Disclaimer: Siehe Kapitel 1.
A/N: Boah. Diesmal kriegt ihr richtig viel zu lesen, für meine Verhältnisse. Doll, oder? ;)
Das folgende Kapitel ist xgirlshona gewidmet, die auch hier bei FFnet Stories schreibt. Sie hat ein GANZ TOLLES VIDEO zu "Offenbarungen" gemacht und bei youtube . com eingestellt. Das kann ich euch einfach nicht vorenthalten. Der Titel ist: „Snape/ Hermione: Total Eclipse of the Heart (Bonnie Tyler)", der Link ist:
www . youtube . com / watch?vqVJwln0XI1U (Leerzeichen rauslöschen ;))
Ach ja ... Die Auswertung der Reviews °g° hat Folgendes ergeben: 1) Ihr könnt euch nicht entscheiden, ob Ron ein armer Kerl ist oder einfach ein Trottel. °gg° 2) Ihr möchtet gerne, dass die beiden sich wieder mal näher kommen. Ähm, Snape und Hermine, natürlich. (NICHT Hermine und Ron oder Hermine und Luna ... °lach°)
Ad 1: Ich entscheide mich für „armer Trottel". °kicher° Ad 2: OK, schauen wir mal ... °bedeutsam zwinker° :-)
Also bitte: Vorhang auf. Es geht rund, wieder mal. °hüstel°
Offenbarungen
Von Thea Potter
Kapitel 35
Hermine hatte bereits die Luft geholt, die erforderlich sein würde, um Ron zusammen zu falten – aber dann sah sie ihn zum ersten Mal, seit er hier aufgekreuzt war, richtig an, und erkannte, wie unglücklich und angespannt er war.
Ach Ron, du dummer Junge.
Müde lehnte sie sich gegen die kühle Kerkerwand. Sie zog ihren Umhang enger um sich; bis eben war ihr nicht kalt gewesen, aber hier auf dem Gang begann sie zu frieren.
„Oh, Ron", flüsterte sie. „Welcher Teufel hat dich geritten, hier runter zu kommen?"
Er zog ein beleidigtes, stures Gesicht; sie konnte ihm ansehen, dass er wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte, aber er würde das niemals zugeben. Hermine seufzte; so lief es immer zwischen ihnen ab. Sie hatte diesen Zug an ihm noch nie ertragen können.
„Hab mir Sorgen gemacht", murmelte er.
„Dann mach dir woanders Sorgen", versetzte Hermine unwirsch. Als ihr klar wurde, dass sie noch immer unmittelbar vor Snapes Bürotür standen, sprach sie wieder leiser. „Wie kommst du nur auf die Schnapsidee", wisperte sie, „hier anzuklopfen um mich abzuholen?"
„Ich wollte ihm zeigen, dass ich Bescheid weiß!" erwiderte Ron heftig. Hermine zuckte bei der Lautstärke zusammen; er ignorierte ihre hektische Handbewegung, mit der sie ihn bat leiser zu sprechen, und polterte weiter. „Irgendwer muss ihm doch klar machen, dass das so nicht geht! Er soll nur nicht glauben, dass er dich in seinem Büro einschließen und alles mit dir machen kann!"
Hermine lachte unwillkürlich; es war kein frohes Lachen.
„Das glaubt er nicht", sagte sie schließlich mit gedämpfter Stimme. „Hör mal, Ron, ich weiß, dass du es gut meinst, aber deine Anwesenheit bringt mich nur weiter in Schwierigkeiten, verstehst du das! Ich muss noch was mit ihm klären, und wie soll das jetzt klappen? Du hast ihm gerade klar gemacht, dass ich mit euch über den ganzen Schlamassel geredet habe. Er reißt mir den Kopf ab!"
Sie suchte Rons Blick, während sie sprach, aber er starrte verdrießlich Löcher in den Fußboden. Es fiel ihr zunehmend schwer, sich nicht ernsthaft über ihn aufzuregen.
„Seit wann bist du DEM Rechenschaft darüber schuldig, mit wem du redest?" murmelte er bockig.
„So, wie du es formulierst, natürlich gar nicht!" rief Hermine und fuhr sich entnervt durch die Haare.
„Eben!" schoss er zurück. Sie verdrehte die Augen; er verstand es wirklich nicht. „Du hast völlig richtig gehandelt, Hermine", fuhr er fort. „Es war höchste Zeit es uns zu erzählen. Und wenn du dich endlich dazu überwinden könntest, zu Dumbledore zu gehen -"
„Sei still!" blaffte Hermine ihn an. „Ich mache es so, wie ich denke, dass es richtig ist! Und ihr ..."
„Wir sollen schön die Klappe halten und zusehen, wie du in dein Verderben rennst!" unterbrach er sie hitzig.
„NEIN", rief sie zurück, „ich renne in gar kein Verderben, und wir können gern darüber reden! Aber ICH! BRAUCHE! KEINE! LEIBWACHE! Und ich dachte, da hätte ich mich klar ausgedrückt!"
Ron zog ein empörtes Gesicht und öffnete den Mund, aber in diesem Moment wurde Snapes Bürotür erneut aufgerissen, und der Zaubertränkelehrer stand schwarz und brodelnd vor Wut im Türrahmen wie das personifizierte Unheil.
Er sieht wirklich zum Davonlaufen aus, wenn er miese Laune hat.
„Granger. Weasley." Er sprach Hermines Namen so gedehnt und abschätzig aus wie immer, und sie war geneigt, das persönlich zu nehmen. „Jeweils fünf Punkte Abzug für das Herumlungern vor dem Büro eines Professors. Sie beanspruchen meine Nerven über Gebühr, also – verschwinden Sie endlich."
Die Tür krachte wieder zu, und Hermine beobachtete zum wiederholten Male, wie der Putz vor Snapes Bürotür träge zu Boden sank und sekundenlang ein feines Staubwölkchen in der Luft schwebte.
Und plötzlich tauchte eine Erinnerung auf ... die Erinnerung an die sanfte, ruhige Stimme von Madam Malfoy.
--- „Negative Energie hat diesen Stab zerstört und diese Energie muss transformiert werden, damit der Stab geheilt werden kann. Ihr beide müsst es gemeinsam tun, und du, Severus, musst es für sie tun. Bleibt die negative Energie, dann bleibt auch der Stab, wie er ist." ---
Die Erinnerung an die Worte Madam Malfoys brachte Hermine unvermittelt zu ihrem hauptsächlichen Problem zurück. Und ihr wurde klar, dass es nicht so weiter ging. Sie musste mit ihm reden. Die alte Dame hatte ihnen aufgetragen, ihr gemeinsames Problem zu lösen – und das würden sie auch tun.
So Merlin will.
Sie atmete tief durch und wandte sich Ron zu.
„Hör mal", sagte sie leise, „es tut mir Leid, aber ich habe keine Zeit mehr für dich. Geh bitte, wir reden später weiter. Und denk dran – ich komm hier klar. Allein. Okay?"
Er starrte sie an und schien nicht daran zu denken, ihrem Wunsch zu entsprechen; sie beschloss, nicht mehr auf ihn zu achten. Sie trat an Snapes Bürotür, hob den Arm und klopfte zweimal sehr laut und deutlich.
Die Tür öffnete sich verdächtig schnell; ihr kam der Verdacht, dass Snape mit der Hand an der Klinke hinter der Tür gestanden hatte.
„WAS NOCH?" schnauzte er Hermine an. Ron wich an ihrer Stelle leicht zurück; sie selbst zwang sich zu einer äußerlich entspannten Körperhaltung und versuchte, Snape finsteren Blick ohne Groll zu erwidern.
„Wir müssen noch etwas besprechen, Sir", sagte sie tapfer. „Bitte lassen Sie mich wieder rein."
Snape starrte sie an, als hätte sie den Verstand verloren, und sie stellte fest, dass es sie fast überforderte, seinem finsteren Blick standzuhalten. Sie hatte gewusst, dass es nicht einfach werden würde, aber in diesem Moment sank ihr Mut rapide.
„Ihre Unverfrorenheit ist bemerkenswert", sagte er schließlich eisig. „Oder Sie sind einfach taub, was angesichts Ihres Alters ebenfalls bemerkenswert wäre. Weitere zehn Punkte Abzug."
Mit diesen Worten trat er einen Schritt zurück, um die Tür wieder zu schließen. Hermine spürte, wie die Verzweiflung sie überrollte und jeden klaren Gedanken beiseite schob.
„Nun seien Sie doch nicht albern!" rief sie.
Einen Flügelschlag lang bestand Snapes Gesicht aus purer Verblüffung.
„Bitte?" machte er.
„'Tschuldigung, Professor", murmelte sie, ihre Wangen waren heiß, aber sie war nicht bereit nachzugeben. „Aber es ist zu wichtig. Lassen Sie mich rein. JETZT."
Snape starrte sie eine Sekunde lang nur an, dann entwich ihm ein spontanes, ungläubiges Lachen; seine gleichgültige, distanzierte Lehrermaske zerfiel wie eine Sandburg im Sturm. Am Rande bemerkte Hermine, dass Ron seinen Zaubertranklehrer fassungslos anstarrte.
„Sind Sie eigentlich noch zu retten, Miss Granger? War das gerade eine Forderung von Ihnen oder hat sich das nur so angehört!"
Hermine beugte sich ein wenig vor und sprach so leise wie möglich, als sie antwortete.
„Es tut mir Leid, Sir, aber ich habe wohl das Recht, Forderungen zu stellen. Sie haben nämlich meinen Zauberstab geschrottet."
Snapes Gesicht spannte sich merklich an. „Ihre Wortwahl ist bedenklich", bemerkte er kalt. „Sie reden nicht Ihrem Alter entsprechend."
„Ich rede meinem Ärger entsprechend", erwiderte Hermine und ballte die Fäuste vor unterdrückter Wut. „Aber von mir aus. Zer-bro-chen", korrigierte sie sich. „Sie haben ihn zerbrochen. Und wenn Sie mich jetzt nicht reinlassen, gehe ich schnurstracks zu Professor McGonagall und erzähle ihr genau das."
Seine Augen weiteten sich, und einen Augenblick lang war er völlig bewegungslos. Dann huschte sein Blick zwischen ihr und Ron hin und her, seine Hand schnellte hervor, und er packte sie mit einer fließenden Bewegung am Saum ihres Umhangs und zog sie unsanft in den Raum hinein. Dort angekommen, schmiss er die Tür mit einer Hand erneut zu, ohne mit der anderen Hermine loszulassen; in seinen schwarzen Augen loderte die Wut, und sie sah, wie seine Fingerknöchel an ihrem Umhangsaum hell hervortraten.
„Wie kannst du es wagen", flüsterte er, „auch nur den leisesten Versuch zu unternehmen mich zu erpressen?"
Die Intimität seiner Anrede und seine Nähe verursachten ein wirres, kribbeliges Gefühl in ihr. Andererseits konnte sie seine Wut und seine Fassungslosigkeit körperlich spüren, und unwillkürlich wich sie zurück. Im nächsten Moment ließ Snape ihren Umhang abrupt los, als hätte er sich verbrannt.
„Ich will doch nur mit Ihnen reden", erwiderte sie mit zitternder Stimme. „Sonst nichts. Wir hätten uns diesen Teil des Gesprächs sparen können, wenn Sie mich einfach wieder rein gelassen hätten."
„So", fauchte er. „Miss Granger will etwas, und ich tue es. Selbstverständlich! Verstehe ich Sie richtig?"
„Wohl kaum", keifte sie zurück, „sonst wäre die letzte Woche wohl kaum so katastrophal gewesen! Es geht mir um meinen Zauberstab, und der ist mir wichtig! Wir müssen zur Vernunft kommen, Professor, wir müssen reden. Wir müssen. Das hier muss ein Ende nehmen."
„Das hier nimmt ein Ende, indem Sie verschwinden", sagte er stur.
„Nein", erwiderte sie. „Sie können mich nicht dauernd herzitieren, mir befehlen, dass ich bleiben soll und mich dann wieder rausschmeißen, wenn es ungemütlich für Sie wird. So läuft das nicht."
Er lehnte sich zu ihr hin und kam ihr so nahe, dass seine Haarspitzen ihr Gesicht berührten. Sein Blick war fast mörderisch, und Hermines Herz blieb stehen. Dann sah sie, dass seine Augen zur Tür huschten. „Ich habe noch nie so sehr bedauert, dass ich über diesen Raum keinen Schallschutz legen kann", flüsterte er.
Sie brauchte einen Augenblick, bis ihre Gedanken sie zu Ron zurückführte.
„Das Problem lässt sich auch anders lösen", sagte sie mit wankender Stimme. Sie trat einen Schritt zurück; fluchtartig drehte sie sich um und stürzte zur Tür.
„RON!"
Bevor sie die Tür geöffnet hatte, wusste sie schon, dass ihr rothaariger Freund an der Bürotür klebte wie eine Stubenfliege. Jetzt war sie wirklich kurz davor, ihm das Fell über die Ohren zu ziehen.
„Verdammt, ich habe gesagt, du sollst verschwinden!" schrie sie ihn an. „Ich meinte das ernst!"
Er taumelte von der Tür weg und starrte sie entgeistert an.
„Du bist nicht ganz dicht, Hermine", sagte er. „Ich habe doch nur -"
„Du hast doch nur ignoriert, worum ich dich gebeten habe!" fuhr sie ihn an.
Er schüttelte nur den Kopf. „Was läuft hier ab?" flüsterte er.
Wenn ich das nur selber wüsste.
Sie sah, dass er der Wahrheit, sofern irgendjemand sie verstehen konnte, sehr, sehr nahe war. Ihre Wut verpuffte und machte der darunter liegenden Verzweiflung Platz. In diesem Moment wäre sie am liebsten weinend in Rons Armen zusammengesackt - einfach nur, weil sie Trost und Zuspruch brauchte. Aber sie schüttelte nur ebenso den Kopf wie er.
„Ich ... ich weiß dass es dir seltsam vorkommt", sagte sie erschöpft. „Das ist es auch, wahrscheinlich. Aber es ist okay. Und es ist nichts, das mit Getöse und Zauberstabgefuchtel gelöst werden kann."
Tief in ihrem Innern entstand ein kleines Grinsen; sie wusste, dass Snape sie gehört hatte.
„Geh jetzt, geh!" sagte sie. Sein sturer Gesichtsausdruck ließ sie wieder heftiger werden. „Herrgott nochmal! Meinetwegen hast du dann was gut bei mir, aber BITTE tu jetzt, was ich sage und LASS MICH DAS HIER ALLEIN KLÄREN! BITTE, RON!"
Sie wusste, dass Ron es nicht leiden konnte, wenn sie ihn anschrie. Andererseits hatte sie ihn gerade inständig um etwas gebeten, und da konnte er nicht gut nein sagen. Sie konnte sehen, wie er mit sich selbst haderte; was am Ende den Ausschlag gab, dass er sich zurückzog, hätte Hermine nur zu gern gewusst.
Er schoss einen zornigen Bick auf sie ab, dann drehte er sich um und ging. Hände in den Umhangtaschen, Schultern hochgezogen, lief er ohne ein weiteres Wort den Kerkergang entlang. Sie sah seinem roten Haarschopf nach, bis er außer Sichtweite geriet, und lauschte noch seinen sich entfernenden Schritten, um ganz sicher zu gehen, dass er nicht zurückkam.
Dann drehte sie sich um und kehrte ins Büro zurück, ohne sich zu wundern, dass die Bürotür noch angelehnt gewesen war. Snape saß inzwischen an seinem Schreibtisch; als sie eintrat, verschränkte er die Arme vor der Brust und gab sich nicht die geringste Mühe so zu tun, als hätte er nicht gelauscht.
„Ich bin beeindruckt", sagte er ätzend. „Sieht so aus, als hätten Sie Ihren Freund doch ganz gut im Griff."
„Hören Sie auf damit", schnappte Hermine müde. Sie verstand nicht, warum er sich so gehen ließ; es war einfach lächerlich.
„Warum denn?" zwitscherte er. „Ich stelle nur die Tatsachen fest. Ihr Freund ist genau, was Sie brauchen, er tut exakt das, was Sie von ihm wollen. Zwar etwas zeitverzögert, aber was will man von einem Weasley anderes erwarten, die waren schon immer schwer von Begriff."
In den Tiefen ihrer Umhangtaschen ballte Hermine die Fäuste.
„Hätten Sie die Güte, das Wort Freund nicht so lächerlich zu betonen?" sagte sie gepresst.
„Niemand zwingt Sie, dieses Gespräch fortzusetzen", erwiderte Snape und schaffte es tatsächlich, gelangweilt zu klingen. „Es ist ein Jammer, dass Sie überhaupt noch hier sind. Sie hätten die Gelegenheit nutzen und mit ihrer persönlichen Eskorte verschwinden sollen. So müssen Sie jetzt den ganzen langen Weg aus den Kerkern heraus allein zurücklegen. Ob sie das wohl hinbekommen? Sie sind doch so ungern allein."
Hermine starrte ihren Tränkelehrer an und gab sich keine Mühe mehr, ihren Ärger im Zaum zu halten.
„Und SIE sind gern allein, oder was?" platzte sie heraus. „Machen Sie mir doch nichts vor. Niemand ist gern allein! Sie sind doch nur neidisch auf die paar Menschen, die mir nahe stehen!"
„HALT DEN MUND!" fauchte Snape; er fuhr hoch, und der Stuhl hinter ihm fiel um und knallte auf den Boden. Sein Ausbruch ließ Hermine vor Schreck zusammenfahren, und unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück.
Da hab ich wohl in ein Wespennest geschossen, was, Professor?
Er blieb hinter seinem Schreibtisch stehen, legte die Hände auf die Tischplatte und atmete sichtbar durch.
„Raus."
Seine Stimme war seltsam gepresst; sie wusste, es war ihm bitterernst. Aber ihr war es genau so ernst - sie konnte jetzt nicht gehen, nicht jetzt.
„Nein."
Snape warf ihr einen hasserfüllten Blick zu und riss seinen Zauberstab aus der Tasche. Seit Hermine keinen eigenen Stab mehr hatte, erschrak sie jedesmal halb zu Tode, wenn der Mann mit seinem Zauberstab vor ihrer Nase herumfuchtelte. Aber er zielte lediglich auf die Bürotür, die sich mit einem lauten Knall öffnete.
„Wird's bald?"
Er wies mit einer zornigen Geste Richtung Tür. Hermine schüttelte mit schmerzhaft klopfendem Herzen den Kopf. Sie war sich sicher, dass zwischen ihnen nichts, aber auch gar nichts mehr möglich sein würde, wenn sie nach diesem völlig missglückten Wortwechsel sein Büro verließ.
Snape gab einen fauchenden Laut von sich und stürzte auf sie zu; mit drei großen Schritten war er bei ihr. Ganz nahe. Seine schwarzen Augen durchdrangen sie, er neigte den Kopf, und der Blickkontakt brach ab. Sie konnte seinen warmen Atem auf ihrem Hals spüren. Ihre Wut auf ihn vermischte sich mit Angst und einem schwammigen, zittrigen Gefühl, als sie den Duft seiner Haut und seiner Haare wahrnahm. Und dann griff er ohne zu zögern in ihre Haare hinein. Sie erschrak, denn das war eine Berührung, die keine Zärtlichkeit, sondern Gewalt versprach; seine Finger drückten sich in ihren Hals und hielten ihren Nacken fest wie ein Schraubstock.
„Lassen Sie mich los", wisperte sie.
„Sie müssen nur die Tür von außen schließen", flüsterte er direkt in ihr Ohr. „Es ist ganz einfach."
Sie schüttelte den Kopf; er würde schon schwerere Geschütze auffahren müssen, um sie loszuwerden.
„Verschwinden Sie", zischte er, „und gehen Sie zu ihren ... zu ihren ..."
„Freunden?" rief Hermine und trat einen Schritt zurück. Snape blieb stehen, wo er war, er lockerte seinen Griff und seine Hände glitten aus ihren Haaren heraus. „Meinen Sie das? Das Wort ist ganz leicht. Freunde, Freunde, Freunde! Genau, meine Freunde. Das sind sie. Nicht mehr und nicht weniger!"
Er machte ein abfälliges Geräusch.
„Oh, so ein Pech für Sie", flüsterte er. „Ich weiß es besser. Und Weasley weiß es mit Sicherheit ebenfalls besser, sonst würde er sich Ihnen gegenüber nicht zum heldenhaften Ritter aufschwingen."
Was zur Hölle meint er?
Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren. Ihr Verstand ratterte fast hörbar, während sie fieberhaft überlegte, worauf Snape anspielte. Und dann fiel es ihr endlich ein.
--- ... Eintrag vom 14.02.xx: Heute ist Valentinstag. Die ganze Schule knutscht rum und schenkt sich gegenseitig blöde Karten. Die Veela aus Beauxbaton sind regelrecht überhäuft worden mit Geschenken, einfach widerlich. Nein, natürlich bin ich nicht neidisch ... Woher auch. Außerdem hat Viktor mir auch eine Karte geschrieben. Aber ich hatte so sehr gehofft, dass Ron mir eine schreibt. Dieser Blödmann. Ich hatte gehofft, dass er sich darüber klar wird, was bei ihm abläuft. Warum er mir den Weihnachtsball vermiest hat, warum er wütend wird, sobald er Viktors Namen hört ... Er tut natürlich so, als sei alles in bester Ordnung, aber er platzt vor Eifersucht. Und er würde es nie zugeben. Jungs sind so schrecklich anstrengend. ... ---
Hermine spürte, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich. Sie öffnete den Mund, aber ihr fehlten schlichtweg die Worte.
Snape schien ihr Schweigen als Schuldeingeständnis zu werten. Er gab einen verächtlichen Laut von sich und trat wieder einen halben Schritt zu ihr hin, um ihr tief in die Augen zu sehen. Er stand so nahe bei ihr, dass ihre ihre Nasen sich fast berührten; in seinem Blick lag eine stumme Herausforderung, aber schließlich wandte er ruckartig den Kopf ab, als sei es ihm zuwider, sie weiter anzusehen.
Dieser selbstgerechte Mistkerl!
„Na vielen Dank", sagte sie mit zitternder Stimme. „Damit wär dann alles geklärt, ja? Sie lesen einen Tagebucheintrag, der etliche Jahre her ist, und schlussfolgern, was sie wollen! Und dann sind Sie der Überzeugung, dass das der Wahrheit entspricht? Ist das Ihr Ernst?"
Snape antwortete nicht; er stand reglos da, kaum mehr als einen halben Meter von ihr entfernt, seine schwarzen Haare verdeckten halb sein Gesicht, und er starrte ein Loch in den Fußboden. Irgendwie erinnerte sie sein stures Verhalten plötzlich sehr an das von Ron.
„Verdammt, ich rede mit Ihnen!" fauchte sie impulsiv. „Wie selbstgerecht kann ein Mensch sein? Sie meinen wohl, Sie wüssten alles von mir!" Ihre Stimme kippte, und ihre Hände bebten; in diesem Moment wäre sie ihm am liebsten an den Hals gesprungen. „Ist das Ihre Art Menschen kennen zu lernen? Sie lesen ein paar lumpige Einträge in meinem Tagebuch und glauben, dass Sie jetzt alles über mich wissen, ja?"
„Jedenfalls weiß ich genug", sagte er gepresst, ohne sie anzusehen. Es war offensichtlich, dass ihm diese Wendung des Gesprächs unangenehm war. Sie spürte, dass seine Sicherheit, was ihre 'Beziehung' mit Ron Weasley betraf, ins Wanken geraten war, aber inzwischen ging es gar nicht mehr um Ron und sie.
„Ach ja?" zischte Hermine und warf ihm einen zornigen, herausfordernden Blick zu. „Was wissen Sie denn alles von mir?"
Im selben Moment wollte sie die Frage zurücknehmen oder ungeschehen machen; aber es war zu spät.
„Ich weiß", erwiderte er tonlos, „dass Sie im ersten Jahr in Hogwarts solches Heimweh hatten, dass Sie Ihre Eltern baten, Sie wieder von der Schule zu nehmen."
Erst jetzt wandte er sich ihr zu, und sie konnte in seinen schwarzen Augen eine stumme Herausforderung sehen. Sie wusste, sie sollte ihn unterbrechen, aber sie tat es nicht.
„Ich weiß", fuhr er mit einem sauren Gesichtsausdruck fort, „dass Sie diesen Hanswurst Lockhart verehrt haben und später hofften, dass es nie jemand bemerkt hat." Seine Augen glänzten und sprachen Bände.
Er hat es bemerkt. Er hat es schon damals bemerkt! Scheiße.
„Ich weiß, dass Sie im zweiten Jahr Vielsafftrank gebraut haben und mich bestohlen haben, um sich die Zutaten zu beschaffen. Ich weiß, dass Weasley einmal einen Monat lang nicht mit Ihnen gesprochen hat, weil Sie ihn verdächtigt hatten, beim Zauberschach zu schummeln – und dass Sie sich nie bei ihm entschuldigt haben, weil Sie es immer noch nicht fassen können, dass dieser Idiot in diesem Spiel besser ist als Sie."
Hermine war inzwischen tiefrot. Ihr Herz klopfte wie verrückt, sie schwankte zwischen Scham und unbändigem Zorn, und sie spürte, dass sie dieses Gespräch stoppen musste. Aber sie konnte nichts tun; sie traute ihrer Stimme nicht über den Weg.
Snape wandte sich ihr nun direkt zu und sah sie mit einem intensiven Blick aus seinen schwarzen Augen an, den sie überhaupt nicht deuten konnte.
„Sie essen gern Schokolade und konnten schon vor Ihrem zweiten Geburtstag vollständige Sätze sprechen. Sie würden gern Klavierstunden nehmen, wenn Ihnen die Zeit dafür bliebe." Er schloss die Augen, bevor er weiter sprach. „Und ich weiß, dass Sie im Alter von fünfzehn Jahren und zehn Monaten Ihre ... erste sexuelle Begegnung hatten."
Sie fühlte sich, als würde sie fallen, tief, tief fallen. Sekundenlang starrte sie ihn nur an; er öffnete die Augen wieder und erwiderte ihren Blick regungslos. Sie konnte es einfach nicht fassen, dass er das gesagt hatte. Die ganze Situation kam ihr so unwirklich vor ...
An diesem Punkt des Gesprächs riss in ihr ein Faden, der bisher ihren Verstand und ihr Herz zusammen gehalten hatte. Und das Gespräch lief völlig aus dem Ruder.
„Oh", sagte sie, „ja. Doch. Das ist ... beeindruckend." Sie schluckte. „Ich denke, ich sollte Ihnen gratulieren ... damit rücken Sie auf zu meinem engsten Vertrauten. Solche Dinge wissen nämlich nicht einmal Ron und Harry von mir." Sie hörte den harten, schneidenden Klang ihrer Stimme und wollte sich selbst stoppen, aber es ging nicht. Sie schüttelte heftig den Kopf. „Aber Sie sind doch so blitzgescheit, es muss Ihnen doch klar sein, dass in einem Tagebuch nicht alles stehen kann. Es gibt noch ein paar Dinge, die Sie nicht wissen! Macht Sie das nicht nervös?"
Ein kleiner, wacher Teil ihres Bewusstseins schrie sie an, dass sie nicht so mit Snape reden sollte. Er selbst war sichtlich bleich geworden, aber er sagte nichts, und sie war so in Fahrt, dass sie ihn ohnehin nicht zu Wort kommen gelassen hätte.
„Ich mach es Ihnen leicht", flüsterte sie. „Bevor Sie jetzt per Legilimentik in mein Gehirn kriechen und auch noch die letzten Erinnerungen an sich reißen, sage ich sie Ihnen lieber gleich."
Sie trat schwungvoll einen Schritt vor, so dass ihre Haare nach vorn flogen, stützte beide Hände auf dem Schreibtisch auf und lehnte sich ihm entgegen. Sie fixierte ihn mit einem Blick, der auch einem ehemaligen Todesser nicht gleichgültig sein konnte. Snape erwiderte ihren Blick reglos, aber sie konnte sehen, dass er sich gerade zwingen musste, nicht zurückzuzucken.
„Ich bin das erste Mal von meinem Cousin Peter geküsst worden, da war ich acht. Ein ekliger, schwitzender Freund von meinem Vater hat mich mal betatscht und mir seine Zunge in den Mund gesteckt ... da war ich zwölf. Das war grauenhaft ... und ich habe es nie jemandem erzählt."
Sie hielt den fassungslosen Blick ihres Professors fest und sprach mit heftig klopfendem Herzen weiter. „Mit vierzehn habe ich bei Florish & Botts versucht ein Buch zu ... ich meine ... auszuleihen, ich hatte kein Geld und hätte es zurückgebracht ... aber Mr. Florish hat mich erwischt hat versucht mich deswegen zu erpressen." Sie atmete tief durch. „Können Sie sich das vorstellen, Professor?" sagte sie. „Dieses Schwein wollte eine vierzehnjährige Schülerin zu Sex zwingen, weil sie bei ihm ein Buch geklaut hat! Und ich, raten Sie, was ich gemacht habe?"
Er starrte sie entsetzt an und schwieg. Aufhören, sagte sein Blick. Hör auf.
„Ich habe ihn obliviert!" schrie Hermine. „Und zwar etwas übergründlich! Falls Sie sich erinnern, hatte Mr. Florish vor ein paar Jahren einen Unfall und wurde anschließend mehrere Monate lang in St. Mungos behandelt! Und ICH habe das auf dem Gewissen!"
Ein kleines Glas zersprang hinter Snape im Regal, und der Tränkemeister zuckte kaum merklich zusammen. Eine ölige, braune Flüssigkeit ergoss sich über das Regal und tropfte auf den Fußboden, aber keiner von ihnen kümmerte sich darum.
„Und was hätten wir denn da noch, um Sie zu unterhalten? Ach ja – meine erste Monatsblutung hatte ich mit dreizehn. In den Sommerferien habe ich Marihuana geraucht ..." Hermine spürte, wie ihre Augen feucht wurden. Und sie konnte einfach nicht aufhören zu reden – sie wollte wirklich, aber sie konnte nicht. „Und wenn Sie es genau wissen wollen, meinen ersten Orgasmus hatte ich, als ich mir vorstellte, dass Viktor mir beim Quidditchturnier eine Hand unter den Rock schiebt! Und als ich später mit ihm geschlafen habe, habe ich am nächsten Tag nur geheult, weil mir klar geworden war, dass er mir gar nichts bedeutet!"
Snape starrte sie blass und mit geweiteten Augen an. Er sagte immer noch kein Wort, aber sein Blick bat sie inständig darum aufzuhören. Und immer noch konnte sie nicht aufhören zu reden. Aber sie spürte, wie eine unendliche Erschöpfung sie jetzt überrollte.
„Und dieses Jahr ..." sie wurde leiser und sprach nur mühsam weiter, „dieses Jahr ist mir was ganz besonders Verrücktes passiert. Das müssen Sie unbedingt wissen." Ihr liefen jetzt die Tränen übers Gesicht. „Ich habe mich ... verliebt, zum ersten Mal. Einfach so, aus heiterem Himmel. In ... in jemanden, der ... ein Mistkerl ist und ... mein Pro - Profe -"
„Aufhören."
Es war, als erwachte Snape aus einer tiefen Starre. Das Wort stürzte aus ihm heraus, und im gleichen Moment fing Hermine so heftig an zu weinen, dass ihre Knie weich wurden; sie bemerkte kaum, dass der Tränkemeister sich von seinem Sessel erhob und auf sie zukam.
„Hermine."
Plötzlich war er ganz nahe. Sie gab einen klagenden Laut von sich, verschluckte sich an ihren Tränen und versuchte an ihm vorbei zu kommen. Aber er packte sie bei den Handgelenken und zog sie auch noch an sich, anstatt sie gehen zu lassen. Sie schüttelte den Kopf und bekam einen Schluckauf, aber er ließ sie nicht los. Konnte er sie denn nicht in Ruhe lassen? Zumindest jetzt?
„Aufhören", wiederholte er. „Hör auf damit. Sofort."
Hermine drehte den Kopf hilflos von ihm weg, sie wollte nicht, dass er ihr vom Weinen verzerrtes Gesicht sah. Aber der starke Griff um ihre Handgelenke hatte sie so erschrocken, dass die Heftigkeit ihres Gefühlsausbruches so schnell nachließ, wie er gekommen war. Übrig blieb ein leises, stetiges Schluchzen, ein gelegentliches Hicksen und das unbändige Bedürfnis, allein zu sein und sich auf den Boden sinken lassen zu können. Ihre Schultern zuckten unkontrolliert, und sie sog den Duft des Mannes vor ihr ein, ohne es zu wollen.
„Aufhören." Er sagte es immer wieder. „Hör auf."
Es war ein Mantra, das er minutenlang sprach, während sie leise weinte und nach einer Weile ihre Stirn gegen seine Schulter lehnte. Er war ihr so nahe, dass seine tiefe Stimme in ihrem ganzen Körper vibrierte. Sie hielt den Kopf gesenkt und spürte, wie die Erdanziehung sie nach unten zog. Und plötzlich gaben beide nach, sie und er - Snape ließ ihre Handgelenke nicht los, aber die Spannung an den Armen war plötzlich weg, und Hermine fand sich mit dem Mann neben ihr auf dem Boden sitzend wieder.
Dann war es endlich vorbei. Der Schluckauf verebbte, die Tränen versiegten. Sie verschluckte ihre letzten Jammergeräusche und wischte sich nachlässig über das nasse Gesicht. Nur ganz am Rande nahm sie wahr, dass Snape irgendwie an ihrem Umhang herumfummelte; sie zog die Beine an, schlang die Arme um die Knie und ließ den Kopf sinken.
Dann spürte seine kühlen Finger an ihrer Hand. Ehe sie es sich versah, hatte er ihr etwas in die Hand gedrückt; und sie wusste auch gleich, was es war. Madam Malfoys Stein. Sie umschloss den kleinen Stein mit ihren Fingern und spürte sofort, wie sie nur durchs Atmen Energie aus dem Stein heraus- und in sich hineinzog; ein Hauch von Ruhe durchströmte sie. Warum nur hatte sie gar nicht mehr daran gedacht? Mehr, sie wollte mehr davon. Und sie wollte sich bei Snape bedanken, aber sie wusste nicht wie.
Er hat es gar nicht verdient, dass ich mich bei ihm bedanke.
Ihr Verstand wollte bereits wieder seine Arbeit aufnehmen. Die Dinge benennen, unterscheiden, bewerten. Aber es ging nicht. Ihr Kopf war verkleistert, die Gedanken schwirrten sinn- und ziellos umher, und schließlich ließ sie das Gesicht in ihre offenen Hände hineinsinken und kapitulierte.
„Ich kann nicht mehr", flüsterte sie. Und sie wusste, dass es stimmte. Bislang hatte sie immer gehofft, dass sie genug Kraft für diese immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen sich und dem Tränkemeister hatte. Aber sie hatte nicht genügend Kraft, denn diese Auseinandersetzungen nahmen kein Ende. Und – schlimmer noch – sie führten ins Nichts.
Und dann spürte sie fassungslos seine Hand in ihren Haaren. Er schob eine ihrer Haarsträhnen zurück und strich ganz leicht über ihren Kopf. Sie erschauderte unter dieser sanften Berührung und wollte mehr davon, sie verspürte den Impuls, ganz nahe an ihn heran zu rücken und sich an ihn zu schmiegen; sie spürte, dass er es zulassen würde. Aber ein Teil von ihr wollte aber auch seine Hand abschütteln und von ihm abrücken. Sie konnte nicht mehr denken, und auch ihre Intuition war erschöpfungsbedingt weitgehend abgeschaltet. Sie wusste gar nichts mehr – vielleicht abgesehen davon, dass sie in Kürze ein Loch graben und sich einbuddeln würde angesichts all der Dinge, die sie ihrem Tränkelehrer eben offenbart hatte. Aber sie war sogar zu erschöpft, um sich darüber zu grämen.
Sie würde noch Zeit genug dafür haben.
Sie spürte noch einen Moment lang seine Hand auf ihrem Kopf; ihre widerstreitenden Impulse lähmten sie, also hielt sie einfach still und genoss seine Berührungen. Dann ließ er seinen Arm sinken und blieb neben ihr sitzen. Sie sah ihn nicht an. So saßen sie lange da, nebeneinander auf dem kalten Steinboden kauernd, bis Hermine ernsthaft kalt wurde. Als sie sich regte, reagierte Snape sofort und stand noch vor ihr auf. Sie hatte wieder einen perfekten Blick auf seine schwarzen Hosenbeine und die Ausläufer seines voluminösen Umhangs; das beschleunigte ihre Entscheidung, ebenfalls aufzustehen. Snape streckte ihr eine Hand entgegen, und sie nahm sie ohne nachzudenken. Er zog sie sachte auf die Füße und ließ ihre Hand sofort wieder los; dann standen sie direkt voreinander und sahen sich schweigend an.
Sie war erschrocken, wie schlecht er aussah. Sein Blick war so offen, dass es sie schmerzte. Seine Lehrerattitüde war völlig verschwunden; er war einfach ein dünner Mann in Schwarz, der blass, angespannt und unglücklich wirkte.
„So geht es nicht weiter", sagte er leise. „Du wirst nicht mehr hierher kommen." Gedankenverloren klopfte er sich den Staub von der Hose, er schien gar nicht zu bemerken, dass er immer noch so vertraut mit ihr sprach, als wäre sie jemand anders. „Ich werde unser Problem morgen lösen ... und du wirst deinen Zauberstab zurück erhalten. All das wird der Vergangenheit angehören ..."
Hermine fröstelte, als er das sagte. Sie wusste nicht einmal, was er meinte, aber es klang so ... endgültig. So, als sei das alles, was er noch dazu zu sagen hätte. Es tröstete sie nicht, dass er selbst auch nicht gerade glücklich mit dieser Lösung schien, die er sich da ausgedacht hatte.
„Das alles hätte nie passieren dürfen", flüsterte er.
Vielleicht musste es so passieren. So und nicht anders. Bitte schick mich nicht weg.
Aber sie wusste, dass er Recht hatte. Sie musste jetzt gehen – es machte keinen Sinn mehr, dass sie weiter Zeit miteinander verbrachten. Die Hälfte der Zeit, die sie zusammen verbrachten, liefen sie Gefahr, sich gegenseitig an die Gurgel zu springen. Und inzwischen hoffte Hermine nicht mehr, dass sich daran etwas ändern würde, nur weil sie zwischendurch fast normal miteinander sprachen ... Es war zu viel geschehen, sie hatten zu viele Fehler gemacht, beide. Und es war dementsprechend viel Wut zwischen ihnen, die immer wieder unkontrolliert hochschäumte.
Und doch, sie wollte nicht gehen. Sie verstand selbst nicht, warum sie nicht wollte, denn gleichzeitig hasste sie ihn. Aber ihre Wut auf ihn schmolz zu einem müden Gefühl von Hilflosigkeit, wenn er sie berührte ... wenn er sie so ansah wie jetzt ... wenn er so vor ihr stand und einen so müden, bekümmerten Eindruck machte.
Welche Lösung gibt es? Es gibt keine. Diese Wut wird immer zwischen uns sein. Aber diese Wut hat doch gestern verhindert, dass Madam Malfoy meinen Zauberstab reparieren konnte. Wie will er nur sicher stellen, dass sie den Stab morgen reparieren kann?
Er ging langsam zur Tür und öffnete sie; Hermine folgte ihm und trat über die Schwelle, drehte sich dann aber noch einmal zu ihm um.
Er sah sie an. „Morgen wird das alles vorbei sein", sagte er leise.
Der Satz ging ihr durch Mark und Bein, und ein Kloß bildete sich in ihrem Hals. Was meinte er nur damit? Sie wollte ihm widersprechen, aber sie wusste nicht, was sie sagen sollte.
Morgen wird alles vorbei sein ... Seine Worte schienen im Raum hängen zu bleiben, widerzuhallen. Und im nächsten Moment griff er nach ihr, seine Finger umfassten ihre Wange und ihren Hals, und er zog sie an sich. Bevor sie realisieren konnte, was geschah, küsste er sie schon. Seine Heftigkeit überrumpelte und erschreckte sie - es war keine zärtliche, sanfte Annäherung, sondern ein fester, fast grober Kuss voller Verzweiflung. Und doch, ihr Körper geriet in Aufruhr, und sie versuchte instinktiv, den Druck seiner Lippen ein wenig abzumildern, um seinen Kuss überhaupt erwidern zu können. Sie bewegte ihre Unterlippe gegen seine und schmiegte sich an seinen Körper. Sie hörte ihn unterdrückt stöhnen; dann brach er den Kuss auch schon ab, und sie spürte seinen Mund an ihrer Wange, an ihrem Ohr. Er vergrub das Gesicht in ihren Haaren.
„Verzeih mir", flüsterte er. Die Worte waren kaum hörbar gewesen; im nächsten Moment war sie schon nicht mehr sicher, ob sie sie sich eingebildet hatte.
Und dann löste er sich von ihr. Alles geschah wie in Zeitlupe, sie spürte, wie seine Nase an ihrem Hals entlang strich, ihre Haare schwangen wieder zurück, und Severus Snape stand vor ihr und sah sie an. Er hatte die Hand nicht weggenommen, seine Handfläche berührte immer noch sachte ihren Kieferknochen. Mit dem Daumen strich er sanft über ihre Wange, und seine schwarzen Augen glänzten wie im Fieber. Und endlich trat er den unvermeidlichen Schritt zurück, schloss kurz die Augen und schloss die Tür.
Den Weg zurück in den Gryffindor-Turm nahm sie kaum wahr. Irgendwann fand sie sich im Gemeinschaftsraum wieder, wo sie sorgfältig versuchte, nur ein Gewirr von Menschen zu sehen und keine einzelnen Personen; sie lief in den Schlafraum, der glücklicherweise leer war, und warf sich voll bekleidet aufs Bett. Sie schloss die Augen, aber sie wusste, sie würde keinen Schlaf finden. Denn Severus Snape, Hogwarts gefürchteter Tränkelehrer und ehemaliger Todesser, hatte sie geküsst, ohne den Einfluss des Emotionstrankes und ganz anders als damals im Krankenflügel ... Er hatte sie geküsst, und als er sie danach angesehen hatte, war ihr völlig klar gewesen, was dieser Kuss zu bedeuten hatte.
Es war ein Abschiedskuss gewesen.
t.b.c.
Na sowas ... schon wieder kein richtig schönes Kapitelende. °indeckunggeh° Seht es positiv, das Kapitel war ganz lang, ich habe es entgegen ursprünglicher Absicht nicht nach 2/3 der Länge irgendwo fies abgeschnitten ... °gg° ... und die Geschichte ist noch nicht zuende. Die nächste Wendung folgt demnächst in diesem Theater. :D
Wie auch immer – lasst mir was hier, bitte. Virtuelle Stofftiere, Fragen, Beschwerden, Kniefälle, angebissene Muffins – mir egal. °ggg°
(Neulich hab ich in den Stats gesehen, dass hier immer mehr Leute lesen und prozentual immer weniger reviewen, woran könnte das liegen? °hmpf°)
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An die ReviewerInnen gehen wie jedesmal je nach Bedarf Verbeugungen, Muffins und/oder virtuelle Küsschen. :P Ihr rettet meine Tage, ehrlich.
Hier noch die Antworten an die ohne-mailaddy-Mädels:
TiniSnape: Danke, freut mich, dass die Geschichte dir gefällt. :) Anonyme Reviews sind für mich kein Problem. :o)
solanacea: Wow, vielen Dank für dein Lob. :D Und den Vorwurf der Grausamkeit, pöh, den weise ich von mir. Ich will doch nur das Beste für Hermy. °evilgrin° :P
Nightowl: Dank auch dir. Jaaa, genau, das gibt Probleme – ein Snape ohne Probleme ist kein wahrer Snape. °gg°
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