44.

Snape saß im Turmzimmer brütend über einigen Aufzeichnungen Hermines. Es ergab alles noch keinen Sinn. Sie benötigten unbedingt die Übersetzung der phönizischen Schrift, die sich hinter dem Bild des Werwolfes verborgen hatte. Sicher, das war nicht explizit das, was Lucius von ihnen verlangt hatte. Genauer gesagt, es war wahrscheinlich das genaue Gegenteil. Malfoy ging es einzig und allein darum, wie man aus einem Menschen, der sich zu Vollmond in einen Werwolf verwandelte, dauerhaft einen Werwolf machen konnte. Hermine und er wollten natürlich das Gegenteil erreichen. Selbst wenn sie eine Lösung finden sollten, der Interessenkonflikt wäre zwangsläufig da.

Außerdem wäre da immer noch das Problem, wie testen, ob man richtig lag. Lupin stand Malfoy nicht zur Verfügung. Und in der Nach-Voldemort-Ära wimmelte es nicht gerade von Werwölfen. Ob bei den Internierten in Askaban ein Werwolf dabei war, wusste Snape nicht. Und selbst wenn, ob dessen ungeachtet ein Malfoy entsprechenden Zugriff auf diese armseligen Kreaturen hatte, war immer noch die Frage.

Über diese Fragen nachsinnend, öffnete sich die Tür und Malfoy trat ein. Wenn man vom Teufel spricht.

„Nun, Severus, Du hast lange genug meine Geduld strapaziert, ich verlange einen Zwischenbericht. Und erzähl mir nicht, Ihr habt nichts herausgefunden."

Mit diesen Worten trat Malfoy an den Tisch heran, an dem Snape saß und setzte sich ihm gegenüber.

„Wir sind uns nicht sicher, wir haben einiges erforschen können. Doch…"

Snape warf den Köder aus.

„Was? Nun lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen. Ihr habt eh keine andere Wahl. Also sprich."

Malfoy schaute ihn begierig an.

„Wir haben einige Theorien herausgearbeitet, wir wissen jedoch nicht, ob sie in der Praxis funktionieren."

„Aha, Ihr braucht also ein lebendes Testobjekt. Sehe ich das richtig mein Freund?"

Malfoy grinste ihn mit einem schmierigen Lächeln an.

„Genau, wie sollen wir sonst wissen, ob wir in die korrekte Richtung forschen?"

Snape war sich inzwischen nicht mehr so sicher, ob seine Strategie nicht doch falsch war. In Malfoys Verhalten konnte er eine Siegesgewissheit erkennen, die ihm nicht behagte.

Malfoy schnippte mit den Fingern, darauf traten Crabbe, Goyle und Parkinson ein.

„Ihr sollt Euer Testobjekt bekommen. Crabbe, Goyle, haltet ihn fest."

Daraufhin traten die zwei Gorillas an Snape heran, zerrten ihn vom Stuhl und stießen ihn gegen die Wand. Währenddessen zog Malfoy eine Phiole aus seinem Umhang und trat vor ihn.

Er hielt die Phiole ganz dicht vor Snapes Augen. Der Inhalt funkelte blutrot. Parkinson trat näher, direkt hinter Malfoy.

„Das Severus, ist das Vermächtnis von Fenrir Greyback. Du kannst Dich an ihn erinnern? Unseren durchgeknallten Werwolf? Der nichts anderes im Sinn hatte, als Leute zu beißen? Egal, ob er zwischendurch mal Mensch war?"

Oh ja, Snape konnte sich gut an diesen Psychopathen erinnern. Mehr als einmal hatte er den Dunklen Lord ersucht Greyback zu beseitigen, denn er war ihrer Sache nicht immer hilfreich gewesen. Er hatte auch als Todesser mehr seine eigenen Interessen verfolgt, als die des Dunklen Lords. Aber irgendwie hatte Voldemort einen Narren an diesem Wolf gefressen. Vielleicht hielt er ihn für sein persönliches Kuscheltier?

Unzählige Opfer gingen auf sein Konto, auch Todesser. Und nicht alle überlebten, denn er begnügte sich nicht damit seine Opfer zu beißen, damit sie zum Werwolf wurden, nein er verfiel ein ums andere Mal in einen bestialischen Blutrausch und zerfetzte seine Opfer regelrecht. Es war einfach nur widerlich, er machte damals vor nichts halt, Kinder, Frauen, selbst Tiere. Aber was hatte das mit ihm im Jetzt und Hier zu tun? Fenrir Greyback war tot.

„In dieser Phiole befindet sich Blut, sein Blut Severus. Werwolfblut."

Malfoy setzte ein hämisches Grinsen auf, als er den Funken der Erkenntnis in Severus Augen sah.

„Aber es ist nur Blut. Zum Werwolf wird man nur, wenn man von einem gebissen wird."

Es war ein schwacher Einwand. Das wusste Snape. Lucius hatte sich sicherlich nicht die Mühe gemacht, wenn er nicht wusste, dass es auch anders ging.

„Greyback war nicht irgendein Werwolf Severus. Er war gehörte der alten Art an, er war kein normaler Werwolf, das wirst Du sicherlich bemerkt haben. Sein Blut allein reicht, um einen Menschen zum Werwolf zu machen. Natürlich hat Fenrir davon nie Gebrauch gemacht. Ha, wo bliebe für ihn da der Genuss. Aber es ist so. Aber nun Severus, werde ICH davon Gebrauch machen. Und Du wirst mein Testobjekt sein. Unsere Miss Parkinson hier ist geübt im Gebrauch von Spritzen und anderen unerfreulichen Werkzeugen.

Mit diesen Worten gab er Parkinson die Phiole. Diese holte eine Spritze hervor und zog den Inhalt der Phiole auf.

Snape versuchte sich zu wehren, doch Malfoy sprach umgehend eine Ganzkörperklammer über ihn und so verharrte er reglos an der Wand, nur gehalten von Crabbe und Goyle.

Parkinson trat an ihn heran, riss sein Hemd auf, bis seine Brust nackt war.

„Oh, was für entzückende Narben."

Fast zärtlich fuhr sie eine besondere große und lange Narbe nach. Ihr schien zu gefallen, was sie sah.

„Hätte ich in meiner Schulzeit gewusst, was sich unter diesen Gewändern verbirgt Professor…"

Snape konnte sie nur hasserfüllt anstarren. Er war diesen Monstern bewegungslos ausgeliefert.

„Die Injektion muss intrakardial gesetzt werden Professor. Sie wissen sicher, was das bedeutet. Ich werde das Blut direkt in Ihr Herz injizieren. Das wird äußerst schmerzhaft, aber im Vergleich zu einem Crucio doch nur ein Mückenstich."

Parkinson fing an zu kichern. Doch dann wurde sie ernst und setzte die Spritze an. Sie blickte noch einmal zu Malfoy, der ihr bestätigend zunickte. Daraufhin stach sie Snape die Spritze direkt in die Brust, mitten ins Herz.

Snape durchfuhr ein stechender Schmerz, der sich bis in sämtliche Nervenenden seines Körpers fortsetzte. Seine Sicht verschwamm und färbte sich rot. Daraufhin glitt dankbar in Ohnmacht.

Das vereinte Lachen seiner Peiniger hörte er schon nicht mehr.