Hallo an alle! Hier ist meine Übersetzung der französischen FF von Alixe: L'Autre. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir. Und wie immer, herzlichen Dank an YamiTai und an euch Leser!

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich gewinnen Alix und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten fünf Bände von Harry Potter.

Anmerkung des Übersetzers: Wegen des Verbots werde ich auf dieser Seite nicht auf die Reviews antworten. Wenn ihr eine Antwort kriegen möchtet, sollt ihr euch einloggen beziehungsweise auf meinem Profil unter 'My Forums' schauen.

So, das war's. Viel Spaß beim Lesen und wir sehen uns in 2 Wochen wieder.

Der Andere:

Kapitel 3: Weihnachtsmorgen

Als ich mich nach meinem Gespräch mit Hermine im Quidditch-Stadion zum ersten Mal an den gleichen Tisch im Gemeinschaftsraum setzte wie der Andere, warf mir mein Doppelgänger vernichtende Blicke zu. Doch muss er mit seiner Freundin einen stillen Wortwechsel gehabt haben, denn er vertiefte sich wieder in sein Pergament und schenkte mir keine Aufmerksamkeit mehr, nachdem er sie einen Moment lang angestarrt hatte.

Ron war dagegen weniger versöhnlich.

„Was machst du hier?", ließ er los, als er sah, dass der Andere aufgegeben hatte.

„Er arbeitet mit uns", antwortete Hermine.

„Und seit wann?"

„Seit heute", antwortete sie mit einer erstaunlichen Geduld. „Simon, hast du deine Verwandlungsaufgabe zumindest angefangen?", fragte sie mich.

„Ich habe den Essay geschrieben", antwortete ich und zog ihn aus meinem Rucksack.

Sie nahm ihn, schaute, was ich geschrieben hatte, und fing an, Notizen darauf zu schreiben.

„Und du hilfst ihm auch noch!", rief er erzürnt aus. „Siehst du nicht, dass er sich nur für dich interessiert, um abschreiben zu können?"

„Wie andere auch", erwiderte Hermine und blickte scharf zu ihm.

Ron errötete und vertiefte sich wieder in sein Buch. Aber er hob regelmäßig die Augen und warf mir mal wütende Blicke zu, mal bestürzte Blicke zu seiner Kommilitonin. Ich fing an zu verstehen, was er mir tatsächlich vorwarf. Zwei Stunden früher hätte es mich viel mehr erstaunt, aber mein Gespräch mit Hermine kurz zuvor hatte mich bei ihr eine bestimmte Empfindlichkeit entdecken lassen, die ich bei der Meinigen nie gespürt hatte und die die Anziehung erklärte, die sie bei ihren männlichen Kommilitonen erwecken konnte.

*~*~*

Während der darauf folgenden Wochen bemühte ich mich darum, mich meiner neuen Umgebung anzupassen. Um die Welt, in der ich nun lebte, besser zu verstehen, fing ich an, Hermines Tagespropheten zu lesen. Es gab andere schlechte Nachrichten, die glücklicherweise keinen Einwohner von Hogwarts betrafen. Und wie die anderen lernte ich, weiter zu leben, als würde nichts passieren.

Wenn wir Praxisübungen hatten, tat ich mich mit Neville zusammen. Meine Anwesenheit schien sein Selbstvertrauen zu steigern – und er war nicht schlecht. Manchmal hatte ich den Eindruck, meinen alten Kumpel wieder zu finden. Ich arbeitete auch gerne mit Hermine, weil es mir erlaubte, viel Zeit zu gewinnen. Dennoch waren ihre ständigen Streitereien mit Ron lästig. Der Andere schien darauf gefasst.

Ich brauchte nicht lange um zu verstehen, dass die eifersüchtigen Gefühle von Ron Hermine gegenüber gegenseitig waren. Etwa zehn Tage nach meinem ersten Gespräch mit ihr erblickte ich den betrübten Blick meiner neuen Freundin, nachdem Ron ihr eine Gemeinheit an den Kopf geworfen hatte.

Es erstaunte mich nicht besonders, dass sie verliebt war. Ich hatte aber Schwierigkeiten zu verstehen, was sie beim jähzornigen Rothaarigen anlocken konnte, während sie unter Hand einen Harry Potter hatte. Vielleicht fehlte mir ein Troll, um zu sehen, was diese großherzige Intellektuelle an diesem großen Tölpel so anziehend fand.

Noch einmal fragte ich mich, ob die Leute von dieser Welt wirklich die gleichen waren wie die aus der Meinigen. Waren es nur die Umstände, die einen versteckten Charakterzug enthüllten, oder waren sie grundlegend verschieden? War dieser Andere wirklich ein anderes Ich, das von meinem Onkel und meiner Tante erzogen worden war, oder hätte ich unter den gleichen Umständen anders reagiert?

Meine Beziehung zum Anderen hatte sich nicht wirklich entwickelt, seitdem ich in diese Welt angekommen war. Auch wenn wir am selben Tisch saßen, um mit Hermine zu arbeiten, redeten wir nicht miteinander. Zum Glück versuchte unsere gemeinsame Freundin nicht, uns zu zwingen, und trotz Rons bissiger Bemerkungen hielt sie freundlich zwei Gespräche parallel.

Snape, der Lehrer für Zaubertränke, griff ebenfalls in unsere Beziehung ein, aber auf eine viel weniger diskrete und absichtlich hasserfüllte Weise. Nachdem er bemerkt hatte, dass es ihm schwer fiel, bei mir einen Mangel zum Verspotten zu finden, weil ich in seinem Fach ziemlich begabt war, verfolgte er den Anderen während des ganzen Unterrichts, indem er mich als Zeugen der Ignoranz meines 'Cousins' anrief, wenn Letzterer seine fiesen Fragen nicht beantworten konnte, und indem er während der Praxis seine Ungeschicklichkeit stets betonte.

Wenn wir aus den Kerkern kamen, floh der Andere, der tief beschämt worden war, noch mehr vor mir als gewöhnlich und ich lief ihm nicht nach- denn ich war bestürzt, die erbärmliche Pleite von jemandem bezeugt zu haben, der meinen Namen trug und mein Gesicht hatte.

*~*~*

Ununterbrochen untergruben diese Unterrichtsstunden und die trübe Atmosphäre meine Moral. Eines Abends konnte ich es nicht mehr aushalten, und ich ging in den magischen Raum zurück, der mich hier geschickt hatte. Ich blieb die ganze Nacht dort, aber nichts geschah. Am frühen Morgen kehrte ich erschöpft und zitternd – denn an diesem Ort war es eiskalt – zurück in meinen Gemeinschaftsraum und war entmutigt. Drei Nächte nacheinander versuchte ich es, bevor ich mir eingestehen musste, dass ich nicht auf diese Weise nach Hause zurückkehren würde.

Hermine bemerkte, dass etwas nicht stimmte, und ich musste mich einer ihrer förmlichen Befragungen unterziehen. Ich hatte große Schwierigkeiten, sie davon zu überzeugen, dass alles gut war und dass ich keine Dummheit begehen würde. Sie behauptete, dass sie verstand, was ich empfand, was zweifellos richtig war, denn ihre Fragen zeigten, dass sie mich verwirrend gut kannte.

Ihr Mitleid rührte und kränkte mich gleichzeitig. Ich hatte den Eindruck, dass ich genauso erbärmlich war wie der Andere, mit seinen Augen, die jenen eines traurigen Hundes ähnelten. Es entfachte meinen Stolz, und ich betrachtete es als eine Frage der Ehre, ich selbst zu bleiben, ohne in die gleiche Trübsinnigkeit zu fallen wie mein Doppelgänger.

Ich benutzte also den Eistrank, den ich bei Zonko gekauft hatte, und gab ihn auf die Bänke der Slytherins und der Ravenclaws in der Großen Halle. Es erregte ein wenig Aufregung während des Essens. Zwei Tage später warf ich diskret zwei Schlammbomben vor Snapes Klassenzimmer. Ich sah zu, dass ich das an einem Tag, an dem ich keinen Zaubertränkenunterricht hatte, unter dem Tarnumhang tat, den ich im Koffer des Anderen gestohlen hatte.

Ich beobachtete Ginnys Reaktion bei diesen zwei Scherzen. Es schien ihr zu gefallen. Als der ganze Hufflepuff-Tisch eine Woche später fünf Minuten lang mit einer schrillen Stimme sprach, erinnerte ich mich, dass ich die Beschreibung eines Produkts, das so wirkte, auf einem Prospekt mit der Überschrift von Weasleys Zauberhaften Zauberscherzen gelesen hatte. Ich war überrascht und glücklich zu erfahren, dass es Fred und Georges Laden war. Offenbar hatten sie in dieser Welt Geld gefunden, um ihr eigenes Geschäft zu eröffnen.

Ich fand, dass Ginny bei der Stimmepisode der Hufflepuffs besonders zufrieden aussah. Ich wettete also darauf, dass sie es verursacht hatte. Es erschien mir als ein gutes Eingangsthema, um mit ihr zu reden.

*~*~*

Ich sprach sie eines Tages in der Bibliothek an:

„Hallo Ginny."

„Kennen wir uns?", antwortete sie und schien nicht sehr einladend.

„Aber ja, ich bin der Typ, den dein Bruder verabscheut."

„Zum einen Mal hat Ron vielleicht Recht", ließ sie los.

Ich fragte mich, warum sie mir gegenüber so viel Groll zeigte. Weil ich das Abbild des Mannes war, in den sie hoffnungslos verknallt war? Ich setzte mich neben sie.

„Der Platz ist besetzt", murrte sie.

„Ich weiß", erwiderte ich. „Ich habe ihn gerade besetzt. Warst du es mit dem Sopranpulver?"

„Dem Was-Pulver?"

„Sag mir nicht, dass du den Katalog deiner Brüder nicht auswendig kennst. Wie kann man eigentlich bei ihnen bestellen? Ich habe ihre Produkte in Hogsmeade nicht gesehen."

Sie zögerte, mir zu antworten, aber ihr Familiensinn gewann:

„Ich werde dir Bestellbons geben", antwortete sie. „Warst du es mit den Schlammbomben und dem Eistrank?"

„Hast du das lustig gefunden?"

„Was die Schlammbomben betrifft, musstest du sie nicht am Tag werfen, an dem ich in den Kerkern Unterricht hatte. Wir haben zwei Stunden lang vom Geruch „profitiert"! Außerdem war es Luna, die alles wischen musste, da sie das Unglück hatte, an jenem Tag mit Snape Nachsitzen zu haben."

„Ich werde fürs nächste Mal versuchen, mich zu bessern", antwortete ich versöhnlich. „Hier bin ich ein Anfänger. Wenn du Ratschläge hast, nehme ich sie gerne an."

„Warum sollte ich dir helfen?"

„Ich bin sicher, dass auf die Frage spezialisiert bist."

Sie sah mich an, als wollte sie sagen „glaubst du, dass ich nicht sehe, wo du mit deinen Schmeicheleien hinwillst?", und vertiefte sich wieder in ihr Buch. Ich schlug meins auf und schrieb meine Hausaufgaben neben ihr.

Sie wehrte sich nicht, als ich sie zum Gryffindor-Turm begleitete. Sie nutzte dies sogar, um mir eine Frage zu stellen, die sie offenbar bekümmerte:

„Stammst du wirklich aus Harrys Familie?", fragte sie mich.

Ich überlegte in meinem Kopf, welches Detail sie zweifeln ließ.

„Wir sind ziemlich entfernte Vetter", antwortete ich vorsichtig. „Aber unsere Familiengeschichten interessieren wahrscheinlich niemanden."

„Ich wusste nicht, dass es noch Potters gibt", drängte sie.

Sollte ich sofort eine Geschichte über Erbschaft und Blutrache erfinden? Aber ich ging das Risiko ein, eine Dummheit zu begehen, und Ginny war an die Phantasie ihrer Brüder gewöhnt, so dass sie mir nicht glauben würde. Ich blieb also bei meiner Geschichte des ersten Tages.

„Seit zwei Generationen wohnen wir in Australien", erklärte ich. „Sehr wenige Leute in England erinnern sich an uns."

„Ach, ja, das stimmt, das hattest du gesagt, als du angekommen bist, aber ich hatte es vergessen", gestand sie. „Es erklärt, warum Dumbledore Harry nicht euch anvertraut hat, als seine Eltern gestorben sind. Es ging mir nicht aus dem Kopf."

„Oh... Tja, ja, ich vermute, dass er ihn nicht ins Ausland schicken wollte."

„Das wäre besser gewesen!", sagte Ginny mit einer wilden Stimme. „Es ist eine Schande, dass er ihn dort gelassen hat und ihn jeden Sommer dahin zurückschickt."

„Ist es so schrecklich?", fragte ich erstaunt.

„Ja, sie sind dumm und böse", eiferte sie. „Und sie ernähren ihn nicht einmal richtig. Du müsstest sehen, wie er ist, wenn er von ihrem Haus kommt. Mager wie ein Streichholz und mit einem schreckenerregenden Kopf! Wenn man sie zumindest ein bisschen verhexen dürfte, wäre es nicht schlecht!"

Ich sah sie erstaunt an. Ich hatte sie nie so ereifert gesehen. Sie musste sehr in den Anderen verknallt sein, um so aufgeregt zu sein, wenn sie seine Probleme einfach nur erwähnte. Ich war von der Intensität der Gefühle, die sie für ihn hegte, fast neidisch. Und vor allem verdutzt.

Was erregte so ihre Leidenschaft bei meinem Doppelgänger, verdammt? Seine Unglücke? Ich beneidete den Anderen nicht besonders, wenn er nur aus Mitleid geliebt wurde. Ich glaube, dass ich lieber bei den Mädchen erfolglos wäre als aus einem so schlechten Grund gemocht zu werden.

Aber immerhin, vielleicht interessierte ihn Ginny darum nicht.

*~*~*

In den nächsten Wochen wurde ich vertrauter mit Ginny. Sie blieb vorsichtig, aber ich ließ sie gegen ihren Willen lachen. Ich schlug ihr mehrere Scherzpläne vor, die sie verbesserte, und sie nahm es schließlich an, sie mit mir zu verwirklichen. So pfiff Binns Arbeitstisch einen ganzen Tag lang, so zeigten alle Teleskope humoristische Bilder, bis Sinistra sie entzaubern konnte, und so – das Beste – ließ uns Mrs Norris drei Tage lang ihr bonbonrosa Fell bewundern.

All das beschäftigte mich genug, damit ich über längere Zeit vergessen konnte, dass ich weit von meinem Zuhause war. Eines Samstags aber hatte ich den Eindruck, in diesem Schloss zu ersticken und ich verspürte Lust, mich ein bisschen zu bewegen. Ich zog Ginny beiseite:

„Was würdest du von einem Spaziergang im Verbotenen Wald halten?"

„Wie romantisch!", antwortete sie knirschend.

Sie hatte einige Tage vorher mit Dean Schluss gemacht und darum war sie fürchterlich übel gelaunt.

„Ich mache dich nicht an", erwiderte ich ehrlich. „Ich suche nur eine Person, mit der ich schöne Momente verbringen könnte."

„In den Verbotenen Wald zu gehen scheint mir eher ein Synonym von 'schlimmen Problemen' als von 'schönen Momenten' zu sein", erwiderte sie.

„Hast du Angst?"

„Ich bin einfach nicht dumm. Im Wald gibt es aggressive Zentauren und fleischfressende Akromentulas... Ich begreife nicht, inwiefern es interessant wäre, sie zu stören!"

„Ich wette, dass du nie dort gewesen bist", sagte ich herausfordernd.

„Du hast deine Wette verloren", erwiderte sie. „Umso besser, ich suchte nach jemandem, der meine Zaubertränkeaufgabe an meiner Stelle schreiben würde."

„Bist du wirklich in den Wald gegangen?", fragte ich und tat, als würde ich daran zweifeln, um sie ärgern.

„Genau, und ich bin sogar auf einem Thestral geritten, wenn du es wissen möchtest!"

„Kannst du sie sehen?", fragte ich, ohne zu überlegen.

„Zu jener Zeit nicht, aber jetzt, ja", seufzte sie.

Scheiße! Ich wollte lieber nicht wissen, wen sie hatte sterben sehen. Ich hörte sofort damit auf, sie zu sticheln.

„Ich helfe dir bei deiner Zaubertränkenaufgabe und wir gehen dann um den See spazieren", schlug ich ihr vor.

„Einverstanden", nahm sie an. „Was sind die Eigenschaften des Mondsteins?"

Nachdem ich ihr das Nötige gesagt hatte, zogen wir unsere wärmsten Umhänge und unsere Halstücher an und gingen um den See spazieren. Es war weder ein romantischer Spaziergang noch ein heroisches Epos, aber es war sehr angenehm und ich freute mich darüber, eine Freundin zu haben, selbst wenn ich ihr die Wahrheit nicht anvertrauen konnte. Sie ähnelte genug meiner Ginny, damit ich mich mit ihr wohl fühlte.

Als wir mit roten Wangen und zerzausten Haaren in den Gemeinschaftsraum zurückkehrten, hatte ich den Eindruck, dass mir der Andere einen wütenden Blick zuwarf. Ich fragte mich, wie ich mir diese Gunst verdient hatte.

*~*~*

Ich verstand zwei Wochen später, was los war. An jenem Tag war ich mit Ginny, die ziemlich viel freie Zeit hatte, seitdem sie ledig war, noch einmal spazieren gegangen. Ich war begeistert, dass sie mir diese Zeit schenkte, aber gleichzeitig war ich etwas besorgt. Ich fürchtete, dass sie wegen unserer physischen Ähnlichkeit ihre Zuneigung zum Anderen auf mich übertragen würde, selbst wenn ich mich darum bemühte, nicht ihr Mitleid zu erregen.

Ich hatte daran gedacht, mit ihr mit offenem Herzen zu reden und dann hatte ich eine subtilere Strategie gewählt. Ich hatte angefangen, Lavender offen anzumachen. Immerhin war ich wirklich neugierig zu wissen, wie sie in dieser Welt küsste.

Ich war in meinen Schlafsaal gestiegen, um meinen Umhang abzulegen. Während ich auf mein Kleidungsstück einen Trocknungszauber warf, noch bevor ich es einräumte, wurde die Tür aufgemacht und der Andere trat ein. Ich dachte, dass er wieder herunter gehen würde, als er sich dessen bewusst würde, dass wir alleine waren, weil er gewöhnlich vor den Zwiegesprächen mit mir floh. Diesmal jedoch schloss er sorgfältig die Tür und lehnte sich dagegen.

„Was für ein Spiel spielst du?", ließ er mich scharf.

„Eh? Worüber sprichst du?", fragte ich wirklich verwirrt.

„Über dein kleines Spiel mit Ginny und Lavender", stieß er hervor.

Was ging ihn das denn an? Er war doch nicht... eifersüchtig? Doch? Nun, das änderte die Regeln des Spiels. Ich versuchte, meine Hypothese zu prüfen.

„Könntest du mir erklären, inwiefern es dich angeht?", fragte ich.

Er wurde rot im Gesicht und suchte hoffnungslos nach einer gültigen Ausrede.

„Ginny ist für mich wie eine Schwester", behauptete er schließlich, „also werde ich niemandem erlauben, ihr wehzutun."

Gut, offenbar sorgte er sich um Ginny und Lavender war ihm völlig egal. Wir ähneln uns wirklich nicht, dachte ich.

„Ginny hat schon sechs Brüder", erwiderte ich ihm, „und ich zweifle daran, dass sie es gerne sehen würde, wenn du dich in ihr Privatleben einmischen würdest."

„Warum machst du das mit ihr?", fragte er mich und versuchte, das Gespräch abzulenken.

„Stört es dich? Wenn du an ihr interessiert bist, solltest du es ihr sagen", forderte ich ihn heraus.

„Ich bin an ihr nicht interessiert!", leugnete er mit einer höchst verdächtigen Heftigkeit.

„Wen versuchst du zu belügen?", fragte ich. „Dich oder mich?"

„Ich lüge nicht!"

„Harry, erinnerst du dich daran, wer ich bin?", fragte ich ihn und war erstaunt, dass ich es geschafft hatte, ihn bei meinem Vornamen zu nennen.

Einen Augenblick lang hielt er meinem Blick stand, bevor er davon abließ.

„Sag es Ron nicht", sagte er schließlich. „Die Dinge sind schon schwierig genug."

„Wegen Ron gestehst du Ginny deine Liebe nicht?", rief ich aus und konnte nicht verstehen, dass ein Typ, der mit meinem Aussehen herumlief, so erbärmlich sein konnte.

„Nein!", antwortete er heftig. „Tja... es ist vor allem, dass ich nicht denke, dass sie an mir Interesse hat. Vor kaum zwei Wochen war sie noch mit Dean zusammen. Wir reden seit langer Zeit nicht miteinander, also möchte ich nicht alles verderben. Sie ist eine wunderbare Freundin, weißt du!"

„Ich weiß", antwortete ich ehrlich. „Aber ich denke dennoch, dass du deine Chance ergreifen solltest."

„Glaubst du?", fragte er mit Hoffnung.

„Ganz sicher. Warum glaubst du, dass ich in meiner Beziehung mit Lavender so offen bin? Ich wollte nur vermeiden, dass sie den falschen Potter wählt."

„Oh!"

Er dachte einige Augenblicke lang über diese neue Idee nach. Dann fragte er mich etwas verstört:

„Und würde es dich nicht stören, wenn ich und Ginny..."

„In meiner Welt ist Ginny meine beste Freundin. Wie du mit Hermine."

„Ach, sehr gut."

Er zögerte einen Augenblick lang, dann fragte er neugierig:

„Was findest du denn bei Lavender?"

„Sie küsst gut."

„Hast du schon probiert?", fragte er etwas verwirrt.

„Nicht mit der hier. Aber es sollte nicht lange dauern", versicherte ich ihm.

„Ich verstehe", sagte er mit einem unsicheren Ton, als würde er zögern, ob er von meinem Verhalten schockiert sein oder lachen sollte.

„Und du?", stellte ich ihm eine Rückfrage. „Mit wem bist du hier gegangen?"

„Tja", stotterte er. „Ich habe nicht viel Zeit dafür... Ein wenig mit Cho Chang letztes Jahr, aber das hat nicht sehr gut geendet."

„Du hast einen guten Geschmack", sagte ich anerkennend. „Sie ist wirklich hübsch. Aber bei mir geht sie mit einem gewissen Cedric Diggory. Also habe ich es nicht versucht."

„Hier hat sie auch Cedric gewählt", sagte er plötzlich finster.

So war es also zu Ende gegangen. Aber das war komisch, ich hatte nicht den Eindruck, ich hätte sie hier mit Cedric Diggory gesehen. Außerdem erinnerte ich mich gar nicht daran, ihn während der letzten Wochen überhaupt gesehen zu haben.

Ron betrat an jenem Moment den Schlafsaal. Er starrte uns an, als wäre er erstaunt, uns beide hier zu finden. Vielleicht hatte er Blut an den Wänden erwartet. Ich grüßte den Anderen und wollte zum Gemeinschaftsraum, um meine Aufgaben zu schreiben. Als ich an ihm vorbeiging, sagte Ron mir:

„Oh, hm... Simon. Ich fände es schön, wenn du aufhören würdest, meine Schwester anzumachen."

Ich stoppte und sah ihm in die Augen.

„Ginny ist groß genug, um sich um sich selbst zu kümmern. Du darfst dich nicht in ihr Privatleben einmischen. Sie geht mit dem, mit dem sie gehen will."

„Sie ist meine Schwester!"

„Und?"

Du kannst nicht verstehen. Du hast keine."

„Ron!", griff der Andere ein.

Ron brauchte einige Augenblicke, bis er verstand, welchen Schnitzer er begangen hatte. Ich aber war von seinem Verhalten zu verärgert, als dass es mich peinigen konnte, an meine Familie zu denken.

„Du solltest dich besser um dein eigenes Liebesleben kümmern, anstatt jenes der anderen zu verderben.", zischte ich Ron zu, bevor ich aus dem Zimmer ging.

Wenn der Andere nicht verstanden hatte, was er tun musste, so war sein Fall hoffnungslos.

*~*~*

Ich brauchte nur noch eine Woche, bis ich bemerkte, dass Lavender in beiden Welten auf ungefähr die gleiche Weise küsste. Ihr Gesprächsthemen war auch jene, an die ich mich erinnerte. Der einzige Unterschied zu der anderen Lavender war ihr Niveau in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Sie war fast besser als ich. Aber wahrscheinlich war es eine Übungssache. Immerhin war der Andere hervorragend und er schien für die ganze Klasse der Referenzschüler zu sein.

Anfang Dezember bat man uns einzuschreiben, ob wir während der Ferien bleiben würden oder nicht. Nie hätte ich daran gedacht, während der Weihnachtsferien in Hogwarts zu bleiben, aber ich sah nicht wirklich, wo ich hin könnte. Es machte mich für den ganzen Tag melancholisch, als ich meinen Namen in die Spalte der Bleibenden schrieb.

Zwei Tage später betrat ich den Schlafsaal, während Ron und der Andere mitten im Gespräch waren.

„Das ist unfair", sagte der Rothaarige. „Er darf dich nicht zwingen, hier zu bleiben, wenn du von meinen Eltern eingeladen worden bist."

„Dumbledore muss gute Gründe dafür haben", antwortete der Andere, als versuche er, sich selbst davon zu überreden.

„Hör zu, Alter, mach dir keine Sorgen deswegen. Ich werde mit dir hier bleiben und wir werden uns gut amüsieren."

„Nein, Ron, tu das nicht. Deine Eltern werden sehr enttäuscht sein. Es ist schon schwierig für deine Mum, dass Percy abgelehnt hat, zu euch zu kommen. Du kannst ihr das nicht antun..."

„Aber ich kann dich hier nicht allein versauern lassen", setzte Ron entgegen. „Hermine kehrt auch zu ihrer Familie zurück. Während der zwei Wochen wirst du vor Langeweile sterben. Nein, ich habe mich entschieden, ich bleibe mit dir."

Gut, ich mochte Ron nicht besonders, aber ich musste gestehen, dass er sich für den Anderen als ein guter Freund erwies. Dennoch nützte dieser Großmut nichts. Ron ging mit den anderen am Morgen des vierundzwanzigsten Dezembers weg, während er gegen die willkürlichen Entscheidungen von Eltern meckerte und dem Anderen versprach, ihm alle zwei Tage eine Eule zu schicken.

Nachdem die letzten Kutschen verschwunden waren, gingen wir langsam zur Eingangshalle zurück. Filch erschien plötzlich und benachrichtigte uns, dass der Schulleiter mit uns beiden sprechen wollte.

„Das ist ja gar nicht zu früh", murrte ich und dachte daran, dass ich vor zehn Wochen angekommen war und dass mich Dumbledore seit dem ersten Abend nicht wieder angesprochen hatte.

„Vielleicht hat er das Mittel gefunden, um dich nach Hause zurückzuschicken", antwortete mir der Andere, ohne dass ich spüren konnte, ob er diese Bemerkung eher aus Freundlichkeit oder aus der Hoffnung sagte, dass er mich loswerden könnte.

„Ich will lieber nicht zu viel darauf zählen", erwiderte ich, aber ich konnte nicht verhindern, dass die Hoffnung meine Brust aufblies.

Das Büro des Schulleiters war ähnlich wie in meinen Erinnerungen. Ich war zwei Male während meiner Schulzeit dort hingerufen worden wegen Scherzen, die mehr gewirkt hatten als gewollt. Er ließ uns uns setzen und lächelte gutmütig, aber ich empfand ihn als älter und müder als in meinen Erinnerungen.

„Nun, junge Leute, geht es Ihnen gut?"

„Haben Sie das Mittel gefunden, um ihn nach Hause zurückzuschicken?", fragte der Andere ohne Weiteres.

„Leider nicht", antwortete der alte Mann, was meine Hoffnung sofort beendete. „Ich habe einiges recherchiert, aber wie ich es Ihnen am ersten Tag sagte, sind die Bücher, die parallele Welten erwähnen, selten glaubwürdig. Außerdem hat Professor Flitwick den Raum studiert, von dem Sie gesprochen haben. Er konnte nicht feststellen, wie er funktioniert. Wir wissen also nicht, ob es der Zufall, der Wille eines Zauberers oder irgendein anderer Grund, den wir nicht verstehen, war, der Sie hierhin geschickt hat. Es tut mir wirklich Leid, Mr Potter, aber Sie werden von unserer Gastfreundschaft noch ein bisschen profitieren müssen."

Während ich versuchte, meine tiefe Enttäuschung zu verstecken, fuhr der Schulleiter fort:

„Mr Potter, ich hatte die Gelegenheit, mit einigen Freunden, die wie ich Lord Voldemorts Tun beenden möchten, über Ihre Ankunft zu reden."

Die Kennermiene der beiden ließ mich erraten, dass der Andere genau wusste, um welche Freunde es ging.

„Wir haben darüber nachgedacht, dass Ihre Anwesenheit den anlocken kann, der sich als der Dunkle Lord bezeichnet. Es scheint, dass es weise gewesen wäre, wenn wir Sie vor allen Leuten versteckt hätten. Dafür ist es leider zu spät, weil wir dank einer sicheren Quelle wissen, dass er schon über Ihre Existenz Bescheid weiß. Er hat, was Sie betrifft, keine bestimmte Anweisung gegeben, aber wir treffen lieber alle nötigen Maßnahmen, um Ihre Sicherheit zu garantieren. Darum dürfen weder Sie noch Harry Hogwarts verlassen."

Der Andere griff ein:

„Weiß man, wie Voldemort benachrichtigt wurde? Sind wir verraten worden?", fragte er mit einer vorwurfsvollen Stimme, als hätte er eine Ahnung von der Identität der Person, die so eine Tat begehen würde.

„Harry", sagte der Schulleiter mit einer beruhigenden Stimme, „es gibt in dieser Schule beinahe dreihundert Schüler, die mit ihrer Familie frei kommunizieren. Wir konnten seine Ankunft auf keine Weise diskret halten. Darüber muss ich mich bei Ihnen entschuldigen, Mr Potter. Ich hätte an das mögliche Risiko denken sollen, das Sie Ihr Nachname eingehen lässt, und Sie dazu zwingen sollen, Ihren Namen und Ihr Aussehen zu ändern, sobald Sie angekommen waren."

Ich schüttelte den Kopf. Es war mir nicht angenehm, zu wissen, dass Er, der nicht genannt werden darf, von mir gehört hatte, aber das Verhalten, mich zu verstellen, um ihn zu vermeiden, schien mir sehr feige. Und immerhin ging ich kein größeres Risiko ein als der Andere.

„Ich habe bemerkt, dass Sie die beiden Einzigen sind, die aus Gryffindor bei uns bleiben", fuhr der Schulleiter in einem leichteren Tonfall fort. „Ich hoffe, dass Sie davon profitieren werden, um sich einander besser kennen zu lernen."

Wir zuckten gleichzeitig mit den Schultern, ohne uns zu irgendwas zu verpflichten. Es schien Dumbledore nicht zu stören, und er begleitete uns mit einem Lächeln zur Tür und versicherte uns, dass er alles tun würde, damit ich nach Hause zurückkehren konnte.

Wir gingen mürrisch zu unserem Turm zurück. Als wir nah an unserem Turm kamen, konnte ich mich nicht daran hindern, den Anderen zu fragen:

„Glaubst du, dass er wirklich versuchen wird, mich nach Hause zurückzuschicken?"

Mein Doppelgänger überlegte eine Weile und antwortete schließlich:

„Ich denke ja. Deine Anwesenheit ist ein Element, das die ohnehin schon komplexe Lage noch komplizierter macht. Es kann Dumbledore nicht mehr als Voldemort gefallen, dass du in seinem Weg stehst."

Die Erwiderung war scharf aber sie beruhigte mich mehr als eine vage Antwort, die nur dazu nützen würde, mich zu trösten. Wenn Dumbledore ein Interesse daran hatte, dass ich weg war, so hatte ich vielleicht eine Chance, die Meinigen eines Tages wieder zu sehen.

*~*~*

Wir setzten uns in den Gemeinschaftsraum. Der Andere hatte ein Buch genommen und ich den Tagespropheten, den mir Hermine am gleichen Morgen vor ihrer Abfahrt gegeben hatte, nachdem sie ihn gründlich gelesen hatte.

Beim Mittagessen merkten wir, dass nur acht von uns in Hogwarts geblieben waren. Wir aßen ohne Freude, dann gingen die Jüngeren in den Schnee spielen. Ich folgte ihnen nach draußen und ging im Park spazieren. Der Andere musste das gleiche getan haben, denn er war so nass und zitternd wie ich, als wir uns im Schlafsaal trafen.

Wir aßen das Abendessen und gingen schlafen, ohne mehr als fünf Sätze gesprochen zu haben.

*~*~*

Am nächsten Morgen wurde ich von einer Explosion aufgeweckt. Ich sprang aus meinem Bett, aber der Andere beruhigte mich:

„Mach dir keine Sorgen, das ist das Geschenk der Zwillinge."

Ich setzte meine Brille auf und schaute ihn an. Sein Bett war mit Geschenken bedeckt, die er gerade auspackte. Ich fragte mich, ob ich wie ein Idiot zusehen sollte, wie er seine Geschenke auspackte, oder ob ich schnell in den Gemeinschaftsraum herunter gehen sollte, um zu versuchen zu vergessen, dass es nichts für mich geben würde, genauso wie keine Eule vor meinen Teller landete, wenn die Briefe ausgeteilt wurden. Doch er sagte zu mir:

„Packst du deine Geschenke nicht aus?"

Ich bemerkte überrascht, dass mehrere bunte Geschenkpapiere am Fuß des Bettes lagen. Ich ergriff sie vorsichtig und fragte mich, wer sie mir geschenkt hatte. Eine Weile lang fürchtete ich, dass mir der Andere etwas geschenkt hatte. Meinerseits hatte ich für ihn nichts vorgesehen und das wäre peinlich gewesen. Aber glücklicherweise gehörte er nicht zu meinen Wohltätern.

Im ersten Geschenk entdeckte ich einen schokoladenfarbigen Pulli, der offenbar handgestrickt worden war, mit einem großen smaragdgrünen S auf der Vorderseite. Während ich ihn vorsichtig anstarrte, erklärte mir der Andere, während er einen smaragdgrünen Pulli schwang, der mit einem großen braunen H beschriftet war:

„Das ist von Molly. Jemand muss ihr von dir erzählt haben. Es sollte auch ein Kuchen dabei sein."

Es war wirklich einer da. Hermine hatte mir Bücher geschenkt, Ginny ein Paket voller Scherzartikel und selbst Ron hatte sich bequemt, mir ein Päckchen von Bertie Botts Bohnen zu schenken. Lavender hatte mir eine Kette geschenkt, auf der ein sentimentaler Satz eingraviert war. Ich hoffte, sie erwartete nicht, dass ich sie stets anhatte.

Ich fragte den Anderen.

„Hast du Ginny etwas geschickt?"

„Hm, ja. Parfümiertes Pergament. Glaubst du, dass es ihr gefallen wird?", fragte er mit besorgter Stimme.

„Sie wird sehr gerührt sein", versicherte ich ihn, während ich für mich selbst dachte, dass sie zweifellos lieber etwas weniger dummes gekriegt hätte.

„Und du, hast du Lavender etwas geschickt?", fragte er höfflich.

„Nein, noch nicht. Ich dachte, ich würde die Ferien nutzen, um nach Hogsmeade zu gehen. Ich werde es ihr beim Schulwiederbeginn geben. Ich denke, dass ich auch für Hermine und Ginny etwas kaufen werde."

Er schüttelte den Kopf und wir bereiteten uns darauf vor, zum Frühstück zu gehen. Als wir aus der Großen Halle gingen, sagte er zu mir:

„Ich denke, dass ich ein bisschen fliegen werde. Du... Möchtest du mitfliegen?"

„Und wie!", rief ich aus.

„Ich werde Madam Hooch darum bitten, dir einen Besen zu leihen", sagte er, bevor er zum Esssaal zurückging, wo die Lehrerin für Flugunterricht mit Professor Flitwick frühstückte. Er kam mit einem großen Lächeln und einem kleinen Schlüssel zurück.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich dir meinen Feuerblitz leihen werde, also hat sie mir einen Nimbus Zweitausend geliehen. Das ist ja schon mal besser als die Holzstäbe, die im Unterricht den Erstklässlern gegeben werden."

Wir sind die Besen holen gegangen, und dann gingen wir zum Quidditchstadion. Der Andere nahm einen Goldenen Schnatz aus seiner Tasche.

„Geschenk von Ron und Ginny", bemerkte er.

Er warf ihn, und wir flogen los. Wir flogen eine Weile lang in Kreisen, bevor wir den Schnatz jagten. Wir hatten unsere Beute gleichzeitig geortet. Der Andere war am Anfang des Rennens weiter von der goldenen Kugel entfernt, aber sein Besen war etwas schneller, denn er hatte seinen Feuerblitz schließlich behalten.

Wir flogen bald Stiefel gegen Stiefel und mit höchster Geschwindigkeit. Der Schnatz flog im Zickzack, was die Leistungen unserer Besen ausglich, denn jetzt zählte nicht mehr ihre Schnelligkeit, sondern unsere Fähigkeit, sie zu manövrieren.

Während der zahlreichen Quidditchspiele, die ich gespielt hatte, hatte ich viele Sucherduellen geführt, aber nie hatte ich einem Gegner gegenübergestanden, der meinen Reaktionen so sehr vorgreifen konnte. Ich versuchte mehrmals, ihn auf einer Seite oder über ihm zu überzuholen, aber er entgegnete meine Manöver ohne Schwierigkeiten. Was ihn betraf, versuchte er auch, mich zu überraschen, aber ich wusste, was er im Kopf hatte, wenn ich einfach seine Lage auf dem Besen beobachtete.

Er versperrte mir schließlich den Weg. Ich konnte ihn nur mit Schwierigkeiten vermeiden und wir verloren den Schnatz. Aber wir flogen weiter zusammen, denn wir waren von der Geschwindigkeit und unserem Kunstflug berauscht. Er flog ein bisschen vorne und ich versuchte, ihn einzuholen. Dann flog er mit voller Geschwindigkeit zu mir und ich war dran mit dem Versuch, ihn abzuschütteln.

Schließlich flog der Schnatz wieder vor unsere Nase und wir jagten ihn wieder. Nach vielen schnellen Herunter- und Hinaufflügen und Wronski-Täuschungen fing ich ihn, aber es wäre um ein Haar er gewesen.

Wir flogen atemlos und jubelnd zum Boden herunter. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft störte es uns nicht, dass wir nebeneinander standen. Im Gegenteil: wir waren froh, diesen Moment, der reines Glück war, miteinander zu teilen.

Wir blieben eine Weile auf den Sitzreihen sitzen, um den Atem wieder in den Griff zu kriegen. Ich hatte ihn nie so entspannt gesehen. In jenem Moment ähnelte er wirklich dem Bild, das ich von mir hatte. Und erstaunlicherweise bestürzte es mich überhaupt nicht.

„Ich würde jetzt gerne nach Hogsmeade gehen", schlug er mir vor. „Was würdest du von einem Butterbier halten?"

„Das ist eine gute Idee!", rief ich aus. „Und ich würde gerne ein wenig einkaufen. Glaubst du, dass die Läden offen haben?"

„Ich glaube, dass sie heute Morgen offen haben. Wenn wir nicht zu langsam sind, wirst du deine Geschenke kaufen können."

Wir gingen schnell zu unserem Schlafsaal hinauf. Wir zogen uns schnell um und er suchte in seinen Koffer.

„Nehme ich den Umhang?", fragte er mich zweifelnd.

„Wir werden nicht beide darunter unsichtbar sein können", wies ich ihn hin.

„Das dachte ich mir schon. Jedenfalls werde ich die Karte mitnehmen."

„Die Karte? Du meinst, die Karte der Rumtreiber?"

„Ja. Du kennst die, natürlich."

„Wie hast du sie gekriegt?", fragte ich neugierig.

„Die Zwillinge Weasley waren es, die sie Filch gestohlen haben. Sie haben sie mir vor drei Jahren gegeben."

„Das ist lustig. Bei mir zu Hause haben sie sie am gleichen Ort gefunden. Als sie sie mir gezeigt haben, konnten sie nicht fassen, dass ich die Formel kannte, die sie aktiviert. Und jetzt sabbern sie fast vor Bewunderung, wenn sie meinen Dad in King's Cross sehen. Und kurz bevor ich... tja, ich hier ankam, haben sie sie mir gegeben, weil es ihr letztes Schuljahr war."

Wir lächelten einander zu.

„Praktisch, eh?"

„Das kannst du laut sagen", sagte ich und blinzelte ihm zu.

Nachdem wir sorgfältig geprüft hatten, dass niemand auf dem Weg war, gingen wir zum unterirdischen Gang, der von der einäugige Hexe bewacht wurde. Es war komisch für mich, zu sehen, wie sich auf der Karte zwei Harry Potter - Punkte nebeneinander zum Geheimgang bewegten.

*~*~*

Wir fingen mit dem Einkaufen an, denn die Laden würden bald schließen. Zum Glück verkaufte einer der wenigen, die offen hatten, ein bisschen von allem.

Der Andere hatte mir wieder Geld gegeben und versicherte mir, dass er eine Menge hatte, ohne mehr darüber sprechen zu wollen. Ich konnte also einen geschmückten Ring für Lavender, einen Besenpflegeset für Ginny, Qualitätsfedern für Hermine, eine Weihnachtskarte, um Mrs Weasley zu danken, und Süßigkeiten für Neville, Ron und den Anderen erwerben.

Dann gingen wir zu den Drei Besen, um unser Butterbier zu trinken. Auf dem Weg begegneten wir Familien, die spazieren gingen. Ich fühlte mich etwas nostalgisch, wenn ich sah, wie die Knaben ihre Weihnachtsgeschenke stolz zeigten: Merlinkleider, Kinderbesen, aufblasbare Eulen...

Der Andere musste meinen Ausdruck gesehen haben, denn er fragte mich, sobald wir vor unseren Getränken saßen:

„Wie war Weihnachten mit deinen Eltern?"

„Oh, ziemlich klassisch, vermute ich", antwortete ich ausweichend.

„Das heißt?", drängte er.

Da ich den wunden Punkt nicht treffen wollte, bemühte ich mich darum, die Details nur zu erwähnen, aber er drängte und bat mich um Präzisierungen. Schließlich erzählte ich ihm vom großen Tannenbaum, den Mum in Godric's Hollow schmückte, von Dads Scherzen, von Roses Aufregung, vom wilden Moment, in dem wir alle unsere Geschenke auspackten, und von den Umarmungen, die folgten.

„Gewöhnlich laden wir am Weihnachtsabend die besten Freunde meiner Eltern ein."

„Sirius?", fragte den Anderen.

„Ja. Sirius, seine Familie und die anderen."

„Seine Familie?", rief er aus.

„Ja, er hat vor fünf Jahren geheiratet. Und er hat ein zweijähriges Mädchen, Alys."

Der Andere vertiefte seinen Blick in seinen Butterbierkrug, und ich sah um mich herum, um ihm Zeit zu lassen, damit er sich wieder fassen konnte.

„Und Remus, was ist aus ihm geworden?", fragte er, nachdem er sich geräuspert hatte.

„Er arbeitet im Ministerium in der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe", erzählte ich ihm.

„Im Ministerium nehmen sie Werwölfe an?", erstaunte sich der Andere.

„Es soll nicht viele geben", gestand ich. „Aber Dad hat wegen unseres Geldes und der Tatsache, dass er viele Leute kennt, viel Einfluss..."

„Dad... Dein Dad, was hat er für eine Arbeit?"

„Er arbeitet nicht wirklich. Er verwaltet unser Geld, unter anderem, indem er Erfinder findet und sich ihnen anschließt. Er finanziert sie und dann kriegt er einen Teil ihres Gewinns zurück."

„Das klingt interessant! Und deine Mum, was tut sie?"

„Sie recherchiert. Sie hat viel im Gebiet der Alten Magie gearbeitet. Übrigens hat sie eine Weile lang mit Severus Snape gearbeitet. Es ärgerte meinen Dad und Sirius sehr. Nach meiner Mum ist er einer der Besten im Gebiet der Zaubertränke, also brauchte sie ihn, um alte Zubereitungen, deren Rezepte verloren gegangen waren, wieder zu finden. Ich habe ihn ein oder zwei Male getroffen. Er ist ziemlich kalt, aber er ist ja auch nicht der Schweinehund, den wir in Zaubertränke haben."

„Beruhige mich, er ist nicht verheiratet, oder!"

„Ich glaube nicht. Aber ehrlich gesagt habe ich mich nie darum gekümmert. Und Mum sprach nicht viel von ihm, um Dad zu schonen."

Er nickte und konzentrierte sich auf den unteren Teil seines Glases. Ich spürte, dass er eine Frage stellen wollte, aber nicht wusste, wie er sie aussprechen konnte.

„Sie... kennen sie immer noch Pettigrew?", konnte er fragen.

„Ja", bestätigte ich. „Er ist... nett."

Nach dem, was mir Hermine enthüllt hatte, wollte ich lieber nicht mehr über ihn sagen. Aber offensichtlich hatte ich schon zu viel gesagt, denn das Gesicht des Anderen verkrampfte sich.

„Nett!", stieß er aus. „Diese verfluchte Ratte!"

Es war sehr unangenehm für mich zu betrachten, wie meine eigenen Züge von Wut und Hass entstellt wurden. Ich trank wieder einen Zug, um ihn nicht mehr ansehen zu müssen. Ich wollte das Gespräch ablenken aber, wie es in solchen Momenten oft geschieht, kam mir kein Thema in den Sinn. Zwischen uns entstand eine verstörte Stille.

Draußen hörte man Schreie. Ich drehte mich neugierig zur Tür, während der andere erstarrte. Es gab andere Schreie und die Tür wurde plötzlich aufgemacht. Ein Mann, der in Panik geraten war, trat schnell und schreiend ein:

„Die Todesser! Die Todesser greifen an!"