„Warte!", keuchte jemand hinter ihm. „Remus, nun warte doch mal…" Dieser Jemand konnte ihm gestohlen bleiben. Er marschierte weiter ohne sich umzudrehen. „Moony!"

Er wirbelte herum. „Wag es nicht! Wag es ja nicht!"

Sirius hielt mitten in der Bewegung inne. Stille legte sich über sie.

„Moo… Remus.", keuchte Sirius und hob abwehrend die Hände. Es fehlte nur noch die weiße Flagge. Remus hatte sich immer für einen Pazifisten gehalten, aber in diesem Moment hätte er alles gegeben für eine große, schwere Keule beschlagen mit spitzen rostigen Nägeln.

„Es tut mir leid, okay?" Sirius hoppelte langsam heran. „Ich war… Ich war abgelenkt und…"

„Wir sind allein in einem großen dunklen Wald. Was kann dich da wohl ablenken?", zischte Remus.

„Du verstehst nicht... Nun bleib doch mal einen Augenblick stehen!" Er griff nach Remus Arm, doch Remus riss sich los.

„Was gibt es denn da zu verstehen? Du warst schon immer ein egoistischer, ungehobelter..."

„Remus," Sirius hatte ihn endgültig eingeholt, fasste ihn an beiden Schultern und wirbelte ihn zu sich herum. Sein Blick war so verschwommen wie der der geistig verwirrten Patienten im St. Mungos. „Ich... Ich..."

Sirius brach ab und drehte den Kopf. Er horchte in den Wald hinein. Remus verdrehte die Augen. Es war kein Laut zu hören.

„Was soll denn …?"

„Psst!", zischte Sirius, umklammerte dabei noch immer Remus' Schultern..

„Was…?"

„Hörst du das?", flüsterte er.

„Nein.", fauchte Remus ihn an. „Ich höre gar nichts."

„Genau." Sirius ließ ihn los und kramte mit einer Hand nach seinen Zauberstab. Mit der anderen griff er Remus' Arm und zog ihn zu Boden. „Das ist es ja."

„Es gibt in Wales schon seit Jahrhunderten keine Bären mehr."

„Es geht mir nicht um irgendwelche bescheuerten Bären. Hier stimmt etwas nicht.", murmelte Sirius. „Kein Vogel ist mehr zu hören."

„Es ist dunkel! Die Vögel schlafen."

„Auch im Dunkeln gibt es Geräusche. Tiere, die nur nachts herauskommen." Remus verdrehte entnervt die Augen. Hört, hört, es spricht Botanikexperte Black. Aber Sirius fuhr fort: „Aber jetzt ist es still. Viel zu still." Er kroch halb, robbte halb in einen Busch hinein. „Los, komm."

„Wie sind hier nicht im Aurorentraining!", zischte Remus.

„Und warum flüsterst du dann?"

„Ich flüstere überhaupt nicht.", flüsterte Remus und kroch neben Sirius. „Wenn gleich eine riesige Spinne mein T-Shirt hoch krabbelt, und ich dich in einem Anflug von Panik niederwalze, bist du selber schuld, kapiert?"

Es war so dunkel, dass er Sirius nur noch in verschwommenen Grautönen ausmachen konnte. Er hockte stocksteif da, den Zauberstab in der Hand, als würde er Witterung aufnehmen.

Da! Jetzt hörte er es auch. Undeutliche Stimme trieben durch den Wald. Er konnte nicht ausmachen, was sie sagten.

Er begann wieder aus dem Gebüsch hervorzukommen. „Das sind bestimmt James und Peter, die uns suchen. James denkt zweifellos ein Bär hatte uns gefre…"

Plötzlich packte Sirius ihn und drückte ihn zu Boden. Eine raue salzige Hand presste sich fest auf Remus' Mund und Nase. Wie aus Reflex versuchte er sich zu befreien. Doch Sirius drehte sich bis sein Arm und Oberkörper schwer auf ihm lagen. Es gab kein Entkommen. Genau über sich konnte er das Glitzern in Sirius' Augen ausmachen. Seine Pupillen blitzten hin und her. Langsam bekam er keine Luft mehr und versuchte verzweifelt Sirius zu zeigen, dass er gleich ersticken würde. Er wälzte sich von links nach rechts, doch ohne Ergebnis. Sirius bewegte sich keinen Millimeter. Wie in Trance starrte er in die Dunkelheit. Endlich, nach einer Ewigkeit, schob Sirius seine Hand ein Stück nach unten. Luft strömte durch Remus Nase in seine Lungen, so dass sein Hals brannte.

Die Stimmen, die durchs Unterholz zu ihnen drangen waren weder James' noch Peters. Remus blieb still liegen und befahl seinem Körper, sich zu entspannen. Sirius Hand verströmte den Geschmack von Salz und Erde in seinem Mund. Er blickte zu ihm auf. Sirius hatte die Augen geschlossen und den Kopf in Richtung der Stimmen gedreht. Wie ein wildes Tier, dachte Remus und schloss ebenfalls die Augen, um sich besser auf die Geräusche um ihn herum konzentrieren zu können.

Ein Ast knackte, nur ein paar Meter entfernt. Laub raschelte und er bildete sich ein, das Knirschen von schweren Stiefeln auf dem Boden zu hören.

Als endlich jemand sprach, war es so nah, dass sich Remus vor Schreck auf die Zunge biss.

„Es kann nicht mehr weit sein.", knurrte eine tiefe, dunkle Stimme.

„Dann solltest du lieber die Klappe halten." Die zweite Stimme hatten einen eisigen Unterton.

Der Geschmack von Eisen breitete sich in seinem Mund aus. Die beiden Männer mussten sich genau neben ihnen befinden. Warum gingen sie nicht weiter?

„Du hast mir nicht zu befehlen!"

„Sei still.", zischelte die zweite Stimme. Eine Robe raschelte. „Wir müssen erfolgreich sein. Noch einen Misserfolg wird uns der Dunkle Lord nicht vergeben."

Eisige Kälte breitete sich in Remus aus. Todesser! Er spürte wie Sirius die Luft anhielt. Was wollten sie hier? Wen suchten sie? James und Peter, sie mussten sie warnen!

„Wieso uns?", bellte der andere. „Es war nicht mein Fehler, dass sie entkommen sind. Du solltest dich um sie kümmern."

„Das hätte ich auch, wenn nicht Moody und der halbe verfluchte Orden aufgekreuzt wären." Etwas flackerte kurz auf und Remus kauerte sich automatisch noch kleiner zusammen.

„Kritisiere mich nie wieder, oder es wird das letzte sein, dass du tust." Das rot-glühende Ende einer Zigarette beleuchtete kurz das fahle, harsche Gesicht eines Mannes, in dem gelbe Zähne glänzten.

„Ho, ho, nun hör sich das einer an.", feixte der im Dunklen verborgene Mann. „Was spuckst du doch für große Töne, wenn der Dunkle Lord nicht in der Nähe ist." Er gluckste düster. „Ich habe dich winseln hören, als Er dich befragt hat. Da warst du nicht so mutig. Gejammert wie ein Baby hast du."

„Kein Wort mehr!"

„Oder was?", spottete der Mann im Dunkeln. „Willst du mich verpetzen? Das glaube ich kaum!"

„Kein Wort mehr…", betont ruhig stieß der rauchende Mann einen Schwall Luft aus. „…oder ich muss den Dunklen Lord wohl davon in Kenntnis setzten, wie es um den wahren Verwandtschaftsgrad deiner Frau zu gewissen Halbblütern steht…"

„Das wagst du nicht!", keuchte der Mann im Dunkeln. Remus konnte förmlich spüren, wie der Mann erbleichte.

„Willst du es darauf ankommen lassen?"

Der große Mann machte einen Schritt auf den rauchenden Todesser zu, die Hände zu Fäusten geballt und das Gesicht verzehrt. „Wenn du auch nur daran denkst…"

„Reg dich ab." Der Todesser nahm einen letzten Zug und warf den Rest der Zigarette auf den Boden, wo er ihn austrat. „Stell mich nie wieder in Frage und niemand wird jemals etwas davon erfahren." Sein gehässiges Grinsen war ihm förmlich anzuhören. „Solange du tust, was ich dir sage."

Remus vernahm das Knirschen des Laubs auf dem Boden, als er sich umdrehte und davon marschierte. Seine Stimme entfernte sich langsam. „Komm jetzt, bringen wir es zu Ende."

Das zweite Paar Stiefel entfernte sich ebenfalls.

* * *

Sie lagen da wie versteinert, Sirius presste ihn immer noch auf den Boden. Remus' Brust schmerzte unter Sirius Gewicht und ein Stein stach ihn in seine rechte Schulter. Endlich lockerte Sirius vorsichtig den Griff um seinen Mund. Remus nickte zaghaft. Die Hand verschwand und Remus schnappte nach Luft.

Ein oder zwei Sekunden starrten sie sich einfach nur an, dann sprang Sirius auf. „Wir müssen die anderen warnen!", hustete Remus und wollte gerade los stürmen, als Sirius ihn erneut am Arm packte und ihn hinter sich her zerrte. Äste schlugen ihm ins Gesicht. Er stolperte über eine Wurzel und fiel hin. Er spürte, wie er sich die Knie und Handflächen aufschürfte. Dennoch hastete Sirius weiter ohne Pause durch die Dunkelheit.

Remus hatte keinen besonders ausgeprägten Orientierungssinn, aber war er sich sicher, dass sie in die falsche Richtung liefen.

„Wir sind hier falsch.", keuchte er. „Sie sind in die andere Richtung gelaufen. Wir müssen umdrehen."

„Nein." Sirius hetzte weiter durch das Unterholz.

Remus versuchte sich loszureißen. Er zog und zerrte, aber Sirius ließ ihn nicht los, sondern zog ihn erbarmungslos weiter.

„Bleib sofort stehen. Wir können sie doch nicht einfach so im Stich lassen."

Sirius blieb so abrupt stehen, dass Remus frontal gegen ihn prallte. Er packte seine Schultern, nein, er krallte sich in seine Schultern bis Remus das Gefühl hatte, er würde ihm das Fleisch von den Knochen kratzen. „Ich würde euch niemals im Stich lassen.", knurrte er. „Wir müssen einen Bogen schlagen, sonst laufen wir direkt in die Todesser hinein. War das jetzt klar und deutlich genug für dich?"

Remus schluckte. Er wusste nicht, was er sagen sollte.

Sirius zog ihn weiter durch den stillen Wald. Die einzigen Geräusche waren das Rascheln des Laubes und das Knacken der Äste unter ihren Füßen und ihr Atem, der ihm in seinem Kopf wie ein Trommelfeuer vorkam.

Er konnte das eisige Schweigen, dass von Sirius ausging wie eine wabernde Wolke, nicht länger ertragen. „Sie müssen Peters Signal gesehen haben.", japste er.

Sirius drehte sich nicht einmal um. „Nein, das glaube ich nicht. Warum sollten sie ausgerechnet hier nach einem Signalfeuer Ausschau halten?"

„Aber wie konnten sie sonst wissen, dass wir hier sind?" Er hatte Schwierigkeiten Luft zu holen und das Gefühl von flüssigem Eisen, das seinen Rachen hinunterlief, verstärkte sich mit jedem Schritt.

„Ich weiß es nicht."

Gerade als er dachte, dass er keinen weiteren Schritt tun könnte, durchbrachen sie das Dickicht und erreichten das Ufer des Sees. Der Mond erhellte den bisher von den Baumkronen verdeckten Himmel und spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Remus kniff die Augen zusammen, denn die plötzliche Helligkeit blendete ihn. Gleichzeitig überlief ihn ein Schauer, als er daran dachte, dass der letzte Vollmond knapp zwei Wochen her war. Genauso lange, wie es bis zum nächsten mal dauern würde. Er stützte die Arme auf die Knie und schnappte nach Luft. Neben ihm stand Sirius, den Kopf hoch erhoben und in die Nacht hinein lauschend. Remus staunte, denn Sirius war nicht einmal besonders außer Atem. Das Training hatte anscheinend ganze Dienste geleistet.

„Wie weit ist es noch?", fragte er, sobald er wieder einigermaßen Luft bekam.

„Es kann nicht mehr weit sein. Wir sind einen großen Halbkreis gelaufen. Jetzt befinden wir uns hinter den Zelten. Komm."

Mit erhobenen Zauberstäbe pirschten sie sich vorsichtig am Ufer entlang. Schwärme von Mücken umkreisten sie und Remus musste sich mit aller Willenskraft davon abhalten, sie nicht mit hektischen Bewegungen zu vertreiben.

Der Platz vor den Zelten schien vollkommen leblos. Weder Peters Schnarcher noch James' Gemurmel durchbrach die Stille. In diesem Moment wurde Remus klar, dass etwas absolut nicht stimmte.

„Sirius", zischte er.

Zu spät, Sirius hatte sich inzwischen geduckt und schlich lautlos auf die Zelte zu.

„Sirius!", keuchte er mit letztem Atem. Er stürzte vorwärts und schlang seine Arme um Sirius Beine. Sirius schlug dumpf auf dem Boden auf. „Was...??" Im gleichen Moment flogen zwei grüne Strahlen über ihre Köpfe. Sirius stieß Remus zurück ins Gebüsch und hechtete hinter einen halbvermoderten Baumstamm. Wieder schlug ein Blitz knapp neben seinem Kopf ein. Brocken brüchiger Rinde flogen bis zu Remus hinüber.

Bisher hatte er Sirius noch nie in einem wirklichen Kampf gesehen. Auf einmal war er auf seltsame Art und Weise froh, nicht auf der anderen Seite zu stehen. Sirius feuerte ununterbrochen einen Spruch nach dem nächsten ab, rollte zu einem umgestürzten Baum und zurück, suchte wieder Deckung und feuerte erneut. Remus fühlte sich auf seltsame Weise an die alten Cowboy-Filme der Muggel erinnert, die seine Mutter und er spät nachts im Fernsehen geschaut hatten.

Als wäre dies die Erinnerung gewesen, die er gebraucht hätte, rückte plötzlich alles in eine andere Ebene. Hatte er soeben noch die Rolle eines distanzierten Beobachters innegehabt, nahm er die Geschehnisse auf einmal unmittelbar und deutlich war. Den Geruch verbrannter Erde, den festumklammerten Zauberstab in seiner Hand und Sirius Keuchen, das nur von seinen staccato-artigen Flüche unterbrochen wurde. Remus robbte auf Sirius zu.

„Nicht zu mir!", schnappte Sirius zwischen zwei Flüchen. „Wir müssen uns... Protego! Wir müssen und aufteilen!"

Remus schickte einen Fluch in die vage Richtung der Zelte und hastete dann, so schnell er konnte, in Richtung des Wassers. Zwischen den Zelten bewegte sich etwas. Nun, wo er sich nicht mehr in Sirius unmittelbarer Nähe befand, sah er die dunklen Schemen, von denen die Flüche ausgingen, die für Sekunden das Gesicht eines grobschlächtigen Mannes erhellten und die Umrisse eines zweiten erahnen ließen. „Avada Kedavra!", schrie einer von ihnen, als Sirius eine seiner ungezählten Salven abfeuerte.

„Stupor!", rief nun auch Remus und zielte dorthin, wo eben noch das Gesicht zu sehen war. Er traf ins Leere. Plötzlich zischte etwas heißes an seinem Gesicht vorbei. Er warf sich zu Boden. Etwas hartes schlug an seinen Kopf. Lichter tanzten vor seinen Augen.

„Remus!" Eine Stimme brüllte seinen Namen. „Remus? Stupor! Stupor! Remus!"

Ein Schrei ertönte. Er wehte von den Zelten hinüber.

Remus versuchte sich mühsam hochzurappeln. Sein Kopf dröhnte. „REMUS!"

„Es geht mir gut.", wollte er sagen, doch nur ein unverständliches Gemurmel kam ihm über die Lippen.

„MOONY!" Sirius' Stimme überschlug sich. Sie hallte in Remus' Ohren.

Ein brüllender schwarzer Schatten flog auf ihn zu. „Crucio! Crucio!" Remus erwartete den alles einhüllenden Schmerz, er musste stark bleiben, er musste kämpfen, er musste... Doch nichts geschah. Der Schmerz blieb aus, stattdessen ertönte ein lang gestreckter Schrei von den Zelten herüber. Jemand sank neben ihm auf die Knie. Sirius.

„Moony! Moony!" Sirius griff nach ihm. Was? Aber wenn Sirius hier neben ihm war, wer hatte dann den Cruciatus...? Remus registrierte den exakten Moment, in dem Sirius begriff, das er nicht neben einer Leiche kniete, da ein Strahl des schmalen Mondes durch die in der Abenddämmerung heraufgezogenen Wolken brach und Sirius' Gesicht erhellte. Seine Mundwinkel waren gerade dabei sich nach oben zu ziehen, als ihn ein leuchtender Strahl in den Rücken traf. Sirius' Gesicht fiel ausdruckslos in sich zusammen und er sackte stumm auf den taufeuchten Boden, wo er bewegungslos liegen blieb.

Remus erstarrte. Für eine Ewigkeit schien er auf Sirius' gekrümmten Körper zu blicken. Seine Gedanken rasten ins Nichts. Er streckte eine Hand nach Sirius aus und zog sie feuchtwarm zurück. Er starrte auf die dunkle Nässe an seiner Hand. Ein grüner Strahl traf den Baumstamm neben ihm. Eine massive Gestalt kam auf ihn zu getaumelt und murmelte einen weiteren Fluch, der nur Zentimeter neben Sirius' Körper aufprallte. Die Luft summte vor Ozon.

Endlich schien Remus' Geist und sein Körper wieder eins zu werden. Er schnellte er in die Höhe und preschte auf den Mann zu. "Stupor!", brüllte er. "Stupor! Stupor!" Der Mann war längst zusammengebrochen. Wild blickte er sich nach dem zweiten Todesser um und nahm aus den Augenwinkeln eine Bewegung hinter sich am Rande seines Sichtfeldes war. "CRUCIO!", schrie er und wirbelte mit seinem Zauberstab herum, ein einziger Gedanke in seinem Kopf. Er musste ihn aufhalten, er würde ihn aufhalten, egal um welchen Preis. Eine Gestalt fiel stöhnend zu Boden. Ohne jedes Gefühl zu verspüren, ging Remus auf den sich noch am Boden windenden Mann zu. "Cru..." Er stolperte über einen dicken Ast. Wie in Trance hob er ihn auf und betrachtete ihn. Dann schlug er damit auf den Todesser ein. Einmal, zweimal, dreimal, ... Erst ein Geräusch ließ ihn erstarren. Was...? Er starrte auf den Knüppel in seinen Händen und dann auf dem am Boden liegenden Mann. Angewidert schleuderte er den Ast aus seiner Hand und fesselte den Todesser mit einem Wink seines Zauberstabes, den er neben sich auf dem Boden fand und kaum aufheben konnte, da er noch immer zu vibrieren schien, an den nächsten Baum. Mit zitternden Händen wiederholte er die Prozedur bei dem zweiten Todesser. Er drehte sich um. Jeder Schritt fühlte sich an wie der letzte beim Erklimmen eines Berges, doch schließlich erreichte er Sirius.

Blut. Alles war voller Blut. Remus warf sich neben ihm auf die Knie. Erst jetzt gestattete er sich zu denken. Nein, nein, nein, bitte nicht, war das einzige, das seinen Kopf füllte. Seine Hände flatterten über Sirius Oberkörper. Überall war Blut. Auf seinem Gesicht, seinem Hals, seiner Brust. Wo? Wo war die Wunde, wo kam all das Blut her? Seine Hände klebten von der heißen glitschigen Feuchtigkeit.

Sirius Augen waren weit aufgerissen. Remus umfasste sein Gesicht. Seine Hände hinterließen verschmierte Abdrücke auf Sirius Haut. „Sirius! Sirius, ...", er versuchte sich durch Sirius Kleidung zu wühlen. Sirius schien ihn nicht wahrzunehmen. Seine Augen blieben unfokussiert. Remus schüttelte ihn. „Sirius! Verdammte Scheiße!" Doch Sirius antwortete nicht.

Remus kämpfte sich hoch. Schwankend stierte er auf Sirius hinunter. Ziellos drehte er sich um. Er war allein. Warum war er allein? Sirius starb. Wo waren die andern? Warum waren sie nicht hier? Warum hatten sie nicht gekämpft? Sirius öffnete den Mund, Remus ließ sich erneut fallen und strich das klebrige Haar aus Sirius' Stirn. Was sollte er bloß tun? Er musste etwas tun. Ihm fiel nichts ein. Er war Vertrauensschüler gewesen. Er musste etwas tun. Sein Abzeichen hatte geglänzt, genau so wie die Flüssigkeit, die sich über Sirius Körper ausbreitete. Sie schimmerte matt im Mondlicht. Er musste Dumbledore Bescheid sagen. Er wollte sich aufrappeln, als ihm einfiel, dass es hier keinen Dumbledore gab. Nur ihn und Sirius, der den Mund auf und zu klappte, ohne dass ein Ton seine Lippen verließ. Seine Augen hatten sich an Remus' geheftet und verfolgten jede seiner Bewegungen wie ein Ertrinkender den Wurf eines Rettungsrings. Remus beugte sich über ihn, streichelte seine Wange und legte seinen Daumen auf Sirius' stammelnden Mund.

Sirius Augen schienen sich in die seinen zu brennen. Er konnte noch immer nicht verstehen, was er sagen wollte, doch auf einmal schien das gleichgültig zu sein. Alles was zählte war seine Hand an Sirius' Gesicht, seine Hand auf Sirius' Brust, sein Blick in Sirius' Augen.

Er spürte einen Lufthauch hinter sich, dann ging sein Kopf in Flammen auf.

* * *

Tbc...

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