27.

Hogwarts, den 20. November

Hermine,

ich bin wieder in Hogwarts. Es fällt mir sehr schwer diesen Brief zu schreiben, ich bin körperlich kaum in der Lage dazu. Außerdem muss ich es auch noch vor Poppy geheim halten, warum müssen Krankenschwestern immer so nerven?

Zunächst einmal das Wichtigste, ich lebe, gerade noch.

Doch von Anfang an.

Ich brach am 12. November, kurz nachdem ich Ihnen den letzten Brief schrieb, in die Winkelgasse auf. Dort suchte ich zunächst Ihr Geschäft auf, ich kann nicht einmal mehr sagen warum. Ich sprach kurz mit Mr. Blohm, doch brauchbare Informationen besaß er keine. Im Gegenteil er verhielt sich äußerst merkwürdig. Vielleicht sehe ich ja auch nur Gespenster, eventuell hat er immer noch Angst vor mir. Jedenfalls war unser Gespräch äußerst einseitig. Daraufhin führte mich mein Weg in die Nokturngasse.

Ich besuchte einen „alten" Freund. Kein Todesser, aber auch nicht wirklich ein Muggelfreund. Er erzählte mir, dass er gehört hätte, wie einige Männer, die bekannt sind in Malfoys Diensten zu stehen, am Vorabend im Gasthaus zum Grünen Drachen nach einem ausgiebigen Saufgelage damit geprahlt hätten, dass sie in Rumänien einen ganz besonderen Fang gemacht hätten. Dass ihr Boss sehr erfreut wäre und dass es eine ordentliche Prämie gegeben haben soll. Ein hübsches kleines Schlammblut. Dass der Boss sie jedoch für sich alleine haben wollte.

Hermine, damit konnten nur Sie gemeint sein! Und Rumänien ließ nur einen Schluss zu: Schloss Bran!

Ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, nur eins kam mir immer wieder in den Sinn, ich musste sofort handeln! Also machte ich mich sofort auf den Weg nach Rumänien. Zum Glück galt die Appariersperre nur für Bulgarien und ich kannte das Schloss von früheren Besuchen, so war es mir ein Leichtes ins Innere der Burg zu gelangen.

Doch ich wurde bereits erwartet. Lucius und seine Männer überwältigten mich. Ich kann mich nur noch an Malfoys dreckiges Lachen erinnern. Und dann…..

oh, es fällt mir schwer, ich weiß nicht, ob ich darüber berichten kann.

Ich erwachte in einem fensterlosen Raum. Nackt hing ich mitten im Raum. Lucius war auch anwesend. Er erzählte mir, dass Sie entkommen wären. Sie glauben gar nicht, Hermine, wie erleichtert ich war das zu hören. Nur dieser Gedanke ließ mich das Folgende überstehen.

Mit in dem Raum waren Crabbe und Goyle. Sie erinnern sich? Dracos Bodyguards? Natürlich erinnern Sie sich.

Und dann begannen sie mich zu „verhören".

Wenn ich bisher gedacht hatte, der Dunkle Lord wäre grausam gewesen, dann wurde ich in diesen endlosen Stunden, die mir wie Jahre vorgekommen sind, eines Besseren belehrt.

Zunächst wandten sie den Cruciatus Fluch an. Immer und immer wieder. Aber ich weigerte mich zu reden. Sie wollten wissen, wo sich Remus und Sie aufhalten. Und sie wollten wissen, wie man aus dem Codex Lupus etwas ihrer Sache dienliches herausholen könnte.

Als diese Mittel nicht den gewünschten Erfolg brachten, wandten sie den Imperio an. Sie werden jetzt einwenden, wieso nicht Veritaserum? Hermine, alle Todesser sind immun dagegen, ich selber habe den entsprechenden Trank entwickelt. Ein noch heute wohlbehütetes Geheimnis, schützt es doch auch mich.

Als ich auch unter dem Imperio nicht redete (Stümper, die sie alle sind, habe ich mich erfolgreich dagegen wehren können), ja, da wandten sie schließlich Muggelmethoden an, sie schlugen mich abwechselnd und dann …... vergewaltigten mich Crabbe und Goyle und am Ende auch Lucius. Sie erniedrigten mich, wie es nichts anderes gekonnt hätte. Immer und immer wieder taten sie es. Und ich konnte mich nicht wehren, sie waren stärker, ich konnte nichts tun. Sie haben mich benutzt. Ich fühle mich so… ich kann nicht darüber sprechen, verzeihen Sie mir Hermine.

Dann haben sie wieder den Cruciatus angewandt bis ich schließlich ohnmächtig wurde.

Wahrscheinlich wäre ich schon längst tot, doch es kam anders.

Tonks erzählte mir, dass Mephisto plötzlich in Hogwarts auftauchte und ihr auf einmal das Bild eines Gebäudes wie ins Gehirn brannte, während Mephisto sie intensiv musterte. Sie erkannte das Haus als Malfoy Manor und immer wieder erschien ihr wohl auch mein Gesicht.

Sie zählte zwei und zwei zusammen, trommelte einige Freiwillige vom Orden zusammen und befreiten mich.

Sie trafen wohl auf heftige Gegenwehr und nur Glück und Mut ist es zu verdanken, dass keiner wirklich zu Schaden kam.

So wachte ich hier im Krankenflügel von Hogwarts auf, mehr tot als lebendig. Nur Sie Hermine wissen die ganze Geschichte, ich denke Poppy ahnt zumindest etwas.

Hermine, seien Sie vorsichtig. Gehen Sie nicht in die Öffentlichkeit. Lucius deutete an, Sie wieder zu kidnappen. Sie möchten nicht wissen, was er Ihnen dann zugedacht hat, dieses miese Schwein.

Und seien Sie vorsichtig mit Mr. Blohm. Nennen Sie es Paranoia, aber ich habe wirklich ein ganz mieses Gefühl bei ihm.

Ich muss das Ganze erst verdauen. Es ist soviel geschehen. Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Kommen Sie keinesfalls nach Hogwarts. Ich könnte das zurzeit nicht ertragen. Ich weiß nicht, ob ich es jemals werden ertragen können. Es tut mir leid.

Eines jedoch weiß ich, Lucius wird dafür mit seinem Leben bezahlen.

Poppy hat mich beim Schreiben erwischt. Ich muss aufhören.

Ich werde jetzt Traumlostrank nehmen.

Severus