Kapitel zweiundzwanzig hochgeladen.

Eine riesige Entschuldigung, dass ich solang nichts geschrieben habe, aber mein Computer war/ist kaputt und das hat das Ganze etwas erschwert, aber jetzt habe ich es doch noch geschafft. Ich hoffe, ihr vergebt mir.

Vielen Dank an: Ainka, ChrisLang und sus. Hoffe, dass das Kapitel euch auch gut gefällt.

Und jetzt: Viel Spaß!!


Vrael Drachenschwert

Ile war wütend. Worauf am meisten, vermochte er nicht zu sagen. Wie konnten sie nur denken, dass er der Sohn von Galbatorix sein könnte? Wie konnten sie?

Er schaute sie alle der Reihe nach an. Oromis, Islanzadi und Eragon sahen alle drein, als wüssten sie nicht so recht, was sie nun sagen sollten. Er hatte in der Alten Sprache geredet, was bewies, dass er nicht gelogen hatte. Woher kam also diese irrwitzige Idee, dass er ein Verräterssohn war?

Er war bei Murtagh gewesen und hatte es ihm erzählt. Von seinem Vater, seiner bisherigen Ausbildung und auch von seinem Dorf, das jahrelang versteckt gelebt hatte, um nicht von Galbatorix aufgespürt zu werden. Murtagh hatte mit Erstaunen reagiert und ihn gefragt, warum er es den Elfen nicht erzählt hatte. Er erklärte ihm, dass sein Vater zu seinen Lebzeiten eigentlich nie in Erwägung gezogen hatte, nach Ellesméra zurückzukommen. Den genauen Grund hatte er selber nie erfahren. Sein Vater hatte ihm nur immer wieder eingebläut, falls er Elfen begegnen sollte, nicht zu erwähnen, dass er der Sohn des letzten Großmeisters war. Dann hatte er Murtagh noch vom Tod seines Vaters berichtet, von dem feigen Hinterhalt. Mit seinen letzten Atemzügen hatte sein Vater ihm geraten, doch zur Stadt der Elfen aufzubrechen, um bei Oromis seine Ausbildung abzuschließen.

Er hatte den Rat seines Vaters befolgt und sich mehr als ein Mal gefragt, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war. Doch er hatte stets auf die Weisheit seines Vaters vertraut und hatte seinem Vater auch damals geglaubt, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Dann hatte die Königin ihn rufen lassen und er hatte sich schon vorhin gefragt, ob sie herausgefunden hatte, wer wirklich sein Vater gewesen war.

Und jetzt stand er im Thronsaal der Königin der Elfen und wurde beschuldigt der Sohn eines elenden Verräters und Mörders zu sein, den er mehr als alles andere hasste.

Islanzadis Gesichtsausdruck nahm einen seltsamen Zug an. Sie schien nicht glauben zu können, was er da gerade gesagt hatte, doch er konnte ja nicht gelogen haben. Oromis konnte seine Gefühle genauso wenig verbergen, er schien geschockt zu sein. Eragon hingegen war einfach verdutzt, seiner Miene nach zu urteilen. Die Wachen um sie herum warfen unruhige Blicke zur Königin, sie waren sich nun nicht mehr sicher, was sie tun sollten.

„Du bist der Sohn von Vrael?", Oromis hatte als Erster seine Sprache wieder gefunden, „Aber wie soll das möglich sein? Er wurde getötet, vor langer Zeit. Im Kampf mit Galbatorix!" Er schien genau wie die Königin die Wahrheit nicht so ganz akzeptieren zu können.

„Nein, mein Vater wurde nicht getötet. Er entkam, schwer verletzt. Galbatorix hat damals die Kunde verbreitet, dass er tot sei, um allen Anhängern der Drachenreiter den letzten Funken Hoffnung zu stehlen."

Die Königin schüttelte den Kopf. „Es wäre uns bekannt. Er wäre hierher zurückgekehrt, oder er hätte sich zumindest bei uns gemeldet. Er war ein Elf und Drachenreiter. Er war dazu verpflichtet, und zu helfen!"

Ile war es unbegreiflich. Wie konnten sie sich so sperren, wenn sie genau wussten, dass er die Wahrheit sprach. Er konnte nicht gelogen haben. „Er ist nicht zurückgekommen, weil er zu schwach war, um noch irgendein Lebenszeichen von sich zu geben. Die Leute, bei denen ich lebte, haben ihn schließlich gefunden und in ihr Dorf gebracht. Ich weiß nicht genau, warum er nie zu euch kam, aber er hat es nun mal nicht getan und das ist die Wahrheit!", um seine Worte zu unterstreichen hatte er alles in der Alten Sprache gesagt.

Nun erhob auch Eragon die Stimme: „Du kannst nicht lügen, dafür ist die Alte Sprache zu mächtig, aber trotzdem fällt es schwer zu glauben, dass der letzte Großmeister der Drachenreiter nicht zu den Elfen zurückgekehrt ist, nachdem er sich wieder erholt hatte, oder dass er nicht versucht hat mit jemandem von den Elfen Kontakt aufzunehmen."

Ile wusste, dass Eragon Recht hatte. Nicht einmal er konnte den Grund benennen, weshalb sein Vater nie zu den Elfen zurückgegangen war. Er hatte seinen Vater oft danach gefragt, doch eine deutliche Antwort hatte er nie erhalten.

„Ich kann auch nur Vermutungen anstellen. Ich glaube, er wollte den Menschen in meinem Dorf helfen. Sie leben im Geheimen und haben es auch immer getan. Aus gutem Grund. Er hat viele Kinder ausgebildet, auch mich, seinen eigenen Sohn."

Die Königin schien noch immer gegen die Wahrheit anzukämpfen. „Er hätte niemals….", doch was genau Vrael niemals getan hätte, blieb für immer ein Geheimnis.

„Du bist also tatsächlich der Sohn von Vrael?", Oromis schien sich nicht mehr so zu verschließen wie die Königin, „Ich kann es kaum glauben, aber du musst die Wahrheit sprechen, denn in der Alten Sprache kann keiner lügen, nicht einmal Galbatorix. Lebt er denn noch? Es wäre ein großes Geschenk, ihn noch ein Mal zu sehen."

Ile senkte den Kopf. „Nein, er wurde getötet." Ich wünschte, er wäre jetzt hier!

Hírador fing seinen Gedanken auf. Er schaute nun hoch zu Oromis. Vrael war uns ein guter Meister. Alles, was ihr bei der Prüfung gesehen habt, haben wir von ihm und den Leuten im Dorf gelernt. Sie sind alle magiekundig und deshalb sehr geeignete Lehrer gewesen. Natürlich war erst vor einem Jahr klar, dass Ile ein Drachenreiter ist. Als das letzte Ei von unseren Leuten gestohlen wurde. Sie hatten sich nämlich schon längere Zeit gefragt, ob Ile nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten konnte und das hat sich dann auch bestätigt. Ich habe mich für ihn als meinen Reiter entschieden und habe es auch nie bereut.

„Vrael hatte also ein Kind mit einer Menschenfrau? Und du willst dieses Kind sein?", Islanzadi schien sich nicht beruhigen zu können, eher das Gegenteil war der Fall. Sie wurde immer wütender.

Ile schaute verwirrt und trotzig auf: „Ja, ich bin Vraels Sohn und meine Mutter war ein Mensch. Sie ist allerdings früh gestorben und konnte nicht mehr erleben, wie ich zum Drachenreiter wurde. Mein Vater hat sich sein Leben lang um sie gekümmert. Und er hat sie aufrichtig geliebt."

Islanzadi schossen beinahe Funken aus den Augen. „Kaum ein Elf hat sich mit den Menschen jemals eingelassen und Vrael hätte es bestimmt erst recht nicht getan!"

„Dann würde ich wohl kaum hier stehen, oder?", gab Ile widerspenstig zurück.

Plötzlich öffnete sich die Tür des Thronsaals und Murtagh kam hereingestürmt, hinter ihm war Dorn, von dem er augenscheinlich erst Augenblicke vorher herunter gesprungen war. Alle Augen richteten sich auf ihn.

„Was geht hier vor?", rief er im Laufen und deutete dabei auf die Wachen, die rund um Ile und Hírador standen. „Was wirft man den beiden vor?"

Ile sah, wie Eragon Murtagh einen Blick zuwarf, der nicht unbedingt freundlich schien.

„Nun nichts mehr", antwortete Oromis.

„Ach nein?", konterte die Königin, „Dieser Drachenreiter verbreitet hier offenkundig Lügen! Vrael soll überlebt und ein Kind mit einer Menschenfrau haben? Ich bitte euch!"

Alle schauten nun betroffen Islanzadi an. Dann sprach Oromis leise zu ihr: „Ile kann nicht unehrlich gewesen sein und das weißt du auch. Es mag uns nicht gefallen, aber Vrael hat uns im Stich gelassen."

Nun war es an Ile zu explodieren. „Im Stich gelassen?", rief er, „Mein Vater hätte nie jemanden im Stich gelassen! Er hat sich immer um das Dorf gekümmert! Niemals hätte er jemanden zurückgelassen!" Ile glaubte langsam zu verstehen, warum sein Vater nicht hierher hatte zurückkehren wollen. Vrael war sich der Tatsache bewusst gewesen, dass die Elfen von ihm verlangt hätten, Galbatorix zu besiegen. Doch er hatte schon einmal verloren und war sich wohl sicher gewesen, dass er es wieder getan hätte. Er wäre einen sinnlosen Tod gestorben wie sein Drache vor ihm. Die Elfen hätten es nicht verstanden, hätte er ihnen gesagt, dass er nicht kämpfen würde. Es war für ihn einfacher gewesen, keinen Kontakt mehr zu ihnen auszunehmen.

„Er hat immerhin uns hinter sich gelassen, nicht wahr? Ich kann nicht glauben, dass ich mich in ihm so getäuscht habe.", gab die Königin zurück.

Oromis schaute sie warnend an, dann sagte er: „Es tut mir leid, Ile, ich wollte dich oder deinen Vater nicht beleidigen, aber du musst verstehen, dass er zu uns hätte zurückkehren müssen, um seine Pflicht zu erfüllen."

Murtagh hatte nun den Schauplatz erreicht und schaute ungläubig zur Königin und zu Oromis. Ile setzte wieder zu einer wütenden Antwort an, doch Murtagh hielt ihn zurück.

„Königin, Meister, Ihr wisst, dass er nicht lügt. Und Ihr kanntet seinen Vater und wisst auch genau, dass er einen guten Grund gehabt haben muss, um nicht mehr wiederzukommen. Also bitte ich Euch, Ile zuzuhören. Er kann Euch bestimmt einige Antworten geben."

Doch Ile machte keinerlei Anstalten weiter zu sprechen. Vielmehr war seine Hand an den Griff seines Schwerts gewandert. Er umfasste ihn fest. Sein Vater hatte damals den Kristall gefunden, den Ile in den Griff seiner Waffe eingeschmiedet hatte. Er war grün, genau wie Hírador und deshalb hatte er auch sein Schwert in dieser Farbe gestaltet. Jetzt, da er ihn berührte, konnte er die ruhige Macht spüren, die immer von seinem Vater ausgegangen war.

Ich werde ruhig bleiben, wie er es getan hätte. Seine Lektionen sollen nicht umsonst gewesen sein.

Die Königin jedoch hatte die Geste bemerkt und interpretierte sie natürlich falsch. „Lass die Hände von deiner Waffe", das schreckte wiederum die Wachen um Ile auf und auch sie griffen zu den Schwertern.

Ile wollte gerade die Hände von seinem Schwertgriff nehmen, als einer der Wachen offensichtlich die Nerven verlor und nach ihm aushieb. Er hatte keine Zeit mehr seine Waffe zu ziehen und so versuchte er auszuweichen, doch Iles Gegenüber war immerhin ein Elf und er schlug blitzschnell zu. Ile konnte sich nicht ganz retten. Er spürte einen Schmerz, der von seiner Wange aufwärts bis zu seiner Augenbraue verlief.

Da er nicht wusste, was er sonst tun sollte, zog er sein Schwert, um den nächsten Hieb des Elfen abzublocken. Das nahmen die anderen Wachen als Zeichen, dass er angreifen würde und zogen ebenfalls blank. Eragon kam auf ihn zugestürmt, doch Murtagh hielt ihn zurück und versuchte dabei verzweifelt die anderen Elfen daran zu hindern weiter auf Ile einzuschlagen. Oromis versuchte sich ebenfalls Gehör zu verschaffen, um einen Tod zu verhindern. Selbst die Königin hatte bemerkt, dass sie einen Fehler gemacht hatte und versuchte, ihre Wachen zurückzuordern.

In all der Verwirrung begannen Saphira und Dorn laut zu brüllen, was die Elfenwachen für einen Moment ablenkte. Das verschaffte Ile genügend Zeit, um zu seinem Drachen zu rennen.

„Schaff uns hier raus!", rief er ihm über das Gebrülle hinweg zu.

Kaum war er vom Boden abgesprungen, da hob Hírador auch schon ab, fing Ile im Flug auf und zischte nach draußen, einer blutroten Sonne entgegen.

Sie konnten gerade noch hören, wie Islanzadi einen ihnen hinterher rief, doch der Ruf erreichte sie nicht mehr. Sie flogen schnell, so schnell wie sie noch nie geflogen waren.