Hallo an alle! Hier ist die Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: L'Autre. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.
Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur zu J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich gewinnen Alix und ich nichts damit.
Spoilers: Die ersten fünf Bände von Harry Potter.
Anmerkung des Übersetzers: Wegen des Verbots werde ich auf dieser Seite nicht auf die Reviews antworten. Wenn ihr eine Antwort kriegen möchtet, sollt ihr euch einloggen beziehungsweise auf meinem Profil unter 'My Forums' schauen.
Der Andere:
Kapitel 4: Im Gemeinschaftsraum
Der Ausruf, dass die Todesser Hogsmeade überfielen, verursachte eine sofortige Panik. Alle standen auf und liefen zum Ausgang. Wohl oder übel mussten der Andere und ich der Bewegung folgen, sei es nur, um von der Menge nicht totgedrückt zu werden.
Sobald wir auf der Straße standen, wurde uns bewusst, dass Chaos herrschte. Die Leute liefen in alle Richtungen. Es waren keine Todesser in der Nähe, aber man erblickte in der Ferne schwarze Silhouetten, die Zauberer angriffen, die sich ungeschickt wehrten. Wir mussten fliehen. Wenn wir den Geheimgang zu Hogwarts erreichen könnten, so würden wir in Sicherheit sein.
„Honigtopf", flüsterte mir der Andere zu, dessen Gedanken offenbar dem gleichen Weg gefolgt waren.
Er zog die Kapuze seines Winterumhangs bis auf die Augenbrauen herunter und wies mir, dass ich das gleiche tun sollte. Dann liefen wir zum Süßigkeitenladen, dicht an den Mauern entlang. Wir hatten ihn fast erreicht, als ein Mann, dessen Gesicht von einer Kutte versteckt war, schnell aus einer Nebenstraße hinauskam und mit dem Zauberstab auf uns zielte. Mein in Panik geratener Geist hörte auf zu funktionieren, aber der Andere ergriff meine Schulter und warf uns auf den Boden.
Der Zauber flog mit einem erschreckenden Pfeifen über uns hinweg. Das hatte mit den Übungen im Unterricht nichts zu tun. Ich verstand sofort, dass ich das Niveau, das mir erlaubt hätte, mich gegen solche Angriffe zu wehren, nicht hatte. Ich fühlte mich erschrockener als je.
Der Andere hatte sich schon wieder erhoben und sprach, halb kniend, mit einer sicheren Stimme einen Expelliarmus aus, der den neuen Zauber blockierte, den uns unser Angreifer schicken wollte. Der Zauberstab des Todessers flog zu uns, aber der Andere bemühte sich nicht darum, ihn zu fangen. Er stand völlig auf und ergriff mich, um auch mich dazu zu zwingen.
Wir gingen unseren Weg zum Honigtopf weiter. Eine andere maskierte Silhouette zeigte sich auf dem Weg, und mein Doppelgänger warf ihr einen Schockzauber entgegen, ohne seine Geschwindigkeit zu vermindern, als hätte er das sein Leben lang getan.
Unser rasend schnelles Rennen hörte erst vor der Tür des Süßwarenhändlers auf. Wir stürzten uns zum leeren Laden und liefen die Treppe zum Reservat rasend schnell herunter, bevor wir in den unterirdischen Gang hinein liefen.
*~*~*
Obwohl wir dann ungefährdet waren, liefen wir die Hälfte des Wegs weiter, bevor wir stoppten und uns an die schwitzenden Wände lehnten, um unseren Atem wieder zu finden.
Dank dem Licht unserer Zauberstäbe konnte ich sehen, dass der Andere einen schrecklichen Ausdruck hatte, und ich konnte ja nicht besser aussehen. Wir starrten einander lange an und schätzten, wie sehr wir Angst gehabt hatten, wie erleichtert wir waren, dass wir unter Schutz waren, und wie glücklich wir gewesen waren, dass wir so gut davon gekommen waren.
Plötzlich erhob er sich wieder und rief aus:
„Wir müssen die Lehrer davon benachrichtigen, sie werden den anderen vielleicht helfen können!"
Ohne auf meine Antwort zu warten, lief er wieder den Schleichweg entlang. Mit zitternden Beinen hatte ich Schwierigkeiten, die Stufen hinauf zu laufen, die den unterirdischen Gang beendeten. Bevor er die geheime Tür hinter der Statue öffnete, wischte der Andere gedankenlos und nutzlos den Staub aus seinem Umhang.
Sobald wir im Gang standen, stürzten wir uns zu Dumbledores Büro. Doch waren wir kaum zehn Meter gelaufen, schon stand Snape vor uns. Er machte den Mund auf, mit einem boshaften Ausdruck, aber der Andere ergriff das Wort, ohne dass jener irgendein Wort aussprechen konnte:
„Professor", rief er aus, „in Hogsmeade verläuft ein Todesserangriff! Jemand muss ihnen helfen! Jemand muss dem Ministerium Bescheid sagen!"
„Potter und Potter! Wo kommen Sie her? Seit einer Stunde suchen wir überall nach Ihnen."
„Ich sage Ihnen, dass jemand nach Hogsmeade muss!", wiederholte der Andere.
„Danke, Mr Potter, ich bin nicht taub. Und ich bitte Sie darum, mit mir so einen Ton nicht anzuschlagen."
Während der Andere versuchte, sich zu halten, und die Hoffnung verlor, verstanden zu werden, versuchte ich selber:
„Professor, in Hogsmeade wird gekämpft. Wissen Sie, ob das Ministerium Bescheid weiß?"
„Es geht Sie nicht an. Jedoch möchte ich, dass Sie mir erklären, wie Sie Bescheid wissen und wo Sie herkommen."
Der Andere schien nicht mehr dazu geneigt als ich, diese fiese Frage zu beantworten. Wenn wir unseren Spaziergang hätten gestehen müssen, um den gefährdeten Zauberern zu helfen, so hätte ich das gerne getan. Aber ich hatte gerade verstanden, dass Snape zweifellos schon wusste, was im Dorf los war. Im Gegenteil hätte er bei unseren Warnungen anders reagiert.
„Es gibt Wichtigeres!", verteidigte sich der Andere, der offenbar nicht verstanden hatte, dass dieser fettige Dummkopf ein perverses Spiel mit unseren Nerven spielte. „Sie verstehen nicht!"
„Sie sind es, die nicht zu verstehen scheinen, Potter. Wieder standen Sie da, wo Sie nichts zu tun hatten. Jeder bemüht sich darum, dass Sie in Sicherheit sind, und Sie gehen dort spazieren, wo Sie es wollen. Und das andere Exemplar ist nicht besser", fügte er hinzu, indem er mich geringschätzig ansah. „Mr Überzähliger Potter", rief er zu mir aus, „hat Ihnen Ihr Spaziergang gefallen?"
Ohne auf meine Antwort zu warten, schenkte er seine Aufmerksamkeit wieder zu meinem Doppelgänger:
„Aber vielleicht war es Ihre Absicht, Potter", stieß er hassvoll aus. „Sie wollten ihn vielleicht wie den anderen Köter loswerden..."
„ICH VERBIETE IHNEN, SO VON SIRIUS ZU REDEN!", schrie der Andere und schritt zum Lehrer.
Ich hatte ihre Hintergedanken nicht verstanden, aber ich ergriff meinen Doppelgänger am Umhang, damit er zur Liste unserer Tagesverstöße den Lehrermord nicht hinzufügte.
„Es tut uns Leid, Professor", sagte ich und versuchte, die Sachen zu beruhigen. „Wir wollten Ihnen keine Sorgen machen."
„Ein Potter, der sich entschuldigt, so kann alles passieren", sagte Snape bissig.
Es stimmte, dass mir die Buße kein natürliches Gefühl war und dass ich mich stark bemühen musste, um es zu tun. Ich bemühte mich dennoch darum, weil Mum oft wiederholte, dass es nicht ein Schwächebeweis sei, seine Fehler anzuerkennen, sondern eine mutige Tat.
„Merlin sei Dank, Sie haben sie wieder gefunden!", ließ McGonagalls Stimme hinter meinem Rücken los. „Wo waren Sie denn, meine Herren? Wir haben überall nach Ihnen gesucht. Wir fürchteten, dass sie es geschafft hatten, Hogwarts zu betreten, um Sie zu fangen."
„Die Todesser brauchten sich nicht darum zu bemühen, Minerva", kommentierte Snape mit einer salbungsvollen Stimme. „Unsere Potters hoch zwei brauchen niemanden, um sich freiwillig in ihre Arme zu werfen. Erraten Sie, wo sie waren!"
Die alte Frau starrte uns an und rief aus:
„Sie waren doch ja nicht in Hogsmeade?"
Aber unsere ungeordnete Kleidung, unsere mit Schlamm bedeckten Schuhe und unsere niedergeschlagenen Ausdrücke zwangen sie, das Offensichtliche zu verstehen. Ihr Mund verkniff sich, ihr Blick wurde strenger und sie wurde rot im Gesicht. Das war noch schlimmer als am Tag, an dem mich Hagrid, der Wildhüter, aus dem Wipfel eines Baums im Verbotenen Wald geholt hatte.
„Mr Potter... und Sie, Mr Potter! Sie enttäuschen mich sehr", stieß sie mit einer eisigen Stimme aus. „Ich hätte nie geglaubt, dass Sie zu solch einer... Ahnungslosigkeit fähig wären. Sind Sie sich dessen bewusst, Sie hätten gefangen, getötet..."
Sie hörte auf, als würden ihr die Wörter fehlen.
„Sie müssen bis zum Ende der Ferien in Ihrem Turm mit Ausgangssperre bleiben", fuhr sie mit einer pfeifenden Stimme fort. „Ihr Essen wird dort hingebracht werden. Und ich ziehe hundert Punkte von Gryffindor ab. Hundert Punkte für jeden", präzisierte sie.
Unser Zähler würden auf Null sein. Wir würden von unseren Kommilitonen massakriert werden, wenn sie aus den Ferien zurückkämen.
„Ich denke, dass ein Quidditchverbot bis zum Ende des Jahres eine gute Vergeltungsmaßnahme wäre", schlug der Schweinehund daneben vor.
„Wenn ich Ihre Hilfe brauche, um meine Schüler zu bestrafen, werde ich Ihnen Bescheid sagen, Severus", erwiderte McGonagall scharf. „Es sei denn, Sie wurden zum Großinquisitor ernannt, ohne dass ich Bescheid wusste?"
Der Andere zog diskret an meinem Ärmel, und ich folgte ihm zu unserem Turm und ließ die Lehrer bissige Bemerkungen wechseln.
*~*~*
Als wir dort ankamen, stiegen wir mit Schwierigkeiten in unseren Schlafsaal hinauf. Ich ließ die Tüte mit meinen Einkäufen, die ich zu meinem großen Erstaunen immer noch in der Hand hielt, auf den Boden fallen.
Ich stürzte auf meinem Bett zusammen, ohne meine Schuhe auszuziehen, und legte meinen Unterarm auf meine Augen, nachdem ich meine Brille beiseite gelegt hatte. In meinem Kopf hörte ich die Panik- und Schmerzschreie wieder, und ich erinnerte mich an meine Angst und ans Machtlosigkeitsgefühl, das ich empfunden hatte, als ich die Macht des Zaubers gespürt hatte, der uns um so wenig verpasst hatte. Dann erinnerte ich mich an die ruhige und sichere Stimme des Anderen, als er unsere Gegner entwaffnet hatte. Was hatte er getan, um kaltblütig zu bleiben, während sein Leben im Spiel war?
Es war nur eine Antwort möglich: er kämpfte nicht zum ersten Mal unter solchen Umständen. Er schien mir unterschiedlicher von mir denn je. Ich blickte zu ihm. Er saß auch auf dem Bett, die Stirn gegen seine Knien und die Arme um die Beine. Weinte er?
Eine lange Zeit verging. Ich hätte einschlafen sollen. Ich setzte mich widerwillig, um meinen Umhang und meine Schuhe auszuziehen. Der Andere lag krumm auf seinem Bett. Ich hatte den Eindruck, dass er schlief. Ich versuchte, so leise wie möglich zu sein, um ihn nicht zu stören.
Als ich mich wohler fühlte, zögerte ich einen Augenblick lang, was ich tun wollte. Sollte ich mich zuerst duschen? Zur Küche herunter laufen, um nach etwas essbaren zu suchen? Nein, das war verboten. Aber vielleicht wartete ein Tablett auf uns im Gemeinschaftsraum, da wir das Mittagessen verpasst hatten.
Mein Hunger gewann und ich richtete mich leise zur Tür. Ein Ächzen brach meinen Gang ab. Ich drehte mich zum Anderen, der einen Albtraum zu haben schien. Sollte ich ihn wecken? Bevor ich mich entscheiden konnte, setzte er sich schreiend auf sein Bett. Ich sprang auf und näherte mich ihm, um ihn zu fragen, was los war. Ich wurde mir dank seinen offenen aber trüben Augen dessen bewusst, dass er immer noch schlief, aber dass sein Traum nicht besonders erfreulich war.
Ich ergriff seine Schulter und schüttelte ihn.
„Eh, das ist nur ein Traum, wach auf."
Seine Augen blinzelten und er starrte mich noch etwas getrübt an. Dann verzog er das Gesicht und hob die Hand zu seiner Stirn.
„Er ist glücklich über das, was passiert ist!", sagte er. „Dieses Blutbad hat ihn amüsiert!"
„Eh? Über wen sprichst du?", fragte ich.
„Voldemort! Jetzt ist er froh."
„Das war nur ein Albtraum", sagte ich und versuchte, ihn zu beruhigen.
„Nein, das war real. Ich habe vergessen, meine Okklumentik zu üben, bevor ich eingeschlafen bin", sagte er mir.
„Deine was?"
Er starrte mich an, als zögerte er darüber, was er mir sagen würde, und seufzte schließlich:
„Meine Okklumentik. Meiner Narbe wegen sind Voldemort und ich miteinander verbunden, und manchmal empfinde ich seine Gefühle. Ich brauche dir nicht sagen, dass es zum Kotzen ist."
„Bitte nicht auf mich", erwiderte ich und wehrte mich mit schlechtem Humor.
Ich fühlte mich nicht dazu fähig, an jenem Tag noch anderen Abscheulichkeiten gegenüberzustehen.
„Ich vermute, dass du keinen Hunger hast", fuhr ich fort, denn ich war wohl entschlossen, in einer normaleren Welt wieder festen Fuß zu fassen.
„Doch!", antwortete er, als wäre er davon erstaunt, einer so normalen Empfindung noch untertan zu sein. „Ich verhungere. Wie spät ist es?"
„Fast vier Uhr Nachmittags. Ich hoffe, dass sie uns korrekt ernähren werden. Sonst gehe ich zur Küche herunter, egal ob verboten oder nicht. Würdest du mir deinen Umhang leihen?"
„Wenn du willst, aber sei dennoch vorsichtig", warnte er mich. „Snape weiß, dass ich einen habe und der Schulleiter sieht dadurch."
„Ist es der deines Dads oder ein anderer?", fragte ich.
„Der meines Dads. Dumbledore hat ihn mir gegeben. Ich weiß aber nicht, wie er ihn gekriegt hat."
„Das ist gut, dass er ihn dir zurückgegeben hat", schätzte ich, indem ich mich an meine Freude und an meinen Stolz erinnerte, als ihn mir Dad anfangs meines dritten Jahrs gegeben hatte.
„Ja, er nützt mir sehr", gestand er und es schien, dass es ihm wieder besser ging.
Ich ging zur Ausgangstür und stolperte gegen die Tüte, die ich hatte fallen lassen, als ich angekommen war. Es erinnerte mich an meine Einkäufe. Ich vergrub die Hand darin und zog ein kleines Päckchen raus.
„Hier", sagte ich zum Anderen und reichte es ihm. „Frohe Weihnachten!"
Er starrte mich an, aber anstatt den Arm zu strecken, um mein Geschenk zu nehmen, drehte er sich um und ließ mich bestürzt mit meinem Geschenk in der Hand. Er suchte in die Taschen seines Umhangs, der am Fußbett lag, und zog daraus eine Tüte. So verstört wie ich wahrscheinlich aussah, reichte er es mir linkisch und wir haben sie getauscht. Er hatte mir Schokofrösche geschenkt.
„Ich habe gedacht, dass du sie mögen würdest", sagte er offensichtlich verstört.
„Ich weiß", antwortete ich. „Ich habe das gleiche gedacht", bemerkte ich, als er die Schokofrösche entdeckte, die ich ihm gekauft hatte.
Wir bissen beide in unsere beliebteste Süßigkeit. Auch er fing mit den Hinterbeinen an.
*~*~*
Ein kaltes Essen wartete auf einem niedrigen Tisch des Gemeinschaftsraums auf uns. Sobald wir unser Essen beendet hatten, schien der Andere sehr nervös. Er ging im Raum auf und ab, schaute durchs Fenster, ging wieder zur Tür, als würde er zögern, das Ausgangsverbot zu übergehen. Dann ging er wieder zum Fenster, hin und zurück. Was mich betraf, hatte ich ein Buch mitgenommen, aber sein Hin- und Hergehen hinderte mich, mich auf das zu konzentrieren, was ich las.
Als ich ihm nach einer Stunde gebieten wollte zu sitzen, erschien ein Elf im Raum mit einem lauten Krach.
„Dobby!", rief der Andere aus und warf sich fast auf ihn. „Weißt du, was draußen passiert? Sind Leute gestorben? Konnten die Auroren eingreifen?"
„Harry Potter, Sir! Dobby ist froh, dass es Harry Potter gut geht. Dobby war sehr besorgt, als er erfahren hat, dass Harry Potter heute ausgegangen war. Aber jetzt ist Dobby beruhigt. Es geht Harry Potter gut. Und Harry Potters Cousin auch!"
„Dobby, was ist die Bilanz des Angriffs?", fragte der Andere scharf.
„Dobby darf nicht mit Harry Potter reden", antwortete das Geschöpf und rang die Hände. „Der Lehrer, der nach Schwefel und Johanniskraut riecht hat viel deswegen gedrängt. Und mit seinen bösen Augen hat er Dobby und Winky sehr erschrocken! Aber dank Harry Potter ist Dobby ein freier Elf", fuhr der Elf fort, indem er sich stolz erhob. „Also darf Dobby sagen, was er will. Er braucht sich nicht einmal danach zu bestrafen", behauptete er, obwohl sein Ton nun dennoch zögernd war.
Ein Elf, der von meinem Doppelgänger befreit worden war? Tatsächlich trug er Kleidung. Tja, wenn man die drei schlecht gestrickten Mützen, die auf seinem Kopf schief standen, die ungleichen Socken, die seine Füße schmückten, und den bonbonrosa Lendenschurz, der mit dem Rest völlig unpassend wirkte, als Kleidungsstücke betrachten konnte.
„Nun!", drängte ihn der Andere.
„Es tut Dobby Leid, dass er Harry Potter Kummer verursacht, aber heute in Hogsmeade sind drei Leute gestorben. Dobby verabscheut die Todesser, selbst wenn er sie mit Ehre bei seinem ehemaligen Herrn empfangen musste. Dobby ist sehr froh, dass er befreit wurde."
„Und natürlich wurde kein Todesser verhaftet", sagte der Andere mit einer finsteren Stimme, ohne den Abschweifungen des Geschöpfs Aufmerksamkeit zu schenken.
„Nein, Harry Potter, Sir", antwortete der Elf mit einer reuevolle Stimme. „Dobby ist sehr traurig, dass er Harry Potter, Sir, Kummer verursacht. Dobby wird sich trotzdem bestrafen."
„Lass es sein", seufzte mein Doppelgänger. „Sind heute keine anderen Angriffe geschehen?"
„Nicht, dass Dobby wüsste. Aber Dobby kann versuchen, sich zu erkundigen, wenn ihn Harry Potter, Sir, danach fragt."
„Nein, Dobby. Ich will nicht, dass du meinetwegen Probleme hast. Wenn du aber im Laufe der nächsten Tage etwas hörst, so sagst du es mir, einverstanden?"
„Harry Potter, Sir, kann auf mich zählen. Wie ich es Winky immer sage, was wäre aus Dobby ohne Harry Potter geworden?"
„Danke, Dobby. Und ich verbiete dir, dich in die Ohren zu kneifen oder etwas Ähnliches."
„Danke, Harry Potter. Harry Potter ist zu Dobby so freundlich!"
Der Andere brauchte noch zehn Minuten, bevor er das kleine grüne Geschöpfs loswerden konnte. Ich war von seiner Freundlichkeit und seiner Geduld zugunsten des haarigen Wesens erstaunt. Natürlich misshandelten wir unsere Elfen zu Hause nicht, aber ich hatte ihnen nie wirklich Aufmerksamkeit geschenkt, da ich sie längst nicht mehr für sehr interessant hielt. Ich fragte mich, wie mein Doppelgänger dazu geführt worden war, jenen zu befreien, und vor allem, wer seine Besitzer sein könnten, die mit Todessern so sehr befreundet waren.
Als wir uns wieder alleine befanden, fuhr er seine finsteren Gedankenwege fort, ohne ein Kommentar auszusprechen. Da er sich aber in einen Sessel hatte fallen lassen, konnte ich weiter lesen.
*~*~*
Am nächsten Morgen frühstückten wir in unserem Gemeinschaftsraum, als ein drängendes Klopfen unsere Aufmerksamkeit zum Fenster lenkte. Eine kleine aufgeregte Eule versuchte, einzufliegen. Der Andere sprang von seinem Stuhl und rief aus:
„Das ist Pig!"
Ich brauchte einige Sekunden, um mich daran zu erinnern, dass es der Name von Rons Eule war. Zuerst wurde ich mürrisch, da ich die Stunde der Briefausteilung nicht besonders mochte: über die schlechten Nachrichten, die Hermines Tagesprophet brachte, hinaus, deprimierte es mich zu wissen, dass es keine Chance gab, dass ich wie gewöhnlich von meiner Mum etwas kriegte.
Als der Andere sich mit Schwierigkeiten darum bemühte, das aufgeregte Geflügel zu ergreifen, das überall im Raum hin- und herflog, flog eine weiße Eule durch das immer noch offene Fenster.
„Das ist Hedwig", ließ der Andere, der gerade die Pergamente, die Pig gebracht hatte, entband, zu mir verlauten. „Ich habe sie Hermine anvertraut, damit wir miteinander kommunizieren können. Hedwig, flieg zu Simon!"
Die schöne Eule reichte mir gefällig das Bein. Ich wurde mir mit Erstaunen bewusst, dass eines der Pergamentstücke meinen Namen trug. Der Andere gab mir ein anderes und sagte:
„Nimm, das ist für dich!"
Mir wurde es im Herzen wärmer, als ich mir dessen bewusst wurde, dass Ginny und Hermine an mich geschrieben hatten. Beide hofften, dass ich eine gute Weihnachtsfeier verbracht hatte, und wünschten, dass der Rest meiner Ferien angenehm passieren würde. In keinem der beiden Briefe war eine Anspielung auf die Ereignisse von Hogsmeade. Die Eulen waren wahrscheinlich weggeflogen, bevor die Nachricht verbreitet wurde.
Wir brachten einen großen Teil des Morgens damit zu, unseren Freunden zu antworten. Nachdem die Briefe von den Eulen weggebracht worden waren, sagte der Andere:
„Ich habe Ron erklärt, dass wir Ausgangssperre haben und ich habe ihn darum gebeten, uns schnellstmöglich Pig zurückzuschicken. Ich habe auch Hermine darum gebeten, uns jeden Tag den Tagespropheten zu schicken, nachdem sie ihn gelesen hat. Wir können nicht auf die Lehrer zählen, um uns über das zu benachrichtigen, was draußen passiert!", schloss er mit einem bitteren Ton. „Ich vermute, dass uns Dumbledore mehr sagen würde", fügte er dennoch hinzu. „Aber er soll mit Arbeit völlig überhäuft sein."
Da wir keine andere Beschäftigung hatten, haben wir unsere Aufgaben geschrieben. Wir haben uns nicht an denselben Tisch gesetzt, aber wir sind nah genug aneinander geblieben, dass wir miteinander reden konnten, ohne laut sprechen zu müssen.
Als uns das Mittagessen vom freien und redlichen Elf gebracht wurde, war unsere Zauberkunstaufgabe schon fast fertig. Am Nachmittag half ich dem Anderen, seine Zaubertränkenaufgabe zu schreiben, und wir hatten vor, am nächsten Tag unsere Verwandlung zu schreiben.
Am Tag danach waren all unsere schriftlichen Aufgaben fertig und wir haben entschieden, mit der Praxis zu beginnen. In Zauberkunst haben wir geübt, kleine Objekte erscheinen zu lassen. Das war eine schwierige Übung und wir brauchten unsere ganze Konzentration, um es zu schaffen. Doch war es sehr stimulierend, zu zweit zu arbeiten und wir haben im Laufe des Nachmittags viele Fortschritte gemacht.
„Machen wir Schluss?", schlug der Andere vor, da es der Abend wurde. „Ich kann es heute nicht mehr ausstehen."
„Gute Idee", antwortete ich. „Ich habe nie außerhalb der Schulzeit so sehr gearbeitet."
„Dann sieht man, dass du nie mit Hermine gearbeitet hast", kommentierte er lächelnd. „Weißt du, was sie mir letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hat? Einen Taschenkalender, der mir sagte, welche Aufgaben ich schreiben und was ich revidieren musste. Am Ende des Jahrs wiederholte er stets 'Sie sind bei Ihren Revisionen verspätet'. Das ist dumm, ich habe ihn Ende Juni im Hogwarts Express vergessen."
Ich lächelte und wir haben uns einander unsicher angesehen. Seit zwei Tagen sprachen wir über nichts als Schularbeit. Er schien zu zögern, dann fragte er mich:
„Spielst du gerne Schach?"
„Ja, gerne", antwortete ich. „Hast du ein Schachspielbrett?"
„Nein, aber ich glaube, dass Ron seins hier gelassen hat. Sonst nehmen wir Seamus'."
Er stieg zum Schlafsaal hinauf und kam mit einem Spiel herunter. Wir brauchten nicht lange, bis wir uns bewusst wurden, dass ich viel besser war als er. Er hatte das gleiche Niveau wie meine Schwester Rose, die bald elf würde.
„Spielst du seit langer Zeit?", fragte er mich offensichtlich verdrießlich, als ich einen seiner Angriffe blockierte.
„Ja, mein Dad hat mir beigebracht, als ich noch ein Knabe war", erklärte ich ihn. „Ich spiele auch oft mit Remus. Und du?"
„Ron hat es mir gezeigt, als ich hier als Erstklässler angekommen bin. Ich hatte vorher kein Zauberschach gesehen. Auch nie Muggelschach gespielt, übrigens. Das ist nicht das Ding meines Onkels und meiner Tante. Sie sollen es nicht als normal betrachten, Stunden lang zu überlegen."
Das war das erste Mal, dass er die vor mir erwähnte, die ihn erzogen hatten, aber ich wusste dank Hermine und Ginny, dass sie sich ihm gegenüber schlecht verhalten hatten. Inzwischen war er finsterer geworden und schaute träumerisch durch das Fenster.
„Du bist dran", erinnerte ich ihn.
Er konzentrierte sich wieder auf das Spiel und wir spielten still weiter, bis ich ihn Schachmatt setzte.
*~*~*
Am nächsten Morgen kamen Pig und Hedwig mit viel Post. Es waren Briefe und die Tagespropheten der letzten drei Tage. Der Andere stürzte sich darauf, und ich las über seine Schulter.
In der Zeitung des vorigen Tags wurde über drei Toten und etwa zehn Verwundete, darunter zwei schwer, in Hogsmeade berichtet. Verschiedene Behauptungen kamen vom Ministerium, aber ich schätzte, dass es nur leere Worte waren. Demzufolge waren die Todesser wegappariert, sobald die Auroren eingegriffen hatten, und keiner war gefangen worden. Offensichtlich brauchten die Auroren eine halben Stunde, um dorthin zu gelangen, was den Tätern weit genug Zeit gelassen hatte, damit sie Durcheinander und Verwüstung verursachen konnten.
Zeilen waren mit wütenden Zügen und roter Tinte unterstrichen. Das war der Teil, der Madam Rosmertas Interview berichtete, in dem sie die Anwesenheit in ihre Kneipe von Harry Potter, der von einem Jungen begleitet war, der ihm sehr ähnelte, enthüllte. Der Journalist fragte sich ängstlich, ob der Junge, der lebt, von den Todessern entführt worden war und ob die Operation nicht mit dem einzigen Ziel organisiert worden war, ihn zu fangen.
„Sieh mal, man wird sagen, dass ich an all dem Schuld bin", murrte Harry. „Und ich wette darauf, dass mich Hermine in ihrem Brief ausschimpft!"
Es war der Fall, wenn ich mich nach seinem mürrischen Blick richten konnte, als er das Pergament durchlas, das die Zeitungen begleitete.
„Das ist auch für dich", präzisierte er, indem er es mir gab.
Ich las die moralisierende Empörung unserer Freundin durch. Der Brief, der von den Weasleys kam, schien dem Anderen nicht viel mehr zu gefallen.
„Molly hat auch den Tagespropheten gelesen", seufzte er. „Willst du wissen, was sie sagt?"
„Wenn es das gleiche ist, dann glaube ich, dass ich die generelle Idee verstanden habe", lehnte ich ab.
Er nahm das letzte Pergamentstück, das ihn endlich lächeln ließ.
„Ron fragt mich, ob das Butterbier gut war. Er verspricht mir, so oft wie möglich an mich zu schreiben. Wir müssen ihm Pig zurückschicken, weil Errol, ihre andere Eule, etwas langsam ist."
„Nichts von Ginny?", fragte ich, um ihn zu sticheln. „Du musst enttäuscht sein."
„Und schreibt Lavender nicht an dich?", erwiderte er mir.
„Oh, Mensch!", rief ich aus. „Ich habe völlig vergessen, an Lavender zu schreiben. Ich habe ihr für ihr Geschenk nicht mal gedankt. Glaubst du, sie wird mir vergeben, wenn ich ihr sage, dass wir wegen des Angriffs keine Eule schicken durften?"
Der Andere zuckte mit den Schultern, als würde er die Antwort nicht kennen oder darauf pfeifen. Er ergriff ein Pergamentstück, um seinen Freunden zu antworten, und ich tat das gleiche, um mich bei Lavender zu entschuldigen. Ich profitierte davon, um Molly Weasley einen Dankbrief für den Pulli und den Kuchen zu schreiben. Als wir aber unsere Briefe schicken wollten, wurden wir uns dessen bewusst, dass wir nicht genug Boten hatten. Wir trafen die Entscheidung, Pig zu den Weasleys und Hedwig zu Hermine zurückzuschicken und auf Dobbys Rückkehr um Mittag zu warten, um ihn darum zu bitten, zur Eulerei hinauf zu gehen, um die Meldung zu meiner festen Freundin zu schicken. Der Elf schien davon begeistert zu sein, Harry Potters Cousin diesen Dienst zu erweisen.
Am Anfang des Nachmittags schlug der Andere vor, dass wir für unseren Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste praktisch üben. Ich verstand, dass er wollte, dass ich trainierte, mich gegen die Angriffe ein bisschen besser zu wehren. Es stimmte, dass ich mich drei Tage vorher besonders wenig ausgezeichnet hatte. Ohne seinen Eingriff wäre ich getötet worden.
Ich stieß diesen unangenehmen Gedanken fest beiseite und nahm das an, was er mir anbot. Mein Dad hatte mir beigebracht, über meine vergangenen Irrtümer nicht zu lange zu verweilen und mich nur darauf zu konzentrieren, sie nicht zu wiederholen.
Ich bemerkte mit Erstaunen, dass er ein sehr guter Lehrer war. Er wusste, mich zu ermutigen, und ließ mich dabei auch wieder und wieder üben, bis Fortschritte bemerkbar wurden. Ich verbesserte also mein Protego und mein Expelliarmus sehr. Wenn ich je nach Hause zurückkehren würde, würde es meine Umgebung nicht glauben.
*~*~*
„Ich würde meinen Stuporfluch und meinen Patronus gerne üben", vertraute ich dem Anderen an, als wir neben dem Kamin das Abendessen einnahmen.
„Das Problem des Stuporfluches ist, dass ich dein Versuchskaninchen sein müsste, was nicht sehr angenehm ist", antwortete er mir. „Was den Patronus betrifft, ist es ein sehr persönliches Training. Du musst eine glückliche Erinnerung finden und dich darauf konzentrieren."
„Kannst du es seit langer Zeit heraus beschwören?", fragte ich ihn etwas neidig.
„Remus Lupin ist es, der es mir während meines dritten Jahrs beigebracht hat. Er war ein Jahr lang unser Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Ich musste dringend erfahren, wie man sich gegen Dementoren wehrt, denn ich hatte sehr schlechte Reaktionen, wenn ich in ihrer Nähe war."
„Zum Glück sind nicht viele in der Gegend da."
„Dann waren sie ständig in der Nähe", setzte er mir entgegen. „Sie sollten Hogwarts bewachen, weil Sirius aus Azkaban geflohen war und jeder glaubte, dass er mich töten wollte."
„Ich kann nicht glauben, dass man so etwas geglaubt hat!", rief ich aus.
Der Andere zuckte mit den Schultern und erklärte mir:
„Jeder dachte, dass er der Geheimniswahrer meiner Eltern war. Niemand hatte sich vorgestellt, er hätte Pettigrew damit beauftragen können, es an seiner Stelle zu werden, und dass nicht er der
Verräter war."
„Warum brauchten deine Eltern einen Geheimniswahrer?", erstaunte ich mich.
Ich wollte überhaupt nicht über Peters Verrat reden. Für mich war es zu verstörend. Er seufzte und blieb einen Moment lang still, mit dem Blick ins Leere. Ich dachte, dass er mir nicht antworten würde, als er sich entschloss:
„Vor meiner Geburt wurde eine Prophezeiung ausgesprochen. Sie zeigte, dass ein Kind, das einige Monate später geboren werden sollte, die Macht haben würde, den Dunklen Lord zu töten. Wir waren zwei, die wir dieser Weissagung entsprachen, also wurden die beiden Familien besonders geschützt."
„Das heißt, dass du es bist, der Du Weißt Schon Wen... wirst töten müssen?", fragte ich und war nicht sicher, dass ich richtig verstanden hatte.
„Genau", seufzte mein Doppelgänger.
„Aber... und der Andere, der auch entsprach?"
„Er entspricht nicht mehr. Die Prophezeiung sprach von einem Zeichen, mit dem der Dunkle Lord den beladen sollte, der ihn bekämpfen würde. Ich bin es, der es jetzt trägt."
Und mit dem Finger zeigte er seine berühmte Narbe.
„Und weiß jeder, dass du Du Weißt Schon Wen töten wirst?", fragte ich.
„Erstens bin ich nicht sicher, dass ich es schaffen kann. Und dann wissen zum Glück wenige Leute Bescheid. Voldemort weiß es, Dumbledore auch. Ich habe auch mit Ron und Hermine darüber gesprochen... und mit dir."
Wir sind einen Moment lang sitzen geblieben, ohne zu reden. Das war verrückt. Wie konnte er hoffen, den Dunklen Lord zu besiegen? Selbst wenn er ein Ass in Verteidigung gegen die dunklen Künste war, war er ich, oder? Und ich stellte mir nicht vor, ich könnte diesen schwarzen Magier besiegen. Es sei denn, dieser sei unterschiedlich von jenem, der in meiner Welt vor meiner Geburt gewütet und die Generation meiner Eltern erschrocken hatte. Aber auch hier erschreckte der schreckliche Charakter die Zauberergemeinschaft und schien furchtbar.
Ich betrachtete den Anderen, der sein Essen mit dem Ende seiner Gabel hin- und herbewegte und offensichtlich keinen Appetit mehr hatte. Hatte er Angst? Zweifellos. Seine Kaltblütigkeit hatte mich einige Tage früher während des Angriffs beeindruckt aber jetzt... Ich überlegte, dass ich so einen Druck nicht hätte ertragen können. Aber war er wirklich mein Doppelgänger?
„Glaubst du, dass ich und du die gleiche Person sind?", fragte ich ihn schließlich.
Es zog ihn aus seinen Gedanken.
„Das hat Dumbledore gesagt, oder?", antwortete er.
„Er schien aber über den Parallelwelten nicht viel zu wissen."
„Was denkst du darüber?", fragte er mich. „Denn immerhin bist du der Einzige, der zwischen hier und bei dir zu Hause vergleichen kann."
„Nun... Manchmal ist die Ähnlichkeit so groß, dass ich den Eindruck habe, dass ich nicht weggegangen bin. Aber an anderen Momenten... Die Leute reagieren anders, wir haben Du Weißt Schon Wen nicht... Ich stelle die Idee nicht in Frage, dass wir aus Welten sind, die sich ähneln, aber ich finde dich ja doch sehr unterschiedlich von mir. Einverstanden, physisch sehen wir genau gleich aus, aber was den Rest betrifft..."
„Wir sind beide bei Gryffindor", ließ er bemerken.
„Das stimmt", gab ich zu.
Er schien, von einer Idee wie vom Schlage gerührt zu werden.
„Hat dir auch der Sprechende Hut Slytherin vorgeschlagen?", fragte er mich.
„Slytherin? Natürlich nicht", antwortete ich schockiert. „Du meinst, dass er dir..."
Er nickte.
„Dann sind wir unterschiedlich", schloss ich.
„Nach Hermine nicht so sehr", entgegensetzte er mich. „Sie sagt, dass unsere Kindheit radikal anders genug war, dass wir auf verschiedene Weise reagieren, ohne dass es einen tiefen Unterschied zwischen unserer beiden Persönlichkeiten beweist."
Also hatten er und Hermine hinter meinem Rücken von mir gesprochen. Ich fühlte mich ein bisschen gekränkt. Hatte Hermine nur mit mir verkehrt, um zu beurteilen, ob ich ihm ähnlich war? Sie musste sich um ihn Sorge machen. Sich fragen, ob meine Anwesenheit keine neue Prüfung war, die seinen anderen Sorgen hinzugefügt werde. Letztendlich war ich ihr gleichgültig. Der Andere war es, der für sie zählte.
Ich raffte mich auf. Das war logisch, oder? Sie kannte mich nur seit einigen Wochen, während der Andere seit Jahren ihr Freund war. Sie hatten sogar einen Troll zusammen bekämpft. Ich sollte mich ja wirklich einsam fühlen, dass ich wissen wollte, ob sie sich um mich Sorgen machte.
„Wie sind sie... deine Eltern?", fragte mich der Andere und stotterte ein wenig.
„Was willst du wissen?"
„Ob sie wie meine sind."
Ich sah ihn verständnislos an. Er sollte nicht viele Erinnerungen an sie haben, wenn sie gestorben waren, als er nur ein Jahr alt war.
„Ich meine... ihre Jugend, ihre Freunde...", präzisierte er. „Haben wir die gleiche Familie? Ist Voldemort unser einziger Unterschied?"
„Was weißt du von deinen Eltern?", fragte ich und wusste nicht wirklich, womit ich anfangen konnte.
„Tja, sie haben sich hier getroffen. Sie waren nicht sehr miteinander befreundet, als sie Fünftklässler waren. Sie sind während ihres siebten Jahrs zusammen gegangen. Die Rumtreiber, der Umhang, die Karte, Snivellus, Sirius, der mit sechzehn zu meinem Dad geflohen ist, die Spaziergänge am Mondlicht mit Remus in ihren tierischen Formen..."
Er hörte auf und es tat ihm offensichtlich Leid, nicht mehr über sie sagen zu können.
„Warte!", fuhr er plötzlich fort. „Ich werde mein Fotoalbum holen."
Er lief zum Schlafsaal hinauf und kam mit einem dicken Album herunter, das er mir etwas feierlich anvertraute. Zweifellos war dieses Büchlein für ihn höchst wertvoll.
Ich bemerkte mit Erstaunen, dass ich alle Fotos kannte. Ich hatte sie zahlreiche Male bei uns, bei Sirius, Peter und Remus zu Hause gesehen. Und man hatte mir hundert Male erzählt, unter welchen Umständen sie aufgenommen worden waren. Ich fing an, dem Anderen alles zu sagen, was ich wusste.
Wir haben die ganze Nacht lang gesprochen.
Danke an YamiTai und danke an meine Reviewer. Nächster Kapitel in etwa 2 Wochen.
