Severus - Du bist tatsächlich hier. Ich war mir sicher, ich träumte, als ich Deine Aufzeichnungen sah; und doch ist es wahr. Warum nimmst Du nur all diese Gefahren auf Dich, Severus? Doch nicht wegen dieser nervigen Gryffindor-Göre, die Dich nie in Ruhe gelassen hat?
Das hier, irgendwie alles, kommt mir so unwirklich vor. Hast Du es nicht erst vor ein paar kurzen Wochen gerade so übers Herz bringen können, mir überhaupt einen Brief zu schreiben, um Remus zu helfen?
Und nun sitzen wir hier - abwechselnd - in der Gewalt von keinem Geringeren als Lucius Malfoy, um etwas zu erforschen, dass Remus und allen anderen schaden soll. Ron soll tot sein? Bei Merlin, wie soll ich das nur glauben, ja, fassen und begreifen können?

Und das nur wegen mir? Wie soll ich jemals den anderen Weasleys wieder unter die Augen treten können? Falls wir jemals hier wieder lebend herauskommen…

Hoffentlich geht es Harry bereits wieder besser.
Wie krank und gefährlich ist diese Welt nur. Und das, obwohl es keinen dunklen Lord mehr gibt. Aber vielleicht sieht sich Malfoy ja als Erbe...

Und als wäre das alles nicht schlimm genug, musste ich letzte Nacht feststellen, dass ich mich inzwischen nicht einmal mehr auf meine Menschenkenntnis verlassen kann.
Du hattest Recht, Severus. Du hattest natürlich Recht. Und ich habe es nicht sehen und nicht glauben wollen. Horatio Blohm macht tatsächlich gemeinsame Sache mit Malfoy. Ich wage gar nicht, mir vorzustellen, wie lange Horatio schon in seinen Diensten steht.
Er ist letzte Nacht in meinem Quartier aufgekreuzt, Severus! Er dachte tatsächlich, er könnte mich von den "anständigen" Beweggründen seines Tuns überzeugen. Er hat auf mich eingeredet, wie mutig und tapfer doch das Auftreten von Malfoy sei, dass er die Zaubererwelt nur vor bösen Kreaturen retten wolle, naja, das ganze Programm eben. Glücklicherweise hattest Du mich gewarnt; sonst hätte mich sein Besuch wohl so unvorbereitet getroffen, dass ich irgendetwas Unüberlegtes getan hätte.
So habe ich ihn reden lassen; ich dachte, so lange er redet, kann er mir nichts antun. Allerdings hat es ihm nicht sonderlich gefallen, dass ich seinen Moralvorstellungen nichts Gutes abgewinnen konnte. Severus, er hat - er ist...
Er ist handgreiflich geworden.
Als ihm irgendwann die Erkenntnis kam, dass er mich nicht überzeugen kann, ist er wütend geworden. Sehr wütend.
Er hat mich geohrfeigt und angebrüllt, ich als Schlammblut könne das eh nicht verstehen, er hätte seine Zeit mit mir vergeudet, weil er unberechtigterweise Hoffnung für mich gesehen hätte; hätte ich doch nur eingesehen, dass er meine einzige Rettung gewesen wäre... Ja, Severus, ich hätte mich mit ihm einlassen sollen! Er hätte mich dann vor Lucius Malfoy beschützt. Zumindest hat er das behauptet.
In diesem Augenblick ist mir allerdings ein folgenschwerer Fehler unterlaufen...
Ach, ich bin mir nicht sicher, ob Du der richtige Ansprechpartner dafür bist, Severus; ich möchte Dich nur ungern zusätzlich belasten. Doch habe ich andererseits das Bedürfnis, mir das Geschehene "von der Seele reden" zu müssen...
Doch ich werde das aushalten, Severus. Wir haben schließlich ganz andere Sorgen, nicht wahr?

Wie Du vielleicht gesehen hast, habe ich versucht, anhand Deiner Forschungsansätze weiterzuarbeiten. Ich habe außerdem in dem Kapitel über die Nebenwirkungen dieses Beruhigungszaubers einen Hinweis auf einen entsprechenden Trank entdeckt, der uns und Remus vielleicht helfen könnte. Leider fehlten mir zum Experimentieren jedoch die transtauntanischen Kujambel; mit dem Hinweis, dass eine Umkehr des Trankes Malfoy helfen könnte, habe ich ihn dazu gebracht, sich darum zu kümmern.
Vielleicht bringt sie Dir jemand bereits jetzt, in Deiner Schicht, und das kann uns irgendwie weiterbringen.

Ich sehne mich nach Normalität, Severus. Nach einem wohligen Kaminfeuer. Nach Deiner Anwesenheit.
Auch wenn ich Berührungen derzeit vielleicht nicht ertragen könnte - allein Deine Anwesenheit...
Alles wäre nur halb so schwer zu ertragen. Ron – tot…

Deine Hermine