Voilá, chapitre numéro dix-neuf.

Wiedereinmal tut es mir furchtbar leid, mein Kapitel erst so spät hochgeladen zu haben, aber ich habe es trotzdem noch geschafft.

Danken möchte ich sus und Ainka für ihre Reviews.

Ich spare mir ein langes Vorwort! Viel Spaß!


Erkenntnis

Ile erwachte und das erste was er bemerkte war, dass Híradors Podest leer war. Sein Drache war wohl auf einer frühmorgendlichen Jagd. Kein Wunder, dachte Ile als er aufstand, Hírador hatte genauso Kräfte verbraucht wie er und auch er konnte das nagende Gefühl in seinem Magen nicht länger ignorieren.

Da er am Vortag mit seinen Klamotten eingeschlafen war, zog er sie jetzt aus und ging in das Badezimmer, was ihm zur freien Verfügung stand. Er ließ das Wasser einlaufen und wusch seine Kleidung behelfsmäßig. Dann hängte er sie auf eine Leine und stieg, nachdem er neues Wasser eingelassen hatte, selbst in die Wanne.

Er schaute in die Richtung, in der Hírador wohl nach draußen verschwunden war und sah, dass nur ein schmaler, heller Streifen am Himmel den neuen Tag ankündigte. In der Wanne sitzend machte er sich wieder Gedanken darüber, was er Oromis erzählen sollte, da dieser ihn gebeten hatte, seine Erlebnisse vom Vortag in Worte zu fassen. Ile glaubte immer noch nicht daran, dass er das schaffen könnte.

Es war etwas sehr persönliches. Etwas so persönliches, dass er keine Erklärung finden würde, das war ihm klar. Und trotzdem hatte Oromis ihn um eine Zusammenfassung gebeten. Ile war klar, dass sein neuer Meister damit etwas bestimmtes bezwecken wollte, sonst hätte er ihm diesen Auftrag nicht gegeben. Aber wie sollte er seinen Gefühlssturm bezeichnen? Vielleicht genau als das, als ein An- und Abschwellen sämtlicher Gefühle.

Aber würde Oromis das reichen? Oder würde er eine solche Antwort als unzureichend erklären?

Er wusste, dass er keine Antwort auf diese Fragen erhalten würde, bis er nicht wieder bei seinem Meister war.

Also stieg er aus der Wanne und befühlte seine Klamotten. Die waren aber immer noch zu nass und so trocknete er sie mit einem kleinen Zauber. Dann aß etwas von den Früchten, die, wie schon am Tag zuvor, in dem Vorraum mit der Treppe waren.

Als er gerade die letzte Frucht aß, kam Hírador wieder. Er segelte sicher durch die Öffnung und schmatzte zufrieden, während er Ile beim Essen zusah.

Guten Morgen! Ist das nicht ein wundervoller Tag?, Hírador schaute nach draußen zu dem Streif Sonnenschein, der inzwischen größere Ausmaße angenommen hatte. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Sonne ganz aufgegangen war.

Ile hob eine Augenbraue und schaute seinen Drachen fragend an. Was sind wir denn so fröhlich heute Morgen? Hast du etwas extra großes gefangen?

Nicht wirklich. In diesen Wäldern traut man sich gar nicht, etwas größeres als einen kleinen Hirsch zu fangen. Wie auch immer, ich bin einfach froh. Ich hatte einen guten Start in den Morgen, denke ich. Und was ist mit dir? Du siehst mal wieder nicht glücklich aus, so wie du an dieser Frucht herumkaust, Hírador legte seinen Kopf auf die Vorderbeine und schaute seinen Reiter an.

Ile ließ seine Frucht auf Brusthöhe sinken und blickte nachdenklich drein, dann sagte er schließlich: Es ist nicht wirklich etwas, ich bin nur ein bisschen durcheinander wegen gestern. Ich frage mich, wie ich Oromis erklären soll, was ich gestern gefühlt habe. Er hat schließlich verlangt, dass ich es ihm erzählen soll. Weißt du es in Worte zu fassen?

Auch die Augen seines Drachen wurden jetzt grüblerisch. Ich denke nicht, dass wir es ihm so erklären müssen, dass man es wirklich versteht. Er will etwas über dich und mich herausfinden. Wir müssen unser Bestes geben.

Ile schluckte den Rest seines doch recht kärglichen Frühstücks herunter und erhob sich dann vom Bett, auf das er sich gesetzt hatte.

Du hast wohl recht. Und niemand soll von uns beiden jemals behaupten, dass wir nicht unser Bestes gegeben hätten!, somit stieg er auf Híradors Rücken und die beiden flogen zu Oromis und Glaedr.

Die beiden Lehrmeister standen natürlich schon bereit, als die beiden kamen.

Glaubst du, wir sind zu spät dran?, Ile war etwas unbehaglich zumute.

Nein, die wollen uns wohl nur ein bisschen einschüchtern durch ihre Überpünktlichkeit, Hírador setzte zur Landung an und kurz darauf standen sie schon vor ihren Meistern. Ile stieg vom Rücken seines Drachen und schaute in das erwartungsvolle Gesicht von Oromis.

„Einen guten Morgen wünsche ich euch beiden", Oromis lächelte Ile und Hírador an und dann kam auch die Begrüßung von Glaedr.

Ile verneigte sich und Hírador tat es ihm mit seinem Kopf nach. „Auch wir wünschen Euch einen guten Morgen, Meister", sagte Ile und wiederholte es auch noch einmal für Glaedr.

„Heute werden wir mit richtigen Übungen anfangen, ihr beiden. Hírador wird Glaedr begleiten und du bleibst bei mir, junger Ile", kaum waren diese Worte gesprochen, wandte Oromis ihm schon den Rücken zu und ging zu seiner Hütte.

Viel Glück!, wünschten sich Ile und Hírador jetzt gleichzeitig und kurz darauf waren die Drachen schon nicht mehr zusehen.

Ile eilte seinem Meister hinterher, der mittlerweile in der Tür verschwunden war. Als er eintrat bemerkte er als erstes, dass diese Hütte wirklich nicht groß war. Sie wirkte von außen klein und war es genauso auch drinnen. Er schaute sich weiter um und konnte ein wunderschönes Bild erkennen, sowie viele Schriftrollen, die an den Wänden aufgereiht waren.

Einem Impuls folgend, ging er näher an das Bild heran. Warum nur, kam es ihm so bekannt vor? Er erkannte auf den ersten Blick, dass er hier ein Wunschbild vor sich hatte. Niemand konnte so detailreich malen. Doch auch die darauf abgebildete Stadt schien ihm seltsam vertraut.

Und dann traf es ihn mit einem Schlag: Urû'Baen! Doch es schien ein anderes Urû'Baen zu sein, als das, was er kannte.

Er hörte, wie sich Oromis hinter ihn stellte. „Kennst du diese Stadt, junger Drachenreiter?"

„Ja", krächzte Ile. Diese Stadt weckte böse Erinnerungen in ihm. „Das ist Urû'Baen, die Königsstadt", er spürte, wie großer Zorn in ihm aufstieg. Die Gründe dafür kannte er nur allzu gut.

„Eigentlich ist eher Ilirea. So sah die Königsstadt zur Zeit der Drachenreiter aus. Aber sag mir, woher kennst du Urû'Baen?", Oromis zog die Stirn kraus.

Ile drückte sich etwas um eine Antwort, doch er musste seinem Meister zumindest teilweise die Wahrheit sagen. „Ich war dort. Ein einziges Mal nur, doch ich habe noch sehr lebhafte Erinnerungen an diesen Ort. Er ist verdorben. Verdorben und falsch, so wie ihr Herrscher Galbatorix. Ich konnte mit dieser Stadt nie etwas Gutes verbinden. Egal ob die Drachenreiter dort einmal die Gebieter waren oder nicht."

Oromis schien nun noch erstaunter. Er sagte: „Du warst wirklich schon einmal in der Stadt des dunklen Königs? Wieso bist du dort gewesen?"

Diesmal konnte Ile es wirklich nicht sagen. Er sah seinem Meister nicht in die Augen als er antwortete: „Es tut mir leid, aber es ist eine schmerzhafte Geschichte und ich kann sie Euch jetzt nicht erzählen."

Oromis schien für einen Moment etwas erwidern zu wollen, doch dann wandte er sich ab und bedeutete Ile, ihm gegenüber am Tisch Platz zu nehmen. Eine Weile sagten die beiden gar nichts mehr und Ile starrte noch immer auf das Wunschbild.

Sein Meister holte tief Luft, dann begann er: „Ile, du sollst wissen, dass du dein Geheimnis nicht ewig für dich behalten kannst. Irgendwann musst du es mir erzählen. Es wird sonst einen Punkt geben, an dem wir nicht mehr weiterkommen werden. Ich gehe doch recht in der Annahme, dass du deine Ausbildung hier zuende bringen möchtest, nicht wahr?", Ile nickte kurz, „Dann musst du anfangen mir und den Elfen zu vertrauen. Du musst wissen, dass ich nicht mehr viel Zeit in diesem Leben verbringen werde. Ich werde bald sterben, meine Zeit ist schon länger abgelaufen, doch ich habe versucht so lange wie möglich am Leben zu bleiben, um den erneuten Aufstieg der Drachenreiter mitzuerleben. Ich denke, dass ich jetzt an diesem Punkt angelangt bin. Ihr drei seid die Zukunft und wenn ihr versagt, ist Alagaësia verloren. Doch auch du sollst mein Wissen für dich nutzen, genau wie Eragon und Murtagh. Falls ich früher sterben sollte, als ich geplant hatte, werden Eragon, Murtagh, Saphira und Dorn eure Ausbildung zuende führen. Ich wüsste nur gerne vorher, wen ich vor mir habe.

Du bist sehr talentiert, Ile. Das habe ich gestern gesehen, doch du bist auch jung und störrisch. Du regst dich leicht auf. Auch diese Eigenschaften habe ich bereits in dir entdeckt und diese Dinge musst du akzeptieren und auch an ihnen wachsen. Und trotzdem..."

Weiter sprach Oromis nicht. Ile sah seinem Meister in die Augen. „Ich verspreche Euch, dass Ihr noch vor Eurem Tod erfahren werdet, wer ich bin. Doch ich muss Euch bitten, Geduld aufzubringen. Wie Ihr richtig erkannt habt, muss ich lernen, Euch und auch den anderen hier zu vertrauen, doch das braucht Zeit, ich hoffe, Ihr versteht das. Ich kann Euch mein Geheimnis nur dann anvertrauen, wenn ich sicher bin, dass meine Ausbildung dann trotzdem weitergeführt wird. Und Ihr könnt mir glauben, dass es Euch nach meinem Geständnis nicht leicht fallen wird."

Oromis hatte aufmerksam den Worten seines jungen Schülers gelauscht und befand, dass es fürs Erste wohl besser war, ihn nicht mehr nach der Herkunft seines Wissens zu fragen, sondern es einfach als gegeben hinzunehmen. Er nickte also und Ile sah unglaublich erleichtert aus.

Er neigte den Kopf: „Danke, Meister, für Euer Verständnis."

„Gut, da wir das geklärt haben, ist es jetzt an der Zeit, dass ich so schnell wie möglich herausfinde, was du alles weißt und kannst", daraufhin fing er an, Ile über alles auszufragen. Ile hingegen konnte spüren, dass Glaedr auch Hírador nach seinem Wissensstand hin überprüfte. Innerlich lächelte er, da sein Meister ihn akzeptiert hatte und er schwor sich, sobald wie möglich mit seinem Geheimnis herauszurücken.