Inverness, den 3. November
Miss Granger,
Sie glauben gar nicht, wie erleichtert ich bin von Ihnen zu hören. Sie leben und sind unversehrt. Ein mir unbekanntes Glücksgefühl durchströmt mich bei diesen Gedanken, gleichzeitig bin ich mir aber bewusst, dass Sie noch lange nicht am Ende Ihrer Reise angekommen sind und dieser Gedanke beunruhigt mich mehr als ich sagen kann.
Ich schaue in den trüben grauen schottischen Himmel und sehe Bilder vor mir, die mir nicht gefallen wollen.
Ihre Worte haben mich über meine Handlungsweise Ihnen gegenüber nachdenken lassen. Am Anfang mag tatsächlich der Wunsch da gewesen sein, Sie zu ärgern und zu beleidigen, doch während unseres Briefwechsels musste ich feststellen, dass ich das gar nicht mehr wollte. Aber wenn Sie glauben, dass ich weich geworden bin, muß ich Sie leider enttäuschen Miss Granger. Ich bin was ich bin, Todesser, Verräter, Spion, Alptraum von Hogwarts und sicherlich kein Mensch, den man leicht mögen kann.
Machen Sie sich nichts vor, hinter all dem, von dem Sie glauben, dass es lediglich eine Maske ist, ist nichts was sich lohnt hervorzuholen. Aus der Maske ist mittlerweile das Wesen des Severus Snape geworden, sie sind verschmolzen. Den Severus Snape, der dort hinter diesen Mauern vielleicht einst existierte, ist nicht mehr.
Finden Sie sich besser damit ab, Miss Granger, denn für soetwas gibt es kein Buch.
Trotzdem kann ich meine Erleichterung nicht verhehlen, wenn Ihr Brief mir Ihre Unversehrtheit versichert. Glauben Sie mir, Miss Granger, wäre es möglich, ich wäre an Ihrer Seite. So muss Ihnen Mephisto genügen, all meine Kraft begleitet ihn.
Sie werden sicherlich bemerkt haben, dass der Sperlingskauz, den mir Filius ausgeliehen hat (Ist es nicht ein Witz? Beide sind sooo klein!) keinerlei Bargeld mit sich führt. Egal, wie groß die Eule wäre, was Sie brauchen, kann keine Eule tragen. Unglücklicherweise sind vergleichbare Institute wie Gringotts in Bulgarien nicht zu finden oder nicht besonders zuverlässig.
Als Sie von Ihrem nächsten Reiseziel, dem Schwarzen Meer, erzählten, kam mir eine Eingebung.
Es gibt in der Stadt Burgas eine vertrauenswürdige Person, die über die Mittel verfügt, die Sie brauchen.
Sollten Sie sich entschließen meiner Idee zu folgen, überlassen Sie Mephisto die Führung. Er wird Sie sicher zu meiner Schwester Malicia bringen, sie hat den Raben aufgezogen und ausgebildet. Ich habe ihr bereits geeult. Sie wird Ihnen nicht nur das benötigte Geld geben, sondern Sie mit allem anderen Notwendigen ausstatten und Sie hätten vorübergehend so etwas wie eine sichere Heimstatt.
Lassen Sie sich von Ihrer direkten Art nicht einschüchtern, nein, Sie bestimmt nicht, wie könnte ausgerechnet ich das vergessen. Sie ist eine Snape, aber Sie werden selbst sehen, sehr viel umgänglicher als ihr großer Bruder. Ob sie Sie leiden kann, wird sie Ihnen direkt ins Gesicht sagen. Sie besitzt mehrere Eulereien in der Türkei, Bulgarien und Rumänien. Ihr Ehemann ist ein Kollege von Charlie Weasley.
Und nun lüfte ich ein weiteres Geheimnis. Bereits in Ihren letzten Schuljahren bemerkte ich die Veränderungen an Ihnen, Sie verwandelten sich vor meinen staunenden Augen von der kleinen nervenden Besserwisserin in eine, kluge, junge Frau. Und obwohl ich Ihnen dies damals niemals hätte sagen können, hatte ich schon damals den Gedanken, wie es wohl wäre mit Ihnen tage- und nächtelang kontroverse Diskussionen zu führen. Oh, schon allein der Gedanke, Ihren Gesichtsausdruck zu sehen, wenn ich Sie durch geschickte Fragestellung auf die Lösung des Problems bringen konnte, dieses Entzücken, fast entrückt. Doch mir war schon damals klar, dass ich dies nie einem Menschen gegenüber hätte zugeben können. Ich war Ihr Lehrer und Sie meine Schülerin, alle weiteren Gedanken verboten sich da von selbst.
Jetzt scheint es eher so zu sein, als wären Sie die Lehrerin und ich der dumme Schüler, der seine Lektion nicht lernen kann, nicht lernen will. Lassen Sie es lieber, denn ich bin ein hoffnungsloser Fall.
Ich hoffe nur für Mr. Blohm, dass er sich hinsichtlich Ihrer Intentionen keine weiterführenden Hoffnungen macht. Er würde Ihnen nicht lange standhalten.
Ich versuche in Ihrer Beschreibung meiner Person mich selbst wieder zu erkennen. Es fällt mir ehrlich gesagt, sehr, sehr schwer.
Seitdem ich wieder frei in meinen Entscheidungen bin, versuche ich zwar mehr auf andere Leute zuzugehen und mich zu öffnen, aber ich scheitere fast immer kläglich. Die wenigen, die es mit mir aushalten, bedauere sogar ich schon. Ich bin halt kein sozialer Mensch und meine sprichwörtliche Unfähigkeit positiver auf andere einzugehen, macht es mir fast unmöglich das Leben zu genießen.
Ich war mein ganzes Leben lang sehr einsam Hermine, ich bin ein verbitterter alter Mann, des Lebens überdrüssig. Ihr plötzliches Eindringen in mein Leben, läßt mich innehalten und überlegen. Vielleicht ist es das wert, warum nicht? Und so greife ich nach dem Strohhalm, mit dem Sie so vehement vor meiner Nase rumwedeln. Aber erwarten Sie nicht zuviel.
Ich klammere mich an den Gedanken, wie wir gemeinsam vor dem Kaminfeuer sitzen, ein Flasche Beaujolais genießen und bis in die frühen Morgenstunden interessante Diskussionen führen.
Dieser Gedanke wärmt mir das Herz und es geht mir gleich viel besser. Schon um Ihretwillen.
Meine Gedanken und Kraft begleiten Sie,
Ihr Severus Snape
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War es richtig, Ihr das zu schreiben? Severus lehnte sich in
seinem Stuhl zurück und seufzte leise. Sein Haupt in beiden Händen
haltend, versuchte er einen klaren Kopf zu bekommen. Was hatte er sich
dabei gedacht? Er wollte eigentlich abweisend klingen, Hermines, o
Merlin, er nannte sie schon Hermine, letzter Brief, sie klang so
verletzlich, einsam, genau wie er sich fühlte. Tief innen, das wußte
Severus, war seine einzigartige Seele, der er aber nie erlaubte an die
Oberfläche zu kommen. Er hatte sie über all die Jahre bewahren können,
indem er sie verborgen hielt. Als er das Dunkle Mal erhielt, hatte er
sie tief in sich versenkt und fast vergessen.
Wie gerne hätte er Hermines offene Worte zurückgegeben, doch er konnte nicht. Noch nicht, und wenn er so weitermachte, würde das auch bis ans Ende seiner Tage so bleiben. Sie war so jung, so brilliant, nein sie hatte besseres verdient.
Was dachte er da? Sie und er? Einfach lächerlich. Er ließ ein bitteres Lachen erklingen. Sie wollte sich nur gut mit ihm stellen wegen der Bezahlung.
Nicht im Leben wäre Severus Snape auf die Idee gekommen, dass jemand mehr in ihm sehen konnte, als er zuließ...
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A/N: Oje, oje, wohin habt Ihr uns gebracht? Habe das halbe Kapitel
umgestellt, damit unser Sevi nicht gar gleich zu ooc gerät. Und Recht
habt Ihr. Aber seid gnädig, das ist definitv eine Romanze, so sehr wir
auch diese ersten Briefe genossen haben, können sie sich leider nicht
ewig angiften.
