Viel Spaß beim Lesen und Reviewen!
Lg,
Die Schwarze Lady!
Angel & Demon
Er schloss seine Augen und peitschte den Knotenstrick über die Schulter auf seinen Rücken. Aber dieses Mal erreichte er sein Ziel nicht.
Silas erstarrte als er spürte, dass jemand an der Geißel zog. Erschrocken ließ er sie los und wagte es nicht sich nach seinem lautlosen Besucher umzudrehen. Der Lehrer! Er hatte ihn gefunden, er wusste vielleicht schon alles!
Reuig senkte Silas seinen Kopf noch tiefer und wartete auf seine Bestrafung. Dadurch würde er sich noch reiner und freier fühlen. Aber nichts dergleichen geschah, er vernahm ein Geräusch, worauf hin er schloss, dass sein ungebetener Gast die Geißel fallen gelassen hatte.
Verwirrt unterdrückte er seinen Drang sich umzudrehen, als er eine sachte Berührung an seiner rechten Schulter wahrnahm. Ein Zittern durchfuhr seinen geschundenen, hellen Körper. Warme, weiche Finger strichen ihm über die Schulter, vorsichtig den verletzten Rücken hinab.
Eine Sehnsucht, welche sich Silas geschworen hatte für immer zu verbannen, suchte sich langsam ihren Weg aus der Dunkelheit.
Geborgenheit und Liebe gab es nur in Gebeten und nicht in fleischlichen Gelüsten - hallte es in seinen Gedanken wieder. Sein ganzes Leben lang war er nie so angefasst worden, wie gerade eben.
Nur von wem? Wer war in seinem Zimmer?
Aufgewühlt öffnete er seine roten Augen und erblickte eine Frau. Erstarrt vor Schreck konnte er sich nicht bewegen, als ihre zarten Finger nun zaghaft durch sein weißblondes Haar und über sein Gesicht glitten.
Seine Gedanken überschlugen sich – eine Frau, in diesen Räumlichkeiten!? In diesem weltlichem, unzüchtigem Gewand!?
Das weiße Top und die eng anliegende Jeans betonten alle ihre Vorzüge und schmeichelten ihrem zierlichem Körper. Mit diesen Sachen wäre sie nie in das Ordenshaus eingelassen worden, noch nicht einmal beim Fraueneingang!
Wie kam sie herein? Wer hat sie geschickt? Was macht sie mit mir? - durchfuhr es Silas heiß.
Blitzschnell packte er ihre Hand, die ihn gerade noch berührt hatte, zog sie zu sich auf die Knie, schlug ihr ins Gesicht, verdrehte ihr den Arm auf den Rücken und zwang sie damit bäuchlings zu Boden. Er platzierte sich rittlings auf ihr und fixierte sie mit seinem Gewicht am Boden.
Alles ging furchtbar schnell und die Frau war dem Mönch nun hilflos ausgeliefert. Sie stöhnte leise vor Schmerz auf und Blut quoll aus ihrem Mundwinkel, sein Griff war eisern und erbarmungslos.
Wütend über die Ordensbrüder, welche sie hereingelassen hatten und seiner aufkeimenden Lust gegenüber - sein Glied streifte ihren wohlgeformten Hintern - schob er ihr Tanktop hinauf und griff zu seiner Geißel. Genau wie er es sofort bemerkt hatte, trug sie keinen Büstenhalter, da sich ihre Brüste durch das Top leicht abgezeichnet hatten.
Diese Hure, diese Sünderin, welche seine Gedanken so verdarb, sollte nun Buße tun. Sein Glaube sagte ihm, dass es seine Pflicht war, sie zu läutern. Er hob die mit seinem Blut getränkte Geißel an, schloss seine Augen für ein kurzes Gebet, spannte seinen Oberschenkel mit dem Bußgürtel an, um seine Lust zu vertreiben, öffnete seine Augen wieder, holte aus und - stoppte sein Vorhaben.
Silas stockte der Atem.
Es war schon dunkel draußen, er hatte die Vorhänge noch immer zugezogen und nur Kerzenlicht erhellte das kleine Zimmer. Und eben dieses reine Licht brachte sonderbare Linien auf dem Rücken der Frau zum Vorschein.
Silas traute seinen Augen nicht und brauchte einige Sekunden, bis er aus seiner Verblüffung erwachte. Wie in Trance legte er seine Geißel beiseite und berührte vorsichtig ihren Rücken. Die Frau zuckte zusammen. Silas hatte in seiner Zeit im Gefängnis viele verschiedene Tätowierungen gesehen und manche näher als ihm lieb gewesen war, aber so etwas war ihm noch nicht untergekommen.
Gab es überhaupt weiße Tätowierungen? Oder waren sie doch silbern? Er wusste es nicht, was er aber sah, waren zwei weiß-silberne Flügel, die sich von ihrer leicht gebräunten Haut wunderschön, überirdisch abhoben.
Behutsam fuhr er mit seinen Fingern die Linien nach um sich zu vergewissern, dass er sie sich nicht einbildete. Sie erstreckten sich von ihren Schulterblättern bis zu ihrem hüftigen Jeansansatz. Er fühlte ihre Erhabenheit und Weichheit, wie bei dem Fell einer Katze.
Ein letztes Mal strich er mit seiner großen Hand darüber und spürte wie schon zuvor ihre Angst. Noch immer hielt er ihren linken Arm fest, sie hatte sich nicht gewehrt und sie war ihm völlig ausgeliefert.
Aber was wollte sie hier und was hatte sie ihm angetan? Sie hatte ihm dass Einzige gegeben, wonach er sich immer gesehnt hatte und er hatte es ihr mit Schmerzen gedankt. Schmerz adelt. Dieser Grundsatz kam ihm zum ersten Mal schlecht und falsch vor.
Seine Wut war verraucht. Er würde es nicht mehr wagen dieses schöne, göttliche… - göttliche? - ja, die Flügel verband er unwillkürlich mit denen eines Engels - … Geschöpf zu bestrafen…
Silas ließ von ihr ab, erhob sich und kniete sich wieder vor dem Holzkreuz an der Wand zu Boden. Seine Geißel verweilte in seinen Händen.
Was verlangst du von deinem Diener, Herr?
Ist das eine Prüfung?
Warum hast du sie zu mir geschickt?
Um meinen Glauben zu prüfen?
Mein Körper war schwach, zu leicht ließ er sich verführen. Aber mein Geist rettete mich, nur hätte er beinahe ein unschuldiges Wesen verletzt, wo doch ich hier der einzige Sünder bin.
Schmerz adelt. Er hatte sich seine Selbstgeißelung nun mehr als verdient. Er hatte seinem Herrn, dem Lehrer und Bischof Aringarosa, große Schande bereitet.
Chiara hatte seine Verwunderung und Zweifel nur zu deutlich gespürt. Erleichtert, seiner Läuterung entgangen zu sein, beobachtete sie ihn und betastete ihre wunde Lippe.
Er hatte sie gewarnt. Es ihr vorausgesagt. Aber sie hatte es nicht wahr haben wollen. Zu lange schon begleitete und beschützte sie diese arme Seele. Sie hatte die Hoffnung auf ein besseres Leben für ihn nie aufgegeben. So grausam konnte selbst Gott nicht sein. Aber als er ihr dann erläuterte, dass sie sich bald um eine neugeborene Seele zu kümmern hatte und mit der jetzigen bald Frieden schließen musste, war sie ausgerastet. Zuerst hatte sie gewütet und geschimpft, aber zuletzt nur noch gebettelt und geheult, ihm noch eine Chance für einen Neuanfang zu geben. Aber diesen hatte er bereits erhalten.
„Sein Schicksal ist besiegelt und er wird, wenn er dazu bereit ist, in ein neues Leben wieder geboren werden."
Dies waren die letzten Worte, die sie von Gott hören sollte.
„Bitte lass mich gehen", flüsterte sie brüchig, „ich möchte es noch ein letztes Mal versuchen und ihm das geben, was er in seinem Leben nie bekommen hat." Verloren senkte sie ihr Haupt, ihr blieben weder Tränen noch Worte um Gott um zu stimmen und fügte in Gedanken hinzu:
„Deine allumfassende, bedingungslose Liebe."
Chiara erinnerte sich nicht mehr daran, wie sie hier her gekommen war. Eine undurchdringliche Dunkelheit hatte sie plötzlich umgeben und dann fand sie sich in diesem schönen, menschlichen Körper vor einer verschlossenen Zimmertür wieder. Niemand hatte sie bemerkt und sie wusste, dass das noch ein letztes Geschenk Gottes an sie war. Er hatte ihr den Weg bereitet. Gehen musste sie ihn selbst. Chiara hatte Silas Anwesenheit gespürt, die Klinke entschlossen ergriffen und war eingetreten.
Noch immer kniete der unbekleidete Albino vor dem hölzernen Kreuz. Silas sehnte sich nach dem reinigenden Gefühl des Schmerzes. Er nahm seine geliebte Geißel auf und hieb erneut auf sein gezeichnetes Fleisch ein.
Chiara sprang auf und verhinderte seine Selbstgeißelung auch dieses Mal. Besorgt kniete sie vor ihm, umfasste seine rechte Hand, welche sein Folterinstrument hielt, und strich ihm mit ihrer freien zaghaft über sein gesenktes Haupt.
