Disclaimer und A/N: Siehe erstes Kapitel.


Offenbarungen

Von Thea Potter

Kapitel 18

Verzögerte Wirkung.

Warum nur war sie nicht auf diesen Gedanken gekommen?

Stumm hörte Hermine sich Ginnys Bericht an. Schließlich bemerkte sie den verwirrten Blick ihrer Freundin, die offenkundig von Hermines mangelnder Anteilnahme reichlich irritiert war; also versuchte sie, eine erwartungsgemäße Mischung aus Fassungslosigkeit, Belustigung und Besorgnis auf ihr Gesicht zu zaubern.

Aus Ginnys sich noch vertiefender Stirnfalte zu schließen, misslang dieser Täuschungsversuch gründlich. Also gab Hermine es auf und trat den Rückzug an.

„Ja, das alles klingt ... reichlich ungewöhnlich", stotterte sie. „Bitte entschuldige, ich bin heute nicht ganz auf der Höhe ... wir reden später drüber, OK?"

Sie wartete keine Antwort ab. Ohne weitere Erklärung scherte sie aus dem fließenden Strom der Schülerinnen und Schüler aus und ließ eine sehr verwunderte Ginny Weasley zurück. Hermine floh in einen Nebengang, wo sie an der Wand herunter in die Hocke sank und, in Ermangelung besserer Ideen, erst einmal sehr engagiert ins Leere starrte.

Die Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen, waren für die Gehirnwindungen von Hermine Granger ungewöhnlich schlicht.

Scheiße. Scheiße. Scheiße.

Verzögerte Wirkung. Der Trank wirkte! Jetzt! Snape rannte gerade durch das Schloss und konnte seine Emotionen nicht kontrollieren! Sie war geliefert. „Wir sind so tot", sagte Ron oft, wenn er meinte, dass sie in einer ausweglosen Situation waren – aber er hatte ja keine Ahnung, wie es sich anfühlte, in einer ausweglosen Situation zu sein. Oh Götter.

Hermine versuchte nachzudenken. Es ging nicht. Ihr Kopf tat weh, ihr Gehirn war wie gelähmt, und das war ein Zustand, den sie einfach nicht ertrug. Da war etwas, das ihre Wangen kitzelte, aber sie achtete nicht darauf – so weinte sie stumm, ohne es zu bemerken.

Ihr ganzer Körper begann sich zu verspannen. Alles in ihr begann nach Kontrolle zu schreien. Sie musste die Kontrolle über sich selbst wiedergewinnen – und über die ganze Situation.

Fangen wir mit dem ersten Schritt an.

Augen schließen und tief durchatmen. Ein, aus. Dabei sich selbst wahrnehmen, einfach nur wahrnehmen. Sie spürte das Zittern in ihrem Innern und das Durcheinander der Gefühle. Eine wirre Mischung aus Panik, Reue und Sorge um einen Mann, den sie nicht verstand. Oh, da waren noch mehr Gefühle. Wut und Ärger. Über sich selbst. Wie hatte sie das nur tun können?

Aber im nächsten Moment war die Antwort schon da. Sie atmete erneut ein und aus und bemerkte, dass ihr Gehirn wieder ansatzweise zu funktionieren begann. Ja, die Antwort war einfach. Snape war der Grund. Oder nein, nicht der Grund, aber der Anlass. Er hatte sie mit seinem unmöglichen Verhalten dazu gebracht, einen Trank mit psychoaktiven Substanzen herzustellen und ihm diesen Trank heimlich einzutrichtern.

Natürlich war das keine Entschuldigung. Es war nur eine Erklärung. Snape war nicht Schuld an diesem Desaster, aber er hatte seinen Teil dazu beigetragen. Plötzlich sah Hermine alles ganz klar. Tagebuch, Hellsichtigkeitstrank, Emotionstrank, Waldausflug. Das alles hing so unsäglich miteinander zusammen ... Es hatte damit angefangen, dass sie das Tagebuch verloren hatte, also hätte man sagen können, dass es ihre Schuld war. Aber Snape hatte das Tagebuch einbehalten, sie im Unterricht bloßgestellt und sie den Hellsichtigkeitstrank trinken lassen, also war er Schuld an dem ganzen Chaos. Aber dann war er auch „Schuld" an diesem wundervollen Ausflug. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich gewesen.

Apropos Ausflug ... Wann hatte der Trank eigentlich zu wirken begonnen? Erst heute Nacht – oder etwa schon vorher? Es konnte doch nicht ... nun, dachte Hermine verzweifelt, wenn der Trank schon gestern gewirkt hatte, würde das zumindest Snapes auffallende Freundlichkeit während des Ausflugs erklären.

Sie schüttelte heftig den Kopf und ihre Haare flogen dabei um sie herum, während ihr diese Gedanken durch den Kopf schossen. Nein. Das war abwegig, es konnte nicht sein. Er war zu authentisch gewesen ... und wie aus der Ferne spuckte ihr Gedächtnis noch die Information aus, dass eine Nebenwirkung dieses Trankes leichtes, manchmal auch heftiges Händezittern war. Snapes Hände hatten gestern nicht gezittert. Nein, der Trank hatte irgendwann in der Nacht oder heute Morgen angefangen zu wirken.

Und Snape würde sie umbringen, falls er wissen sollte, dass sie dafür verantwortlich war.

Stichwort Händezittern. Ihre Hände zitterten im Augenblick so stark, dass man hätte meinen können, sie sei auf Entzug. Hermine betrachtete ihre vibrierenden Hände eine Weile fast emotionslos, so als gehörten sie jemand anderem, und stand schließlich auf. Mit mechanischen Bewegungen strich sie ihre Schuluniform glatt, brachte sogar noch den Ansatz von Ordnung in ihre völlig wirren Haare hinein und setzte sich in Bewegung, um in den Krankenflügel zu gehen und sich krank zu melden.

Den Weg dorthin legte sie gewissermaßen per Autopilot zurück. Sie hörte und sah nichts um sich herum. Durch Hogwarts' Flure rennend, kämpfte sie ein Deja Vu an, das in ihr hochstieg – das Gefühl des Nervenzusammenbruchs und der damit verbundene Weg zur Krankenstation waren ihr unangenehm vertraut, das war gerade vor ein paar Tagen passiert. Sie konnte diese Deja Vu-Gefühle nicht leiden. Sie tauchten oft in ihren Krisenzeiten auf: Banale oder auch wichtige Dinge schienen in kurzer Folge mehrmals zu passieren. Heute Morgen hatte sie das Gefühl auch schon gehabt, als sie zum wiederholten Mal in dieser Woche auf Snapes Erscheinen beim Frühstück gewartet hatte.

Fehlt nur noch, dass ich noch ein Tagebuch anfange und das dann auch wieder irgendwo verliere ...

In diesem Moment durchfuhr sie ein heißer Blitz – erst dann bildete sich ihre innere Erkenntnis in einem Gedanken ab.

Ihre Aufzeichungen über die Maligcantoren. Sie hatte sie im Gemeinschaftsraum liegen lassen.

Und Snape hatte sie gestern, wenn auch beiläufig, während des Rückwegs angewiesen, diese Informationen über Maligcantoren für sich zu behalten ---

Sie blieb stehen. Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler waren inzwischen in den Unterrichtsräumen verschwunden; niemand bemerkte, dass Hermine laut „OH NEIN" rief und beide Hände in die Luft hob. Es sah aus wie eine Kapitulation – und es fühlte sich auch so an. Die Bewegung ging einher mit dem Gefühl, endgültig keine Kontrolle mehr über das Geschehen zu haben.

Keine Kontrolle.

Hermine Granger lag viel an Kontrolle. Ihr Leben lief in so kontrollierten Bahnen ab, wie es optimal der Fall sein konnte, wenn man mit Harry Potter und Ronald Weasley befreundet war; abgesehen von den Jungs und von der Tatsache, dass sich die Zaubererwelt im Krieg befand, versuchte Hermine doch immer, ihr Leben überschaubar und in geregelten Bahnen zu halten. Aber im Laufe der letzten Woche war ihr dieses Vorhaben so gründlich missglückt wie noch nie zuvor.

Keine Kontrolle ...

Und Und plötzlich stand sie vor dem Portrait der fetten Dame. Sie wusste nicht einmal, wie sie dorthin gekommen war - offenbar hatte irgendein ihr unbekannter Teil ihres Gehirns ihr befohlen, die Richtung zu wechseln. Und dieser Teil ihres Gehirns wies sie an, zu dem Sessel zu gehen, auf dem sie heute Morgen geschlafen hatte, und nach ihren Aufzeichnungen zu sehen.

Sie waren nicht mehr da.

Hermine blickte auf den Sessel und entschied sich, nichts zu fühlen. Gar nichts. Sie führte brav die Anweisung aus, die jener ominöse Teil ihres Gehirns ihr gab - sie schaute noch einmal unter den Kissen des Sessels nach und ging auf die Knie, um auf dem Boden nachzusehen. Aber die Pergamente waren einfach nicht da. Natürlich nicht. Irgendwer hatte sie mitgenommen - wer und warum auch immer.

Sie konnte jetzt nicht darüber nachdenken. Sie musste zu Madam Pomfrey und sich krank melden, es ging nicht anders.

Also verließ sie den gryffindorschen Gemeinschaftsraum wieder und schlug erneut den Weg zum Krankenflügel ein. Während sie durch die Flure stolperte, ging sie wie auf Eiern. Sie sah an sic h hinunter, um sich zu vergewissern, dass alles noch da war, Füße, Beine und Fußboden. Mit dem Fußboden war alles in Ordnung, von oben betrachtet sah sie auch so aus wie immer – aber sie fühlte sich überhaupt nicht so wie immer. Fühlte sich so ein echter Nervenzusammenbruch an? Sie hatte noch nie einen gehabt, daher konnte sie es nicht wirklich beurteilen. Sicher konnte Madam Pomfrey Klarheit schaffen. Und vielleicht hatte die Heilerin ja ein Beruhigungsmittel für sie, das ein bisschen wie Alkohol wirkte.

Wie sehr starker Alkohol, wenn es möglich war.

Aber als sie nach einem endlos wirkenden Weg endlich im Krankenflügel ankam, krachte gerade die Tür auf und Madam Pomfrey stürzte heraus.

„Sie wollen zu mir?", keuchte sie. Ohne in ihrer Bewegung inne zu halten, musterte sie Hermine von oben bis unten. „Sie können noch stehen und haben keine ernst zu nehmenden Verletzungen. Sie müssen warten. Setzen Sie sich oder legen Sie sich hin, ich komme, so bald ich kann!"

Die letzten Worte hatte Hogwarts' Heilerin laut rufen müssen, weil sie schon um die Ecke gebogen war. Hermine betrat also den Krankenraum, weil ihr nichts Besseres einfiel. Mit einem entfernten Teil ihres Bewusstseins registrierte sie die Aufregung der Heilerin, und in diesem eben diesem Teil ihres Bewusstseins bildete sich ein zaghaftes Alarmzeichen; aber sie hatte nicht die Energie, um ernsthaft darüber nachzudenken, und das Alarmzeichen verpuffte wieder oder wurde in noch weiter entfernte Bereiche ihres Bewusstseins verdrängt. Ihr Kopf schmerzte, ihre Wangen waren heiß, ihre Beine schienen sie nicht sicher zu tragen. Sie musste sich einfach hinlegen.

Da war ein Bett hinter einem Vorhang. Das gefiel ihr, so konnte niemand, der hereinkam, sie sehen. Also trat sie hinter den Vorhang und zog ihn so weit zu, wie es möglich war; dann legte sie sich voll bekleidet auf das Bett und zog die Decke halb über sich. Jetzt störte nur noch das Licht – sie holte ihren Zauberstab hervor und sprach einen Verdunkelungszauber, der die großen Fensterscheiben des Raumes mit einem matten Nebel überzog. Dann lag sie da und war ganz zufrieden mit dem Verschwimmen der Umrisse um sich herum. Binnen weniger Minuten war sie eingeschlafen.

oOoOo

Ein Krachen ließ sie aus irgendeinem wirren Traum fahren. Die Tür. Leise keuchend schreckte sie hoch und blieb, auf die Ellenbogen gestützt, liegen.

„Pomfrey! Madam Pomfrey, wo sind Sie?"

Diese Stimme. So bekannt. Hermines Herz setzte aus und fing dann an, die verpassten Schläge im doppelten Tempo nachzuholen.

Was um aller Welt machte Snape hier?

„Draco, komm her."

Snapes Tonfall war äußerst barsch – es passte so gar nicht, dass er in diesem Ton mit Malfoy sprach, auch wenn er wie üblich das vertraute Du benutzte, um den Jungen anzureden.

„Mach schon!", hörte Hermine Snape fauchen. Dann das eilige Schlurfen von Schuhen. Und ein Geräusch, das irgendwie nicht ... naja, nicht nach Malfoy klang.

„Mhrrmphhh ---"

Hermine nahm das alles wie durch Watte wahr. Sie fühlte sich, als hätte sie sehr lange und sehr tief geschlafen und sei noch nicht richtig wach. Sie fühlte sich genau wie heute morgen, genau genommen, als Neville sie geweckt hatte.

Schon wieder eine Wiederholung.

Sie versuchte das mulmige Gefühl in ihrem Bauch und ihre Kopfschmerzen zu verdrängen. So leise wie möglich schob sie sich aus dem Bett und spähte hinter dem Vorhang hervor. Sie sah Snape, der ihr den Rücken zugedreht hatte. Und sie sah Malfoy – jedenfalls schien es Malfoy zu sein. Die Person da hatte weißblondes Haar und das typische, malfoy-ähnliche Gesicht.

Aber die Haare waren viel länger. Und – es war kein Junge.

Es war ein Mädchen.

Verdammt, es war Malfoy mit einem ... einem Rock. Und – mit deutlichen Erhebungen in der Brustgegend.

Oh Merlin und alle Götter dieser Welt ---

Dracos Anblick hatte in Hermines augenblicklichem Zustand die Wirkung eines Eimers Eiswasser, der über ihrem Kopf ausgeleert wurde. Im nächsten Moment war sie so wach wie nie zuvor, und alle Gedanken und Gefühle, die mit Snape zu tun hatten, waren vorübergehend aus ihrem Kopf gefegt. Herrje, Malfoy sah so ... unglaublich bescheuert aus. Ein Königreich für einen ganz normalen Muggel-Fotoapparat!

Gut, eigentlich machte der Junge ... oder das Mädchen ... oder was auch immer einen erbärmlichen Eindruck. Er oder sie sah zerzaust und sehr verzweifelt aus. Aber es war lange her, dass Hermine in Draco Malfoy einen Jungen zu sehen versuchte hatte, den man auch mal bemitleiden konnte. In ihrem Hals baute sich ein unerträglicher Druck auf; geistesgegenwärtig hielt sie sich den Mund zu, um nicht loszuprusten.

„Sieh mich nicht so an, Draco", blaffte Snape. „Du bist selbst Schuld, und du bist jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb dieses Monats in diesem ... diesem Zustand. Und ich kann dir an deiner Nasenspitze ansehen, dass du daran nicht unschuldig bist! Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich bereit bin, dir auch nur eine Sekunde mein Büro zur Verfügung zu stellen, damit du dich vor dem Spott ihrer Mitschüler verstecken kannst?"

Miss Draco Malfoy machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen Grummeln und Wimmern lag. Snape machte eine wegwerfende Handbewegung, die Malfoy abrupt verstummen ließ.

„Und weißt du was?"

Der Zaubertranklehrer stand jetzt sehr nahe vor dem unglückseligen Draco und flüsterte ihm in einem üblen, schadenfrohen Tonfall ins Ohr.

„Ich kann Madam Pomfrey nirgends sehen, also wirst du jetzt den Rückweg antreten und dich in dein Quartier begeben –"

„Aber, Sir –", quietschte Draco mit einer herrlich dämlichen Mädchenstimme. Er nahm seine hohe Stimme offenbar selbst mit einigem Entsetzen wahr, denn er verstummte sofort.

„Du weißt doch", sagte Snape sanft, während Hermine hinter dem Vorhang mühsam gegen einen sich aufbauenden Lachkrampf ankämpfte, „dass ich ein Aber nicht besonders gern höre. Oder haben sechseinhalb Jahre Unterricht bei mir nicht gereicht, um diese Erkenntnis in dir heranreifen zu lassen? Bedauerlich, sehr bedauerlich. Ich dachte, mit der Lernfähigkeit in Slytherin sei es besser bestellt."

Snape stand nach wie vor mit dem Rücken zu ihr, aber Hermine hörte, wie sein Grinsen immer breiter wurde.

„Das sind noch mal zehn Punkte Abzug von Slytherin", säuselte er. Draco erstarrte und öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder und verhinderte so, dass Hermine endgültig einen Lachanfall wegen dieser lächerlichen Mädchenstimme erlitt.

„Es schmerzt mich selbst, Slytherin Punkte abzuziehen", fuhr Snape hörbar grinsend fort, „und ich erwarte, dass dies eine wirkliche Motivation für dich ist, in nächster Zeit den Punkteabzug wieder wettzumachen. Es ist mir egal, wie du das anstellst. Benutz deinen Slytherinschen Verstand! Vielleicht solltest du deinen gegenwärtigen ... Zustand nutzen, dich zu Professor Flitwick begeben und ihm für heute Abend Assistenz bei der Unterrichtsvorbereitung anbieten. Ich habe gehört, dass er weiblichen Reizen nur schwer widerstehen kann."

Wie kann ein einzelner Mensch nur so viel Bosheit in seine Stimme legen?

Hermine konnte sehen, wie Malfoy schluckte. Inzwischen kämpfte sie selbst gegen einen Lachkrampf und gegen einen Schluckauf an.

„Und jetzt ... geh", ordnete Snape an. „Ich werde Pomfrey anweisen, dir einen Hauself mit einem Heiltrank zu schicken."

Malfoy öffnete erneut seinen Mund und schloss ihn ein weiteres Mal. Er schien wenig von der Aussicht begeistert zu sein, in diesem Zustand durch die Schule zu laufen. Er sah Snape mit einem Ausdruck vollendeter Verzweiflung an; Hermine begann nun doch beinahe Mitleid mit dem Jungen zu empfinden.

Snape sah demonstrativ auf die Uhr im Krankenraum. „Jetzt ist es knapp halb eins. Du hast bis, sagen wir mal ..., fünf Uhr nachmittags Zeit, in dein Quartier zu kommen. Damit hast du viel Zeit für ein paar Umwege, falls du nicht auf Ihre Mitschüler stoßen willst."

Meine Güte, ist der Mann gemein.

Aber immerhin traf es mal den Richtigen. Endlich einmal. Der Zaubertrankmeister, der einen vollen Eimer Snapesche Gehässigkeit über Draco Malfoy auskippte... Es war fast zu schön, um wahr zu sein.

Nein, halt. Genau genommen war es tatsächlich zu schön, um wahr zu sein.

Natürlich. Der Emotionstrank.

Der Gedanke daran enterte gewaltsam Hermines Verstand; der Lachanfall verebbte, und der Schluckauf wurde schlimmer.

Verschwinde endlich", fauchte Snape und scheuchte mit einer Handbewegung einen völlig aufgelösten Draco Malfoy mitsamt seinen weiblichen Hormonen aus der Tür.

Als Malfoys Schritte nicht mehr zu hören waren, seufzte Snape leise und drehte sich langsam um; Hermines Kopf bewegte sich ruckartig nach hinten, um wieder vom dichten Vorhang geschützt zu werden. Sie unterdrückte nach wie vor ihren heftigen Schluckauf, und es begann im Magen und in der Brustgegend weh zu tun.

Sie hörte Snape nicht mehr. Was um Himmels Willen tat er? War er überhaupt noch im Zimmer? Warum nur war der Mann fähig, sich so leise durch einen Raum zu bewegen?

Leider war der Vorhang sehr dicht, sie konnte absolut nichts erkennen. Sie versuchte lautlos zu atmen und wartete. Sie wollte diesen Mann jetzt nichts sehen – bitte nicht; er sollte einfach wieder gehen.

Es war nichts mehr zu hören, und Hermine wartete noch ein bisschen. Aber sie spürte die Nervosität im ganzen Körper, und gleichzeitig war sie unglaublich erschöpft. Es war zu schwierig für sie, die ganze Zeit still dazustehen, sie konnte das in ihrem jetzigen Zustand einfach nicht. Sie schaffte es zwar, weitgehend reglos hinter dem Vorhang stehen zu bleiben, aber irgendwann forderte ihr nervlich völlig überlasteter Körper sein Recht ein.

HICK!

Der Schluckauf war so heftig, dass sie regelrecht hoch hüpfte. Und dann erschienen blasse Hände am Saum des Vorhangs und zogen ihn zurück, während Hermines Herz bis zum Hals hoch schlug.

Snape stand direkt vor ihr.

t.b.c.

oOoOoOoOoOoOoOo