Nach einer langen Zeit ist jetzt endlich Kapitel vierundzwanzig online.
Es tut mir leid, ich hatte eine kleinere Schreibblockade, ich komme im Moment mit mehreren Dingen nicht weiter, also habt bitte etwas Nachsicht mit mir :)
Bedanken möchte ich mich bei: Arnoux, sus und ChrisLang.
Viel Spaß!
Freund oder Feind?
Saphira landete auf einer Lichtung in Du Weldenvarden. Sie waren schon am äußersten Rand angelangt, wo die Bäume schon nicht mehr so dicht standen und nicht so groß waren wie im mittleren Teil des Waldes. Eragon stieg seufzend aus dem Sattel.
Sie hatten den ganzen Tag nach Ile gesucht, hatten ihn aber nicht einholen können. Er war noch immer verwirrt über den Vorgang im Thronsaal der Königin. Es war einfach alles zu schnell gegangen, niemand hatte wirklich sehen können, was passiert war. Sein Bruder behauptete steif und fest, dass die Wache zuerst auf Ile losgegangen war, doch Eragon war sich da nicht so sicher, doch er wollte Murtagh nicht gegen sich aufbringen, also tat er so als wäre auch er dieser Meinung.
Die Königin war außer sich vor Zorn gewesen, dass Ile entkommen war. Sie hatte sich überhaupt sehr komisch verhalten, fand Eragon. Hatte sie nicht gesagt, dass sie eine Vermutung hätte, was Ile angeht. Eragon fand nicht, dass sich diese Vermutung bestätigt hatte.
Wir müssen unbedingt die Königin fragen, wenn wir wieder zurück sind. Ich traue dieser ganzen Sache nicht, sagte Eragon zu Saphira.
Ja, da hast du vollkommen recht, irgendetwas ist faul und wir werden herausfinden, was.
In diesem Moment landete auch Dorn. Murtagh sprang herab. Er sah etwas durcheinander aus, da der Wind seine Haare in alle Richtungen gestellt hatte. Eragon vermutete, dass er selbst nicht besser aussah. Ihr Aufbruch war wirklich hektisch gewesen. Er hatte keinerlei warme Klamotten oder gar eine Rüstung anziehen können.
„Ich glaube, wir haben ihn verloren", Murtagh sah etwas enttäuscht aus, obwohl er es zu verstecken suchte.
Eragon nickte. „Wie waren zu langsam. Hírador war schon immer ein schneller Flieger und dieses Mal war er vermutlich auch noch in Panik."
Sie schwiegen alle eine Zeit lang.
Dann stellte Dorn die entscheidende Frage: Sollen wir ihn trotzdem verfolgen, oder sollen wir zurückfliegen?
Ich halte es nicht für sinnvoll noch weiter nach ihm zu suchen, er ist vermutlich schon über alle Berge. Und da sie fliegen, hinterlassen sie auch so gut wie keine Spuren. Es ist also fast unmöglich ihn zu finden.
„Aber er könnte auch in einigen Dörfern gesehen worden sein. Er war in Panik und sie haben wohl beide eher weniger darauf geachtet, ob man sie gesehen hat oder nicht", warf Murtagh ein. Es hätte nicht deutlicher sein können, dass er seinen Freund finden wollte.
Eragon war unentschlossen. Er wusste, dass Saphira recht hatte, aber auch in Murtaghs Worten war Wahrheit. Außerdem war er sich nicht ganz sicher, ob er Ile wirklich finden wollte. Vermutlich würde es nur weitere Probleme geben. Ile würde auch wieder einen Keil zwischen ihn und Murtagh treiben, was er nicht wollte, wo er sich gerade so gut mit ihm verstand.
Dann fasste er einen Entschluss: „Wir können nicht in jedem Dorf fragen, ob man sie dort gesehen hat. Es würde einfach zu lange dauern. Wir fliegen zurück und fragen Oromis nach einer besseren Möglichkeit Ile zu folgen. Er wird etwas wissen, da bin ich mir sicher."
Murtagh schien damit nicht zufrieden zu sein. Er verzog das Gesicht. „Wir können ihn nicht einfach im Stich lassen. Vielleicht braucht er uns."
„Es hat nicht wirklich danach ausgesehen als bräuchte er unsere Hilfe, oder?", Eragon hatte so eine Andeutung eigentlich nicht machen wollen, doch seine Zunge war schneller als sein Verstand gewesen.
„Was willst du damit sagen?", sein Bruder klang jetzt fast wütend und er zog die Brauen zusammen, was den Eindruck der Wut noch verstärkte.
Jetzt wollte Eragon keinen Rückzieher mehr machen. „Na ja, die Wache hat er ja anscheinend auch ohne deine Hilfe erledigt, nicht wahr?"
„Der Wache ist doch überhaupt nichts geschehen! Und warum ist es auf einmal nur noch meine Hilfe? Willst du ihm etwa nicht helfen? Ile steckt in Schwierigkeiten und das, ohne dass er etwas dafür kann. Die Königin ist ausgerastet als sie erfahren hat, wer Iles Vater wirklich ist, das hast du doch selbst gesehen!"
Ja, er hatte es gesehen, doch im Moment war er nicht in der Stimmung es zuzugeben. „Du übertreibst maßlos, Murtagh. Woher willst du wissen, dass Ile die Wache nicht zuerst angegriffen hat? Vermutlich ist er auch deswegen so schnell geflohen!"
„Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, dass Ile nichts getan hat, Eragon! Die Wache ist auf ihn losgegangen! Was hättest du denn getan, wenn das passiert wäre? Wärst du ruhig geblieben und hättest darauf gewartet, dass alle anderen auch auf dich losgehen? Das bezweifle ich stark! Warum bist du eigentlich mitgekommen, wenn du Ile gar nicht wiederfinden willst?", Murtagh stand jetzt, den Rücken durchgestreckt, ungefähr einen Meter von Eragon weg, einen zornigen Ausdruck im Gesicht.
Eragon versuchte jetzt einzulenken: „Vielleicht hast du recht, aber ich wüsste trotzdem gerne etwas mehr. Die Königin ist sich ja ziemlich sicher, dass er aus einem bestimmten Grund geflohen ist. Wir sollten erst zu ihr gehen und uns danach erkundigen. Vielleicht hat sie einen Hinweis."
Murtagh schien sich ein wenig zu beruhigen. Er nickte knapp, stieg dann ohne ein Wort wieder auf Dorn, der bereitwillig in die Lüfte ging.
Eragon schüttelte den Kopf und stieg ebenfalls auf Saphira.
Eine reife Leistung, sagte sie.
Was meinst du damit?, sie redete in einem Ton mit ihm, den er nur zu gut kannte. Er verursachte bei ihm regelmäßig Schuldgefühle.
Du hast es gerade fast geschafft, eure zerbrechliche Freundschaft endgültig zu zerstören. Du solltest ein bisschen vorsichtiger sein, wenn du mit deinem Bruder sprichst, Kleiner. Ihr habt beide etwas zu verlieren.
Eragon hatte keine Lust, sich mit ihr zu streiten, vor allem, da sie vermutlich recht hatte. Aber er wusste auch, dass er seine Bedenken nicht einfach begraben konnte. Er hatte schon immer wenig Vertrauen in Ile gehabt und nach dem heutigen Abend war es, seiner Meinung nach, auch berechtigt.
Er hatte mit eigenen Augen gesehen, dass etwas schief gelaufen war, von welcher Seite aus, war im Prinzip egal. Ile war weg und sie konnten ihn nicht mehr einholen, so viel stand für ihn fest. Ob sie ihn jemals wiedersehen würde, wagte er nicht zu bezweifeln. Ile war kein Feigling, er würde am entscheidenden Kampf teilnehmen. Doch auf keinen Fall würde Ile wieder zu den Elfen gehen und genau dort war sein und auch Murtaghs Platz, auch wenn sein Bruder mit dieser Entscheidung haderte. Er hatte sich dazu verpflichtet, den Varden zu helfen und er hatte nicht vor, dieses Versprechen zu brechen. Und auch Murtagh würde nicht gehen, das wusste er einfach. Sein Bruder würde bei ihm bleiben, er hatte eigentlich keine andere Wahl.
Die Elfen beobachteten ihn noch immer. In diesem Moment war Eragon dankbar dafür. Er wusste, dass er es nicht sein sollte, doch das war schwer, denn er ahnte, dass Murtagh nur zu gerne seinem Freund folgen wollte. Murtagh hatte in Ile auch so etwas wie einen Bruder gefunden. Wie auch immer das passiert war. Eragon konnte sich damit nicht so recht abfinden, wie er sich eingestand. Er war es gewohnt, dass es nur sie beide gab. Seinen Bruder und ihn. Die beiden Drachenreiter. Niemand hatte wirklich damit gerechnet, dass der dritte Drachenreiter auftauchen würde.
Galbatorix hatte alles daran gesetzt, das letzte Ei zu beschützen. Es war immer noch nicht klar, wie die Einbrecher es hatten stehlen können. Selbst Ile hatte es nicht gewusst. Er hatte erzählt, dass diese Leute in seinem Dorf aufgetaucht wären und das Ei, aus unerfindlichen Gründen, dort gelassen hatten.
Eragon war klar, dass an dieser Geschichte etwas nicht richtig sein konnte, doch er musste es im Moment so hinnehmen, wie es kam. Er war sich absolut nicht klar, was er in diesem Moment empfand.
Fühlte er sich vielleicht schuldig, weil er seinen Bruder angefahren hatte? Oder weil er dachte, er hätte eine Teilschuld an Iles Verschwinden? Vermutlich war es von beidem etwas.
Er hatte Ile eindeutig nie mit offenen Armen empfangen. Er hatte ihn fast immer zurückgestoßen, wenn Ile einen Schritt auf ihm zumachen wollte. Er hätte eher wie Murtagh handeln sollen, dann wäre das heute Abend vermutlich nicht passiert.
Was ist das da unten?, Saphira riss Eragon aus seinen Gedanken.
Was?, fragte er verwirrt.
Da unten! Irgendetwas geht da nicht mit rechten Dingen zu, sie sandte ihm das Bild, welches sie sah. Auf einer Lichtung im Wald lungerten ein paar Figuren herum, die nicht dorthin zu gehören schienen.
Eragon wurde plötzlich sehr ernst. Sie müssen uns schon entdeckt haben, also bringt verstecken nicht viel. Du solltest so schnell wie möglich-
Doch weiter kam er nicht, denn ein magischer Blitz war von der Lichtung zu ihnen hoch geschossen und Saphira musste blitzschnell reagieren. Kurz darauf brannte die ganze Luft von Blitzen.
Festhalten!, rief Saphira und flog in eine scharfe Rechtskurve. Eragon klammerte sich an seinen Sattel. Sobald er freie Schussbahn hatte, sandte er einen Energiestrahl in Richtung der Lücke zwischen den Bäumen, wobei ihm Saphira beim Orientieren half. Doch es schien nicht viel Wirkung zu haben, denn es kamen nur noch mehr Blitze.
Wir müssen hier weg!, schrie Eragon und Saphira reagierte sofort. Sie flog mit hoher Geschwindigkeit in die Richtung, in der Ellesméra lag. Die Blitze schossen ihnen nicht mehr lange hinterher, denn Saphira konnte mit nur drei Flügelschlägen mehrer Meilen überbrücken.
Sobald sie weit genug entfernt waren, fragte Eragon: Wer zum Henker waren die?
Saphira wollte gerade Antwort geben, als Eragon spürte, dass Murtagh in seinen Geist eindringen wollte. Er ließ ihn natürlich gewähren und er konnte sofort Murtaghs dringliche Stimme hören: Eragon, ich brauche deine Hilfe! Ich werde angegriffen!
