Hallo an alle! Hier ist die Folge meiner Übersetzung der französischen FF von Alixe: L'Autre. Ich hoffe, sie wird euch genau so gut gefallen wie mir.

Disclaimer: Wie immer gehören die Zaubererwelt und ihre Charaktere und Orte nur J.K. Rowling. Das Konzept von mehreren Harrys, die sich treffen, kommt aus der Schreibgemeinschaft lesneufmondes. Natürlich gewinnen Alixe und ich nichts damit.

Spoilers: Die ersten fünf Bände von Harry Potter.

Anmerkung des Übersetzers: Wegen des Verbots werde ich auf dieser Seite nicht auf die Reviews antworten. Wenn ihr eine Antwort kriegen möchtet, sollt ihr euch einloggen beziehungsweise auf meinem Profil unter 'My Forums' schauen.

Der Andere:

Kapitel 6: Schulwiederbeginn

Die Tage danach verbrachten wir auf die gleiche Weise. Jeden zweiten Morgen kriegten wir unsere Post von den Weasleys und Hermine mit den Zeitungen der zwei vorigen Tage. Nachmittags gingen wir aus, meistens in den Park oder auf das Quidditchfeld, aber auch in die Bibliothek, um Bücher auszuleihen, die uns während der übrigen Zeit beschäftigten.

Hermine war es, die uns vorgeschlagen hatte, unsere gezwungene Ausgangssperre zu nutzen, um uns auf das Programm des zweiten Vierteljahrs vorzubereiten. Zuerst waren wir von diesem Vorschlag nicht besonders angetan, aber ich wies Harry darauf hin, dass es uns vielleicht mehr freie Zeit geben könnte, wenn wir dann endlich frei sein würden.

Da wir von dieser Aussicht ermutigt waren, haben wir geschaut, was in den nächsten Wochen auf dem Programm stand, und fingen an, uns darüber zu informieren. Als ich in seinem Rucksack nach einer Feder suchte, während er woanders beschäftigt war, sah ich, dass er heimlich ein Buch ausgeliehen hatte, das Uralte Magie behandelte, was überhaupt nicht zu unseren Fächern zählte. Zweifellos versuchte er so, sich seiner Mum zu nähern – so wie ich sie ihm geschildert hatte.

Die Ferien waren bald um. McGonagall kam einige Stunden vor der Rückkehr unserer Kommilitonen zu uns, um uns zu sagen, dass auch unsere Strafe um war. Also konnten wir kurz vor dem Abendessen in der Großen Halle auf sie warten. Unsere Kommilitonen kamen allmählich und setzten sich neben uns. Alle fragten das gleiche: wo waren die hundertvierundachtzig Punkte hin, die Gryffindor während des ersten Vierteljahrs verdient hatte?

Harry und ich taten so, als würden wir nichts hören, aber schließlich sagte Lavender, die sich neben mich gesetzt hatte, laut, was die anderen dachten:

„Harry, was hast du getan, dass wir so viele Punkte verloren haben?"

Harry blickte auf seinen Teller, während uns Hermine spöttisch ansah. Sie dachte zweifellos, dass wir diese kleine verlegende Szene wohl verdienten.

„Wir sind nur da gewesen, wo wir nicht hätten sein sollen", antwortete ich. „Nichts Interessantes zu erzählen."

Ron blickte zum Himmel auf, während Hermine deutlich tadelnd seufzte.

„Wie auch immer, unsere Punktzahl ist auf Null", murrte Dean. „Und Harry macht jedes Jahr dasselbe! Er verliert selber mehr Punkte als alle Gryffindors zusammen."

„Und er lässt euch genug davon gewinnen, dass wir den Pokal nie verloren haben, seitdem er da ist", erinnerte ihn Hermine daran, die trotz ihrer prinzipiellen Missbilligung solidarisch blieb. „Es sollte euch ermutigen, gut zu arbeiten, um die verlorenen Punkte wieder zu gewinnen", fuhr sie fort. „Es gibt keinen Grund, dass wir dieses Jahr den Pokal nicht noch ein Mal gewinnen."

„Der blöde Malfoy hat sich totgelacht!", stieß Parvati aus.

„Er wird weniger lachen, wenn Harry ihm in zwei Wochen den Schnatz vor seiner Nase wegschnappen wird", erwiderte ich.

„Und du, Simon, spielst du Quidditch?", fragte mich Neville.

„Natürlich!", antwortete ich. „Alle Potters spielen Quidditch. Mein Dad..."

Ich wurde von drei Fußtritten gegen das Schienbein abgebrochen.

„... ist ein sehr guter Jäger", beendete ich und warf Harry und seinen beiden Mitschuldigen vernichtende Blicke zu.

Sie dachten ja wohl nicht, dass ich dumm genug wäre und erzählen würde, dass er damals in Hogwarts gespielt hatte!

„Wirst du dem Team beitreten?", fragte mich Lavender, die sich des Dramas unbewusst war, das sich gerade unter dem Tisch abgespielt hatte.

„Wenn mir Harry seine Stelle lässt, ist es kein Problem", versicherte ich ihr. „Ich spiele viel besser als er."

„Du träumst ja wohl!", protestierte der Betroffene. „Wenn du aber ein bisschen fliegen willst, kannst du meinen Besen ausleihen", fügte er netter hinzu.

Ich sah, wie Ron mehrmals von mir zu Harry und zurück blickte. Zweifellos war er von unserem neuen geheimen Einverständnis erstaunt. Es schien ihm nicht besonders zu gefallen. Dagegen schien Hermine, die neben ihm saß, berührt. Oh ja, meine Schöne, ich werde deinem Harry nichts Böses antun!

Ich fragte mich, was zwischen Ron und ihr jetzt los war. Ich hatte vor den Ferien den Eindruck gehabt, dass sie sich einander gefielen, und es hätte vorteilhaft für sie sein können, dass sie zwei Wochen miteinander verbringen konnten, ohne dass Harry sie voneinander trennen könnte. Doch hatte ich während des Abendessens nicht den Eindruck, dass sie aneinander näher waren als vor Weihnachten.

Ich sah zu Ginny. Sie hatte sich zu den Schülern ihres Jahrgangs gesetzt und schien nicht auf uns zu achten. Sie war in der Kunst, den, von dem sie angezogen wurde, zu ignorieren hervorragend. Ich verstand, warum er so unsicher war, ob er ihr gefiel. Sollte ich für sie Amor spielen? Ich entschloss mich, dass die Antwort nein lautete. Er verdiente sie nicht, wenn er jemanden brauchte, der ihm die Arbeit erleichtert.

*~*~*

Der zweite Vierteljahr fing am nächsten Morgen an. Harry und ich hatten ziemlich viele Unterrichtsstunden gemeinsam und es war angenehm, uns einander zu helfen, anstatt uns einander zu ignorieren. In Zaubertränken war Snape noch hasserfüllter als vor den Ferien aber er konnte uns weniger anhaben, da wir mehr verbunden waren. Außerdem fühlte sich Harry in diesem Fach viel wohler, seitdem er mit mir seine Aufgaben schrieb.

Hermine hatte nie abgelehnt, ihm zu helfen, aber sie hatte nicht die gleiche Art und Weise zu denken wie wir und mein Doppelgänger begriff viel schneller, wenn ich es ihm erklärte. Auf gleiche Weise machte ich in Verteidigung sehr schnell Fortschritte, weil ich in mir die gleichen Reflexe und die gleichen Begabungen fand wie Harry, sobald ich ein bisschen geübt hatte.

Während der ersten zwei Wochen passierte nichts Bemerkenswertes. Trotz der Zeit, die ich mit Harry verbrachte, versuchte ich, Neville nicht zu vernachlässigen. Letzterer wurde allmählich selbstbewusster, was ihn sich dem Neville nähern ließ, den ich immer gekannt hatte, und es erfreute mich zu sehen, dass er, der er von meinem bedingungslosen Beistand ermutigt war, mehr zu sich selbst wurde.

Dennoch ließ meine Beziehung zu Lavender zu wünschen übrig. Sie hatte mir lange vorgeworfen, dass ich während der Ferien so wenig an sie geschrieben hatte. Ich hatte sie mit meinem kleinen Geschenk gemildert und hatte ihr versichert, dass ich keinen Zugang zur Eulerei hatte. Aber ich spürte, dass wir beide während der wenigen Momente, die wir miteinander verbrachten, immer weniger Zufriedenheit spürten.

*~*~*

Das so sehr erwartete Spiel zwischen Slytherin und Gryffindor sollte am zweiten Samstag nach dem Ferienende stattfinden. Während der Tage vor dem Spiel war die Spannung zwischen den beiden rivalisierenden Häusern größer geworden. Malfoy und seine Kumpel waren viel aggressiver als je zuvor, und Harry hätte mehrmals beinahe seine Kaltblütigkeit verloren. Ich selber, der ich doch weniger in die Sache verwickelt war, fing an, von den beleidigenden Bemerkungen wirklich fuchsig zu werden.

Unsere Gegner schienen diesmal besonders dazu entschlossen zu sein zu gewinnen, denn sie versuchten sogar, Harry davon abzuhalten zu spielen. Während des Frühstücks vor dem Spiel verwandelte sich nämlich mein Doppelgänger teilweise in eine Ente. Seine regenbogenfarbigen Feder wirkten wunderschön, waren aber für ein Quidditchspiel etwas unpassend.

Unter dem Prusten der Slytherins, deren Schuld wir nicht beweisen konnten, eilte Harry zum Krankenflügel. Ich begleitete ihn, so wie Hermine und Ron. Als sie uns ankommen sah, rief Madam Pomfrey aus:

„Mr Potter! Was haben Sie getan?"

„Glauben Sie, ich habe das absichtlich getan?", schnatterte er empört. „Ich muss in einer halben Stunde Quidditch spielen. Könnten Sie mir mein normales Aussehen zurückgeben?"

Sie untersuchte ihn einen Augenblick lang mit ihrem Zauberstab und schüttelte den Kopf.

„Ich fürchte, dass ich Sie eine Weile hier behalten muss", sagte sie. „Alles wird spontan wieder gut werden, aber nicht vor einer oder zwei Stunden."

„Sie scherzen wohl!", rief Harry entsetzt aus. „Ich kann um keinen Fall dieses Spiel verpassen. Wenn es sein muss, werde ich so spielen."

„Denken Sie ja nicht daran!", empörte sich die Krankenschwester, während sie seinen flachen Schnabel und seine teilweise in Flügel verwandelten Arme betrachtete. „Ihre Schwungfedern sind viel zu zerbrechlich, als dass Sie so einen Sport spielen könnten. Sie werden sie brechen, und dann kann ich den Zustand ihrer Hand danach nicht garantieren. Außerdem ist es nicht vorschriftsmäßig. Madam Hooch wird Sie nicht spielen lassen.

„Aber..."

„Alles geht gut, Harry", griff ich ein und legte meine Hand auf die Flügelspitze. „Dieses Spiel werden wir gewinnen!"

„Aber...", er brach ab, als er verstand, was ich im Kopf hatte. „Ich... ich vermute, dass es keine andere Wahl gibt. Danke, Simon."

„Kein Thema. Wir werden dir davon erzählen. Bis später!"

Ich ging aus dem Raum und zog Ron und Hermine hinter mir her.

„Du wirst seine Stelle übernehmen?", fragte Hermine.

„Ja, ich spiele genau so gut wie er. Malfoy wird ins Gras beißen, sorge dich nicht darum."

„Ich vertraue dir. Mit den anderen Spielern könnte es aber ein Problem sein. Sie werden von der Abwesenheit ihres Kapitäns vielleicht demotiviert sein", sagte Hermine, die in ihre Gedanken vertieft war.

„Nur brauchen sie nicht zu wissen, dass er immer noch im Krankenflügel liegt", schlug ich vor. „Ich vermute, dass du dazu fähig bist, mir einen Blitz auf die Stirn zu zeichnen."

„Du willst dich für Harry ausgeben?", drängte Ron, der die Idee anscheinend nicht besonders wunderbar fand.

„Ich rate dir, Malfoys Ausdruck nicht zu verpassen, wenn ich auf das Feld trete", riet ich ihm.

Plötzlich schien er viel mehr einverstanden.

„Ja, dann wird er die Welt nicht mehr verstehen", schätzte er. „Aber", fügte er misstrauisch hinzu, „bist du wirklich so gut?"

„Mach dir keine Sorgen, wir spielen gleich gut. Und ich habe während der Weihnachtsferien trainiert. Das ist aber kein Grund dafür, Treffer landen zu lassen, eh. Ich will, dass wir diese Mogler niederlegen."

„Ron ist ein hervorragender Hüter", versicherte mir Hermine.

Ron schien bei diesem Kompliment viel größer zu werden. Hermine legte ihren Zauberstab auf meine Stirn und legte dann einige Haarlocken darauf. Dann betrachtete sie mich kritisch.

„Würdet ihr nebeneinander stehen, so würde ich nicht entscheiden können, wer welcher ist", versicherte sie mir.

„Vielen Dank", erwiderte ich. „Du meinst, dass ich einen Entenschnabel und einen fächerartigen Schwanz habe?

Selbst Ron konnte sein Lachen nicht verkneifen. Dann eilten wir zur Eingangshalle.

*~*~*

Während wir durch den Park liefen, riet ich Ron:

„Wenn du willst, dass man mich für Harry hält, so solltest du dich bemühen, mich freundlicher anzusehen."

Er errötete und antwortete nicht. Es schien mir, dass Hermine etwas Uninteressantes über die Kindlichkeit von Jungen murmelte, bevor sie uns vor der Tür des Umkleideraums verließ.

Als ich vor Ron eintrat, wurden wir von den Ausrufen des ganzen Teams empfangen. Keiner schien meine Identität in Frage zu stellen, selbst Ginny nicht. Ich ging zum Teil, der für die Jungen reserviert war, um Harrys rote Uniform anzuziehen. Sie sahen mich alle an, als ich herauskam, und ich erinnerte mich daran, dass ich Ihr Kapitän war.

„Ich werde euch keine beeindruckende lange Rede halten", sagte ich ihnen. „Seid so gut wie beim Training und lasst sie es bereuen, einen Verwandlungstrank in meinem Frühstück gegeben zu haben!"

„Ja!", nickten sie und wir gingen ins Stadion hinaus.

Malfoys Ausdruck und der enttäuschte Blick seiner Spieler waren höchst erfreulich. Der Blonde und ich zerdrückten einander die Hand, als Madam Hooch verlangte, dass wir sie schütteln, und das Spiel fing an. Wie wir es vorgesehen hatten, waren die Slytherins von dem Misserfolg ihrer Machenschaft sehr enttäuscht und erwiesen sich als schlechte Verlierer, was uns erlaubte, dank der Strafschüsse eine Menge Punkte zu gewinnen. Dazu ermutigte ihr geschlagener Ausdruck das ganze Team und unsere Jäger spielten umso besser.

Schließlich geruhte der Schnatz, sichtbar zu werden, und ich verfolgte ihn mit Malfoy. Wie bei mir zu Hause war er nicht schlecht. Nur weniger gut als ich. Wie gewöhnlich nahm ich ihm ihn vor seiner Nase weg.

„Träume nicht, Malfoy!", sagte ich ihm, als ich einen Augenblick lang an seiner Seite flog. „Solange ich dir gegenüberstehe wirst du den Schnatz nie kriegen. Und keine deiner kleinen Machenschaften wird mich davon abhalten, dich bei jedem Spiel lächerlich zu machen!"

Sein Gesicht verkrampfte sich aus wildem Hass.

„Deine Tage sind gezählt, Potter. Und die des alten Narren auch, der dich schützt!"

„Ich würde lieber sterben als wie du kniend, leben zu wollen als einziger Ehrgeiz. Gut, ich lasse dich in Frieden, ich muss meine Glückwünsche abholen."

Ich flog zu meinen überglücklichen Mitspielern zurück. Nachdem wir einander herzlich gratuliert hatten, gingen wir zum Umkleideraum. Professor McGonagall stieß auf dem Weg zu uns.

„Mr Potter, ich gratuliere Ihnen herzlich. Ich hatte heute Morgen Angst, dass Sie nach ihrem Missgeschick nicht spielen könnten..."

Sie brach ab, als würde ihr etwas bewusst werden. Sie blickte sich um, als würde sie nach dem Doppelgänger desjenigen suchen, der vor ihr stand. Dann blickte sie wieder zu mir.

„Wie ich sagte, sehr schönes Spiel, Mr Potter, sehr schönes Spiel!"

Sie entfernte sich kopfschüttelnd.

„Ich hoffe, ihr kriegt keinen Ärger", flüsterte mir Hermine ins Ohr. „Ich weiß nicht, ob man kurz vor dem Spiel die Spieler wechseln darf."

„Man kann es bis zum Anfangspfiff machen", antwortete Ron. „Wie!", fragte er mit einer schrillen Stimme, als würde er sie nachahmen. „Hast du Quidditch im Wandel der Zeiten noch nicht gelesen?"

Hermine wurde rot im Gesicht und antwortete mit einer verkniffenen Stimme:

„Wir haben zweifellos nicht die gleichen Prioritäten, Ron."

Und sie ging zum Schloss hinunter.

„Ich weiß, dass es mich nichts angeht", bemerkte ich, „aber sie anzugreifen ist ungeschickt, Ron."

„Ich habe dich um nichts gebeten", murrte er und seine Ohren wurden scharlachrot.

„Das solltest du vielleicht", riet ich ihm. „Nun", fuhr ich schnell fort, um nicht weiter zu streiten, „was ist, wollen wir die gute Nachricht mit Harry teilen?"

Er murrte noch leise, aber zog sich mit mir um und begleitete mich zum Krankenflügel.

Hermine war schon da und Harry, der seine menschliche Form wieder hatte, sah mich bewundernd an.

„Herzlichen Glückwunsch, alter Freund!", rief er aus, als er mich sah.

Er eilte zu mir und umarmte mich. Dieser Kontakt kam mir etwas komisch vor. Es war, als würde ich mich selbst umarmen. Auch er sprang bald zurück, lächelte mir entschuldigend zu und beeilte sich, Ron für die zahlreiche Treffer zu gratulieren, die er blockiert hatte.

Im Gemeinschaftsraum von Gryffindor feierten wir den ganzen Tag lang.

*~*~*

Zwei Wochen später fand ich ihn in unserem Schlafsaal. Er saß auf seinem Bett und las in einem Buch.

„Hallo Harry", sagte ich und ich ließ mich auf seine Füße fallen.

„Kannst du nicht woanders sitzen?", murrte er.

Dennoch beugte er die Beine, damit ich bequem sitzen konnte.

„Wir müssen beide mal ernsthaft reden", sagte ich an.

„Worüber?", fragte er misstrauisch.

„Was willst du gegen die Slytherins unternehmen?"

„Was meinst du?"

„Du wirst sie ja nicht so ungestraft davon kommen lassen! Sie haben dich daran gehindert, dein letztes Spiel zu spielen! Und wir müssen Snape noch eine Höflichkeit erweisen!"

„Simon", seufzte er, „wir... Das Team und du, ihr habt gerade Gryffindor fünfzig Punkte wieder gewinnen lassen. Es ist nicht Zeit, wieder welche zu verlieren."

„Punkte verlieren ist nicht nötig", setzte ich entgegen. „Wenn wir es gut machen, können sie uns nichts beweisen."

„Und was, wenn wir gefangen werden?"

„Wir haben noch ein Spiel übrig und einen Pokal zu gewinnen. Selbst, wenn du spielst, ist es für Gryffindor noch möglich", scherzte ich.

Er antwortete nicht und tat, als würde er sich wieder in sein Buch vertiefen.

„Bist du nicht neugierig darauf zu wissen, worüber ich gedacht habe?", ließ ich versuchend los.

„OK", verließ er. „Was hast du im Sinn?"

„Weißt du, wo der Gemeinschaftsraum von Slytherin liegt?", fing ich an.

„Ja, ich bin sogar dort reingegangen."

„Ach so, wie hast du das gemacht?"

„Vielsaftrank."

„Du hast eine zu komplizierte Lösung gewählt", schätzte ich. „Mit dem Umhang war es nicht schwierig."

„Ja, aber ich musste Malfoy eine Auskunft ablisten", erklärte er mir.

„Das war dann natürlich eine gute Idee. Ich hatte einfach gedacht, ihre Innendekoration neu zu gestalten."

„Das schlägst du vor?", fragte er vorsichtig.

„Nein, es wäre zu nett. Ich habe gedacht, Weasley Spezialpulver überall zu verstreuen."

„Was für ein Pulver?", fragte er und er klang jetzt völlig interessiert.

„Ein Pulver mit Aufschiebwirkung", erklärte ich. „Behalten wir die Idee mit der Ente oder magst du das Schwein lieber?"

„Malfoy mit einem Schweinerüssel, das passt mir!", lachte er. „Aber ich glaube, verstanden zu haben, dass das Produkt, das sie für meine Verwandlung benutzt haben, nicht bei den Weasleys noch irgendwo sonst im Handel ist…"

„Genau, das war ein hausgemachtes Produkt. Ich könnte die Formel wahrscheinlich wieder finden, aber es würde zu viel Zeit benötigen. Also habe ich Fachleute darum gebeten."

„Und hier greifen die Zwillinge ein", verstand er.

„Genau. Fred und George haben mir versichert, dass sie das binnen einer Woche machen könnten."

„Kennst du die Zwillinge? Ich meine, die Meinigen?"

„Nein, aber ich habe meinen Brief mit meinem richtigen Namen unterschrieben", gestand ich. „Hast du bemerkt, dass wir die gleiche Schrift haben?"

„Du hättest ja um meine Meinung bitten können!", empörte er sich.

„Fürchtest du, dass sie mir Geheimnisse über dich enthüllen, die du nie gestehen möchtest? Nimm, hier ist ihre Antwort", sagte ich und zog das Pergament aus meiner Tasche. „Wie du siehst, haben sie mich nur darum gebeten, das Tier, das wir wollen, zu präzisieren."

„Hmpf, einverstanden. Und für Snape?"

„Das ist heikler. Ich hatte gedacht, wir könnten seine Kessel verzaubern, um seine Unterrichtsstunden etwas zu beleben."

„Pf, er wird sich an den Schülern rächen, die er an jenem Tag hat. Er hat nie Unterricht nur mit Slytherin, das ist schade."

„Wir werden eine Idee finden, wenn es an der Zeit ist", versicherte ich ihm. „Gut, ich wollte dich auch fragen: was hast du vor zu tun, was Ginny betrifft?"

Er schien von meinem Themawechsel etwas verwirrt, aber er antwortete geschickt:

„Ich will Ginny keinen Streich spielen."

„Du würdest es bereuen, wenn sie mit einem anderen gehen würde", drängte ich.

„Sie tut, was sie will", versicherte er mir, während er meinen Blick mied.

„Bist du ein Vollidiot? Du willst doch nicht, dass sie sich in deine Arme wirft, oder? Du musst den ersten Schritt machen", versicherte ich ihm.

„Ich bin nicht sicher, dass es eine gute Idee ist. Ich habe keine Zeit für eine feste Freundin."

„Man hat immer Zeit für eine feste Freundin!"

„Du verstehst aber nicht!", ärgerte er sich. „Vielleicht bin ich am Ende des Jahres tot."

„Das ist noch ein Grund, um vom Leben zu profitieren. Weißt du, was bei dir das Problem ist? Selbst, wenn du keine Sorgen hast, kannst du nicht lachen. Du wartest nur auf die nächste Katastrophe, die auf dich fallen wird."

„Als ich das letzte Mal habe lachen wollen, haben wir uns in einem Todesserangriff befunden", erinnerte er mich.

„Nun was? Bedauerst du, dass du dort hingegangen bist? Ich nicht. Das war schön, auszugehen. Und wenn wir ganz nett in Hogwarts geblieben wären, wärst du vielleicht die Treppe hinuntergefallen und hättest dir das Genick gebrochen. Ehrlich! Tja, wenn du dich wirklich lieber tot wartest, kommt mir das entgegen. Ginny finde ich echt hübsch."

„Ich glaubte, sie wäre deine beste Freundin, wie Hermine bei mir", setzte er entgegen.

„Ich sprach von der anderen Ginny. Mit dieser ist es anders", log ich dreist.

„Gehst du nicht mit Lavender?", fragte er hoffnungslos.

„Nicht mehr lange", antwortete ich diesmal ehrlich. „Sie sucht schon nach einem, der mich ersetzen würde."

„Bist du dir sicher?", staunte er.

„Ja, das erste Mal mit ihr ist es auch so passiert. Aber das ist mir gleichgültig. Immerhin fing sie an, mich zu langweilen."

Er sah mich eine Weile an und dann sagte er mir:

„Ich glaube dir nicht. Du wirst nicht versuchen, mit Ginny zu gehen."

„Und warum nicht?"

„Weil ich es an deiner Stelle nicht machen würde. Ich würde nie mit einem Mädchen gehen, das dich wirklich interessiert!"

Volltreffer! Ich suchte nach einer Antwort, die ihn dazu führen könnte, zu handeln, als Ron den Schlafsaal betrat.

„Ach, ihr sitzt da!", grüßte er uns. „Für wen interessierst du dich, Harry?", fragte er, da er offenbar das Ende unseres Gesprächs gehört hatte.

„Das geht dich nichts an!", antworteten wir gleichzeitig.

„Aaach! Tut es nicht?", ließ Ron klagend los.

„Tut was nicht?", fragte Harry mulmig, der fürchtete, dass Ron verstanden hatte, dass wir über seine Schwester geredet hatten.

„Gleichzeitig und mit dem gleichen Ton zu antworten. Ihr ähnelt euch immer mehr", murrte er. „Ich bin mir selber manchmal nicht sicher. Zum Glück hat Simon nicht die gleiche Frisur und eure Brillen sehen etwas unterschiedlich aus."

„Eh, das ist eine Idee", sagte ich. „Wenn du dich eines Tages entscheidest, Harry, leihe ich deine Brille aus, lege eine Haarlocke herunter und mache deine Puppe für dich an."

Er warf mir einen gleichzeitig verärgerten und verdutzten Blick zu.

„Ich brauche deine Hilfe nicht", lehnte er würdevoll ab.

„Welche Puppe?", drängte Ron.

„Umso schlechter für dich", antwortete ich Harry. „Eh, Ron!", fuhr ich fort, um ihn seine Frage vergessen zu lassen. „Stört es dich, wenn ich es bei Hermine versuche?"

„Warum würde es mich stören?", fragte er und seine Ohren wurden scharlachrot.

„Du glaubst doch nicht, dass ich meine feste Freundin deine Aufgaben werde korrigieren lassen?", stichelte ich.

„Simon, hör damit auf, den Hanswurst zu spielen!", griff Harry ein, der ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen konnte.

„So! Das meinte ich gerade", entgegnete Ron. „Vorher hast du diesen lächerlichen Ausdruck nie gemacht!" behauptete er zu seinem Freund.

Und er machte die Mimik nach, die Harry gerade gemacht hatte.

„Eh", protestierte ich. „Ich bin daran nicht Schuld. Ich tue es nie!"

„Doch", versicherte mir Harry. „Du tust es ständig."

„Das stimmt", bestätigte Ron. „Und du siehst dann genauso dumm aus wie er."

„Hast du dich selbst angeschaut?", antwortete ich gleichzeitig mit Harry.

Er starrte uns wie entmutigt an und legte theatralisch den Kopf in seine Hände.

„Zwei Harrys! Ich werde es nicht überleben!"

*~*~*

Während der nächsten Woche kriegten wir von den Zwillingen das Schweinpulver. Wir zogen Streichhölzer, um zu erfahren, wer von uns beiden das Pulver mit dem Umhang im Gemeinschaftsraum der Slytherins platzieren würde. Er gewann und ging eines Abends dahin. Er musste den Durchgang der letzten Schüler kurz vor der Ausgangssperre nutzen, um den Gemeinschaftsraum zu betreten, das Pulver dort ausgießen und hinausgehen, sobald die letzten Schüler in ihren Schlafsaal hochgegangen waren. Sie würden am nächsten Morgen betroffen werden, wenn sie ihren Gemeinschaftsraum durchqueren würden, aber die Wirkung würde nur eine halbe Stunde später sichtbar werden, was uns eine Chance gab, dem Spektakel zuzuschauen.

Harry kam um ein Uhr morgens siegreich zurück, denn er war durch einen Schüler verspätet worden, der nicht aufhörte, seine Aufgaben zu schreiben. Als er seinen Pyjama anzog, verbreitete sich seine Nase auf unschöne Weise, weil er unabsichtlich an dem Produkt gerochen hatte, während er es verteilt hatte. Er lachte mit unseren Kommilitonen darüber und stellte sich vor, wie es am nächsten Morgen bei den Slytherins wirken würde.

Wir wurden nicht enttäuscht. Die meisten Slytherins frühstückten gerade, als die Wirkung des Pulvers spürbar wurde. In wenigen Minuten fanden sie sich alle mit Schweinerüsseln, Spaltklauen und rosa und fallenden Ohren wieder.

Unter dem Lachen der anderen Tische eilten sie zum Krankenflügel, aber wir wussten, dass die Krankenschwester nur ihre Machtlosigkeit würde gestehen können. An jenem Tag waren die Poltergeister mit uns, denn Malfoy zählte zu den ersten, die betroffen wurden, und seine Furcht, als er die Verwandlung seiner Hände bemerkte, wurde zum Schrei eines Schweinchens, das man erwürgt, und man hörte ihn wahrscheinlich in der ganzen Schule.

Hermine sah Harry und mich streng an.

„Sagt mir nicht, dass ihr daran Schuld seid", flüsterte sie wütend.

„Wir wollen dir ja nicht widersprechen", antwortete ich sie.

„Wie meine Brüder sagen würden, stelle uns keine Fragen, wir erzählen dir keine Lüge", fügte Ron hinzu.

Ich blinzelte zu Ginny, die sich vor Lachen den Bauch hielt. Da sie verstand, dass ich an dem Spektakel nicht unbeteiligt war, beugte sie sich, wie um mir zu gratulieren. Ich zeigte ihr meinen Doppelgänger mit dem Kinn, um ihr zu zeigen, dass sie auch ihm diesen Erfolg gutschreiben sollte. Als sie den Tisch verließ, um zum Unterricht zu gehen, sah ich, wie sie ihm etwas ins Ohr flüsterte, bevor sie ihre Kommilitonen einholte. Ich weiß nicht, was sie ihm sagte, aber Harry wurde scharlachrot.

Das Beste war noch nicht geschehen. Bevor er seine erste Stunde gab, wollte Professor Snape seine Schüler trösten, die in ihrem Gemeinschaftsraum eingeschlossen waren. Eine halbe Stunde später musste er sein Klassenzimmer eilig verlassen, während er selber anfing, sich zu verwandeln. Wir hatten uns also an ihm gerächt, ohne irgendein Risiko mehr eingegangen zu sein!

Die Drittklässler von Ravenclaw und Hufflepuff, die die Szene gesehen hatten, erzählten sie während der nächsten Pause freundlich allen, die sie hören wollten. Harry und ich sahen einander triumphierend an.

„Wenn du nächstes Mal einen Patronus herausbeschwören willst, denke an diesen Moment", flüsterte er mir mit schelmischen Funken in den Augen zu.

„Für den Riddikulus ist es auch nicht schlecht", nickte ich.

Wir lachten uns tot und sahen uns dabei einander an. Ich lachte so sehr, dass ich mich an ihn hängen musste, und ich spürte, dass er selber das gleiche tat. Hermine, die neben uns stand, sah tadelnd aber gegen ihren Willen amüsiert aus. Ron blickte zum Himmel auf wie jedes Mal, wenn er dachte, dass wir einander zu sehr ähnelten.

„Sie klingen besonders gut gelaunt, Mr Potter und Mr Potter", ließ McGonagalls Stimme verlauten, die an jenem Tag die Pause überwachte.

Wir rissen uns mit Schwierigkeit wieder zusammen.

„Das Wetter ist schön, der Himmel ist blau, Professor", antwortete ich mit einem leichten Tonfall.

„Ein perfektes Wetter für ein Quidditchspiel", vervollständigte Harry, um daran zu erinnern, dass wir es nicht angefangen hatten.

„Das stimmt", bestätigte die Lehrerin für Verwandlung, während sich ihre Augen verengten, als sie sich an die sträfliche Taktik unserer Gegner, um uns unseren Sucher und den Sieg zu stehlen, erinnerte. „Ein sehr schönes Wetter für ein Quidditchspiel."

Und sie ging los, um Erstklässler zu beruhigen, deren Schneeballschlacht gerade zu etwas Schlimmerem wurde.

*~*~*

Obwohl er keinen Beweis hatte, schloss Snape willkürlich, dass wir schuld waren, und während der Unterrichtsstunden in Zaubertränke wurden viele Punkte abgezogen. Darum war ich eine Woche später sehr verdrossen, dass ich vom Lehrer für Arithmantik dabehalten wurde, während ich für den nächsten Unterricht in die Kerker herunter laufen musste.

Da ich den Schaden begrenzt halten wollte, lief ich schnellstmöglich in die Gänge, sobald ich gehen konnte. Um meine Verspätung aufzuholen, lief ich einige geheime Treppen herunter und staubige Gänge entlang, und versuchte, den am direktesten und schnellsten Weg zu gehen.

Ich wurde mir erst dessen bewusst, als ich vor der Tür des magischen Raums ankam, der mich hierhin geschickt hatte, dass ich ihn durchqueren musste, wenn ich einen langen Umweg vermeiden wollte, der mir keine Chance übrig ließ, rechtzeitig anzukommen. Ich hatte ein bisschen Angst, als ich die Tür aufmachte, dann erinnerte ich mich an die drei Nächte, während derer ich vergeblich hier gewartet hatte. Ich entschloss, dass ich kein Risiko einging, und betrat den Raum, eilte mich aber, den Gegenausgang zu erreichen.

Als ich ihn etwa zur Hälfte durchquert hatte, wurde der Raum allmählich heller.


Wie immer, einen herzlichen Dank an euch Lesern und an YamiTai, die mich korrigiert hat. Bis in zwei Wochen für den nächsten Kapitel !