Kapitel siebzehn ist on! Tut mir leid, dass es wieder etwas länger gedauert hat, aber dafür kommt jetzt das nächste Kaüitel schneller.

Jetzt muss ich mich wohl auch bei meinen Lesern entschuldigen. Ich wollte mit meinem letzten Vorwort niemanden anmotzen, oder so. Es war eigentlich eher scherzhaft gemeint, aber ich denke einfach, es kam falsch rüber. Also falls sich irgendjemand persönlich angegriffen gefühlt hat: Entschuldigung!!

Dann muss ich auch noch ChrisLang danken, die mir ein nettes kleines Review geschrieben hat.

Und jetzt: Viel Spaß!


Ein erstaunliches Training

Sowohl Ile als auch Hírador waren mehr als gespannt darauf, was Oromis und Glaedr ihnen jetzt beibringen wollten. Immerhin kannten sie sich in allen Bereichen schon recht gut aus, doch Ile war sich sicher, dass, was auch immer jetzt kommen würde, es etwas Großes sein musste, denn trotz des kränklichen Aussehens von Oromis würden sie jetzt wohl erfahren, was richtige Magie ist. Oder auch wie man die Alte Sprache richtig benutzte um mächtige Zauber hervorzubringen.

Ile war klar, dass Oromis sie wohl selbst nicht ausführen konnte, doch er war sich sicher mit ein paar Erklärungen würde er es schon hinbekommen.

Werde ja nicht zu übermütig, mein kleiner Freund, Glaedr erinnerte ihn daran, dass er vielleicht doch nicht so viel wusste, wie er manchmal tat, Selbstvertrauen ist ja schön und gut, aber Überheblichkeit kann einem das Genick brechen, das solltest du eigentlich wissen.

Mit diesen Worten war Ile wieder zurück in der Realität und war sich seiner Grenzen wieder schmerzhaft bewusst. Ja, du hast ja recht. Ich will einfach nur, dass mein Vater stolz auf mich sein kann, wo immer er jetzt auch sein mag.

Bestimmt nicht weit fort von dir.

Sie standen jetzt alle vor der Tür von Oromis' Haus. Es war wohl mehr eine Hütte als ein Haus, doch es war wunderbar abgeschieden und eignete sich gut zum Nachdenken, wie Ile auf einen Blick erkannte. Er konnte sich gut vorstellen wie Oromis und Glaedr vor dem Haus saßen, sich die Landschaft anschauten und dabei über wichtige Dinge nachdachten.

Oromis setzte sich auf eine Bank vor seinem Haus und bedeutete Eragon und Ile sich neben ihn zu setzen. Glaedr hatte es sich währenddessen auf der Wiese gemütlich gemacht und Hírador legte sich an seine Seite und sah wirklich winzig aus, in diesem Moment. Keiner sprach ein Wort.

Doch Ile konnte Eragons Blick auf sich spüren, was ihn leicht verunsicherte, doch nach einiger Zeit merkte er das schon gar nicht mehr. Er schien so eine Art inneren Frieden hier zu spüren. Er wurde ganz ruhig, bewegte sich noch nicht mal mehr, atmete nur noch und konnte doch in aller Deutlichkeit das Leben um sich herum spüren. Er merkte auch, dass Hírador genau dasselbe fühlte wie er, was ihn noch zufriedener machte. Ihm kam es so vor, als könne er jedes Lebewesen in Alagaësia spüren, alle so unterschiedlichen Leben in sich vereinen.

Dieses Gefühl hielt nur für einen Wimpernschlag an und doch war sich Ile sicher, diesen kurzen Moment niemals mehr zu vergessen.

Wie alles andere auch, hatte er diesen Moment mit seinem Drachen geteilt und das hatte ihnen wohl die Kraft gegeben so ein Erlebnis überhaupt machen zu können, denn sie beide waren so verschieden und sich aber doch so ähnlich, dass es fast schon ein Wunder zu sein schien.

Nun nach diesem Erlebnis würde es niemanden mehr geben, der sie noch auseinander bringen konnte. Bis zum Ende würden sie diese Mission ausführen, auch wenn es sich als ein Himmelsfahrtskommando erweisen würde. Sein Dorf hatte ihm eine Aufgabe übertragen und die erfüllte er nach seinem besten Gewissen und heute fühlte er sich zum ersten Mal in seinem Leben wirklich bereit dazu. Sein Vater hatte ihm immer klar gemacht, wie wichtig seine Bestimmung später sein würde und jetzt wusste er, dass er der Aufgabe gerecht werden konnte. Woher dieses Wissen jedoch so plötzlich gekommen war, wusste er nicht, doch es war nun da und er war sich sicher, dass auch sein Vater in diesem Moment hier war. Dieses Gefühl genoss er in vollen Zügen, denn er hatte seinen Vater vermisst, vor allem in den letzten Tagen, die er bei den Elfen verbracht hatte.

Ile wurde sich nur langsam wieder bewusst wo er überhaupt war, doch sein Hinterteil erinnerte ihn nun daran, indem es zu schmerzen anfing. Die Bank wurde nun doch etwas unbequem. Jetzt wurde ihm auch wieder klar, dass Eragon und Oromis neben ihm saßen und mit einem leichten Schrecken stellte er fest, dass die Sonne schon weit im Westen stand und es somit schon begann dunkel zu werden.

Wie lange hatten sie jetzt schon hier gesessen? Diese Frage konnte er sich selbst nicht beantworten. Er wusste nur, dass es schon eine ganze Weile sein musste, denn sie waren früh morgens hier angekommen. Ile merkte nun auch wieder Eragons Blick auf ihm ruhen. Ob er wohl die ganze Zeit dagesessen hatte und Ile gemustert hatte? Auch diese Frage würde wohl nie beantwortet werden. Er konnte es nicht so ganz fassen, dass er nicht bemerkt hatte, wie die Zeit vergangen war, war er etwa wieder so unaufmerksam gewesen? Doch diesmal wurde ihm bewusst, dass es nicht an seiner eigenen Unfähigkeit hing. Er hatte ganz hohe Magie gebraucht ohne es zu merken.

Zum ersten Mal seit Stunden bewegte er sich wieder, was er daran merkte, dass seine Gliedmaßen ziemlich steif waren, und sah nun Oromis an. Der wandte ihm den Kopf zu und nickte dann langsam. Jetzt hatte eine Bestätigung. Er hatte wirklich Magie gebraucht, doch woher hatte er die Kraft dafür genommen? Konnte es sein, dass er dieses Wissen schon immer in sich getragen hatte ohne es zu bemerken?

Er war sehr durcheinander. Doch Oromis erhob nun die Stimme und verhinderte somit, dass Ile sich in seinen Gedanken verlor. „Ich bin wirklich beeindruckt, das muss ich zugeben. Du hast heute etwas vollbracht, was wohl nur sehr wenigen vor dir je so schnell gelungen ist. Du hast Magie gebraucht, die selbst die größten Drachenreiter nur mit Mühe erlernt haben. Du bist in das Wesen eines ganzen Landes eingedrungen. Mir ist diese Erkenntnis seit ewigen Zeiten verwehrt, doch ich kann mich noch immer an den Moment erinnern, als ich sie zum ersten Mal spürte. Ich möchte, dass du jetzt gehst und dass du heute Nacht darüber nachdenkst, was du erlebt hast und dann möchte ich, dass du mir morgen darüber berichtest. Ich wünsche dir und deinem Drachen eine gute Nacht", mit diesen Worten standen sowohl Oromis als auch Glaedr auf und verließen den Hügel.

Ile sah nun Eragon an, der jetzt seinen Blick von ihm abgewandt hatte.

„Was genau heißt es, in das Wesen eines Landes einzudringen?", er war noch immer verwirrt und er konnte sich immer noch nicht erklären, wie er etwas vollbracht haben sollte, was noch nicht einmal die Größten der Großen so schnell erlernt hatten.

Eragon ließ sich lange Zeit, bevor er antwortete: „Das, mein lieber Ile, muss jeder für sich selbst herausfinden. Was es für dich bedeutet liegt ganz bei dir. Doch auch ich muss dir hiermit meine Bewunderung mitteilen. Ich habe es bis jetzt nur ein Mal geschafft in das Wesen Alagaësias einzudringen und das auch nur mit viel Übung. Ich glaube, du hast besondere Kräfte und ich hoffe, du wirst sie weise einsetzen."

Er sah Eragon in die Augen, dann wechselte er in die Alte Sprache und sagte: „Das werde ich."

Eragon hob verwundert die Augenbrauen. „Das ist ein großes Versprechen, was du gerade abgelegt hast, ich hoffe du weißt, was du tust."

Ile hielt Eragons Blick und nickte nur. Dann stand er auf, ging zu Hírador und streichelte dann mit der linken Hand über dessen Schnauze. Der Drache sah ihn an und beide wussten, dass sie heute das größte Wunder ihres Lebens gesehen hatten. Ile stieg jetzt auf und die beiden flogen über die Bäume, zu ihrer Behausung in einem der Bäume.

Ile war immer noch so aufgewühlt, dass er sich nicht mehr ruhig hinsetzen konnte und so lief er auf und ab, während sich sein Drache auf sein Podest hockte und ihm mit unruhigen Augen folgte.

Was glaubst du, war das?, Ile hatte jetzt angehalten und stand genau vor Hírador. Er atmete schwer, als ob er gerade gerannt wäre.

Der überlegte eine Zeit und sagte dann: Ich weiß es nicht, aber es muss etwas Großes gewesen sein, sonst hätten Oromis und Eragon nicht gesagt, sie wären beeindruckt. Ich habe so etwas vorher noch nie gespürt, es war wirklich unglaublich. Es fühlte sich an, als ob jedes Lebewesen Alagaësias in diesem Augenblick mit uns verbunden war. Weiter schien er nicht sprechen zu können und auch Ile merkte, dass er keine Worte gefunden hätte um zu beschreiben, was ihnen vor wenigen Stunden widerfahren war.

Was genau bedeutet es denn jetzt? Ich frage mich das schon die ganze Zeit, doch ich komme einfach auf keine Antwort. Eragon meinte, jeder müsse es für sich herausfinden. Aber... Wieder kam er nicht weiter. Hírador nickte verständnisvoll.

Ich glaube wir zwei haben eine Nacht voller Gedanken vor uns. Wir müssen uns nun wirklich fragen, was es für uns bedeutet.

Ile ließ sich aufs Bett fallen und streckte dann alle Glieder von sich. Das Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Das war mit der Erscheinung auch einher gekommen. Aber was genau bedeutete grenzenlose Freiheit für ihn? Freiheit von allen Verpflichtungen? Das konnte er sich nicht vorstellen. Er würde immer Verpflichtungen haben, solange er lebte, er war schließlich ein Drachenreiter. Oder bedeutete der Tod Freiheit? Auch diesen Gedanken wischte er fort.

Und plötzlich wurde es ihm klar. Sein Drache bedeutete für ihn Freiheit. Nämlich die Freiheit denen zu helfen, die er liebte. Vor Hírador waren seine Möglichkeiten eingeschränkt gewesen, doch mit ihm konnte er endlich das verwirklichen wofür sein Vater letztenendes gestorben war. Er konnte nun endlich so kämpfen, wie er es sich immer gewünscht hatte. Es war nun wirklich nicht so, dass seine Leute sich nicht verteidigen konnte, sie waren immerhin alle Magier, doch ihre Zahl dezimierte sich stetig und so war Galbatorix einfach nicht zu schlagen, er hatte eine ganze Armee und sie waren nur ein paar wenige, doch ihr Tag würde kommen und Ile würde an ihrer Seite stehen und seines Vaters Werk zuende führen.

Was bedeutete es für ihn, das Wesen eines Landes zu spüren? Zuerst einmal war das beängstigende Gefühl klein und belanglos zu sein und natürlich zählte dann auch die Vergänglichkeit jedes einzelnen. Er mochte vielleicht länger als eine gewöhnliche Fliege leben, doch die Elfen zum Beispiel wurden mehrere hundert Jahre alt, eine Zeitspanne, die er sich noch nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausmalen konnte. Wie die Welt sich in solch einer Zeit verändern konnte. Aber was er wohl am meisten gespürt hatte, war die Verbundenheit, mit jedem einzelnen dieser Lebewesen, mit jedem Menschen, jedem Elf, aber auch mit jedem Hirsch und Kaninchen und schließlich auch mit Galbatorix, denn auch er war ein Teil dieser Welt. Doch die Präsenz von Galbatorix hatte Ile ganz besonders gespürt, was vermutlich daran lag, dass Galbatorix sich schon mehr als ein Mal an den Kraftreserven von Alagaësia zu schaffen gemacht hatte. All das hatte er aus einem Wimpernschlag, es war einfach unglaublich. Oder war es mehr als ein Wimpernschlag gewesen? Er hatte immerhin einen ganzen Tag auf dieser Bank gesessen und nicht bemerkt, wie die Zeit verging. Konnte es sein, dass er einen ganzen Tag lang einfach nur ein Teil des Ganzen gewesen war?

Zuletzt musste er noch an das Versprechen denken, welches er Eragon gegeben hatte. Er hatte in der Alten Sprache geschworen seine Macht weise einzusetzen. Er hatte es aus einem Bauchgefühl her getan. War es nicht die Pflicht eines Drachenreiters seine Macht überlegt einzusetzen? Natürlich. Aber konnte er sich sicher sein, dass er seine Macht nicht missbrauchen würde?

Nein, das musste er sich eingestehen. Das konnte er nie wissen, doch mit dem Versprechen, was er gegeben hatte konnte er sie nicht mehr missbrauchen. Doch auch das war nicht ganz richtig. Wenn er sich selbst täuschte, sich selbst anlog, konnte er seine Fähigkeiten zu bösen Zwecken einsetzen und trotzdem denken, er würde weise handeln.

Also musste er nun hoffen, dass ihn jemand aufhalten würde, wenn er größenwahnsinnig wurde. Und dennoch konnte er sich nicht vorstellen einmal so zu werden wie Galbatorix. So viel Leid über andere Menschen zu bringen, ging über seinen Verstand. Er würde es niemals können. Nie!

Er merkte wie ihn die Müdigkeit überwältigte. Er hatte wohl auch eigene Kraftreserven verbraucht, als er dieses Erlebnis gehabt hatte. Er glitt mit dem Gedanken in den Schlaf, dass er Oromis am nächsten Tag wohl kaum erklären konnte, was für ihn dieses Erlebnis bedeutete, es war einfach viel zu groß, als dass er es in Worten hätte ausdrücken können. Ein letztes Zucken seiner Augenlieder und er konnte noch hören wie Hírador nur noch tief und gleichmäßig atmete und schon war auch er eingeschlafen.


Ach ja, noch was: Bitte ein Review. Diesmal sage ich es auch lieb :)