Kapitel mit der Nummer dreiundzwanzig!

Ich weiß, es hat schon wieder viel zu lange gedauert und ich entschuldige mich! sich zur Sicherheit auch noch demütig verbeug Hoffentlich kann ich jetzt ein bisschen schneller schreiben, wo wir schon mal Ferien haben.

Vielen Dank diesmal an: sus, meine wohl treueste Reviewerin, ChrisLang, die auch dazu gehört, Leandriel-Whitestorm und Arnoux.

Ich hoffe, es gefällt noch allen :)

Viel Spaß!


Die Flucht

Sie flogen über den Wald der Elfen, als ob der Teufel persönlich hinter ihnen her wäre. Noch nie hatte Hírador solche Geschwindigkeiten erreicht. Der Schock saß ihnen beiden noch in den Knochen.

Wo soll ich hinfliegen?, Hírador war bisher orientierungslos umher geflogen. Er klang leicht panisch.

Ile konnte nicht direkt antworten. Was war gerade passiert? Irgendwann konnte er sich wieder so weit konzentrieren, dass er einen Satz herausbringen konnte: Nur weg von hier!

Sein Drache schien zu verstehen und flog nun zielstrebig nur in eine Richtung. Er flog in Richtung Norden, der schnellste Weg aus dem Wald heraus. Wenn er weiterhin so schnell fliegen würde, könnte sie keiner mehr einholen. Auch wenn die Drachen von Murtagh und Eragon größer waren, konnten sie es mit Híradors Schnelligkeit nicht aufnehmen, er schien für solche Flüge geschaffen zu sein, auch wenn sie es bis jetzt noch nie in so extremer Form ausprobiert hatten.

Ile war froh, dass er das meiste, was ihm wichtig und teuer war, bei sich trug. Sein Schwert, seine Kampfkleidung und ein Amulett seines Vaters, was er nie ablegte. Und am allerwichtigsten, natürlich, Hírador sein treuer Gefährte, der ihm wohl auch in den Tod folgen würde.

Iles Gedanken kamen nur langsam zur Ruhe. Er dachte die ganze Zeit über diesen seltsamen Zwischenfall nach. Hätte es eine andere Lösung für die Situation gegeben? Aber hätte er sein Schwert nicht gezogen, wäre er vermutlich geköpft worden. Wenn er jedoch einfach schnell weg gesprungen wäre, hätte das etwas geändert? Vermutlich nicht, so befand er. Er rief sich noch einmal die Reaktion der Königin ins Gedächtnis. Für seinen Geschmack schien sie viel zu übertrieben gewesen zu sein. Sein Vater hatte viele Geheimnisse gehabt und das war wohl eins davon. Er schwor sich, später mehr darüber in Erfahrung zu bringen.

Seine Gedanken kreisten nun darum, wohin sich ihre Reise richten sollte. Sollten sie versuchen zurückzufliegen? Doch man würde sie nur festnehmen und verhören. Die Königin würde sie nie wieder aus ihren Fängen entlassen. Sollten sie also in ein anderes Dorf ziehen, vielleicht irgendwo in Alagaësia? Aber dort würde man sie finden und Surda wurde von den Varden kontrolliert.

Und dann kam ihm die einzig richtige Entscheidung in den Sinn. Er sagte zu Hírador: Flieg zum Treffpunkt unseres Dorfes, Hírador. Dort werden wir sicher sein.
Sein Drache sackte bei diesen Worten ein paar Meter in die Tiefe, was bei ihm ein seltsames Gefühl im Magen hinterließ. Aber dann können wir nicht mehr zurück. Es wäre zu gefährlich. Wenn wir uns jetzt entscheiden dorthin zu fliegen, kannst du die Sache mit den Elfen nicht mehr klären. Sie werden über deine Motive ewig im Dunkeln tappen.

Murtagh wird sie aufklären, er weiß, dass ich nichts verbrochen habe. Sie haben außerdem alle gesehen, was passiert ist. Die Wache ist durchgedreht!
Sie war aber nicht die einzige! Die Königin wird ihren Kriegern das erzählen, was aus ihrer Sicht geschehen ist und das wird nichts Gutes sein. Dafür hat sie sich viel zu sehr aufgeregt.
Sie wird sagen, du hättest die Wache angegriffen!, Hírador schien Iles Idee für unklug zu halten, doch das war ihm egal.

Sie hat ihre Entscheidung getroffen, sagte er, und ich jetzt meine. Wir werden dorthin fliegen und dort werden wir berichten, was wir wissen und das werden wir gegen Galbatorix verwenden. Genauso hätte mein Vater es gewollt.

Hírador machte einen letzten Versuch: Sie könnten Murtagh und Dorn einsperren, wenn sie uns verteidigen. Du weißt, dass Murtagh keine Ruhe geben wird, bis dein Name rein gewaschen ist. Er würde deine Ehre bis aufs Blut verteidigen.

Ile biss sich auf die Lippe. Sein Drache hatte Recht. Murtagh würde alles tun. Wenn wirklich so etwas geschehen sollte, dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass man ihn aus Ellesméra herausholt, aber wir haben jetzt eine Aufgabe zu erfüllen und die ist auch wichtig! Wir müssen jetzt unseren Leuten beistehen. Sie haben ein Recht darauf. Vergiss nicht, wir haben geschworen, dass wir sie verteidigen!
Hírador resignierte und lenkte seine Flügelschläge in Richtung Nord-Osten. Ile gab sich damit zufrieden. Er wusste, dass er das Richtige tat.

Zum ersten Mal richtete Ile seine Aufmerksamkeit auf die Wunde, die die Wache in seinem Gesicht hinterlassen hatte. Sein Auge war nicht getroffen worden, doch sowohl unterhalb als auch oberhalb seines Auges waren blutige Schnitte. Er überlegte, ob er sie mit Magie heilen sollte, doch dann ließ er die Hand sinken, die er zum Zauber schon erhoben hatte.

Er würde die Narbe, die dieser Verletzungen zweifellos folgen würde, behalten und sie als sein Merkmal tragen, von nun an bis er starb. Es war für ihn das Zeichen, das ihn wieder zu seinem Dorf zurückbringen würde, er würde es nie vergessen.

Nach einigen Stunden des Fluges konnten sie sicher sein, dass niemand sie einholen würde. Sie flogen durch die Dunkelheit und benutzten sie als Deckung. Viele der Elfen mussten sie gesehen haben, als sie über den Wald geflogen waren, doch Du Weldenvarden lag jetzt schon einige Meilen hinter ihnen.

Sie waren schweigend geflogen. Sie waren beide mit ihren eigenen Gefühlen beschäftigt gewesen, außerdem hatten sie beide darauf geachtet, nicht entdeckt zu werden.

Ile und Hírador hatten mehr als ein Mal gespürt, wie jemand versucht hatte, sie mit der Traumsicht zu finden, doch dagegen hatte er schon lange einen Schutz gefunden. Es war ein Trick seines Vaters gewesen, den die alten Drachenreiter wohl auch alle beherrscht hatten. Zumindest Oromis wusste von dieser Fähigkeit, obwohl er sie Ile nie gezeigt hatte. Das war wohl in weiser Voraussicht geschehen, der sich auf einen Fall wie diesen bezog, doch gebracht hatte es nichts, da Ile von Vrael gelernt hatte.

Die Elfen konnten sich vermutlich jetzt erst richtig vorstellen, welche Techniken Ile alle beherrschte, die er ihnen nicht gezeigt hatte. Sie wussten auch, dass in ihm ein Potenzial stecken musste, dass er noch nicht einmal selbst entdeckt hatte. Durch seine Flucht hatten sie sich einige Chancen zerstört.

Ile war kurze Zeit von einer Art grimmiger Befriedigung erfüllt. Erst jetzt musste den Elfen klar werden, wen sie da die letzten Monate befragt und trainiert hatten. Er hatte einige von ihnen in die Schranken gewiesen und sie hatten verzweifelt nach dem Grund dafür gesucht. Nun hatten sie ihre Antwort. Und er hatte seine Entscheidung getroffen.

Er wusste, dass es kein Fehler und auch keine Zeitverschwendung gewesen war, zu den Elfen zu gehen. Er hatte viel gelernt, in allen Bereichen. Sein Vater hatte von Anfang gewusst, dass es zu Problemen kommen würde, wenn er zu den Elfen ginge, deshalb hatte er wohl auch gewollt, dass Ile erst dann ginge, wenn er fertig ausgebildet war und er nicht zu befürchten haben müsste, dass man ihn nicht ausbildet.

Nun war auch dieses Problem vom Tisch, denn er hatte seine Ausbildung erhalten, zwar war er immer noch kein Meister, aber er hatte in vielen Gebieten gewaltige Fortschritte gemacht. Vor allem was die Drachen anging. Glaedr hatte Ile viel gelehrt, was sein Vater nie gekonnt hätte. Dafür war er sehr dankbar gewesen, denn so hatte endlich auch mal Hírador eine richtige Schulung erhalten und hatte sich das meiste nicht nur theoretisch anhören müssen, so wie es früher gewesen war.

Ile legte seinen Kopf auf den Hals seines Drachen und schloss die Augen. Sein Inneres schien aufgewühlt zu sein. Er war verwirrt von der Flut der Gefühle, die er im Moment empfand. Sie waren so unterschiedlich wie sie nur sein konnten. Er war glücklich, dass er endlich zu seinen Leuten zurückkehren konnte, fürchtete sich aber gleichzeitig davor, was sie sagen würden, wenn er ihnen berichten musste, dass er seine Ausbildung vorzeitig abgebrochen hatte. Dann war er einerseits froh, dass er Ellesméra verlassen hatte, aber gleichzeitig plagten ihn Schuldgefühle, die sich auf Murtagh bezogen. Murtagh hatte versucht ihm zu helfen und er hatte ihn im Stich gelassen, in der Höhle des Löwen.

Ile öffnete die Augen. Er versuchte seine Gefühle zurückzuschieben, damit er sich auf sein bevorstehendes Wiedersehen vorbereiten konnte.

Doch die größte Frage drängte sich in sein Bewusstsein. Diese Frage hatte er sich schon immer gestellt, vor allem seit er in Ellesméra lebte und heute Abend hatte die Dringlichkeit schließlich ihren Höhepunkt erreicht. Was war zwischen seinem Vater und der Königin vorgefallen? Nach diesem Abend war klar, dass Vrael und Islanzadi enger miteinander in Verbindung gestanden hatten, als Ile klar gewesen war. Er war sich jetzt ziemlich sicher, dass sie der Grund gewesen war, warum Vrael nicht hatte zurückgehen wollen. Denn niemand hatte so extrem reagiert wie sie. Oromis war zwar verwirrt und geschockt gewesen, doch er schien eher positiv als negativ ihm gegenüber eingestellt zu sein.

Wir müssen rasten. Ich kann nicht mehr, so schnell und weit bin ich noch nie zuvor geflogen, Hírador durchbrach Iles Gedankenfluss, wofür er im Moment dankbar war.

Ja, natürlich. Hast du schon einen geeigneten Platz zum Schlafen gefunden? Er muss gut versteckt sein, nicht dass uns jemand findet.

Aber sein Drache hatte sich schon um alles gekümmert. Sie landeten auf einer freien Fläche. Um sie herum waren nur noch bewaldete Berge zu sehen, doch Hírador hatte aus der Luft eine Höhle entdeckt, die groß genug für ihn war. Also gingen sie in diese und Hírador legte sich sofort auf den Boden. Ile stand noch immer etwas unentschlossen im Eingang.

Ich sollte Wache halten, falls jemand kommt...

Mach dich nicht lächerlich! Niemand wird denken, dass wir bereits so weit geflogen sind. Und selbst wenn, wir sind nicht wehrlos.

Noch immer nicht ganz überzeugt ging Ile ein paar Schritte weiter in die Höhle. Doch er ergab sich schließlich dem Drang hin zu schlafen. Er würde ihn brauchen. Außerdem hatte der Schnitt des Elfenschwerts angefangen höllisch zu schmerzen und er überlegte sich schon, ob er ihn nicht doch mit Magie heilen sollte, um keine Infektion zu riskieren. Dann schüttelte er den Kopf und schmiegte sich an den warmen Bauch seines Drachen.

Schon Sekunden später war er eingeschlafen.

Ile! Wach auf, Ile!, Ile konnte Hírador hören, doch er drehte sich um und versuchte einfach weiterzuschlafen. Keine gute Entscheidung, wie er nur Augenblicke später entdeckte.

Sein Drache wurde nun mal nicht gerne ignoriert, also versetzte er Ile kurzerhand einen schmerzhaft Hieb mit seinem Schwanz. Der junge Drachenreiter wurde beinahe in die Luft gerissen.

Aua! Hey, was soll das?, Ile sah sich um. Für einen Moment wusste er nicht, wo er war, oder warum er sich niedergeschlagen fühlte. Dann kam die Erinnerung an die ziemlich misslungene Enthüllung seiner Herkunft wieder an die Oberfläche. Die Höhle war noch dunkel, also konnte der Tag noch nicht angebrochen sein. Warum um Himmels Willen hatte sein Drache ihn also geweckt? Er warf Hírador einen fragenden Blick zu.

Wir müssen weiter, Ile. Ich will hier nicht noch länger bleiben, sonst holen sie uns doch noch ein. Die paar Stunden Schlaf müssen fürs Erste reichen. Wenn wir erst wieder bei unseren Leuten sind, können wir schlafen, ohne dass uns jemand stört.

Ile war nicht gerade begeistert. Es war kein sehr angenehmer Schlaf gewesen, er hatte das Gefühl die meiste Zeit noch halb wach gewesen zu sein. Und er fühlte sich eher noch erschöpfter als vorher. Doch sein grüner Freund hatte natürlich recht, sie mussten so schnell wie möglich den neuen Standort ihres Dorfes erreichen, sonst liefen sie Gefahr entdeckt zu werden. Obwohl er stark bezweifelte, dass jemand durch Zufall hier über sie stolpern würde. Die Leute in dieser Gegend hatten Angst vor diesem Gebiet, sie nannten dieses kleine Gebirge den Buckel. Selbst Ile konnte fühlen, dass hier andere Kräfte als seine eigenen am Werk waren.

Na dann, los geht's. Aber glaubst du wirklich, du schaffst es heute über das Meer? Es wird ein weiter Flug sein, Ile sah zu Hírador auf.

Ich muss es schaffen, eine zweite Chance gibt es nicht. Wenn wir jetzt nicht losfliegen, finden sie uns und wir können nicht mehr zurück zu den Menschen, die wir lieben, Hírador sprach mit fester Stimme, die keine Zweifel an seinen Fähigkeiten zuließ.

Das ist alles, was ich hören wollte, grinste Ile und stieg in den Sattel. Und schon flogen sie wieder.

Schon kurze Zeit nach ihrem Aufbruch, konnten sie nichts anderes mehr sehen als das weite Meer. Ile war, trotz allem, so glücklich wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Sie würden endlich wieder mit ihren Leuten vereint sein. In froher Erwartung wandte er seinen Blick gen Horizont.


Bevor ich's vergesse: Bitte, bitte reviewn ;)