34.

Bilder formten sich in Severus Snapes Kopf während er in geistigen Kontakt mit seinem Raben Mephisto trat. Ein Raum, drei Menschen, so merkwürdig anders aus der Vogelperspektive. Zunächst noch eher undeutlich.

In dem Raum befand sich an der einen Seite ein Kamin, in welchem ein Feuer brannte. Davor stand ein Sofa, flankiert von zwei Sesseln. Ein Mann stand an den Kamin gelehnt, eine Frau und ein Mann saßen auf dem Sofa bzw. einem Sessel. Langsam stellte sich der Geist des Menschen auf den Geist des Raben ein, wie ein natürlicher Autofokus wurden die Bilder schärfer.

Der Mann am Kamin hielt eine Hand über das Gesicht, offensichtlich stand er unter starker Anspannung, die beiden anderen sahen eher verängstigt aus. Und er erkannte sie beide. Sie waren eine ältere Ausgabe von Pansy Parkinson und Horatio Blohm. Schließlich ließ der Mann am Kamin die Hand sinken. Mit Entsetzen erkannte Snape Lucius Malfoy.

Wortfetzen drangen an sein Ohr. Offensichtlich Lucius, der wutentbrannt Horatio Blohm zusammenstauchte.

„…dumm wie Brot Blohm…zwei Nervensägen beschützen…Schlammblut…muss sie unbedingt…Severus…nie freiwillig…Codex nutzlos."

Der andere erwiderte mit weinerlicher Stimme.

„Ich…nicht dafür…zwei Schwachmaten…in der Tür…weiß auch nicht…sie…Verdacht."

Malfoy sprach nun gefährlich leise.

„…nichts mehr hören…Du…eines Hufflepuffs…nicht noch mal…verderben…heute Nacht…wir zuschlagen…anderen Bescheid…Mitternacht…Pansy Du bereitest…Labor damit Granger…anfangen kann…zu brauen…danach…mir."

Malfoy ließ ein dreckiges Lachen erklingen.

Snape unterbrach die Verbindung.

„Nein!"

Er wusste, es war bereits weit nach Mitternacht. Sofort stürmte er zum Kamin.

„Nymphadoras Gemächer."

Er lief quer durch das Wohnzimmer, riss die Tür zum Schlafzimmer auf und schüttelte eine völlig verwirrte Tonks aus dem Schlaf.

„Nymphadora, wach auf, sofort. Malfoy ist bei Hermine, sie wollen sie wieder entführen. Sag sofort den anderen Bescheid, ich appariere sofort zu ihrem Laden."

Damit eilte er aus dem Zimmer, raste wie ein Irrer durch die Gänge des Schlosses. Erst als er die Appariergrenze erreicht hatte hielt er an und apparierte in die Winkelgasse.

Schon von weitem sah er es, die Tür zu Hermines Geschäft stand weit offen. Er stürmte hinein, stolperte im Dunklen über etwas und fiel der Länge nach hin.

„Lumos."

Er rappelte sich auf und sah sich näher um. Die Einrichtung war völlig zerstört, ein harter Kampf musste hier stattgefunden haben. Seine Stolperfalle war jedoch kein Gegenstand, sondern ein Körper. Potter. Lebte er noch? Snape kniete nieder. Ja, er fühlte einen schwachen Puls, Potter lebte, aber er war in einer tiefen Ohnmacht. Snape wandte sich ab.

„Hermine, Weasley, wo seid ihr?"

Er ging weiter in die hinteren Räume. Dort fand er schließlich Ron Weasley. Tot. Seine Glieder waren unnatürlich verrenkt und sein Gesicht war zu einer qualvollen Fratze verzerrt. Blut lief aus seinem Mundwinkel. Cruciatusfluch und zwar mehrere auf einmal.

Da hörte er von draußen Schreie. Er lief vor die Tür, Menschen drängten auf die eben noch menschenleere Straße, Lichter gingen an, Fenster öffneten sich. Einige zeigten in den Himmel, wohin aller Blicke gingen.

Und dann sah auch Snape es, das Todessermal, giftgrün am dunklen Nachthimmel, prangte es dort und schien ihn zu verhöhnen.

„Hermine!"

Mit einem verzweifelten Schrei brach Snape zusammen und fiel auf die Knie.