3.
Hogwarts, den 26. Oktober
Sehr geehrte Miss Granger,
verzeihen Sie mir, dass ich Ihren letzten Brief nicht unbeantwortet lassen kann. Ich denke Ihre offenen Worte haben eine ehrliche Antwort verdient, zumal ich gestehen muss, dass ein Briefwechsel mit Ihnen mir weitaus reizvoller erscheint, als ein Gespräch mit meinen Kollegen über das letzte Quidditchmatch. Slytherin hat übrigens im letzten Spiel Gryffindor geschlagen.
Keineswegs war es meine Absicht, dass meine Eule die gesamten Bestände an Süßigkeiten Ihres Geschäftspartners vertilgt. Leider scheint ihr das auch nicht besonders gut bekommen zu sein, da sie kaum in der Lage war das Schloss zu erreichen und den Inhalt ihres Magens quer durch mein Büro verteilte. Den finanziellen Schaden werde ich Ihnen selbstverständlich ersetzen.
Flourish & Blotts beschäftigt für die Lieferungen eine Hilfskraft. Ich hätte wissen müssen, dass ich so etwas bei Ihnen nicht als selbstverständlich vorsetzen darf.
Apropos Hilfskraft, Ihr Geschäftspartner ist nicht zufällig einer gewisser Horatio Blohm? Hufflepuff, wenn ich nicht irre. Klein, dick, mit einem Hang zu allem was süß ist und bis ich auf Mr. Longbottom traf die Zierde meines Zaubertrankunterrichtes? Ich bin neugierig Miss Granger, wo haben Sie diese armselige Gestalt aufgegabelt? Soweit ich mich erinnere, konnte er ein Buch selbst mit einer dickglasigen Brille kaum von einem Stück Toilettenpapier unterscheiden. Ich hoffe jedoch ich irre mich. Selbst Sie sollten es besser wissen. Oder hat er vielleicht andere Qualitäten?
Jedoch muss ich im Namen von Phoebe eine gebotene Entschuldigung einfordern. Wiewohl mir selbstverständlich bekannt ist, dass der Vogel einer fast krankhaften Zuckersucht verfallen ist, ist sie eine absolut zuverlässige Posteule, die bisher immer ihren Weg gefunden hat.
Hätten Sie sich die Mühe gemacht ihr in die Augen zu schauen, würden Sie mit Leichtigkeit meine Namenswahl verstehen.
Es scheint sich bei ihrem Schokoladenwahn um eine Art Frustbewältigung zu handeln, ihre beste Freundin, eine Schneeeule, ist vor zwei Jahren leider mit Ihrem Jahrgang entschwunden.
Sie machen mich mit jedem Satz Ihres Briefes neugieriger Miss Granger, langweilen Sie ruhig Ihren alten Zaubertrankprofessor. Sie schrieben von der „herrschenden Lage" und „Neuordnung" Ihres Geschäftes. Sollte doch nicht alles so glatt in Ihrem Leben verlaufen wie gedacht? Sie sind doch nicht etwa jetzt schon an Ihre Grenzen gestoßen? Sie würden mich schwer enttäuschen Miss Granger, zumal ich mir Sorgen machen müsste, ob Sie überhaupt in der Lage wären, mein Auftrag auszuführen.
Selbstverständlich haben Sie Recht Miss Granger, ohne mir ein Bild der Gesamtsituation machen zu können, ist es vollkommen unangebracht von mir, zu einem Meinungsbild zu kommen, dass Ihnen vielleicht ins keinster Weise gerecht wird.
Ich bin selbstverständlich bereit meine mir über mittlerweile neun Jahre gebildete Meinung zu revidieren. Erleuchten Sie mich!
Das gefällt Ihnen sicher, oder? Oh, ja Miss Granger, Hauspunkte kann die Fledermaus aus dem Kerker Ihnen nicht mehr abziehen, wie außerordentlich frustrierend in der Tat. Nun ja, morgen habe ich wieder eine Klasse Gryffindordummköpfe, der ich beibringen muss, wie man einen einfachen Erkältungstrank braut. Jeder abgezogene Punkt wird ein Granger-in-Memoriam-Punkt sein. Ich werde es genießen, oh ja Miss Granger, das werde ich.
Allerdings scheint meine Meinung Ihnen doch noch sehr am Herzen zu liegen, sonst würden Sie sich nicht zu derartigen Äußerungen hinreißen lassen.
Als ich Ihre Zeilen las, habe ich darauf mit einem Glas Old Odgens Feuerwhiskey angestoßen, Granger Know-it-all wie sie leibt und lebt. Ich muss zugeben, dass ich Ihren Widerspruchsgeist und Wissensdurst in den vergangenen zwei Jahren doch vermisst habe. Niemand konnte Ihnen in dieser Hinsicht das Wasser reichen.
Ich bin doch gespannt, welchen Verdacht Sie hinsichtlich meines, wie ich zugeben muss, etwas exotischen Buchwunsches hegen. Sie haben davon gehört? Umso besser liebe Miss Granger! Es dürfte dann doch ein leichtes für Sie sein, meine Beweggründe herauszufinden.
Ach, bevor ich es vergesse, ich habe noch einen leichteren Auftrag für Sie. Selbstverständlich würde ich dieses Buch ohne weiteres bei Flourish & Blotts erwerben können, sehen Sie es als kleinen Test an.
Es handelt sich um das Compendium Salamandris und zwar die Ausgabe von 1950. Und ja, Sie dürfen fragen. Neben anderen Projekten versuche ich den Caput Dolorum Trank zu verbessern. Dies geschieht in diesem Fall aus ureigenstem Interesse, auch wenn Sie und Ihre Freunde vor zwei Jahren Hogwarts verlassen haben, kosten mich diese kleinen Plagegeister den letzten Nerv, jeder scheint Longbottoms Rekord im Kesselexplodieren übertreffen zu wollen. Wissen Sie eventuell, ob er noch Verwandte im schulpflichtigen Alter hat? Bei Merlin, sehen Sie, wohin mich diese Schüler treiben?
Bevor ich es vergesse, ich habe Phoebe mit einer Schnabelklammer belegt, ähnlich der Ganzkörperklammer. Sie wird sich nicht noch einmal an Ihren Vorräten vergreifen. Ich vertraue darauf, dass Sie dem Vogel einen Finite Incantatem angedeihen lassen und ihm höchstens einen Schokofrosch geben und das sollten Sie, sonst werden Sie wohl mit Ihrem Schnabel Bekanntschaft machen und das wollen wir doch nicht.
In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich hochachtungsvoll,
Severus Snape
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A/N: caput: lat. Kopf, dolor: lat. Schmerz
