51.
Gleißend helle Lichtblitze zuckten vor Severus Augen. Ein unbändiger Schmerz durchzuckte seine Nervenbahnen, schlimmer als ein Crucio.
Mit einem lauten Aufheulen krümmte sich der Körper des Werwolfs zusammen. Immer und immer wieder dieser Schmerz, Severus wurde fast ohnmächtig. Welle folgte auf Welle und der Schmerz intensivierte sich mit jedem Mal weiter.
Dann, als er fast meinte die Qual nicht mehr aushalten zu können, ließ der Schmerz nach. Genauso wie er gekommen war, ebbte er ab und verschwand schließlich, bis nur noch eine erschöpfte Leere zurückblieb.
Severus öffnete die Augen, verwundert nahm er seine Umgebung wahr. Sie war…anders als vorher, irgendwie undeutlicher. Nicht mehr so scharf wie in der Werwolfform. Er sah an sich hinab. Nackte menschliche Haut, hell mit dunklen Haaren. Er war wieder ein Mensch.
Dann richtete er sein Augenmerk wieder seiner Umgebung zu. Und sein Blick fiel auf „Hermine". Nur ein kratziges Geräusch kam über seine Lippen. Der wohl wundervollste Anblick in seinem ganzen Leben bot sich ihm dar. Besorgte braune Augen blickten bis auf den Grund seiner Seele. Erschüttert stand er einfach nur da.
Hermine stürmte zum Käfig.
„Severus, wie geht es Dir? Sag doch bitte etwas. Hast Du Schmerzen?"
Severus trat ebenfalls an die Gitterstäbe und umfasste die ausgestreckten Hände von Hermine.
Immer noch ungewohnt im Gebrauch seiner Stimme, doch deutlich erwiderte er ihre Frage.
„Hermine, es geht mir gut. Mir ist kalt. Ich bin so erschöpft."
Severus hielt sich an Hermine wie Ertrinkender fest.
Hermine wandte sich entrüstet zu Malfoy um.
„Holen Sie ihn da raus Sie Bastard. Sie sehen doch, dass es ihm schlecht geht. Lassen Sie mich zu ihm. Er braucht medizinische Hilfe."
Auch Lucius trat interessiert näher.
„Severus? Kannst Du mich verstehen?"
Severus richtete den Blick auf Malfoy.
„Ja Lucius, klar und deutlich, obwohl ich fast wünschte dem wäre nicht so."
Auf Malfoys Gesicht bildete sich ein zufriedener Gesichtsausdruck.
„Na schön, ich werde Dich rauslassen. Crabbe, Goyle…"
Malfoy nickte in die Richtung seiner zwei Gorillas, diese blickten aufmerksam in Richtung Käfig.
Malfoy richtete seinen Zauberstab auf das Käfigschloss.
„Alohomora".
Damit öffnete sich die Käfigtür und Hermine stürmte zu Severus und umarmte ihn leidenschaftlich.
„Severus, oh Severus, wie geht es Dir?"
„Hermine, warte, es geht mir gut. Bitte, ich muss…"
Mit diesen Worten sackte Severus in Hermines Armen in sich zusammen. Hermine bemerkte es entsetzt und ging unter der plötzlichen Last langsam zu Boden.
„Bitte Mr. Malfoy, er muss hier raus, in ein Bett, er braucht wirklich dringend medizinische Hilfe."
Flehend sah sie Malfoy an.
Lucius seufzte laut.
„Sie bekommen Ihren Willen Miss Granger. Crabbe, Goyle, bringt ihn ins Turmzimmer. Ach und nehmt Miss Granger mit. Sie soll ihn versorgen. Miss Granger, bitte erstellen Sie eine Liste mit den Dingen, die notwendig sind. Und achten Sie auch darauf, ob er noch irgendwelche Symptome von Lycantropie zeigt."
Mit diesen Worten verließ er den Kerker. Crabbe und Goyle machten sich daran Snape zum Turmzimmer zu schaffen. Hermine musste trotz der ernsten Situation in sich hineingrinsen. Dilettanten die sie waren, brachten sie nicht einmal einen Schwebezauber zustande. Na, SIE würde denen ganz bestimmt nicht helfen. Mit gesenktem Kopf trottete sie hinter den Beiden und ihrer Last, hoffend, dass die zwei Männer nicht ihr Grinsen bemerkten.
