32.
Die Landschaft veränderte sich, verwandelte sich von schroffen Bergzügen in sanfte Hügellandschaft mit saftigen Wiesen. Immer weiter flog er bis sein Geruchssinn schließlich den salzigen Geruch des Meeres wahrnahm. Schließlich überquerte er die Grenze zwischen Land und Wasser.
Oh, er war nicht mehr allein. Seine kleinen weißen Vettern. Möwen, verspielt wie Kinder hielten auf ihn zu und gesellten sich zu ihm. Kreischten in einem Dialekt, der kaum zu verstehen war. Fragten ihn wer er war, woher er kam und wohin er wollte. Neugierige kleine Bande. Und er konnte ihnen nicht einmal entkommen, denn sie konnten schneller fliegen als er. Wie ärgerlich!
So versuchte er einfach sie zu ignorieren und setzte seinen Flug gen Süden fort. Dann kam Land in Sicht. Jetzt hieß es nur noch der Küstenlinie zu folgen und er wäre bald an seinem Ziel. Er wusste genau, was er suchte. Sein Meister hatte ihm ein genaues Bild des menschlichen Nestes vermittelt. Groß, aus totem Stein türmte es sich auf, ragte trotzig in die See hinaus, dem Heim seines Meisters nicht unähnlich.
Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wie die Menschen so leben konnten. Nun ja, er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, diese Fragen würde ihm wahrscheinlich nicht einmal einer der alten Weisen beantworten können, also verwarf er die Frage wieder. Wasser und Erde gingen unter ihm ineinander über. Die Möwen ließen nun auch endlich von ihm ab. Wahrscheinlich war er ihnen einfach zu langweilig. Gut so.
Die Sonne tauchte inzwischen beinahe ins Meer, ein Anblick, der ihn immer wieder aufs Neue faszinierte. Und langsam hob sich ein dunkler Umriss scharf gegen die untergehende Sonne ab. Schließlich konnte er es genau erkennen. Ja, kein Zweifel, das war es! Es sah dem anderen Nest wirklich verblüffend ähnlich. Jetzt flog er fast darüber. Er setzte zum Sinkflug an.
Er landete auf einem lang gezogenen toten Stein, der sich rund um das Nest zog. Er sah sich um. In einigen Öffnungen der toten Steine war Licht zu sehen. Er stieß ein leises „korrk" aus. Menschen waren doch merkwürdig. Reichte das Licht der Sonne nicht? Nein, die schwachen Augen der Menschen brauchten diese kleinen Sonnen wohl. Er entschied sich für eine große Öffnung und stieß sich ab.
Auf dem toten Stein vor der Öffnung angekommen, wagte er einen Blick ins Innere. Sein Meister hatte Recht. Das Nest war bewohnt. Er konnte einige Menschen erkennen. Zwei Männchen und ein Weibchen, soweit er das beurteilen konnte.
Das Weibchen und das eine Männchen waren jünger als das dritte Männchen. Dieses hatte lange sehr helle Federn auf dem Kopf. Es schien sehr aufgebracht. Ein Bild erschien vor seinem inneren Auge. Es war eine etwas jüngere Version, nichtsdestotrotz handelte es sich um den gleichen Menschen. Er erinnerte sich an die Emotionen seines Meisters für dieses Männchen. Zorn, Wut, ja Hass, aber auch langjährige Freundschaft. Dann die Ermahnung an ihn, Vorsicht, Argwohn und dann Grausamkeit, Gewalt, Brutalität. Eindeutig, dieses Männchen war abgrundtief böse.
Mit den beiden anderen verband er keine Erinnerung seines Meisters. Aber das machte nichts. Sein Meister würde sie bei seiner Rückkehr sehen und hören, wenn sich ihre Gedanken verbanden. So tat er das, wofür er gekommen war. Er war das Auge und das Ohr seines Meisters.
Schließlich endete die Unterhaltung. Seine Mission war erfüllt. Er streckte sich einmal, kontrollierte seine Flügel, stieß sich ab und flog in die Dunkelheit hinaus. Schon war er nicht mehr zu sehen, war er doch schwarz wie die Nacht selbst.
So schnell wie der Wind ihn trug, glitt der Rabe namens Mephisto Hogwarts entgegen, wo ihn ein äußerst ungeduldiger Severus Snape erwartete.
A/N: Ich hoffe, dieses Kapitel kommt nicht allzu merkwürdig rüber. Ich konnte einfach nicht wiederstehen, mal aus der Sicht eines Vogels zu schreiben.
