Bran, den 13. November
Mein liebster Severus,
Scrubber ist wieder hier, und ich muss sagen, das freut mich außerordentlich. Beweist es doch, dass meine Post an Sie angekommen ist und Rettung naht. Sie naht doch, Severus? Sie werden mich doch nicht im Stich lassen, Professor?
Die Malfoys wollen ständig von mir wissen, wo Remus ist; die sind so lustig. Woher soll ich das denn wissen?
Sie haben es mir ja nicht verraten, nicht wahr, Severus?
Was für ein schlauer Schachzug von Ihnen! Die arme kleine Hermine hätte sonst womöglich noch verraten, wo der gute alte Remus steckt, oder?
Ist halt kein Verlass auf das junge Ding; hat sich ja auch so kurz vor dem Ziel einfach gefangen nehmen lassen.
Ach, Severus, es ist alles so traurig; ich werde hier ständig mit Fragen bombardiert, bedroht, unter Drogen gesetzt... Ich habe kaum noch unter Kontrolle, was ich tue oder sage. Allein der Trank, den Mephisto mir gebracht hat, hält meinen Geist noch einigermaßen beisammen. Jedoch bringt das die Malfoys nur noch dazu, mir ständig weitere Tränke zu verabreichen; ich denke, die testen alles aus. Bitte, fragen Sie mich nicht danach, wie sie mir das Zeug verabreichen.
In solcher Nähe wollte ich sicherlich niemals einen der Malfoys bei mir haben.
Nähe... Es ist ja nicht so, dass ich grundsätzlich niemals ein männliches Wesen in meiner Nähe haben wollte... Doch sicher nicht einen von denen, Severus... Niemals... Lieber würde ich sterben...
Severus, ich vergehe fast vor Sehnsucht... Sehnsucht nach jemandem, der es mit mir aushalten kann... Und will...
Noch nie kam ich mir so einsam und verlassen vor wie jetzt, Severus... Nicht einmal Mephisto konnte bei mir bleiben, damit er mich an Sie erinnert... Sie fehlen mir so, Severus.
Wie konnte ich das bisher nicht sehen? Wollte ich es nicht sehen? Das darf ich gar nicht, nicht wahr? Es gehört sich doch nicht...
Und doch... WARUM DENN NICHT, SEVERUS?? WARUM DARF ICH MICH NICHT NACH IHNEN SEHNEN??
Das alte Schülerin/Lehrer-Verhältnis existiert doch nicht mehr... Oder doch? Verfallen wir doch wieder dorthin zurück, falls wir uns jemals noch einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen sollten? Ach, das hatten wir doch alles schon...
Sehe ich Sie jemals wieder, Severus? Werden wir jemals die Gelegenheit finden, all das nachzuholen, was uns bisher verwehrt worden ist? Wie gern säße ich jetzt mit Ihnen vor Ihrem Kamin, Severus... Ich würde eine Wärme verspüren, die nicht nur von der Hitze des Kaminfeuers herrühren würde... Sie haben geschrieben, ich wäre das Licht Ihres Lebens, Severus... Ist das wirklich so, Severus? Sie würden mich nicht anlügen, nicht wahr? Sie würden mir das Herz brechen...
Wie gern wäre ich bei Ihnen...
Meine Sinne reagieren sehr gut auf Gerüche, Severus... Habe ich Ihnen jemals gestanden, wie sehr ich es liebte, wenn Sie während des Unterrichts ganz nah an mir vorüber gingen? Ihr Duft gelangte in meine Nase... So männlich und anziehend... Meine Gedanken begannen zu spielen... Ich empfand es oft als so aufregend, dass ich manchmal beinahe meine Tränke ruiniert hätte... Und dann habe ich mir das sofort wieder verboten... Ich habe es immer auf mein jugendliches Alter und die Gefühlsstürme der damaligen Zeit geschoben...
Aber, nein, Severus, ich sehe es jetzt ganz klar! Wie konnte ich nur so blind sein...
Severus...
ICH HÖRE SIE KOMMEN...
Hermine
