London, den 22. Oktober

Sehr geehrter Herr Professor,

in der Tat hat mich die Ankunft Ihrer Eule sehr erstaunt - und außerdem noch in einem sehr ungünstigen Moment überrascht. Ihre Eule hat allerdings sehr gut auf sich aufmerksam gemacht; die Vorräte an Süßigkeiten meines Geschäftspartners hatten bereits rapide abgenommen, bis wir sie zwischen all den anderen Eulen von Bittstellern und Kunden ausfindig machen konnten.
Der Name Ihrer Eule hat mich umso mehr erstaunt; lautet er doch übersetzt "Die Leuchtende", was man von ihr leider nicht wirklich behaupten konnte.
Aber vielleicht ist das Ihre Art von Humor, falls Ihnen dieser Wesenszug überhaupt nahe ist.

Es freut mich trotz der hier herrschenden Lage zu hören, dass Ihnen unser Geschäft offensichtlich von mehreren Personen empfohlen worden ist.
Mein Geschäftspartner und ich müssen jedoch im Augenblick ziemlich viel neu ordnen; aber ich will Sie nicht mit Dingen, die Ihr Interesse in keinster Weise wecken dürften, langweilen.

Zumal Ihre Meinung über meinen eingeschlagenen Berufsweg keinen Zweifel offen lässt. Aber lassen Sie mich hierzu erwähnen, dass man von einem so qualifizierten Lehrmeister wie Ihnen eigentlich erwarten können sollte, dass man sich eine Meinung erst bildet, wenn man Kenntnis über die Gesamtumstände einer Angelegenheit hat. Da ich glücklicherweise nicht mehr eine Ihrer Schülerinnen bin, der Sie bei offenen Worten mal eben voller Freude ein paar oder auch ein paar mehr Hauspunkte abziehen können, lassen Sie mir die Freiheit zu sagen, dass mich eben diese Voreingenommenheit von Ihnen allerdings in keinster Weise verwundert.

Daher also zu Ihrem Buch-Wunsch: Auch ich habe bereits bei der einen oder anderen Gelegenheit von einer solchen Niederschrift gehört, habe jedoch, wie Ihnen wohl klar sein dürfte, kein Exemplar vorrätig. Auch wenn mir nicht ganz klar ist, wozu Sie solch ein Werk benötigen, und eben weil gerade Sie mir versichern, nichts Unlauteres damit zu bezwecken, sollte ich wohl misstrauisch sein; ich hege jedoch einen Verdacht, und so werde ich versuchen, an ein solches Buch zu gelangen.

Ich muss Sie jedoch um etwas Geduld bitten, zumal ich, wie bereits erwähnt, derzeit einige berufliche Schwierigkeiten zu bewältigen habe.

Seien Sie jedoch versichert, dass mir viel daran gelegen ist, an ein solches Buch zu gelangen, wenn auch nicht Ihretwegen, sondern aus eigenem Interesse, auch wegen meines Verdachts.

Sobald ich etwas in Erfahrung bringen konnte, werde ich eine unserer Eulen schicken.

Hermine Granger