Hi ihr Lieben!

Wow ich hab ein Review bekommen! Vielen lieben Dank Nijntje!

Keine Sorge, es wird noch heißer!

Wieder einmal viel Spaß beim Lesen!

Lg,

Die Schwarze Lady!

Leise schloss er die Tür und kam langsam auf sie zu. Die Unschlüssigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Das Wasser schwappte leicht über, als seine nervösen Hände die Waschschüssel neben die von ihr bereit gelegten, weißen, baumwollenen Tücher zu Boden stellte. Chiara hatte sie zuvor in der Kommode entdeckt und sie würden ihren Zweck erfüllen.

Sie erfasste seine Hand und verhinderte, dass er sich von ihr in eine andere Ecke des Zimmers entfernte. Schuldbewusst wich er ihrem Blick aus und nahm Platz. Er zuckte zurück, als er ihre Hände an seinem Mönchsgewand spürte.

Seine Augen durchbohrten sie zweifelnd – das kann ich nicht zulassen, das habe ich nicht verdient.

Aber sie ließ nicht locker. Silas wurde schlecht – wie konnte jemand so selbstlos sein?

Unfreiwillig ließ er sich von ihr aus seiner braunen Kutte helfen. Seine Wunden schmerzten sogleich, obwohl sie versuchte den groben Stoff vorsichtig zu entfernen. Bestürzt weiteten sich ihre Augen und sie hielt verbissen ihre Tränen zurück – er hatte seinen Rücken furchtbar zugerichtet.

Viele der alten Narben waren gar nicht mehr zu sehen oder neu aufgerissen und tiefe rote Striemen hatten sich in seine helle Haut gefressen. Nur ganz zart waren die Spuren ihrer heilenden Tränen, die gewundene Pfade beschrieben, zu sehen. Doch auch ihnen drohte die baldige Überflutung mit, dem wie Wasser fließenden, Blut – dennoch hatte es gewirkt. Keine Narben würden an diesen Stellen zurückbleiben – alles war unversehrt.

Ein Lächeln zeichnete sich auf ihre Lippen und sie wischte die aufkommenden Tränen beiseite, bevor sie sich wieder ihrem Schützling widmete. Eine schwierige Aufgabe lag noch vor ihr.

Er stoppte ihre Hände, die ihn wieder ganz entkleiden wollten.

Nein – dieses Mal werde ich keine Schwäche zeigen.

„Dein Bußgürtel …", versuchte sie zu erklären und blickte dabei in seine gehetzten Augen, „bitte …nimm ihn ab."

Silas war innerlich zerrissen, sein Bußgürtel war sein letzter „Schutz" vor neuerlichen Anwandlungen der Lust. Anderseits brauchte er seine Kraft für die Aufgabe und er hatte schon zu viel Blut verloren – und er wollte ihr nicht widersprechen. Zu groß waren seine Schuldgefühle und er hatte vor, es irgendwie wieder gut zu machen.

Er schlug seine Kutte zurück und hantierte an der Öffnung. Die Dornen gruben sich zuerst noch tiefer in sein sündiges Fleisch, bevor er ihn langsam löste. Mit schmerzverzerrtem Gesicht nahm er ihn schließlich ganz ab und legte ihn beiseite. Sein Schenkel tobte. Chiara tränkte ein sauberes Tuch in der Schüssel, wand es aus und wurde von ihm aufgehalten.

Verständnislos trafen ihn ihre Blicke.

„Warum machst du das – warum hilfst Du mir? Ich habe… Dir Schreckliches angetan… ich…", Silas Stimme versagte und er suchte verzweifelt eine Antwort in ihren klaren, wunderschönen Augen.

„Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern – Was ihr an dem Geringsten von euch getan habt, habt ihr an mir getan. Vergebung ist das wertvollste Geschenk, das man einem Menschen machen kann, genauso wie die Liebe.", schloss Chiara und fügte in Gedanken hinzu: „Und beides habe ich Dir schon immer gegeben."

Er senkte seine roten Augen, nahm ihr das Tuch ab und flüsterte leise: „Ich bin es trotzdem nicht wert, meine Wunden von Dir waschen zu lassen…"

„Wenn Du sie nicht von mir rein waschen lässt, wie sollst Du Dir dann je selbst oder anderen vergeben können? Auch Jesus hatte seinen Jüngern die Füße gewaschen um ihnen den richtigen Weg zu zeigen – liebt und achtet einander."

Stille Tränen der Reue flossen sein helles Antlitz hinab. Chiara strich ihm über die feuchte Wange – „ja, auch sie reinigen" – und sie legte ihre Hand auf sein Herz – „Dich ganz tief in Dir, damit Du wieder neu wachsen kannst."

Sie befeuchtete ein weiteres Tuch und begann behutsam seinen Rücken zu reinigen.

Eine Mischung aus Schmerz und Wohlgefallen durchströmte seinen geschundenen Körper, als er ihre sanften Berührungen spürte. Trotz seiner Wunden versuchte er dieses Gefühl auszukosten und zu genießen – es würde das letzte Mal sein, dass sie Dich anfasst.

In der Schüssel färbte sich das Wasser rot und sein Körper war fast wieder weiß wie Schnee. Umständlich zog er sich an, nahm die blutdurchtränkten Tücher und sie Waschschüssel an sich, er murmelte ein schuldbewusstes „Danke" und verließ das Zimmer. Er entsorgte die gebrauchten Tücher im Wäscheabwurf und füllte die gereinigte Schüssel mit Wasser auf.

Noch immer war es ganz still auf dem Flur. Es schien, als befänden sie sich in seinem Zimmer in einer anderen Welt, die von der Wirklichen nicht wahrgenommen wurde – und er war mehr als nur dankbar dafür.

Leise betrat er den spärlich ausgestatteten Raum, übergab ihr die Schüssel und entkleidete sich sofort wieder, um seine Wunden an der Luft trocknen zu lassen. Chiara stellte sie zu Boden, tauchte ihre Hände ein und wusch endlich ihr Gesicht. Das Wasser hinterließ ein perlendes, erfrischendes Gefühl auf ihrer Haut. Sie versuchte es gleich noch einmal und fand es herrlich. Gottes Schöpfung steckte wirklich voller Wunder und war unergründlich.

Silas beobachtete sie zweifelnd – sollte sie doch das sein, was sie vorgab zu sein? Sie verhielt sich in jeder neuen Situation, so als hätte sie sie noch nie erlebt – wie ein unschuldiges Kind – Wesen – mein Schutzengel? Aber das war einfach nicht möglich.

Sein Glaube war stark, er hatte ihm nur zu oft bewiesen, dass es einen „guten" Gott gab und wahrscheinlich seine treuen Gehilfen – die Engel, welchen er nach Bischof Aringarosas Aussagen sogar ähnlich sah. Du bist weiß. Rein. Schön. Wie ein Engel. Aber… warum sollte Er mir einen senden…?

Ertappt blickte er in ihre wissenden Augen. Chiara hatte es gespürt – so wie sie es immer spürte, wenn er an sie dachte.

Silas verschloss sich vor ihr und starrte zu Boden. Ein Hauch von Röte färbte seine Wangen und ein zufriedenes Lächeln umspielte sogleich ihre Lippen.

Das Geräusch, als sie das frisch getränkte Tuch aus wand, ließ ihn wieder aufsehen. Bittend hielt sie es ihm entgegen und sie war wieder so unbeschreiblich schön, wie kurz bevor sie ihn zuvor geküsst hatte. Aufgewühlt griff er nach dem weißen, feuchten Stoff und ihre Hände berührten sich. Chiara ließ los und wandte ihm ihren verletzten Rücken zu. Silas wusste nicht, wie ihm geschah, diese kurze Berührung hatte ihn wieder völlig durcheinander gebracht.

Zitternd nahm er hinter ihr Platz und begann, bedacht darauf das Tuch immer zwischen seinen Händen und ihrer Haut zu führen, ihre Wunden zu reinigen.

Das Gefühl des Schmerzes durchzuckte sie jedes Mal, wenn er ihren aufgerissenen Striemen zu nahe kam. Er hielt dann kurz inne um ihr nicht noch mehr weh zu tun und strich behutsamer über ihren Rücken. Die fellartigen weichen Linien erstrahlten langsam in ihrem silbrigen Weiß und zeichneten sich wieder als zwei wunderschöne Flügel ab.

Auch Silas nahm die geheilten Spuren war – wusste sie aber nicht einzuordnen.

„Deine Tränen", drang die wohlbekannte Stimme in seine Gedanken ein, „sie haben mich geheilt."

Wie…?

Deine Einsicht, Deine Reue,… haben es bewirkt."

Mit diesen letzten gedachten Worten drehte sie sich zu ihrem Schützling um und blickte in seine wässrigen Augen. Einzelne Tränen benetzten seine Wangen ehe er sie schloss und gesenkten Hauptes, bebend flehte: „Bitte verzeih mir…"

Sie nahm ihm das blutdurchtränkte Tuch ab und umfasste seine Hand. Ihre andere streichelte über seine feuchte Haut, hob sein Gesicht an und verschloss seine schluchzenden Lippen mit einem Kuss.

Hungrig und hingebungsvoll zugleich erwiederte er ihn und presste seine Lippen noch fester auf die ihren. All die Leidenschaft, die er jahrelang in seinem Innersten verborgen hatte drang nach außen und seine Tränen flossen, wie auch jetzt die ihren unaufhaltsam, befreiend weiter.

„Ich habe Dir bereits vergeben."