Trommelwirbel So, hier haben wir das fünfzehnte Kapitel. Ich hoffe es gefällt euch.

Wie immer jetzt noch die Aufforderung zum Review schreiben: Schreibt mir bitte ein paar Reviews :)

Vielen Dank an Baghira und sus für die netten Kommentare. Und ja, ich weiß, dass das hier wieder so ein kurzes Kapitel ist. Das nächste wird wieder länger!


Sorgen

Eragon wachte am nächsten Morgen früh auf. Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen und es war nur ein leicht orangenes Leuchten am Himmel zu sehen. Er drehte sich auf den Rücken und konnte jetzt Saphira tief atmen hören. Also war sie noch nicht wach.

Er überlegte, ob er aufstehen sollte, ließ es dann jedoch bleiben, weil er sich schon lange nicht mehr so entspannt gefühlt hatte, wie in diesem Augenblick.

Es war wirklich erstaunlich, was in den vier Jahren, die er jetzt mit Saphira zusammen war, alles geschehen war, sie hatte so viele große und kleine Schlachten geschlagen, dass er sie schon aufgehört hatte zu zählen. Die Schergen des Königs wurden einfach nicht weniger. Galbatorix hatte im letzten Monat einen Masseneinberufungsbefehl ausgerufen, wonach sich alle Männer ab vierzehn in der Armee zu melden hatten, er nahm auch noch die alten Männer bis zu fünfzig Jahren.

Eragon graute immer mehr vor der letzten, großen Schlacht, sie würde grauenvoll und blutig sein. Galbatorix würde sich wahrscheinlich nicht zeigen, bis all seine Soldaten tot waren. Eragon fürchtete davor, so viele Menschen zu töten, doch er konnte auch nicht zu viel Mitleid mit diesen Männern haben, denn sonst würde er an dem Kampf zerbrechen und das durfte er auf keinen Fall, es stand einfach zu viel auf dem Spiel.

Er war sich auch bewusst, dass sie gegen die gesamte Kampftruppe von Galbatorix nicht viel hermachten, da sie nur so wenige waren. Ihre Legion zählte vielleicht zehntausend Mann, während Galbatorix' Truppen an die hunderttausend zählten, eigentlich ein aussichtsloser Kampf, doch sie waren jetzt drei Drachenreiter und immerhin waren auch noch die Elfen dabei und Menschen waren gegen sie nur einfache Zauberkünstler. Doch Galbatorix würde sicherlich auch einige finstere Gestalten aufbringen, wie zum Beispiel den Schatten Durza damals. Der Kampf gegen eben jenen hatte Eragon in der Schlacht von Farthen Dûr beinahe das Laben gekostet, doch er war jetzt stärker und wäre auf so eine Begegnung auch besser vorbereitet, als noch vor vier Jahren. Und natürlich waren auch noch die Zwerge mit von der Partie und die kämpften immer gut. Unter ihrem neuen König Orik hatten sich endlich alle Stämme geeint. Auch die Leute aus Surda würden mit ihnen kämpfen, doch diese waren nicht besonders stark und würde wohl auch nur in den hinteren Reihen stehen, da sie ansonsten nur Kanonenfutter wären und auch ein guter Angriffspunkt.

Es war das erste Mal seit ein paar Jahrhunderten, dass die Elfen wieder an der Seite der Menschen kämpfen würden, die Elfen hatten das Vertrauen in die Menschen verloren, nachdem Galbatorix zu einem Monster geworden war, sie hatten sich von den Menschen zurückgezogen, bis sie nichts weiter als Legenden waren, die Eltern ihren Kindern erzählten, damit diese endlich schliefen. Genauso war es auch mit den Drachenreitern gewesen, doch die waren jetzt wieder auferstanden und sie würden wie vor hundert Jahren wieder für die Menschen kämpfen.

Eragon war eigentlich froh, dass sie Ile gefunden hatten, denn sie hatte die Suche nach ihm schon fast aufgegeben, da er einfach unauffindbar schien, doch er hatte einfach zu viele Geheimnisse. Eragon störte es einfach so wenig von jemandem zu wissen, der ihn im Kampf den Rücken freihalten sollte, er konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als von einem vermeintlichem Freund angegriffen zu werden, er hatte es schon einmal erlebt und er war danach in tiefer Trauer versunken. Wochenlang hatte er mit niemandem reden wollen, außer mit seinem Cousin Roran und selbst dieser hatte ihn mehr oder weniger verlassen, als sie Katrina befreit hatten. Auch Saphira war in dieser Zeit sehr kurz gekommen, was sie ihm aber nie vorgehalten hatte, wofür er ihr bis heute sehr dankbar war.

Murtaghs Verrat lastete immer noch schwer auf Eragon. Er wusste zwar, dass Murtagh es nicht wirklich gewollt hatte, doch er war auch nicht für Eragon gestorben und Eragon war sich ziemlich sicher, dass er für Murtagh gestorben wäre, hätte man ihn vor Galbatorix geführt. Seiner Meinung nach gab es nichts, was schlimmer war, als einen Freund zu verraten. Eragon hatte sich immer für Murtagh eingesetzt, besonders bei den Elfen, da die ihn niemals wirklich akzeptieren würden. Doch jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob er das Gleiche noch einmal tun würde.

Er hatte mittlerweile viel Gelegenheit bekommen, über diese ganze Sache nachzudenken und alles brachte ihn auf den selben Konsens: Murtagh hatte sich auch ein Stück weit freiwillig Galbatorix unterworfen, da er sein eigenes Leben über das von Eragon gestellt hatte, er hatte sich selbst mehr bedeutet und das hatte in Eragons Augen ihre Freundschaft zerstört. Sie versuchten beide, sich diesen Vertrauensbruch nicht anmerken zu lassen, doch wenn sie beide allein waren, hatten sie sich nichts mehr zu sagen, ganz anders, als früher.

Dies waren Gedanken, die er nicht einmal Saphira anvertraute, denn er wusste, was sie sagen würde, dass Murtagh es nicht mit Absicht getan hatte und dass er ihm verzeihen müsse. Doch er wollte für sich selbst rausfinden, ob er das überhaupt konnte.

Er glaubte nicht, dass den anderen etwas aufgefallen war, zumindest verhielten sie sich wie immer und sie stellten auch keine Fragen, doch vielleicht auch nur nicht, weil sie wussten, was Murtagh und Eragon gerade durchmachten.

Murtagh hatte schon mehr als einmal versucht mit Eragon über die ganze Sache zu reden, doch er hatte bis jetzt immer abgeblockt, er konnte es noch nicht, er brauchte noch mehr Zeit. Murtagh wartete mittlerweile nur noch, er sagte nicht mehr viel zu Eragon und verhielt sich überhaupt sehr still in letzter Zeit.

Und nun war er zum neuen Drachenreiter gegangen, um mit ihm zu reden, Eragon war sich ziemlich sicher, dass Ile auch ihm nichts sagen würde, selbst wenn Murtagh sein ganzes Leben erzählen würde, was in der Tat sehr eindrucksvoll war.

Das führte ihn wieder zurück zu seinem größten Übel.

Wer war dieser Neue? Warum antwortete er auf keine Fragen nach seiner Herkunft? Konnte es wirklich so etwas Schlimmes sein? Immerhin wusste Ile, dass sowohl Eragon als auch Murtagh von Morzan abstammten und was konnte noch extremer sein?

Wie ich sehe, quälst du dich schon wieder mit Fragen, Saphira war aufgewacht, ohne dass Eragon es bemerkt hatte.

Tja, du kennst mich doch. Ich gebe niemals auf, bis ich die Antwort auf all meine Fragen habe, er sprach etwas ernster, als er es eigentlich vorgehabt hatte, doch er entdeckte auch die Wahrheit hinter seinen eigenen Worten. Er hatte es noch nie ausstehen können, wenn jemand Geheimnisse vor ihm hatte. Wenn sie natürlich allzu persönlich waren, konnte er es verstehen, doch nicht, wenn es auch um ihn ging. Schon damals bei Brom hätte er schon jedes Mal aus der Haut fahren könne, wenn sein Lehrmeister ihm gewisse Informationen vorenthielt.

Ja, das ist wohl wahr, aber du musst dich damit abfinden, dass manche Dinge besser in den dunklen Ecken bleiben, als ans Tageslicht geholt zu werden.

Vielleicht hast du recht, aber ein paar Dinge sollte man denen, die einem vertrauen sollen, nicht vorenthalten.

Wie ich sehe, lässt du immer noch keine andere Meinung in dieser Sache zu. Kleiner, du solltest dir vielleicht deine Prioritäten neu überlegen, denn ich finde, dass die Frage, wie wir Galbatorix aufhalten können, wesentlich wichtiger ist, als diese Sache mit Ile.

Ich nicht, denn wir könnten ihn gut gebrauchen, aber wenn er sich weiterhin weigert, uns etwas über sich zu erzählen, werden wir ihn wohl wieder wegschicken müssen, Eragon war aufgestanden und er lief nun in dem kleinen Schlafzimmer auf und ab.

Aha. Und wie bitte willst du das machen? Du weißt genau, dass die Elfen Ile niemals wegschicken würden und auch du solltest diesen Gedanken nicht weiter nachgehen. Wir brauchen ihn. Wir sechs sind die einzigen, die wirklich etwas gegen Galbatorix ausrichten können und das weißt du genau. Also hör auf, den neuen Drachenreiter in Frage zu stellen und konzentriere dich auf deinen Aufgabe!

Eragon fuhr nun wütend zu Saphira herum. Genau das tue ich doch! Ich will nicht, dass uns die eigenen Leute in den Rücken fallen, während wir kämpfen! Nennst du das etwa nicht konzentrieren auf meine Aufgabe? Uns ist es schon einmal passiert und ich will nicht, dass es noch ein zweites Mal geschieht!

Saphira sah ihn forschend an: Ile ist nicht Murtagh, Eragon. Du kennst ihn nicht.

Ja, und genau das ist mein Problem!, schrie Eragon.

Saphira ruckte mir ihrem Kopf zurück. Kleiner, was ist los?

Ich... ich weiß es nicht. Ich ertrage das einfach nicht noch mal. Murtagh hat mich damals ziemlich aus der Bahn geworfen und ich kann seither niemandem mehr richtig vertrauen, außer natürlich dir und Roran. Hinter jedem anderen sehe ich einen Verräter, bis er ein paar Schwüre in der Alten Sprache geleistet hat, die ihn daran hindern zu lügen. Aber selbst dann gucke ich noch jedem über die Schulter. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll, verzweifelt setzte er sich aufs Bett, stütze die Arme auf die Knie und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

Er hörte, wie Saphira sich bewegte und spürte kurz darauf einen leichten Stups in der Seite.

Hör mir zu, Eragon. Ich verstehe genau, wie du dich fühlst. Ich mochte Murtagh ebenso sehr wie du und sein Verrat wiegt immer noch schwer, doch ich glaube, du musst ihm verzeihen. Er hat sich seit dieser Zeit verändert. Ich habe so oft gesehen, wie er versucht hat mit dir zu sprechen und du dich abgewandt hast und ich bin froh, endlich den Grund dafür zu erfahren. Du hattest es nicht leicht, aber Murtagh und Dorn auch nicht, das musst du verstehen.

Eragon hob seinen Kopf und starrte direkt in Saphiras Augen. Er hätte fast gelacht.

Ich wusste, dass du das sagen würdest, wenn ich es dir erzählen würde. Und ich weiß auch, dass du recht hast, aber ich brauche einfach noch etwas Zeit, um darüber hinwegzukommen.

Er stand jetzt wieder auf und zog sich auch an. Er sagte eine ganze Weile lang nichts mehr und hing noch ein wenig seinen Gedanken nach. Doch dann fiel ihm wieder ein, was heute auf dem Programm stand.

Wir müssen zu Iles Training.