31.

Hogwarts, den 25. November

Meine liebe Hermine,

Du kannst Dir meine Freude nicht vorstellen, als ich Deinen letzen Brief erhielt. Nicht nur, dass Du der Absender warst, nein auch der Überbringer selbiger ließ nach langer Trennung in mir ein Glücksgefühl aufkommen. Mephisto hätte mir mit seinem Schnabel wahrscheinlich alle Haare ausgerissen, hätte ich ihn nicht daran gehindert. Leider versuchte er dabei auch noch auf meiner Schulter zu sitzen und Du weißt, wie groß er ist. Au!

Ich hätte nie gedacht, dass er mich dermaßen zu mögen scheint. Seltsam, früher ist mir das gar nicht aufgefallen…

Mittlerweile unterrichte ich wieder. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf die Weihnachtsferien freue. Heute hätte es Miss O'Donnaghue, eine Hufflepuff wie sie im Buche steht, fast geschafft mich wieder in Poppys Obhut zu bringen. Das unglücksselige Ding hat es doch tatsächlich geschafft, eine ganze passierte Drachenleber statt einer Unze in ihren Aufmunterungstrank zu geben, so dass ihr Kessel explodierte, und ich stand natürlich mitten in der Schussbahn.

Ich werde eine ganze Woche nach dieser Leber stinken. Nun ja, sie wird nicht nur danach riechen. Ich glaube das Odeur von gequirltem Rattendung, den sie nun eine Woche einweichen muss, wird meinen Duft weit in den Schatten stellen. Ich weiß Hermine, der Sadist kam mal wieder zum Vorschein. Aber ganz ehrlich, sie hatte es verdient. Dafür habe ich ihr auch nur fünf Punkte abgezogen.

Ich glaube ich werde noch weich. Hermine, Hermine, das ist Dein Einfluss. Irgendwann werden mir die kleinen Bestien noch auf der Nase herumtanzen und Hogwarts wird den internationalen Schulrekord im Kesselexplodieren halten. Etwas, was nicht mal Dein Klassenkamerad Longbottom zustande gebracht hat, wie ich nicht ohne Stolz hinzufügen möchte.

Soso, Mr. Potter und Mr. Weasley fühlen sich also zu Deinen Schutzengeln berufen? Nun ja, wiewohl sich meine Meinung gegenüber den Beiden nicht sehr geändert hat, muss ich doch zugeben, dass es eine vernünftige Idee ist. Erstaunlich, sollten die Zwei doch endlich erwachsen werden? Es stellt sich mir nur die Frage, ob sie auch dafür geeignet sind. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass sie lange gegen ein paar gedungene Schergen von Lucius Malfoy standhalten.

Aber wie gesagt, besser als gar nichts. Jedenfalls haben sie etwas, was ich nicht habe, Deine Gesellschaft. Es gab mir schon einen kleinen Stich, als ich das las.

Dein Mr. Blohm ist in Südengland unterwegs? Hm, auch wenn Du ja ein unendliches Vertrauen in Mr. Blohm zu haben scheinst, werde ich trotzdem zur Sicherheit Mephisto nach Süden schicken. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Wir müssen unbedingt den Codex in die Hände bekommen! Es scheint mir ansonsten fast unmöglich Lucius aufzuhalten. Ich habe einen alten Freund befragt, der gute Beziehungen zum Ministerium hat, er sagte mir, dass das Gesetz zwar noch nicht beschlossen sei, aber spätestens bei der nächsten Sitzung des Zaubergamots am Neujahrstag wäre die Zustimmung, auch dank der Lobbyarbeit von Pure M. Ltd., nur noch reine Formsache.

Verflucht sei Lucius und verflucht sei dieses blauäugige Zaubereiministerium. Ich hatte wirklich gedacht nach dem Tod des Dunklen Lords ein wenig Frieden zu finden. Ist denn das soviel verlangt Hermine?

Ich bin es einfach leid. Fast zwanzig Jahre meines Lebens habe ich damit zugebracht die kranken Befehle eines paranoiden Wahnsinnigen zu befolgen und mitzuerleben, wie er seine abartigen Phantasien auslebt, seine treuen Todesser andere Menschen quälen lässt. Zu sehen, das etwas davon überlebt hat, und seien es auch nur einige seiner Anhänger macht mich einfach nur wütend.

Es wird nichts nutzen Hermine, selbst wenn wir den Codex beschaffen. Lucius wird sich etwas Neues ausdenken. Und dann fängt alles von vorne an. Wir müssen das Übel an der Wurzel ausrotten. Wir müssen sie alle kriegen. Und ich meine wirklich alle. Sonst wird es nur irgendwann einen neuen Dunklen Lord geben. Er wird nur anders sein, aber sicher nicht besser.

Ach Hermine, ich sehne mich nach Ruhe, nach Dir. Es könnte alles so einfach sein. Ich könnte hier an meinem Schreibtisch sitzen und mit Muße Erstklässleraufsätze korrigieren während Du an meinem flackernden Kamin sitzt und mit Begeisterung ein Dir noch unbekanntes Buch geradezu verschlingst. Und glaub mir, diese Bücher gibt es und ich habe sie!

Dieses Bild hat sich seit ich es mir das erste Mal vorstellte, geradezu in mein Hirn gebrannt. Meinst Du es gibt wirklich diese Chance für uns? Nicht nur Du zweifelst, weißt Du. Ich fühle mich im Moment so alt und verbraucht. Dieses Leben, mein bisheriges Leben hat an mir gezehrt. Nein, sag nichts, es ist so, ich weiß es. Jeden Morgen, den ich in den Spiegel blicke sehe ich es. Und ich frage mich, was kann das sein, was sie in dir sieht Severus?

Es kann nur ein Wunschtraum sein, aber ich werde mich daran festhalten wie ein Schiffbrüchiger an einem Stück Holz, denn sonst würde ich untergehen. Hermine halte mich fest, bitte…


Hier hat der Verfasser offensichtlich kurzfristig den Brief unterbrochen. Die Schrift ist in den letzten Zeilen sehr fahrig. Danach wurde in der bekannten akkuraten Schrift weitergeschrieben.

Hermine, verzeih meinen Ausbruch, ich…ach ich kenne mich selber nicht mehr. Ich habe zwischenzeitlich Mephisto nach Südengland geschickt.

Was sagtest Du in Deinem letzten Brief? Man sah mir keine Gefühlsregung an? Oh, Hermine, auch jetzt wird mir niemand etwas ansehen. Es ist sozusagen meine zweite Natur geworden. Damals konnte ich nur meine Einrichtung demolieren oder Schüler quälen, was beides nicht wirklich geholfen hat. Erstaunlicherweise geht es mir nun besser, nachdem ich Dir mein Herz ausgeschüttet habe. Du hast es geschafft hinter die Fassade zu blicken, ich hoffe nur, dass es nicht ein Blick in die Hölle für Dich wird mein Engel.

Das Foto und die Haarspange trage ich beides Tag und Nacht bei mir. Sie sind zur Zeit das besagte Stück Holz, dass mich nicht untergehen lässt und das für mich eine Brücke in eine bessere Zukunft darstellt…

Sei bitte sehr vorsichtig in allem was Du tust. Und begebe Dich nicht (ich glaube nicht, dass ich das wirklich schreibe), unter gar keinen Umständen, aus der Nähe von Potter und Weasley. Ärger konnten Sie immer gut riechen. Vielleicht haben sie mittlerweile auch gelernt ihnen aus dem Weg zu gehen.

In meinen Gedanken bin ich bei Dir.

Dein Severus