Disclaimer und A/N: Siehe erstes Kapitel.


Offenbarungen

Von Thea Potter

Kapitel 26

Glücklicherweise ging Hermines Mangel an Höflichkeit im allgemeinen Begrüßungsgeplänkel unter.

„Madam Malfoy", sagte Snape. „Die Freude ist auf meiner Seite."

Er klang entspannt und freundlich; seine Stimme war so ganz anders als sonst. Er erwiderte Hermines irritierten Blick mit einem Stirnrunzeln, bevor er sich wieder von ihr abwandte.

„Darf ich vorstellen – Miss Granger."

Hermine schreckte innerlich zusammen und beugte sich herunter, um der sitzenden Frau die Hand zu reichen; aber anstatt ihr die Hand zu schütteln, umfasste die Frau ihren Handrücken und strich mit einer sanften Geste darüber.

„Schön, dass Sie hier sind. Ihre Augen sind voller Wissbegier, das gefällt mir."

Snape sah sie an, aber Hermine wich seinen Blick aus; sie hatte kein Interesse seinem Spott zu begegnen.

„Ich bin unmöglich", fuhr die alte Dame im Plauderton fort, „ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Divina Malfoy, und dies ist ... nun ja, meine bescheidene Behausung."

Aus dem Augenwinkel meinte Hermine zu erkennen, dass Snape missbilligend das Gesicht verzog.

„Miss Granger ist deine Schülerin, nehme ich an?"

„So ist es", erwiderte Snape ein wenig unbehaglich.

Madam Malfoy ging nicht weiter darauf ein. Offenbar war die Vorstellungsrunde beendet, stellte Hermine enttäuscht fest; sie hatte gehofft, dass ihre Gastgeberin auch verraten würde, in welcher Beziehung genau sie zu Lucius und Draco Malfoy stand. Andererseits war es auch nicht so schwierig zu erraten, fand Hermine; sicher war sie die Mutter von Dracos Vater, vermutete sie, die Ähnlichkeit war einfach unglaublich.

Madam Malfoy zückte ihren Zauberstab, der neben ihr auf dem Sessel lag, und ihr Sessel erhob sich einige Zentimeter vom Boden.

„Ihr beide trinkt Tee, nehme ich an."

„Nein", sagte Snape schnell, „keinen Tee, danke. Wir haben es eilig."

Sie ignorierte seinen Hinweis mit einem strahlenden Lächeln.

„Ich schlage Darjeeling vor."

Snape öffnete den Mund, aber sie wandte sich ab – und schwebte mitsamt Sessel davon.

Gelähmt. Sie kann nicht gehen.

Die alte Frau ließ sich mit ihrem Sessel an einem großen Tisch nieder und schien zu erwarten, dass ihre Gäste ihr folgten.

Snape atmete hörbar durch. „Sie warten hier", wies er Hermine knapp an und ging mit großen Schritten zum gedeckten Tisch herüber; er begann leise auf Madam Malfoy einzureden. Die alte Dame lächelte nur und schüttelte den Kopf; Hermine hätte nur zu gern gewusst, worüber die beiden redeten, aber da sie ohnehin kein Wort verstand, wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Raum zu.

Das erste, was sie sah, waren Steine. Steine überall, in allen Größen, Formen und Farben. Sie lagen einzeln herum, waren in Schalen oder Kisten verwahrt oder sogar eingerahmt. Schatullen und andere Behältnisse im Raum deuteten auf noch mehr Exemplare hin. Ein sehr großer ungeschliffener, leuchtend blauer Stein stand direkt neben Hermine auf einem Fuß, der die Form einer Drachenkralle hatte.

Das alles ließ sie absurderweise an ihre Eltern denken. Vor allem ihre Mum glaubte an die heilende Kraft von Edelsteinen; sie und ihr Mann hatten sich im Laufe der Jahre auf irgendwelchen Märkten eine gigantische Sammlung zusammengekauft. Hermine hatte dieses Interesse nie geteilt; sie empfand diese hilflose Begeisterung für die „magische Kraft der Steine" als peinlich. Dennoch erkannte sie hier einige von den Steinen wieder; Opale, Rubine, Obsidiane, Turmaline.

Da stand sie nun in einem Malfoyschen Haus und fühlte sich an ihre Eltern erinnert. Das war zu skurril; sie musste ein Grinsen unterdrücken.

Als sie zu Snape und ihrer Gastgeberin herüber sah, bedeutete Madam Malfoy ihr mit einer Handbewegung näher zu kommen. Hermine entschied sich zu gehorchen, auch wenn Snape damit offensichtlich nicht einverstanden war; er blickte schlecht gelaunt drein, zog aber einen Stuhl zu sich und setzte sich an den Tisch, nachdem Madam Malfoy ihn mit bloßen Blicken dazu aufgefordert hatte.

Hermine spürte die enorme Präsenz, die von dieser Frau ausging. Sie strahlte pure Macht aus, es war eine Ausstrahlung, die sie einerseits an Lucius Malfoy erinnerte – und andererseits auch nicht. Die Malfoys hatten zweifellos keine Probleme, zu erreichen, was immer sie wollten, aber diese alte Frau hatte etwas Feinsinniges, Liebevolles an sich, das so ganz und gar unmalfoyhaft schien. Ihr schien jene unterschwellige Aggressivität und der Ehrgeiz zu fehlen, andere Lebewesen zu unterwerfen – Eigenschaften, die Hermine vor allem bei Lucius Malfoy immer unglaubliche Angst gemacht hatten.

Hermine ging auf den Tisch zu und steuerte zögerlich den Platz neben Snape an, aber Madam Malfoy schüttelte lächelnd den Kopf, und mit einer Bewegung ihres Zauberstabs schob sich der leere Stuhl zur Seite.

„Jetzt können Sie sich setzen", lächelte die alte Dame mit einer einladenden Handbewegung.

Hermine tat, wie ihr geheißen, und stellte fest, dass sie, Snape und ihre Gastgeberin sich jetzt in einer Art Dreieck gegenüber saßen.

Madam Malfoy legte die Handflächen gegeneinander.

„So ist es gut. Ausgezeichnet. Diese Konstellation wird uns dabei helfen, euer Problem zu lösen."

Hermine wollte gerade mutig fragen, um welches Problem es ging, als ein dünner alter Hauself erschien und mit einem Fingerschnippen den Tisch deckte; vor ihnen erschienen Teetassen, Löffel, Zucker und eine große Teekanne. Eine große Keksdose kam noch hinzu, und anschließend ließ es sich der Hauself nicht nehmen, mit demütiger Geste den Gästen eigenhändig Tee einzuschenken. Hermine legte unbewusst die Stirn in Falten.

„Madam Malfoy, ich –", fing Snape an.

„Pssst", machte die alte Dame. „Doch nicht jetzt! Jetzt wird erst einmal Tee getrunken. Nimm dir einen Keks, Severus."

Hermine verschluckte sich am Darjeeling und musste so stark husten, dass ihr Lachen dadurch gut verdeckt wurde. Snape schoss einen wütenden Blick auf sie ab, aber dann streckte er den Arm aus und nahm einen Keks. Wer hätte gedacht, grinste sie innerlich, dass der Zaubertrankmeister so gehorsam sein konnte.

Niemand sprach ein Wort. Der Tee war ausgesprochen gut; Snape warf unkonzentriert vier Stücke Zucker in seine Tasse und verzog leidend das Gesicht, als er den ersten Schluck trank. Hermine kaute ebenfalls Kekse und begann unmerklich sich zu entspannen. Snape griff nach einer Weile erneut in die Keksdose, holte gleich ein paar heraus und begann sie offensichtlich gedankenverloren zu essen. Nach und nach entspannte auch er sichtlich; Hermine fragte sich, was in diesen Dingern drin war.

„Fangen wir an", unterbrach Madam Malfoys Stimme die Stille. „Zeig ihn mir bitte, Severus."

Erst in diesem Moment begriff Hermine schlagartig, weshalb sie hier waren.

Warum bin ich nicht schon früher darauf gekommen? Der Tag muss meine Gehirnfunktionen lahm gelegt haben.

Hermine sah Snape an, der aufhörte zu kauen. Mit dem Ausdruck ehrlichen Erstaunens betrachtete er die alte Frau und dann den angeknabberten Keks, den er in seiner Hand hielt; es war, als würde er aus einer Art Essens-Trance erwachen. Dann tauchte die vertraute Stirnfalte auf, mit finsterem Gesicht legte er den Keks beiseite und wischte sich möglichst würdevoll die krümeligen Finger an einer Serviette ab. Hermine musste erneut ein Lachen unterdrücken und wandte ihre Aufmerksamkeit ihrer Gastgeberin zu, deren interessiert-geduldiger Blick auf dem Zaubertrankmeister ruhte.

Snape seufzte tief, griff in seine Tasche und holte etwas heraus – und Hermine sah zum ersten Mal seit jener unglücklichen Situation im Flur des Krankenflügels ihren Zauberstab.

Oder das, was davon übrig ist, dachte sie wütend.

Während die Hauselfen den Tisch abräumten, legte Snape die beiden Holzteile, die nicht mehr wirklich an einen Zauberstab erinnerten, wortlos auf den Tisch. Madam Malfoy ergriff sie, bewegte sie in der Hand hin und her und runzelte die Stirn. Es war, als würde sie das Gewicht des Stabes abschätzen wollen.

„Was genau ist passiert?", fragte sie schließlich.

Na, da bin ich gespannt, wie du das erklären willst.

Snape zögerte kurz.

„Ich habe Miss Grangers Zauberstab versehentlich zerbrochen."

Hermine starrte Snape ungläubig an, der recht überzeugend einen unbeteiligten und unschuldigen Eindruck erweckte.

Madam Malfoy lächelte.

„Tatsächlich?", fragte sie nur.

„Nein!", platzte es aus Hermine heraus. „Versehentlich, so ein Unsinn!"

Snape schloss langsam die Augen; einen kurzen Moment sah er fast entspannt aus, aber Hermine kannte diesen Gesichtsausdruck aus dem Unterricht; es war die Vorstufe zum Wutausbruch.

„Halten Sie den Mund", flüsterte er.

„Warum sollte ich?", schnaubte sie. „Sie versuchen mit falschen Karten zu spielen!" Sie holte tief Luft. „Aber warum wundere ich mich überhaupt darüber? Ich glaube, Sie können gar nicht anders!"

Ein sehr schnell verschwindender rationaler Teil von ihr bemerkte, wie schnell ihr Ärger wuchs; er verdrängte alles andere um sie herum und auch alles, was sonst in ihr war.

Snape starrte sie mit einer Mischung aus Wut und Überheblichkeit an. „Ich warne Sie, Miss Granger", presste er zwischen den Zähnen hervor, „halten Sie sich zurück, oder es geschieht ein Unglück!" Er schien zu versuchen, sich unter Kontrolle zu behalten, aber es war offensichtlich, dass dieser Kampf so gut wie ausweglos war.

„Ein Unglück?", rief sie und lehnte sich am Tisch sitzend Snape angriffslustig entgegen. „Was für eine müde Drohung soll das sein, he? Der Tag war bereits ein einziges Unglück, schon vergessen? All das, was geschehen ist – ich meine, genügt das noch nicht!"

„NEIN", schrie er zurück und lehnte sich ebenfalls vor, „offensichtlich nicht! Sie bräuchten noch ganz andere Lektionen!"

Sie saßen sich jetzt so dicht gegenüber, dass sich fast ihre Nasen berührten.

„Ach was!" Hermine spürte eine Welle Adrenalin durch sich hindurchrauschen. „Wollen Sie mir weismachen, dass Sie mir heute Lektionen erteilt haben? Sollte ich davon etwas lernen?" Sie lachte hässlich. „Meinen Sie denn, dass Sie als Lehrer so viel taugen, ja?"

Halt doch die Klappe, um Himmels willen ...

Snape stand abrupt auf und riss seinen Zauberstab aus dem Umhang; Hermine sprang ebenfalls auf, und ihr Stuhl knallte hinter ihr auf den Boden.

„Ich –", fauchte Snape, „ich werde dir –"

„Aufhören! Sofort. Beide."

Sowohl Snape als auch Hermine erstarrten in ihrer augenblicklichen Haltung. Beide hatten bis zu diesen Augenblick völlig vergessen, dass sie nicht allein waren. Beschämt zu Boden blickend ließen sie sich wie ertappte Schulkinder auf ihre Stühle zurücksinken, wobei Hermine unangenehmerweise vorher ihren Stuhl wieder aufstellen musste.

Niemand sprach. Die Stille zog sich in die Länge, bis es ernsthaft unangenehm wurde; Hermine begann unruhig zwischen ihrer Gastgeberin und Snape hin- und herzublicken. Snape saß reglos und zusammengesunken da; er sah schrecklich blass aus. Madam Malfoys Blick ruhte auf ihm; sie musterte ihn mit offen besorgtem Gesicht. Ihre beiden Zeigefinger ruhten auf ihren Lippen, ihre ganze Gestalt drückte Irritation aus.

„Ich weiß nicht, wie Miss Granger sich normalerweise verhält, aber DU, Severus, verhältst dich sehr außergewöhnlich. Was stimmt nicht mit dir?", fragte Madam Malfoy leise.

Hermines Herz machte einen schmerzhaften Hüpfer, als sie an den Emotionstrank dachte. Sie ahnt etwas, dachte sie verzweifelt. Er wird ihr alles erzählen, und dann bin ich geliefert.

Snape sah seine Gastgeberin mit einer Mischung aus Zorn und Verzweiflung an und biss sich auf die Unterlippe.

„Es ... es tut mir Leid", murmelte er und sah weg. „Ich weiß nicht, was ihn mich gefahren ist ... Es tut ..."

„Hör auf." Madam Malfoy beugte sich vor und legte eine Hand auf seine. „Severus, jedes Mal, wenn du hier bist, muss ich mir von dir irgendeine Entschuldigung anhören. Aber ich habe dir keine Vorwürfe gemacht, ich habe dich gefragt, was mit dir los ist."

Snape erwiderte nichts; Hermine wagte nicht ihn anzusehen. Sie konnte nicht glauben, dass er nicht die Gelegenheit ergriff sie anzuklagen.

Madam Malfoy seufzte. „Gut. Zunächst muss ich darauf bestehen, dass Sie beide aufhören, sich in meiner Gegenwart verbal anzugreifen."

„Natürlich", erwiderte Hermine schnell, „es ist ... ich weiß auch nicht, wie ... Bitte, Sie sollten nicht denken, dass ich ..." Sie atmete tief durch. „Es tut mir ebenfalls Leid, es wird nicht wieder vorkommen."

Die alte Dame schien Hermine gar nicht zu hören. Sie hatte die Hände flach auf den Tisch gelegt, schien ihre Finger zu betrachten und nachzudenken. Als sie aufsah, lächelte sie ein feines Lächeln.

„Miss Granger, ich gehe davon aus, dass Sie nicht wissen, warum Sie hier sind."

Es tat gut, tief durchzuatmen, es war Balsam für ihren angespannten Körper. Sie tat es erneut und straffte ihre Schultern. „Das ist nur zum Teil richtig", sagte sie. „Ich habe inzwischen so viel begriffen, dass Professor Snape offenbar hofft, dass Sie meinen Stab reparieren können. Aber er hat mit mir nicht darüber gesprochen, und ich weiß nicht, warum ich dabei sein soll."

„Das, scheint mir, ist ein Teil des Problems", erwiderte Madam Malfoy und ignorierte Hermines überraschten Blick. „Ihr beide" – sie zeigte mit dem Finger zuerst auf Hermine und dann auf Snape – „hättet im Einvernehmen hierher kommen müssen. Ich bezweifle, dass ich die Kraft dieses Stabes wiederherstellen kann – es ist Ihr Stab, Miss Granger, und du hast ihn zerbrochen, Severus – darum brauche ich eure gemeinsame, ungeteilte Energie, um den Stab zu heilen. Aber im Augenblick sind eure Energien gegeneinander gerichtet."

„Was soll das heißen?", presste Snape hervor.

„Was ich sagen will, ist", antwortete Madam Malfoy geduldig, „dass das Problem mit diesem Zauberstab nachrangig ist. Zunächst müsst ihr ein anderes Problem lösen. Und damit meine ich euer gemeinsames Problem."

Snape atmete hörbar durch.

„Madam Malfoy", sagte er langsam, „bei allem Respekt ... wir haben kein gemeinsames Problem."

Sie beäugte ihn ungläubig.

„Also wirklich, Severus. Das kann nicht dein Ernst sein." Ein sanfter, geradezu mütterlicher Tonfall.

„Doch, durchaus, das ist es", gab er kühl zurück.

„Severus, was immer sich zwischen dir und Miss Granger abgespielt hat – es ist nicht unwichtig für die Wiederherstellung des Stabes."

„Nun, ich denke doch", erwiderte Snape stur. Er schien zu seinem alten engstirnigen Selbst zurückzufinden; er schaffte es sogar, eine Augenbraue hochzuziehen, ihrem Blick standzuhalten und den Eindruck zu erwecken, dass es nicht notwendig sei, ein weiteres Wort über dieses Thema zu verlieren.

Still für sich setzte Hermine dieses Verhalten auf eine innere Liste von Indizien dafür, dass die Wirkung des Emotionstrankes langsam, aber sicher nachließ. Sie hoffte es so sehr.

Madam Malfoy seufzte tief und wandte sich zu Hermine, deren Puls sich im selben Moment beschleunigte.

„Könnten Sie mir dann vielleicht sagen, was zwischen Ihnen vor sich geht?", fragte sie sanft.

Hermine bemühte sich ruhig zu bleiben. Sie sah von ihrer Gastgeberin zu Snape herüber; ihre Eingeweide verknoteten sich, als er ihren Blick erwiderte. Es war ein ruhiger und fast hoffnungsvoller Blick, in dem sie eine wortlose Herausforderung lesen konnte.

Es war ein Pakt, wurde ihr in diesem Moment klar. Ein simpler, elender Pakt. Schweige du über meine Fehltritte, dann schweige ich über deine.

In was für einen slytherinschen Schlamassel bin ich da nur geraten.

Sie schluckte mühsam. „Nein", schaffte sie es schließlich ihrer Gastgeberin zu antworten. „Ich ... Es tut mir Leid, aber ich kann nichts dazu sagen."

Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Snape ein flüchtiges Lächeln unterdrückte. Sie hätte ihn dafür am liebsten auf den Saturn gehext.

„Nun", sagte Madam Malfoy schließlich unbeeindruckt. „Das dachte ich mir beinahe." Sie streckte die Hand aus und tätschelte überraschend Hermines Arm. „Gut", fuhr sie lächelnd fort, „wenn ihr beide also kein Problem habt, führe ich das Ritual durch, und es wird reibungslos funktionieren." Es war offensichtlich, dass sie nicht daran glaubte. „Aber ich fürchte", setzte sie hinzu, „ich kann euch bei dieser Prozedur nur wenig behilflich sein. Das meiste müsst ihr beide tun."

Hermine öffnete den Mund, aber die alte Dame schwebte bereits davon und die Gelegenheit zu einem Einwand war dahin.

Madam Malfoy kramte in den Schubladen eines kleinen Schränkchens herum und kehrte schließlich mit einer hohen, dunkelbraunen Holztruhe zurück. Die Truhe maß etwa dreißig mal fünfzig Zentimeter und sah schwer aus, aber Madam Malfoy trug sie mühelos; sie stellte sie hochkant auf den Tisch und öffnete sie mit ihrem Zauberstab und einigen Zaubersprüchen, die Hermine noch nie gehört hatte.

Die Truhe öffnete sich, indem die Seitenwände sich einfach in Luft auflösten, und ein großer, feingeschichteter Stein in verschiedenen Brauntönen wurde sichtbar. Der Stein war wunderschön, aber Hermine spürte eine Veränderung in der Atmosphäre, die nicht dazu passte. Als sie Snape ansah, wurde ihr einiges klar: Er sah den Stein voller Entsetzen an.

„N-nein", stammelte er, „das – das ist nicht notwendig, oder?"

Ihre Gastgeberin bedachte Snape mit einem wissenden Lächeln.

„Wovor hast du Angst, Severus? Du weißt, dass die Steine dir nicht schaden. Außerdem ist es nicht das, was du denkst. Ich benutze ihn nur für den Fall, dass etwas schief geht. Was natürlich sehr unwahrscheinlich ist", setzte sie mit ironischem Unterton hinzu.

Snape schien von ihren Worten nicht wirklich überzeugt worden zu sein; weiterhin betrachtete er den Stein unruhig, und Hermine wurde klar, dass er damit eine Erinnerung verband. Eine intensive und offenbar nicht angenehme Erinnerung.

Hermines Haut begann sich ein wenig zu kräuseln.

Die Gastgeberin legte die beiden Zauberstabteile direkt vor sich. Dann faltete sie die Hände und begann zu sprechen.

t.b.c.