen von Madam Pomfrey ihre zitternde Hand mit dem Buch und näherte es dem auf der Trage liegenden Mann. Der streckte die feingliedrige Hand aus und schwupp – da hatte sie ihr Tagebuch in den Händen gehabt, und nun war es wieder bei Snape.

„Danke", flüsterte er sarkastisch und brachte tatsächlich so etwas wie ein triumphierendes Grinsen zustande.

Das darf nicht wahr sein. Das kann einfach nicht wahr sein!

„Miss Granger! Der Trank", drängte sich Madam Pomfreys Stimme in Hermines Gedanken.

„Ja ... ich ... sofort", stammelte Hermine, drehte sich auf dem Absatz um und ging zum Schreibtisch. Etwas in ihr war plötzlich gefährlich kalt und leer. Ihre Hände zitterten nach wie vor, es war schwierig, den Inhalt des einen Fläschchens in das andere zu kippen; stumpfsinnig sah sie zu, wie sich die Flüssigkeit aufhellte, bis sie fast durchsichtig war. Und dann drückte sich ein mächtiges Gefühl wütender Entschlossenheit in ihr hoch, und ihr kam ein Gedanke, ein kurzer, klarer, erbarmungsloser Gedanke.

JETZT. JETZT UND SOFORT.

Ohne diesen Gedanken weiter zu hinterfragen, versicherte sie sich mit einem kurzen Blick über ihre Schulter, dass Madam Pomfrey ihr den Rücken zugedreht hatte; dann nahm sie die Flasche mit ihrem eigenen Trank aus dem Umhang. Beim Entkorken machte es leise PLOPP, aber Madam Pomfrey und Snape schienen zu beschäftigt, um es zu hören. Hermine fügte dem krampflösenden Trank einige Tropfen hinzu ... die Zeit schien still zu stehen, sie zählte die Tropfen, es sollten zwanzig sein, wenn der Trank 24 Stunden lang wirken sollte. Sie zählte ruhig und sorgfältig, in diesen Sekunden spürte sie keine Anspannung und keine Wut, nur diese ruhige, kalte Entschlossenheit, ohne die sie das alles niemals bewerkstelligt hätte.

Immer noch ruhig verkorkte sie ihre eigene Flasche wieder und ließ sie erneut in den Tiefen ihres Umhangs verschwinden. Dann drehte sie sich um und näherte sich mit dem Trank Snape und Madam Pomfrey. Er sah sie nicht an; das Tagebuch hatte er auf den Boden neben sich gelegt.

„Bitte", sagte Hermine, als sie der Heilerin den Trank überreichte. Ihre Stimme zitterte, und entsetzt sah sie Snape den Kopf drehen, und er sah sie direkt an.

Ein dunkler, fragender Blick.

Sie schlug die Augen nieder. Ohne ein weiteres Wort tippte Madam Pomfrey mit den Fingern gegen das Fläschchen, bevor sie Snape anwies, den gesamten Trank in einem Zug einzunehmen. Und das tat er; Hermine sah ihm dabei zu, und ihr wurde übel.

„Ich gehe jetzt", flüsterte sie. Sie wandte sich ab und hörte Madam Pomfrey noch etwas Zustimmendes murmeln. Es war nicht wichtig. Sie spürte Snapes Blick im Rücken und trug diesen Blick den ganzen Weg zum Schlafraum mit sich.

An Schlaf war in dieser Nacht nicht mehr zu denken.

t.b.c.