Kapitel 18 ist endlich fertig...
Ich weiß, dass ich schneller uploaden wollte, aber es hat länger gedauert, als ich gedacht hatte, tut mir leid.
Vielen Dank an ChrisLang und sus für ihre Reviews.
Viel Spaß!
Aussprache
Eragon saß noch immer auf der Bank, obwohl es inzwischen dunkel geworden war. Saphira stand kurz hinter ihm und schaute zum Himmel und den Sternen auf. Er war still und sagte kein Wort und blickte mit ausdruckloser Miene über die Baumwipfel vor ihm.
Es war ihm unbegreiflich. Wie konnte Ile diese Kunst der Magie so schnell erlernen? Er selbst hatte fast zwei Jahre dafür gebraucht und Ile hatte es nach noch nicht mal einer Stunde Training geschafft. Ile hatte überhaupt nicht gewusst, dass es so eine Technik gab und hatte es doch geschafft. Sogar Murtagh, der ja von Galbatorix selbst unterrichtet worden war, hatte von dieser Kunst nichts gewusst, bis Oromis ihm davon erzählt hatte und auch er hatte eine ganze Weile dafür gebraucht, zwar nicht so lange wie er, aber immer noch lange genug.
Wie konnte jemand so eine Technik einfach so beherrschen? Das gehörte schon zu so hoher Magie, dass Oromis sie schon nicht mehr ausführen konnte. Die Stille lastete schwer auf ihm.
Plötzlich sagte er zu Saphira: Es hat keinen Sinn, jetzt darüber nachzudenken. Ich werde später Oromis noch einmal danach fragen, aber momentan möchte ich nur noch in mein Bett. Das war mal wieder ein sehr aufschlussreicher Tag, nicht wahr?
Saphira schien so tief in Gedanken gewesen zu sein, dass seine Worte nur schwer zu ihr durchdrangen, doch schließlich hatte sie alles verarbeitet und sagte: Wenn du möchtest, fliege ich dich zurück, aber ich will noch etwas nachdenken. Ich habe ein paar Probleme zu lösen.
Lass mich raten: Du hast nicht vor mir zu erzählen, worüber du nachdenken musst, oder?, Eragon legte die Stirn in Falten und wartete auf ihre Antwort.
Nein, habe ich tatsächlich nicht vor. Aber du wirst es früher oder später erfahren, das verspreche ich dir. Du heißt ja nicht umsonst Drachenreiter, sie klimperte schalkhaft mit den Wimpern, was ihn wieder ein wenig fröhlicher stimmte.
Na dann, auf geht's, mit diesen Worten stieg er auf ihren Rücken, in den fein gearbeiteten Sattel und sie spannte die Flügel an. Mit einem gewaltigen Sprung waren sie in der Luft und flogen in Richtung Ellesméra. Sie überflogen die Stadt und kamen in den kleinen Bereich, der für die drei Drachenreiter reserviert war.
Früher hatten auch Drachenreiter dort gewohnt. Er und Saphira hausten in dem Baum, in dem zuletzt Vrael gewohnt hatte, er war der letzte wirkliche Drachenreiter gewesen und auch der letzte Anführer von ihnen. Brom hatte ihm von diesem außergewöhnlichen Elfen erzählt. Galbatorix hatte ihn in einem Kampf auf dem Utgard besiegt. Wohl aber nur schwerlich, da Galbatorix nur auf unfaire Weise gewonnen hatte, nämlich indem er Vrael in den Unterleib trat und so die Oberhand gewinnen konnte.
Na gut, Kleiner. Bis später, ich bin bald zurück, Eragon stieg also ab und Saphira stieg wieder in die Lüfte.
Er ging auf sein Bett zu und ließ sich darauf nieder. Kurz darauf streckte er alle Glieder von sich und gähnte herzhaft. Dann sah er sich in seiner Wohnung um und wurde sich schlagartig bewusst, dass hier schon viele Drachenreiteranführer gelebt haben mussten, nicht nur Vrael, sondern auch die, die vor ihm waren. Ein Schauer lief ihm den Rücken hinunter. Hier war viel Vergangenheit, dessen er sich so noch nie bewusst geworden war. Er beschloss Oromis später nach Aufzeichnungen der alten Drachenreiter zu fragen.
Er stand auf und begann schon sich zu entkleiden, als es an seiner Tür klopfte. Er seufzte einmal innerlich, zog sich wieder an und ging zur Tür. Sicher war es irgendein Elf, der bei irgendetwas Hilfe benötigte und ihn zu einer späten Stunde unbedingt noch brauchte.
Doch als er die Tür öffnete stand kein Elf vor ihm.
„Murtagh, was machst du denn noch hier?", erstaunt seinen Bruder zu sehen, ließ er seinen Mund etwas offen stehen, was Murtagh wohl belustigte, denn er fing an zu grinsen. Als Eragon klar wurde warum, klappte er schnell den Mund wieder zu.
Murtagh ließ sich Zeit mit der Antwort und fragte stattdessen: „Darf ich reinkommen?" Ohne wirklich eine Antwort abzuwarten, trat er schon über die Schwelle und ging geradewegs auf einen Stuhl zu, der an dem kleinen Tisch stand, den Eragon in sein Schlafzimmer gestellt hatte.
„Natürlich", murmelte er jetzt noch leicht sarkastisch, doch Murtagh schien ihn nicht gehört zu haben, wofür er im Stillen dankbar war. „Was ist denn los?", fragte er jetzt lauter, „Es ist schon ziemlich spät und ich wollte eigentlich ins Bett."
„Tut mir leid, wenn ich störe, aber ich muss dringend mit dir sprechen", mehr sagte er erst mal nicht, was Eragon ein wenig irritierte. Was konnte denn so spät noch so wichtig sein, dass Murtagh nicht bis morgen warten konnte?
„Und worüber müssen wir reden?", er war mittlerweile leicht ungeduldig und genervt. Konnten die Leute denn niemand anderen ärgern? Musste immer er der Dumme sein?
Murtagh sah ihn an und sagte nichts. Als ob er wollte, dass ich ihn verstehe. Doch er konnte sich nicht denken, warum Murtagh hier war.
„Da du ja wie üblich auf der Leitung zu stehen scheinst, bitte ich dich einen Schritt beiseite zu treten", diese Bemerkung brachte Eragon dazu wieder etwas wacher zu werden, da sein Zorn in ihm wach wurde.
„Solche Sprüche kannst du dir sparen!", fauchte er Murtagh an.
Dieser hob nur die Hände und sagte: „Entschuldige, ich weiß es ist spät und du bist wahrscheinlich in andere Gedanken vertieft, aber ich muss wissen, ob du mir vertrauen kannst, Eragon, ob du dich auf mich verlassen kannst. Denn sonst werde ich mir wohl einen Weg überlegen müssen, wie ich dein Vertrauen zu mir wieder herstellen kann. Ich weiß, dass du noch mehr Zeit zum Überlegen haben möchtest, aber Zeit ist nicht gerade etwas, das wir im Überschuss haben. Galbatorix wird von Tag zu Tag stärker und wir haben noch einen Drachenreiter auszubilden, von dem wir noch nicht einmal wissen, wo er herkommt. Und ich bitte dich jetzt ehrlich zu sein: Kannst du mir noch vertrauen?" Murtagh saß geduldig da und wartete auf Eragons Antwort.
Konnte er ihm noch vertrauen? Er wusste es nicht genau. Deshalb versuchte er seine Gefühle Murtagh mitzuteilen: „Ich weiß, dass du gerne eine klare Antwort von mir haben möchtest, aber ich befürchte, die kann ich dir nicht geben. Du bist mein Bruder und doch fühle ich das nicht in mir. Du hast mir beigestanden, als ich zu den Varden musste, du hast an meiner Seite gekämpft, du hast mir sogar die Wahrheit über deinen Vater erzählt. Aber du hast mich auch verraten. Du wolltest nicht für mich sterben, so wie ich es für dich getan hätte. Du hattest sogar vorgehabt mich zu töten, Murtagh. Ich weiß nicht, ob ich dir das je Verzeihen kann. Ich dachte ich hätte es schon getan, aber ich kann mich selbst nicht belügen. Du kannst mir glauben, ich wünschte ich könnte dir auf dieselbe Weise vertrauen, wie ich dir früher getraut habe, aber das kann ich zumindest jetzt noch nicht. Ich weiß auch, dass du dir alle Mühe gibst, aber ob das genügt, kann ich dir nicht sagen. Ich hoffe, dass sich dir irgendwann die Gelegenheit bietet mir zu beweisen, dass du es ernst meinst. Denn du bist nicht ganz unfreiwillig zu Galbatorix übergelaufen, du hattest eine Wahl, doch du hast dich für dich selbst entschieden und nicht für deine Freunde, so wie es deine Pflicht gewesen wäre."
Nach dieser kleinen Ansprache herrschte Schweigen zwischen ihnen, in der Eragon Murtagh anstarrte und Murtagh Eragon. Doch dann wandte Murtagh den Blick ab. „Du magst recht haben, mit dem was du sagst. Aber das ist nur dein Standpunkt. Du hast nie vor ihm gestanden, du musstest dich nie gegen ihn wehren, Eragon. Du sagst ich hätte sterben müssen für dich, doch du warst noch nie in einer solchen Situation in der du dein Leben hättest opfern müssen. Ich weiß genau, dass ich es besser getan hätte, aber ich möchte nicht, dass du dir darüber ein Urteil bildest, solange du so etwas selbst nicht durchgemacht hast, denn das steht dir nicht zu, du kannst nicht einfach über mich urteilen. Galbatorix ist ein mächtiger Mann, der jeden brechen kann, wenn er es möchte, sogar dich. Er kann in jeden Kopf hinein sehen und kein Geheimnis bleibt unverhüllt. Frag doch einmal Arya. Sie weiß welche Schrecken Galbatorix auch aus der Ferne bringen kann. Was meinst du wohl, Durza hätte ihren Willen schon fast gebrochen und der war sehr mächtig. Und Galbatorix ist mindestens zwanzig Mal so stark. Du kannst nicht wissen, wie er ist, solange du ihn nicht selbst gespürt hast", Murtagh brach ab.
Eragon dachte nun darüber nach, doch er war sich trotzdem sicher, dass er anders gehandelt hätte als Murtagh. Doch konnte er sich da überhaupt sicher sein? Murtagh hatte recht, mit dem was er sagte, sogar Durza war schon sehr stark gewesen, er hatte ihn damals nur besiegen können, weil Saphira und Arya ihm zu Hilfe gekommen waren. Hätte er den Kampf auch ohne diese Hilfe gewonnen? Wohl eher nicht, das musste er sich eingestehen. Doch er war jetzt viel stärker als früher. Er hatte aber auch noch die Geschichten im Kopf, welche erzählten, dass kaum jemand jemals einen Schatten besiegt hatte, auch die Drachenreiter hatten an diesen Geschöpfen versagt. Und Galbatorix war noch wesentlich stärker als diese Schatten, das war auch ihm klar. Galbatorix lebte schon seit sehr langer Zeit und er hatte nie aufgehört, sich in der Magier weiterzubilden, das hatte Brom ihm erzählt.
Galbatorix ist ein mächtiger Mann, der jeden brechen kann, wenn er es möchte, sogar dich.
War das wahr? Könnte er seine Freunde verraten, nur weil Galbatorix das wollte?
Du kannst nicht wissen, wie er ist, solange du ihn nicht selbst gespürt hast.
Eragons Entschlossenheit, Murtagh zu verachten, geriet ins Wanken. Murtagh hatte reale Emotionen beschrieben, das war Eragon klar, so gut konnte niemand lügen. Er spürte ganz langsam wie Mitleid in ihm aufstieg. Mitleid für Murtagh und auch für Dorn. Mein Bruder, es tut mir leid.
Eragon erhob die Stimme, er krächzte ein wenig: „Erzählst du mir auch wirklich die Wahrheit?"
Murtagh sah ihn an und seine Augen waren ganz rot, da er die letzten Minuten daran gerieben hatte, wohl in der Hoffnung die Bilder wegzuwischen, die die Erinnerung gebracht hatte. „Du kannst mir glauben, Eragon, ich wünschte, alles wäre anders gekommen."
Eragon ging jetzt auf Murtagh zu und streckte ihm die Hand hin. „Wenn das wahr ist, dann denke ich, dass ich meinem Bruder vertrauen kann."
Murtagh schaute verwundert zu ihm auf und ergriff dann seine Hand. Dann stand er auf. Sie schüttelten sich die Hände und ihre Freundschaft war somit neu besiegelt.
„Ich danke dir, Eragon, Bruder. Ich werde dich niemals mehr enttäuschen, das verspreche ich dir. Niemals!"
Eragon nickte nur. Er war sich im Klaren, dass es noch ein langer Weg sein würde, den sie beide zusammen zu beschreiten hatten. Doch man musste immer einen Schritt nach dem anderen machen.
