Hogwarts, den 28. Oktober

Meine sehr verehrte Miss Granger,

ich muss schon sagen, touché, touché! Ich kann mir vor meinem geistigen Auge richtig vorstellen Teuerste, wie Ihnen beim Lesen meiner Zeilen förmlich der Dampf aus den Ohren gekommen sein muss. Ich gestehe es nur ungern ein, aber sobald Phoebe mit einem Brief von Ihnen heimkommt, verspüre ich ein unzweifelhaftes Glücksgefühl, ich könnte mich daran gewöhnen.

Sie haben wohl Recht Miss Granger, der Schulalltag füllt mich bei weitem nicht aus, eine gewisse „Unausgeglichenheit" lässt sich da wohl nicht verleugnen. Auch mein Hobby, Schülerquälen, ist seit dem Abgang des goldenen Trios nicht mehr so befriedigend wie früher.

Notgedrungen gebe ich mich deshalb, ja staunen Sie, auch mehr mit meinen Kollegen ab. Wie Sie vielleicht wissen, ergaben sich durch gewisse Umstände Personaländerungen im Lehrkörper. Die neuen Kollegen sind, nun ja, annehmbar. Aber ich möchte Sie nicht mit internen Details meiner Sozialkontakte langweilen Miss Granger, wie ich sehe, müssen auch Sie nehmen, was Ihren Weg kreuzt.

So, so, Mr. Horatio Blohm hat sich offensichtlich zu seinem Vorteil verändert. Dazu kann man ihm ja nur gratulieren. Vielleicht haben Sie ja doch mehr Geschmack als ich dachte. Verzeihen Sie mir, jedoch kann ich mich wie Mr. Potter (er lebt also leider noch) nicht des Eindrucks erwehren, dass Mr. Blohm nicht nur eine berufliche Position in Ihrem Leben einnimmt. Trotzdem, und ich verbitte mir Eifersucht zu unterstellen, Sie haben Besseres verdient. Was immer Mr. Blohm äußerlich zu bieten hat, intellektuell kann er Ihnen definitiv nicht das Wasser reichen.

Danke im Übrigen für den Hinweis, dass Hogwarts in absehbarer Zeit von ZWEI Longbottoms heimgesucht wird, ich werde rechtzeitig meinen Dienst quittieren.

Höre ich da gewisse patriotische Klänge, wenn Sie mich und mein Haus dermaßen mit verbalem Schlamm bewerfen? Ich dachte immer Quidditch wäre das Steckenpferd Ihrer kleinen Freunde? Seien Sie jedoch versichert, dass Slytherins auch mit fairen Methoden durchaus in der Lage sind, einen Haufen armseliger Gryffindors zu besiegen.

Sie behaupten also noch nicht an Ihre Grenzen gestoßen zu sein? Man wird sehen. Miss Granger, Sie haben meinen sportlichen Ehrgeiz geweckt. Das Bild, Sie zitternd unter einer Bettdecke zu erblicken, spornt mich doch ganz erheblich an. Und seien Sie ehrlich zu sich selbst, was haben Sie von mir anderes erwartet? Selbstverständlich haben Sie während Ihrer Schulzeit außergewöhnliche Leistungen erbracht und ganz besonders in Zaubertränke. Woran das wohl lag? Habe ich Sie nicht immer wieder an Ihre persönlichen Grenzen gebracht? Haben Sie sich nicht immer besonders angestrengt, um der Fledermaus zu beweisen, dass Sie, Miss Granger, die Beste sind?

Auch wenn viele sich an meinen Lehrmethoden stoßen, so habe ich doch immer wieder erreicht, dass sich die Spreu vom Weizen trennt, und die vielversprechenden Schüler konnten sich schon immer ihren Studienplatz aussuchen und werden überall mit Handkuss genommen.

Ich versuche die Schüler auf das spätere reale Leben vorzubereiten und nicht zu pampern. Das Leben ist nicht fair Miss Granger, je früher man das lernt, umso besser.

Soweit haben Sie mich getrieben, dass ich mich schon vor Ihnen rechtfertige. Sehr geschickt.

Ein Punkt für Gryffindor.

Doch nun zu anderen Dingen. In Ihr Geschäft wurde eingebrochen? Verzeihen Sie mir meine Neugier, aber gab es denn etwas was sich zu stehlen lohnte? Konnten Sie den entstandenen Verlust ersetzen? Weiß man wer der Täter war? Und was sind das für Forschungen? Sie machen mich wirklich neugierig. Im Übrigen, falls Sie an dem einen oder anderen hoch wirksamen aber fast völlig vergessenen Schutzzauber interessiert sind, wäre ich Ihnen gerne behilflich. Ich habe meine Schutzzauber seit Ihrem Einbruch im zweiten Schuljahr, oh ja Miss Granger, ich weiß es, stetig verbessert. Sie können mit stolzgeschwellter Brust behaupten, die letzte Schülerin gewesen zu sein, die in meine Vorratsräume erfolgreich eingebrochen ist, und nicht wenige haben es seitdem versucht. Ein steter Quell der Freude für Mr. Filch.

Mich hat fast der Schlag getroffen, als ich Ihre Zeilen las, wer der Besitzer der Schneeeule ist, natürlich, es war eigentlich logisch, wie konnte ich auch nur daran denken Potter loszusein. Ich habe Phoebe schon zu ihrem schlechten Geschmack beglückwünscht. Nun denn, auch wenn Sie denken ich wäre wahrscheinlich ein Tierquäler, hat meine Eule selbstverständlich keinerlei Konsequenzen zu befürchten. Und schon im Interesse des Tieres werde ich weiter Briefkontakt mit Ihnen halten, denn Phoebe wirkt tatsächlich glücklicher, leider kann sie von den Schokofröschen immer noch nicht lassen.

Ich hoffe, dass Ihr Informant mit dem Buch richtig liegt, nicht zufällig ein gewisser Ex-Sucher der bulgarischen Quidditchnationalmannschaft. Wie Sie so logisch erkannt haben, betrifft es in der Tat den Wolfsbanntrank. Es ist auch leider abzusehen, dass der Zeitfaktor entscheidend sein könnte. Davon abgesehen werde ich in dieser Sache praktisch erpresst.

Sollte Geld die Sache beschleunigen, und damit meine ich beide Aufträge, scheuen Sie sich nicht mir dies mitzuteilen. Ich werde umgehend die Auszahlung bei Gringotts veranlassen. Der Preis spielt keine Rolle, da ich über die entsprechenden Mittel verfüge.

Japanisches Tempelbaumöl Miss Granger? Selbstverständlich bin ich mit dem Ginkgo biloba vertraut, mir ist jedoch nur seine Verwendung bei der Therapie von Altersdemenz bekannt. Miss Granger, ich darf Ihnen versichern, dass ich keinesfalls unter Gedächnisstörungen leide. Falls Sie damit andeuten wollen, ich wäre ALT, sollten Sie hoffen, dass wir uns nie gegegnen, denn so ALT wie ich zur Zeit bin, würden Sie niemals werden.

Aber wissen Sie was Miss Granger? Ich werde Ihnen vertrauen, schließlich waren Sie meine beste Schülerin. Ich werde das Öl unbesehen einnehmen in der Hoffnung entweder kopfschmerzbefreit oder von allem befreit zu sein. Alles in allem keine schlechten Alternativen. Ich hatte schon schlechtere Wahlmöglichkeiten.

Bevor ich es vergesse, solange Hedwig (woher hat Mr. Potter bloß diesen Namen) sich in Ihrer Betreuung befindet, können Sie Phoebe gerne für ein paar Tage behalten und stattdessen eine andere Eule schicken. Denken Sie was Sie wollen, ich hänge doch sehr an ihr, sie ist ein Geschenk meiner Schwester. Doch genug, ich fange an zu plaudern.

Severus Snape