Kapitel Nummer 20!

Sooooooooooooooooooooooooo, nach einer langen Pause, an der ich allerdings nicht ganz allein Schuld bin, gibt's endlich wieder nachschub.

Vielen Dank an ChrisLang und sus für ihre, wie immer freundlichen, Reviews. Und nein, Chris, es wird sich in nächster Zeit aufklären, ich muss nämlich noch ein bisschen weiter, als nur Iles Identität aufzuklären und in die Schlacht zu ziehen. Da kommt wirklich noch mehr :)


Erklärungsversuche

Ile stand mit seinem Meister draußen vor der Hütte. Ile machte den Rimgar, den Tanz von Kranich und Schlange. Früher einmal hatte Ile es für unmöglich gehalten, diese Übung irgendwann einmal in Perfektion zu können, doch durch ständiges Training war sein Körper so dehnbar wie der, der meisten Elfen. Selbst die schwierigste Stufe schaffte er, ohne größere Anstrengung.

„Ile, ich muss wirklich sagen, dass ich beeindruckt von deinen Leistungen bin. Und doch wird die Frage in mir immer drängender", Oromis schaute Ile interessiert zu.

Natürlich wusste er, was sein Meister fragen wollte. Als in den letzten Wochen immer mehr herausgekommen war, was Ile und Hírador schon alles beherrschten, hatte Oromis einen immer flehenderen Blick aufgesetzt. Doch Ile war noch nicht bereit. Sein Vater hatte ihm gesagt, seine Identität geheim zu halten, solange er sich den Elfen gegenüber noch nicht offenbart hatte. Doch nun war sein Vater tot und Ile musste selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen war und er spürte, dass es noch nicht zwingend notwendig war.

Ile schwieg also auf die Bemerkung seines Meisters und konzentrierte sich weiterhin auf seine Übungen. Oromis gab sich damit wohl zufrieden, denn er sagte nichts mehr und schaute Ile nur weiter zu.

In den letzten Wochen hatte Ile vieles von seinen neuen Meistern gelernt. Und durch ihn natürlich auch Hírador und auch umgekehrt. Vor allem die Drachenpflege war in seinen früheren Lehrjahren zu kurz gekommen, weil sein Vater immer versucht hatte, ihm die wichtigsten Informationen zu übermitteln, ohne auf Details einzugehen. Und genau diese Details eignete sich Ile in den Stunden mit Oromis und Glaedr an. Er liebte es, Neues zu lernen. Schon zu seinen Kinderzeiten hatte er es geschätzt alles Wissen in sich aufnehmen zu dürfen. Iles Vater war wohl der beste Lehrer, den man sich wünschen konnte. Er hatte immer Geduld gezeigt, wenn Ile etwas länger gebraucht hatte. Aber er hatte auch die richtige Strenge gehabt, sodass Ile sich immer bewusst war, dass er eine besondere Stellung in der Welt hatte. Dieser Umstand hatte sich mit dem Auftauchen von Hírador natürlich noch mehr verstärkt. Er war in ein Machtspiel hineingeraten, ohne es wirklich zu merken. In seinem Dorf war sein Platz klar und deutlich gewesen, doch hier in Ellesméra hatte er gelernt, sich aus den Angelegenheiten rauszuhalten, die ihn offenbar nichts angingen.

Er hatte beobachtet, dass Eragon in diesen politischen Spielchen eine große Rolle spielte, während Murtagh etwas in der Schwebe hing. Er selbst hatte sich bis jetzt keinen Stempel aufdrücken lassen und das aus gutem Grund. Politik war schon immer ein schwieriges Gebiet für ihn gewesen. Sein Vater hatte des Öfteren versucht, ihn auf diesen Augenblick vorzubereiten, doch irgendwie hatte er nie richtig verstanden, wovon sein Vater gesprochen hatte, bis er jetzt hier war. Manche Elfen hatten schon versucht ihn auf die eine oder andere Weise zu beeinflussen, allen voran die Königin Islanzadi.

Na, Ile?, Hírador riss ihn aus seinen Gedanken. Er hatte das Rimgar schon so oft gemacht, dass er dabei nicht mehr großartig über die Bewegungen nachdenken musste und da war es nur natürlich, dass seine Gedanken abschweiften. Wie laufen die Übungen?

Wie immer Hírador, wie immer. Keine große Anstrengung, aber besser als nichts.

Sie glucksten beide unterdrückt. Die momentanen Übungen erlaubten es ihnen, sich zu unterhalten, da sie beide diese Dinge auch im Schlaf gekonnt hätten. Ile konnte spüren, dass Hírador gerade ein paar einfache Ausweichmanöver übte, natürlich unter der strengen Anleitung Glaedrs.

Wir haben ja auch schon schwierige Aufgaben bekommen, also von daher müssen wir uns nicht beschweren.

Ja, das stimmt. Ile hatte schon mehrfach höhere Magie ausprobiert. Oromis konnte bei diesen Aufgaben nur noch zuschauen, weil er selbst die Art der Magie nicht mehr gebrauchen konnte. Seine innere Sperre verhinderte das. Genau bei solchen Dingen kamen Eragon und Murtagh ins Spiel. Schließlich brauchte Ile jemanden, mit dem er üben konnte und da die beiden ihre Ausbildung bereits fast abgeschlossen hatten, waren sie ihm eine große Hilfe.

Ile hatte in den letzten Wochen eine starke Freundschaft zu Murtagh aufgebaut. Sie maßen sich im Schwertkampf, jeden Morgen, kurz bevor Ile zu Oromis flog. Das war das beste Training, dass er sich wünschen konnte. Murtagh war ein ausgezeichneter Schwertkämpfer. Er vereinte Stärke und Balance perfekt. Doch Ile war schneller und wendiger auch wenn es seinen Schlägen an Murtaghs Wuchtigkeit mangelte, hatte er schon einige Siege gegen ihn zu verzeichnen.

Während der gemeinsamen Übungsstunden, sprachen sie beide über viel. Über den Kampf gegen Galbatorix, wie die Varden organisiert waren, was die Zwerge leisten konnten und wie die Elfen sich auf die entscheidende Schlacht vorbereiteten. Murtagh sprach auch über seine Zeit bei Galbatorix. Er erzählte Ile, wie stark die Macht des dunklen Herrschers war. Dass er einen allein durch schöne Worte zu etwas überreden konnte, was man unter normalen Umständen niemals tun würde.

Ile war sehr verwundert darüber gewesen, dass Murtagh ihm anscheinend vollkommen vertraute. Er wusste, dass sein neuer Freund niemandem sein ganzes Leben anvertrauen würde, der nicht zu seinen aller engsten Freunden zählte. Nach dieser, doch recht kurzen Zeit, die er mit Murtagh in Ellesméra verbracht hatte, war Ile erstaunt, dass Murtagh ihn ins Herz geschlossen zu haben schien.

Im Gegenzug hatte Ile Murtagh etwas mehr über seine Herkunft erzählt, als allen anderen. Er hatte ihm erzählt, dass sein Lehrmeister auch ein alter Drachenreiter gewesen war, dessen Drache in der letzten Schlacht getötet worden war. Murtagh wusste auch, dass Ile der Sohn dieses Drachenreiters war und dass sein Vater ein Elf gewesen war. Doch der Name dieses Elfen behielt Ile doch lieber noch für sich. Er wusste, dass Murtagh nicht verstehen würde, warum er mit dieser Information so lange hinterm Berg gehalten hatte, doch er hatte ganz bestimmte Gründe dafür. Murtagh war ziemlich überrascht gewesen über Iles Geständnis und er hatte ihn mehr als ein Mal gefragt, warum er es den Elfen nicht erzählte, doch darüber ließ Ile mit sich nicht streiten. Er hatte gesagt, es würde zu gegebener Zeit geschehen und dass diese Zeit sehr bald kommen würde, doch mehr ließ er sich nicht entlocken.

Zu seinem Glück hatte Ile festgestellt, dass er sich in Murtagh nicht getäuscht hatte. Niemand hatte von ihm etwas erfahren. Keiner wusste von Iles Geheimnis, außer Hírador, Murtagh, Dorn und natürlich er selbst. Ile war dankbar, so einen Freund ausgerechnet hier gefunden zu haben. Er war sich auch bewusst, dass wohl niemand außer seinem Kumpanen, ihn verstehen konnte. Murtagh war selbst mit einer zentnerschweren Last auf den Schultern herumgelaufen und das Jahre lang. Er hatte mit dem Geheimnis um seine Herkunft genauso zu kämpfen gehabt wie Ile.

Sie unternahmen viel zusammen. Murtagh zeigte Ile ganz Ellesméra und stellte ihm verschiedene Elfen vor, die er kennen gelernt hatte und die ihm nicht immer ausgewichen waren, so wie es die meisten anderen taten.

Im Gegensatz zu Murtagh hielt sich Eragon aus den meisten Dingen heraus, die Iles Ausbildung angingen. Er schien sowieso mehr Anteil an den politischen und taktischen Aspekten zu haben. Eragon war meist unterwegs, wohl bei den Varden, wie Ile mutmaßte.

Doch allzu viele Gedanken konnte er sich gar nicht machen, da ihn sein Studium voll und ganz in Anspruch nahm. Er hatte von Oromis allerlei Schriftrollen bekommen, die er durcharbeiten sollte. Viele davon stammten von den Elfen selbst und waren Gedichte oder Lieder. Manches schien Ile davon sehr unnütz, doch es schulte ihn im Umgang mit der Alten Sprache und das war es worauf es ihm in diesen Stunden des stillen Lernens ankam.

Natürlich lernte auch Hírador viel. Glaedr hatte schnell herausgefunden, wo Híradors Stärken lagen. Er war nicht so talentiert wie Saphira, konnte nicht solch waghalsige Manöver fliegen und er besaß auch nicht die Kraft von Dorn, doch er konnte, genau wie Ile, durch seine Schnelligkeit glänzen und durch sein großes Durchhaltevermögen. Auch bestach er durch eine Zähigkeit, die Glaedr schon des Öfteren verblüfft hatte.

Iles Gedanken kehrten nur langsam in die Wirklichkeit zurück. Plötzlich wurde ihm wieder bewusst, dass er noch mitten im Rimgar war und dass er in den Bewegungen auch nicht innegehalten hatte, obwohl er über all dies nachgedacht hatte.

Du bist einfach ein Naturtalent, Ile, jetzt nahm er Hírador wieder richtig wahr, der inzwischen auf dem Rückflug zu ihm war.

Ich wusste schon immer, dass ich etwas besonderes bin, gab Ile nur trocken zurück. Ist es schon Zeit wieder zu gehen?

Nein, wir sollen noch da bleiben, Glaedr sagt, sie wollen uns noch etwas fragen.

Ile stöhnte innerlich. Bitte lass es nicht das sein, was ich denke.

Er beendete seine Übungen und schaute zu seinem Meister hinüber. Dieser hatte jedoch die Augen geschlossen und machte auch keinerlei Anstalten, irgendetwas zu sagen. Ile behielt respektvoll Stille.

Dann hörte er die Drachen zurückkehren. Das Flügelschlagen von den mächtigen Schwingen Glaedrs war unverkennbar. Kurz darauf landeten die beiden und Ile ging zu Hírador um ihm freundschaftlich gegen die Nase zu stupsen.

„Ile, du bist mir noch eine Antwort schuldig", ohne die Augen zu öffnen oder sich zum ihm umzudrehen, sprach Oromis ihn an. „Genau genommen, seid ihr mir beide eine Antwort schuldig."

Ile zog die Stirn kraus. Das hörte sich nicht danach an, als ob Oromis nach seinem Lehrmeister fragen wollte. „Meister?"

Endlich wandte Oromis sich um und schaute sie an. „Ihr erinnert euch doch sicherlich noch an den ersten Tag, den ihr bei mir auf dem Felsen verbracht habt?", es war eine rhetorische Frage und deshalb nickte Ile bloß, „Ich habe dir die Aufgabe gestellt, mir zu erzählen, wie es sich angefühlt hat, das Wesen eines Landes zu erfassen. Und ich denke, du hattest jetzt genug Zeit darüber nachzudenken. Also, wie lautet deine Antwort?"

Ile zuckte kaum merklich zusammen, mit so etwas hatte er gar nicht mehr gerechnet. Er hatte gedacht, Oromis hätte dieses Thema fallen gelassen, doch so war es anscheinend nicht. Er überlegte schnell mit Hírador um eine passende Erklärung zu finden, doch ihnen fiel nichts ein und so musste er seinem Meister schließlich gestehen: „Es tut mir leid, Meister, ich weiß keine Antwort auf Eure Frage und ich werde sie wohl auch nicht finden, oder sie zumindest nicht in Worte fassen können." Er schlug die Augen nieder und auch Hírador senkte den Kopf ein wenig. Sie waren enttäuscht darüber, diese Aufgabe wohl nicht gelöst zu haben.

Doch zu ihrer beiden Verwunderung lächelte Oromis nur.

Die Antwort haben wir bis jetzt jedes Mal erhalten, wenn wir diese Frage gestellt haben. Oder es ist nur Gestammel herausgekommen. Ihr müsst euch nicht schämen, die Aufgabe war nicht dazu gedacht, gelöst zu werden. Ihr solltet nur etwas nachdenken und nicht mehr, Glaedrs Ausführungen erstaunten und erfreuten sie gleichermaßen. Sie hatten nicht versagt.

„Für heute seid ihr entlassen, ihr könnt nun tun und lassen, was ihr wollt", Oromis lächelte noch immer, als sie schon davonflogen.

Und, was machen wir jetzt mit dem angefangenen Abend?, Hírador klang fröhlich.

Wir könnten mit Murtagh und Dorn Ellesméra noch weiter erkunden. Es gibt bestimmt noch etwas, dass sie uns zeigen könnten, außerdem ist diese Stadt so voller Wunder, dass man wohl mehr als ein Leben braucht um alles betrachten zu können.

Ja, ich finde auch, dass das eine gute Idee ist. Ich bin froh, dass wir die beiden haben, Ile. Sie helfen uns dabei, uns hier zurechtzufinden und das ist keine leichte Aufgabe, da wir in diese Welt geradezu hineingeschleudert wurden, doch die beiden helfen uns, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das ist eine große Tugend.

Ja, da hast du recht. Ich wünschte, Eragon wäre genauso. Aber er weicht mir aus, wann immer ich ihn sehe. Es ist fast, als ob er Angst hätte, oder so.

Sie flogen in Richtung von Murtaghs Baumbehausung, die von Iles nicht allzu weit entfernt war.

Ich weiß, was du meinst. Auch Saphira ist mir gegenüber sehr reserviert. Aber sie müssen uns einfach besser kennen lernen, denke ich.

Ich hoffe, dass du damit recht behältst.


Es endet jetzt vielleicht ein bisschen enttäuschend, aber im nächsten Kapitel ist es endlich so weit! Bis dahin könnt ihr noch schön weiterspekulieren, ich habe euch ja einen weiteren Hinweis gegeben...

Und bitte vergesst die Reviews nicht ;)