Kapitel numero 12 :) Es ist zwar wieder mal nicht so lang, aber das nächste wird wieder länger, ganz fest versprochen, aber dafür will ich auch ein paar nette Reviews kriegen, okay?
Einen ganz herzlichen Dank an meine beiden letzten Reviewer ChrisLang und lauretta8. Freue mich schon drauf, mehr von euch zu hören, aber natürlich auch von allen anderen.
Dann noch weiterhin viel Spaß.
Ungewöhnliche Tatsachen
Eragon starrte Ile hinterher. Wer war er? Und was genau wollte er?
Er hatte immer mehr das Gefühl etwas sehr Wichtiges nicht zu wissen, etwas, was die Zukunft für alle beeinträchtigen konnte und er wusste auch genau, wer darüber Kenntnis hatte: Dieser junge Mann und sein Drache. Ile und Hírador. Sie hatten wohl weit mehr zu verbergen, als sogar er erwartet hatte.
Ile war mit gesenktem Kopf vorbeigegangen. Schämte er sich wegen etwas? Hatte er der Königin erzählt woher er kam und wer sein Lehrer war? Und warum hatte Islanzadi sie noch nicht hereingerufen? Was war nur los mit allen?
Er warf einen Blick zu Murtagh hinüber, dieser hatte die Stirn in Falten gelegt und sah Ile ebenfalls hinterher. Ob er sich wohl gerade selbst sah? Immerhin hatte er sich in einer ähnlichen Situation befunden. Er hatte Eragon zuerst auch nicht sagen wollen, wer er war. Damals hatten sie auch noch nicht gewusst, dass sie Brüder sind. Eragon hatte sich schon oft gefragt, wie alles gekommen wäre, hätten die Zwillinge ihnen es gesagt. Wahrscheinlich wäre Murtagh nie von Galbatorix gefangen genommen worden, er wäre vielleicht mitgekommen, zu den Elfen, oder er wäre bei Nasuada geblieben.
Murtagh war Nasuada aus dem Weg gegangen und hatte alles getan sich von ihr fern zu halten, seid er wieder auf ihrer Seite war. Er hatte Eragon erzählt wieso: Murtagh schämte sich, da er denke, er wäre am Tod ihres Vaters beteiligt gewesen. Er redete sich ein, dass es seine Schuld wäre. Eragon hatte zwar versucht ihm das auszureden, weil es ganz einfach nicht stimmte, doch Murtagh wollte davon nichts hören.
Vieles wäre einfacher gewesen, hätten sie gewusst, dass sie Brüder sind, sie hätten die Schlacht gemeinsam gekämpft und nicht als Feinde, die Schlacht in der Eragon seinen zweiten Bruder erworben hatte, Roran, die beiden waren zwar nicht im biologischen Sinne Brüder, doch umso mehr im Geiste. Roran kümmerte sich mittlerweile um die Übrigen Leute von Carvahall, er baute mit ihnen ein neues Dorf auf. Er hatte inzwischen auch Katrina geheiratet, die sie vor den Ra'Zac gerettet hatten.
Seine Gedanken kamen in die Gegenwart zurück und er musterte weiterhin Murtagh.
Murtagh schien nun einen Entschluss gefasst zu haben und ging hinter Ile her. Sein Drache Dorn folgte ihm auf dem fuße.
Eragon hielt ihn an der Schulter fest: „Wohin willst du?"
„Ich möchte gerne mit Ile reden, sonst nichts", Murtagh sah Eragon entschlossen an und dieser wusste, dass Murtagh sich von diesem Plan nicht mehr abbringen ließ.
„Gut, aber sei vorsichtig, irgendetwas stimmt nicht mit unserem neuen Freund", Murtagh zuckte nur mit den Schultern und ging davon.
Eragon sah ihm noch hinterher, als er hörte, wie sich neben ihm Arya regte. Er drehte sich zu ihr, dann sagte sie: „Ich denke, wir können jetzt reingehen", sie wies mit der Hand auf den Thronsaal und Eragon nickte, ließ ihr aber den Vortritt zum Eintreten.
Er sah schon von Weitem, dass die Königin überlegte, sie saß nicht ganz so gerade in ihrem Thron wie sonst und sie hatte die Stirn in Falten gelegt. Vor dem Thron verbeugte Eragon sich und Saphira neigte leicht den Kopf, die Königin schreckte hoch, als hätte sie eben erst bemerkt, dass sie da waren.
„Königin?", Eragon versuchte die brennende Neugier aus seiner Stimme zu bannen, was ihm nicht ganz gelang und er deshalb einen fragenden Unterton bekam.
Islanzadi richtete ihre Augen auf ihn und ihre Miene war undurchdringlich, wie es die Elfen öfter machen, wenn sie etwas zu verbergen hatten. Sofort wurde Eragon misstrauisch. Was hatten Ile und die Königin miteinander besprochen? Wusste sie schon, wer er war?
„Ich glaube nicht, dass ich dir liefern kann, was du gerne hören möchtest, Eragon Schattentöter", Eragon fühlte sich in seinem Misstrauen bestätigt, Islanzadi verheimlichte etwas. „Was auch immer du denken magst, ich weiß immer noch nicht mehr über Ile als du", Eragon verfluchte sich dafür, jetzt rot anzulaufen, denn er wusste, dass die Königin geahnt hatte, was er dachte und sie war ihm hiermit zuvor gekommen, „Ich kann dir jedoch sagen, dass ich eine Vermutung habe, was ihn angeht", sowohl Eragon, als auch Arya wurden hellhörig, denn damit hatte keiner von ihnen gerechnet. Die Königin fuhr fort: „Ich bin mir sicher, dass Ile von einem Elfen ausgebildet worden ist, denn nur wer einen Elfen schon einmal hat kämpfen sehen, kann ihn auch besiegen, außerdem kannte er viele Geheimnisse der Elfen, die wir seit einiger Zeit niemandem mehr erklären, wie zum Beispiel das Begrüßungsritual."
Eragon unterbrach sie: „Aber könnte er das nicht von den Varden gelernt haben?", in seiner Eile hatte Eragon sogar seine Höflichkeit vergessen, als es ihm auffiel, fügte er rasch hinzu: „Majestät"
Islanzadi lächelte ein wissendes Lächeln, ebenso wie Arya und Eragon kam sich mal wieder dumm vor. Dann setzte Arya zu einer Erklärung an: „Die Elfen haben seit Ewigkeiten niemandem mehr gezeigt, wie das Ritual funktioniert, auch den Varden habe ich es nie beigebracht, denn es bestand kein Grund dazu, sie haben schließlich nie einen ranghöheren Elfen getroffen und mir war dieses Ritual in der Welt der Menschen zu umständlich"
Eragon leuchtete das ein, aber trotzdem war er sich in bezug auf Ile nicht sicher: „Aber er sagte doch, er lebe in einem Dorf und dass niemand dieses Dorf kennt. Wäre es nicht möglich, dass die Leute dort irgendwann einmal Kontakt zu einem Elfen hatten, oder dass sie die letzten Überbleibsel einer Generation von Menschen sind, die die Elfen noch nicht vergessen haben?"
Die Elfenkönigin sah Eragon erstaunt an, dann sagte sie: „Das ist natürlich möglich, jedoch meiner Meinung nach recht unwahrscheinlich, denn diese Leute müssten einer weit zurückliegende Generation angehören. Ich bin mir sicher, dass ein Elf Ile ausgebildet hat, ich kann mir keine andere Möglichkeit vorstellen." Somit betrachtete die Königin das Gespräch als beendet und Eragon gab klein bei. Fürs Erste. Er verbeugte sich abermals und ging hinaus, Arya blieb bei ihrer Mutter, die beiden redeten leise miteinander.
Was hältst du davon, Saphira? Du warst so still die ganze Zeit, das ist doch sonst nicht deine Art.
Die Königin verheimlich uns etwas, etwas wichtiges, sobald sie draußen waren, stieg Eragon auf Saphiras Rücken und die beiden flogen über den Wald.
Ich habe auch so etwas gespürt, Eragon nahm die Unterhaltung wieder auf, Sie wirkte recht abgelenkt, außerdem beharrte sie so darauf, dass Iles Lehrer ein Elf ist, obwohl es andere Möglichkeiten gibt. Sie weiß etwas über seinen Lehrer, da bin ich sicher.
Genau das gleiche denke ich auch, die beiden waren schon über den niedrigeren Bäumen angelangt, Was glaubst du, war Iles Lehrer wirklich ein Elf?
Eragon, der bequem im Sattel saß, überlegte kurz. Es könnte sein, das denke ich auch, aber es bleiben noch genug andere Möglichkeiten. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.
Er wird es uns sagen, da bin ich mir sicher, er braucht nur Zeit. Überleg doch mal: Er ist erst drei Tage bei uns, da kannst du nicht verlangen, dass er dir schon alles über seine Kindheit erzählt, oder? Bei Murtagh hat es immerhin auch eine Weile gedauert, eigentlich haben wir nur die Wahrheit erfahren, weil wir angegriffen wurden, sonst hätten wir vielleicht nie rausbekommen, wer er ist. Und bei Ile wird es nicht anders sein. Lass ihm Zeit, Eragon, er muss sich eingewöhnen und vielleicht auch eine Schlacht mit uns schlagen, damit er weiß, dass er uns vollkommen vertrauen kann. Sein Geheimnis könnte ja auch so etwas wie Murtaghs sein, etwas, wovon er denkt, dass wir ihn dann verbannen würden oder so etwas in der Art. Er verheimlicht uns seine Herkunft nicht ohne Grund.
Ja, du hast recht. Wie immer, er grinste und Saphira schnaubte laut auf. Eragon wollte jetzt nicht weiter darüber reden, denn er musste nachdenken, also lehnte er sich zurück, breitete die Arme aus und genoss den Wind auf seinem Gesicht. Dann schloss er die Augen und konzentrierte sich auf sich selbst und Saphira. Er spürte jede einzelne ihrer und seiner Muskeln und irgendwann war es fast, als wären sie ein Wesen, sie teilten jeden Gedanken und jedes Gefühl.
Als er die Augen öffnete hatte er den mittlerweile bekannten Blaustich im Sichtfeld, er sah durch die Augen von Saphira, eines der schönsten Erlebnisse, die er in seinem bisherigen Leben gemacht hatte.
So flogen die beiden als ein Wesen über den Elfenwald hinweg und jagten Hirschen und allem möglichem Wild hinterher, dass sie sahen. Saphiras scharfem Blick entging nichts und sie wurden immer schneller und waren bald in den heikelsten Manövern, die Glaedr ihnen beigebracht hatte. Beide fühlten die Freiheit, die sie nur in den Lüften erreichen konnten und sie genossen sie aus vollem Herzen. Saphira ging jetzt in einen steilen Steigflug, nur um kurz darauf mit halsbrecherischer Geschwindigkeit wieder zur Erde zu sausen.
Sie flogen eine ganze Weile so, bis die Sonne entgültig untergegangen war. Eragon trennte sich aus der engen Verbindung mit Saphira und wurde sich bewusst, dass sein Körper schon ziemlich unterkühlt war.
Höchste Zeit für den Heimflug, Saphira, sonst hast du nur noch einen Eiszapfenreiter!Natürlich, Kleiner, ich bin schon so gut wie an unserer Baumbehausung.
Ein paar Minuten später landeten sie schließlich in ihrer Wohnung. Eragon sprang schnell ab und lief ins Bad, wo er sich direkt eine heiße Wanne einlaufen ließ. Sobald diese voll war, sprang er auch schon hinein.
Als er wieder aufgewärmt war, kam er raus und legte sich auf sein Bett.
Gute Nacht, meine Süße.
Gute Nacht, mein Kleiner.
