53.
Hermine saß tief in Gedanken versunken an Severus Bett. In ihren Händen hielt sie ein Notizbuch. Gewissenhaft hatte sie alles notiert, was ihr in Hinblick auf Severus Zustand wichtig erschien. Seit seinem Zusammenbruch gestern war noch nicht wieder zu sich gekommen. Er schien jedoch viel zu träumen, er redete unverständlich, bewegte sich viel und, etwas was sich Hermine nicht erklären konnte, sein Körper schien sich zeitweilig zu verändern. Doch es war kein Pelz, nein es schienen eher…Federn zu sein.
Hermine war ratlos. Sie hatte die zwei gehirnlosen Schwachköpfe mit einer Unzahl von Botengängen beschäftigt, hatte eine Menge ausprobiert, jedes Rezept und was ihr passend schien und in der kurzen Zeit machbar war, doch nichts schien richtig zu helfen.
Es war wie verhext. Tränen der Wut stiegen in Ihr auf. Was sollte sie nur tun, wie ging es weiter?
Da hörte sie ein leises „krah" vom Fenster her. Ihr Blick ging zu der kleinen Öffnung in der Mauer und sie erblickte Mephisto.
Mit schnellen Schritten war sie am Fenster.
„Oh Mephisto, es tut gut Dich zu sehen."
Der Vogel blickte erst sie mit seinen klugen Augen an, dann fiel sein Blick auf Severus. Hermine hätte schwören können, dass die Miene des Raben besorgt aussah.
„Er wacht einfach nicht auf, ich bin am Ende meiner Mittel. Ich habe alles versucht. Er wacht einfach nicht auf, er wacht einfach nicht auf."
Schluchzend brach Hermine zusammen.
Da bemerkte sie wie der Rabe vorsichtig in ihre Gedanken eindrang.
„Küss ihn."
Hermine schaute auf. Sollte es wirklich so einfach sein? Wieso war sie nicht darauf gekommen? Der Kuss des Liebenden. Sie hatte davon gehört, es war ein mächtiges Heilmittel, so stand es in alten Schriften. Doch nur, wenn es wahre Liebe war, ansonsten…sie erinnerte sich an die Beschreibungen, was sonst passieren konnte. Der Tod. Aber was blieb ihr schon. Sie fällte eine Entscheidung. Zögernd trat sie näher an das Bett, in dem Severus lag. Sie blickte ihn, wie es schien, eine Ewigkeit an. Dann gab sie sich einen Ruck und beugte sich über den Bewusstlosen. Unendlich sanft und zärtlich berührten Hermines Lippen Severus Mund und sie versank in ihm.
Da, er bewegte sich, seine Zunge berührte die ihre, sprach eine Einladung aus und wurde angenommen. Sie hielt kurz inne, öffnete die Augen und verlor sich in zwei dunklen Seen. Severus war erwacht. Und nicht nur das, sein Kuss wurde hungriger und oh er schmeckte so gut. Hermine ließ sich auf das Bett sinken, sofort wurde sie fest umarmt.
„Hermine, ich brauche Dich."
Es war kaum mehr als ein Flüstern, nach Tagen des Nichtbrauchens seiner Stimme klang sie rau.
Nun war es an Hermine, sie ließ ihre Hände über sein Gesicht gleiten, über seinen Hals, oh verdammt, Stoff, soviel Stoff. Auch Severus schien das bemerkt zu haben, allerdings an Hermine. Schnell, aber sehr geschickt hatte er sie bis auf die Unterwäsche ausgezogen, doch Hermine war nicht untätig und öffnete wie ihr schien tausende von Knöpfen. Als sie ihm schließlich den Gehrock abgestreift hatte, musste sie lachen, noch mehr Knöpfe. Aber auch mit denen wurde sie schnell fertig.
Und darunter befand sich endlich wonach sie sich gesehnt hatte. Langsam um alles genau in sich aufzunehmen erkundeten beide den Körper des jeweils anderen, schließlich hatten sie sich auch ihrer Unterwäsche entledigt.
„Hermine, noch gibt es ein Zurück, wenn Du das nicht willst, sag einfach nein."
„Du dummer Mann, ich wäre nicht bis hierher gegangen, wenn es jetzt noch ein Zurück geben würde. Severus, ich will Dich in mir spüren, hier und jetzt."
Severus schaute sie zur Bestätigung noch einmal an, dann küsste er sie begierig. Seine Hände schienen überall zu sein. Seine Lippen wanderten, liebkosten ihren Hals, während seine Hand ihre Brüste erkundete. Oh, es war wie ein Traum, Hermine überließ sich den Gefühlen, die Severus Berührungen in ihr auslösten. Er veränderte die Position, so dass Hermine nunmehr unter ihm lag. Seine Zunge umspielte eine ihrer Brustwarzen, derweil hatte seine Hand ihre Scham erreicht. Er bemerkte, wie ihr Herzschlag schneller wurde und sie ihm ihr Becken entgegenstreckte. Wunderbar weiche Haut fühlte er unter seiner Hand, seidige Locken, seine Hand wanderte tiefer.
Krach. Ein lautes Rumsen ließ den Turm erzittern.
Beide schauten entsetzt auf. Severus Blick blieb am Fenster hängen.
„Mephisto, was war das?"
Der schwarze Rabe starrte seinen Meister an.
„Hermine los, schnell zieh Dich an, sofort, der Orden greift an."
Rasch rafften beide ihre Kleidung zusammen und zogen sich flugs an.
„Severus, was haben die vor? Ich habe Angst."
„Hermine hast Du noch die Phiole, die Dir Mephisto gab?"
„Ja hier."
Mit diesen Worten zog sie eine kleine Phiole aus ihrem Umhang.
Wieder erbebte der Turm.
„Hermine, wenn der Turm einstürzt, trinke sofort den Inhalt, hörst Du?"
„Aber Severus, was…"
Wieder ein lautes Krachen, dann einen Moment Totenstille und mit einem Mal barst der Teil des Turmes an den Mephisto gerade noch auf dem Mauersims saß und der Turm fing bedenklich an zu schwanken. Ein breiter Riss zog sich quer durch die Wand.
„Trink."
Hermine setzte die Phiole an und trank. Während ihr plötzlich ganz elend zumute wurde fing vor ihren Augen Severus an sich zu verwandeln. Überall sprossen ihm Federn, schwarz und lang, sein Gesicht veränderte sich, seine Nase wurde zu einem…Schnabel?
Und dann stand ein riesiger Rabe vor ihr, größer noch als Mephisto.
Doch ihre Gedanken wurden abgelenkt, auch sie veränderte sich, das waren…ebenfalls Federn. Ihr Sichtfeld veränderte sich.
„Was…". Aber anstatt des Wortes kam nur ein ersticktes „krah" aus ihrem…Schnabel?
Plötzlich tauchte Severus Stimme in ihrem Kopf auf.
„Du hast Dich in eine Elster verwandelt Hermine, denk jetzt nicht drüber nach. Komm wir müssen hier wegfliegen."
Wegfliegen, nein das war unmöglich. Panik machte sich in Hermine breit. Nein, lieber sterben.
Rums, wieder erzitterte der Turm in seinen Grundfesten. Hermine verlor das Gleichgewicht und rollte in die Nähe der zerborstenen Mauern.
„Hermine, bitte es ist der einzige Weg, Mephisto und ich werden Dir helfen und Dich leiten."
Beide Raben sahen Hermine erwartungsvoll an. Beide wirkten so vertrauensvoll.
Da erklang eine andere Stimme in Hermine.
„Meisterin komm, wir müssen hier weg, Meister und ich brauchen Dich."
Jeder Widerstand in Hermine brach zusammen. Sie rappelte sich auf und tappte auf ihren Vogelfüßen zur immer größer werdenden Öffnung.
„Nicht nach unten sehen. Vertraue uns.", klang es simultan in ihr.
Sie stieß sich ab, erwartete einen tiefen Sturz, aber wie aus Reflex breitete sie die Flügel aus und…flog. Sie flog, ja tatsächlich, sie konnte fliegen. Was für ein berauschendes Gefühl das war.
Hinter ihr ertönte ein ohrenbetäubendes Kreischen, ausgelöst von überbeanspruchtem Mauerwerk. Sie warf einen Blick zurück und sah gerade noch, wie der Turm, der solange ihr Gefängnis war, mit lautem Getöse in sich zusammenbrach.
Unter ihr wuselten viele Gestalten und Blitze peitschten zwischen ihnen hin und her.
Severus Stimme erklang in ihr.
„Kümmere Dich nicht um sie, sie werden es schaffen. Wir müssen weg von hier."
„Wohin?"
Severus schwarzer Rabenkopf ruckte in Richtung Meer.
„Dorthin, Richtung Heimat, nach Hogwarts."
Es war ein seltsames Trio was dem Sonnenuntergang entgegen flog. Zwei beeindruckende schwarze Raben und in ihrer Mitte eine kleine zierliche Elster.
Bald verschwanden sie hinter dem Horizont.
A/N: Die Elster gehört ebenfalls zu den Rabenvögeln. Sie erreichen eine Körperlänge von bis zu 50 cm. Im Gegensatz zum Raben ist ihr Federkleid schwarz/weiß. Auch sie sind wie ihre großen Verwandten hochintelligent (s. Wikipedia).
