Hier ist auch schon das fünfte Kapitel. Diesmal war ich ein bisschen schneller ;)

Das hier ist für alle, die wissen wollen, warum Murtagh wieder auf der guten Seite ist.


Murtaghs Zweifel

Eragon sah dem neuen Dracheneiter nach. Sein Drache ging kurz hinter ihm und sie schienen sich zu unterhalten.

Er nickte Murtagh zu und die beiden verbeugten sich vor der Königin und baten, sie zu entschuldigen. Dann gingen sie hinaus, gefolgt von ihren Drachen.

Er ist merkwürdig, findest du nicht auch?, fragte Eragon Saphira, die leise schnaubte.

Du bist auch merkwürdig, auf deine Art. Was genau meinst du? Ich habe nur gesehen, dass er sich gut auskannte. Es ist doch gut, wenn er ein paar Grundlagen schon beherrscht.

Ja, aber er wollte uns nicht sagen, woher er diese Grundlagen kannte Ich werde ihn später noch einmal danach fragen.

Tu das, wenn du das für richtig hältst.

Eragon sah sie fragend an. Du denkst anders?

Nein, ich denke nur sie sollen sich mit dem Essen nicht so viel Zeit lassen, mein Magen beschwert sich nämlich langsam.

Saphira!

Was denn?

Eragon seufzte und grinste dann. Du bist wirklich unverbesserlich, weißt du das?

Sie ließ ihr kehliges Lachen hören. Danke, so etwas hört ein Drache immer gern. Vor allem von seinem Reiter.

Du weißt, wie das gemeint war.

Plötzlich stupste ihn Murtagh in die Rippen und er wurde sich wieder bewusst, wo er überhaupt war.

„Hat Saphira lustige Dinge zu erzählen?", Murtagh hatte sein schelmisches Lächeln aufgesetzt.

„Ja, sie ist wie immer ein richtiger Scherzbold, mein Kleine", dafür bekam er eins mit Saphiras Pranken über.

Murtagh wurde jetzt ernst. „Was hältst du von unserem neuen Reiter?"

„Saphira findet nichts merkwürdig, doch ich persönlich würde doch gerne wissen, woher er die Etikette der Elfen kennt, vor allem, da die Elfen diese Etikette nicht durch die Welt tragen. Wenn er einen Lehrer hatte, wüsste ich zu gern, wer das sein sollte. Alle ehemaligen Drachenreiter sind tot. Außer Oromis und Galbatorix und von den beiden wissen wir, dass sie ihm wohl nichts beigebracht haben."

Murtagh dachte nach, dann sagte er: „Vielleicht war es ein früherer Freund der Elfen, oder jemand, der mit den Varden Kontakt hatte."

„Ja, etwas anderes kann ich mir auch nicht vorstellen. Ich werde unseren Freund jedenfalls heute abend noch mal danach fragen."

„Ich glaube nicht, dass er dir etwas sagen wird. Er wirkte nicht sonderlich erpicht, etwas darüber zu sagen, meinst du nicht auch. Du könntest natürlich auch versuchen, in seinen Geist einzudringen, doch ich denke nicht, dass das einfach wird. Die Mauern um seinen Geist sind sehr gut und relativ undurchdringlich. Mit deinen Kräften würdest du ihn wahrscheinlich brechen können, aber ich denke, das trägt nicht gerade zur Gastfreundlichkeit bei und er scheint sich hier sowieso nicht so wohl zu fühlen."

„Er kann sich uns nicht einfach verschließen. Er gehört zu uns und wir müssen ihm doch vertrauen können, nicht wahr?", sofort bereute er, was er gesagt hatte. Murtaghs Gesichtszüge wurden hart.

„Wenn wir danach gehen, dürfte ich auch nicht hier sein. Denn wirklich vertrauen, tut mir hier niemand außer dir und Saphira. Nicht, das ich das nicht verstehen würde, aber Vertrauen scheint kein sehr großes Kriterium hier zu sein."

„Arya vertraut dir genauso wie ich! Die Elfen würden dich nicht hier sein lassen, wenn sie dir nicht vertrauen würden, das weißt du genau."

„Ich bin nur hier, weil sie mich gründlich durchleuchtet haben und nichts finden konnten und aus keinem anderen Grund, außer dem, dass sie mich im Kampf gegen Galbatorix brauchen. Und wenn das wirklich Vertrauen ist, was sie mir entgegenbringen, dann kenne ich anscheinend die Grundbedeutung dieses Wortes nicht. Du weißt, dass ich Recht habe und Arya macht da keine Ausnahme, sosehr du das auch hoffen willst."

Eragon wusste, worauf er anspielte und wurde prompt rot, natürlich wusste er auch, dass Murtagh Recht hatte. Die Elfen vertrauten ihm nicht und eine kleine, sehr nervige, Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass sie allen Grund dazu hatten.

Murtagh war vor ungefähr anderthalb Jahren von Galbatorix gefangen genommen worden. In Urû'Baen berührte er eines der Dracheneier und Dorn wurde geboren, danach musste Murtagh Galbatorix viele Versprechen in der Alten Sprache geben, die er nicht brechen konnte, oder er starb. Bei der ersten Begegnung mit Murtagh, nach seiner Verwandlung in einen Diener Galbatorix', kam Eragon nur knapp mit dem Leben davon, damals hatte Murtagh ihn entkommen lassen, doch er hatte auch gesagt, dass Galbatorix dies nicht noch einmal geschehen lassen würde. Also, trainierte Eragon seine Kräfte noch mehr als vorher, doch auch sein zweiter Kampf mit ihm verlief zu Murtaghs Gunsten, wenn auch knapp. Doch zu Eragons Glück waren die Elfen in der Nähe, die ihn retteten und Murtagh gefangen nahmen.

Aufgrund seiner Schwüre, war es Murtagh damals nicht möglich gewesen, ihnen etwas zu erzählen, den Elfen gelang es trotzdem einige der Zauber rückgängig zu machen, die auf Murtagh lagen, unter anderem auch den Fluch, Eragon zu töten. Zum Reden bringen konnten sie ihn trotz allem aber nicht.

Da hatte sich plötzlich der Drache Dorn eingeschaltet und Murtagh vor den Schwüren gerettet, indem er sich selbst opferte. Von da an war Murtagh zwar befreit, doch er konnte sich an die Zeit bei Galbatorix nicht mehr erinnern und deswegen auch keine Schlachtpläne des bösen Königs, oder sonst etwas, preisgeben.

Als Murtagh kurz darauf klar wurde, was sein Drache für ich getan hatte, war er am Boden zerstört und flehte die Elfen an, ihm seinen Drachen zurückzubringen, zuerst hatten sich diese geweigert, doch Murtaghs Flehen war immer dringlicher geworden und schließlich stimmten sie zu. Die besten Magier der Elfen versammelten sich mit Murtagh und sie sprachen eine uralte Formel über dem toten Körper von Dorn. Bei der anschließenden Beschwörung wurden zwei der Elfen getötet, doch das Kunststück gelang.

Danach hatten Dorn und Murtagh Unterricht bei Oromis und Glaedr erhalten, um auch noch den kleinsten Funken Magie aus ihnen herauszuholen, das Training war sehr erfolgreich und die beiden waren fleißige Schüler, doch die meisten der Elfen konnten nicht verzeihen, was Murtagh getan hatte. Ihrer Meinung nach, hatte er den Tod der beiden Magier bei der Beschwörung geplant, um die Elfen für den bevorstehenden Kampf noch weiter zu schwächen, doch da das niemand beweisen konnte und die Königin und Oromis Murtagh gut gesinnt waren, duldeten sie ihn und seinen Drachen in Ellesméra.

„Also, bis nachher dann, Eragon", Murtagh schlug seinem Freund, der in Gedanken versunken schien, auf die Schulter.

„Ja, bis zum Fest", Eragon war klar, dass Murtagh gerade an dasselbe gedacht haben musste, wie er.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Elfen ihm vertrauen. Er wird sich erst in der Schlacht beweisen müssen, fürchte ich. Gut, dass die Elfen seinen wahren Namen ändern konnten, denn sonst wäre sein Drache umsonst gestorben, meinte er zu Saphira.

Ja, dann hätte Galbatorix trotz aller Bemühungen noch die volle Kontrolle über Murtagh. Hoffen wir, dass dies auch wirklich gewirkt hat, denn wenn nicht, haben wir einen Verräter in den eigenen Reihen und das wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte.

Eragon wurde aufbrausend. Er gehört zu uns Saphira, er hat den Elfen und mir gegenüber in der Alten Sprache gesprochen, er kann nicht lügen.

Und wenn er es selbst noch nicht weiß? Dann würde er nicht wissentlich lügen und dann könnte er auch in der Alten Sprache-

Eragon unterbrach sie: Saphira, bitte fang du nicht auch noch an, an ihm zu zweifeln. Er wird es merken und nur noch verschlossener werden.

Ich glaube, dass er sich dessen, was ich gerade gesagt habe, selbst ganz gut bewusst ist. Ich glaube deswegen will er auch so wenig mit uns zu tun haben, um nicht zufällig etwas Wichtiges aufzuschnappen und das ist auch der Grund, warum die Elfen ihm so misstrauen.

Ich werde ihn da nicht noch weiter reintreiben. Murtagh ist mein Bruder und mein Freund, ich lasse ihn nicht wegen einer Vermutung, die sich wahrscheinlich als falsch rausstellt, im Regen stehen lassen und das kann auch keiner von mir verlangen.

Er hatte so überzeugend gesprochen, dass Saphira leicht den Kopf senkte und ihm in die Augen sah. Du bist wirklich erwachsen geworden, Kleiner.

Eragon strich mit seiner Hand über ihren Kopf. Komm, wir gehen uns ein bisschen ausruhen, vor dem Fest. Und dann werde ich den neuen Drachenreiter ausfragen.

Darauf stieg Eragon auf ihren Rücken und sie flog los.


Übrigens: Ein paar Reviews wären wirklich nett :)