Disclaimer und A/N: Siehe erstes Kapitel.


Offenbarungen

Von Thea Potter

Kapitel 12

Auf dem halben Wege zur Krankenstation fiel Hermine ein, dass Madam Pomfrey gar nicht unbedingt die richtige Person war, der sie jetzt über den Weg laufen sollte. Sie würde gewiss Fragen zur vergangenen Nacht stellen - warum sie in Snapes Büro war und so weiter; auch wenn sie mit Snape offenbar besprochen hatte, dass er sich Hermine vorknöpfen würde.

Wie angewurzelt blieb sie stehen und setzte sich schließlich auf den kalten Steinfußboden. Sie streckte ihre zitternden Hände aus und betrachtete sie lange; schließlich zog sie seufzend die Knie an ihr Kinn und schlang die Arme um ihre Beine.

In diesem Moment dachte sie nicht daran, ob jemand sie so sehen würde; hätte sie daran gedächt, wäre sie sofort aufgestanden und weiter gegangen. Im Nachhinein fiel ihr diese Option natürlich auch wieder ein. Aber eben zu spät. Denn um die Ecke bog Professor Lupin und rannte sie fast um. Er sah auf Hermine hinunter und wirkte ein wenig ... verwundert, als er Hogwarts' beste Schülerin wie ein Häuflein Elend auf dem Boden kauern sah.

„Hermine ...", sagte er zögernd. Außerhalb des Unterrichts sprach er Harry, Ron und sie mit Vornamen an, aber umgekehrt schien das ungehörig zu sein; keiner der drei sagte Remus zu diesem Mann, der zu einem Freund geworden und dennoch ihr Professor geblieben war – und dieser Zwiespalt bestand erst recht, seit er wieder in Hogwarts Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichtete.

„Hermine ... was machst du denn hier?"

Da war Wärme in seiner Stimme. Es war seltsam, sie hockte hier und war mit den Nerven am Ende ... aber in dem Moment, in dem Professor Lupin sie ansprach und ihre Blicke sich trafen, war Hermine völlig klar, dass er ein Freund war – ein wirklicher Freund. Sie brauchte keinen Trank, um das herauszufinden. Sie saß dort auf dem Fußboden, sah zu den Mann vor ihr hoch, und eine intensives Gefühl von Erleichterung durchströmte sie – Erleichterung darüber, dass dieser Mann sie mochte, und Erleichterung darüber, dass sie imstande war, die Gefühle anderer Menschen auch ohne zweifelhafte Hilfsmittel in Trankform wahrzunehmen.

Wenn man Snape dabei ausnimmt.

Sie versuchte den Gedanken an ihn zu verscheuchen und sah Professor Lupin weiterhin in die Augen. Oh, er erwartete noch eine Antwort von ihr.

„Nichts ...", erwiderte sie und merkte, wie erschöpft sie klang. „Ich muss nur ... nachdenken."

Professor Lupin lächelte sein Lupin-eigenes, melancholisches Lächeln; einige Fältchen waren um die Augen und um den Mund herum zu sehen. Hermine spürte, wie eine Welle von Sympathie für diesen Mann sie erfasste.

„Nachdenken ...", wiederholte er. „Ja, solche Zeiten gibt es. Aber meinst du nicht, dass dafür andere Orte besser geeignet sind?"

Sie blinzelte. Ja, natürlich. Und dann streckte Professor Lupin auch schon die Hand aus, um ihr hochzuhelfen, und sie ergriff diese Hand und ließ sich von ihm sanft hochziehen.

Seine Hand war warm. Sie wurde durch die Bewegung leicht zu ihm hingezogen, und sie war ihrem Verteidigungs-Professor plötzlich sehr nahe. Und kurz bevor sie sich zurückzog, wurde ihr etwas klar, das ihr regelrecht den Atem raubte.

Sie fühlte nichts für ihn.

Sie nahm seine körperliche Nähe war, sah ihm in die Augen, erwiderte sein Lächeln. Und da war kein Kribbeln im Bauch, keine Enge im Hals, kein unregelmäßiger Puls – gar nichts. Er war einfach nur ein Freund.

So ganz anders als das, was Snape für sie war.

Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt.

Die letzte Konfrontation mit Snape war erst höchstens eine halbe Stunde her; die Erinnerung an das Gespräch mit ihm und daran, was sie dabei gefühlt hatte, war noch so intensiv, dass er fast neben ihr zu stehen schien. Sie nahm die Nähe des Werwolfs wahr und erinnerte sich an den Zaubertranklehrer, und schlagartig war ihr klar, wo der Unterschied lag. Es gab da etwas zwischen Snape und ihr – zumindest von ihrer Seite -, ein intensives, heftiges Gefühl; eine ... ja: eine erotische Anziehung.

Lächerlich!

Ihr Intellekt versuchte sich dagegen zu wehren, aber es war eine Erkenntnis des Herzens, gegen die sie nichts ausrichten konnte. Gar nichts.

Abwesend lächelte sie Professor Lupin an, dankte ihm (auch wenn sie nicht so recht wusste, wofür) und wandte sich ab. Und dann lief Hermine los. Ziellos lief sie, rannte durch die endlosen Gänge der Schule mit einer Erkenntnis im Herzen, die zuviel für sie war ... die sie nicht wollte. Aber sie war da. Es war wie eine Offenbarung, die sie aus Zeit und Raum riss, sie mit Gewalt aus der Gegenwart mit ihren gewohnten Maßeinheiten zu ziehen schien – während sie so vor sich hinlief, hörte und sah sie nichts, sie ging wie auf Watte, und irgendwann spürte sie, wie ihr Tränen das Kinn und die Nase heruntertropften.

Das kann nicht sein, es kann nicht, es kann nicht –

Der Mann war ihr Lehrer. Er war der Lieblingsfeind ihrer besten Freunde. Er war ... verdammt, er sah überhaupt kein bisschen gut aus! Er war ein unansehnliches, ungerechtes Scheusal von Mensch und ein ... Dieb und Erpresser, ein Mann, der schamlos die Schwächen seiner Mitmenschen ausnutzte, der sich am Unwohlsein seiner Schüler weidete ... und sie hatte ihn in der vergangenen Nacht vergiftet ...

Und es hat nicht geklappt, du hast es vermasselt, flüsterte eine böse Stimme in ihr.

Aber das war in diesem Moment nicht von Bedeutung. Sie konnte jetzt nicht darüber nachdenken, sie konnte nur abwarten – denn sie würde zweifelsohne erfahren, wenn der Trank doch wirkte. Snape würde sich auffällig verhalten, vermutlich würde er im Unterricht komplett ausrasten oder anfangen zu lachen oder was auch immer, und spätestens während des Mittagessens würden die Schülerinnen und Schüler sich darüber das Maul zerreißen.

Was habe ich nur getan? Wie konnte ich ...

Während sie ohne Ziel weiter lief, wurde ihr klar, dass sie bei jedem anderen Mann die Signale längst erkannt hätte. Bei jedem Mann, bei jedem Jungen. Diese ungewohnte Sprachlosigkeit, dieses Herzklopfen, dieses seltsam elende Gefühl im Magen, wenn er in ihrer Nähe war. Wenn er sie ansah. Götter, und heute Nachmittag hatte sie Zaubertrank-Unterricht! Und dann auch noch Strafarbeit! Das war absolut nicht zu machen, sie konnte da nicht hingehen, unmöglich!

Oh ...

Da war doch was ...

UNTERRICHT! Verdammter Mist!

Dies war also der erste Tag in Hermines Zeit in Hogwarts, an dem sie ohne einleuchtende Erklärung zu spät in den Unterricht kam. Sie kam viel zu spät. Professor Binns bemerkte das kaum; er war so vertieft in seinen Vortrag über die Einführung des Apparierverbotes im 12. Jahrhundert, dass er sie nur hineinwinkte und kein Wort über ihr Zuspätkommen verlor.

Das ist absurd, dachte Hermine und setzte sich neben Ron und Harry, die sie anstarrten wie ein Kamel mit fünf Beinen. Sie tauchte mitten in der Nacht in Snapes Büro auf, und Madam Pomfrey beförderte sie zu ihrer Assistentin, statt ihr eine Standpauke zu halten; jetzt kam sie zu spät in den Unterricht, und was passierte? Nichts. Musste sie sich denn erst ein Schild mit der Aufschrift „Ich habe die Schulregeln übertreten" um den Hals hängen, damit mal irgendjemand merkte, dass Miss Granger nicht Miss Perfect war?

Naja, Harry und Ron hatten es offenbar bemerkt. Die starrten immer noch. Im Laufe der Stunde fragte Hermine die beiden, ob ihr eine zweite Nase gewachsen sei oder was es sonst an ihr so Interessantes zu bestaunen gäbe; die Jungs wechselten einen Blick und wandten sich ab, was vermutlich das Beste war. Hermine war nahe daran zu explodieren, hatte aber keine Ahnung, warum sie wütend war. Aber egal, sie wusste gar nicht wohin mit ihrer Wut. Wut auf sich selbst, auf Snape, nochmal auf sich selbst und am meisten ... auf Snape natürlich.

Mit dieser erstaunlichen Wut im Bauch verbrachte sie den ersten und zweiten Unterrichtsblock bei Binns sowie Verwandlung bei McGonagall und hörte sich in den Pausen die Gespräche der umstehenden Schüler an. Der Unterricht glitt an ihr vorbei, hatte aber dennoch den Effekt, dass es ihr unmöglich war, über ihre neue Erkenntnis ernsthaft nachzudenken. Dieser Schwebezustand war unerträglich.

Und von ihren Mitschülern hörte sie keinerlei Nachrichten über Snape, die sie nicht jeden Tag hörte; er zog Punkte ab, war ungerecht bis zum Gehtnichtmehr und sorgte dafür, dass so gut wie niemand nach Beendigung der Schulzeit sich je wieder gern mit Zaubertränken befassen würde.

Ein wahrhaft begnadeter Lehrer.

Oh ja, und was für ein Mann. Großartig.

Dann kam die Doppelstunde Zaubertränke. Am Montag hatte sie vor Snapes Unterricht wirklich Angst gehabt, und sie hätte niemals gedacht, dass es noch schlimmer kommen könnte. Aber das ging! Ihr war so elend, als sie den Kerker betrat, dass sie sich fast in den Kessel ihres Tischnachbarn übergeben hätte.

Und Snape stand da, der Mann ihrer Träume, und hielt seinen Unterricht ab, als hätte er niemals den Emotions-Trank eingenommen. Er sah krank und völlig erschöpft aus, das schon – (wie kann ein Mensch nur so wenig auf sich acht geben, dachte Hermine wütend) - aber es war, wie immer, nicht ein einziges Gefühl von ihm erkennbar, das Hermine als authentisch hätte bezeichnen können. Oder waren Spott und Häme vielleicht Gefühle?

Während des Unterrichts meldete sich Hermine – wie schon den ganzen bisherigen Tag – so gut wie gar nicht. Aber das fiel nicht weiter auf, denn Snape stellte kaum Fragen; sie arbeiteten am Hellsichtigkeitstrank weiter, und in der Klasse war es in der überwiegenden Zeit mucksmäuschenstill, während der Tränkemeister schweigend durch die Reihen ging und Zwischenergebnisse überprüfte.

Diesmal bat niemand ihrer Mitschüler sie um ihre Hilfe; sie lernnen schnell, wenn sie wollen, dachte Hermine bitter, aber es war auch ein Funken Erleichterung dabei. Vielleicht. Die Anwesenden behandelten sie neutral, und Hermine nahm keine Gefühle wahr, die sie nicht wahrnehmen sollte. Soweit war alles einigermaßen in Ordnung.

Sie spürte, dass Snape sie beobachtete, wich aber seinem Blick aus; sie wollte ihn nicht ansehen.

Inzwischen hatte sie keinen Zweifel mehr: Der Trank wirkte nicht. Hermine schwankte zwischen Verzweiflung und Erleichterung – und die ganze Zeit verspürte sie ein brennendes Gefühl der Scham, das sie völlig durcheinander brachte. Was genau, fragte sie sich, während sie still und gedankenverloren an ihrem Trank arbeitete, verursachte eigentlich dieses Gefühl der Scham in ihr? Schämte sie sich, weil sie Snape in seinem wehrlosen, kranken Zustand ohne sein Wissen den Trank verabreicht hatte? Oder schämte sie sich, weil der Trank anscheinend nicht wirkte - sie offensichtlich einen Fehler gemacht hatte? Sie, die doch sonst niemals Fehler machte?

Sie wusste es nicht. Und wieder verlor Hermine Denken an Boden; sie hätte in diesem Moment nicht sagen können, was ihr Wesen im Innern ausmachte. Das alles war zu verwirrend, es warf so viele Fragen zu ihrem Charakter auf, dass sie diese Fragen automatisch wegschob, immer wieder.

Und da hatte sie viel zu tun.

Nach dem Unterricht wäre sie gern geflohen; aber Snape hatte ja angekündigt, ihr nach dem Unterricht ihre Strafarbeit mitzuteilen. Also blieb sie einfach sitzen, während ihre Mitschüler den Kerker verließen.

Ich will nicht mit ihm reden, ich will nicht –

Es war quälend dazusitzen und genau zu wissen, dass man keine Wahl hat – dass das, was man nicht will, passieren wird. Nach dem, was sie am Morgen über ihre ... Gefühle für ihn herausgefunden hatte, wollte sie ihm nicht gegenüberstehen und schon gar nicht mit ihm sprechen. Aber es half nichts – die letzte Mitschülerin verschwand, und sie war mit Snape allein.

Er stand vorn vor seinem Pult, seine Hände lagen flach auf dem Pult – und er sah sie an. Götter, er war so blass. Sie konnte in seinem Blick nichts lesen – wie immer -; jedenfalls war keine Herausforderung oder Spott in seinen Augen zu erkennen, und das beruhigte sie schon ein wenig. Aber warum sagte er denn nichts? Dieses Schweigen machte sie fix und fertig – dieser unlesbare Gesichtsausdruck auch. Wieso lächelte der bloß nie?

Oh ...

--- ... Wie sieht Snape eigentlich aus, wenn er lächelt? Das wüsste ich gern. Ich kenne ihn jetzt seit mehr als sechs Jahren und habe ihn noch nie WIRKLICH lächeln sehen. Das ist wirklich bedenklich. Es ist bekannt, dass Menschen ihre Gefühle verstecken, wenn sie besonders verletzlich sind, aber ist Snape das? Wer weiß. Wir wissen so wenig über ihn. ... ---

Das Tagebuch ... Hermine hatte den ganzen Tag noch keinen Gedanken daran verschwendet; jetzt stürzte sie sich wie ein verhungerter Geier auf dieses wundervolle, ablenkende Thema.

„Professor", sagte sie und trat einen Schritt nach vor. Snape legte unmerklich den Kopf schief und hob fragend eine Augenbraue, ohne zu antworten.

Sie schluckte, als sie bemerkte, dass ihre Blicke intensiv aufeinander trafen und sprach schnell weiter. „Ich möchte, dass Sie mir mein Tagebuch zurück geben."

Die Augenbraue erklomm ungeahnte Höhen.

„Was Sie nicht sagen" , erwiderte Snape spöttisch.

Irgendwie schien sein Gesicht von einer Anspannung überzogen zu werden, und ihr schien, als hindere er sich daran, wirklich zu lächeln. Seine Mundwinkel zuckten kurz, dann wurde sein Gesicht wieder ruhig.

„Gryffindors", fuhr er fort, „wird bekanntlich eine gewisse ... Hartnäckigkeit nachgesagt, wenn sie Dinge erreichen wollen, die sie für gut und gerecht halten. In dieser Hinsicht machen Sie sich recht gut, Miss Granger. Aber Ihnen ist natürlich dank Ihres beeindruckenden Intellekts klar, dass ich meine eigenen Ziele verfolge, nicht wahr?"

Sie starrte ihn an, unfähig zu entscheiden, ob er sie soeben durch den Kakao gezogen oder ihr ein Kompliment gemacht hatte. Er nahm die rechte Hand vom Pult und machte eine winkende Handbewegung; unwillig näherte Hermine sich ihm. Und auch diesmal spürte sie ihr Herz im Hals klopfen ... Es fühlte sich an wie jedesmal, wenn sie ihm nahe war, und doch ganz anders, weil sie erstmals wirklich in aller Deutlichkeit wahrnahm, was da mit ihr geschah – was seine Nähe mit ihr anrichtete.

In diesem Moment nahm sie alles an ihm wie durch ein Vergrößerungsglas wahr. Sie starrte ihn nicht an; sie sah ihn einfach. Sie sah seine schmale Statur, seine große Nase, sein schwarzes, fettiges Haar, seine schwarze Robe und das kaum erkennbare weiße Hemd darunter ... seine schmalen Hände ... sein blasses Gesicht ... und diese Augen, so schwarz, so undurchdringlich ...

„Sie sollten sich daran gewöhnen", hörte sie ihn flüstern. „Ich bin nicht gut, und ich bin auch nicht gerecht. Ich dachte, dass Sie das längst wissen, aber Ihr Tagebuch hat mir gezeigt, dass Sie in Bezug auf mich ... nun, ich will es mal so ausdrücken: noch nicht genügend Klarheit erlangt haben."

Er atmete tief durch und seufzte dabei fast unhörbar. Dann zog ein Lächeln über sein Gesicht, das so auffallend unecht war, dass Hermine fast eine Grimasse gezogen hätte.

"Ich weiß, dass Sie mich dafür hassen", sagte er leise, „aber das Tagebuch bleibt in meinem Büro. Und dort wird es aller Voraussicht nach so lange liegen, bis Sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass ich es Ihnen je wiedergeben könnte."

Da war sie wieder, die Provokation. Hermine versuchte, nicht darauf zu achten.

„Ich hasse Sie nicht. Ich hasse Sie überhaupt nicht", erwiderte sie ebenso leise wie er.

Snape starrte sie an, und die Luft fror um sie herum ein; er öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Sie hatte ihn gar nicht verunsichern wollen, das war ihr einfach so herausgerutscht; aber das Gesicht, das er jetzt machte, war einfach ... unglaublich. Damit schien er wirklich nicht gerechnet zu haben.

Sie beschloss, die Gunst des Augenblicks zu nutzen.

„Ich habe eine Bitte", sagte sie. Ihre Stimme zitterte ein bisschen; sie konnte nichts dagegen tun.

Snape schien es die Sprache verschlagen zu haben; er antwortete nichts, sogar die Augenbraue blieb an ihrem Platz. Er sah sie nur an, und sie beeilte sich, ihr Anliegen auszusprechen.

„Hören Sie auf, mich vor meinen Mitschülern zu diskreditieren."

Snape kniff die Augen zusammen, und sein Gesicht verfinsterte sich ein wenig.

„Diese Bitte ist unnötig. Ich habe nichts dergleichen getan."

Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet.

„Doch", erwiderte sie gezwungen ruhig. „Ganz zu Anfang. Sie haben Danny Brottle gesagt, dass er mir auf die Nerven geht und ich es nicht leiden kann, ihm zu helfen."

„Wenn ich mich recht erinnere, entspricht das der Wahrheit", entgegnete Snape ruhig.

„Ja", stimmte sie widerstrebend zu. „Aber es gibt Dinge, die man lieber für sich behält. Und es gibt Dinge, die man lieber nicht erfährt – jedenfalls nicht in einer bestimmten Ausführlichkeit. Dieser Montag ... war wirklich furchtbar", stieß sie endlich hervor.

Hermine dachte in diesem Moment nicht darüber nach, ob es gut war, Snape gegenüber so ehrlich zu sein; sie musste es einfach sagen.

Er sah sie an, ohne zu antworten. In seinem Blick lag ein seltsamer Ausdruck, den sie nicht deuten konnte, und in diesem Moment machte sie das regelrecht wahnsinnig. Der Mann war – einfach nicht zu verstehen.

Dann sagte er endlich etwas.

„Kommen wir zu Ihrer Strafarbeit."

t.b.c.