A/N: es sind – wie schon bei GSI: London – sechs Kapitel.

ll: hey, du kannst doch nicht einfach Sevs Patronus abschießen? Wie soll sich der arme Kerl denn vor Dementoren schützen? Ah, ich weiß, was du vorhast – er soll sich in Hermiones Arme werfen und schützen lassen, du bist manchmal echt Slytherin, weißt du das? :D

sveti: ähm, Anspielung? Ich habe keine Ahnung, wovon du redest, gaaaaaaaanz ehrlich! …beteuert treuherzig mit großen Welpenaugen… Ich weiß natürlich auch nicht, warum der Patronus Hermione so viel ausmacht, aber du kennst ja Frauen, bestimmt so ein Hormondingens…

no_name: nein, mach dir nichts draus, für die Story selbst ist es nicht relevant, es ist mein üblicher kleiner Privatfeldzug… ja, unser Sev beherrscht es noch immer zu tarnen und zu täuschen…

Ally: das hat eigentlich nichts mit Kurve kriegen zu tun, denn im Prinzip habe ich ja nichts gegen den Mann und ich glaube allen, dass er nett und sympathisch und hast-du-nicht-gesehen ist… nur in dieser einer Rolle passt er mir eben nicht… ;D

Liz Faulkes: keine Ahnung, wo du Grund hattest, rot zu werden… :D Lol, in dieser Hinsicht ist er typisch Mann, oder? Bin ich gut… so was würde keine Frau fragen, egal unter welchen Umständen… ups?! …Brief an die Direktorin abfang… Bist du verrückt? Du kannst doch Sev und Hermione nicht in eine Partnerschaft zwingen, das arme Mädchen ist ja noch nicht mal mit dem Studium fertig… schnurrt, weil sie hinter den Ohren gekrault wird

Nik: sowohl als auch, Nik, sowohl als auch… nein, die Rackmins haben keine Kinder, warum? Magst du als Nanny anheuern? Das wäre weit unter deinem Niveau, glaub's mir. Außerdem dürfte Al eine schwierige Arbeitgeberin sein… lol… hast du eine Tante, der man auch nicht auf den Teppich bluten darf? Hast du dir deinen Onkel schon mal genauer angesehen?! :D

Dracovigilans: es gibt bestimmte Gelegenheiten, da darf man an Stonehenge ran, wenn irgendwelche… ähm… modernen Druiden oder wie sie sich nennen, eine Erlaubnis dafür bekommen, dann dürfen sie innerhalb des Zaunes. Ich bin schon am Überlegen, wie ich einen von den … ähm, Leuten… kennenlernen und überreden kann, mich da mal mitzunehmen…

Illing: ist ja nicht nett vom Pabst, alle von der Arbeit abzuhalten… ^ Aber ja, so ein Raumschiff ist schon manchmal schwierig zu steuern, besonders, wenn dieses Raumschiff meinen Illing darstellt… ah, du verstehst mich, den Satz mit den Sorgen um Liz Faulkes habe ich sehr gern geschrieben… den Humor hat er sicherlich nicht mit seinen Schülern geteilt, definitiv nicht mit einer nervigen, kleinen Know-it-all… hust… ich glaube, so richtig gutheißen würde er das Ansichpressen von jungen Frauen nicht… ich sag ja nichts gegen Rackmin… hab ja nichts gegen den Mann, oder?!

Angie: hab ich schon mal erwähnt, dass mir diese gewisse Plattform auf die Nerven geht? Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft hier Revs geschluckt oder gekürzt werden… grrrrrr… was Sevs Schwester angeht, darf man nicht vergessen, dass er immer noch ein paranoider, kleiner Ex-Spion ist. In seinem Denkschema gibt es wahrscheinlich überhaupt keinen Grund, Hermione gegenüber seine Schwester/Familie zu erwähnen… genauso wie bei der Patronusszene… selbst wenn ihm bewusst ist, dass Hermione alles über ihn weiß, warum sollte er sich Gedanken über ihre Gefühle machen? Er ist nicht gerade der soziale Kontaktmensch; er hat gerade mühsam anerkannt, dass sie befreundet sind, das Geschlecht spielt in seiner Gefühlswelt (noch) keine Rolle… und er weiß auch nicht, wie Hermione ihm gegenüber fühlt, wie auch? Sie kann es sich selbst gegenüber noch nicht einmal richtig zugeben…

Mistmaus: Danke für dein Lob, aber gerade was den Apfelwein betrifft, muss ich das Lob umgehend an SoyTryphena weiterreichen, die mich tatkräftig mit üblichem englischen Ambiente unterstützt hat… ich würde Mister R. niemals zu einer Witzfigur degradieren, schließlich hat mir der Mann nichts getan…

Meli: oh, dann habe ich ja alles richtig gemacht, was Sev angeht, aber eigentlich sind ja eh schon alle in ihn verliebt, oder? Hm, ich kann dir sagen, dass ich mir eigentlich (wenn nichts dazwischen kommt) fünf „Staffeln" GSI vorstelle, von daher wird wohl ein bisschen Romanze eventuell drin sein…

Glasperle: Alan wer? Ach, so, Severus' Schwager, ja… netter Kerl, oder? Unser ZTM denkt leider nicht darüber nach, warum Hermione so geknickt reagiert, Mann ist eben Mann…

FA-AL: …lach… aber echt mal, weißt du, wie schwierig es ist, Blutflecken aus einem Teppich zu kriegen? Da hilft kein simples Ratzeputz, da müssen teure Tränke ran… obwohl Al ja da auch an der Quelle sitzt, na ja, grummeln ist immer gut… Ich kann nichts für die Idee mit Trelawney, beschwer dich bitte bei Alana Snape… Hermione ist ja nicht sauer… sie checkt nur langsam, dass sie ein bisschen mehr für unseren Lieblingsgiftmischer empfindet als bloße Freundschaft und es macht sie traurig zu sehen, dass er offenbar noch immer an Lily hängt…

Silvia: …grööööööööööl… Wie genial ist das denn? Vielleicht hätte ich aus Hermione einen Animagus machen sollen, dann wüsste Sev nicht einmal, wen er immer so liebevoll streichelt… hust… na ja, mir stehen ja noch alle Möglichkeiten offen… autsch, jetzt bin ich doch glatt mit dem Zaun kollidiert, mit dem du gerade vor meiner Nase gefuchtelt hast… ok… schaut sich nach allen Seiten um und flüstert… in dieser ff werden sie sich küssen… versprochen! Hey, ich habe doch gar nicht Halt die Klappe, Alan gesagt, oder?!

Try: immerhin habe ich es dir zu verdanken, dass ich überhaupt eine Atmosphäre beschreiben konnte, also steht dir das Dahinschmelzen auch zu… die Szene Sev=alter Mann habe ich zugegebenermaßen von Sherlock Holmes geklaut, zumindest ein bisschen… eine ähnliche Show hat er mit Watson abgezogen, als er „wiederauferstanden" ist… ich weiß jetzt aber ehrlich nicht, was du mit Seitenhieben bei den Rackmins meinst… ^

Boomshaker41: O.O Wann ist es denn soweit? Wann kommt der Film heraus? Gab es schon Castings? Und wen würdest du dich spielen lassen? :D Nee, Spaß beiseite, das konnte ich mir natürlich nicht verkneifen, obwohl ich sonst eigentlich nichts gegen A.R. habe (jedenfalls nichts wirksames, hust)…

Ich widme dieses Kapitel meiner großen Schwester Angie! ;D

SSHGSSHG

3. Kapitel

Hermione wusste, sie war zu spät. Sie hatte verschlafen, nachdem sie sich stundenlang im Bett hin- und hergewälzt hatte, ohne ihr Gehirn beherrschen zu können, kontrollieren zu können, daran hindern zu können, über unabänderliche und vor allem lächerliche Dinge nachzudenken. Es wurde Zeit, dass sie erwachsen wurde.

Selbstverständlich stand Severus bereits vor dem Pub, das typische Stirnrunzeln verfinsterte sein Gesicht. „Was hat dich aufgehalten?", blaffte er.

Sie wollte sich ganz automatisch eine Ausrede einfallen lassen, doch dann verwarf sie den Einfall. „Ich habe verschlafen", gab sie zu.

Er starrte sie an, als wüsste er nicht, was das bedeutete. „Ich gehe also davon aus, dass Faulkes nicht wieder da ist?", fragte er schließlich. Sie schüttelte den Kopf. „Hast du wenigstens gefrühstückt?"

„Nein, ich wollte dich nicht noch länger warten lassen."

Der Tränkemeister murmelte unverständliches, doch sie vermeinte etwas über „unerträgliche Gryffindors" herauszuhören. Er packte sie am Arm und schob sie durch die Tür des Red Lion.

„Wir sollten nicht noch mehr Zeit verschwenden!", protestierte sie, doch er ignorierte ihren Einwand und bestellte etwas zu essen für sie.

Er beobachtete sie über seine Tasse Tee hinweg, als sie hastig ihre Rühreier herunter schlang. „Meiner Erfahrung nach stehst du den ganzen Tag neben dir, wenn du kein vernünftiges Frühstück hattest", behauptete er. „Vergiss nicht, ich hatte jahrelang die Gelegenheit, dich zu beobachten. Und da ich heute deine volle Konzentration brauche, werde ich zu deiner Unausgeschlafenheit nicht noch Hunger hinzufügen. Du neigst in solchen Fällen zu schnappigen Antworten und da ich keine Möglichkeit habe, dich dafür angemessen zu bestrafen, denke ich, reduziert das den Stress für uns beide enorm, wenn du wenigstens satt bist."

„Ja, Professor, Sir", murmelte Hermione. Dann sah sie ihm ins Gesicht. „Warum hast du mich denn beobachtet?" Ein Lächeln spielte auf ihren Lippen.

„Ich wusste, wenn ich das Gehirn des berühmten Trios im Auge behielt, kamen mir deine beiden Partner in Crime auch nicht aus."

„Wie slytherin von dir", wiederholte sie die Worte seiner Schwester.

Severus schnaubte. „Ein Slytherin bleibt…"

„…ein Slytherin bleibt ein Slytherin", ergänzte sie den Wahlspruch der Schlangen.

Eine Viertelstunde später standen sie innerhalb der Steine von Stonehenge. Sie hatten vorsichtshalber einen Illusionszauber gewirkt, um nicht von neugierigen Muggeln überrascht zu werden, aber den hätten sie sich wahrscheinlich sparen können. Es hatte zwar in der Nacht nicht mehr geschneit, doch ein kalter Wind fegte durch das ungeschützte Gelände und trieb spitze Eiskristalle vor sich her und in ihre Augen.

„Ich weiß jetzt wieder, warum ich nie etwas von Feldforschung gehalten habe", knurrte Severus und beschwor einen Wärmezauber. „Also dann, zeig mir deine Runen!"

Hermione führte ihn zu einem großen, schiefen Stein. „Wir nennen ihn den Opferstein, aber eigentlich wissen wir nicht, wozu er tatsächlich gebraucht wurde", erklärte sie und entfernte den Ignorierzauber, der auf ihm lag.

Severus starrte angestrengt auf die Zeichen. „Die kommen mir bekannt vor", sagte er langsam. „Als ob ich sie schon mal irgendwo gesehen hätte."

Hermione nickte. „Du also auch. Mir ging es beim ersten Mal genauso. Und jetzt dreh dich mal um, geh ein paar Schritte fort und komm wieder."

Zu ihrer Überraschung tat er, worum sie ihn bat, ohne nach dem Warum zu fragen. „Kommen sie dir jetzt immer noch bekannt vor?", fragte Hermione.

Verblüfft legte der Tränkemeister den Kopf schief. „Seltsam. Nein, sie erscheinen jetzt völlig fremd." Er suchte in ihrem Gesicht nach einer Erklärung.

Sie zuckte die Schultern. „Es ging uns allen so. Zuerst kommen sie einem bekannt vor, dann verblasst das Gefühl rapide. Sie kommen mir manchmal so vertraut vor, als müsse ich nur die Hand ausstrecken und könnte sie lesen, und dann wieder erscheinen sie mir völlig fremdartig."

Der Tränkemeister besah sich die Runen. Falls es wirklich Runen sind, dachte er. „Und hast du es denn versucht?" Sie sah ihn verwirrt an. „Die Hand auszustrecken und sie zu lesen?", präzisierte er und strich über die raue Oberfläche des Steines. Die Warnung der Druiden kam ihm wieder in den Sinn. niht berur der steine körper

„Und wo sind die Ritzzeichnungen oder angeblichen Ritzzeichnungen eines Dolches?"

Hermione deutete auf den gegenüberliegenden Stein. Severus fröstelte, als der Wind auffrischte und puderigen Schnee hoch wirbelte, während er hinüberging, um die Einkerbungen zu betrachten.

Er schüttelte den Kopf. „Wie kommen die darauf, dass das wie ein Dolch aussieht? Und dann auch noch ein griechischer, aus der Bronzezeit?"

Hermione lachte. „Keine Ahnung. Na ja, ich hätte ja eher auf das Bild einer Fibel getippt, aber einer der Muggelarchäologen hat eben Dolch gesagt, also blieb es dabei."

„Eine Spange?" Der dunkle Mann runzelte die Stirn und sah sie aufmerksam an. Wieder hatte er das Gefühl, dass ihm etwas entglitt, etwas, das er genau kennen müsste. Wusste er, was ihm sein Unterbewusstsein sagen wollte, konnte er das Rätsel der Runen lösen, das schien ihm sicher. Hermione hatte ihn mindestens ebenso aufmerksam beobachtet wie er sie.

„Es ist wieder dasselbe, oder?", fragte sie zögernd. „Dieses Gefühl, dass wir es wissen müssten…?"

„Du bist eine unerträgliche Know-it-all!", murmelte er, aber es klang abwesend, gewohnheitsmäßig, nicht bösartig.

Severus betastete mit den Fingern die angebliche Dolchzeichnung, holte dann seinen Zauberstab aus der Innentasche der dicken Lederjacke und murmelte: „Indica occultas res!"

Einen Moment lang schien ein Lufthauch durch sie hindurchzugehen, der die Eiseskälte dieses Tages noch übertraf und sie fröstelten. Ihre Blicke trafen sich. „Was war das?" Hermione klapperten die Zähne aufeinander. Severus winkte sie heran. Die Ritzzeichnung war jetzt deutlicher zu sehen, nicht mehr nur geritzt sondern regelrecht ausgehöhlt. Sie beugte sich vor und pustete den Schnee aus der Vertiefung.

Als sie ihre Hand ausstreckte, hielt sie der Tränkemeister zurück. „Nicht anfassen!", warnte er. „Wir wissen nicht, ob es nicht eine Falle ist!"

„Eine Falle? Wozu sollte jemand riesige Steine aufeinandertürmen, um eine simple Menschenfalle zu konstruieren?", fragte Hermione. Trotz Wärmezaubers war ihr kalt und sie zitterte.

„Ich weiß es nicht", gab Severus zu. „Aber ich habe bei Aurelia eine in Runen gefasste Warnung gelesen, sich den Steinen nicht zu nähern, sie zu berühren oder sonst etwas damit anzustellen, weil sonst etwas schlimmes passieren würde."

„Aurelia?" Hermione wollte das gar nicht fragen, sie hätte sich viel eher nach der Warnung erkundigen sollen, doch es schien, als habe sich ihre Zunge selbstständig gemacht. Sie spürte, dass ihre Wangen brannten, schob es jedoch auf die Eiskristalle, die durch die Luft fegten und auf ihre Haut prasselten.

„Professor Ark", sagte Severus stirnrunzelnd. Er versuchte, sich an den genauen Wortlaut zu erinnern. „Niht berur der steine körper", deklamierte er. Die junge Gryffindor starrte ihn an, als er bei „de bose erden unten de steine bringen de leides vil" angekommen war.

„Nicht schon wieder irgendwelche Rätsel!", stöhnte sie.

„Ach, was, Rätsel", brummte er. „Das ist eine Warnung aus einem alten Buch aus dem 12. Jahrhundert." Er hieb seinen Fuß in den felsenharten, gefrorenen Boden. „Warum ist die Erde hier böse?"

Hermione hauchte auf ihre Hände. „Vielleicht ist sie vergiftet?", überlegte sie laut. „Vielleicht… keine Ahnung. Vielleicht gibt es in der Erde Gase oder Schwefelströme oder so etwas? Ich habe so etwas mal über Afrika gelesen. Ein unterirdischer See, aus dem Schwefel an die Oberfläche gestiegen ist und Tiere und Menschen getötet hat."

Severus schüttelte den Kopf. „Dann würden hier überall tote Schafe herumliegen. Stonehenge wäre sicherlich nicht mehr ganz so beliebt, sollte es hier von toten Touristen nur so wimmeln. Und von wem sollte dann die Warnung stammen? Aber unterirdisch klingt gut." Er starrte auf den Boden. „Wer weiß…" Tief in Gedanken versunken stand er da. Noch einmal hieb er mit dem Fuß in den Boden, so dass Schnee hoch stob.

„Ich sage dir was, Gryffindor…", begann er im selben Moment, als Hermione ansetzte.

„Ich habe eine Vermutung, Severus…"

Sie sahen sich an und schüttelten amüsiert die Köpfe. „Hatten wir dieses Problem eigentlich schon immer?", fragte Severus. „Also los – du zuerst!"

„Immer ich", maulte Hermione gespielt, fuhr aber gleich fort. „Es heißt ja die böse Erde unter den Steinen… also… was, wenn es dort eine Höhle gibt? Ob mit oder ohne See? Und irgendetwas dort unten… hm… also, nur mal angenommen, die Leute, die verschwinden, stürzen durch Erdlöcher oder so. Und irgendetwas dort unten sorgt dafür, dass sie entweder für immer verschwinden oder zumindest ihr Gedächtnis verlieren?"

„So etwas in der Art hatte ich mir auch gedacht, wenn auch ohne die Erdlöcher", bestätigte der Tränkemeister.

„Ja?"

„Natürlich", murmelte Severus. „Ich dachte an die Aubrey-Löcher."

Hermione fuhr herum und starrte über die gefrorene Anlage. „Natürlich!", rief sie. „Wieso habe ich nicht daran gedacht?" Sie machte Anstalten, zu den Löchern hinüberzustapfen, die sich im gleichmäßigen Abstand von ca. 30 Fuß vom äußeren Wall entfernt befanden und nach ihrem Entdecker Aubrey benannt waren.

Severus hielt sie fest. „Du bleibst hinter mir!", knurrte er. „Und wenn wir ein paar der Aubrey-Löcher kontrollieren, gehe ich voran, klar?"

Sie verdrehte die Augen. „Ich bin doch kein Kind mehr, Severus!", beschwerte sie sich. „Außerdem war ich schon dutzende Male in den Löchern, ohne dass mir etwas passiert ist."

„Habt ihr sie auf verborgene Runen hin untersucht?"

Hermione wurde rot. „Ähm… nein. Daran haben wir nicht gedacht, nicht dass ich wüsste, jedenfalls. Ich frage mich, ob die anderen bei Avebury einmal die Steine nach verborgenen Runen untersucht haben?"

„Sicher, das wäre doch naheliegend", befand Severus.

„Jetzt, wo du es sagst…" Sie hörte sich zweifelnd an. „Wieso nur bin ich nicht auf diesen Gedanken gekommen?"

„Weil hier alles seltsam ist", murmelte der Tränkemeister und bewegte sich in Richtung der Aubrey-Löcher. „Dinge, die man eben noch als vertraut betrachtet, verlieren jegliche Vertrautheit, Sachen, die eigentlich logisch sein sollten, verschwinden aus dem Gedächtnis." Er glitt auf dem rutschigen Boden ein wenig aus, konnte sich jedoch wieder fangen und drehte sich zu Hermione herum. „Ich wette, dass alles, was wir heute hier besprochen haben, morgen nur noch rudimentär in unserem Gedächtnis vorhanden ist."

Hermione blinzelte verwirrt und musterte das Gesicht ihres ehemaligen Lehrers. Seine normalerweise blasse Haut war gerötet, einige Haare hingen ihm ins Gesicht. Die nachtschwarzen Augen glühten vor Überzeugung. Sie fand, er saß außergewöhnlich aus. Bestimmt nicht gutaussehend, oh, nein, nicht Snape. Aber aufregend. Irgendwie. Dann kam ihr zu Bewusstsein, was er gerade gesagt hatte.

„Verdammt, ja!", murmelte sie und blieb abrupt stehen. „Es ist tatsächlich so, Severus. Ich habe jeden Morgen meine Aufzeichnungen nachlesen müssen, weil mir einfach die meisten Dinge überhaupt nicht mehr klar im Gedächtnis standen. Und ich habe mich nicht einmal darüber gewundert! Ich bin schon manchmal ein schrecklicher Hohlkopf!"

Severus winkte ungehalten ab. „Nein, so etwas hatte ich mir gestern Abend schon gedacht. Irgendwer arbeitet hier mit gewaltigen Gedächtniszaubern und ich war mir fast sicher, dass es von Stonehenge ausgeht. Ich weiß zwar nicht wer und warum, aber ich zweifle nicht daran, dass du irgendwie über die Lösung stolpern wirst, Gryffindor, und ich werde es dann wieder ausbaden müssen!"

Er sah sich aufmerksam um, bevor er mit seinem Zauberstab eines der Löcher von Schnee, Schmutz und Eis reinigte und hineinsprang. Es war weder besonders tief noch besonders groß, auch wenn es Vermutungen gab, dass einstmals andere Steine in diesen Aubrey-Löchern gestanden hatten. Hermione folgte ihm auf dem Fuße, woraufhin er sie wütend anfunkelte. „Habe ich nicht gesagt…"

„Ja, hast du. Streiten wir jetzt oder schauen wir uns um?", unterbrach sie ihn und fuhr mit dem Zauberstab über die raue, nasse Erde. „Finite incantatem", murmelte sie. Sie kam sich vor wie in einem Windkanal. Während eine Hälfte ihres Körpers durch die Grube geschützt wurde, waren ihr Oberkörper und Kopf der Kälte schutzlos ausgesetzt. Der Wärmezauber schien überhaupt keine Wirkung zu zeigen.

Sie sah ihren dunklen Begleiter an. Selbst Severus Snape, die eiskalte Fledermaus aus dem Kerker, war nicht unberührt. Seine Hand, in der er seinen Zauberstab hielt, zitterte ganz leicht. Abrupt drehte er sich herum. „Genug!", knurrte er. „Wie zum Phönix habt ihr es hier überhaupt ausgehalten?"

„Wir hatten eine Meile weiter hinten ein Zelt aufgebaut und sind da etwa jede halbe Stunde hin appariert, um Tee zu trinken und uns aufzuwärmen", erklärte Hermione. „Aber so kalt und unangenehm wie heute war es noch nie!"

„Wir müssen hier fort", beschloss Severus. „Wir werden im Red Lion zu Mittag essen und unser weiteres Vorgehen planen. Ich hoffe zumindest, dass wir noch nicht alles vergessen haben, wenn wir dort sind." Er schwang sich elegant aus dem Loch und bot Hermione die Hand, um ihr hinauszuhelfen. Bevor sie jedoch nach Avebury zurückkehrten, lief er noch einmal mit weitausgreifenden Schritten zu dem Stein mit der Ritzzeichnung und kopierte sie in ein schmales, schwarzes Notizbuch.

Er erklärte sich nicht weiter, sondern packte sie am Arm und disapparierte mit ihr. Hermione brauchte wie üblich einige Zeit, um sich von der Seit-an-Seit-Apparation zu erholen; in der Zwischenzeit hatte Severus sie in den überheizten Pub geschoben, ihnen einen abseits gelegenen Tisch in einer Ecke gesucht und die Bestellung aufgegeben. Als sie ihre Übelkeit überwunden hatte, beobachtete sie den Tränkemeister. Er hatte gewartet, bis der Kellner ihnen Essen und Trinken gebracht hatte und dann einen Ignorierzauber samt Muffliato auf sie gelegt.

Im Moment bearbeitete er mit seinem Zauberstab die Zeichnung, die er von dem angeblichen Dolch gemacht hatte und ließ schließlich ein dreidimensionales Bild davon vor ihnen entstehen. „Glaubst du, du könntest ein normales Messer so verwandeln, dass es genau diese Gestalt annimmt?", fragte er sie.

Hermione nickte und sah ihn fragend an. „Warum machst du es nicht selbst?" Sie schob ihm ihr Besteck hinüber.

War das Röte, die in seine Wangen stieg oder immer noch die Überbleibsel der Kälte? Sie lächelte, als er dumpf knurrte. „Ich war von der Annahme ausgegangen, du seiest diejenige, die Verwandlungen studiert, aber bitte… wenn du es nicht kannst!"

Hermione lachte leise und beugte sich zu ihm hinüber. „Du kannst es nicht! Gib es zu… das ist für dich dein oft erwähntes albernes Zauberstabgefuchtel, stimmt's? Du bist ein mächtiger Zauberer, du kannst hexen und fluchen wie nur irgendwer, aber du scheiterst an feinmotorischen Zaubereien!"

Severus blickte sich um, aber natürlich nahm keiner von ihnen Notiz, sein Ignorierzauber funktionierte tadellos. Er verschränkte die Arme vor der Brust und setzte ein so finsteres Gesicht auf, dass Hermione sich erschrocken hätte, wenn sie ihn nicht so gut gekannt hätte wie sie es mittlerweile tat. Seine Augen verengten sich. „Ich hätte gemeint, Freunde machen sich nicht übereinander lustig", brummte er so tief, dass sich die Härchen in ihrem Nacken aufstellten.

„Ich mache mich nicht lustig, ich necke dich ein wenig. Das tun Freunde nämlich öfter", erwiderte Hermione ein wenig atemlos. Sie fragte sich, ob er seine Stimme bewusst so einsetzte, um sie zu irritieren, aber andererseits: Severus war auch nur ein Mann und wahrscheinlicher war es, dass er nicht einmal wusste, wie sein dunkler Bariton auf eine Frau wirkte, wenn er so vor sich hingrollte. Um ihn nicht weiter zu verärgern, tat sie, was er verlangte und begann langsam, ihr Messer zu verwandeln.

Es war ein schwieriges Stück Arbeit. Das Besteck des Pubs bestand aus billigem Aluminium, und sie musste aufpassen, dass es sich nicht zu schnell veränderte, weil es sonst untauglich geworden wäre. Also nahm sie sich Zeit, formte magisch hier, zog da, streckte und änderte seine Beschaffenheit, bis es der Dolchzeichnung perfekt ähnelte. „Jetzt weiß ich auch, warum du Steak bestellt hast", murmelte sie. „Wie erklärst du dem Kellner, was mit seinem Messer passiert ist?"

„Gar nicht", antwortete Severus. „Wozu bin ich Zauberer?" Hermione sah hoch und ertappte ihn bei einem äußerst selbstzufriedenen, schmalen Grinsen, mit dem er sie betrachtete. Sein Gesicht war entspannt, die Augen funkelten in dem diffusen Licht des Pubs und er wirkte jungenhaft. In diesem Moment gestand sie sich selbst ein, dass ihr Ermittlungspartner absolut anbetungswürdig war. Schnell senkte sie den Kopf und betrachtete ihre Arbeit.

Der Tränkemeister beugte sich vor und nahm ihr den Dolch aus der Hand. „Ich bin gespannt, was passieren wird, wenn wir ihn in die Ritzzeichnung stoßen", sagte er.

Hermione riss die Augen auf. „Du glaubst, es könnte sich um eine Art Schloss handeln?"

Er zuckte mit den Schultern. „Was sonst?" Er wog und betrachtete ihren Schlüssel. „Du hast übrigens Recht", meinte er. „Es sieht tatsächlich eher wie eine Fibel denn ein Dolch aus. Viel zu plump für eine Waffe, selbst eine altertümliche."

„Okay, wann testen wir deine Theorie?", fragte Hermione und strahlte ihn an. Severus hatte für einen kurzen Augenblick das Gefühl, es würde noch wärmer um ihn herum. Das Lächeln der jungen Frau war so herzlich und ganz und gar auf ihn gerichtet – ein ungewöhnliches Erlebnis. Er verdrängte diesen ungebetenen Gedanken sehr schnell wieder. Sie war eine ehemalige Schülerin von ihm, und er stand in ihrer Lebensschuld. Nicht mehr, nicht weniger.

Er rieb sich über das Kinn. „Sobald wie möglich. Allerdings gibt es dieses Mal ein paar Bedingungen, Hermione Granger."

„Oha", murmelte sie und unterdrückte ein Lachen. Immer, wenn er ihren vollen Namen aussprach, kam etwas Bedeutsames.

„Wir wissen wieder nicht, was uns erwartet. Du wirst dich also ausnahmsweise an meine Anweisungen halten. Nimm es hin, dass ich derjenige von uns beiden mit der größeren Erfahrung ist, und was immer da auch vorgeht, wir sind uns einig, dass da jemand mit starken Vergessenszaubern arbeitet. Wer weiß, womit wir noch konfrontiert werden. Du wirst also deinen Gryffindorschen Wagemut hinten anstellen und so handeln, dass wir beide möglichst unbeschadet aus der Sache herauskommen."

„Sofern es überhaupt eine Sache gibt, die wir unbeschadet überstehen können", ergänzte Hermione.

„Oh, solange du involviert bist, hege ich da keinen Zweifel, Gryffindor!"

SSHGSSHG

Einige Zeit später standen sie wieder vor den hängenden Steinen. Wenn es irgendwie möglich war, war es mittlerweile noch kälter und zugiger geworden. Severus rieb sich die Hände und stellte den Kragen seiner Lederjacke hoch. Hermione beobachtete, wie Schneeflocken auf seinem Kopf landeten und ihn bedeckten, bis sie schmolzen und die schwarzen Haare feucht glänzen ließen.

„Wer trägt eigentlich Fibeln?", fragte er beiläufig, als er den Dolch/Fibel/Schlüssel/Was-auch-immer aus seiner Tasche holte.

„Hm… bis ins hohe Mittelalter waren sie die einzige Form von Kleidungsverschlüssen", grübelte sie laut. „Aber heutzutage?" Es war zum Verrücktwerden, sie hatte das Gefühl, die Antwort zu kennen, aber es wurde und wurde nicht klarer. Ob hier tatsächlich starke Zauber angewandt wurden, um Leute vergessen zu lassen? Und warum war es noch nie jemandem früher aufgefallen? Weil früher auch noch nie Zauberer versucht hatten, das Geheimnis von Stonehenge zu entschlüsseln, gab sie sich selbst zur Antwort.

Severus suchte ihren Blick, tiefschwarz traf hellbraun. „Bereit?"

Hermione zog ihren Zauberstab, richtete ihn auf die Ritzzeichnung und ließ sie wieder dreidimensional werden. Sie behielt ihren Zauberstab draußen; was auch immer passierte, sie wollte vorbereitet sein. Ihr dunkler Begleiter schob den Dolch bis zum Anschlag in die Öffnung. Er passte perfekt, und er war von Hermiones Verwandlungskünsten beeindruckt.

Weniger beeindruckt war er von dem, was passierte. Es passierte nämlich nichts. Unwillig verzog er den Mund. „Also gut, unsere Theorie war falsch. Wir müssen etwas anderes in Erwägung ziehen, oder die ganze Stonehengegeschichte führt vielleicht zu überhaupt nichts, am allerwenigsten zu Liz Faulkes."

Hermione erschauerte und zog die Schultern zusammen, als ihr nasser Schnee in den Nacken tropfte. Sie legte ihren Kopf zurück und sah nach oben. „Severus!", schrie sie auf. „Aus dem Weg!" Ein leises Knirschen war das einzige, was verriet, dass etwas passierte. Der tonnenschwere, waagerechte Stein über ihnen bewegte sich und würde im Bruchteil einer Sekunde auf sie fallen und sie zerschmettern. Hermione warf sich auf Severus, um ihn aus dem Weg zu stoßen. Sie krachten zusammen gegen den Opferstein und…

…fielen hindurch.

Und fielen weiter in eine unendliche, tiefschwarze Dunkelheit.

Hermiones Kehle war vor Schock so zugeschnürt, dass sie nicht einmal atmen konnte; ansonsten hätte sie wahrscheinlich geschrien wie am Spieß. Ihren Zauberstab hatte sie im selben Moment verloren, als sie durch den Stein gestürzt waren und dann prallte sie mit der Schulter gegen einen rauen Widerstand, versuchte, sich festzuhalten und scheuerte sich die Haut an den Fingern ab, als sie abrutschte und immer noch weiter fiel.

Das Brennen an ihrer Hand war das einzige, was sie davor bewahrte, den Verstand zu verlieren. Angst und Ohnmacht hielten sie so sehr im Griff, dass sie es erst Sekunden später realisierte, als sich etwas glitschiges – etwas wie ein riesiges Spinnennetz – um sie schlang, ihren Sturz bremste, sie abfing und sanft wippen ließ. Ein unterdrücktes Schluchzen entrang sich ihrer Kehle und dann schrie sie doch auf, als etwas über ihren Arm strich.

„Schsch…!" Ein Licht flammte auf, doch es kam nicht von einem Zauberstab. Das kurze Aufflackern eines Streichholzes beleuchtete für eine Sekunde das blasse Gesicht des Tränkemeisters, bevor es wieder erlosch und sie in noch vollkommenerer Dunkelheit als vorher zurückließ.

„Severus!", wisperte Hermione und warf sich in seine generelle Richtung. Ein Grunzen und die willkommene Wärme und Härte seines Körpers verriet ihr, dass sie ihn erwischt hatte. Sie neigte normalerweise nicht zu mädchenhafter Hysterie, doch im Moment war sie einfach nur froh, dass sie nicht allein war und sie brauchte die Gewissheit, dass er lebte, atmete, bei ihr war.

Es schien, auch an dem stoischen Mann war der Sturz nicht spurlos vorübergegangen, denn er drückte sie an sich, bevor er sie abrupt losließ, ein wenig zur Seite schob und ein zweites Streichholz entzündete. „Wo ist dein Zauberstab?", fragten er und Hermione wie aus einem Mund und gaben sich auch im gleichen Moment die Antwort: „Verloren."

„Verdammt!", fluchte Severus, als er das Streichholz fallen ließ, nachdem es ihm die Finger verbrannt hatte. „Ich habe es satt, Gryffindor! Jedes Mal, jedes verdammte Mal, wenn ich mit dir zusammen bin, lande ich in diversen Höhlen, falle irgendwo hinunter, verletze mich, werde fast ertränkt, fast erschlagen, fast Was-auch-immer… Dich sollte man in irgendeine Bibliothek einsperren und festbinden, damit du unschuldige Tränkemeister nicht mehr ständig in Gefahr bringen kannst!"

„Bloß gut, dass die unschuldigen Tränkemeister so völlig unbeteiligt an diesen Sachen sind", murmelte Hermione atemlos, schwankend zwischen Lachen und hysterischem Schreien. Ihr Herz hämmerte noch immer gegen ihre Rippen, als wolle es herausspringen und sie hatte Schwierigkeiten beim Atmen.

„Bin ich auch!", beharrte Severus störrisch wie ein Dreijähriger, entzündete ein drittes Streichholz, sah umher und packte Hermiones Arm, als auch dieses wieder verlosch. Sie befanden sich in einer Konstruktion, die aussah wie ein Klettergarten aus Spinnenfäden. Hermione wollte gar nicht darüber nachdenken, wie groß diese Art von Spinnen sein musste, wäre das tatsächlich der Fall, beruhigte sich jedoch damit, dass es nicht klebrig war und sich auch niemand mit acht Beinen und gleichviel Augen hatte blicken lassen.

„Wir verlassen dieses behagliche Auffanggerät", kommandierte er und zog sie mit sich, als er herunter sprang. Ein weiteres Streichholz musste daran glauben, als er den Boden nach ihren Zauberstäben absuchte.

„Woher hast du eigentlich die Streichhölzer?", fragte ihn Hermione.

Er zeigte ihr die Packung, auf der in roten Buchstaben Red Lion stand. „Verstehe", murmelte sie abwesend. „Du hast deine Gryffindors immer gern bei dir…"

Die verlöschende Flamme zeigte ihr sein grimmiges Starren, bevor sich wieder völlige Schwärze über sie legte. Ihre Zauberstäbe hatten sie nicht gefunden, dafür jedoch gesehen, dass sie eine Art Schacht heruntergestürzt waren und jetzt in einem etwa acht Fuß breiten Gang standen. „Soll ich jetzt hoffen, dass Wasser kommt, welches uns hier wieder heraus trägt oder nicht?", murmelte Severus.

Hermione fühlte sich ebenso wie er an ihr Erlebnis unter Hogwarts erinnert, ganz besonders als sie spürte, dass sie nicht apparieren konnte. Offensichtlich hatte der Tränkemeister dasselbe festgestellt. „Entweder, hier liegt ebenfalls eine Apparationssperre vor oder wir sind tatsächlich gänzlich vom Felsen eingeschlossen", knurrte er düster. Sie machte unwillkürlich einen Schritt näher zu ihm, bis sie seinen warmen Atem spürte, der kurz über ihr Ohr weg strich.

„Es muss ein Zauber ähnlich dem von Gleis 9 ¾ sein", sagte sie und ärgerte sich, dass ihre Stimme dünn und jung klang. „Dieselbe Art durchlässiger Mauer."

Trotzdem fühlte sie Erleichterung durch sich durchströmen, als die kalte Hand des Tränkemeisters ihren Arm herunterwanderte und dann um ihre eigene Hand schloss. „Wenn es keinen Weg zurück gibt, bleibt uns nur der nach vorn, also auf, auf, bleib bei mir, schnüffle nicht herum, bring uns nicht noch weiter in Schwierigkeiten und bemühe dich einmal in deinem Leben, mich nicht in Gefahr zu bringen!"

„Ich dachte, das Schnüffeln wäre eher deine Passion", maulte Hermione, blieb jedoch tatsächlich eng bei ihm. Sie hörte, wie er sich den Gang entlang tastete und beneidete ihn nicht darum. Sie hätte nicht im Dunkeln in unbekanntes Terrain fassen mögen.

„Glaub nicht, nur weil du aus Hogwarts heraus bist, dass ich dich nicht mehr für Impertinenz bestrafen könnte", brummte Severus. Er klang abgelenkt und seine Antwort eher mechanisch, denn sein Griff verfestigte sich um ihre Hand. „Der Gang schlägt einen Bogen, Gryffindor", flüsterte er. „Bleib ein bisschen hinter mir!"

Millimeterweise schob er sich um die Biegung und blinzelte. Entweder er begann, an Halluzinationen zu leiden oder weit, weit vor ihm gab es ein stecknadelgroßes Licht. „Ich sehe etwas", flüsterte Hermione hinter ihm in sein Ohr. Ihre Nase streifte kurz seine Wange und er hatte das Gefühl, sein Herz stocke für einen Moment.

Was, bei allen galoppierenden Gargoyles, war das? Wieso saß ihm plötzlich ein verdammter Mühlstein in der Brust und drückte ihm die Luft weg? Das war Hermione Granger, die unerträgliche kleine Know-it-all, die ihn nervte und ärgerte und ständig in irgendeinen Schlamassel hineinritt! Sie war… ein Kind! Im Prinzip. Jedenfalls im Gegensatz zu ihm. Schweiß brach ihm aus und er schob den Gedanken, dass er genau den Duft ihres Haares kannte, fort. Er musste sich konzentrieren, auf keinen Fall durfte er sich von einem plötzlichen und unwillkommenen Hormonschub irritieren lassen!

Severus verlangsamte seine Schritte noch mehr. Während er mit der einen Hand noch immer Kontakt zum rauen Stein der Wand hielt, ließ er seinen Blick unverwandt auf dem Licht ruhen, das langsam größer wurde. „Gleich werden wir Rumpelstilzchen sehen, welches über ein Feuer hopst", hauchte Hermione mit einem nervösen und unterdrückten Lachen.

Obwohl er es nicht leiden konnte, alle Probleme nur mit dem Zauberstab zu lösen, bedauerte Severus, jetzt keinen zur Hand zu haben, und ihm war auch nicht zum Lachen zumute. Sie näherten sich offensichtlich einer großen Höhle, in der tatsächlich viele große Feuer brannten. Flackernde Schatten auf den Höhlenwänden verkündete davon, dass sie nicht mehr länger allein waren, doch noch konnten sie nichts erkennen.

„Runter!", zischte der Tränkemeister und drückte Hermione unsanft zu Boden. Er huschte weiter und sie folgte ihm unbeholfen und geduckt. Vor ihnen öffnete sich eine Höhle, die mindestens so groß wie ein Quidditchfeld und deren Höhe nicht abzusehen war. Sie pressten sich eng an die Höhlenwand, noch außerhalb des einfallenden Lichtkegels. Hermione konnte nur auf die unwirkliche Szene vor sich starren.

Kleine, höchstens vier oder fünf Fuß große Gestalten mit großen Ohren und riesigen Augen wuselten herum. Sie bearbeiteten Holz und Stein, kochten Essen auf Kesseln, kümmerten sich um winzige rosafarbene Babys, die wie Miniaturausgaben ihrer selbst aussahen. Sie trugen lederne Hosen und Hemden, manche auch Umhänge aus Fell, die mit großen, bronzenen Fibeln zusammengehalten wurden. Zwischen ihnen bewegten sich Menschen, die zum Teil in äußerst seltsame Sachen gekleidet waren. Hermione vermeinte sogar Uniformen zu erkennen, die denen ähnelten, welche die Soldaten vor dem Buckingham Palace trugen.

Alle schienen permanent beschäftigt. Die Menschen waren für die groben Tätigkeiten zuständig, während die kleinen Wesen dirigierten und die Feinarbeit vornahmen.

Severus zog Hermione am Ärmel, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und wich wieder einige Fuß in die Dunkelheit zurück. Sie folgte ihm, nicht ohne noch mehrmals den Kopf zu wenden. Ihr Gesicht war vor Aufregung gerötet. „Grundgütiger Merlin!", jappste sie heiser, als sie wieder von der Dunkelheit umschlossen wurden. „Ich muss träumen, Severus. Sag mir, dass ich schlafwandle!"

„Ich bezweifle, dass du ausgerechnet mit mir schlafwandeln würdest", knurrte der Tränkemeister. Hast du eine Ahnung, dachte Hermione und erschrak über ihre eigenen Gedanken.

„Wach oder nicht, Severus! Hast du gesehen, was ich gesehen habe?", fragte sie.

„Was glaubst du denn gesehen zu haben?"

„Hauselfen, in Sachen gekleidet, die Fibeln trugen!", kam ihre Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Fibeln, Severus! Deshalb kam uns die ganze Sache so bekannt vor. Wir sehen ständig Hauselfen, die ihre Geschirrtücher mit Fibeln zusammenhalten!"

Er knurrte dumpf. „Sag mal, hat euch Binns in Geschichte überhaupt nichts beigebracht, Gryffindor? Das waren keine Hauselfen, verdammt noch mal. Das waren Wildelfen, und wir haben ein Problem!"

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Indica occultas res, Latein: Zeige das Unbekannte!