Hallo an alle! Hier ist die Fortsetzung meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: L'Autre. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.
Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich gewinnen Alix und ich nichts damit.
Spoilers: Die ersten fünf Bände von Harry Potter.
Anmerkung des Übersetzers: Wegen des Verbots werde ich auf dieser Seite nicht auf die Reviews antworten. Wenn ihr eine Antwort kriegen möchtet, sollt ihr euch einloggen beziehungsweise auf meinem Profil unter 'My Forums' schauen.
Der Andere:
Kapitel 5: Gespräch
Während dieser langen Nacht haben wir unsere Leben und die unserer Eltern verglichen. Alles war etwas ungeordnet, je nach unseren Ideenfolgen und den Fragen, die wir einander stellten.
Es schien, dass Lily und James Potters Jugend in den beiden Welten die gleiche gewesen war. Der Andere wusste weniger darüber als ich. Aber alles, was ich ihm enthüllte, entsprach dem Wenigen, das ihm die Freunde seiner Eltern erzählt hatten.
Seinerseits erzählte er mir von einer Szene aus James' fünftem Jahr, die vor mir nie erwähnt worden war. Aber sie war für Letzteren nicht wirklich vorteilhaft und es war nicht unmöglich, dass sie in meiner Welt existiert und er darüber nicht geprahlt hätte. Außerdem zeigte sie ziemlich gut den Ursprung des Grolls, der zwischen ihm und Severus Snape existierte.
Mein Doppelgänger erzählte mir wieder von der Prophezeiung. Die berühmte Prophezeiung. Ich verstand, wie sehr sie sein Leben geändert hatte. Und wie sehr ihn das erschreckte, was sie implizierte. Ich war erstaunt, dass es Trelawney war, die sie ausgesprochen hatte.
„Trelawney? Spricht sie richtige Prophezeiungen aus?", erstaunte ich mich.
„Nicht oft aber es passiert ihr manchmal", versicherte er mir. „Sie hat ein Mal eine vor mir ausgesprochen. Aber es stimmt, dass sie den Rest der Zeit Dummheiten erzählt. Lehrt sie auch bei dir?"
„Ja, aber ich habe Wahrsagen nicht gewählt. Meine Mum hat darauf gedrängt, dass ich stattdessen Arithmantik wähle."
„Das ist komisch!"
„Was ist komisch?"
„Dumbledore hat mir gesagt, dass er sie nicht einberufen wollte. Nur nach ihrer Weissagung hat er sie lieber in Hogwarts, in Sicherheit, behalten wollen", erklärte er mir.
„Warum hat er sie also in meiner Welt einberufen?", fragte ich.
„Genau diese Frage stelle ich mir. Vielleicht gibt es einen anderen Grund", versuchte er.
„Vielleicht hat sie eine andere Weissagung gesagt", ließ ich verlauten.
„Oder die gleiche, die nur nicht verwirklicht wurde", schlug er vor.
„Vielleicht sprach sie von dem, der Du Weißt Schon Wen in meiner Welt gefangen hat", fuhr ich fort.
„Wann wurde er gefangen?", fragte er.
„Am 31. Oktober 1981", antwortete ich.
Meine Antwort ließ ihn sich in Gedanken vertiefen.
„Vielleicht wollte er gerade deine Eltern töten", vermutete er.
„Er hatte keinen Grund zu versuchen, sie zu töten, wenn die Prophezeiung nicht um mich ging", setzte ich dem entgegen.
Er schüttelte verärgert den Kopf.
„Bist du sicher, dass du nie von einer Weissagung gehört hast?", drängte er.
„Sicher. Aber das heißt nicht, dass sie nicht existiert", gab ich zu. „Man hätte sie vor mir, wie vor dir, verbergen können. Immerhin kann sie nicht aussagen, dass ich den Dunklen Lord töten soll, denn es ist in meiner Welt unmöglich. Jetzt, da er in Azkaban ohne seine Seele sitzt, ist er nicht mehr gefährlich. Übrigens ist er vielleicht längst gestorben."
Wir haben das Thema verlassen, weil wir nichts mehr darüber zu sagen wussten. Er erzählte mir genau, was am 31. Oktober 1981 geschehen war. Als ich ihn fragte, wie er die Details kennen konnte, gestand er mir mit einem gefälscht lockeren Ton, dass er die ganze Szene in seinem Kopf wieder hörte, wenn er sich in der Nähe von Dementoren befand. Das Mitleid, der mich ergriff, als ich diese Enthüllung hörte, ließ mich fast atemlos. Ich wandte schnell den Blick ab, damit er sich dessen nicht bewusst werden konnte und davon gekränkt oder verstört wurde.
Glücklicherweise fuhr er sehr schnell mit den Unterrichtsstunden fort, die ihm Remus gegeben hatte, als er erfahren musste, wie man einen Patronus heraufbeschwört. Er fragte mich, was das Leben unseres Freundes in meiner Welt war, und es erfreute ihn sehr, als ich ihm von seiner schlichten Karriere im Ministerium in der Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfeerzählte. Natürlich betrachteten ihn manche seiner Kollegen als kaum menschlicher als die Trolle oder die Dementoren, die er kontrollieren musste, aber andere hatten ihn kennen und mögen gelernt.
Nein, er war nicht verheiratet. Ich hatte darüber ein Gespräch zwischen meinen Eltern belauscht. Mein Dad bedauerte, dass sein Freund seinen Zustand als jede Idee einer Hochzeit oder sogar einer festen Beziehung verhindernd betrachtete. Ich hatte geglaubt zu verstehen, dass die beiden Freunde viele Gespräche über das Thema gehabt hatten, aber offensichtlich hatte mein Dad Remus nie überzeugen können.
Von Sirius zu reden war für den Anderen sehr peinlich. Aber er drängte, dass ich ihm so viel wie möglich über die Frau meines Patenonkels, Antje, und über ihre Tochter, Alys, erzählen sollte. Er fragte mich mehrmals, ob er glücklich war, und ich bejahte.
Er fragte mich dann, ob er Grimmauld Place bewohnte. Ich verstand nur, worüber er sprach, als er präzisierte, dass es das alte Haus der Blacks war. Ich teilte ihm mit, dass mein Sirius das Haus seiner Eltern nach dem Tod seiner Mum verkauft hatte, ohne je wieder dorthin zu gehen.
Mein Doppelgänger erwähnte für mich seine Zeit in diesem Haus der Abscheulichkeiten und endete damit, indem er erzählte, unter welchen Umständen Sirius gestorben war. Die Worte kamen nur mit Mühe heraus. Es war wie eine Beichte und ich spürte, dass es zwar für ihn sehr schwierig war, diesen Tag zu erwähnen, dass er aber darüber reden musste.
Selbst wenn seine Erzählung die verschiedenen Verantwortungen erscheinen ließ, die zu diesem Ergebnis geführt hatten – die Lüge des Elfs, die Okklumentikstunden, die Snape sabotiert hatte, Dumbledores Schweigen – betrachtete er dennoch sich selbst als denjenigen, der für den Tod seines Patenonkels am meisten verantwortlich war. Er war es, der die schlechte Entscheidung getroffen hatte, der den Anweisungen der Erwachsenen nicht gehorcht hatte und der Hermine nicht zugehört hatte. Außerdem hatte er seine Freunde in Lebensgefahr gebracht.
„Sie mussten dir ja nicht folgen", bemerkte ich. „Wenn sie mitgekommen sind, so heißt es, dass sie mit deiner Erwägung der Lage einverstanden waren."
„Genau das nicht. Hermine hat versucht, mich davon abzuhalten."
„Ein noch besserer Grund, um das nicht zu denken. Du kannst dich nicht als verantwortlich für die Entscheidungen der Anderen fühlen. Immerhin sind sie nicht nur an deiner Seite, um dir zu gefallen. Wenn du verlierst, sind auch sie in einer schlechten Lage."
„Vielleicht, aber Sirius würde immer noch leben, wenn ich nicht zum Ministerium gegangen wäre!"
„Was weißt du darüber? Und wer weiß, was Er, den man nicht nennen darf, sich vorgestellt hätte, damit du dahin gehst, wenn diese Taktik erfolglos gewesen wäre. Er hätte vielleicht Ron oder Hermine entführt und sie wären es gewesen, die gestorben wären."
„Du willst, dass ich mich darüber freue, was Sirius geschehen ist?"
„Ich lasse dich nur bemerken, dass es dumm ist, wenn du dich für alles verantwortlich fühlst. Es sind im Krieg, den meine Eltern vor meiner Geburt geführt haben, Leute gestorben. Es werden in deinem welche sterben. Du kannst nichts dagegen tun."
Er zuckte mit den Schultern und wollte offenbar unser Gespräch über dieses Thema nicht weiter führen. Ich änderte also das Thema:
„Ich weiß, dass Ginny zäh ist und ich habe Ron und Hermine im Unterricht für Verteidigung gegen die dunklen Künste gesehen. Aber ich habe Schwierigkeiten, mir Neville und Luna vorzustellen, die gegen Todesser kämpfen."
Er erzählte mir dann von der DA, diesem heimlichen Verteidigungsunterricht, die er im vorigen Jahr gegeben hatte, und ich verstand, wo seine Fähigkeit zu lehren herkam.
Wir haben dann die Persönlichkeit unserer Freunde verglichen.
„Wie ist Luna bei dir?", fragte er mich.
„Wie hier. Grillenhaft, bizarr und mit Ginny befreundet", antwortete ich. „Ich liebe ihre Kommentare. Manchmal erfinde ich verrückte Dinge und spreche mit ihr darüber. Eines Tages habe ich ihr eine Geschichte erzählt, die von einem Muggelfantasybuch inspiriert war, das meine Mum für Rose gekauft hatte. Ich habe alles einen Monat später im Klitterer mit vielen unerhörten Details wieder gefunden. Mein Dad ist in lautes Gelächter ausgebrochen, als ich es ihm erzählt habe."
„Das stelle ich mir gerne vor", schätzte er und lächelte auch.
Ich habe ihm dann meinen eigenen Neville beschrieben: viel selbstsicherer als der, der hier lebte, trocken scherzend, beliebt. Zuerst schien mein Doppelgänger Schwierigkeiten zu haben, mir zu glauben. Dann gab er zu, dass die Art und Weise, wie ihn seine Großmutter erzogen hatte, ihm wahrscheinlich nicht geholfen hatte, sein ganzes Potential zu zeigen. Ich fragte ihn, was den Eltern meines Freundes geschehen war und, nachdem er einen Augenblick lang gezögert hatte, sagte er es mir. Ich verspürte noch ein Mal ein tiefes Mitleid und ich las in den Augen meines Doppelgängers das Abbild von dem, was ich empfand.
Wir haben lange über Ginny geredet. Es gefiel ihm und ich war auch sehr neugierig, meine beste Freundin besser zu kennen. Er erzählte mir, was sie während ihres ersten Jahrs erlitten hatte. Ich war erschüttert zu erfahren, dass sie das Opfer eines Echos von Du Weißt Schon Wem gewesen war. Trotzdem schätzte ich, dass sie der, die ich kannte, ziemlich ähnlich geblieben war. Wie in meiner Welt war sie eine weibliche Fassung ihrer Zwillingsbrüder.
Er fragte mich, wie die Zwillinge bei mir zu Hause waren. Sobald ich meine Beschreibung beendet hatte, versicherte er mir, dass sie hier genau so waren. Ich nutzte dies, um ihn zu fragen, wie sie das Geld gefunden hatten, um ihren Laden zu eröffnen. Ich spürte, dass er zögerte, aber er gestand mir ziemlich bald, dass er es war, der er ihnen das Geld gegeben hatte. Es überraschte mich. Obwohl ich den Zwillingen sehr nah war, hatte ich nie gedacht, dass sie solche Projekte haben könnten, wenn man ihnen das Geld dafür geben würde. Sie hatten mir ihren Willen anvertraut, ihre Produkte durch Zonko zu verkaufen, und ich hatte nicht weiter darüber nachgedacht, während mir die Aktivitäten meines Dads die Idee hätten geben sollen. Mich schämend fragte ich meinen Doppelgänger, wie er dazu geführt worden war, ihnen dies vorzuschlagen.
So fing er an, mir von dem Trimagischen Turnier zu erzählen.
Ich war von seiner Leistung bei den Aufgaben beeindruckt, aber es war nichts verglichen mit dem, was er danach erlebt hatte. Ich war von der Erzählung von dem, was im Friedhof passiert war, wie vom Schlage getroffen. Er hatte einen unpersönlichen Ton angenommen, als wäre er es nicht, der diese schreckliche Prüfung erlitten hatte. Doch konnte nichts die Abscheulichkeit der grausigen Wiedergeburt des Dunklen Lords, der drei Unverzeihlichen, die gegen meinen Doppelgänger gesprochen worden waren, der Gespenster, die aus dem Zauberstab ihres Mörders auskamen, noch Diggorys plötzlichen Todes vermindern.
Von all diesen Grausamkeiten bestürzte mich der Mord, den Peter begangen war, am meisten, da der Mörder in meiner Welt der Freund meines Dads, ein Erwachsener war, dem ich immer vertraut hatte. Bis zu diesem Augenblick hatte ich es geschafft zu verdrängen, dass er hier meine Eltern an Voldemort verraten hatte. Vielleicht hatte ich mich tief in mir davon überzeugt, dass er keine Wahl gehabt hatte, dass man ihn dazu gezwungen hatte, das Geheimnis zu enthüllen, dessen Wahrer er gewesen war. Doch zwang mich die Tatsache, dass ich erfahren hatte, dass er einen Jugendlichen kaltblütig ermordet hatte, dazu, seine schwarze Seite zu gestehen. Hinter dem freundlichen Peter gab es ein hinterhältiges Wesen, das zum gemeinsten Frevel fähig war, um seinem Herrn zu gefallen.
Der Andere fragte mich, was Peter in meinem eigenen Leben geworden war. Ich fühlte mich unwohl, als ich ihm sagte, dass er meine Eltern immer noch regelmäßig traf und dass er in einem der Tierladen in der Winkelgasse arbeitete. Er verstand sich gewöhnlich gut mit den Tieren. „Auch mit den Katzen?", hatte der Andere spöttisch gefragt, wahrscheinlich eine Anspielung auf seine Animagusform. Dann fragte er mich, ob Peter verheiratet war. Nein, er war es nicht aber lebte seit mehreren Jahren mit der selben Frau.
„Ein ganz schön ruhiges Leben!", hatte der Andere, der immer so bitter war, wenn es um ihn ging, ironisch gesagt.
„In diesem Leben hat er nichts Böses getan", antwortete ich und verteidigte pervers das Unverteidigbare.
„Du weißt nichts davon", erwiderte er mir. „Und bis zur Prophezeiung sind unsere Eltern in beiden Welten genau die gleichen, oder? Und wahrscheinlich er auch. Unter den gleichen Umständen hätte er also die gleichen Wahlen getroffen. Diese verfluchte Ratte ist korrupt!"
„Du brauchst dich nicht so sehr zu ärgern!", bemerkte ich. „Immerhin ist er nicht in deiner Welt. Du hast schon genug damitzu tun, dich um den Deinigen zu kümmern."
„Das stimmt", murrte er. „Wenn ich ihn das nächste Mal treffe, dann werde ich ihn ein für allemal fertig machen. Wenn ich bedenke, dass ich es war, der Remus und Sirius dazu überzeugt habe, ihn nicht zu töten! Was für ein Vollidiot war ich!"
Ich fragte ihn nach dieser Episode und er erzählte mir, was in der Heulenden Hütte geschehen war, als er Sirius zum ersten Mal begegnet war. Ich gebe zu, dass es mir schwer fiel, mir Remus und Sirius vorzustellen, die mit ihren Zauberstäben auf Peter zielten, um ihn zu töten. Genau so sehr wie mir die Idee, dass Peter zwölf Jahre in der Form einer Ratte verbracht hatte, als verrückt erschien. Ich hatte ihn übrigens nie verwandelt gesehen und ich kannte seinen Animagus nur dank der Geschichten. Man muss ja zugeben, dass es weniger glorreich war als der Hirsch oder der Hund.
Es war längst Nacht geworden und, als wollte er die finsteren Erinnerungen von sich entfernen, die er für mich wieder gefunden hatte, stand mein Doppelgänger auf, um den Feuer wieder zu beleben, das bald ausgehen würde. Vor langen Stunden war Dobby vorbeigekommen, um die Überreste unseres Essens wegzunehmen und uns eine gute Nacht zu wünschen.
Ich sah ihn, wie er die glühenden Kohlen umrührte. In der Dunkelheit sah er meinem Dad so ähnlich. Wie ich war er dünner als dieser, aber ich fand das zerzauste Haar, den Widerschein der Brille und die Form des Gesichts, die wir alle drei gemeinsam hatten.
Bis jetzt hatte ich ihn als eine Beleidigung mir gegenüber betrachtet: er sah wie ich aus, trug meinen Namen und meinen Vornamen und hatte meine Stelle in dieser Schule. Er ignorierte mich selbst öffentlich und es passte sehr gut zu mir. Während ich mit Hermine, Ginny, Neville und unseren anderen Kommilitonen im Schlafsaal normal sprach, hatten wir in zehn Wochen mit Ausnahme von unserem Gespräch über Ginny kaum ein Wort gewechselt.
Doch hatte ich nach all diesen mitgeteilten Erinnerungen den Eindruck, dass er von meinem Fleisch und meinem Blut war. Wir hatten die selben Eltern und ich fühlte mich solidarisch mit seinen Missgeschicken. Er war mein Doppelgänger, mein Freund, mein Vertrauter. Er war mein Bruder.
Er erhob sich und setzte sich wieder in den breiten und bequemen Sessel, in den er sich am Anfang des Abends gesetzt hatte. Er ballte sich zusammen und fragte mich sehr leise:
„Bitte, erzähl mir von unseren Eltern."
*~*~*
Ich hatte viele Schwierigkeiten anzufangen. Ich fürchtete mich davor, ihn zu kränken, indem ich ihm von meiner Kindheit erzählte, die mir plötzlich als besonders glücklich und verzärtelt erschien. Ich hatte meine Familie immer als banal betrachtet: Eltern, die ich sehr mochte, deren Tadel und Ratschläge mich aber ärgerten, eine jüngere Schwester, die manchmal ziemlich hübsch war aber mir meistens am Halse hing und quiekte.
Vor diesem anderen Ich, das eine katastrophale Kindheit gehabt hatte – die seltenen Anspielungen darauf, die man vor mir gesagt hatte, waren ziemlich deutlich –, schämte ich mich fast, soviel Glück gehabt zu haben, ohne es zu verdienen und vor allem, ohne dessen Wert zu schätzen. Aber er drängte, um immer mehr Details zu bekommen, und ich konnte seinem Bitten nicht widerstehen, so sehr spürte ich, wie er es brauchte, mehr darüber zu wissen.
Ich fing damit an, meinen Dad zu erwähnen. Meinen Dad mit seinem ansteckenden Lachen, seinen Witzen, seinen schrulligen Ideen. Meinen Dad, Erbe der Potters, der hinter dem leichtsinnigen Eindruck, den er einem von sich gab, eine ziemlich erhabene Idee von der Verantwortung hatte, die er seiner Familie, seinem Namen und seiner Gemeinschaft gegenüber hatte. Er hatte eigentlich keinen 'Beruf', aber er verwaltete das Familiengeld. Sein Steckenpferd war, neue Talente zu entdecken und in sie zu investieren, damit sie ihre Ideen verwirklichen konnten. Er hatte also in Kunst, Wissenschaft und Kommerz investiert. Er begnügte sich nicht nur damit, seinen Schützlingen Geld zu geben. Er brachte sie mit Leuten in Verbindung, die ihnen helfen konnten, ihre Träume zu verwirklichen, und er folgte ihren Fortschritten mit einer unerschöpflichen Neugier sehr genau.
Ich sprach dann von Rose, die fünf Jahre jünger war als ich. Sie hatte Mums Haar, Dads Augen. Sie träumte ziemlich viel und liebte die alten Legenden der Zauberer und der Muggel sehr, die ihr Mum erzählte. Sie liebte es auch zu lesen, in meinen Sachen zu suchen und mir dumme Fragen zu stellen. Eine jüngere Schwester, sozusagen! Sie hatte gedrängt, bis wir einen Hund hatten, und jetzt bewohnte eine Art beißender Haarknoten unser Haus und unseren Garten.
Schließlich erwähnte ich meine Mum. Sie war liebevoll, schön und froh. Sie verfolgte aufmerksam meine Schulzeit und war gewöhnlich viel weniger duldsam als mein Dad, was meine Streiche betraf. Ich hatte von ihr schon zwei Heuler während meiner Schulzeit bekommen, in denen sie direkt gesprochen hatte. Sie betrieb unabhängige Recherchen.
„Was sind unabhängige Recherchen?", hatte mein Doppelgänger gefragt.
„Recherchen, die außerhalb der Mysterienabteilung betrieben werden", erklärte ich ihm. „Dad sagt immer, dass Mum sein bestes Investment ist."
„Und was für Recherchen verfolgt sie?", fragte er.
„Sie studiert Uralte Magie. Das ist ein Thema, das sie begeistert", erklärte ich ihm und war darüber beredter denn je. „Deswegen fängt sie an, in der Zaubererwelt bekannt zu werden, weißt du. Sie hat alte Zauber, die vergessen worden waren, wieder gefunden, weil sie in mehreren Werken beschrieben worden waren, in denen niemand mehr nachschlug. Manche haben sogar das Ministerium interessiert aber ich weiß nicht genau, worum es geht, weil Mum nicht darüber reden durfte. Über weniger kontrollierte Zauber hat sie ein Buch geschrieben, in dem sie all diese verstreuten und ungenutzte Kenntnisse sammelt."
„Hat sie wirklich mit Snape gearbeitet?", erinnerte sich Harry
„Ja. Er tut das gleiche aber für Zaubertränken. Dad sagt, dass er Rezepte von schwarzer Magie wieder findet, aber Mum behauptet, dass es nicht richtig ist. Tja, eigentlich ist ihrer Meinung nach die Uralte Magie weder schwarz noch weiß, sondern sie steht irgendwo dazwischen. Alles kommt darauf an, wie man sie nutzt. Wenn ich richtig verstanden habe, ist Mums Grenze das Hellgraue und Snapes das Dunkelgraue."
„Vielleicht in deiner Welt. Denn hier hat er die Grenze deutlich überschritten. Er war Todesser, weißt du. Man sagt, er wäre dann auf Dumbledores Seite übertreten und er hätte für ihn spioniert aber ich bin von seiner Bekehrung weit nicht überzeugt", behauptete mein Doppelgänger.
„In diesem Fall ist es aber sehr gefährlich, dass er in Hogwarts ist!", rief ich aus und war empört, dass ihn der Schulleiter mehr Risiken eingehen ließ, während die Umstände schon sehr gefährlich waren.
„Ich weiß das, aber Dumbledore lehnt es ab, seine Treue zum Orden in Frage zu stellen", ließ Harry mit einer geärgerten Stimme.
„Der Orden?"
„Der Orden des Phönixes", erklärte er mir. „Eine heimliche Organisation, deren Chef Dumbledore ist und die Voldemort bekämpft. Unsere Eltern haben daran teilgenommen."
„Stimmt das?", erstaunte ich mich. „Sie reden ziemlich wenig über ihren Kampf mit mir", bemerkte ich, um meine Ignoranz zu erklären.
Mein Doppelgänger kam auf unser voriges Gespräch zurück:
„Sucht deine Mum nur in Büchern oder entdeckt sie auch Dinge?", fragte er.
„Ein bisschen von beiden. Sie findet Formel- oder Ritualteile und sie macht Experimente, um sie zu vervollständigen."
„Sie erinnert mich an bisschen an Hermine", bemerkte er mit einer ein bisschen eingeschlafenen Stimme.
„Deine Hermine, ja, das stimmt", gab ich zu. „Dagegen", mäßigte ich, „ist die Meinige etwas zu sehr ein Miesepeter, als dass sie mit Mum verglichen werden kann."
„Sie sind vielleicht nicht so sehr unterschiedlich wie du es glaubst", gähnte er.
„Vielleicht", antwortete ich leise und wurde auch vom Schlaf eingenommen.
Es wurde wieder still und wir schliefen ein.
*~*~*
Wir wurden von Dobby, dem Elf, geweckt, der darüber besorgt war, uns in den Sesseln des Gemeinschaftsraums zu finden, als er uns unser Frühstück brachte. Da wir von unseren drei kurzen Schlafstunden betäubt waren, gingen wir zu einem der Badezimmer, die zwischen den Schlafsäalen lagen, um uns ein wenig zu erfrischen. Wir stellten uns vor zwei Waschbecken nebeneinander und legten unser Gesicht unter kaltes Wasser.
Als wir uns wieder erhoben hatten und aus unseren Frottiertücher wieder sichtbar wurden, sahen wir uns im Spiegelbild des großen Spiegels, der über den Waschbecken stand, nebeneinander. Es war sehr verstörend, uns beide zusammen zu sehen.
„Für die anderen muss es komisch aussehen", bemerkte Harry.
„Ja", nickte ich. „Du hast zumindest bemerkt, dass ich meine Frisur geändert habe, damit man uns besser unterscheidet?"
„Natürlich!", antwortete er mit dem Ton desjenigen, der überhaupt nichts bemerkt hatte.
„Eh, Potter", stichelte ich ihn, „du solltest deine Brille überprüfen lassen. Du bist blind wie ein Maulwurf!"
„Oh. Wie soll ich dich eigentlich nennen?", fragte er mich.
„Sag einfach Simon", antwortete ich ihn. „Jetzt bin ich daran gewöhnt. Und hier bist du der Harry Potter."
„Entschuldigung", murmelte er verlegen.
„Weswegen?", fragte ich. „Du bist nicht daran Schuld, dass ich hier gelandet bin. Es sei denn, du hast mir etwas verborgen. Hast du ein Beschwörungsritual gemacht? Hast du drei Male über deine linke Schulter in einer mondlosen Nacht gespuckt, in der Mars in Konjunktion mit Saturn lag?"
„Hm, glaubst du, es hätte erfolgreich sein können?", fragte er mit einem amüsierten Grinsen.
„Ich weiß nicht. Was, wenn wir es versuchen? Vielleicht gibt es eine unendliche Zahl von Parallelwelten. Wir bräuchten nur etwa fünfzig Harry Potters zu kriegen und deinen Voldemort würden wir schnell niederlegen!"
Die Idee schien ihm zu gefallen, und wir aßen ziemlich gut gelaunt unsere Spiegeleier.
*~*~*
„Ich möchte so gerne fliegen", seufzte er, als er nach dem Frühstück den blauen Himmel durch das offene Fenster sah.
„Wir brauchen nur McGonagall darum zu bitten", schlug ich vor.
„Sie wird es nie erlauben!"
„Letztes Mal war sie sehr wütend, weil sie sich Sorgen um uns gemacht hatte. Aber jetzt sollte sie etwas ruhiger sein."
„Und wie bitten wir sie darum?", fragte mich Harry zweifelnd.
„Wir schreiben unsere Bitte auf ein Pergamentstück und wir üben unsere Zauberkunstunterrichthausaufgabe", schlug ich vor. „Ihr Büro liegt nicht weit von hier. Wir könnten ja ein Pergamentstückchen bis dahin fliegen lassen."
Er schien nicht sehr überzeugt, aber zog ein Pergamentstück aus seinem Rucksack. Nach einer kurzen Debatte schrieben wir darauf 'Professor, dürften wir eine Stunde pro Tag in den Park ausgehen?', dann betrachteten wir den Weg auf der Karte der Rumtreiber genau. Schließlich ließen wir das Pergament mit einem 'Wingardium' und Richtungszauber wegfliegen.
Unsere Meldung musste irgendwie ihr Ziel erreicht haben, denn eine Stunde später betrat Professor McGonagall den Gemeinschaftsraum von Gryffindor.
„Guten Morgen, meine Herren", sagte sie etwas scharf. „Ich weiß nicht, was Sie getan haben, um mir Ihre Meldung zu reichen, obwohl Magie in den Gängen verboten ist, und ich will es lieber nicht wissen. Wie auch immer kann ich Ihrer Bitte nicht nachkommen. Es ist für Sie viel zu gefährlich auszugehen, und offensichtlich haben Sie es nicht verstanden."
„So lange wir auf Hogwarts' Gelände bleiben, gehen wir kein Risiko ein", beteuerte ich. „Und wir versprechen Ihnen, nicht mehr ohne Erlaubnis auszugehen."
„Ich fürchte, dass es nicht genügen wird..."
„Das ist unmenschlich, uns eingeschlossen zu halten, während wir Weihnachten mit der Familie feiern sollten", plädierte ich.
Ich ließ ihr Zeit, das Argument anzunehmen. Als ich sah, wie sich ihr strenger Ausdruck leicht entspannte, fuhr ich fort:
„Außerdem ist es für uns nicht gut, so eingesperrt zu bleiben. Da ich so lange auf und abgegangen bin, fühle ich mich nicht sehr wohl", behauptete ich und bemühte mich darum, so erbärmlich auszusehen wie möglich, was nicht sehr schwierig war, da wir gerade eine fast schlaflose Nacht verbracht hatten.
„Hm, ja, Sie sehen beide ziemlich schlecht aus. Ich werde darüber nachdenken", seufzte sie mit einem gerührten Blick. „Vielleicht würde Ihnen ein kurzes Ausgehen gut tun."
„Danke Professor, für uns wäre es schon viel", dankte ich ihr und senkte die Augen, um einen bescheidenen Ausdruck zu behalten.
„Es darf Sie aber nicht vergessen lassen, dass Sie Aufgaben schreiben müssen", drängte sie.
„Sie sind schon fertig", antwortete Harry schnell. „Wir können Ihnen unsere Verwandlungsaufgabe sofort zurückgeben, wenn Sie es möchten."
„Ich wäre natürlich neugierig, sie zu lesen, bevor Ihre Freundin Hermine sie geprüft hat", antwortete McGonagall mit einem kleinen Lächeln, „aber ich vermute, dass es ungerecht wäre, sie vor die Ihrer Kommilitonen zu nehmen."
Sie nickte, während sie uns ansah, dann ging sie hinaus. Sobald das Gemälde der Fetten Dame an ihre Stelle hinter ihrem Rücken zurückgekehrt war, sah mich Harry mit runden Augen an.
„Wie hast du denn das gemacht?", fragte er.
„Man braucht nur ein bisschen zu warten und sie zu erweichen", ließ ich nachlässig verlauten, obwohl ich auf mich sehr stolz war. „Hast du es nie versucht?"
„Doch aber... eigentlich nicht, ich habe mich schon verteidigt, aber das war gerade nachdem sie mich bestraft hatte. Ich habe nie daran gedacht, danach wieder zu bitten."
„Sirius ist es, der mir den Trick beigebracht hat", erklärte ich. „Er hat mir erklärt, dass sie ihren Schülern gegenüber sehr streng ist, aber dass sie sie tief in sich sehr mag. Also kann man sie dazu bringen, milder zu werden, wenn man ihr die Zeit lässt, unsere Schnitzer zu vergessen, und wenn man es schafft, sie davon zu überzeugen, dass man zu streng bestraft worden ist."
Meine Anspielung auf Sirius ließ ihn einen Augenblick lang erstarren, dann zog er eine Grimasse und setzte mir entgegen:
„Das Problem ist, dass meine Schnitzer gewöhnlich zu groß sind, als dass man sie einfach vergessen kann."
„Da hast du ja völlig Recht!", gab ich lachend zu.
*~*~*
Mit unserem Mittagessen brachte Dobby einen Zettel von McGonagall, der uns erlaubte, jeden Tag zwischen vierzehn und sechzehn Uhr in den Park auszugehen. Es war präzisiert, dass jedes Stunden- oder Gebietsübertreten mit einer endgültige Ausgangssperre aus dem Schlafsaal bis zur Rückkehr unserer Kommilitonen bestraft werden würde. Wir wechselten ein siegerisches Lächeln, bevor wir uns auf das Essen stürzten – denn unser Appetit war von der Aussicht, uns unsere Beine endlich zu vertreten, vervielfacht worden.
Der zweite Schlag der Uhr im Gemeinschaftsraum verhallte noch, und schon waren wir durch das Gemälde der Fetten Dame und den Gang zur großen Treppe entlanggelaufen. Wir hatten gemeinsam entschlossen zu fliegen. Zum Glück lag Professor Hoochs Besen immer noch in Harrys Fach und wir hatten also zwei gute Besen zur Verfügung.
Von der frischen Luft und dem Fliegen berauscht, haben wir die Stunde fast verpasst, an der wir zurück sein mussten. Wir mussten wie Verrückte laufen, um unser Gemeinschaftsraum zu erreichen, bevor die Uhr aufhörte, vier Male zu schlagen. Da wir von dem Schlafmangel und unserer Sportleistungen erschöpft waren, gingen wir direkt in unserem Schlafsaal hinauf, um ein Nachmittagsschläfchen zu halten.
Noch ein Mal, ein herzliches Danke schön an alle Leser und an YamiTai, meine Betaleserin. Bis in zwei Wochen !
